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Wiesbadener Tagblatt

«. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27,

16,000 Abottttkuten

Uo. SSS.

Mittwoch, den 28. Juni.

Fernsprecher No. 52.

1899,

Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

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Aüv öcrs 3. Huavtak 1899 auf das Wiesbadener Tagblatt" zu abouiiiren, findet fich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 2?, h bet den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen in den Nachbar- e orten und säinintlichen deutsche» Reichspostanstalten.

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D. id.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezngs-PretS: durch den Verlag 50 Pfg, monatlich, durch dir Nost 1 Mk. 00 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Kleine Notizen. Die in letzter Zeit so viel besprochenen

F Renten- und tLinbruchdiebstahlS-Versicherungen sind ^auch von der 1853 gegründeten Gesellschaft .Thuringia", vertreten M durch Herrn Adolph Berg, Rheinstraße 40. schon seit längerer Zeit t m ihren Gcschäftsplan ausgenommen.

i _ Klimme» aus dem Publikum.

k (Für L-röffknllichungkn untre dieser lleberschrist üictnbnmt di» RrdaUion trtnreld Verantwortung.)

L. * Auf das Eingesandt in Nr. 292 dieses Blattes muß unwill- i die Frage gestellt werden, - find die Schreiber des fraglichen

Artikels in der That Geschäftsinhaber und mit den GeschäftS- . Arhältnissen, namentlich wie solche in Wiesbaden liegen, vertraut?

«<le mdessen von glaubwürdiger Seite in Erfahrung gebracht, ist durch den Verein selbständiger Kaufleute, an welchen der Magistrat dieselbe Anftage wie an die Handelskammer richtete, die Frage der Sonntagsruhe in zweckentsprechender Weise gelöst -und dahrn beantwortet, daß eine weitere Beschränkung | "tt gesetzlich zulässigen fünfstündigen Beschäftigungszeit an Mlbonn- und Feiertagen als nicht wünickenswend zu er- I Olsten, rneloiehr eine Aenderung der bisherigen Bestimmung als

* Kleine nassauische Nachrichten. Bei einem Gewitter in der vorigen Woche schlug der Blitz in eine Scheune in Bornich, welche bald niederbrannte. Dem Baurath Prof. LandLberg und dem Ncgicrnugsbaumcister Lorey von Darmstadt wurde vom Ministerium die Erlaubniß crthcilt, Vermessungen und Vorarbeiten für eine Bergbahn von Zwingenberg und Auerbach nach dem Gipfel des Melibocus vorzunchmen.

* Ein Stacheldrabtzaun ist in vielen Fällen, z.B.gegen Diebsgelüste oder Böswilligkeiten, eine nöthiae und nützliche Sache. Nicht selten aber mußten durch die Polizei Stacheldraht­zaune entfernt werden, da sie sich als gemeingefährlich erwiesen, immerhin ist aber ein geduldeter derartiger Zaun stets so an­gebracht, daß mit Leichtigkeit vermieden werden kann, ihn zu berühren und sich dadurch zu beschädigen. Wenn aber ein Stachel­drahtzaun »mobil" wird und in den Straßen umherspaziert, dann wird er so gefährlich als nur möglich. Und ein solcher Fall ist seit mehreren Tagen in Wiesbaden eingetreten. Man sieht jetzt nämlich, auch in den belebtesten Straßen, einen älteren Herrn, der an einem Oberarm einen etwa drei Finger breiten Eisen- reif, mit etwa vier Centimeter langen spitzen Stacheln besetzt, trägt. Wenn es nun schon polizeilich verboten ist, einen Stock oder Regenschirm wagerecht unter dem Arm zu tragen da schon oft Personen dadurch gefährlich verletzt wurden, so muß man diesen drohenden Ring, ähnlich der Art, wie ihn sonst wohl Bullenbeißer tragen, für direkt gemeingefährlich erklären. Wie leicht kann eine der spitzen Stacheln bei einer kurzen Wendung des Trägers, z. um eilte Straßenecke, einer Dame oder einem Kind ins Auge fahren I Wenn der betreffende Herr seinen anscheinend kranken (in einer Binde getragenen) Arm nicht wie tausend Andere durch eigene Vorsicht zu schützen im Stande ist, so möge er etwa (wie die frisch geimpften Kinder) eine weiße Binde mit dem rochen Sanitätskreuz umthiin, nicht aber in wenig nachahmenswerther Weise Andern Gefahr bereiten.

Nr. 143 der »Sonneberger Zeitung" enthält folgende köstlich« Anzeige:Warnung! Wir warnen hiermit Jedermann für das Weiterverbreiten des falschen Gerüchts, daß unsere Fahnenträgerin Fräulein Rosa Hammerschmidt in anderen Umständen ist. Richt diese, sondern die Begleiterin Emma Althan» ist c». Da dieselbe die Fahne nicht in die Hand bekommen hat, so ist unsere Fahne als unbefleckt zu betrachten. Diejenigen Personen, welche fich wiederholt der unverschämten Lüge bedienen und uns mit unserer Fahne beleidigen, werden wir gerichtlich belangen. Der Borstand des TurnveremS Hönbach."

Gräfin Tatjana Tolstoi, eine Tochter Lev Tolstois, behufs ärztlich« Behandlung einet HaÜkidraS in «im eiugedeoff«.

Aus Herne, 27. Juni, wird gemeldet: Auf der Zeche Friedrich der Große" kam es gestern Abend gegen 9 Uhr bei der Em- und Ausfahrt zu groben Ausschreitungen. Zum Schutze derArbeitSwilligen mürbe Gendarmerie aufgeboten, welche mit blanker Waffe einschlug und Schüsse abgab, die mit einem schweren Steinhagel erwidert wurden. Zahlreiche Personen erlitten Verletzungen leichter« Art. Heute sind von der Frühschicht nicht eingefahren: auf den Zechen Shamrock" 313,v. d. Heydt" 76, ^Jnlia" 43,Friedrich d« Große" 225 Mann. Nachts ereigneten sich auf der ZecheShamrock" wüste ©eenen. Auf die Arbeiterhäuser der Zechen wurden von den streikenden Arbeitern zahlreiche Schüsse abgegeben, welche von der Gendarmerie erwidert wurden. Verletzungen schwerer Art sind

nach dem Krankenhaus übergeführt werden mußte, wo er wohl einige Zeit zubringen dürfte, ehe er die Züchtigung von zarter Hand überwunden haben wird. Der mißhandelte Gatte verzichtet großmuthig darauf, die Scheidungsklage einzureichen; er hat sich aber geschworen, sobald er genesen ist, die Weibsleute gründlich zu frottircn". Die beiden Hiildinnen sehen der Ausführung dies« Drohung schon mit Schrecken entgegen.

* Kinder«»»«»!». Folgende Geschichte erzählt demBerliner ^.agebl." ein Arzt aus seiner Praxis:Ich werde gestern in ein« kleinbürgerliche Familie gerufen, tn der ein Junge von 4 Jahren mit Gelb gespielt und auf den Rath seines Schwesterchens 4 Geld­stücke verschluckt hat. Er gesteht dies weinend seinen Eltern und seiner Großmutter, die über das geschehene Unglück aufgeregt in Thränen ausbricht. Das kann der kleine Mann nicht ertragen, Großmutter meinen zu sehen, er selbst hört auf zu jammern und tröstet sein Großmütterchen mit den Worten:Es ist ja nicht so schlimm, Großmütterchen, Papa hat schon noch mehr Geld!"

* Kumoristisches. Ein Geschäftsmann, wie er sein nt n 6. Buchhalter:Herr Prinzipal, Ihr kleines Söhnchen hat soeben von dem künstlichen Düngemittel, das uns Niemand ab­kaufen will, gegessen!" Prinzipal:Um Himmelswillen, es wird ihm doch nicht geschadet habenI Buchhalter:Nein, er ist ganz wohl." Prinzipal:Na, dann verkaufen Sie das Zeug von jetzt an als bestes Kinderuährmittell"--Enttäuscht.

Schriftsteller:Ich fahre nächsteuWinter nach JtalienI Sind Ihnen vielleicht Neisebriefe angenehm?" Redakteur (lebhaft):Reise- briefe nicht, aber schicken Sie mir doch, bitte, Ansichtspostkartenl" ---Höflich. Fremder:Darf ich Sie fragen, mein Herr, wer in diesem entzückenden Hause wohnt?" Einheimischer:O gewiß, mein Herr." Fremder:Wer ist es?" Einheimischer:Ja, das weiß ich leider nicht." Unter Kaffeeschwestern.WaS macht denn eigentlich unsere liebe Schwester Karola, seitdem sie außer Stellung ist?"Ja, Waisenkinder hat sie jetzt nicht mehr, aber sie begründet zusammen mit dem Bruder Heinrich ein Institut für Massage."---Guter Aufa ng. Klärchen:Also Sie sind

unsere neue Erzieherin, Fräulein?" Fräulein:Ja, mein Kind." Klärchen:Na, dann will ich Ihnen nur gleich sagen, daß ich eins von den Kindern bin, die nur durch Güte zu erziehen sind. Sie hätten lieber gleich Bonbons mitbringen sollen. ( Lust. Bl.")--

Ein edler Mensch. Baron: . . . Heute sollen Sie aber wirklich die sieben Mark bekonimeu, die ich Ihnen schuldig bin. Ich habe eine reiche Frau gekriegt!" Schuster (erschreckt):Ab« Herr Baron werden doch hoffentlich nicht meinetwegen geheirathet haben?I"--- Auch ein Mittel. Frau:Adolf, morgen

kommt meine Mamal" Mann:Ich bitt Dich koch' sie weg!" ---Fix.. . Also Ihrer Fixigkeit verdanken Herr Leutnant hauptsächlich die Erfolge aus der Tigerjagd?!" Natürlich! . . Eh' Bestien Überhaupt zur Befiuiinng gekommen, waren st« schon Bettvorlagen!" (»Flieg. Bl.")

verwerflich anzusehen sei. Uebrigens, wie kommt es, daß Frank­furter Vereine sich um hiesige Geschästsverhältniffe kümniern, und warum sind die 20 Vereine nicht näher beuamt? Aach die Beantwortung dieser beiden Fragen dürfte sehr iutereffiren! Die Einsender meinten es wirklich zu gut mit dem angeblich viel geplagten Geschäftsmann, dem nach 6-tägiaer Arbeit ein voller Ruhetag gehört, fie beweisen aber auch gleichzeitig tinerfaljrcnbeit und Unkenntnisse im Geschäftsleben, denn täglich, namentlich in den Nachmittagen, treten nahezu in den »reisten hiesigen Geschäften lauge, oftmals zu lange Ruhepausen ein; sodann vergessen die Einsender, daß auch die Kundschaft ein gewisses Verlangen an die Arbeitszeit ihrer Lieferanten zu stellen berechtigt ist, daß auch der Landbevölkerung an Sonntagen wenigstens die Gelegenheit gegeben fein muß, Be­dürfnisse in der Stadt kaufen zu können, und ebenso ließen sich noch viele triftige Gründe gegen die Ansicht der Einsender geltend machen.

Ein Wiesbadener langjähriger Geschäjtsinhaber.

* Das spazierengehende Publikum passirt auf dem Weg zur Platte drei tzolzbrücken, welche vollständig zerbrochen "sind: die erste am Waldweg der zum Neroberg führt, die zweite auf dem Waldweg zur Kanzelbuche, die dritte führt zur Platte auf der letzten Strecke zur Platterstraße. Die Beiträge zumVerschönerungs- Verein" werden regelmäßig eingefordert und dafür läuft man Gefahr, auf einer der genannten Brücken zu verunglücken.

Amemen-Ammlime füXl1.U^rJ3ormittaQ8> f*ir bie Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für bi« Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur | ESO»«»)«'* ngchsterschemenden Ausgabe wird kein« Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. U J 5 B

Vereins-Nachrichten.

g «kurze sachliche Berichte werden bcreikwuUgU nutet dielet Uederftdrift aufamoitmtn.)

* DasPompier-Corps" (1. Zug der freiwilligen Feuer- U uebr) hält nm Sonntag, den 2. Juli c., fein diesjähriges Wachsest |lu! dem FestplatzSpeyerskopf" ab. DaS Fest wird eröffnet durch Meine Kinder-Fahnenpolouaise, und diese sowohl als die spätere Ber- r wosnng eines Sckaflämmcheus dürsten dazu angeihan fein, Sie k ytftftiinmung in die richtigen Bahnen zu letten. Für leibliche F Stärkung der Festbesucher ist gesorgt. Hoffentlich stellt sich das zu fc- nuem solchen Feste erforderliche Sommerwetter ein, damit nicht eine L Nochmalige Verlegung des Festes erforderlich wird.

Anreigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

bisher nicht bekannt geworden.

Aus Bremen, 27. Juni, wird gemeldet: Wie Bösmanns Telegraphen-Bürcau erfährt, wird der von der Schichau-Werft stl Elbing erbaute SchnelldampferKaiser Friedrich" vom Norddeutschen Lloyd nicht abgenommen werden, da das Schiff die vertragsmäßig vorgesehenen Bedingungen nicht erfüllt. DaS Schiff wird nach der Rückkehr von der jetzigen Reise dem Erbau« zurückgegeben werden. Die fahrplanmäßigen Reisen des Dampfers werden von dem DampferPrinzregent Luitpold", sowie von bett SchnelldampfernKaiser Wilhelm II. undTrave" ausgeführt.

In Boberg bei Bergedorf wurde die Leiche eines 6-jährigen Knaben mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Ham­burger Polizeibeamte sind an den Thatort geeilt.

Dieser Tage ist tn Neureichenau (im bayrischen Wald) ein Anwesen vollständig niedergebrannt. Dabei vollführt« der 16-jährige Hüterbnb e Max Schröger eine Überaus muthig« That. Der Junge eilte in die Wohnstube des lichterloh brennenbett Anwesens und rettete ein auf dem Tisch schlafendes zweijähriges Kind vom sicheren Tode. Ein vierjähriges Mädchen, Sa8 aus Furcht unter den Tisch gekrochen war, konnte der muthige Jung« infolge der furchtbaren Hitze leider nicht mehr retten, sodaß es bett Tob m den Flammen fand.

Auf der Havel bei der Saerover Bucht ist infolge Kenterns eines Ruderbootes am Sonntag Nachmittag der Redakteur Karl Ho mann vom Königlichen litterarischen Büreau in Berlin ertrunken.

Vermischtes.

t. §rit 16 Jahre» schlafend! Nach einer Mittheilung, die die »Allg. Win. Ser. von ihrem Mitarbeiter ans Paris er­halten, lebt daselbst ein Mädchen in einem ganz eigenartigen Krankheitszustand, der die Aufmerksamkeit der Aerzte schon seit langer Zeit beschäftigt. Vor einer Woche waren 16 Jahre ver­gangen, seit sich Marguerite Boyenval. ans dem Departemcut de l'Aisne gebürtig, in ununterbrochenem Schläfe befindet. Als Tochter nervöser und dem Alkoholismns ergebener Eltern hatte sie selbst eine in hohem Maße hysterische Anlage erhalten, die sie schweren Zufällen aussetzte. Im Alter von 19 Jahren (im Jahr 1883) verfiel sie gegen Abend in einen hysterischen Zustand, in dessen Verlauf sie einschlief. Sie ist seitdem nicht mehr aufgewacht, und man hält es nunmehr für wahrscheinlich, daß sie ihre ganze übrige Lebenszeit in demselben Schlafzustande verbringen wird. Sie wird durch eine Sonde mit Bouillon, Milch, Fleischertrakt und Pepton ernährt, und die Kranke hat dabei nur wenig an Körpergewicht verloren. Dieser Umstand erklärt sich daraus, daß ein Mensch im lethargischen Schlafe und überhaupt in allen hysterischen Zuständen nur sehr wenig Nahrung braucht, weil bie körperlichen Funktionen bedeutend verlangsamt sind, was sich auch in der geringen Menge der ausgeathmeten Kohlensäure ausdriickt. Man kann sich danach auch eine Vorstellung machen, wie der Körper dazu im Stande ist, eine solche Verfassung so lange Zeit hindurch zu ertragen, jedoch handelt es sich immerhin um einen Fall von äußerst seltenemVerlaufe.

* Der cingruiihte Ehemann. Ein amüsantes Geschichtchen von einem gewaltthätigen Ehemann und seiner sich rächenden besseren Hälfte wird aus Paris berichtet: Monsieur Antonin Urbain ist seines Zeichens Bohner, der Dank feiner wahren Herkules-Muskulatur etwas Tüchtiges schaffen kann. Das Hand­werk ermüdet aber, macht durstig und heitz. Um seinen erschöpften Kräften aufzuhelfen, fich abzukuhlen und seinen Durst zu löschen, trinkt der Mann natürlich. Er thut des Guten dabei meist etwas zu viel und die Folge ist, daß et stets in einem höchst bedenklichen Zustand fein eheliches Domizil erreicht. Beim Anblick seiner holden Gattin erwacht dann in dem Schwankenden der Wunsch, die Leistiingsfähigkeit seiner muskulösen Arme zu probiren. Er thut dies, indem er Frau und Schwägerin ein Weilchen mit Stock­schlägen traktirt, nach welcher Prozedur er sich befriedigt zur Ruhe legt, um feinen Rausch auszuschlafen. Die beiden unglücklichen Opfer des Trunkenboldes litten mit Geduld, bis ihnen vor Kurzem eine gute Nachbarin Rachegedanken einimpfte.Seid doch nicht einfältig, sagte die in solchen Dingen erfahrene Person, »benutzt die Zeit, in der er schläft. Näht ihn mit feinen Betttüchern an bie Matratze fest, daß er sich nicht rühren kann und dann gebt ihm eine ordentliche Tracht Prügel". Madame Urbain und ihre Schwester beherzigten den vortrefflichen Rathschlag und brachten dieser Tage das Rachewerk zur Ausführung. Vorsichtig nähten sie den Schlafenden ein, daß er wie in einem Sack steckte, und befestigten die Laken mit einer Packnadel und starkem Bindfaden an der Matratze. Dann ergriffen fie ein paar Rohrstöcke und droschen auf den ahnungslos schlummernden ein, daß es eine Art hatte. Auf das Gebrüll Sc8 wehrlosen Wükherichs stürzten schließlich bie Nachbarn herbei unb befreiten ihn aus den Hauben bei immer mehr in Rage gerathenden SfroiMW. Sa Mann trat aber fo übel zugerichtet worden, baß a

. Aus Stadt und Kund.

Wiesbaben, 28. Juni.

I GeschichtoKaleuder. 28. Juni. 1866: Treffen bei f Wünchengratz und Treffen bei Skalitz. 1819: Niederlage der r Ungarn bei Staab. 1848: Wahl des Erzherzog» Johann zum Wtzeutfchen Reichsverweser. 1823: * Oskar Freiherr v. Redwitz zn - Lichtenan bei Ansbach, deutscher Dichter (Epos Amaranth). 1815: ? * Robert Franz zu Halle, einer der größten Liederkomponisteii. S. 1813: f Gehr Hard v. Scharnhorst zu Prag, Reorganisator der Mpreußischen Armee (* zu Bordenan in Hannover). 1712: * Jean M Jacaues Ronssean zu Genf, einer der größten und einflußreichsten 8^ Schriftsteller der 18. Jahrhunderts. 1577: * Peter Paul Rubens I zu Siegen, berühmter belgischer Maler.

0. Gauvrrbandsfrst mittrlrhrinischrr Frchtlilubs. Auf l das gelegentlich des Festbanketts am Sonntag an Se. Majestät E den Kaiser abgesandte Huldigungstelegramm ist gestern Nachmittag bei dem miinnterzeichneten Protektor deS Fechterfestes, Sr. Durch- ° laucht Prinzen von Ratibor hier, folgende telegraphische Antwort eingelaufen:Seine Majestät der Kaiser und König haben den HStufe der Fechter. des Gauverbands mittelrheinischer Fechiklubs huldvollst entgegengenommen und lassen vielmals danken. Auf M Allerhöchsten Befehl: v. LncanuS, Geh. Kabinettsrath."

M I» derKeiloarmee", Frankenstraße 13, findet heute V Abend halb 9 Uhr eine »indische Versammlung" statt, in welcher L Kapitänin Crozier, bie Leiterin der hiesigen Abiheilung der Heils- p armee, einen Vortrag über ihre Thätigkeit, Ihre Erlebnisse re. in k Indien halten wird, der sehr interessant zu werden verspricht. Wer M sich also für die Arbeit der über die ganze Erde verbreiteten Heils- | armee, deren WohlfahrtSeinrichtungen schon viel Segen gestiftet M.haben, intereffirt, dein sei der Besuch dieser Versammlung g. empfohlen, umso mehr, als Musik unb Gesang zur Verschönerung U des Abends beitragen werden und der Eintrittspreis ein ganz M niedriger ist.

Kleine Chronik».

Ein etwa 60-jähriger Mann versuchte dieser Tage in Aachen in einer abgelegenen Straße ein 13-jcihrigeZ Mädchen zu ver- gewo lügen. Der Vater des Kindes kam auf dessen Hiilscrufe herbei und warf den Verbrecher derart gegen die Wand, daß der Mensch einen Schädelbruch erlitt und nach zwei Tagen an dessen Folgen starb. Der Vater des Mädchens wurde in Haft genommen, doch dürfte er wohl bald entlassen werden. Der Vorfall erregt hierselbst großes Aufsehen.

Wegen fortgesetzter Unterschlagung von Packeten mit Werth­sachen und gewöhnlichen Briefen auf der Hauptpost in Elber- keld wurden zwei HülfSboten, die Brüder Schmidt, ver­haftet.

t. Erdbeeren gegen Gicht. Die Zeit der Erdbeeren ist ; gekommen, aber nicht Alle dürfen sich dieser wohlschmeckenden Frucht erfreuen, denn gerade sie wird von den Aerzten häufig auf t die Liste der verbotenen Nahrungsmittel gesetzt. So geht es auch [ gewöhnlich den Gichtkranken. Im Gegensatz dazu erinnert ein Mit- £ arbeitet der LondonerNature" an eine von dem großen Statur« | forscher Sinne ausgezeichnete Erfahrung aus seinem eigenen Leben. - In den von dem Gelehrten in tadellosem Lateinisch niedergeschriebenen biographischen Notizen klagt LinnS auch über seine Anlage zur Gicht und erzählt, dafe er im Jahre 1750 während eines Spazier- ganges Plötzlich einen so schweren Anfall bekam, daß er sich kaum e bis nach Hause zu schleppen vermochte und eine Woche lang vor U Schmerz des Schlafes beraubt blieb. Er verlangte zunächst Opium, I ober ein Freund brachte ihn von diesem Mittel ab. Da bot ihm E seine Frau Erdbeeren an, und Minne, von dem Standpunkt des fc echten Experimentalphilosophen aus, antwortete:teniado, ich kann r es ja versuchen." Er that es und verfiel alsbald in einen cr- k gluckenden Schlaf, der 2 Stunden währte, beim Erwachen hatten hie I Schmerzen merklich nachgelassen. Er fragte, ob noch mehr Erdbeeren ß vorhanden wären, und erhielt darauf alle übrigen, die er ohne Rest U aufafe. Er schlief darauf nun die ganze Nacht hindurch und verzehrte U am folgenden Tag so viel Erdbeeren, als er irgend konnte. Schon am | g nächsten Morgen waren die Schmerzen ganz verschwunden und U Linnä fühlte sich kräftig genug, um das Bett zu verlassen. Die P Gichtschmerzen kehrten im nächsten Jahre zur selben Zeit wieder * und wurden wiederum durch massenhaften Genuß der köstlichen Frucht vertrieben. Dasselbe wiederholte sich noch im dritten Jahre, k Aus den späteren Jahren hat Linnö dann keine Anmerkung mehr F über diesen interessanten Gegenstand gemacht. Unser englischer UGewährsmann ist von dem Gedanken an eine Erdbeerenkur für > Gichtkranke so erfüllt, dafe er die Errichtung eines Kurhauses zu . g, diesem Zweck in der Grafschaft Kent, der englischen Erdbeeren- fe gegenb, bringend befürwortet.