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iksbckkner Tagblck

Verlag: Langgasie 27,

16,000 AKormeulerr

Po. SSL.

Montag, den 26. Inur

1899

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

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alle» gegen 6 Stimmen angenommen wurde, beweist, daß man sie allgemein als eine Verbesserung gegenüber dem bestehenden Zustand ansah. Von den kleineren Vorlagen, welche der Reichstag erledigte, kommt die größte Bedeutung dem Hypothekenbankgesetz, der Jnvalidenfondsvorlage und dem Handelsprovisorium in England zu.

Als Restbestand bleiben für den zweiten Abschnitt der Session sechs größere und mehrere kleinere Vorlagen znrück, bei deren Erledigung — sie haben sämmtlich nur die erste Lesung passirt — noch schwere Kämpfe zu erwarten sind. Ob die Vorlage „zum Schutz des gewerblichen Arbeits- Verhältnisses" zu irgend welchen anders gearteten gesetz­geberischen Schritten führen wird, kann als sehr zweifelhaft angesehen werden, und als völlig gescheitert gilt die lex Heinze. In der Gcwcrbenovelle, dem Fleischschaugesetz, der Post­vorlage und der Justiznovelle incl. Eidvorlage aber sind schon jetzt so viele Differenzpnnkte hcrvorgetrcte», daß es, auch abgesehen von den zahllosen Initiativanträgen und den noch zu erwartenden Vorlagen, dem zweiten Theil der Session an reichlichem Stoff zu heißen parlamentarischen Kämpfen nicht fehlen wird.

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Jßitartule (3 Monat«), auf den 2. und 3. Monat oder auf ;; den letzte» W»n«t eines (Quartals.

Werlig des „Wicsöadener Fagvkalt".

<T. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — BezngS-PreiS: durch den Verlag So Pfg. monatlich, durch bi« Post 1 SRI. eo Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Deutsches Deich.

* Hof- «nd prrsonal-Uachrichten. Aus Christiania wird der „Voss. Ztg." geschrieben: Kaiser Wilhelm wird in der Nacht zam 5. Juli bei der Landungsstation Kopervik eintresfen. Die Fahrt nach Hardangcr, Voß, Stahlheim und Sogn gedenkt der Kaiser in diesem Jahre ausfallcn zu lassen und von Bergen aus geradenwegs nach den Romsdals-Fjorden zu gehen. Von dort aus reist der Kaiser nach Drontheim, um sodann nach Nordfjord zuriickzukchren, wo Lön und Olden besucht werden sollen.

Revision vom Reichsgericht verworfen wurde. Um dem Freiyerrn v. Hammerstcin die Verbüßung von noch 100 Tagen Zuchthaus zu ersparen, ist von Freunden seiner Familie die Summe von 1500 Mk. aufgebracht worden.

Der Maurer streik ist beendet. Die vorgestern vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts stattgefundenen Verhandlungen haben zu einem für beide'Theile vorthcilhaften Resultat geführt. Der Lohn soll bis zum 31. Dezember 1899 60 Pf. pro Stunde,

* Kleine nassauische Aach richte». I» der Liste der | Rechtsanwälte ist gelöscht der Rechtsanwalt Georg in Hadamar E bei dem Landgericht in Limburg a. d. L. und dem Amtsgericht in I Hadamar. — In Kastel ist u der Müitärschwimmschulc der I Pionier Gcrlach ans Oberrad infolge eines Schlaganfalls ertrunken.

* Kerlin, 26. Juni. Die „National-Zeitung" erfährt zu der Blättermelduug, betreffend den deutsch-amerikanischen Kabelbau, daß das Kaiserliche Reichspostamt mit englischen Firmen Ver­handlungen wegen Legung des Kabels angekniipft oder denselben den Bai: bereits übertragen habe, daß die große englische Kabel-

1 gescllschaft das Lcgungsrecht auf den Azoren habe. Dasselbe sei für das deutsche Unternehmen nur unter der Bedingung zu haben gewesen, daß der englischen Gescllschaft der Bau des Kabels über» ' tragen werde. Deutsche Firmen seien aber bei demselben keines­wegs ausgeschlossen. Eine große Anzahl von Bestandtheilen werde auch aus Deutschland bezogen. Da aber zur Zeit in Deutschland keine Kabclfabrik cxistirt, welche in der Lage wäre, große Seekabel zu legen, so habe die Postvcrwaltung die Heranziehung der eng­lischen Gesellschaft nicht umgehen können. Wie der „National- Zcitung" noch versichert wird, sei die Rcichspostverwaltung bestrebt, ausschlreßlich deutsche Firmen mit ihren Aufträgen zu betrauen.

Der Freiherr v. Hammcrstein verläßt heute das Zucht­haus. Das gegen ihn am 22. April 1896 gefällte Urtheil, lautend auf drei Jahre Zuchthaus, 1500 Mk. Geldstrafe oder noch 100 Tage Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, wurde erst am 26. Juni 1896 rechtskräftig, da an diesem JCag die Revision vom ‘'

o. Grober Unfug schlimmster Art ist in der Nacht vom r | Samstag auf Sonntag von einer Anzahl junger Burschen in den e neuen Anlagen im Aerothal verübt worden. Die zerstörmlgs- | f wüthigeri Gesellen haben daselbst mehrere Bänke quer über den L Weg gestellt, in der Nähe der „Bcausile" sogar eine Bank über die i Brücke in den Bach geworfen. Vor einem Schichmann nahm die f Gesellschaft Reißaus, sie wurde aber bis auf den Neroberg ver- folgt, woselbst cs gelang, einige der rohen Burschen fest- I zunehmen. Bermuchlich würden dieselben noch weitere Beschädigungen | verübt haben, wenn sie nicht daran gehindert worden wären. Ein fr gehöriger Denkzettel für diese Hclbcutlmt wird nicht ausbleiben.

-91 ottshmi» fÜT die Abend-A«sgab« bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgcn-AuSgabe bi« 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichtcr Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

— Kleine Uotizen. In der Nähe des Noildells in der I Adolfsallce ist in der letzten Nacht eine der daselbst ausgestellten M eisernen Bänke von rohen Gesellen beschädigt worden. Die | starken Eiseutheile wurden direkt abgeschlagen, sodaß die Rücklehne I jeden Halt verlor.

— Fremdeu-UerKehr. Zugang in der verflossenen Woche 1 nach der täglichen Äste des „Bade-Blatt" 1836 Personen.

VrenMcher Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Kerlin, 24. Juni.

DaL Abgeordnetenhaus genehmigte heute in dritter Lesung die Vorlage, betreffend Richtcrpensionirünaen, den Nachtragsetat, die Novelle, betreffend öffentliche Lasten bciGrundstückstheilungen, und den Antrag Kirsch-Plettenberg, betreffend Jagd auf eigcnemGrund- bcsitz. — Zur zwcrten Lesung der CharfreitaaSvorlage war neben dem Antrag der nationalliberalcn Partei auf Wiederherstellung der ursprünglichen Regierungsvorlage ein zweiter Antrag der konservativen und eines Thcils der freikonservativen Partei eingegangen, der die Beschlüsse der Kommission des Herrenhauses in etwas veränderter Form wieder aufnahm und in einem einzigen Paragraphen zn- sammcnfaßte. Derselbe lautet: „Der Charftcttag hat die Geltung eines bürgerlichen allgemeinen Feiertags. — In Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung soll die bestehende herkömmliche Werktagsthätigkeit am Charfrcitag nicht verboten werden; cs sei beim, daß cs sich um öffentlich bemerkbare ober geräuschvolle Arbeiten in der Nähe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handelt." Vor Eintritt in die Debatte herrschte im Hause eine auffällige Unruhe; die in den verschiedenen Parteien zusammentretenden Gruppen beschäftigen sich offenbar mit dem Schicksal der Kanalvorlage. Es ist ein offenes Gcheimniß, daß die Kanalvorlage auch bestimmend auf die Haltung der Parteien Und der Regierung in der Char- frcitaaSvorlage gewirkt hat: Stur das Centrum nicht reizen, so heißt die Losung. Für die Konservativen sprach der evangelische Pfarrer Schall. Er erklärt, daß die Konservativen grundsätzlich aufdem Boden des nationalliberalcil Antrags stehen, aber im Interesse des kon­fessionellen Friedens für ihren Antrag eintreten, der die äußerste Grenze ihres Entgegenkommens bilde. — Abg. v. Borght be­gründet den nationalliberalen Antrag unter Wiederholung bet in der ersten Lesung geltend gemachten Argumente. — Abg. P o r s ch (Centr.) ersucht um Wiederherstellung der Beschlüsse der Herren- hauSkommission, wenn man nicht wieder auf die ganze Angelegen­heit verzichten wolle. — KnltnSmiilistcr Bosse bittet um An­nahme des konservativen Antrags der sachlich mit dem Be­schluß der Herrenhauskommission übereinstimme, und von dem er überzeugt fei, daß er die Zustimmung des Herrenhauses finden werde. — Nach längerer Debatte wird der konservative Antrag mit Unterstützung des Centrums angenommen. Es werden dann eine Reihe Petitionen, meist ohne allgemeine Bedeutung, erledigt. Petitionen, betreffend die gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Direktoren, Lehrer und Lehrerinnen der städtischen höheren Mädchen- unb Mittelschulen, werden nach längerer Debatte der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Montag 11 Uhr: AnSsührnngs- gcsctz zum bürgerlichen Gesetzbuch.

Sluzeigen-PrelSt

Die einspaltige Pctitzcile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Rineigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Hie Keich »tagssefsron.

(Von unserem Berliner p-Korrespondenten.) Kerlin, 25. Juni.

Am Donnerstag hat der Reichstag den ersten Abschnitt | Oer Doppelsession beendet und sich bis zum 14. November vertagt, mit welchem Termin der zweite Theil der Session i seinen Anfang nehmen wird. Dieser nngewöhnliche Weg der

Vertagung ist deshalb gewählt worden, weil man die mannig- i, faltige und mühevolle Arbeit dcS Reichstags, welche in den s Kommissionen stecken geblieben ist, nicht völlig verloren gehen &. lassen wollte. Der llmstand, daß ein so großer Theil . der Thätizkcit des Reichstags tut embryonalen Zustand 7 geblieben ist, ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen.

Einmal ist die Session außerordentlich spät einberufen e. worden, sodaß der für die parlamentarische Thätigkeit günstigste Abschnitt bis zu den Weihnachtsferien auf wenige : Sitzungen reduzirt wurde. Zweitens ist in dieser Session e eine unverhältnißmäßig große Zeit allgemeineren Er- : örterungen gewidmet worden, die mit den Gegen- " ständen der Verhandlung oft nur in sehr losem | Zusammenhang standen. Drittens stand der Reichstag - während der ganzen Session mit wenigen Ausnahmen, die -- sich an den Fingern zweier Hände herzählen lassen, unter r dem Zeichen der Veschlnßunfähigkeit, wodurch der Geschäfts- , gang erschwert und gehemmt tvnrde. Diese permanente

Bcschlußnnfähigkeit ist in drastischer Weise darin zu Tage s getreten, daß es während der ganzen Tagung nicht

gelutlgen ist, einen Beschluß über den beantragten Bei-

trag zum Goethe-Denkmal in Straßburg herbciznführen, - eine schöne Absicht, welche daran scheiterte, daß die

[ Gegner des Zuschusses die Bezweiflung der Leschluß-

I Unfähigkeit zu Hülfe nahmen und zu nehmen drohten.

Dieser tragikomische Ausgang der Aktion zu Gunsten Goethes - ist peinlicher für den Reichstag als für den Altmeister der F deutschen Dichtung, der sein Denkmal auch ohne den f Reichstagszuschnß von 50,000 Mark erhalten wird und sj schlimmsten Fall? auch ohne das Denkmal in Straßburg t und anderSwo sein Renommee behalten würde. Für den ? Reichstag ist die Sache aber peinlicher, denn das Goelhe- I' Denkmal in Straßburg wird für den Kenner ein Denkmal f der Beschlußunfähigkeit des deutschen Reichstags bleiben.

Die Gerechtigkeit gebietet aber, noch einen vierten Grund i anzuführen, weshalb der Reichstag diesmal verhältnißmäßig

| km.aisocrgehcn, sondern auch wegen Hehlerei komilstiisteichsiag zn-

Ansland.

* Frankreich. Der General Gallifet hat einem Redakteur des Pariser Journals folgende sensationelle Erklärung gemacht: Keine Maßregelung, sagt Gallifet, ist gegen die Generale Zur Linden, BoiSdeffre, Gonse und Pcllicnx in Aussicht genommen. Die Namen dieser vier Generale sind nicht einmal im Ministerrathe genannt worden, und ich bin sicherlich überzeugt, daß keiner meiner Kollegen an Gewaltmaßregeln denkt, die augenblicklich den Charakter von Verfolgung hätten. Mein Brief, durch welchen ich baS Angebot des Postens des Kriegsministers annahm, enthält folgende Worte, welche sie veröffentlichen können: ES ist wohl zu verstehen, daß wir die Minister, die Armee schützen, beschützen und vertheidigen, während die Armee andererseits ihre Befngniß nicht über­schreiten darf. Die Maßregeln, welche ich gegen die

Generale Hartschmidt, Roget und Saxce angeorbnet habe, find keine Strafinaßregcln. Ich bin überzeugt, daß ich weitere

Maßregeln nicht zu treffen haben werde und daß alle Offiziere, geschützt und vertheidigt, ihre Befugnisse nicht über­schreiten werden. Was das Kriegsgericht von Reimes anbctrifft, so sind die Pläne, die den Ministern zugeschrieben werden, eine einfache Legende. Ich bitte Sie, folgende Erklärung nach meinem Diktat nieder schreiben zu wollen: Ich gebe mein Ehrenwort, daß keiner von uns Ministern daran denkt, die Mitglieder des Kriegs­gerichts von Rennes zu beeinflussen. Ob Dreyfils veriirthcilt oder sreigesprochen wird, das Urtheil wird auf loyale Weise gefällt werden. — Gegenüber dem in dem Blatt „France militaire" veröffentlichten Interview des KricgSministers Gallifet erklärt derselbe in einer Note in Bestätigung der heute vom „Journal" veröffentlichten Mitthcilnng, er'habe keinem Redakteur des „France militaire" ein Interview bewilligt, auch entsprächen die meifteu der ihm zugeschriebenen Aeußernngen weder der Ansicht der Regierung, noch seiner eigenen. — Der bisherige Kommandeur der 18., in AngerS liegenden Infanteriedivision, General Hart- schmidt, wurde zum Kommandeur der 12. Infanteriedivision in Reims ernannt. Der Kommandeur des 10., in Neunes garnifonirenben ArtillerieregimcntS, Oberst Sadse, wirb den Oberbefehl über das 20. Artillerieregiment in Poitiers über­nehmen. — Das Gerücht, daß Drey fus bereits in Rennes em- getroffcn ist, ist unrichtig. Der „Sfax". hat erst gestern Maderra verlassen und trifft am 29. b. in Brest ein. — Madame G o d a r b, welche ihr Hans in RcnneS Mabame Dreyfus zur Verfügung gestellt hat, ist eine vortreffliche alte Dame, Protestantin und Wittwe emcS reichen Holzhänblers. Sic sagt: „Ich habe mcm Haus Madame Dreyfus angeboten, weil ich gelesen habe, daß mehrere Hotelrers es abgelehnt haben, sie aufzunehmen, und weil diese Frau mir in ihrem Leiden und in ihrem Kampf für ihren Gatten groß vorgckoinmeir ist." Die Mehrheit der Bevölkerung in Rennes ist antlrevifionistisch, aber ruhig. Dreißig Studenten haben an Madame Gvbard geschrieben unb ihr angeboten, während der Anwesenheit der Madame Dreyfus ihr Haus Tag und Nacht zu bewachen. Als Madame Godard das einem Interviewer erzählte, sagte sie lächelnd: „Ich bin alt; wenn man mich tobtet, sterbe ich wenigstens nicht auf eine gewöhnliche Art. Ich fürchte aber nichts, die franzöfischen Frauen lassen fich nicht einschüchtern. Dar Hans hat einen großen Garten, besten Zaun Madame Gobarb verdichten läßt, um Madame Dreyfus gegen die Blicke der Neu­gierigen zu schützen. Auch Trarieux, Bernard Lazare und Andere werden bei ihr wohnen.

* Spanien. Zehntausend Menschen haben dem Samstag Abeud in der Baüfplelhalle in Madrid alWhaltenenMeenngfür

* Kranbach, 23. Juni. Die Untersuchung in Sachen des | Einsturzes des neuen Kirchthurms ist eingeleitet. Nachdem | | gestern der Herr Staatsanwalt aus Wiesbaden die Unglücksstätte > | besichtigt hatte, ist heute von einer technischen Kommission, bestehend | ans Herrn Regierungs- und Banrath Angclroth aus Wiesbaden, ; f dem Herrn KreiSbauinspcktor unb dem leitenden Architekten eine | genaue Untersuchung Dorgenommen worben. Sic hat bisher nicht r das Mindeste über die Ursache be« Einsturzes ergeben. Herr Bau- f rath Angelroth, der noch in letzter Woche den Bau in allen Theilcn f besichtigt und gut befunden hat, erklärte, daß erst die Bloßlegung. | der Fundamente volle Klarheit schaffen werde. Auf keinen k Fall sei die herrschende Meinung richtig, daß die Verwendung ; minderwerthigen Materials zum Einsturz des Thurmes geführt | habe. („Fraickf. Ztg.")

vom 1. Januar 1900 ab bis zum SO. September 1900 einschließlich 62* 1'2 Pf. und vom 1. Oktober 1900 bis zum 31. März 1901 65 Pf. betragen. Die Arbeitszeit tvird auf 9 Stunden festgesetzt. Es wird eine Kommission von 9 Arbeitgebern und 9 Arbeitnehmern gebildet, welcher die Regelung des Lohuverhältnisses, Einrichtung der Arbeitsstätten, die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern obliegen soll.

* Kaisermanöoer. Die Paradetage während der dies­jährigen Kaisermanöver sind wie folgt festgesetzt: Sim 4. September findet bei Straßburg im Elsaß Parade über das XV. Armee- Corps, am 7. September bei Stuttgart über das XIII. und am 8. September bei Karlsruhe über das XIV. Armee-Corps statt.

* Marine. Der „Lok.-Auz." meldet ans Kiel: Der Kaiser ließ Freitag Abend auf allen Kriegsschiffen durch elektrischen Signal-Apparat den Vollzug der Einverleibung der Karolincn- Jiiseln in beit deutschen Kolonieen-Besitz bekannt geben, worauf die Besatzung ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser ausbrachte.

* Der 4. Kongreß für Doll,o-«nd I»H«ndstnirle wurde gestern im Beisein der Obcrpräsidentcu von Ost- nndWestprenßen, Grafen Bismarck und v. Goßler, sowie vieler Vertreter königlicher, militärischer und kommunaler Behörden in Königsberg t. Pr. eröffnet. Auch der preußische Kriegsminister v. Goßler und General­stabsarzt der Armee, Prof. v. Soler, haben Vertreter entsandt. Der Kongreß ist von annähernd 1000 Personen besucht. Vorsitzender v. Schcnkendorff eröffnete den Kongreß. Oberbürgermeister Hoffmann begrüßte den Kongreß im Namen der Stadt Königsberg. Nach weiteren Begrüßungsansprachen hielt Realschul-Direktor Vf. Lorenz- Quedlinburg einen Vortrag über die Anforderungen, welche der heutige Heeresdienst an die körperlichen und sittlichen Eigenschaften der Jünglinge stellt, und über die Frage, wie unsere Jugend­erziehung im Dienst der nationalen Wehrkraft die Vorbedingungen dazu schaffen kann. Hierauf wurden zehn, den Inhalt des Vortrags enthaltende Leitsätze eüjftimmig angenommen. Nachdem beschlossen worden war, ein HuldigungStelegrauun an den Kaiser abznscnden, wurde die Sitzung aufgehoben.

* Der Kötner Grzbischofsssuht. Zu der Frage der Wiedcrbcsetzling des erledigten Erzbischofsstuhles verlautet, daß auf der Kandidatenliste sechs Personen vorgesehen seien, von denen nicht eine einzige von der Rcgiernng beanstandet wurde. Unter Anderen stehen auf der Liste Bischof Dingelstädt ans Münster unb die Weihbischöfe Schmitz und Fischer aus Köln. Als vor wenigen Tagen dem Kaiser die Liste vorgelegt wurde, soll er geäußert haben: Alle sind mir angenehm, am angenehmsten allerdings Dingelstädt aus Münster. Die Lifte ist bereits nach Rom äb- gefar.bt, sodaß die Bestätigung innerhalb sechs Wochen erfolgen dürfte.

* Deutsch-China. Der Berliner „Lokal-Anzeiger" meldet aus T sin tau: Die Einwohner verschiedener bei Kaomi gelegener Dörfer zerstörten die von den deutschen Ingenieuren dort unter­nommenen Vahnbautcn. Die Strafe folgte auf dem Fuße nach. Hauptmann Manwe, Chef der 1. Compagnie des Sce-Bataillons, wurde mit 80 Mann feiner Compagnie und 16 Reitern an Ort und Stelle geschickt, um die Aufrührer zu züchtigen.