Nksbildem TilgblÄ
Ks. 280.
Montag, den 19. Innr
1899
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
1 Ubr aus Deck und kehrte dann aus di«
schlagen werde.
Ankilndic-----*
Verlag: Langgaffe 27.
Ahonneuten
Tagesordnung: Zweite Lesung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Sondelsbeziehungen zum britischen Reich. Es liegt hierzu vor ein Antrag v. Levetzow (kons.), die nachgesuchte Vollmacht für den Bundesrath nur zu ertheilen auf ein weiteres Jahr, also bis zum 30. Juli 1900; ferner beantragen die Abgg. v. Levetzow und Genoffen zwei Resolutionen: 1. betreffend Beschleunigung der Aufstellung eines neuen Generaltarifs und auf Vorschreibung zweckentsprechender Ursprungs-Zeugnisse; 2. soll die Regierung ersucht werden, noch rn bie|er Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach gegenüber Staaten, die von deutsche« Maaren Werthzölle erheben, sobald nicht Vertragsbestimmungen entgegenstehen, gleichfalls Werthzölle erhoben werden foltert, ferner sollen zollpflichtige Maaren, welche aus Staaten komme«, die die deutsche Maare differentiren, mit einem Zollbetrag bis zu 300 pCt. des Zolles bezw. bis zu 50 pCt. des WertlwK belegt werden können. Weiter beantragen die Abg. v. Wangenhemk und Hahn einen Zusatz zu der Vorlage, welcher dahingeht, daß die Meistbegünstigung gegen England und seine Kolonieen nur solange angewendet werde, als dort die Meistbegünstigungs-Verhältnisse eine Verschiebung zu Ungunsten Deutschlands nicht erfahren. — Abg. Lieber (Centrum) stimmt im Namen seiner Partei dem
Airreigen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfa. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Jede des Kaisers.
hd. Kr«n» biittrl-K osg, 17. Juni. Der Kaiser erledigte heute Morgen an Bord der ,,HohenzoUern" Staatsgeschäfte. Sierauf unternahm der Monarch einen Ausflug und begab sich zu uß nach der Schleuse, sah sich die dortigen Befestigungen an und stattete seiner Dacht „Meteor" einen Besuch ab, wobei er das Fahrzeug in allen Theilen genau besichtigte. Gegen 11 Uhr ging der Kaiser mit dem „Meteor" in See. Er stand vorn im Schiff und erwiderte die Grütze der zahlreichen Menschen, indem er die Mütze schwenkte. DaSFestmahl auf dem Dampfer „FürstBismarck" ist heute Abend bis 1 Uhr in Aussicht genommen. Rach Schluß desselben begiebt sich der Kaiser an Bord der „Hohenzollern", um daselbst zu übernachten.
kür die Abend-Ausgab« bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später «ingereichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
mit halben Maßregeln begnüge. Die englischen Kolonieen seien keineswegs selbständig. Sie seien für England gleichsam nur Domänen ohne staatsrechtliche Selbständigkeit. Redner spricht sich noch für die Ursprungs-Zeugnisse aus. — Abg. Speck (Centw) äußert sich auf Grund ferner Erfahrungen als bayrischer Oberzolb- Inspektor gegen die den Handel belästigenden Ursprungs-Zeugnisse. Abg. Rösicke (Bund der Landw.) plaidirt für scharfe Zurückweisung von Unliebenswürdigkeiten des Auslandes. Es bedürfe einer starken nationalen Politik. Redner zieht schließlich den Antrag Wangenheim zurück bis zur dritten Lesung. — Geheimrath Hermes stellt auf Grund der Statistik in Abrede, daß canadische Waare auf Umwegen zu Meistbegünstigungssätzen ins Land kämen. Nach weiterer Debatte wird die Vorlage mit einem Anträge v. Levetzow — Vollmacht nur auf ein Jahr — angenommen. In dritter Lesung werden debattelos genehmigt die Vereinbarungen mit Uruguay und Brasilien, sowie das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete. Es folgen Wahlprüfungen. Die Wahlen der Abgg. v. Lovell, Böckel und Muller- Rudolfsstadt werden beanstandet, die der Abgg. Gamp, v. Massow und v. Richthofen für gültig erklärt. Sodann folgen Petitionen. Heber eine Petition, welche die Kinder-Gesetzgebung zum Gegenstand Hut, beantragt die Kommission Uebcrgang zur Tagesordnung. Auf Antrag des Abg. Singer wird die Petition der Negierung als Material überwiesen. Bei einer Petition des Jnnungs-Verbands deutscher Baugewerkmeister, welche Zulassung von Festungshaft (statt Gefängniß) bei fahrlässiger Herbeiführung von Ban-Unfällen verlangt, beantragt Abg. Bebel Uevergang zur Tagesordnung. Der Antrag wird angenommen, und zwar einstimmig. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Dritte Lesung des Handels-Provisoriums mit England, erste Berathuna der Zuchthaus-Vorlage, Abstimmung über den Antrag Prinz Karolath, betreffend Goethe-Denkmal in Straßburg. (Große Heiterkeit.) Schluß 5‘/> Uhr.
wb. KrnnvbLttrl, 18. Juni. Der Kaiser wohnte gestern der Elb-Segelregatta bei und begab sich sodann an Bord des Schnelldampfers „Fürst Bismarck". Im Damensalon dieses Dampfers nahm der Kaiser bie Preisvertheilnug vor. Um 8 Uhr begann in bent prächtig mit Blumen geschmückten Speisesaal bas Diner, zu dem 180 Einladungen an die Herren aus der Umgebung des Kaiser«, an die Gäste des Norddeutschen Regatta-Vereins und der Hambura-Amerika-Linie, an die Besitzer der konkurrtrenden Dachten und Andere ergangen waren. Der Kaiser hatte zwischen dem Direktor der Hamvurg-Amerika-Linie, Ballin, und dem Bürgermeister Dr. Mönckeberg Platz genommen. Letzterer brachte das Hoch auf den Kaiser aus, wobei er hervorhob, daß die Entwickelung des Segelsports in den letzten Jahren dem Kaiser zu danken sei. Redner zog dann eine Parallele zwischen der Entwickelungber Seemacht ber deutschen Nation und dem Segelshort und wies dann auf den jüngsten Erwerb neuer Kolonieen hm, wodurch dem deutschen Unternehmungsgeist ein weites Feld fruchtbringender Thätigkeit eröffnet sei. Der Kaiser erwiderte ettva Folgendes: „In zündender Rede, mit schwungvollen Worten hat Seme Magnisicenz, Ihr verehrter Herr Bürgermeister, soeben im Namen aller Versanimelten Mich begrüßt. Ich danke Ihnen von Herzen für diesen freundlichen Empfang. ES ist durchaus keine Schmeichelei, wenn Ich erkläre, daß ber Tag ber Elb-Regatta für Mich immer ein Tag der Freude ist, dem Ich mit Ungedulb entgegensetze, denn er bedeutet für Mich immer einen Feiertag nach schwerem Bemühen. Das Zusammensein mit Herren, die gleichen Zielen entgegenstreben, mit Männern von Kopf und beseelt von dem Geist, der über die Welt dahin- schwebt, und bie schon Manches gesehen und erlebt haben, ist für Mich ein Labsal und regt auch Mich zu neuen Gedanken, zu frischem Thun an. Sie Haven freundlicher Weise bei Ihrem Rückblick der Anstrengungen und Arbeiten gedacht, bie Ich unternommen habe, um auch bei uns ben Segelsport vorwärts zu bringen. — Meine Herren! Das ist eine von ben Künsten — so will Ich es einmal nennen bie wir pflegen können, weil wir in gesichertem Frieben zu leben im Staube sind, und wir können das bloß, weil wir nunmehr auf der Basis stehen, die Mein seliger Großvater und Mein seliger Vater uns erftritten haben.—Seitdem nun aber ein Deutsches Reich besteht und unser gesammtes deutsche? Volk unter einheitlichem Banner seinem Ziele entgegenarbeitet, und seitdem wir wissen, daß durch unser festes Zusammenstehen wir eine unüberwindliche Macht in der Welt darstellen, mit der gerechnet werden muß, — seitdem haben wir auch ben Frieden bewahren können. — Und teilte Kunst ist wohl so geeignet, ben Muth zu stählen unb bas Auge zu klären, wie bie Fahrt auf bem Wasser Ich hoffe, baß Jahr aus, Jahr ein vom Innern des Landes mehr und mehr ein starker Zuzug hierher ftattfmben werde, um immer mehr die Reihe der Segelsportfreunde zu stärken unb zu vermehren und nicht bloß ben Kampf mit den Elementen aufzunehmen, die Geschicklichkeit fordert, sondern Ich verspreche Mir auch von dem Verkehr des Inlandes mit ber „Wasserkante" große Vortheile unb befrudjtenbe Gedanken auf Mein Volk. Meine Herren! Sie haben soeben gehört, unb Ich bin es Ihnen dankbar, daß Sie mit Freuden und Anerkennung unserer Politik folgten. Es ist Mein Grundsatz überall, wo Ich kann, neue Punkte zu finden, an denen wir entsetzen können, an betten in späteren Zeiten unsere Kinder und Enkel sich ausbauett unb bas zu Nutzen machen köntteu, was wir ihnen erworben haben. Langsam nur hat das Verständniß für Wasser- unb Seewesen, für bie Wichtigkeit des Meeres unb seiner Beherrschung bei unseren Landsleuten Platz gegriffen, aber das Verständniß ist erwacht, und wenn einmal beim Deutschen eineJdee, einGedanke Funken gefangen hat, so wird selbiger auch bald zu lodernder Flamme. So wird es auch hier fein. Das deutsche Volk ist wie ein edles Vollblutpferd. Es duldet nicht, daß ihm Einer an die Gurten herankommt, sondern will seinen Platz vorne behaupten. Unb das ist Mein Wunsch: Mögen wir mit unseren sämmtlichen Bestrebungen, und mögen Sie in Hamburg mit Ihren Gedanken unb Ihren vorwärtSgehenben Bestrebungen an der Spitze marfchiren, wie bisher. Darauf leere Ich Mein Glas!" — Nach dem Diner blieb ber Kaiser in lebhafter Unterhaltung bis ...... " ..... " : .Sotzenzollern" zurück.
Die Giihrnng in Makedonien.
M Wenn die wärmende Sonne des Sommers auf den rauhen Bergen des Balkan die letzten Spuren des ungastlichen Winters vertilgt hat, dann beginnen die Bergstämme die größere Bewegungsfähigkeit, die ihnen der Sommer gewährt, M alljährlich auf ihre Weise auszunutzen, indem sie nämlich von ihren Bergen ins Thal hinabsteigen, Dörfer überfallen, Heerde» rauben und so das bekannte allgemeine Hälseabschneiden herbeiführen, über welches jeden Sommer mit unheimlicher Regelmäßigkeit die Nachrichten aus dem Balkan, jjfc- und zwar insonderheit aus Macedonien, an das erstaunte Europa gelangen. In den letzten Tagen haben sich diese Alarmnachrichten gehäuft. An der serbisch - türkischen Grenze ist es zwischen den Serben und den türkischen Albanesen zu regelrechten Gefechten gekommen, an denen sogar reguläre türkische Truppen betheiligt gewesen sind, und in ganz gleicher Weise ist an der türkisch-bulgarischen Grenze ein Konflikt zwischen den i Bulgaren und den türkischen Albanesen ausgebrochen, bei dem die Türkei zwar anscheinend nicht aktiv eingegriffen, aber doch mindestens die Rolle des sehr vergnügten Dritten gespielt hat. Selbstverständlich behauptet in beiden Füllen jede Partei, daß die andere Unrecht hat. Soweit sich aber die Verhältnisse übersehen lassen, kann man mit Zuhülfe- nahme der Erfahrungen früherer Jahre den Schluß ziehen, daß hier vier Schuldige sind und daß die Hauptschuld die türkischen Albanesen trifft, während die Pforte nichts thut, um den Uebrrgriffen und Raubzügen der Albanesen zu steuern, daß endlich die beiden anderen Schuldigen die bulgarischen und serbischen Bewohner Macedontens sind, die zum Theil in ihren Mutterländern Unterstützung finden.
Macedonien ist ohne Zweifel das komplizirteste Land von allen Balkangebieten, denn das Völkergemisch seiner Bewohner ist ebenso bunt wie gefährlich. Die Gesammt- bevölkerung des Landes wird auf 2>/r Million geschätzt, wovon nahezu die Hälfte Bulgaren sind, die also über die größte Macht im Lande verfügen. An zweiter Stelle kommen die Türken nebst den Pomakcn, während der Rest der Bewohner aus Serben, Albanesen, Rumänen und Griechen besteht. Seit langen Jahren streiten sich um das Layd die Bulgaren, Serben, Griechen und Albanesen. Die Griechen freilich sind jetzt aus diesem Wettbewerb ausgeschieden, seitdem die großgriechische Politik sich durch ihr wahnwitziges Vorgehen selbst ruinirt hat. Es sind mithin drei Rationalitäten geblieben, welche sich um die Herrschaft streiten; die Türkei kommt hierbei nicht in Betracht, da sie ? sich mit dem theoretischen Bewußtsein begnügt, Macedonien als türkische Provinz bezeichnen zu dürfen, während ihr Einfluß dort thatsächlich sehr gering ist und sie sich begnügt, den Zuschauer zu spielen, wenn sich Bulgaren, Serben unh Albanesen in den Haaren liegen.
Die Bulgaren und Serben in Macedonien sind wenigstens . in dem einen Ziel einig, die von ihnen bewohnten Gebiete von der Pforte loszureißcn und für ihr Mutterland zu annekliren. Im Uebrigen sind sie aber nichts weniger als " einig, sondern raufen sich jahraus jahrein und zwar in erster Linie um Kirchen- und Schulfragen, wobei sie bei der H bulgarischen bezw. der serbischen Regierung Unterstützung ■ finden, wenn diese sich auch entschieden dagegen verwahren, die Losreißungsbestrebungen Jener zu unterstützen. Mit den g serbischen und bulgarischen Bewohnern Macedoniens leben * wiederum die Albanesen, der maßgebendste Volksstamm in i Rordmacedonien, in steter und blutiger Fehde. Obwohl bei l den Albanesen drei Religionsbekenntnisse, der Moham- medanismus, der griechisch-katholische und der römisch- ' katholische Glaube, vertreten sind, haben sie doch fast niemals M Streitigkeiten untereinander gehabt, sondern sie zeigen eine rührende Einmüthigkeit darin, über ihre bulgarischen und serbischen Landsleute herzufallen oder auch hin und wieder, wenn ihre Unternehmungslust gewachsen ist, über die serbische ; und bulgarische Grenze zu treten und dort Räubereien zu verüben.
Die Albanesen selbst behaupten freilich, daß es sich hierbei nicht um eigentliche Plünderungszüge handelt, sondern daß fc-. sie nur den politischen Gegner schädigen wollen. So wie t die macedmüschen Bulgaren und Serben die Losreißung von der Türkei anstreben, so streben auch die Albanesen ; nach der Begründung eines selbständigen albanesischen Gemeinwesens, und der Ausdruck dieser Bestrebungen zeigt sich darin, daß sich diese drei Nationalitäten von Zeit zu ' Zeit die Hälse abschneiden. Die Türkei wirft Bulgarien und Serbien vor, daß sie die Agitationen ihrer Stammes- r genossen entweder offen unterstützen oder doch diese Unterstützung stillschweigend dulden. Mit noch mehr Grund aber wird von Bulgarien und Serbien der Vorwurf gegen die ; Pforte erhoben, daß sie nichts thut, um die Plünderungs- | zöge der Albanesen zu verhindern, und daß sie bisher keine der im Berliner Vertrag ihr auferlegten Reformen für : Macedonien ausgeführt hat. Die europäischen Großmächte ' hätten allen Anlaß, sich ernstlich mit dieser Frage zu be
Deutfches Deich.
* Aof- «nd Nrrfonal-Uachrichten. Wie ber Berliucr „Lokal- Anzeiger" aus Paris melbet, hat ber zweite Sohn bes preußischen Finanzministers, Hans v. Miquel, einen Attachö-Posten bet ber bortige’i deutschen Botschaft angetreten. — Nach einer bie Runde durch die Tageszeitungen uehmeuden Meldung sollte die Villa Martins an der Koblenzerstraße in Bonn für ben Preis von 500,000 Mk. in den Besitz des Kaisers ubergegangen sein. Nach einer von zuverlässiger Seite gewordenen Mitiheiluug entbehrt dies« Nachricht ber Begründung, da bisher keinerlei Verhandlungen wegen eines solchen Ankaufs mit dem Besitzer deS Grundstücks, Herrn Prof. Dr. Martins, ftattgefunben haben. — Die Königin von Sachsen hat sich iu Sibylleuort durch einen Fall im Zimmer eine leichte Verletzung am Kopf« zugezogen. Fieber ist nicht eingetreten. Die Königin kann bereits bas Bett verlassen. — Prinzessin Bei neid) ist nach siebenmonatiger Abwesenheit in Begleitung bet rinzen Waldemar unb Sigismund in Kiel eingetroffen.
* Krrlin, 19. Juni. Die konservative Fraktion des Reichstags hat ben Gesetzentwurf zum Schutze beS gewerblichen Arbeitsverhältnifses beratheu, sich mit demselben einverstanden erklärt unb beschlossen, Kornmissionsberathuug zu beantragen.
Der Generalstreik ber Maurer, welcher am Freitag Abeub proflamirt wurde, ist Samstag Vormittag zur Thatsache geworden. Der Andrang ber Maurer zum Streik-Vmeau ist eia
schäftigen und die Pforte zu einem Eingreifen in die macedonischen Wirre» zu veranlassen, sonst könnte dem europäischen Frieden auf dem Balkan erheblich mehr Schaden zugefügt werden, als er im Haag Nutzen erleben wird.
* * *
hd. Mien, 18. Juni. Die bei ber serbischen Gesandtschaft ein- getroffenen Depeschen aus Bel ar ab fcljitbern bie Situation an ber Grenze für verschlimmert. Die Türken fahren fort, serbische Truppen anzugreifen unb serbische Orte nieberjubrennen. Wie verlautet, wirb bet in Wien weilende serbische Ministerpräsident Gevrgieoies seinen Urlaub unterbrechen unb nach Beigrab zurückkehren. Derselbe befahl von Wien aus telegraphisch, weitere Truppensenbungen an bie Grenze zu birigiren unb jeden Angriff ber Türkei energisch zurückzuweisen, aber unter feiner Bedingung türkisches Gebiet zii betreten. — Eine Depesche aus Wranja melbet: Die Grenzkampfe haben toiebet begonnen. Arnauten unb Nizams haben ein Grenz- Wachthaus bei Pronatica angegriffen unb emgeäschert. Ebenso griffen sie bas von ben Serben zuruckeroberte Grenz-Wachthans Mala Brasilia an, wo ber Kampf fortbauert. Zwei serbische Infanterie- Bataillone finb eingetroffen unb nahmen am Kampfe Theil.
Konstantinopel, 18. Juni. Amtliche türkische Kreise erklären, die Vorfälle an ber serbischen Grenze seien nicht von türkischer Seite provozirt. Sie seien dadurch entstauben, daß serbische Soldaten auf türkische Soldaten des Blockhauses Prohnik schossen, die von einem nahen, anderenWachhans Wasser holten. Als Gendarmen die Gewehre der Erschossenen holen wollten, erfolgte ein Angriff der Serben. Zur Zeit herrscht nach Meldungen des Valis von Kojsowo und des Kommandanten von Mitrowitza im Grenzgebiet vollständige Ruhe. GrenziuspektorAhinedHambibeganndieUntersuchmignverdie Vorfälle.
eine Verschiebung zu Ungunsten Deutschlands nicht erfahren. — Abg. Lieber (Centrum) stimmt im Namen seiner Partei dem Anträge Levetzow ad 1 zu. Seine Freunde wünschten bann aber vor Allem, mit allem Nachdruck zu erklären, daß sie gesonnen seien, die deutschen Interessen gegenüber dem Auslände in jeder Beziehung zu wahren. Andererseits sei es zur Erreichung dieses Zieles vielleicht richtig, im Augenblick nicht allzu scharfe Tone anzuschlagen. Bei Besprechnug der Resolution Wangenheim bezeichnet Redner dieselbe als eine Backpfeife gegen England. Es müsse Alles oer- niieden werden, was den Eindruck 'erwecken könnte, als wolle Deutschland gegen bas britische Reich einen ganz besonderen Vorstoß machen. — Abg. Hahn (Bund der Landw.) führt aus, die Resolutionen v. Levetzow unb Wangenheim seien lediglich eingegeben von bem Gefühl ber völligen Waffenlosigkeit Deutschlands gegenüber dem Auslande. Eine feindliche Absicht gegen England habe jedenfalls bei Einbringung der Resolution nicht obgclualtet. England unb Amerika respektiren Deutschland nur, wenn letzteres Energie bekunde. Liebenswürdigkeiten legten sie für Schwäche ans. Er bitte um Annahme der Resolution v. Levetzow und des Antrags Wangenheim.— Abg. Graf Kanitz (kons.) erklärt, er werde noch in den nächsten Tagen einen Antrag einbringen, der ganz allgemein eine Abänderung des deutschen Zollsystems zu Gunsten der Weltzölle vorwerde. — Avg. o. Levetzow (kons.) zieht infolge dieser igung vorläufig die beiden Resolutionen zurück. — Staatssekretär Posadowsky tritt zunächst den Ausführungen des Abgeordneten Hahn bezüglich bet Ursprungs-Zeugnisse entgegen. Alsdann bittet er, den Zusatz Wangenheim abzulehnen. Werd« demselben stattgegeben, müsse Deutschland sofort das ganze englische Weltreich autonom behandeln, und das fei doch nicht angängig gegenüber einem Lande, mit dem wir doch in freundschaftlichsten Beziehungen leben. Meinungsverschiedenheiten kämen überall vor. Er bitte nochmals, ben Antrag Wangenheim mit recht großer Majorität abzulehnen. — Abg. Hey 1 o. Herrnsheim (nat.-lib.) kündigt die Einbringung eines Antrags gemeinsam mit bem Abgeorbiieten Paascbe für die dritte Lesung a ' "" ‘
mit halben M>
«1« Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 MI. BO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
einsam mit dem Abgeordneten Paascbe für die an. England müsse wissen, daß Deutschland sich nicht 'aßregeln begnüge. Die englischen Kolonieen seien
Deutscher Reichstag.
O Kerti«, 17. Juni.
