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Verlag: Langgasse 27.

16,00© Abonnenten

«uzeiaen-PreiSr

Die einfpaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

<1- Jahrgang.

»eint in zwei Ausgaben. Bezngs-PreiS:

den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die

Post 1 Ml. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

9Llttrtrtßli-9Lltltrtlllttß für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zm nächsterscheinenden Ausgabe wird teilte Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Uo. 277.

1899

Samstag» den 17. Innr.

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher N». 52.

Nermischtes.

;e um.

Morgen-flusgabe.

Stimmcn ans dem Publikum.

(Für Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrift übernimmt die Redaktion tdnctftl Betoiittvottuug.)

* Daß in den Schul-Angeleaenheiten unserer Stadt eine bedenkliche Einseitigkeit herrscht, zergt selbst ein Blick auf den Situationsplan derselben. Mit Ausnahme der Töchterschule liegen alle Lehranstalten mehr oder weniger ganz im Westen, fodaß eS unbegreiflich wäre, wenn man die neue Realschule in das dreieckige Loch an der Ouerfeldstraße placiren wollte; umso mehr, da die Schüler von der Getsberg- und Sonnenbergerstraße rc. ihr Ziel bann kaum leichter zu erreichen vermöchten. Von der Emser« straße und ihrer Umgebung aus aber ist der Schulweg zur Oraniettstraße durchaus kein beschwerlicher. Es daher mit Freuden zu begrüßen, wenn der Magistrat an der Wahl des Eckplatzes auf der Schönen Aussicht festhält, wo die Schule durch die neu geplanten Straßen auch leicht zugänglich wird. Gerade an diesem Punkt liegt die Anstalt in unmittelbarer Nähe des Kurviertels, ohne das Fremdenpublikum im Geringsten zu belästigen. Dazu ist diese Lage auf freier, luftiger Höhe bei dem Umstand, daß in Klassenräumen mit 40 bis 50 Schulern eine ausgiebige Ventilation tote gute Belichtung geboten erscheint, höchst wichtig. Nach anstrengender Nahearbeit schweift hier das Auge beS Schülers unwillkürlich in die Ferne und freier athmet die Brust, damit ein junges Menschenkind vor Siechthttm und jener hoch­gradigen Kurzsichtigkeit bewahrt wird, der wir heute so oft begegnen.

* Unter den Eichen. Jeder Naturfreund freute sich und mußte sich freuen über den unter der Leitung städtischer Beamten so wunderschön hergerichteten PlatzUnter den Eichen". Aber die Freude war nur von kurzer Dauer, denn heute fleht der Abhang Unter den Eichen" einem Stoppelfeld ähnlich. Man sollte es kaum glauben, daß dieser mit vieler Mühe und Kosten errichtete, so wunderschön« Platz zu Waldfesten an Vereine hergegeben totrfc» welche doch nur pekuniäre Zwecke, nicht aber gesellige tm Auge haben. Wiesbadens Umgebung ist mit Wirthschasten so reichlich und nach allen Richtungen versehen, daß derartige VereinS- wirthschasten vollends ausgeschlossen werden könnten. 8 r.

Sommer-Ausgabe außer den Schweizer Fahrplänen auch eine neu« Eisenbahnkarte für ganz Deutschland enthält, die sich durch deutlichste Wiedergabe aller StationSnamen auszeichnet. Das populäre Kurs­buch ist durch alle Buchhandlungen, falls dort aber nicht erhältlich, auch gegen Einsendung von 50 Pf. in deutschen Briefmarken von dem Verlag C. G. Röder-Leipzig direkt zu beziehen. Eine ganz besondere Neuheit bietet der rührige Verlag allen Liebhabern einer Buch-Schutzdecke in einer neuen hochmodern auSgeftatteten Patent­decke zum Kursbuch (Preis gleichfalls 50 Pf.), bte abwaschbar und damit niemals dem Unansehnlichwerden durch den Gebrauch auf der Reise ausgesetzt ist.

Aachener Domban - Lotterie. Die Prämie von 300,000 Mk. fiel auf Nr. 30,166, 200,000 Mk. auf Nr. 190,091, 100,000 Mk. auf Nr. 62,592.

Vereins-Nachrichten.

«kurze sachliche Berichte werden bereiiwllliüst unter dieser Ueberschrift ausgenommen^

* Das Sommerfest des Männer-QuartettHilaria" faich am letzten Sonntag auf dem Terrain derBürger-Schützenhalle, welches bis auf den letzten Platz dicht besetzt war, statt. GesangS- tiorträge der VereineLiederkranz"-Rambach,Lieberkranz"-Münster, Friede" undHilaria" von hier, sowie Musik, Kinderspiele rc. wechselten miteinander ab, und die Reichhaltigkeit der Unterhaltung wurde allgemein anerfannt. Dem Dirigenten des Vereins, Hern» Tonkünstler K. Heuß, welcher auch denLieberkranz"-Rambach dirigirte, wurde von verschiedenen Musik-Autoritäten übn dir gefänglichen Leistungen Anerkennungen ausgesprochen. Den Schluß der Festlichkeit bildete ein Rückmarsch mit Musik und bengalischer Veleuchtung nach dem Vereinslokal.

* Morgen Sonntag, den 18., von Nachmittags 3 Uhr ab, ver­anstaltet der GesangvereinBruderbund" sein diesjähriges Waldfest am AbhangUnter den Eichen". Der Gesangverein Harmonie" aus Mainz wird dazu vollzählig erscheinen. Im Laufe des Festes findet eine Frei-Verloosung eines Lämmchens an Kinder, Fahnenpolonaise rc. statt. Natürlich ist auch für die leib­lichen Bedürfnisse Sorge getragen.

* Sonntag, den 18. Juni, veranstaltet derSängerchor der Post- und Telegraphen-Unterbeamten" ein Sommer- festUnter den Eichen" (Restaurant Ritter). Eine gut besetzte Musikkapelle, Gesangsvorträge und Kinderspiele werden für einett vergnügten Nachmittag sorgen.

* Der KlubRhein gold" unternimmt nächsten Sonntag, den 18. d. M., einen Ausflug nach Biebrich in die neue Turnhalle.

Aus Stadt und §a«d«

Wiesbaden, 17. Juni.

Geschikhtskalcnder. 17. Juni. 1897: f Prälat und Geheimkämmerer Sebastian Kneipp in Münzhofen, bekannt durch seine Statur-Heilmethode. 1885; t Edwin, Freiherr ». Manteuffel, Generalfeldmarschall und Statthalter von Elsaß-Lothringen (* * zu Dresden). 1866: Besetzung Hannovers durch pr. Truppen. 1813: UeberfaU bei Kitzen. 1810: * Ferdinand Freiligrath zu Detmold, deutscher Dichter. 1703: * John Wesley zu Epworth, Stifter der Methodisten.

Durchgehende Schnellrnge für den Lokalvrrkehr Miesdaden-xrankfurr a. M. Die in diesem Sommerfahrplan eingelegten neuen Schnellzüge 61 und 64, welche zwischen Frankfurt und Wiesbaden Nachmittags verkehren (Abfahrt in Frankfurt 2 Uhr 30® in., in Wiesbaden 5 Uhr), erfreuen sich einer besonderen Beliebtheit, nicht bloß bei den Bewohnern beider Städte, sondern auch bei den Fremden, weil sie, ohne in Kastel oder Höchst an- znhalteii, zwischen beiden Orten den Verkehr vermitteln. Leider droht ihnen eine Gefahr. Die Mainzer Handelskammer hat bei der Kgl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. den Antrag gestellt, diese neuen Züge möchten auch in Kastel und Höchst anhalten. Dadurch würde nicht nut die Fahrzeit der beiden Züge vermehrt, sondern auch die jetzige Annehmlichkeit dieser Züge vermindert werden. Es ist zu hoffen, daß diesen Bestrebungen von Mainz, die ohne Berechtigung sind, weil zwei, um dieselbe Zeit, wo die Züge 61 und 64 verkehren, Schnellzüge und Personenzüge zwischen Mainz und Frankfurt laufen, keine Berücksichtigung zu Theil wird. Noth- tocubig ist aber, daß die berufenen Stellen schleunigst gegen die Mainzer Anträge Einspruch erheben.

Die neue Annahmestelle fitv Rimdreischefte im Taunusbahnhof, welche, vielfachen Wünschen entsprechend, von der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. auf Antrag der Handels­kammer feit 1. Mai eingerichtet worden ist, erfreut sich eines leb­haften Zuspruchs. Jüngst waren wir 7 Besteller auf einmal im Annahmebüreau, sodaß dessen beschränkten Räume etwas zu eng wurden. Da die Anfertigung der Bestellscheine für Ruudreiseheste jetzt sehr erleichtert ist, außerdem auch die Ausfertigung der Rund- reifeheste in Frankfurt beschleunigt ist, so erweist sich die neue Annahmestelle als eine äußerst nützliche Verkehrseinrichtung. Für dieselbe wären nur größere Räume erwünscht, was wohl erst im neuen Hauptbahnhof möglich sein wird.

Das größte Rofen-Zortiment in voller Klüthr be­findet sich gegenwärtig aut dem Ausstellungsplatz an der Forsthaus- straße in Frankfurt a. M. Die Pflanzung besteht jetzt bereits 3 Jahre, und zwar noch von der ehemaligen Allgemeinen Rosen-, Blumen- und Pflanzen-Ausstellung 1897 Herrührend. Daß dir Rosen nach einer dreijährigen Pflanzung auf solch nahrhaftem Boden in ihrer größten Vollkommenheit stehen müssen, ist selbst­verständlich. Das größte Interesse jedoch für Rosenliebhaber dürfte darin bestehen, daß hier über 2000 Sorten aus allen Klaffen in weit mehr als 20,000 Exemplaren gegenwärtig in voller Blüthe stehen. Bekanntlich blühen einige Klassen, wie Zentifolien, Kletter­rosen, Gallica, Kapuzinerrosen, Moos-Eentifolieir nur einmal, und zwar mit der ersten Blüthe im Frühjahr, also augenblicklich mit allen übrigen Klassen zusammen.

Für die Köder- und Neisc-Saison erscheint pünktlich die zweite Sommer-Ausgabe (JnliSeptember) vonStorms Kurs­buch fürs Reich", über welche der heutige Prospekt alles Nähere mittheilt. An dieser Stelle fei besonders erwähnt, daß diese zweite

* Dir Kunriauer Dienstmädchen haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen und dies interessante Ereigniß durch einen solennen Ball am vorigen Sonntag festlich begangen. Das Eintrittsgeld war auf 50 Pf. pro bezopften Kops festgesetzt worden, die Herren aber wurden von den Dienstmädchen einem alten und geheiligten Brauch entsprechend freigehalten. Manniguch bekam Semmel und Wurst und zwei Glas Bier. Aus mehreren Zuschriften, welche dasBunzl, etabtbl." erhielt, ist übrigens zu ersehen, daß der neue Verein sich lebhaftester Sympathien! in der Bürgerschaft erfreut. Hier nur eine dieser Kundgebungen:Zm Interesse der hiesigen Dienstmädchen theilen wir mit.datz bte spöttelnde Bemerkung im Jnseratentheil des.Conner der Freitags nummer nicht am richtigen Platze war soviel uns bekannt, find fast die Hälfte der Bunzlauer Bürgersfrauen selbst Dienstmädchen gewesen und find gewiß tüchtige Hausfrauen geworden. Noch heute erinnern wir uns gern an unsere Dienstzeit und sind stolz m dem Bewußtsein, in großen Häusern und mit großen Herrschaften ttt näherer Verbindung gestanden zu habcm Da auch heute noch Töchter hiesiger Beamten und ansässiger Burger sich nicht, scheuen, die Küchenschürze bei einer guten Herrschaft umzubinden, bitten totr hiermit, besagte Dienstmädchen ein wenig in Schutz zu nehmen. Mehrere Eltern dienender Töchter."

* Eine» Herenspnk hat die Stadt Breslau in den letzten Tagen gehabt. DieSchles. Schulztg." theilt darüber Folgendes mit:In Breslau ging wieder einmal die berüchtigteHexe" um. Sie beschränkte sich diesmal nicht auf ein oder zwei Schulhauser, sondern trieb durch die ganze Stadt ihr Unwesen. Bald soll fic aus einem Kellerfenster, bald aus einer Bodenluke grinsend geschaut haben. Man will f(bäuerliche Inschriften gefunden haben:Sieben Kinder brauche ich, fünf habe ich schon gefressen."Weiche, weiche, weiche! Im Keller ist eine Leiche!" Alles Zureden der Lehrer hals

dreißig Jahren eintritt und vom sechzigsten Jahr an Pension zu beziehen wünscht, die bei Invalidität sofort beginnt und können innerhalb eines Jahres nach Belieben, auf einmal, halb-, viertel­jährlich oder monatlich gezahlt werden, sie können auch bei Zahlungsunfähigkeit bis zu 3 Jahren ganz ausgesetzt werden, ohne daß die Versicherung erlischt oder der Rentenanspruch aufgehoben wird. Ist eine Prämie bereits 3 Jahre gezahlt, so erhalten die Versicherten Dividenden, und wenn sie ihre Versicherung aufzugeben wünschen, wird ihnen ein hoher Rückkaufwerth ausbezahlt. Die Jnvaliditäts-Zusatzversicherung, eine ebenso neue wie praktische Einrichtung, erfordert nur ganz minimale Einzahlungen und ge­währt vollen Schutz vom Beginn der eventuell eiutretenben Invalidität bis zum Lebensende ober bis zu einem vorher fest­gesetzten Alter. Für 800 Mk. Jnvaliditätsrente bis zum 60. Jahr hat eine Dreißigzährige z. B. nur 37,60 Mk. jährlich zu zahlen. Tritt keine Invalidität ein, so werden bei Ablauf der Versicherung die ausgezinsten Dividenden baar herausbezahlt. Die Bedingungen sind günstiger, als irgend eine andere Gesellschaft sie bietet, und sie sind, wie bereits oben bemerkt, den Besonderheiten der ver­schiedenen Bcrnfsarten entsprechend modifizirt, sodaß beispielsweise bet vielen Berufen die bloße Invalidität für den bisherigen Beruf zum Renteubezug berechtigt.

In welcher Weise auch den Wechselfällen des Lebens Rechnung getragen ist, zeigt z.B. der Satz, daß eine Versicherte, welche infolge voxi,,Verehelichung ihre Beiträge nicht fortfetzen will, 90 pCt. der Pfamienreferve äusbezahlt erhält.

Der Aufsichtsrath der Gesellschaft vomDeutschen Anker" ist größtentheils aus Persönlichkeiten zusammengesetzt, die Leiter wohl­bekannter Banken sind; das Grundkapital beträgt 8 Millionen Mark, sodaß jedwede Sicherheit hinreichend gewährleistet ist.

Wer jung ist, sichere sich eine Pension im Alter, denn je früher man mit der Einzahlung der Prämie beginnt, je nichtiger ist diese; wer älter ist, sichere sich, trotz der höheren Prämien, erst recht eine Penstonsür die kommenden Tage, in denen er nicht mehr arbeiten tann. Das, was die Gesellschaft derDeutsche Anker" mit ihrer Pensions-, Jnvaliditäts- und Jnvaliditätszusatzversicherung bietet, ist Etwas, das nirgends sonst zu sinden ist; hier ist die Gelegenheit geboten, die es Jedem ermöglicht, nicht nur für fein Alter vorzusorgen, sondern auch über Unglücksfälle durch Selbsthülfe Hinwegzukommen. Möchten doch die Frauen erkennen, welch ein Segen aus dieser Einrichtung für sie erwachsen kann und nicht säumen, durch eine zweckmäßige Versicherung ein für alle Mal die Sorge von ihren alten Tagen zu bannen.

In dieser kurzen Hinweisung haben wir nicht alle die Ver­günstigungen und Vortheile nennen können, die derDeutsche Anker" im Besonderen und im Ganzen gewährt; es sei noch er­wähnt, daß Frauen-Vereine, die Verträge äbschließen, ganz besondere Vortheile genießen. Auch die verträuensärztliche Untersuchung durch weibliche Aerzte findet Berücksichtigung und Entgegenkommen.

Mts der großen Schwierigkeit einer sorgenlosen Ge- i Alters in den unbemittelten Klassen sind die Ein­richtungen desDeutschen Anker" ein erster praktischer Schritt zur Lösung einer beängstigenden Kalamität.

Der Selbstschutz der Frau vor Uoltz

im Alter uud bei Invalidität.

Lerne Dich schützen und hilf Dir selbst, mahnt heute Alles die Frau, die allein steht und sich Das erwerben muß, was sie zum Leben braucht. Ein Älter in trostlosem, unsagbar elendem Verenden ist das Loos einer ungeheuer großen Anzahl Frauen, die ein langes Leben hindurch ununterbrochen gearbeitet haben, und zwar für Andere gearbeitet haben. Diese Bilder gehören zu denen, die nicht gemalt werden, weder auf der Leinwand, noch m den Werken der Belletristik, und auch ein Bericht in den Tagesgesprächen unserer Zeitungen über die namenlosen Qualen, diealte Weiber" erleiden, paßte ja wohl nicht in derenRahmen".

Als zur Zeit, da außer den Volksschullehrerinnen keine der andern staatlich Angestellten penstonsbcrechtigt waren, eine Dame in einer Gesellschaft auf die ungeheure Ungerechtigkeit hiiigewiesen hatte, die den Lehrerinnen eine Pension versage, entgegneten alle anwesenden Herren unisono, daß das auch höchst überflüssig sei, denn eS gebe ja Wohlthätigkeitseinrichtungen, an die sich jene wenden könnten.

Und diese Wohlthätigkeitseinrichtungen, was gewähren fie? Wer jemals Feierabendhauser und gering betitle Damcnheime be­sucht hat, den friert es, auch am heißesten Sommertag, bei dem, was er dort gesehen. Traurige, bekümmerte und verkümmerte Ge- Öter, aus denen gleichmäßig das Einerlei völliger HoffnungS- gfeit herausblickt, die mit der Gebe her Umgebung in nur zu vollkommener Uebereinftimmung steht.

Schlecht ernährt, ohne geistige Anregung unb als Trost in dieser Einöde gleichmäßig Ijüiftreidjenber Tage den sogenannten religiösen Beistand, der von Mancher nicht nur als recht aufdring­lich empfunden wird, sondern sogar einer qualvollen Bedrückung gleichkommt.

Aber nicht nur alte Lehrerinnen unb Erzieherinnen verfallen bem Loose einer Art Abgestorbensein vor bem Tob, nein, jede Fran kann ihr verfallen, für deren alte Tage nicht vorgesorgt ist, und auch wohl noch einem viel härteren Loose. Denn jene Lehrerinnen find immerhin geborgen vor Wind und Wetter unb vor Hunger unb Durst. Wie aber ist das Ende vieler Schauspielerinnen und Sängerinnen, wie das so mancher Schriftstellerin, so mancher Malerin, wie das der Privatlehrerinnen und manchmal wie das vortrefflicher Gattinnen und Mütter?

Eine Dichterin aus unserer Zeit, von der mehrere Stücke über alle deutsche Bühnen gegangen waren, und die herrliche Gedichte machte, nahte in ihren alten Tagen Kravatten, um zu leben; außerdem bezog fie aus bem Vermächtniß einer Stiftung einige wenige hundert Mark, welches Geld ihr von einem untergeordneten Beamten gebracht wurde, der, wenn er die Dame nicht antraf, der Portierssrau oder wer ihm sonst vom Dienstpersonal begegnete, erzählte, er bringe der Fräulein von H. Geld aus dem und dem Wohlthätigkeitsstiste.

Ein anderer, wahrhaft erschütternder Fall wurde uns vor etwa einem Jahre bekannt. Eine deutsche Lehrerin, die den größten Theil ihres Lebens im Auslände zugebracht hatte, wünschte ihr« alten Tage in der Heimath zu beschließen; sie wählte den Heimathsort ihres verstorbenen Vaters und hoffte, daß sie dort, wo dieser sehr bekannt und beliebt gewesen war, halb Unterrichts­stunden finden würde, und mit bem, was sie erspart, unb mit bem, was sie noch zu erwerben gebachte, ruhig der Zukunft entgegensehen könnte.

Sie fand adel überhaupt keinen Unterricht, und so vergingen einige Jahre, in welchen fie Alles, was sie einst erspart, auf. gebraucht hatte: schließlich war sie obdachlos geworden und so der Polizei in die Hände gefallen.

Nun fing man an. sich für fie zu verwenden: jedoch hatten die Erschütterungen, die sie erlitten, so auf ihr Nervensystem ge­wirkt, daß fie Stunden, die man ihr verschafft hatte, nicht mehr geben konnte; die Zunge versagte den- Dienst und ihr Körper, Kopf, Hände, Alles zitterte beständig. Sie ist heute in einem Mägdeheim untergebracht, wo sie in einer Kammer eines von den vier Betten inne hat, bte in jede gehören; ihre drei Gefährtinnen find Dienstmädchen.

Doch soll hier nicht mit der Erzählung weiterer Fälle Unver­sorgter ermüdet werden; wir wollen nur noch daran erinnern, daß Alle, die Unterstützungen aus öffentlichen Stiftungen beziehen, wie -um Beispiel unter Anderem aus der Schillerstiftung, welche Schrift­stellern und deren Angehörigen Beihülfe gewährt, auf öffentlichen Listen genannt werden. Wer aber, der den größten Theil seines Lebens durch feine Arbeit auf eigenen Füßen gestanden, mag es ertragen, im Alter von fremder Wohlthätigkeit zu leben; daß dies unwürdig ist, empfindet wohl Jeder, und welch bitteres Gefühl muß sich nicht im Gemüth entwickeln, wenn die Hülfsbedürftigkeit unverschuldet ist.

Um Familien vor Noch und plötzlicher Verarmung zu schützen, hatten sich die Lebensversicherungen gebildet, durch welche beim Tode des Ernährers die Familie weiter versorgt blieb. Späterhin sind denn auch Kapitalversicherungen eingeführt worden, die den Versicherten im arbeitsunfähigen Alter vor Noch bewahrten. An eine Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse aber, unter denen Frauen leben, deren alte Tage so ganz und garnicht gesichert sind und an eine dementsprechende Einrichtung dachte man nirgends. Die Lebensversicherungen beanspruchen von Frauen sogar höhere Prämien als von Männern unb die stark verklausulirten Verträge machten die Versicherungen in der Frauenwelt unbeliebt und selbst verdächtig.

Seit einem Jahre hat nun eine Versicherungsgesellschaft in Berlin, Deutscher Anker, Kochstraße, ganz neue Einrichtungen getroffen, die ebenso geistreich ausgebaut, wie zeitgemäß unb menschen­freundlich find. Sie hat eine befonbere Abtheiluna für Frauen­versicherungen eingerichtet, unb zwar so, daß auf den Charakter der verschiedenen Berufsarten eine entsprechende Rücksicht genommen wird. Außerdem aber ist das Ganze den Verhältnissen angepaßt, unter denenFrauen leben,unb ba ist vor Allem eine Rentenversicherung Hervorzuheben, wie sie sonst nirgends vorhanden ist unb bie sich jeder fleißige und sparsame Mensch verschaffen kann.

Für Diejenigen, die keine Kapitalien versichern können, und die ausschließlich nur für sich sorgen, wären vor Allem zwei Arten der Versicherung zu empfehlen, nämlich die sogenannte Pensions­versicherung und die Jnvaliditätsverstcherung, welche letztere sowohl bei Krankheit wie bei Unfall in Kraft tritt.

Die einzuzahlenden Prämien sind klein für eine Pension von 100 Mk. jährlich sind 31,80 Mk. einzuzahlen, wenn man mit