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iksbildkm Sagblatt

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Dienstag, den 20. Juni.

1899

Uo. 282

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher N». 52.

Abend-Ausgabe

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des Oranje-Freistaates, ja vielleicht sogar denen unserer | eigenen Kapkolonie gegenüber sehen werden. Es ist also ein Nassenkrieg zu befürchten, und wenn wir auch selbstredend Sieger bleiben, so wird der Sieg doch nicht so leicht sein, als sich viele Leute einbildcn. Ein erfolgreicher Krieg in Südafrika dürfte aber nach meiner Ansicht für Großbritannien den Verlust Südafrikas binnen etwa zwanzig Jahren be­deuten. Es giebt daselbst gegenwärtig ungefähr 400,000 Holländer oder Buren, und ihre Zahl wächst mit großer Schnelle. Sobald aber die Goldminen erschöpft sein werden, was innerhalb der nächsten 20 Jahre eintreten muß, dürfte der größte Theil der Uilländer das Land wieder verlassen. Die Buren werden sich nimmermehr mit der englischen Herrschaft aussöhnen, und Großbritannien mag noch so große Streit­kräfte zu ihrer Ueberwachung aufbieten, eines Tages werden sie doch eine Gelegenheit finden, um für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Wenn England alsdann Südafrika verliert, hat es Mr. Chamberlain dafür zu danken." — Während die englischePresse nicht müde wird,täglichzu wiederholen, daß der Transvaal weder auf den Beistand noch auf die Shmpathieen Deutschlands rechnen könne, setzt ste doch fortwährend ganz absonderliche Meldungen im Zusammenhänge mit demselben in Umlauf. So künden sie z. B. soeben den bevorstehenden Besuch des Königs von Portugal in England an, und zwar soll der König kommen, um der Königin Victoria persönlich für den Schutz zu danken, den ihm das englische Kanal­geschwader kürzlich gewährte. Die Sache hängt angeblich wie folgt zusammen: Deutschland, unzufrieden mit der Verzögerung, die die Delagoa-Bucht-Frage erleidet, die seit Jahren einem Schiedsgerichte vorliegt, ließ unlängst durch seinen Vertreter in Lissabon bei der portugiesischen Negierung energische Vor­stellungen machen, die noch durch die Mittheilung besonderen Nachdruck empfangen sollten, daß sich unmittelbar ein deutsches Geschwader in jenem Hafeit einstellen würde. Der König unterrichtete in Angst und Schrecken schleunigst Sir Hugh Macdonncll, den englischen Gesandten, der sofort an den Admiral des auf der Heimfahrt begriffenen englischen Kaualgeschwaders telegraphirte, und als die Deutschen kamen, wurden sie zu ihrem grenzenlosen Anger von englischen Salutschüssen empfangen, denn die Briten waren ihnen zuvorgekommen. Das ist fürwahr eine wunderbare Geschichte.

man mit Genauigkeit nicht anzngebcn. Die Quellen indessen, die uns über das Auftreten von Rosen Aufschluß geben, sind sehr alt. Die älteste ist wohl die Abbildung der auf Münzen, welche man in Tschudengrübcrn fand, über die annähernd fünf Jahrtansende hingestrichen sind. Aus dem Umstand, daß man das Bild der Rose auf Münzen prägte, ließe sich übrigens mit ziemlicher Gewißheit auf die damalige Bedeutung der Rose, jedenfalls aber auf eine außergewöhnliche Werthschätzung derselben schließen. Gleichzeitig geht daraus auch hervor, daß man die Rose wohl damals schon als die Königin der Blumen anerkannt hat. Deutlicher und Überzeugender tritt die Beliebtheit der Rosen bei den alten Griechen zu Tage, die ja Alles, was ihnen von Bedeutung erschien, mit dem verklärenden Schimmer der Fabel umgaben. Der erste Lyriker seiner Zeit, Anakreon, erzählt uns derartige Märchen, die Rose sei aus einem Schaumtropfen entstanden, der beim Entsteigen Aphrodites aus den Meeresfluthen auf den Stein geträufelt sei. Mit dieser sinnigen Erklärung wäre zugleich auch die Schönheit der Rose hervorgehoben; denn ihre Entstehung wird mit der Göttin der Schönheit bestimmt in direkte Ver­bindung gebracht. Andere griechische Dichter und Schrift­steller erklären indessen den Ursprung der Rose in der Weise, daß dieselbe aus dem Blut Adams entsprossen sei. Aber auch hier finden wir dasselbe Prinzip: die Schlichtheit der Rosen findet gleichsam ihr Zeugniß dadurch, daß ihre Entstehung mit dem Schönsten der antiken Männerwelt eng verknüpft wird. Wer weiß, vielleicht entbrannte damals ein edler Wettstreit über die Ursprungsfrage der Rose unter den Dichtern Griechenlands. Anakreon, der Frauenlob der Antike, widmet ste der Aphrodite, und irgend ein paar weiberfeindliche Schriftsteller suchen die Schöpfung der Rose für die Männerwelt zu retten!

Dentschrr Reichstag.

O Kerlin, 19. Juni.

Kriegerische Uorbercltnngen in England.

Unser Londoner u-Korrespondent schreibt uns unterm 17. ds. Mts.:

M ' Die Transvaal - Angelegenheit nimmt noch immer das allgemeine Interesse für sich in Anspruch, und der Ton, in Idem die Presse dieselbe neuerdings bespricht, hat abermals eine entschiedene Veränderung erfahren. Sie wurde nämlich inzwischen gewahr, daß die Negierung, entgegen ihrer Ge­wohnheit, die Hörner einzuziehen, sobald sie irgendwo auf energischen Widerspruch stößt, die Buren auf die Knice nieder zu zwingen entschlossen ist. Zu diesem Zweck werden jetzt die kriegerischen Vorbereitungen, die man schon vor zwei Jahren in aller Stille begann, mit größter Hast betrieben. Daß sie so lange Zeil in Anspruch nehmen mrd die Engländer, wenn heute Krieg erklärt würde, sich für die nächsten zwei Monate noch im Transvaal, resp. in Südafrika auf die Defensive beschränken müßten, ist zwar -nm großen Theil auf die armselige Organtsirnug ihres Heeres, doch außerdem auch auf die Ungunst obwaltender Verhältnisse znrückzuführcn. Es ist natürlich sehr schwer, derartige Vorbereitungen im Geheimen zu treffen, schon weil für den Feldzug eine große Menge Pferde benöthigt würde, deren Verschiffung nach Afrika mit ungeheuren Schwierig­keiten verknüpft wäre. Das englische Kriegsministcriuni berechnete, daß jedes von hier nach der Kapkolonie gesandte Kavalleriepferd einschließlich der Beförderungskosten auf 80 Pfund Sterling oder sechzehuhundert Mark zu stehen käme, und wurde daher der Vorschlag gemacht, die uölhigen Thiere in Amerika aufzukaufen, wo sie spottbillig zu haben wären. — Man beginnt übrigens jetzt in weiteren Kreisen ' die Veröffentlichung des jüngsten Transvaal-Blaubuches in ' einem Augenblick, wie dem gegenwärtigen, zu mißbilligen.

Viele Leute betrachteten dieselbe anfänglich als eine der Indiskretionen der „neuen Diplomatie", doch neuerdings t gewann die Ansicht an Boden, daß es sich dabei um einen s schlau berechneten Schachzug handelte. Mr. Chamberlain s wollte dadurch offenbar den Schein erwecken, als wäre er nicht allein für die beabsichtigte energische Intervention im ; Transvaal verantwortlich. Außerdem aber glaubt er jeden­falls die eigene Stellung im Kabinett zu kräftigen, indem er gewissermaßen Arm in Arm mit Sir Alfred Milner in der Transvaal-Frage vor demselben erscheint. Ein anderer Grund ist für die Bekanntmachung der betreffenden Doku­mente, die in Folge der Konferenz in Bloemfontein gänzlich F überflüssig wurden, nicht zu entdecken. Mr. Chamberlain

Hal also den Beweis geführt, daß er nicht allein steht, sondern in verhältnißmäßig leidenschaftsloser Weise die Nath- schläge des englischen Vertreters an Ort und Stelle befolgt. | Ein hervorragender englischer Politiker, der mit Mr. Frank F Watkins die Ansicht theilt, daß die Anwendung von Gewalt in Südafrika stets üble Folgen haben werde, äußerte sich : soeben wie folgt über die Tagesfrage: Angenommen, wir l werden in einen Krieg mit dem Transvaal verwickelt, ' so unterliegt es keinem Zweifel, daß wir uns h nicht nur den dortigen Buren, sondern auch denjenigen

«ttrthiit» für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eiugcreichter Anzeigen zur "eVIUi UlJUli; nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

(Nachdruck verboten.)

Rosen.

Studie von Friedrich Beyer.

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maun. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung Provisoriums mit England. Hierzu liegt ein Antrag Berrnsheim (nat.-lib.) vor: die Vollmacht zur Gev , leistbegünftigung soll nur gelten gegenüber denjenigen Gebiets- theilen des britischen Reichs, welche auch ihrerseits Deutschland die Meistbegünstigung gewähren. — Abg. Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.) empfiehlt seinen Antrag. — Staatssekretär v. Posa- dowsky bittet, die Vorlage unverändert anzunehmen, oder sie doch noch an die Kommission zurückgehen zu lasten. — Abgeord­neter Lieber (Centrum) wünscht unveränderte Annahme der Vorlage und Ablehnung des Antrags Hehl zu Herrnsheim. — Abg. Liebe rmannvonSon ne n berg empfiehlt Rückverweisung an die Kommission und verweist dabei auf die Vorgänge auf Samoa. — Staatssekretär v. Bülow legt die Politik Deutschlands auf Samoa dar. Er betont, Deutschland werde auf Samoa beii Rechts- boden nicht verlassen. Deutschland werde sein Recht dort un- | bedingt behaupten. Von den deutschen Delegirten liege eine tcle-

Am Bundesrathstische Graf Posadowskh, Bülow und Thiel- mann. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung des Handels- Provisoriums mit England. Hierzu liegt ein Antrag von Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.) vor: die Vollmacht zur Gewährung der

47. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs PreiS: durch den Verlag 50 Psa. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Unter all den Blumen, die uns die Erde und die Kunst M des Gärtners schenkt, finden wir — das darf man mit k Bestimmtheit sagen — nicht eine, die sich einer solch aus- p gesprochenen Universalverehrung erfreut, wie die Rose. Und k diese Univcrsalverehrung ist international, wie die Rose | international ist. Jeder Blumenfreund und Blumenkenner | wird zugebeti müssen, daß unter allen Kindern Floras der U-Iieblichen Rose unbedingt der Schönheitspreis gebührt, I man kann daher die Bezeichnung der Rose als Königin der Blumen nicht anders als treffend nennen. Es läßt U sich unschwer erkennen, daß diese Universalverehrung einmal Mans der allgemeinen Schönheit der Rose beruht, dann aber Manch aus der ungewöhnlich reichhaltigen und vielseitigen UFarbenverschiedenhcit derselben resultirt, die jedem Geschmack Maerecht zu werden geeignet ist. Man zähle die coloristischen U Abstufungen der Rose durch: es giebt nur zwei Farben, in Udenen keine Spielart der Rose erscheint, die grüne und die kschwarze. Aber halt! — nur die grüne 1 Denn schwarze MRosen, so sonderbar es klingen mag, sollen, wenn man einer MM Zeitungsnotiz glauben darf, erst vor kurzer Zeit von einem U Amateur - Blumenzüchter Namens Petisow im russischen E Departement Woronesch „erfunden" worden sein. Die schwarze I Rose kann ich mir allerdings, selbst wenn die Blüthenblätter E mit dem weichen Schimmer des Sammets übergossen wären, M nicht gerade besonders geschmackvoll vorstellen; immerhin | aber hätte sie den Reiz der Neuheit für sich und bewiese die k ungeheure Nuanciruiigsfähigkeit der Blumenkönigin aufs Neue. E — Wie weit der Ursprung der Rosen zurückblickt, vermag

Eine andere griechische Sage erzählt uns ferner, die Rose sei zuerst nichts als ein Dornengestrüpp ohne das Vermögen, Blüthen hervorzubringen, gewesen (während nach dem heiligen Basilcns die Rosen Anfangs keine Dornen gehabt haben sollen). Erst nachdem Aphrodite die Zweige mit Nektar getränkt, seien die duftenden Blüthen hervor- gekommcn. Zunächst war denn auch die Rose der Aphrodite (Venns) geweiht. Später wurde sie auch den Grazien, den Musen, dem Eros und schließlich auch dem feuchtfröhlichen Dionyos zugesprochen.

In Persien — man darf das als bekannt voraus- setzen — betrieb man ehemals die Kultur der Rosen in ausgedehntestem Maß. Es darf uns deshalb nicht ver­wunderlich erscheinen, wenn der persische Dichter Firdust in einem Anflug von Religionsstolz den Ursprung 6er Rosen anders ergründete, als wir oben gesehen. Er giebt nämlich, freilich mit geringer Beachtung der Aesthetik, an, die Rosen seien aus dem Schweiß Mohammeds entstanden I Vielleicht ist diese eigenthümliche Erklärung riuch nur der Ausdruck einer besonderen Verehrung des Dichters für den großen Propheten.

Früh schon bildete die Rose das Mittel zu symbolistischen Zwecken. So galt sie namentlich als Symbol der Ver­schwiegenheit. Eine alte Mythe giebt an, Harpokrates, der Gott des Schweigens, habe von Cupido die erste Rose gegen das Versprechen erhalten, niemals die Geheirnniffe der Liebenden zu verrathen — das ein Gott des Schweigens natürlich anch so wie so wohl gutwillig hätte bleiben lasten müssen! Der vorsichtige Römer brachte das sub rosa ans (unter der Rose, d. h. unter dem Siegel der Verschwiegen- .heil). Bei den römischen Festmählern war es beispielsweise üblich, eine weiße Rose unter die Zimmerdecke zu hängen. Nu», manchmal mag man allerdings berechtigte Ursache be-

graphische Nachricht vor, derzufolgc mit den Waffen-Ablieferungen bereits ein Anfang gemacht sei. Die verhafteten Deutschen seien in Freiheit gesetzt. Nach Ordnung der politischen Verhältnisse werde die Kommission zur Entschädigunqsfrage Stellung nehmen. Die Deutschen müßten unbedingt eine Entschädigung erhalten so­wohl für die Störung in ihrem Eiaenthumsrecht wie auch für die widerrechtliche Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit. (Beifall.) Das Haus beschließt Rückverweisung an die Kommission. Hierauf folgt die erste Lesung der ZuchthauStVorlage. Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe fiihrt aus, die abfällige Kritik, welche von den Soeialdemokraten gegen die Vorlage ausgeubt werde, habe ohne Zweifel ihren Grund, den Grund nämlich, weil die Partei die Vorlage für ihreJuteressen als nachtheilig ansehe. (Ruf links: durchaus nicht.) Sie, die Soeialdemokraten, befürchten, daß die Macht, welche die Partei auf die Arbeiter ausübt, dadurch be­einträchtigt werden könnte. Man muß zugebeu, daß diese Besorguiß nicht unbegründet ist. Den Arbeitgebern und den Arbeitern bleibt das Recht und die Möglichkeit, sich zur Einwirkung auf die Ge­staltung der Arbeitsbedingungen zusammenzuschließen. Ausstände bleiben wie bisher möglich. (Zurufe der Soeialdemokraten.) De» Arbeitern soll nicht die Möglichkeit abgeschnitten werden, besser' Arbeitsbedingungen zu erreichen. Das Gesetz soll lediglich eine Bc schränkung der Willensfreiheit des Einzelnen durch denTerrorismuS, be­sonders das Treiben gewerbsmäßiger Agitatoren und Hetzer verhindern. Der Grund der Verzögerung der Vorlegung des Gesetzes lag in den Hindernissen, die die verbündeten Regierungen zu beseitigen nicht in der Lage waren. Nach den Ankündigungen der Thronrede und bei den tendenziös verbreiteten Gerüchten über den Inhalt des Gesetzes durften die Regierungen nicht zögern, das Gesetz dem Reichstag vorzulegen, um die künstlich geschaffenen Besorgnisse zu zerstreuen. Der Zweck ist, wenn ich nicht irre, erreicht. Zeder Unbefangene wird zugeben, daß die Regierungen noch auf dem Standpunkt von 1890 stehen. Ich hoffe, daß, wenn nicht jetzt, so doch bei der späteren Behandlung ein Gesetz zu, Stande kommen wird, das die Interessen der Arbeiter zu schützen geeignet ist. (BravoI rechts.) — Staatssekretär Posadowsky betont gleichfalls, das Koalitiousrecht solle weder aufgehoben noch beschränkt werden. Redner zieht reichhaltiges Material aus dem „Vorwärts" sowieAeußerungen ausgesprochen soeialistischer Redner znr Begründung heran. Die Socialdemokratie wolle einen Staat im Staate bilden. Sie habe sogar ihre Polizei, sie habe anch ihre Sieuerverwaltung. Würden doch christlich gesinnte Arbeiter von Arbeitsständen gejagt, weil ste nichts für die Parteikaste zahlten. (Wiederholte Unterbrechungen und Unruhe.) Redner giebt schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzige Zeit ein starkes und muthiges Bürgerthum finden möge. (Beifall und Zischen.) — Abg. Bebel (Soc.) bemerkt, aus den Reden der beiden Herren vom Bundesrathstisch sei nichts Anderes zu entnehmen, als daß die Vorlage ein Gesetz gegen die Socialdemokratie sein solle, aber die Regierung würde ihren Zweck nicht erreichen. Werde die Vorlage Gesetz, dann werde die Soeialdemokratie nur noch mehr wachsen. Weiter wendet sich Redner gegen die Denkschrift. Dieselbe fd thatsächlich eine der gehässigsten Arbeiten. In der Denkschrift fino die einzelnen Streiks nicht weniger als 30 Mal aufgezählt. (Hört! links.) Das erinnert an die Statisten auf der großen Bühne, die aus der einen Seite hinausmarschiren und aus der anderen Seite wieder erscheinen. Selbst die „Nationalzeitung" meint, daß e? schwer sei, bei den Mittheilungen der Denkschrift ernst zu bleiben. Es ist wunderbar, wie ein Mann, der die Rechte studirt hat, eine solche Denkschrift hat verfassen können und wie die Vertreter der verbündeten Regierungen eine solche Denkschrift dem Reichstag haben vorlegen können. Das ist geradezu eine Beleidigung des Reichstags. Die Polizei erachtet sich heute schon für gotiähulich, jeder Polizist betrachtet sich als einen Stellvertreter Gottes und möchte am liebsten Gott selber sein. Die Polizei möchte Gesetze habe», nach denen Jeder, den sie anklagt, auch bestraft wird. Jeder Staatsanwalt sieht es fast als eine Beleidigung seiner Person an, wenn ein von ihm Angeklagter freigesprochen wird. Aus Arbeiterkreisen gingen ihm von allen Seiten Berichtigungen betreffs des in der Denk­schrift zusammengetragenen Materials zu. Er wünsche und hoffe, daß diese Vorlage, welche Deutschland zur Schmach und Schanhe gereichen würde, so schnell wie möglich abgelehnt werde. (Lebhafter Beifall.) Hierauf vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr. Fort­setzung der Verathung. Schluß 53/« Uhr.