WMU Tilgomt
1899
Freitag, den 30, Juni
N-- 28 S
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
beim
Margen -Ausgabe
Der erste Sturm.
Aus Stadt und Zand
Wittwe,
Schleppen eines Schiffes Remorqueur-Dienste geleistet. Ehe Boot Bingen erreicht hotte, lief der rechtsrheinische Zug, der in Riidesheim fällig ist und mit dem das
zu, statt,
* Samstag, den 1., und Sonntag, den 2. Juli, unternimmt der „Rhein- und Taunus-Klub" eine l'/i-tägige Wanderung zur Lahn und zum Westerwald. Die Abfahrt kann nach Belieben Der Theilnehmcr mit der Nheinbahn (Schnellzug 1.-3. Kl., Ivllhr 48 Min. Samstag Morgen, die theuere Route) oder per LndwigS- bahn um 11 Uhr 55 Min. via Limburg und Diez erfolgen (die billigere Route). Der gemeinsame Abmarsch ab Enis erfolgt nach 3 Uhr; auf schönen, aussichtsreichen Promenadenwegen geht c8 durch Wald und Feld, mit herrlichen Blicken auf das Lahnthal, Enis und die Nassauer Burgen nach dem Dorfe Keiiimenau. Zehn Minuten seitwärts nach Westen zu befindet sich die Kemnienauer Höhe oder schöne Aussicht, die eine der schönsten Rundsichten des Lahnthals bietet, so schön wie vom Malberg-Thurm ober Schloß Schaumburg, durch die imljcit vulkanischen Höhen des Westerwalds, die Arzbacher Köpfe rc., aber noch malerischer. Der Bergrücken wird von tiefen malerischen Thälern umgeben, aus denen zahlreiche Schlote der Blei- und Silberbergwerke emporragen. An der Höhe Weißer Stein geht es vorüber durch Welschneudorf mit großer Fohlenweide nach dem Endziel der heutigen 3b'-- bis 4-stüi>digen Wanderung, dem hochgelegenen, alten Städtchen Montabaur, wo im Hotel Schlemmer zu Nacht gegessen und logirt wird. — Wer Samstags um die Mittagszeit noch nicht mitfahren kann, hat Gelegenheit, Nachmittags 2 Uhr 53 Minuten per Ludwigs-
41. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. ob Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Der Dringlichkeits-Antrag fiel, und war nur der zweifelhafte Ruhm, zu ....t neuen Kammerskandal hinzu-
II Königstein, 28. Juni. Die Frau Großherzogin von Luxemburg, welche gegenwärtig hier weilt, hat das Protektorat über das am 6. August in unserem Städtchen stattfindende erste Bundesfest des Main-Taunus-Sängerbundes übernommen und zugleich dem Festausschuß 300 Mk. als Beitrag zu bett Kosten beS Festes überreichen lassem Durch diesen Beweis fürstlicher Huld hat sich die hohe Dame nicht nur den gedachten Sängerbund, sondern auch die gesammte Einwohnerschaft Königsteins zu lebhaftem Danke verpflichtet. — Heute trifft die Frau Erbgroßherzogin Hilda von Baden zu einem längeren Besuch bei ihrer hohen Frau Mutter hier ein.
Ems, 28. Juni. Dieser Tage wurde hier ein in jugendlichem Alter stehender Bursche verhaftet, in dem man spater einen von Düsseldorf aus steckbrieflich verfolgten Dieb erkannte. Der junge Mensch hatte in einem hiesigen Hotel eine Stelle als Kupferputzer gefunden, die Papiere seien ihm auf der Reise gestohlen worden, gab er an. Nachdem eine Abschlagslöhnung vergeblich
Nttzeigen-PreiS:
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Präsident überreichte dem Dirigenten Namens des Vereins einen Lorbecrkranz mit Widmung in Anerkennung der großen Fortschritte, welche der Verein unter seiner nunmehr zweijährigen Leitung gemacht. Herr Bäcker dankte mit herzlichen Worten und ermahnte die Säuger, in ihrem Eifer nicht nachzulaffen, er werde gleichfalls dem Verein seine ganze Kraft widmen. Ein Hoch auf das anwesende Ehrenmitglied Herrn I. Jacoby, sowie auf den „Mittel- rheinischen Sängerbund^ fand freudigen Widerhall. Chorvorträge, Solo-Quartette und Conplets hielten die Theilnehmcr bis lange nach Mitternacht zusammen. Nächsten Sonntag findet bei günstiger Witterung ein Sommerfest „Unter den Eichen", nach der Walkmühle
bah» über Limburg nach Montabaur nachzufahren; wer erst Samstags Abends fortkommen kann, benutzt am besten einen Abend- zug nach Limburg, übernachtet dort, und fährt Sonntags Morgens mit dem ersten Zug der Westerwaldbahn »ach Montabaur, ab Limburg 4 Uhr 47 Minuten, an Montabaur 5 Uhr 49 Minuten. Von Montabaur geht nun der Hauptmarsch des heutigen Tages durch das herrliche wilde, vielgewuiidene Thal des GelbacheS der Lahn zu. Zuerst ist das Thal »och weit, die Gegend mehr lieblich; je weiter nach der Lahn zu, desto tiefer schneidet das Thal ein, desto felsiger und waldiger werden die Hänge. Ein halbes Dutzend kleiner, armer Dörfer wird passirt, von denen nur eines, Kirchähr, sich dnrch Kirche und WirthShaus auszeichnet. Bei dem Dorfe Weinähr ivird die Gegend wild und rauh, kahle felsige Höhen umgeben das Thal, in breitem, steinigem Bett, oft Hochwasser bringend, rauscht der breite Gelbach seiner nahen Mündung bei Schloß Langenau zu. Direkt über Weinähr ragt das zackige, wildzersägte, schmale Felsriff des Goethepnnktes auf, mit herrlicher Aussicht aus die beiden Thäler. Vom Goethepunkt geht es wieder hinab durch daS Gelbachthal und jenseits hinan zur hohen Lay mit herrlicher Aussicht besonders nach den Nassauer Burgen, und hinab nach Nassau, wo nach sechsstündigem, durchaus lohnendem Marsch das Mittageffen im „Hotel Müller" an der Bahn eingenommen wird (etwa um 3 Uhr). Die Rückfahrt erfolgt nach Belieben derTheil- nehmer. — Die Nachkommenden wollen sich bei dem Führer, Herrn bischer, rechtzeitig melden, damit für Nachtquartier und Essen gesorgt werden kann, und ebenso Gäste, die sich anschließen wollen.
— Auch eine Heirnlhs-Gfferle. Im „Franks. Jnt.-Bl." lasen wir gestern folgendes Inserat: „Mädchen, auch junge Wittwe, mit einem Bei» (II) ist Gelegenheit geboten, sich mit jungem, tüchtigem Geschäftsmann (Fabrikant künstlicher Beine) zu vcr- heirathen. Ernstl. Offerten (nicht anonyul) unter.....an die
Annoncen-Expedition von G. L. Daube u. Co., Frankfurt a. M." Sollte es dem wackeren Geschäftsmann nicht doch vielleicht nur um Adressen zu thun fein, an die er auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege seine Beine liefern zu können hofft? Der Kreis der Jntereffenten für seinen Specialartikcl ist ja glücklicher Weise nicht gar so groß.
Verlag: Langgasse 27
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für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Margen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur ANjÜkAkN »ächsterscheiiienden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit sorge getragen.
das Boot Bingen .......... ------, . . ... „ ...
um 5 Uhr 11 Min. in Riidesheim fällig ist und mit dem das Boot die Verbindung Herstellen soll, schon im dortigen Bahnhof ein. Der Zug wartete ans die linksrheinische» Passagiere und erhielt dadurch, obgleich er fahrplanmäßig eingetroffen war, eine Verspätung von fast einer Viertelstunde. Mit der größten Hatz mußten die Reisenden ihre Fahrkarten lösen und nach den Wagen sttirzen. Daß sie dabei von de» Bahnbeamten noch zur Eile ange- trieben wurden, kann man letztere» »icht verübeln. Wohl aber kann man von der Eisenbahnverwalttma verlangen, daß sie für eine bessere Verbindung zwischen zwei so wichtigen und frequenten Punkten wie Bingerbrück und Rüdesheiin Sorge trägt.
Unser Pariser o-Korrespondent schreibt uns unterm 28. Juni: Der mühsam und mit so großen Gewissensopfern errungene Sieg des Ministeriums war durchaus keine Gewähr dafür, daß es, so lang oder so kurz auch seine Lebensdauer sein möge, auf Rosen gebettet sein würde. Hat es doch gegen sich erbitterte Feinde und für sich keine Freunde, sondern nur sehr kühle, sehr mißtrauische, l provisorische Verbündete. Treten die letzteren mit dringenden Forderungen an die Regierung heran und verlangen nicht nur „Thaten", sondern schon „Resultate", so scheinen die i- elfteren keine Gelegenheit vorüber gehen lassen zu wollen, x ohne dem Kabinett das Leben sauer zu machen. Sie begannen damit gleich in der ersten Kammersitzima, die gestern mit der Thcil- nahme Der neuen Neaierungsinitglieder stattfand, und es war der Nationalistenführer Dsroulöde, der die edle Mission, Nadelstiche zu . ertheilen und Tumult hervorzurufen, auf sich nahm. Doch fehlt - es dem Helden aus der Reuilly-Kaserne an schöpferischer Einbildungskraft, obgleich er in feiner — von Staatsstreichversuchen feeie» — Zeit der Dichtermuse huldigt. Er bedient sich in der S. Politik der abgenutzten bonlangistischen Mittel und begnügt sich k damit, schon ausvrobirte Casaren-Jnscenirunaen zu wiederholen. Louis Napoleon hatte es vor ihm versucht, Soldaten in einem Kasernenhof aufzuwiegeln. So ist auch noch der Tag eriilnerlich, da General Boulanger, anspruchsvoll und banal wie seine blaue, weißgetupste Kravatte, die Stammertribünc bestieg und ein Revisionsprojekt in Vorschlag brachte. Er kümmerte sich wohl wenig um das neue Regierungssystem, es handelte sich nur darum, daß er dessen Chef werden sollte. Auch Deroulede brachte gestern dein Parlament seinen Revisionsvorschlag, r Da es ihm nicht gelungen war, das Parlament durch Soldaten zu stürzen, so that er ihm die Ehre an, es zu Rath zu ziehen. Morgen würde er dann ins Land hmausschreien: „Volk, die Kammer wollte Dir nicht die Konsulat-Republik und - mich zum Konsul geben; der Vertrag ist gebrochen und der Staats- X streich beginnt." Aber diese parlamentarische Komödie, das Vor- L spiel zu dem geträumten militärischen Drama, wurde durchschaut M und vereitelt, nicht nur vom Ministerpräsidenten, sondern auch von :■ Denjenigen, die, wie z. B Viviani, grundsätzlich Anhäiiger der Verfassungsreviston sind. Der Dringlichkeits-Antrag fiel, was Döroulöde erreichte, war den vorhergegangenen einen ________ _________ . „
x gefügt zu haben; er hatte auch die Befriedigung, mitten ini tobenden Lärm, halb ungehört und halb unbeachtet, einige kecke Herausforderungen der Kammer und der Regierung entgegengeschlendert zu haben: „Ich bitte die Kammer, festzustellen, daß ich mich gar feiten an Ihren Patriotismus wende — und =• Ovar aus guten Gründe», hier berufe ich mich nur auf das Interesse .... Ich will das Volk fragen, ob es dieser Kammer i einen Herrn und dem Lande einen Diener geben will ....“ — Die gestrigen Vorgänge haben übrigens die tiefe Müdigkeit und ' Entmuthig'ung der Mehrzahl der Kammermitglieder noch gesteigert und den letzten Widerstand einiger Erhitzten, die ohne die aufregende Atmosphäre des Palais Bourbon nicht mehr leben können, besiegt. Alles seufzt nun de» baldigen Stammerferien entgegen. In wie kläglichem Zustande befinden sich aber auch die parlamentarischen ^- Parteien. Die einzigen Kampflustigen werden bald nur. die D. Nationalisten und die Socialistcn sei». Der Anführer der Fort- I schrittspartei, Meline, war bei der Hauptschlacht am Montag gar- k nicht erschienen I Die gemäßigten Republikaner, deren Trennung - von der Fortschrittsgruppe nun fast vollzogen ist, denken daran, eine weniger zahlreiche, aber einheitlichere Partei mit neuem Programm fcrunb neuen Chefs zu orgnnifiren, um durch eine politische Wiedergeburt ihren früheren Einfluß in der Kammer wiederzugewinnen.
* Der „Maschinisten- und Heizer-Verein für Wiesbaden und Umgegend" hält Samstag, den 1. Juli, Abends 9 Uhr, im Vereinslokal „Zum deutschen Hof" eine Monatsversammlung ab.
* Am Samstag, de» 1. Juli, Nachmittags 5 Uhr, findet die Monats - Versammlung des .Lehrerinnen - Verein für Nassau" auf der „Nheinhöhe" statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Bericht über eine neue Jnvaliditäts- und Altersversicherung für Lehrerinnen (Fräulein Buzello-Stürmer), 2. Mit- theilungeli über die Ferienkurse in Bonn und Marburg. Nichtmitglieder tonnen als Gäste eingeführt werden.
* Der „Katholische Sängerchor" veranstaltet Sonntag, de» 2. Juli, auf dem „Bierstadter Felsenkeller" ein Sommerfest. Den musikalischen Theil hat cineAbtheilung der hiesigen Jnfanterw- Kapelle übernommen. Die Vergniignilgskommission hat ein reichhaltiges Programm zusammengestellt, was zur allgemeinen Unterhaltung viel' beitragen wird. Der unvermeidliche.Festhammel" fehlt selbstverständlich auch nicht. Volksbelustigungen und Kinderspiele jeglicher Art sind vorgesehen. Der Eintritt ist frei und Nichtmitglieder und deren Familien sind ebenfalls eingeladen.
* Der „Klub Edelweiß" hält kommeilden Sonntag, dc» 3. Juli, sein diesjähriges Soinmerfest bei Herrn Restaurateur E. Ritter, „Biirgerschützenhalle", ab. Für Unterhaltung aller Art und Kinderspiele (Wettlauf, Eierlans, Wurstschnappen u. bergt.) ist gesorgt. Auch wird eine Kinderpolonaise, zu welcher den Kindern Fähnchen in den verschiedeiien Landesfarben gratis verabfolgt werde», nicht fehlen.
* Der Verein .Wiesbadensia" beabsichtigt, »mlmehr am Sonntag sein humoristisches Waldfest, verbunden mit Jahrmarkt, abzuhalten, und zwar auf dem schattigen Festplatz Eichelgarten (Trauereiche). Außer dem bereits bekannt gegebene» Programm hat der Vorstand jetzt auch noch wegen Aufstellung eines Karussells und liegen eines Tanzbodens Unterhandlungen angekimpst, fodaß alfo gar nichts fehlen wird, um den Besuchern abwechselungsreiche und vergnügte Stunden zu bereiten.
o. SelWivedjIrl. Frau Louis Weddigen Wittwe und Kinder haben ihre Besitzung Wilhelmshöhe für 380,000 Mk. an Herrn Kaufmann Heinrich Gödecker hier verkauft.
öerritto - Nachrichten.
Kury sachliche Berichte werden bcreitroiUig# unter dieser Uederschrist ausgenommen.
* Der Männer-Gesangverein .Friede" veranstaltete am ver- floffenen Samstag zu Ehren seines Dirigenten, Herrn Robert Bäcker, anläßlich des Erfolges beim Sodener Wettgesang eine kleine Feier im Vereinslokal. Der Verein, der bei früheren Bundesfesten in Abtheilung B (höheres Volkslied) fang, fonfurrirte dieses Jahr in Abtheilimg C (Kunstgesang) und errang mit dem Chor: .Dem Rhein mein Lied" von I. Schwartz, eine Auszeichnung ersten Grades. Die Feier wurde eröffnet mit dem Wahlspruch: .Grüß Gott mit Hellem Klang, Heil deutschem Wort und Saug". Der
— Das 17. Nerhaiidsschießen des Bad. Landes-Schützen- vereins, des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schützenbundes in Gießen wurde am (Sonntag mit einer Vorfeier eröffnet, auf deren Programm selbstverständlich nur „Probenmiimern" standen, die aber trotzdem auf gutes Gelingen des Festes schließen lassen. Zunächst war es das Probebankett, welches Küche und Keller der Festwirthe, Herren Jakobi und Schoenewolf-Frankfurt, alle Ehre machte. Die Reihe der Toaste wurde von Herni Oberschützenmeister Brück eröffnet mit einem Hoch auf die auswärtigen Gäste. Herr Kallenberger- Manllheim brachte fein Hoch der Feststadt Gießen. Herr Gebhardt- Ludwigshafen begrüßte die Versammlung Namens der Pfälzischen Schützen. Namens der Gäste dankte Herr Ad. Jung-Frankfurt. Herr Helm begrüßte die Gäste Namens desgeschäftSführcndeiiNiis- schusses. Die Mitglieder der SchießordnungS-Kommission des Verbands nahm eine genaue Besichtigung und Prüfung der Schicß- anlagcn vor und befanden die Schießanlagen sowohl als auch alle übrigen Arrangements in bester Ordnung. Die Kommission be= urkundete weiter, daß die Feststadt Gießen Alles aufgeboten, dem Fest einen schonen, befriedigenden Verlauf zu sichern und sie dem- iiach den Besuch des Festes aufs Wärmste empfehlen kann.
— Neuheiten in Sonnenschirmen. Ans der tonangebenden Modestadt an der Seme läßt man den „Münch. Reuest. Nachr." einige Winke zugehen, die jenen Damen, in deren Sommcr- equipirung sich noch kein „streng moderner" Sonnenschirm bcsindet, sehr gelegen kommen dürfte. Aeußerst chic ist ein vor wenigen Tagen „kreirtes" Parasol von himmelblauer Seide mit gleichfarbigem Futter und ebenso leuchtend blau lackirtem Stock, den ein Silber- ober Perlmuttergriff ziert. Gegenwärtig werden auch Versuche gemacht, den vor mehreren Jahren en vogue gewesene», sehr hohen Stock wieder eiiijufübren, ihn in der zur Toilette passenden Farbe zu lacfiren und mit einem Griff im Stil Ludwigs XVI. nebst voller Schleife auszustatten. Für Morgen- spaziergänge im Bois, auf dem Lande oder an der See wählen die Französinnen jetzt mit Vorliebe Fantasieseidenstoffc, gestreift ober fein farrirt, in Heliotrop uub Weiß, Jrisfarbe unb Weiß, ober Rosa und Weiß. Auch hellblau und tabakfarben gemusterte Schirme sieht man vielfach. Zu den eleganteren Nachmittagstoiletten eignen sich duftige Bezüge von weißem Seiden- monffeline, mit reichgcstickten Volants ober Chiffonrüschen gnrnirt, am besten. Für junge Mädchen und jung berheirathete Frauen find reizende Sonnenschirme in cremefarbener Seide mit bunten Blumenstickereien sehr passend. Die Griffe dieser Schirme zeigen größtentheils Vogelköpse mit vergoldeten Schnäbeln oder Kugeln und Würfel aus Porzellan. Schwarzer Atlas mit Tüll bezug und Applikation von Sammet ober spitzenguipure behauptet sich neben ben hellfarbenen Neuheiten unb übertrifft sie nicht selten an Eleganz.
— Postverkehr. Vom 1. Juli ab finb Postaufträge nach Portu gal von bcn Absendern nicht mehr in portugiesischer, sondern in deutscher Währung ansznstellen. Die Unnvanblung bet Beträge in bie portugiesische Währung erfolgt nach dem Durch- schnitts-Course der dem Eingang der Postauftrage vorangegangenen Woche durch das Postamt in Lissabon, au das alle Postaufträge nach Portugal (einschließlich Madeira und Azoren) zu adressiren sind. — Im Verkehr mit den deutschen Postagenturen in Tientsin (China) unb in 2 f in tau (Kiantschou) finb fortan Briefe und Kästchen mit Werthangabe bis zum Betrag von8000Mk. zulässig. Die vom Absender zu entrichtende Taxe setzt sich zn- fammeii: a) für Werthbriefe: 1. aus dem Porto und der festen Gebühr für einen Einschreibbrief von gleichem Gewicht und gleichem Bestimmungsort, 2. ans der Versicherungsgebühr von 28Pf. für je 240 Mk. oder einen Theil von 240 Mk.; b) für Werthkäslchen: 1. aus dem Porto von 2.40 Mk., 2. aus der Versichcrmigsgebühr von 28 Pf. für je 240 Mk. ober einen Theil von 240 Mk.
— Der Norddeutsche Lloyd — Vertreter am hiesigen Platze Herr I. Chr. Glücklich — hat soeben seinen Fahrplan ber Salon-Schiielldampfer-Verbindung zwischen Bremerhaven und Helgoland, Wyk auf Föhr, Westerland auf Sylt, Norderney, Borkum rc. für bie Saison 1899 herausgegeben, woraus wir bie Besucher der No rbfeebäber hierdurch gerne aufmerksam machen, mit dem Bemerken, daß Exemplare dieses Fahrplans bei dem ge- genounten Hauptagenten des „Lloyd" zu habe» finb. Auch ein Verzeichniß ber wichtigsten Eisenbahnverbindungen von den Snez- Kanal-Häfen, Neapel, Genua, Southampton, Antwerpen und Bremen und Fahrplan und Fahrpreise von Breme» nach New-Ao rk hat der Bremer „Lloyd" erscheine» lassen.
Wiesbaden, 30. Juni.
— Geschichtsknlender. 30. Juni. 1897: f Karl Sieveking zu Hamburg, herb. Hamburger Staatsmann. 1814: * Franz E6on Dingelstedt zu Halsdorf in Oberhessen, deutscher Dichter unb Schriftsteller, Theaterintcnbant von München, Weimar, Wie». ^1653: Reichstag zu Regensburg. 1522: f Johann Renchlin zu Liebeuzell bei Hirschau, ber. Humanist (* in Pforzheim). 1503: * Johann Friedrich ber Großmüthige, Kurfürst von Sachsen, zu Torgau, ber letzte Ernestiner, ber bie Kurwürde getragen. 1468: * Johann ber Beständige, Kurfürst von Sachsen, der Gründer des Schmalkaldischcu Bundes (t zu Schweinitz bei Wittenberg). 1139: t Otto der Heilige, Apostel der Pommern, zu Bamberg.
— Ulaihaila. Bereits heute Freitag tritt ein theilweiser wechsel inr Kanstlerpersonal ein, indem die vorzügliche Soubrette imniy Schmitz — eine ber besten ihres Faches —, sowie Aalbachs Wiener Salon-Duett, welches in allen großen Stabten, zuletzt tn Mrankfurt im Orpheum, kolossalen Erfolg hatte, neu auftreten werden, während sich das übrige (Juni-) Personal in dieser Vorstellung verabschiedet.
g- — Die Derbindnng rmischen den Kuhustofen von Siugrrbrück und Riidesheim ist nach dem Uttheil aller Weisenden eine der miserabelsten, welche es überhaupt giebt. Kommt man am Bahnhof zu Bingerbrück an, so muß man durch einen jSangen Tunnel passiren und gelangt erst nach einem in Sonnen« Hitze oder bei Regenwetter nicht unbeschwerlichem Gang, der über Eiseichahngeleise führt, nach dem Landeplatz der Fährboote. Dort 6&ibet man außer einem Schuppen, der einer großen Hundehütte kWnlicher sieht, als einem für Menschen bestimmten Aiisenthalisorte, keinerlei schütz gegen die Witterung, und selbst dieser Schuppen hat lange nicht Platz genug für die Zahl der Reisenden, die sich ,-eft hier zusammenfindet. Die Fahtten der Fährboote schließen sich keineswegs an jeden Zugan. So z. B. beftebt für den Schnell, jag, der um 3 Uhr Ä Min. Nachm., unb den Personenzug, ber nm 3 Uhr 39 Min. Nachm. von Kreuznach unb bet oberen Nahe eintrifft, keine Fährverbindung. Wer mtt diesen Zügen ankommt, mag l »arten, bis um 4 Uhr 50 Min. die nächste Trajektfahrt nach Rüdes- i-heim angesetzt ist. Aber selbst diese schlechte Verbindung wird durch Wnregelmäßigkeiien noch widerwärtiger gemacht. So sah sich letzten Dienstag Nachmittag eine große Anzahl Reisender, die sich um ein Viertel vor 5 Uhr an der Fährbootlandung etngefunben hatte, EJtrgeblid) nach dem Boot um, bas sie übersetzen sollte. Es würbe
5 Uhr, und es war immer noch nicht da. Endlich, lange nach 6 Uhr, sah man es von weit oben herunter kommen. Es batte
