Wiesbadener Tagblatt
1899
Donnerstag, den 29. Juni.
Uo. 298.
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
regeln gesteuert worden ist ?c.'
gehören würde, und man hat die Prügel, welche die Engländer 1881 bei den Majubahügeln und die Jameson-Vande 1895 bei Krügersdorf erhalten hat, noch in frischem Gcdächtniß. Dieses memento mori und die nüchterne Erwägung der Sachlage scheinen dafür zu bürgen, daß der Konflikt trotz des Sübelgerassels auf englischer Seite einen friedlichen Ausgang nehmen wird.
genommen.
gesellschaft und eine
Preußischer Kau-Lag.
Ab ge ordnetenhaus.
Berlin, 28. Juni.
Verlag: Langgasse 27.
16,000 Abonnenten
* Znm Zwischenfall Graf Katlestrrm-Krrfrld. Der Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem, hat im amtlichen stenographischen Bericht über die Sitzung vom 21. Juni, in welcher ein Meinungsaustausch mit dein Minister Brefeld erfolgte, seine Aeußernngen in bemcrkenswerther Weise korrigirt. Der Präsident hatte den Abgeordneten Röstckc-Deffan ersucht, »Aeußernngen der Monarchen, die uns nicht beglaubigt zugegangen sind, nicht in den Bereich seiner Ausführungen zu ziehen". Als Herr Rösicke darauf erwiderte, daß die von ihm angezogene Bielefelder Rede del Kaisers im „Staats-Anzeiger" gestanden habe, erklärte der Präsident: „Dann ist dies etwas Anderes; dann können Sie sie in angemessener Weise erwähnen." Im stenographischen Berichte ist Mischen diese beiden Sätze aber der weitere Satz ein- geschoben: „Vorausgesetzt, daß es der amtliche Theil des Blattes war." Wären diese Worte vom Präsidenten gesprochen worden, so hätten sie unmöglich den Abgeordneten und den Berichterstattern der Presse entgehen können; sie sind thatsächlich in den stenographischen Bericht eingefügt, ohne vom Präsidenten geäußert worden zn fein. — Da Rösicke, wenn diese Worte gefallen wären, daraufhin nicht mitgetheilt hätte, was er sicher wußte, daß thatsächlich die angezogenen kaiserlichen Worte im nichtamtlichen Theile des „Reichs-Anzeiger" gestanden haben, so würde er sich einer Illoyalität schuldig gemacht haben, die ihm keineswegs znzutraue» ist. Dem mag nun sein, wie ihm wolle, die Ballestremsche Fiktion, daß als authentisch nur der Text der im amtlichen Theil des „Reichsanzeiger" veröffentlichten kaiserlichen Reden gelten könne, ist unhaltbar. Denn es ist ohne Weiteres klar, daß das amtliche Blatt des Reichs auch in seinem nichtamtlichen Theil unter keinen Umständen wagen würde, Kaiserworte zu Der* * öffentlichen, die nicht absolut authentisch wären. Unter diesen Umständen ist die Korrektur der Bemerkung des Reichstags- Präsidenten in der stenographischen Aufzeichnung vom 21. Juni besonders auffällig, und sie sieht ans wie ein Rückzug ans einer sachlich durchaus unhaltbaren Position. Die konstitutionelle Theorie, auf die sich der Minister Brefeld bezog, ist in der Praxis nur dann durchführbar, wenn der Monarch bei seinen öffentlichen Aeußernngen selbst Zurückhaltung übt. Daß die konstitutionelle Stellung deS Son ins von Preußen diese Zurückhaltung geböte, hat der Reichskanzler Fürst Bismarck bekanntlich wiederholt aufs Lebhafteste bestritten und er hat für sich stets das Recht in Anspruch genommen, die öffentliche Willensäußerung des Monarchen in die parlamentarische Diskussion mit hineinzuziehen. Was aber dem Minister recht ist, muß dem Abgeordneten billig sein.
eine Beilegung des Ausstandes bisher nicht zu erreichen gewesen ist, so hat sich die Verwaltung der Zechen gezwungen gesehen, den Ausständigen mitzntheilen, daß die in mehreren Schichten ausständigen Arbeiter in der Belegschaftsliste gestrichen werden und damit entlassen sind. Die Ausständigen sind vorwiegend junge Leute und gehören zum größten Theil der polnisch sprechenden
Anzeigen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. OO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Bücherhallen bevor.
* Rundschau im »eiche. Wegen Nichtentlaffnng eines mißliebigen Werkführers stellten in den Lochmannschen Musikwerke» in Leipzig über 700 Mann die Arbeit ein.
<1 für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Im Abgeordnetenhaus wurden heute die Ausführungsgesetze zur Grundbuchordnung, zur Civilprozeß-OrdnuugSnovelle und zur Subhastations- und.zur Administrations-Ordnung en bloc in zweiter Lesung angenommen. Es folgt die zweite Berathung des EinführnngSgesetzes zum Handelsgesetzbuch. Artikel 1 und 2 werden ohne Debatte angenommen. Artikel 3 in der KonnnissionSfassung bestimmt, Gerichte, Beamten der Staatsanwaltschaft, Polizei lind Gemeindebehörden, sowie Notare haben von Fällen unrichtiger ober unterlassener Anmeldung zum Handelsregister und Genossenschaftsregister, welche zu ihrer amtlichen Keuntniß gelangen, den Registergerichten Mittheilung zu machen. — Adg. Moller-Duisburg beantragt, auch den Organen des Handelsstandes diese Verpflichtung aufzuerlegen. — Der Justizminister erklärt, der Antrag sei überflüssig, da in den Ausführungs- Anweisungen diese Verpflichtung beit Organen bcS HanbelSstanbes auferlegt werben soll. — Abg. Möller zieht nach dieser Erklärung den Antrag zurück. Artikel 3 wird in bet KommisstouSfassung an- i. Artikel 4 ber Regierungsvorlage besagt, eine Aktien- v..L: Kommanditgesellschaft auf Aktien kann aufgelöst werben, wenn durch einen gesetzwidrigen Beschluß der Generalversammlung und gesetzwidriges Verhaltendes VorstaitbeSder persönlich haftenden Gesellschaften oder beS AufsichtSrathS das Gemeinwohl gefährdet ist.—Die Kommission hat diesen Artikel gestrichen. — v. A r n t m (freikonservativ) beantragt Wiederherstellung der Regierungsvorlage. — Bröse (konservativ) begründet diesen Antrag. — Träger (freisinnige Volkspartei) bittet um Ablehnung deS Antrags. Ein Bedürfniß znr Aufnahme der betreffenden Bestimmungen bestehe nicht. Auch die Relchsgesetzgebung verzichte ausdrücklich darauf. — Justizminister Schönstedt befürwortet die Wiederaufnahme ber Bestimmungen. Genossenschaften unb anbere Institute, bie bem Kleinkapital bienen, könnten aufgelöst werben. Was dem Einen recht sei, sei bem Anderen billig. Also mußten auch bie Aktien- Gesellschafte», bie bem Großkapital bienen, aufgelöst werden können. Stach weiterer Debatte wird der Antrag aus Wiederherstellung des Artikels gegen die Stimmen der Konservativen und Frei- konservativen abgelehnt. Der Rest des Gesetzes wird angenommen. Es folgt die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend bie Dienststellung bes Kreisarztes unb die Bildung von Gesundheits- kommissionen. Zn § 1 wirb ein Antrag Winckler (kons.) angenommen, wonach bie Kosten ber Reisen, welche die Kreisärzte inr Auftrag bes Regierunas-Präsibenten und des Lanbrathes ausführen, ber Staatskasse zur Last fallen. § 2 wirb
angenommen, desgleichen tz 3, wobei jedoch in dem Satze „Ausübung der ärztlichen Privatprnxis außer dem .Hanse
wird untersagt" auf Antrag Douglas, Savignh und Genossen die Worte „außer deut Hause" gestrichen werden. Sodann werden die Übrigen Paragraphen mit einzelnen redaktionellen Aendertingen, sowie das ganze Gesetz angenommen. Das Haus erledigte sodann die zu dem Gesetze beantragten Resolutionen. — Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr: Dritte Lesung der Justizgesetze und der Char- fteitagsvorlage. _ d
Kerstin, 28. Juni. Die Kanal-Kommission des Abgeordnetenhauses setzte heute Vormittag die Besprechung ber Kompensationen fort. Eingegangen ist ein neuer Antrag des Abgeordneten Gamp (freikons.), welcher Maßnahmen für bie östlichen Provinzen unb Auskunft darüber verlangt, aus welchem Grund der frühere Plan einer Weiterführung des Dortmund- EmSkanals durch eine Verbindung nach der unteren Elbe auf- gegeben und die Mittelland-Kanalltnie dafür gewählt worden sei. Minister v. Miquel erklärte hierauf, daß gegenwärtig die Verhältnisse ganz anders lagen wie 1882. Was damals geplant gewesen sei, komme heute nicht mehr in Betracht. Abgeordneter Dr. Lieber (Centr.) führt aus, eine rasche und sachgemäße Klärung der Streitfragen sei im Plenum der Kommission nicht möglich, müsse viel- niehr in Unterkommissionen erfolgen. Er stelle einen dahingehenden Antrag. Dieser Antrag wird mit 19 gegen 7 Centrums-stimmen abgelehnt. Die Diskussion wird also im Plenum von Neuem statt- sinden. Rach längerer Verhandlung wurde mit 14 gegen 12 Stimmen beschlossen, auch über den zweiten Theil der Kommissions-Verhanblnng schriftlichen Bericht zu erstatten. Gegen den schriftlichen Bericht stimmten die Freisinnigen und ein Theil ber Konservativen. Nächste Sitzung Freitag Nachmittags______________________
* Die Kr amalle bei Kochmn. Bei ben vorgestrigen Abendkrawallen lüitrben 14 Personen znm Theil schwer verletzt. Ein Mann wurde getödtet. Die Nacht verlief ruhig, trotzdem wirb, bem „Bochumer Anzeiger" zufolge, ein Bataillon Infanterie und jjtoei Schwadronen Kavallerie nach Herne zu legen beabsichtigt. — Gestern Morgen fuhren von 707 Bergleuten nur 260 ein. Auf der Zeche „Von der Heydt" fuhren von 500 Bergleuten nur 74 ein, auf „Julia" von 300 nur 160. Es wurden' bis jetzt etwa 36 Verhaftungen vorgenommen. Auf der Zeche „Mont Cenis" sind 50 Mann nicht eingefahren. — Von ben bei den Krawallen verwundeten Personen sind zwei gestorben, eine dritte liegt im Sterben. Im Gelsenkirchener Revier ist noch Alles ruhig. — In der „Köln. Ztg." giebt die Bergwerksgesellschaft „Hibernia" eine längere Darstellung über ben Ausstand, worin versichert wird, daß der plötzlich ausgebrochene Streik die Zechenverwaltungen insofern überrascht habe, als Beweggründe oder irgend welche Anzeichen nicht bemerkt wurden. Ans Befragen erklärten die Streikenden, baß sie bie schriftliche Zusicherung höherer Löhne bekannten. Dip Gesellschaft verweist auf ben soeben erschienenen Jahresbericht für bie bergbaulichen Interessen, ber feststellt, daß 1898 bie Löhne eine Höhe erreicht haben, wie nie zuvor. Seit bem Dezember 1893 feien die Löhne um 23 pCt. gestiegen unb befänben sich in fort« schreitenbet Entwickelung. Der Bericht sagt zum Schluß: Weil
England und Transvaal.
Die Nachrichten über den Konflikt zwischen England und 2 der Burenrepublik lauten außerordentlich widerspruchsvoll, I und kriegerische Meldungen wechseln mit friedlicher klingenden i in bunter Mannigfaltigkeit ab. Man wird gut thun, mehr - Werth auf die letzteren und weniger auf die ersteren zu t legen, denn — die Nachrichten aus Transvaal gehen uns r fast durchweg auf dem Wege über England zu. In England s wird aber znr Zeit zunächst ein unblutiger Börsenfeldzug | gegen die Transvaal-Republik geführt, welche man durch f Verbreitung alarmirender und lügnerischer Gerüchte zu schädigen ' versucht. Die englischen Meldungen von den zahlreichen AuS- r- Wanderungen aus der Buren-Repnblik und der bevor- i stehenden Handelskrisis sind nichts als Börsenmanöver, i durch welche man den Handel und den Kredit der Transvaal- k Republik lahm zu legen sucht. Es liegen uns Berichte an [ deutsche, in Johannesburg vertretene Firmen vor, welche l zwar eine gewisse Unruhe im Lande und einen geschäftlichen - Druck feststellcu, im Uebrigen aber betonen, daß die Stimmung s eine keineswegs niedergeschlagene ist und daß die Schilde- ; rungen aus englischen Quellen, durch die sich leider auch ) etliche deutsche Blätter düpiren lassen, freie und recht durch- ■ sichtige Erfindungen sind.
Was die zwischen England und der Buren-Republik be- L stehende Streitfrage betrifft, so ist allerdings auch unter den Ausländern in der Transvaal-Republik, welche, wie vor Allem die Deutschen, den Umtrieben der Engländer durchaus i ablehnend gegenüber stehen, die Ansicht weit verbreitet, daß j die Republik es an Reformen habe fehlen lassen, und daß i sie auf die Ausländer, die doch einmal 7b pCt. der Be- völkerung ausmachen, allzu wenig Rücksicht genommen habe. | Die Regierung und die Volksvertretung der Transvaal- f Republik haben aber jetzt die Bereitwilligkeit gezeigt, die [' verlangten Reformen so weit zu gewähren, als sich dies mit ’s den Interessen und der Sicherheit des Staates verträgt, t Daß dieBuren sich weigern, übereine bestimmte Grenze — die b!S jetzt gemachten Zugeständnisse werden voraussichtlich noch nicht diese Grenze bedeuten — hinauszugehcn, wird man ; ohne Weiteres begreiflich finden, denn daS thatsächliche Ziel ; der Engländer, welche den Hauptbestandtheil der in der | Republik lebenden Fremden bilden, besteht darin, die Republik unter englische Botmäßigkeit zn bringen, und die ' Buren haben keinen Anlaß, den Engländern die Erreichung ; dieses Zieles zn erleichtern. Daß sich angesichts des jetzigen Streites die nicht englischen „UitlanderS" ans Seiten der Buren befinden, geht jedenfalls daraus hervor, daß auf die f Petition der 21,000 UitlanderS an die Königin von England : eine zustimmende Adresse von 24,000 UitlanderS an den F Präsidenten der TranSvaal-Rcpubllk gefolgt ist.
Bon verschiedenen Seiten wird die Frage aufgeworfen, : welche Stellung die deutsche Regierung zu diesen Fragen ; und zu dem Konflikt zwischen England und den Buren ; einnehme. Diese Frage läßt sich einfach mit den Worten beantworten: keine Stellung. Für das Verhältniß der ; deutschen Politik zn dieser Frage gilt das Wort des Fürsten Bismarck, daß Deutschland sich nm anderer als deutscher Interessen mit keiner Macht „brouillircn" solle. Die Interessen Deutschlands in Transvaal sind Handelsinteressen, wie sie außer uns dort auch Frankreich und in weniger großem Umfange Rußland haben. Deutschland hat ebenso - wie diese Länder ein starkes Interesse daran, daß die ruhige | Entwicklung der Republik nicht durch frivole englische Machenschaften gestört werde. Aber dieses Interesse ist A nicht so stark, daß Deutschland deshalb ernstlich daran denken ; könnte, einen Konflikt mit einem Staate zu provoziren, mit dem i es manche höheren politischen Interessen gemein hat. Dieser angesichts der internationalen Beziehungen durchaus berechtigte ■ Standpunkt unserer Diplomatie legt freilich dem deutschen Volke keineswegsdie Verpflichtung auf, aus seinen Sympathieen k und Antipathieen in dieser Frage ein Hehl zu machen. Diese Sympathieen stehen aber rückhaltslos auf Seiten der uns r stammverwandten und um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Buren, und unsere Gegnerschaft in dieser Frage richtet sich unumwunden gegen die Engländer, von denen uns trotz des guten diplomatischen Verhältnisses zwischen den beiden Ländern mancherlei Gegensätze trennen, die auf einer starken Verschiedenheit der Nationalcharaktereund auf manchen Ereignissen L der letzten Jahre beruhen.
Wer aber bedauern mag, daß die deutsche Politik die Buren in diesem Streite sich selbst überlassen muß, der kann sich dcß getröstcn, daß die Buren, denen im Kriegsfall die i Unterstützung des Oranje-Freistaates sicher ist, Manns genug I sind, sich selbst ihrer Haut zu wehren. Dieser Kriegsfall wird aber schwerlich eintreten, denn einerseits sind die l Buren bereit, ein möglichst weitgehendes Entgegenkommen L zu beweisen, und andererseits weiß man in England, i daß die beiden Republiken im Kriegsfall 80,000
; Mann auf die Beine bringen können. In England weiß man auch, daß zu einem solchen Kriege eine Armee
Bevölkerung an.
* Konfesstonattstrmig der SolkobibliotljelteiL Zu dem Rundschreiben, welches bie Comentus-Gesellschast (Vorsitzender: Archivrath Dr. Lubw. Keller in Berlin) im April b. I. wegen ber Errichtung von Bücherhallen an bie Magistrate ber deutschen Stabte gerichtet hat, hat bas führenbe Organ beS Zentrums, bie „Kölnische Volkszeitung", kürzlich (Nr. 501) in einer Weise Stellung genommen, bie bet Frage eine grmtbsätzliche Bedeutung zu geben geeignet ist. Mit den Beweisen beS Rundschreibens für bie Nothwenbigkeit unb ben Nutzen ber Bücherhallen erklärt sich bie „St. V." vollständig einverstanden. Wir gehen
auch wohl nicht fehl in bet Annahme, fährt sie fort, daß bie Gründe auf manchen Magistrat ihre Wirkung ai'.Subcn werden. Das gilt besonders von folgender Stelle des Schreibens: „Es ist bekannt, daß die englischen Städte, welche Anstalten gleichen Charakters feit Jahrzehnten besitzen, abgesehen von großen, für diese Zwecke aufgenommenen Anleihen, jährlich etwa 16 Millionen Mark für ihre freien öffentlichen Bibliotheken au3= geben. Es wären bei dem rechnenden Geist des englischen Volkes derartige Aufwendungen völlig undenkbar, wenn nicht die Erfahrung gelehrt hätte, daß mit diesem Geld sehr praktische Erfolge erzielt werden. Ueberall nämlich, wo solche Anstalten bestehen und in richtigem Geist verwaltet werden, haben sich zunächst die Kosten der Armenpflege in den Städten verringert; allmählich hat sich auch die Kriminalität gebessert, unb es hat sich gezeigt, baß dem Alkoholismus auf diesem Weg besser als durch ZwangSmag- regeln gesteuert worden ist re." Anders dagegen glaubt sich die K. V. zu den Grundsätzen stellen zu müssen, die die C.-G. für die Einrichtung der Bücherhallen formulirt hat: während die C.-G. der Ueberzeugüng ist, daß die neuen Bücherhallen über den Konfessionen und Parteien stehen sollen und ihre Werke lediglich nach dem litteranschen unb wissenschaftlichen Werihe auszuwählen haben, verlangt die K. V-, daß „man überall wie katholische Schulen, so auch katholische Lesehallen verlangen müßte". Die Schristleikung ber K. V. bemerft hierzu erläuternd und ergänzend, daß dort, wo solche katholische Lesehallen nicht zu erreichen seien, einzelne energische katholische Männer in die Kuratorien der Bucherhallen zu bringen seren, die viel Schlimmes würden verhindern können. Danach staube, so weit der Einfluß des Zentrums reicht, die Stonfeffionahflrung der
Dcujsches Reich-
* Hof- «nd Pkrsonal-Zlachrichten. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe empfing gestern den chinesischen außerordentlichen Gesandten Lii-hai-huaii, welcher dem Fiirsten im Auftrage der Kaiserin-Wittwe von China die Insignien der zweiten Stute der ersten Klasse des doppelten Drachen-Ordens überreichte. — Wie ber „Reichs-Anzeiger" melbct, ist bem General z. D.Werner Otto, bisher Kommandeur ber 7.Division, der Adel verliehen worden.— Der Vice-Admiral Karcher, Chef der Warinestation ber Nordsee, ist unter dem 26. Juni zum Admiral befördert worden. — Die Blättermeldung, Geheimrath v. Philippsboru aus bem Ministerium des Innern fei zum Regierungspräsidenten in Hildesheim ernannt worden, ist, wie die „National-Zeitung" hört, unbegründet.
* Berlin, 29. Juni. Wie die „Norddeutsche Allgem. Ztg." vernimmt, sind die Ratisikationen des Abkommens zwischen Deutschland und Spanien, betreffend den Verkauf der Karolinen und der sonstigen. Spanien noch verbleibenden Südsee - Inseln, möglichst beschleunigt. Hierdurch wird auch die Aussicht eröffnet, daß bie gleichzeitig zwischen Deutschlanb unb Spanien über bie wechselseitige MeistbegünstigungS - Behandlung ber Waaren-Einfuhr getroffenen Vereinbarungen, bie vom BundeSrath unb Reichstag angenommen worben sind, noch zu Anfang Juli in beiden Ländern in Kraft treten werden. , , „ . .
Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betreffend das Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe vom 22. Jmli 1899.
