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WiesmötM Tilglilstt

Verlag: Langgasie 27,

16,000 Abonnenten

Samstag, den 24 Innr.

Uo. 290.

1899

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

* Frankreich. In parlamentarischen Kreisen verlautet, der

Zok.-Anz." meldet aus Belgrad: der serbischen Grenze wieder sehr

Fried en s-Sonferenx«

steht. Am

berichtet

bei einer

Gruppe Melines, die aber nicht ganz mit Unrecht des Zusammengehens mit den Republik beschuldigt wird. Kabinett alle Schattirungen

von den Republikanern wohl mehr oder minder versteckten monarchistischen Feinden der Im Uebrigen umfaßt das der republikanischen Parteien,

Das Kabinett Waldeck-Rousseau.

Eine der langwierigsten Ministerkrisen in Frankreich — 11 Tage hat die Bildung des neuen Kabinetts in Anspruch genommen — hat mit der Konstituirnng des sonderbarsten ' Ministeriums geendet, welches die neuere Geschichte Frank­reichs aufzuweisen hat. Das Kabinett Waldeck-Rousseau - stellt im vollsten Sinne des Wortes die Konzentration aller f republikanischen Parteien dar mit alleiniger Ausnahme der

eine Sitzung ab und prüfte über das s" ‘ ‘

die gemäßigten und die entschiedenen Republikaner, die Radikalen und selbst die Socialisten. Durch deren Zu­ziehung, welche dem Kabinett sein eigenthümliches Gepräge verleiht, geht das neue Ministerium weit über den Rahmen der Konzentrationskabinette hinaus, wie sie im letzten Jahr­zehnt in Frankreich an der Tagesordnung waren. Betrachtet man diese politischen Variationen in dem neuen Ministerium, in welchem neben dem einstigen scharfen Gegner der | Socialisten Waldcck-Rousseau und dem General Gallifet, dem die Socialisten wegen seiner Riedermetzelung der Communards im Jahre 1871 den Beinamen le sabreur (der | Niedermetzler) gegeben haben, der Socialist Millerand seinen Platz gefunden hat, so kann man auf den ersten Blick | leicht den Eindruck gewinnen, als ob das neue Kabinett x eine Art „Raritäten-Kabinett" darsiclle.

Um einzuschen, daß dem nicht so ist und daß es sich 7 um einen sehr ernsthaften und nothwendigen Versuch handelt, den gefährlichen Wirren in der französischen Republik ein I Ende zu machen, muß man sich den Zweck dieser Kabinetts­bildung ins Gedächiniß rufen. Dieser Zweck besteht aber | einzig und allein darin, der Revision der Dreyfus-Sache die B gesetzliche Bahn frei zu halten und die Feinde der Republik kräftig abzuwehren und niederzuhalten, welche den Dreyfus- Streit als Vorwand benutzt haben, um die herrschende i Rcgierungsform in Frankreich zu Fall zu bringen. Um fc dieses Ziel zu erreichen, also aus Gründen der Opportunität, | haben sich alle republikanischen Parteien zusammengeschlossen. Daß diese Zusammenfassung aucb auf die Socialisten aus- gedehnt wurde, wird dann verständlicher, wenn man sich den wcitergehenden Unterschied vor Augen hält, welcher die fran- l zösischen Socialisten von der deutschen Socialdemokratie i trennt. Dieser grundlegende Unterschied besteht darin, daß die französischen Socialisten kaum minder national sind als g die übrigen Parteien, mährend die deutsche Socialdemokratie H die Jnternationalität auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Immerhin erscheint es als zweifellos, daß es sich bei dem Kabinett Waldeck-Rousseau nur um ein ad hoc ge= r Kildetes Kampfkabinett handelt, dessen Aufgabe darin besteht, k das Staatsschiff durch die Wirren der Dreyfuß-Affaire zu [ leiten, und das nach der Lösung dieser Aufgabe entweder A einem anderen Kabinett von engerer Konzentration Platz -s machen oder sich nach dieser Richtung hin nmgestalten wird. E Für den jetzigen Zweck aber scheint das Kabinett in der ? That eine günstige Zusammensetzung aufzuweisen, was schon F allein daraus hervorgeht, daß die vereinigten Nationalisten ! die Bemühungen Waldeck-Rousseaus, ein Kabinett zu | Stande zu bringen, mit ganz besonderer Entrüstung t bekämpft haben. Die Nationalisten hatten guten Grund st hierzu, denn der 52 Jahre alte Waldeck-Rousseau, welcher schon der Vertrauensmann Gambettas war, und in dessen, \ wie in Ferrys Kabinett den Posten des Ministers des Innern bekleidete, ist ein Mann von ebenso großer staats- ' männischcr Begabung, wie rücksichtsloser Energie, der seit t nahezu einem Jahrzehnt bei allen Republikanern als der Mann galt, welcher im Nothfall die Rolle des Retters der r Republik übernehmen werde. Auch in der Dreyfus-Sache hat er von vornherein entschieden Stellung genommen und sich ebenso tote der Kriegsminister Gallifet rückhaltslos auf die Seite der Gerechtigkeit gestellt. Wie diese beiden, so sind auch alle anderen Mitglieder des Kabinetts als aus­gesprochen revistonsfreundlich zu bezeichnen, sodaß nunmehr | der weitere Verlauf der Dreyfus-Sache sich ungehemmt in den Bahnen von Recht und Gesetz bewegen wird.

* Transvaal. Während der Monate Mai und Juni ver« ließen 7580 Personen, insbesondere Frauen und Kinder, Johannesburg.

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Werlag des „Wiesbadener Fagölatt".

* Serbien. Der Berliner „Lok.-Anz." meldet aus Belgrad: In den letzten Tagen geht es an der serbischen Grenze wieder sehr heiß her. Anlauten und ein türkisches Regiment haben die serbische Grenze überschritten, die Wachthäuser angezündet und die serbischen Dörfer angegriffen und geplündert.

Ausland.

* Italien. Gestern ist nach der Vertagung des Parla­ments ein königliches Dekret über die politischen Maßnahmen erlassen worden. Es werden darin mit Strafe bedroht Ver­sammlungen, welche die öffentliche Ordnung bedrohen, das Tragen aufrührerischer Abzeichen und Anarchistcn-Vercine.

der Frage der Schiedsgerichte befaßt,hielt Nachmittag« _j und prüfte die Artikel 1 bis 7 der russischen Vorlage schiedsgerichtliche Verfahren, welche aus 26 Artikeln be- :t Mittwoch vertagt sich die Konferenz wahrscheinlich auf kurze Zeit, um deir Delegirten Zeit zu geben, ihren Regierungen über den Stand der Dinge Bericht zu erstatten.

■wb. Haag, 23. Juni. (Nentermeldung) Die russischerfeit» in der ersten Kommission der Friedenskonferenz eingebrachten Anträge gehen dahin, daß die gegenwärtigen Effektiv­stärken der Streitkräfte, fotoie die entsprechenden Budgets während 5 Jahren nicht erhöht werden dürfen, von welcher Bestimmung jedoch Kolouialtruppen aus­genommen sind. — Das NedaltionScomitö der dritten Kommission, welches sich mit " ~.. . .....

Anzeigcn-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reelamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

* Dur Coburg Gottzaifchen «.hroufolgefrage. „Daily Mail" erklärt es für eine definitiv beschlossene Thaisache, daß der Herzog von Albans, Sohn des verstorbenen Herzogs von Albany,

llbann, Sohn des verstorbenen Herzogs von Albany, Herzog Alfred auf den Coburger Thron folgt. Der junge Prinz reist mit seiner Mutter, welche eine Prinzessin von Waldeck ist, nach Deutschland, um nach deutschen Verhältnissen erzogen zu werden.

Welche Gründe gegen Herrn Kirschner etwa sprechen, ist ein Ge- heimniß; man weiß nur aus unanzweifelbarem, innerininisteriellem Munde, daß es nicht die Märzgefallenen sind, deren Gitter ihm den Pfad zmn obersten städtischen Posten versperrt. In Dunkel gehüllt ist die Stelle, an der das Bestätigungsdoknment auf dem Wege zum Kabinett des Monarchen angehalten wird. Ob die' Entscheidung in den berufenen Gehirnen inzwischen soweit reift, daß sie dem Kaiser bei seiner Rückkehr präsentavel ist, wer kann's wissen?

Der Arbeitgeber-Bund für das Maurer- und Zimmerer» Gewerbe Berlins und der Vororte hielt gestern Vormittag wiederum eine Versammlung ab, um über die Lage de« Streiks Bericht zu erstatten. Es wurde mitgetheilt, daß gegenwärtig in Berlin und Umgegend noch 8000 Maurer ohne Beschäftigung stad. Die Ver­sammlung, welche von etwa 300 Arbeitgebern besticht war, beschloß mit allen gegen zwei Stimmen, in einen Einignngsversuch mit den Gesellen einzutreten.

«3. Jahrgang.

aeint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. OO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

London, 23. Juni. Der »Daily News" wird aus dem Haag berichtet: Gestern Nachmittag um 5 Uhr begab sich Raschid Bey, der Sekretär bet türkischen Gesandtschaft, zum Jnngtürken Achmed Riza und beschimpfte ihn so stark, wie es nur in der türkischen Sprache möglich ist. Er erklärte sodann, er überbringe ihm eine Forderung von Turkhan Pascha^auf Pistolen ober Säbel, unb wenn Achmeb Riza ablehne, sich mit Lurkhan zu schlagen, werde General Abdullah Pascha ibn fordern. Der Korrespondent me>nt,daßderSultan dahinter stecke. Die Türken seien unter sich aber auch nicht einig. Turkhan Pascha habe mit seinem Sekretär Nuri Bey Streit ge­habt, darauf feien sie handgemein geworden. Eine halbe Stunde später wurde Raschid Bey abgeschickt, um Achmed Riza die Forderung zu überbriirgen. Letzterer erividerte, in Holland sei da« Duell verboten und er wolle nicht dem ersten türkischen Delegirten gesetzwidrigen Handlung helfen. Wenn die holländisch«

Regierung Much habe, werde jk Turkhan seine Pässe schicke«.

Deutsches Deich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Die Mittheilung von der Verleihung des Grafenstandes ging dem Staatssekretär v. Bülow in einer Depesche zu, welche ihm der Kaiser aus Kiel in Erwiderung aus die telegraphische Anzeige von der Annahme des Karolinen-Vertrags übersandte. — Nach dein gestrigen Bulletin kann der Großherzog von Hessen bereits einen großenTheil des Tages außer Bett zubringen. Der Blattern-Ansschlag hat sich rasch zurückgebildet, ohne Narben yi hinterlassen.

* Kerl in, 24 Juni. Die Kanal-Kommission des Abgeordnetenhauses hat gestern Vormittag ihre Verhandlungen wieder aufgenommen. Es sind verschiedene Anträge aus Ge­währung von Kompensationen aus Oberschlesten, Niederschlesicn, Ost- und West-Preußen der Kommission zugegangen. Minister Thielen gab unter ausdrücklicher Billigung des Kaisers und Namens der Staatsregiernng eine längere Erklärung ab, wonach dieselbe an der Auffassung festhält, daß grundsätzlich der Bau neuer Ver- kehrsstraßen an sich diejenigen Landestheile, welche von demselben keine Vorthelle erwarten, nicht berechtigen, einen Anspruch auf Kompensationen zu erheben. Wenn der vorliegende Gesetzentwurf die Genehmigung erhalte, werde die Staatsregierung die Wasser­straße zwischen Oberschlefien und Berlin zu einer leistungsfähigen ausbilden. In Betreff der Lippe fei die Regierung bereit, einem etwaigen Antrag der Provinz Westfalen auf Ertheilung der Konzession der Kanalisirung vorbehaltlich der näheren Bedingungen zu entsprechen. Die Regiernirg habe keine Veranlassung, aus Die übrigen Kompensations-Forderungen einzugehen.

Gestern feierte Berlin ein eigenartiges Jubiläum: die Wieder­kehr des Tages, an dem vor einem Jahr Bürgermeister Kirschner zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt wurde. In diesen 365 Tagen hat sich die Regierung noch nicht darüber schlüssig machen können, ob man Herrn Kirschner diese Charakter- erhöhuilg bewilligen soll. Denn um nichts Andere» handelt es sich im Grunde, da Kirschner thatsächlich die Obliegenheiten des Oberbürgermeisters in vollem Umfange ansübt. Der „Bdrsen- ^nurter* schreibt aus Anlaß des eigenartigen Jubiläums:

Ebenso wenig ist daran zu zweifeln, daß das neue Kabinett mit fester Entschiedenheit den Umtrieben der Nationalisten, der Monarchisten und der unbotmäßigen Generale entgegentreten wird, denn wenn auch der neue Kriegsminister selbst ein General ist, so besteht doch über die Gesinnungen dieses früheren scharfen Gegners des Generals Boulanger kein Zweifel. Wenn sich auch das Kabinett dahin entschieden zu haben scheint, daß die früheren Sünden deS Generalstabs und seiner Helfer möglichst schonend behandelt werden sollen, so dürfte es doch desto energischer dafür Sorge tragen, in Zukunft jede Auflehnung gegen die be­stehende Ordnung mit eiserner Strenge niederzuhalten. Im Interesse des europäischen Friedens kann die Bildung eines Kabinetts, welches nicht nur den Willen, sondern auch die Kraft zu haben scheint, die bestehende Ordnung in Frank­reich zu schützen, nur mit Befriedigung begrüßt werden, denn, wie wir schon früher ausgeführt haben, bedeutet die Republik in Frankreich den Frieden, die Monarchie oder die Diktatur aber vielleicht den Krieg!

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hd. pari», 24. Juni. In politischen Kreisen ist die Erregung über bas Kabinett Walbeck-Rousseau unb die gleichzeitige Theil- nahme Gallifets unb Milleranbs andauernd gewaltig, unb in der soeialistischen Partei ist es zu einer Spaltung gekommen. Dreizehn Depntrrte der Partei bilden eine eigene socralistisch-revisionistrsche Gruppe. Im Senat sind die Meinungen verschieden. Die Haltung des neuen Kabinetts ist eine euergievolle, aber nicht kriegerische. Es heißt, daß weder General Zur Linden versetzt noch General Mercier verfolgt werden soll. Nur einige unbot­mäßige Generale dürften bestraft werde». Der General­prokurator Bertrand unb ber Prokurator Feuilloley, bie zur Unter­drückung der Untersuchung gegen Esterhazy beigetragen haben, dürften bestraft werden. Wie verlautet, wird der morgige Kabinetts­rath neue Anträge Waldeck-Rousseaus und Gallifet» berathen, welche bie Liquibation beS Dreyfus-Prozeffes zum Gegenstand haben. Künftighin sollen die Chefs der Armee-Corps persönlich für jede Verletzung der Disziplin in ihren Corps verantwortlich gemacht werden. Döroulsde erUärte, unter den gegenwärtigen Umständen auf bie Versailler Hoche-Feier zu verzichten. — Die radikal-socialistische Gruppe hat nach heftiger Debatte folgende Tagcs- orbnung angenommen: Die Grlippe ist entschlossen, das Kabinett Walbeck-Rousseau zu unterstützen, wenn dasselbe die nothweiidigen Maßregeln zur Vertheidigung ber Republik zu ergreifen beabsichtigt. Infolge dieses Beschlusses zogen sich Pelletan, Mesurenr unb drei anbere Abgeordnete zurück. Diese Tagesordnung wurde dem Präsidenten' Waldeck-Rousseau durch drei Delegrrte ziigestellt. Waldeck-Rousseau erklärte den drei Delegirten, den Maßregeln, welche bereits getroffen seien, wurden noch weitere folge», ivelche selbst die Ansprnchvollsten befriedigen würden.

wb. pari», 24. Juni. In dem unter dem Vorsitze des Scheuten Loubet gestern Nachmittag stattgehabten Ministerrath en die allgemeine» Gesichtspunkte der ministeriellen Erklärung, welche am Montag in den Karninern mitgetljeilt wird, festgestellt. Der genaue Wortlaut wird Sn ber am Sonntag Vormittag statt­findenden Sitzung bestimmt. Die Erklärung wird dem Vernehmen nach sehr kurz sein und wird hervorheben, daß das Kabinett sich insbesondere zu dem Zweck bildete, um die republikanischen In­stitutionen zu vertbeidiaen. Waldeck-Roiiffea» theilte mit, daß er noch am Abend an die Präsekten ein Rundschreiben richte» werde, worin es heiße, daß sie sich bemühen müßten, die größte Unparteilich­keit in politischer Hinsicht zu bewahren und jede» Zwischenfall, der geeignet sei, die öffentliche Ruhe z» stören und das regelmäßige Fnnktioniren der republikanischen Regierung zu schädigen, nieder- zuhalten. Kriegsminister Gallifet theilte nut, er wolle ein Rund­schreiben an bie Generale richten, in welchem dieselben auf. gefordert werben, bie Militärs aller Grade an die absolute Achtung vor der Disziplin zu erinnern. Der Ministerrath beschloß auf Antrag Gallifets, mehrere höhere Offiziere, welche sich an Kundgebungen betheiligte», bie nut der Disziplin un­vereinbar find, zu versetzen.

'S uurthm« für die Abend-Ausgabe bi« 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bi« 3 Uhr Nachmittag«. — Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen zur . »ächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

neue Kriegsminister, General Gallifet, habe die Absicht, den . Militär-Gouverneur von Paris, Zur Linden, durch den General Brnacre z» ersetzen. Die Generale Boisdeffre unb Gonse sollen penstonirt, Pellienx zur Disposition gestellt unb Raget aus Paris entfernt werben. Die nationalistischen Blätter behaupten, Döronlöde unb Jubel sollte» beim ersten besten Anlaß verhaftet werben. Der ,Figaro' will wissen, die Polizei-Präfektur von Paris werde Lepine übertragen, ber im Staatsrath burch den jetzige» Präfekten Blanc ersetzt werde» würbe. Wie weiter au» Paris gemeldet wird, beab­sichtigt General Mercier, vor dem Kriegsgericht in Rennes die ge­heimen Geschichten von 1894 zu erzählen und vor der Verhandlung in Neunes intime Konferenzen zu veranstalten, um so bie Stimmung vorzubereiten. — Sobald D r e y f n s in Rennes ankommt, begicbt sich fein Vertheidiger Demange zum General-Komiuandanteir des Armeecorps von Rennes, um von diesem die Erlaubniß ein. znholen, unverzüglich mit Dreyfus in Verkehr treten zu dürfen. Wann der Prozeß beginnt, ist noch nicht genau bestimmt. — In dem gestern Abend abgehaltenen Ministerrath wurde die Disziplinar- Versetznng ober Dienstenthebung einer großen Anzahl Offiziere beschlossen. Wie verlautet, befinbet sich unter denselben auch ber Rcgierlingskommissar beim Dreyfns-Prozeß, Oberst Saniere».

* Die Knreninsel. Die „Norbd. Alla. Ztg." schreibt: Die Nachricht, daß Deutschland die Bäreuinsel anneftirte, ist falsch. Wir stellten bereits vor Kurzem fest, daß die vom deutscheii See- sischcrverein veranlaßte Expedition lediglich zu Fischereizwecken nach jener Insel abgegangen ist. Findet dieselbe den Platz für jene Zwecke geeignet, so wird es ihr natürlich fteistehen, auf bem herren­losen Erlaub bie ihr zweckmäßig scheinenden Anlagen herzustellen unb in Betrieb zu nehmen Einen Auftrag ober die Ermächtigung, Namens des Reichs auf der Bäreninsel die deutsche Flagge zn hissen, erhielt weder jene Expedition, noch sonst Jemarid, auch nicht Lerner, mit dessen Unternehmen die deutsche Regierung nicht« zu thnn hat.

* Di« Fänge der Ataakobahuen Preuße»». Während die Länge ber preußischen Staatsbahnen einschließlich der gepachteten oder in Mitbetrieb genommenen fremden Strecke» im Vorjahr an Vollbahnen 29,172,61 Kilometer u»b an Schmalspurbahnen 168,37 betrug, waren am 1. April b. Js. 29,783,26 Kilometer Vollspur­bahnen unb 177,04 Kilometer Nebenbahnen vorhanden.