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Wirsbaihwr TagblM

«»• Jahrgang.

Verlag: Langgasie 27.

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N-. 29i;

Sonntag» den 25. Juni.

1899

Fernsprecher Ns. 52.

Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

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.Gedankenvoll" (Aquarell); Fritz Wachenhusen: :rhahn", ^Auerhahnbalz nn Gebirge", .Birkhahn-

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Radfahrer sich gerade aufrichtet ansieht. Zum Frontmachen sitz' Straßenverkehr es nöthig macht allgemeinen Sicherheit "* gebnng richtet, ist er v

— Knnstsaton Hanger (Taunnsstraße 6). Neu ausgestellt: P. Barthel: „C ‘ ’ f"' ~ '

„Balzender Auerhahn", ^Aucrhahnbalz .... _____ , ____

balz", „Entenfall", „Schwarzwild in der Suhle, „Schreiender Hirsch", „Rehbock"; Arthur Winkler: „Bismarckrclief in Bronce".

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Es handelt sich auf der Konferenz nicht inchr um die Frage r .Schiedsgericht oder nicht Schiedsgericht", da gegen diesen Vor- . schlag, so viel bekannt, überhaupt kein grundsätzlicher Widerspruch E erhoben worden ist. Der Streit gilt aber auch nicht mehr der lr Frage obligatorisches oder fakultatives Schiedsgericht, denn für - ein obligatorisches Schiedsgericht, dem sich also jeder Staat in jeder M Frage, und handelte cs sich auch um eine nationale Existenzfrage, ? bedingungslos und widerspruchslos unterwerfen müßte, ist keine £ einzige Großmacht eingetreten und konnte keine Großmacht cintrcten, 6 wenn nicht aus einer anderen, so doch ans der Erwägung, daß sich im i entscheidenden Fall auch diejenigen Staaten nicht auf daSSchicds- / aericht einschwören würden, die sich vorher für dasselbe begeistert . hatten. Thatsächlich hat sich diese Streitfrage auf der Konferenz / aus die Formel zugespitzt, „ständiges oder nicht ständiges fakultatives M. Schiedsgericht . Das aber ist eine Frage von sekundärer Bedeutung,

Anzeigeu-PrelS:

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige «»»eigen 25 Psa. — üetlomcH die Pctitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

nennt sich, weil das Kind doch einen Namen haben muß, „Dir Wahrsagerin" — kein Ucbermaß von Geist oder ähnlichen Dingen aufwcist, wird der wohlwollende Beurtheiler dem vielseitigen Direktor weiter nicht übel nehmen. Die Devise des neuen Direktors lautet einzig und allein: .Du sollst und Du mußt lachen!" Und da der Herr Direktor dieses Ziel bei dem verhältiiißmäßig zahl­reichen Auditorium unmöglich dadurch erreichen konnte, daß er Jeden einzeln unter den Armen kitzelte, mußte er nothaedrungen zu dm unmöglichsten Unmöglichkeiten und zu den gräßlichsten Kalauem seine Zuflucht nehmen, was er nicht ohne Erfolg gcthan hat.

Daß es um diese Zeit, wo der Berliner selbst so iiiteusiv dem Zug ins Freie huldigt und zum Theil auch schon in die Sommer­frische flüchtet, einem Theater gelingt, volle oder wenigstens an­nähernd volle Häuser zu erzielen, könnte den Wunder nehmen, der nicht in Betracht zieht, daß die Reichshauptstadt sich immer mehr und in umfassendem Maße zu einer Fremden st adt im vollsten Sinne des Wortes entwickelt. Während noch vor einem Jahrzehnt das eigentliche Charakteristikum der Großstadt, ein lebhafter Fremdvnbcsuch, der Reichshauptstadt mangelte, weist sie jetzt schon, besonders während der sommerlichen Reisezeit, ein unverkeniibareS internationales Gepräge auf. Während der Geldprotz Old- EnglaudS und der rubclstrotzende Raffe es früher als unum­gänglich und allein fachionable erachteten, ihren überflüssigen Mammon im Seine-Babel unter die Heute zu bringen, Haven sie feit einiger Zeit vielfach begonnen, die Hauptstadt des deutschen Reiches als Rendezvous zu etfiiren, und selbst der märchenhaft reiche Bewohner der fünften Avenue in New-Jork und sogar der Brasilianer, der, wie man ;a schon aus den Operetten weiß, über Goldklumpen stolpert und mit seinen diamantenen Ringen aus Versehen Spiegelscheiben durchschneidet, pilgern au- weiter Ferne hierher, um die Annehmlichkeiten und Freuden, die Serftreuungen und Genüsse des Berliner Lebens kennen zu lernen, ann aber wird Berlin auf der Höhe seines Rufes als Weltstadt stehen, wenn erst der reiche Brasilianer daheim auf seiner Hazienda an einer echten Berliner Exportweißen sich erquickt und, vor heißer Sehnsucht sich verzehrend, träumerisch und gedankenverloren"nach der bekannten Melodie vor sich hinsummt:

JBerlin ist schön, Berlin ist groß l

• Ja iu Berlin, da ist es ganz famos!'

Dr. Paul Berthold

— Tuberkulose-Kougrek. Auf die morgen Montag Abend in der Turnhalle Hellmundstraße 25 stattsindeilde öffentliche Versammlung, in welcher vom Standpunkt der Krankenkassen aus über den Tuberkulose-Kongreß zu Berlin Bericht erstattet werden soll, sei nochmals aufmerksam gemacht. Insbesondere soll auch die in Berlin tientilirte Heilstättenfrage einer eingehenden Besprechung unterzogen und ebeiitl. gemeinsame Beschlüsse gefaßt werden. Den Vorständen sämmtlicher hiesigen Krankenkassen kann es im Interesse ihrer Mitglieder nicht genug empfohlen werden, den Verhandlungen beizuwohnen und ihre Ansichten kund zu geben. Man hofft, tn einmüthigem Zusammengehen Mittel und Wege zu finden, um in unserer Provinz der Tuberkulose Schranken zu setzen und die Erkrankten im ersten Stadium des Leidens einer zweck­entsprechenden Obhut überiveisen zu können. Dieser Wunsch dürfte umso mehr nicht unerfüllt bleiben, da in anderen Provinzen bereits solche Einrichtungen getroffen sind, und was anderwärts durch vereinte Kraft erzielt werden konnte, darf bei uns nicht als un­ausführbar betrachtet werden.

— Krieftnubeulvort. Die Tauben des Briestauben-Klub .Pfeil"-Wiesbaden, Mitglied des Verbands deutscher Äriestauben- Liebhaber-Vereiiie, Protektor Se. Majestät der Kaiser, wurden mit den Tauben der Mitteldeutschen Reisevereinigung, Sih Frankfurt am Main, von dessen Begleiter am Sonntag, den 18. dieses Monats, Morgens 4 Uhr 40 Minuten, in Regensburg, 300 km Luftlinie, in Freiheit gesetzt. Die ersten Tauben trafen bereits 9 Uhr 46 Min. hier ein und erzielten eine Fluggeschwindigkeit von 1020 m in der Minute. Von den ausgesetzten Preisen erhielten Herr A. Ruf den 1., 6., 8., 11., 12., 15., Herr K. Seel den 2., 4., 7., 9., 13., 16., 17., Herr H. Shenter den 3. u. 19., Herr K. Stroh den 5., 10., 14., 18. Preis.

und Schriftsteller, Text zum Freischütz und anderen Opern (* zu Leipzig). 1842: + Jean Simoude de Sismondi zu Chönc bei Genf, herv. Geschichtschreiber, Publizist und Litteraturhistoriker. 1675: Ueberfall der Schweden bei Rathenow durch den großen Kurfürsten. 1530: Augsburger Konfession. 1195: f Albrecht I., der Stolze, Markgraf v. Meißen, zu Heinrichsdorf. 841: Sieg Kaiser Karls II. über Lothar bei Fontenoy.

ausdrückten. Aber die schönen Zeiten, da Adolf Ernst den Berliner Humor in Erbpacht genommen hatte, sind für immer dahin und in jüngster Zeit drohte der Thespiskarren des weitab vom eigentlichen Verkehrsleben Berlins gelegenen Thalia-Theaters mehrmals im Sumpf stecken zu bleiben. Jetzt ist das Befürchtete zur That ge­worden. Der neue Pächter des Theaters hat die Spielkonzession nicht erhalten, weshalb weiß man nicht, und der bisherige Pächter ist froh, dem vom Unstern verfolgten Musentempcl glücklich entronnen zu sein. Besagter Tempel steht irunmehr leer und wird vielleicht demnächst in eine Markthalle oder dergleichen umgewandelt werden. So wunderbar wäre das garnicht, denn wenn man, wie wir früher berichteten, mit dem Plan umgeht, eine frühere Markthalle in einen Miisentempel zu verwandeln, weshalb sollte nicht ebenso gut aus den Gebeinen eines Musentempels eine Markthalle erstehen? Eine gemiffe Lautverwandtschaft zwischen Muse und Gemüse ist jeden­falls nicht zu verkennen. Noch böser als das „Thalia-Theater" sind leider die Schauspieler und Schauspielerinnen daran, die der neue Herr Theaterdirektor leichtfertiger Weise engngirte, bevor er die Konzession erhalten oder vielmehr nicht erhalten hatte, und die «r jetzt, ohne daß sie irgend welche Entschädigungsansprüche geltend machen können, aufs Trockene gesetzt hat.

Das Letztere kann den Mitgliedern der königlichen Oper nicht passiren, die vielmehr infolge einer allerneuesten Erfindung vom Stegen in die Traufe geraden können. Im neuen Opernhaus bei Kroll ist nämlich eine recht praktische Neuerung ausprobirt und eingeführt worden, die hoffentlich auch bald auf anderen Bühnen Eingang finden wrrd. Es handelt sich um eine ArtDachtrauf e, die bei FeuerauSbruch in Wirksamkeit tritt. Auf den Schnür­boden sind eine größere Anzahl Röhren geleitet, die bei einer Brairdkaiastrophe sofort durch hydraulischen Druck mit Wasser gefüllt werden können, das sich wie ein intensiver Landregen über die Bühne ergießt.

Genau genommen, ist dies das einzige „Bühneu-Ereigniß" der Woche gewesen, wenn man nicht in etwas optimistischer Auffassung die Eröffnung der Sommerbühne im „Neuen Theater" als ein Ereignis bezeichnen will, was es aber nicht war. Der Direktor des sommerlichen Kunstinstituts ist der als tüchtiger Schaufpieler bekannte Joseph Jarno, welcher sich hier als eine Art Tausend­künstler aufgethan hat, indem er gleich bei der Premisre als Direktor, Schauspieler und Theaterdichter auftrat. Daß bei dieser Personal-Union das von einem Drfttel Jarno verfaßte Stück — es.

»int in zwei Ausgaben. — vezngs-PreiS: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 8)11. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

VoiMsche Ueberficht.

Der Reichstag hat am Donnerstag zwar nicht die Session geschloffen — denn um die zahlreiche in den Kommissionen auf- . gespeicherte Arbeit zu retten, hat man sich zu dem ungewöhnlichen Weg der Vertagung entschlossen — aber doch seine Thätigkeit - beendet, um sie erst am 14. November dieses Jahres wieder auf- ks zunehmeu. Der Reichstag hat in diesem ersten Abschnitt der 6 Tagung 99 Sitzungen abgehalten, aber das positive Ergebniß der g4. Thätigkeit entspricht nicht ganz der Zeit, die er auf die parla- fc mentarifche Thätigkeit verwendet hat. Das bedeutet keinen Vor- | Wurf für die Volksvertretung, soweit sie sich nämlich — die Frequenz des Reichstags war in dieser Tagung recht dürftig — gt. an der parlamentarischen Arbeit betheiligte, denn der Haupttheil - der Arbeit des Reichstags ist, infolge der großen Anzahl von Auf- gaben, deren Lösung von ihm verlangt wurde und infolge der un= i gewöhnlich späten Einberufung des Reichstags, in den AnfangS- E" stadien stecken geblieben und wird erst in dem zweiten Abschnitt bet Session seiner Vollendung entgegenreifen.

M . In feiner letzten 99. Sitzung hat der Reichstag noch zwei i Leistungen vollbracht, eine negative und eine positive. Die negative fc' war die zwar nicht formelle, aber doch thatsächliche Ablehnung des „Gesetzentwurfs zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses", denn eine solche Bedeutung kommt der Verweigerung der Kommissionsberathung, die der Reichstag mit großer Mehrheit ausgesprochen hat, in der That zu. Neben gr. dieser Niederlage aber hatte die Negierung — und man kann hierin - eine Art ausgleichender parlamentarischer Gerechtigkeit erblicken — \ «neu glänzenden Sieg zu verzeichnen, denn die letzte Willeiis- L äußerung des jetzt in die langen Sommerferien gegangenen Reichs- c tags bestand dann, daß er mit überwältigender Mehrheit das Ab- : ° kommen, betreffend die Erwerbung der Karolinen und der dazu H gehörigen Südsee-Jnseln, gut hieß und der Leitung unserer ans- 1 wärtigen Angelegenheiten bei dieser Gelegenheit im Einverständniß fc.. mit der öffentlichen Meinung in Deutschland ein werthvolles Bee­tz trauensvotum ertheilte.

Die friedliche Form, in der sich die Erwerbung unserer neuen g Südsee-Kolonieen vollzogen hat, zeigt jedenfalls, daß Deutschland, um ein Wort des Staatssekretärs v. Bülow zu gebrauchen, frei : von Länderhunger, ist und daß es bei dem Bestreben, sich feinen Platz an der Sonne zu sichern, weit davon entfernt ist, Andere in ’ den Schatten drängen zu wollen. Auch die Erinnerung an den ■ ersten, fehlgeschlagenen Versuch Deutschlands, die Karolinen für A uns zu erwerben, giebt ein historisches Zeugniß für die Friedfertig- L rett unserer Politik, der ein Krieg mit dem ungleich schwächeren l Spanien als ein viel zu hoher Preis für das Streitobjekt erschien und die Austragung des Streites deshalb dem Schiedsgericht an- E. vertraute, das zu unseren Ungunsten entschied. Schon diese Er­innerung sollte yinreichen, um die Absurdität der von englischer c Seite stammenden Unterstellungen darzuchim, daß Deutschland auf der Friedens-Konferenz den Hecht im Karpfenteich spiele, indem es den Plan eines internationalen Schiedsgerichts I ?u Fall zu bringen suche. Diese Behauptung ist in der That nn-

(Nachdruck verboten.)

Ans der Reichsharrpjstadl.

k ßerliit, 23. Juni.

Die beiden großen Sensationsprozesse, welche seit längerer Zeit _ im Vordergründe des Berliner Lokalinteresses stehen, der Spieler- Prozeß unv der Prozeß v. Kriegsheim und Genossen, S: k werden nun doch nicht mehr vor den Gerichtsferien zur Verhand- = Ang gelangen und das unbefriedigte Seiisationsbedürfniß der - Eerllner wird sich noch ein wenig gedulden müssen, lieber dieses s. Bedurfniß hinaus kommt aber den beiden Prozessen zweifellos auch U k>n gewisses öffentliches Interesse zu, nicht nur weil sie Helle Streif« achter auf die Art und Weise werfen, wie man sich in den Kreisen k:. r Lebewelt und vor Allem der attstokrattschen Lebewelt amüfirt, U sondern auch, weil diese Prozesse schwere fociale Uebclftänbe in ber W «ch'cht der „oberen Zehntausend" bloßlegen unb vielleicht, vielleicht U ober auch nicht, eine gewisse reinigende Wirkung ausüben werben. Be- ° sonders der Spielerprozeß nimmt einen immer gewaltigeren Umfang an EL unb bie Zahl der von ber Staatsanwaltschaft geladenen Zeugen betragt c bereits 150, wozu noch etwa 70 Entlastungszeugen kommen. Durch R Wchrere noch tn letz ter Zeit erfolgte Vernehmungen und durch die Ver- i Haftungen des früheren Gartners Herzfeld und des früheren fr Kammerdieners Rosen stiel sind noch weitere wenig erbauliche Dinge k ans jener Welt, in der man sich nicht langweilt/ ans Licht gezogen F worden. _ Wie wenig harmlos es im „Klub der Harmlosen" zuging, - beweist die Thatsache, daß ein junger Lebemann dort das nette - Sümmchen von 100,000 Mk. am Spieltisch liefe, die ihm die beiden vorhin erwähnten Ehrenmänner gegen einen Wechsel von nicht - weniger als 200,000 Mk. verschafft hatten. Und an russische Zu- I stände erinnert es, wenn man erfährt, daß ein reicher Pommerseher | Gutsbesitzer in jener Spielhölle nach und nach fein ganzes Rftter- r PU Uber den grünen Tisch rollen liefe, sodafe er mit dem bekannten E Held der Operette von sich fingen und sagen konnte: Ich bin der E Jonathan, hab' all mein Geld im Spiel verthan!

K - Berlin hat zur Zeit leider noch eine zweite Spieler-Maire l aufzuwelsen, unb zwar eiiieSchauspieler-Affaire, wie sie in E ben letzten Jahren leibet nicht zu ben Seltenheiten ge-

Uhorte. Ort der Handlung das Thalia-Theater, dar in den x fetzten Jahren mancherlei Wandlungen durchmachte, die sich schon t äußerlich m dem Firmemvechfel Pes einstigm Adolf-Ernst-TheaterS

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Anremen Annnklme füt bit Morgen--lusgabe bi',3 Uhr Nachmittags - Für die Ausnahme später eingercichter Anzeigen zur

S ' v nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, icboch nach Möglichkeit Sorge getragen. 4 6

Ans Stadt und Ktuid.

Wiesbaden. 25. Juni.

- Geficklchlokalender. 25. Juni. 1849: Einzug der Preußen in Karlsruhe. 1849: f Karl Gottlob Zmnpt zu Karlsbad, Philolog, Verfasser der bekannten lateinischen Gramatik (* zu Berlin). 1843: f Johann Friedrich Kind in Dresden, Dichter

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die mit ber Frage der Erhaltung des Weltfriedens ganz unb gar nichts zu tljun hat. Daß die Bebenken, welche von Seiten ber deutschen Regierung gegen die Errichtung eines mehr ober weniger ftäubigen Schiedsgerichts erhoben worden sind — Bedenken, von denen noch nicht feststeht, ob sie durch die amerikanischen Kompromiß- Vorschläge gehoben werden dürsten — keineswegs geringfügiger Natur sind, geht am deutlichsten daraus hervor, dafe auch von Seiten anderer Mächte, so Oesterreich-llngarus und Italiens, die gleichen Bedenken erhoben worben sind.

Jedenfalls hat England, wekches den Arbeiten der Konferenz — so in der wichtigsten Frage der Humanistrung des Seekrieges — den stärksten Widerstand entgeaenstellt und die Lösung mancher sehr wohl lösbaren Fragen verhindert bat, am allerwenigsten Ursache, Klagen ober gar Anklagen zu erheben, wenn die Koiiferenz nicht die von Vielen erhofften Erfolge zeitigen wird. Wenn Eng­land sich als treuester Hüter des Weltfriedens aufspielt, so braucht man sich nur seine Politik der Transvaal-Republik gegenüber ins Gedächtniß zu rufen, um an die Fabel vom Wolf im Schafs­kleide erinnert zu werden. Wenn, wie mit einiger Sicherheit zu erwarten steht, der neuerdings von England provozirte Streit mit der Burenrepublik trotz aller kriegerischen Drohungeil von englischer Seite einen friedlichen Ausgang nimmt, so liegt das nicht an der Friedensliebe Englands, welches auch die Austragung des Streites durch ein Schiedsgericht trotz der auf der Friedenskonferenz be­kundeten platonischen Vorliebe für ein solches schroff zurückgewiesen hat, sondern <m ber Erkenntniß, daß die Engländer sich im Buren- lanbe zwar manches Begehrenswertste, vielleicht aber auch blutige Köpfe holen könnten.

Wenn die Engländer den Streit mit der Transvaal-Republik auch als eine interne Sache betrachten, in die sie sich nicht hinein­reden lassen wollen, so brauchte der ständige oder nicht ständige „Friebensausschuß" derMlächte doch nicht tn Verlegenheit infolge Mangels an Pacisicirnngsstoff zu gerathen, denn solchen werden in erster Reihe die „interessanten Vöikerschasten" auf dem Balkan in Hülle und Fülle barbieten. Die jüngsten Greuzzwischenfälle zwischen Serbien unb Bulgarien einerseits unb bet Türkei anbeter» feit«, welcher es entweder an ber Fähigkeit ober vielleicht noch mehr an dem guten Willen fehlt, die aufrührerischen Albanesen im Zaun zu halten, zeigen, wie nothwendia es ist, daß die Niächte ihre Aufmerksamkeit wieder mehr als bisher diesem Wetterwinkel Europas zuwenden.

Wenn auch die Befürchtung, daß unser Nachbarland Frank­reich sich im weiteten Verlauf der jetzigen Wirren zu einem solchen Wetterwinkel hetnusbilden könnte, als übertrieben erscheint, so wird man doch den Franzosen allmählich ben Charakter einer Jntcreffantcn Völkerschaft" snglich kanin noch absprechen können. Nichts kennzeichnet mehr die Gefährlichkeit ber Situation, in ber 8rankreich sich nach bem Sturze Dupuys befunben hat, als die chwierigkeit, welche es gemacht hat, ein Kabinett zu finden, das die Liquidation ber Dreyfns-Maffe zu glücklichem Ende zu führen vermag. Wie groß die Gefahr war, welche bet Republik von ben bereinigten Nationalisten drohte, zeigt sich auch darin, daß das Kabinett Waldeck-Rousseau sich genöthigt sah, seine Hülfs- truppen aus allen Sagern der Republik von den gemäßigten Republikanern bis sogar zu den Socialisten zu suchen. Trotzdem ober vielleicht deshalb ist darauf zu rechnen, daß das Kabinett seine Hauptaufgabe, die Regelung der Dteyfnssache und die Be­kämpfung ber von ben Nationalisten aller Schattinmgen gegen bie Republik gerichteten Anschläge, zu glücklichem Enbe führen wirb. Darüber hinaus wird das heterogene Sammelkabinett schwerlich von Bestand fein, und wenn erst bie Liquidation ber Dteyfusmafse beendet fein wirb, dürften die jetzt so einigen Republikaner sich alsbald wieder zu dem Grundsatz bekennen: Getrennt, mir heftig, vereint abscheulich l

-r- Feinschmecker Storch. Vom oberen Schwarzbach. 23. Juni, wird uns geschrieben: Zu den Thieren, welche bei unserer Bevölkerung, namentlich bei der Jugenb, sehr beliebt sind, ohne auch nur ben geringsten Nutzen zu bringen, gehört außer dem Eichhörnchen unb anberen Thieren auch bet Storch. Dieser Vogel ernährt sich bekanntlich nur von Fröschen, Kröten, Eibechsen, Fischen und anderen nützlichen Thieren. Ein Storch, der wahr­scheinlich in Erbenheim oder Wiesbaden wohnt, macht schon feit Wochen den forellenreichen Bächen ber hiesigen Gegend seine Besuche und richtet in denselben großen Schaden an. Heute Morgen sahen Landleute, welche in den Wiesen mit Mähen befchästigt waren, wie ein Storch eine etwa ein Pfund schwere und eben getödtete Forelle neben sich liegen hatte, um dieselbe zu verzehren. Nachdem Meister Langbein an seinem Geschäfte gestört worben war, lief er eilend davon, um sich an einer anberen Stelle beS Seelbaches eme Forelle zu holen unb diese zu verspeisen. Wieviel Forellen mag nun ber Storch, der nach vollbrachtem Tagewerk Abends wieder in der Richtung nach Wiesbaden davonfliegt und Morgens wiederkommt, in ben letzten Wochen in ben Bächen ber diesigen Gegend öerlilgt haben?

— Ueber den MiMiir-Radfahrrrgrnfi beim Begegnen eines Vorgesetzten enthält die soeben veröffentlichte „Fahrrad, Vorschrift" für die deutsche Armee folgende Bestimmungen: „Die Ehrenbezeugung des Grüßens (vor sämmtlichen Vorgesetzten) besteht im Fahren darin, bafe die Geschwindigkeit ermäßigt wird, bet Radfahrer sich gerade aufrichtet unb ben Vorgesetzten frei und offen " ’ / jt ber Fahrer ab. Nur wenn starker

nöthig macht, baß ber Fahrer zur eigenen unb heft feine Aufmerksamkeit auf die nächste Um, von der Ehrenbezeugung befreft.