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«3. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PrriS: durch den Verlag 50 Psg. monatlich, durch die Post 1 Ml. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
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Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
Mittwoch, den 28. Iimi
Ko. 296
Fernsprecher N». 52.
Fernsprecher R». 52.
Abend-Ausgabe
(Nachdruck verboten.)
Der Rhein-Meser-Glbe-Kanal.
1899.
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Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Kertin, 27. Juni.
Weiterberathung der Ausführungsbestimmungen zum bürget» lichen Gesetzbuch bei Artikel 72, Anlegung des Mündelgeldes, wozu konservative und freikonservative Anträge vorliegen. Abg. van der Borght (nat.-lib.) führt in fast einstündiger Rede aus: Niemand laufe ein Risiko, da die Koinmisstonsfassung jederzeit dem Staate das Recht gewähre, den Hypothekenpfandbriefen die Mündelsichev» heit zu entziehen. — Der Justizminister beruft sich demgegenüber auf seine gestrigen Ausführungen. Es handle sich hier nicht um einen Kampf des soliden Biirgerthums gegen den alteu Feudalismus, sondern um rein Wirth sch aftlichc Vorgänge. Er halte jene Banken für durchaus sicher, aber Gelder könne nur Der dort dauernd anlegen, der täglich den Courszettel studiren könne. — Abg. Gamp (fteikons.) beantragt, nur denjenigen Hypotheken» Pfandbriefen die Mündelstcherheit zu gewähren, welche durch inländische Körperschaften mit öffentlichem Recht gewährleistet find.—
um die von der preußischen Regierung vorgelegte große Kanalvorlage stattgefunden, der damit zu einem vorläufigen Abschluß ' gelangte, daß die Vorlage an eine Kommission verwiesen wurde. > Die letztere wird die Vorlage, welche zu den allerwichtigsten der ! gegenwärtigen Session gehört, eingehend berathen. Die Herstellung des Rhein-Weser-Elbe-Kanals, also einer Kanal-Linie, welche den s Rhein mit dem Dortmund-Ems-Kanal, der Weser und der Elbe ° verbinden und also im weiteren Verlauf eine Wasserstraße von ’ großer Leistungsfähigkeit zwischen dem westdeutschen Stromgebiet s des Rheins, der bis nach Baden und Bayern hinein feine Arme ' erstreckt und den bereits mit einander verbundenen ostdeutschen l Stromgebieten der Elbe, Oder und Weichsel, schafft, ist von größter
Im preußischen Landtag hat bekanntlich ein sehr heftiger Streit ’-1- '— *— ‘—L2------ —rgelegte große Kanal-
vorläufigen Abschluß
deshalb auch ausdrücklich darauf hinznweisen, daß die in dem Vorentwurf angenommene Kanallinie bei der späteren eingehenden Bearbeitung zweifellos Verschiebungen erfahren wird, zumal das von ihr durchzogene Gebiet zum Theil fortdauernden Aenderungen in Bezug auf seine Bebauung und dergleichen unterliegt.
Unfere Leser können aus der beistehenden Karte, welche fämmt- liche im Kanalgebiet liegenden Städte und Ortschaften enthält und daher so eigentlich das Interessengebiet desselben darstellt, ganz genau den Verlauf des Kanals ersehen. Das im oberen Theil der Zeichnung enthaltene Längenprofil zeigt, wie günstig der Kanal- wasserstand bei der im Ganzen 468 km langen Strecke für den Verkehr ist. Im westlichen, auf unserer Karte links befindlichen Theile befinden sich 7 Schleusen, vermittelst deren der Kanal vom Rhein aus nach der Höhe des Dortmund-Ems-Kanals bei Lerne aufsteigt. Sodann bleibt der Wasserstand während einer Strecke ' von 65 km auf derselben Höhe, sinkt durch eine Schleuse bei Münster aus die zweit große Wasserhaltung, welche sich in einer Länge von nicht weniger wie 210 km ohne Schleuse bis nach Hannover erstreckt. Sodann steigt der Kanal vermittelst einer Schleuse zu einer neuen höheren Haltung empor, die sich in einer Länge von 92 km bis
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Kertin, 27. Juni. Die Kanal-Kommission des Abgeordnetenhauses setzte heute Vormittag die allgemeine Besprechung der KompensationS-Fordeningen fort. Abg. WgllrnbyrnGentruM
6 Bedeutung für das wirthschaftliche Leben nicht nur in Nord- | deutschlano, sondern auch der süddeutschen Stromgebiete. Wir geben ^.daher unfern Lesern in der beistehenden Karte eine Uebersicht über | den Verlauf dieser großen Kanal-Linie als auch ein Längenprofil [ derselben, welches die außerordentlich günstige Gestaltung der Wasser- r spiegelverhältnisse des Kanals klar erkennen läßt.
Der Rhein-Weser-Elbe-Kanal ist in der Zeichnung durch eine e starke schwarze Strichlinie, der bereis vorhandene, vom Rhein- fc Weser-Elbe-Kanal geschnittene bezw. zum Theil benutzte Dortmund- s Ems-Kanal durch eine starke Strichlinie mit zwei feinen Seiten« t iinien bezeichnet, und die Kanalisirung der Weser, welche aus Anlaß E der Herstellung des Rhein-Wefer-Elbe-Kanals erfolgen soll und bis | zur Mündung bei Bremen durchgeführt werden wird, ist durch zwei | feine Strichlinien parallel mit dem Lauf der Weser und die Mar- V finnig der vorhandenen Schleusen deutlich wiedergegeben. Die sämmt- ff lichen Schleusen, welche sich in dem hier dargestellten Fluß- und Kanal- £ netz befinden, sind durch kleine schwarze, spitzwinklige Striche bezeichnet. I Der Rhein-Weser-Elbe-Kanal soll bekanntlich bei Laar am Rhein be- k ginnen, in östlicher Richtung bis nach Herne führen, sich hier an | den Dortmund-Ems-Kanal anschließen, dann den Dortmund-Ems- k Kanal in nördlicher Richtung bis zum Orte Bevergern benutzen | und von hier aus in östlicher Richtung nördlich an Osnabrück
E vorbei zur Weser bei Minden führen, dann weiter östlich die Seine U bei Hannover kreuzen, ferner die Aller durchschneiden und unter« U halb Magdeburg bei Heinrichsberg in die Elbe münden. Diese k Kanallinie soll einen Wnsserzubnnqer von der Ruhr bei Hobeir- I Syburg, ferner ein Dampfpumpwerk bei Münster, eine Schleusen- B. treppe bei Henrichsbnrg, die neben dem dort befindlichen Hebewerk I angelegt wird, erhalten. Eine zweite Schleuse bei Münster und ein [ Wasserzubringer von Rinteln an der Weser und von Kolding an 6 der Seine nach dem Hauptkanal, ferner sollen Zweigkanäle abgehen f nach Osnabrück, der Weser bei Minden, bei Linden nach der Seine, r nach Wülffel und Hildesheim, Lehrte, Peine und Magdeburg; ein L Zweigkanal nach Braunschweig wird eventuell von Braunschweigischer k Seite hergestellt.
Von der Weser-Kanalifirrmg von Hameln bis Bremen fällt I nur die Strecke von Minden bi« Hameln unter den Vorlage- und I Gesetzentwurf, da vorausgesetzt wird, daß die Strecke Miuden- l Bremen durch die Stadt Bremen zur Ausführung gelangt.
Die Aufstellung des gesummten Bauentwurf« hat unter stetem t eingehenden Benehmen mit den Betheiligten stattgefunden, welche E auch einen Theil der Vorarbeitskosten getragen haben. Der Ent- Wurf ist nach den Anweisungen des Ministers der öffentlichen | Arbeiten gearbeitet und in dessen Ministerium festgestellt. Selbst- [ verständlich ist bisher nur ein auf allgemeinen, wenn auch besonders V sorgfältigen und eingehenden Vorarbeiten beruhender Vorentwurf | ausgestellt, auf Grund dessen nach Bewilligung der Baumittel die i mdgültigen Sonderentwürfe zu verarbeiten sein werde«. Es ist
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' Lageplan und Längenprofd des
Rhein -Wesen-Elbe Kanals*
Abg. v. Arnim (kons.) beantragt, die Hypothekenpfaudbriefe ander Reihe der miindelsicheren Papiere zu streichen. — Finanzminister v. Miquel führt aus, ein Bedürsniß zur Erweiterung der Konzessionen für mündelsichere Papiere bestehe nicht, die Vormünder hätten 20 Milliarden zur Verfügung. Es laufe außerdem dem Geiste der Reichsgesetzgebung zuwider, wolle man für Preußen Ausnahmen gelten lassen. Die Verantwortlichkeit falle nur formell auf das Haus, materiell aber auf die Regierung. Die Hypothekenbanken seien nothwendiq. Sie befriedigten Bedürfnisse, welche die Landschaften nicht beliebigen könnten; aber das sei kein Grund, sie vor anderen, mindestens ebenso sicheren Papieren M bevorzugen, wie den Kleinbahn-Obligattonen. Em Berglesch mit Süddeutschland fei hier nicht am Platze. Wir müßten, wie schon der Justizminister betonte, uns in unserem Lande nach unseren Verhältnissen richten. (Bravo!) Der Finanzminister schlicht mit der Bitte, die Kommissionsfassung, welche ein zweischneidige« Schwert fei, abzulehnen und btt Regierungsvorlage anzunehmen. — Abg. Peltasohn (freis. Ser.) beantragt redaktionelle Aenderung der Kommissionsfaffung. Det von nanonalliberaler Seite gestellte Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. — Abg. Gamp (fteikons.) zieht seinen Antrag zurück, da ihm durch die Annahme des Schlußantrags die Möglichkeit einer Begründung abgeschnitten fei. Der erste, nicht beanstandet« Theil des Artikels wird sodann in der Kommissionsfaffung angenommen. Heber den zweiten, die Hypothekenbanken betreffend, findet namentliche Abstimmung statt, wobei die KonimissionS- faffung entsprechend dem Antrag Arnim, mit 159 gegen 127 Stimmen abgelehnt wird. Damit find die Hypothekenbanken gestrichen und die Regierungsvorlage hergestellt. Di« folgenden Paragraphen werden ohne Erörterung genehmigt. — Artikel 75, Gemeindewaisenrath, wird in der Kommisfionsfaß:ng angenommen. Nachdem ein Antrag Wiemer (freif. VolkSP.). auch Frauen zu diesem Amte zuzulasfen, gegen den der Justizminister gesprochen, nach kurzer Debatte abgelehnt wird, wird eine Reihe weiterer Artikel dcbattelvs genehmigt. Zn Arttkel 84, GerichtS- kosten, wird ein Antrag Schmitz-Düsseldorf angenommen, wonach für die Eröffnung der Verfügung von Tode« wegen fünf Zehnte! der vollen Gebühr erhoben werden sollen, während beglaubigte Abschriften gebührenfrei find. Zn Artikel 85, betreffend Erhöhung der Gebiihren für Beurkundungen in fremder Sprache, wird em Antrag Motty (Pole) abgelehnt, welcher die Bestimmung auf Ausländer beschränkt wissen will, damit nicht auch polnisch sprechend« Ausländer betroffen würden. Der Rest wird dann ohne wesentlich« Debatte genehmigt. Morgen 12 Uhr: Justizgesetze.
Oebisfelde erstreckt, und von hier ans findet dann vermittelst dreier Schleusen ein Abstieg durch das Thal der Ohre nach Heinrichsberg unterhalb Magdeburg statt. Im Ganzen hat der Kanal auf seiner Länge von 466 km nur 13 Schleusen, und ganz besonders hervor- zuheben ist die außerordentlich lange Wasserhaltung von 210 km zwischen Münster und Hannover, auf welcher Kanalstrecke sich keine einzige Schleuse ober sonstiges Verkehrshinderniß befindet.
Die Gesammtkosten des Kanals sind bekanntlich auf beinahe 261 Millionen Mark, die Bauzeit auf 8 Jahre veranschlagt. Von dem Kanal liegen 39 km zmn Theil in der Rheinprvvinz, zum Theil in Westfalen, von dem Haupttanal von Bevergern bis zur Elbe, der 325 km lang ist, liegen 61 km in der Provinz Westfalen, 146 km in der Provinz Hannover, 16 km in der Provinz Hessen- Nassau, 61 km in der Provinz Sachsen, 22 km im Fürstenthuin Schaumburg-Lippe, 19 km im Herzogthum Braunschweig. Von den im Ganzen 89 km langen Zweigkanälen liegen 3 km in der Provinz Westfalen, 76 km in der Provinz Hannover und 10 km in der Provinz Sachsen. — Nach angestellten Berechnungen, bei welchen Schleppzüge vorausgesetzt sind, die ans Schleppdampfern und zwei Schleppkähnen bestehen, hat die freie Kanalstrecke des Mittelland-Kanals eine jährliche ^Leistungsfähigkeit von 10 Millionen Tonnen bei 13-stündigem Tagesbetrieb und von 16 Millionen Tonnen bei 22-stündigem Tag« und Nachtbetrieb. Die Leistungsfähigkeit auf den mit Schleusen besetzten Strecken ist natürlich entiprechend geringer, ist jedoch bisher nach Möglichkeit gesteigert, da die Schleusen fämmtlid) als Doppelschleusen eingerichtet werden.
Für den Dortmund - Rhein - Kanal betragen die Baukosten 45,298,000 Mk., die Betriebs- und Unterhaltungskosten 509,200 Mk.; für die Ergänzung des Dortmund-Ems-Kanals betragen die Baukosten 4,067,000 Mk., die Betriebs- und Unterhaltungskosten 36,600 Mk.; für den Mittelland-Kanal mit Zweigkanälen betragen die Baukosten 191,668,700 Mk., die Betriebs- und Unterhaltungskosten 1,347,300 Mk.; für die WeserkanalifirungHameln-Minden betragen die Baukosten 19,751,000 Mk., die Betriebs- und Unterhaltung«« kosten 276,000 Mk. Die auf Preußen entfallenden Baukosten betragen also 260,784,700 Mk., und diejenigen der Betriebs- und Unterhaltungskosten 2,169,100 Mk.
Im Abgeordnetendause wird die Kommisfion zur Vorberathting der Kanalvorlage in folgender Reihenfolge über den Gesetzentwurf in Beraihung treten:
1. über die wirthschaftliche Bedeutung der vorgeschlagenen Kanallinie für Landwirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie, sowie über die finanzielle Bedeutung. Hierunter soll auch fallen die Frage über die Bedeutung der Kanäle gegenüber den Eisenbahnen und deren Leistungsfähigkeit;
2. über die technischen Ausführungen der Kanallinie;
3. übet die Rentabilität derselben;
4. über die Jnteressen-Beiträge.
