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47. Jahrgang. No. 278.
Wiesbadener Tagdlatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27.
Seite 2. 17. Juni 1899.
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In München starb Professor Konrad d. Knoll, der Schöpfer des dortigen Fischbrunnens und der Kaiser Wilhelm-Statue m der Walhalla.
Anläßlich des Herz-Jefu-Festes wurde in der Madeleinekirche in Paris in Gegenwart zahlreicher distinguirter Zuhörer die vom Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen komponirte
), ob die Geschädigten können.)
* Krstenerung der Mnarrnhnufer in Sayern. Die bayrische Kammer der ReichSräth« hat den § 22 dcL neuen Gewerbesteuer-Gesetzes mit allen gegen zwei Stimmen in der folgenden Fassung angenommen: Gewerbliche Unternehmungen, die zur
* Rundschau im Reiche. Die Stadtverordneten-Versammlung in Magdeburg hat 50,000 Mk. für die Förderung der Heilstätten-Bewegung bewilligt.
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Ans Kladt und Zand.
Wiesbaden, 17. Juni.
unter das verwundete Thier zu liegen. Die Zuschauer erheben ein wüthendes Geschrei; am lautesten schreien die eleganten Damen und überschütten den gestürzten Mann mit Schimpfworten. Dieser jedoch Hai sich blitzschnell wieder unter dem Pferde hervorgemacht und dasselbe emporgerissen, doch im nächsten Augenblick stürzt es tobt zusammen. Jetzt springen von allen Seiten die Capoteros herbei, wie zuckende Blitze die buntfarbigen Capas schwingend, um den Stier von dem Picador abzulocken,dersonstverloren wäre. Wüthend stürzt das Thier, durch das tobende Bravo der Menge noch rasender gemacht, auf den Schwarm der Capoteros los, die nach allen Seiten blitzschnell wieder auscinandcrstieben und durch einen Sprung über die Barriere sich retten. Da hebt sich der Stier auf die Barriere. Mir erstarrte das Blut in den Adern — ein schwerfälliger Sprung — und er war hinüber. Ein Schrei des Entsetzens folgt der lautlosen Stille. Der Stier dringt in den schmalen Gang zwischen der Arena und der vor der ersten Zuschauerreihe befindlichen Gegenbarriere. Blitzschnell sind jedoch die Capoteros wieder in die Arena hinübergesprungen, und das wuihschnabcnde Thiere rennt in der engen Gasse vorwärts. Seinem nn- gelenken Körper fehlt der Raum zum Anlauf, nm die zweite Wand der Zuschauer zu überspringen. Freilich soll dies auch schon vorgekommen sein, mid in diesem Falle büßen die betreffenden Zuschauer ihre grausame Lust mit dem Leben. An eins der geöffneten Thore gelangt, stürzt der Stier wieder in die Arena. Er theilt seine Wuth zwischen dem tobten Pferde und den Toreros. Doch das Volk ruft nach Abwechselung.
Die Picadores entfernen fich, und es erscheinen vier Bauderilleros. Sie tragen als Waffe zwei banderillas, das lind kleine, etwa 60 cm lange, mit bunten Bändern und
Landgrafen Alexander Friedrich von He
Messe des Papstes Leo XIII. anfgeführt. Das _____ .... _______
mächtigen Eindruck hervor. Die maßgebendsten Kritiker, darunter der bekannte Musikschriftsteller und Tondichter Alfred Bruneau, sprachen sich über die Komposition in der anerkennendsten Weise aus. Es ist sehr erfreulich, daß auch einmal eine fürstliche Persönlichkeit sich zur echten Kiinstlerschaft entwickelte, während in jenen Kreisen oft ein bedenklicher Dilettantismus grafsirt, vor dem dann natürlich Alles bewundernd auf dem Bauche liegt.
steuer-Gesctzes mit allen gegen zwei Stimmen in der folgenden Fassung angenommen: Gewerbliche Unternehmungen, die zur gewmnbringendeu Verwerthung größerer Betriebsmittel ihrem Geschäftsbetriebe eine außergewöhnliche Ausdehnung geben und durch die Art ihres Geschäftsverfahrens von den Grundsätzen und Formen, unter denen die im Tarife enthaltenen Gewerbe ansgeübt zu werden pflegen, wesentlich abweichen, sind mit einer nach Dein Geschäftsumfange steigenden Normalanlage zu belegen, die unter Hinzurechnung der Betriebsanlage nicht unter V» vom Hundert und nicht über 3 vom Hundert des Geschäftsumsatzes betragen soll. Zu den gewerblichen Unternehmungen dieser Art zählen Waarenhäuser, Grotzbazare, Abzahlung?-, Ver- stcigcrungs- und Versandtgeschäfte mit Waaren verschiedener Gattungen, sowie Filialgeschäste. Als Geschäftsumsatz gilt die Gesammt-Brutto-Einnahme des Hauptgeschäfts und der etwaigen Filialen. Diese Fassung wird zweifellos die Zustimmung der Münchener Negierung finden; sie ist somit die Richtschnur, wonach die Besteuerung der Waarenhäuser in Bayem geregelt werden soll.
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* Ueifchiedene Mitthrilnngen. „Aus heiterem Himmel", Schwank in 3 Aufzügen von Moritz Schlesinger, hatte nach uns vorliegendem Zeituugsberücht im Kreuzuarher Kurtheater einen sehr starken Lacherfolg. Der anwesende Ai nach jedem Akt wiederholt gerufen.
Sigrid Arnoloson debutirte gestern in ihrer Glanzrolle „Mignon" im Königl. Opernhaus zu Berlin vor ausverkaufte« Hause mit großartigem Erfolg.
Bei dem Gesangs-Wettstreit um den Kaiserlichen „Wanderpreis' hat sich für die Stadt Cassel ein Defizit von 134,000 Mk. ergeben!
— Knrhan«. In dem morgen (Sonntag) Abend 8 Uhr im Kurgarten stattfindenden Vokal- und Instrumental-Konzert wird der hiesige Wännergesang-Vercin „Concordia" in zwei Ablheilmigeu auftreten und Männerchöre von Marschner, L. Seibert, Kremser, I. Strauß, Zerlett, Brahms und den „Zechertiost" von Ocrtling zu Gehör bringen. Herr Oertling hat sich als Komponist deutscher Männerchöre einen weithin geachteten Namen gemacht, besonders während seiner langjährigen und vielseitigen musikalischen Thätig- keit in Krefeld, wo er der Musikschule vorstand und die Krefelder Kapelle sowie einen Gesangverein dirigirte. Ein besonderer Eintrittsgeld wird zu dem Konzerte nicht erhoben, jedoch sind alle Kurhauskarten beim Eintritt vorzuzeigcn.
des wüthenden Thieres ausfängt, um sein Naturell kennen j zu lernen; erst beim dritten Gange bohrt er ihm den s Segen in die Brust.
Der Stoß gelang sehr gut. Die Klinge drang bis aus 3 Heft in den starken Nacken. Der Stier rannte noch einmal , durch die Arena, und das Blut spritzte ihm aus Maul und 1 Nase hervor. Dann spreizte das todeswunde Thier, nut J sich zu halten, die Beine weit auseinander und brach endlich zusammen. Um den Zuschauern den Anblick des Todeskampfs zu ersparen, stürzte nun der Matador (d. h. Schlächter) | mit einem dolchartigen Messer herbei und stieß es dem Schlachtopfer wilder Lust ins Genick. Noch ein leises Todeszucken, und das gequälte Thier hatte ausgelitten. Jetzt j öffnete sich ein Seitenthor, und drei seurige, mit rochen Quasten j geschmückte Maulthiere wurden hereingeführt, dem tobten Stier ein Strick um die Hörner gelegt und der Stier in 1 sausendem Galopp hinausgeschleift. Ihm folgte das tobte j Pferd. Dann kamen Diener mit Harken und Besen, um die Blutlachen zu beseitigen. Das Volk aber harrte mit | wilder Ungeduld auf den zweiten Stier und die neue - Metzelei.
Und der zweite Kampf begann. Wieder wurden de« s Pferden vom Stier die Eingeweide aus dem Leibe gerissen, | wieder dieselben zu erneutem Kampf angetrieben, bis sie H verendend unter dem Reiter zusammenbrachen. So wurde« j drei- bis viermal Manu und Roß in den Sand geworfe« s unter tausendstimmigem Jubelgeschrei der Menge. Aber , von zwanzig Banderillos unaushörlich gespießt, stürzte endlich A der Stier zusammen und empfing den Todesstoß. I
Der dritte Stier war der schlimmste; er machte de« I Banderilleros am meisten zu schaffen. In gewaltig"" 1 Sprunge setzte er über die 10 Fuß hohe Barriere. |
Ausland.
* Niederlande. Nach dem gestern erstatteten Bericht der Marine-Kommission in der Friedenskonferenz hat sich eine Majorität für das Verbot von Rammschrffen und Exp l osiv mi t telu zur Verbreitung betäubender Gase ausgesprochen. Die Fragen der auf bestimmte Zeit festzusetzcnden Begrenzung des Kalibers der Kanonen, der Explosivkraft des zur Verwendung kommenden Pulvers und der Dicke der Panzer bleiben bis zum Eingang definitiver Instruktionen von Seiten der Regierungen offen.
* Frankreich. Poinears versammelte gestern Nachnfittag die von ihm in Aussicht genommenen Ministcrkandidatcn Sarrien, Ribot, Barthou, Monis und Krantz zu einer gemeinsamen Aussprache. Außerdem wohnte Brisson der Besprechung bei, die mehrere Stunden währte. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Die Radikalen konnten die Vorschläge Potncares nicht aeceptrren. Gegen 7 Uhr begab sich Poincarö nach dem Elqsöc, um Loubet mitzutheilen, daß er'auf die Bildung des Ministeriums verzichte. Loubet berief für heute wieder die Präsidenten des Senats und der Kammer. Waldeck- Rousseau, der in Toulouse entern Prozeß beiwohnte, kehrte in der Nacht nach Paris zurück. Auch Delcasss gilt als berufen, das neue Kabinett zu bilden.
* Türsiri. Die täglich sich verschlimmernden Zustände auf dem Balkan rufen in österreichischen Negierungskreisen Besorgniß hervor. Die Regierung beabsichtigt, wie verlautet, sich mit den Großmächten behufs einer gememsMen Aktion bei der Pforte in Verbindung zu setzen, damit die Pforte energische Ordnung schaffe.
* Philippinen. General Otis tclegraphirte aus Manila: Die Aufständischen griffen die Amerikaner bei San Fernando an, wurden aber zurückgeworfen. Aguinaldo kommandirte selbst. Die Verluste der Filipinos sind sehr stark. Die Amerikaner hatten 14 Verwundete.
gs. Uesrdrnz-Theatrr. Ein Rückblick auf die Saison 1898 90 ergiebt folgendes Resultat: Im Lauf der Saison, vom 15. August 1898 bis zum 18. Juni 1899, sind 63 verschiedene Stückt am Residenz-Theater zur Aufführung gelangt, von denen 20 ernsten Inhalts waren, während 43 dem helleren Genre angehörten. Unter diesen befandeit sich 56 mehraktige Werke und 7 Einakter, liebet» Haupt zum ersten Mal aufgeführt wurden 7 Stücke, welche voll hier aus ihren Weg über die Bretter antraten, 25 waren Novitäten für Wiesbaden und 31 waren Neueinstudirungen. Während der Saison fanden Bcuefice statt. Von Gästett traten in Meter Zell 4 Herren und 5 Damen auf. Von Dichtern und Autoren gelangten tt A. zu Gehör: i Hauptmann, Fulda, Bahr, Sudermann, Schmidt-Häßler, Philippi, ' Hirschseld, Hartleben, Trotha, Wolzogen, Rath, Kraatz, Moser, -> Sardou, Lauffs ec. An 37 Sonntag-Nachmittagen wurde gespielt. ■ In Rüdesheim wurde eiu einmaliges Gastspiel absolvirt. Sin be» . merkenswerthen Aufführungen sind die beiden fünfzigsten Dar- i stellungen „Hofgunst" und „Logenbrüder" zu verzeichnen. Interessant -
Drzttsches Reich«
* Hof- und Personal Nachrichten. Prinzessin Heinrich reifte gestern Nachmittag, 3 Uhr, mit ihren Söhnen von Münster am Stein nach Kiel ab. — Zur Besichtigung des 6. Ulanen- Regiments traf gestern das griechische Kronprinzenpaar und die Prinzessin Margarethe von Hessen in Hanau ein. Nach beni Frühstück im Offizters-Kastno des Ulanen-Regiments erfolgte die Rückfahrt der Herrschaften nach Cronberg.
* Kretin, 17. Juni. Der Arbellaeberbund für das Maurer- mid Zimutcrergewerbe von Berlin und Vororten hatte gestern Vormittag eine Versamullung sämmtlicher Arbeitgeber einberufen, um über Den gegenwärtigen Stand der Aussperrungen bczw. des Streikes Bericht zu erstatten. Die Versammlung beschloß einstimmig, auf ihrem Beschluss vom Dienstag zu verharren, nach welchem ein allgemeiner Arbeitsnachweis der Arbeitgeber für das Baugewerbe angebahnt werden soll.
* Koch einmal die Arbeite» Wohnungen in Kabinen. Die „Eibinger Zeitung", bte zuerst die bekannte Aeußerung des Kaisers gebracht hatte und von fottft befreundeten Blättern deswegen angegriffen war, schreibt setzt zu der Angelegenheit: Als konservatives Blatt hatte die „Elvinger Zeitung gar keine Veranlassung, das peinliche Thema breitzutreten und politisch auszubeuten. Sie beschränkte fich in Rücksicht auf die in Betracht kommenden Personen darauf, in einem Leitartikel zu der Aeußerung Sr. Majestät Stellung zu nehmen und ließ dann die deutsche Presse schreiben und Herrn Singer reden, was sie wollten. Selbst als ein Danziger Blatt uns wegen unseres Berichts mit Schmutz bewarf, gingen wir auf Anzapfungen nicht ein, hielten es aber vor einigen Tagen doch für nothwendig, der „Deutschen Tageszeitung", die uns „Flunkerei" vorgeworsen hatte, eine Erklärung zugehen zu lassen, tu der wir unseren Kaiserbericht im vollen Umfange aufrecht erhielten. Da jedoch der „Deutsclsen Tageszeitung" unsere Ausführungen nicht in den Kram paßten, so tbeilte sie uns mit, baß — unsere Zuschrift nicht den Anforderungen des Preßgesetzes entspreche und deshalb imfere Rechtfertigung
* Schlecht« Lymphe? Wie die Straßburger „Bürgerzeitung" meldet, hatte eine dieser Tage in Neudorf erfolgte Massenimpsung gesetzlich impfpflichtiger' Kinder zahlreiche Erkrankungen zur Folge. Zwei Tage nach der Impfung entstandeil bei den Kindern unter den Erscheinungen einer Blutvergiftung an Stelle der Jmpfschnirte große ausgebreitete Entzündungsherde, die sich bei vielen Kindern über den ganzen Arm, bei einzelnen bis auf benachbarte Brustpartieen ausdehnten, die Haut und tiefer liegende Weichtheile wurden durch einen brand- artigen Entzündungsprozeß vollständig zerstört. Viele Kinder mußten in ärztliche Behandlung genommen werden und hatten unter dieser Impfung sehr zu leiden. Bei mehreren Kindern entstand die Gefahr einer Ampiitation. Zwei Kinder sollen an der Blutvergiftung gestorben fein. Die Lymphe stammte aus der Kaiserlichen Jmpsanstalt. Ein ähnliches Vorkommniß wird aus Sulz in Olwrelsaß gemeldet. Dort bekamen geimpfte Kinder in Folge schlechten Impfstoffes Löcher in die Arme und auch erhebliche Verletzungen an anderen Körpertheilen. Mehrere Kinder schwebten in Lebensgefahr. (Es fragt sich, eüent. keine Schadenersatzansprüche stellen köi
Bellachrni eine Zaubersoiröe, welche sich eines regen Besuches zu erfreuen hatte. Das den weißen Saal füllende elegante Publikum gab sich ein Stündchen der angenehmen Täuschung hin, in einer verzauberten Welt zu weilen. Mrt Sicherheit und Eleganz ausgeführt» Zauberpiecen wechselten mit staunenerregenden mnemotechnischen Experimenten ab, die von der Dame mit unfehlbarem Gelingen execntirt wurden. Die mit reichem Beifall belohnten Produktionen fanden ihren Abschluß durch das Verschwindenlaffen einer Dame aus einem verschnürten uno verschlossenen Koffer, ein Kunststück, ohl gelang und nicht verfehlte, Sensasion zu erregen. Man Künstlerpaar hier gerne wieder begegnen.
selbst auf die allgemeinen Nahrungsmitte!, wie Würstchen und frische Brödchen; es gebe solche mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Mark und mehr. Da müsse eingeschritten werden und er bitte zurBeruhianng derGeschästswelt um eine authentische Erklärung, daß der Entwurf nicht fallen gelassen werde. — Finanzmmister Mignel gab ein Bild der bisherigen erfolglosen Bemühungen, ein solches Gesetz zu Stande zu bringen. Die Regierung habe die Hoffnung gehabt, einen Entwurf vorzulegen, (le war aber nicht zu erfüllen. Die Ursache liegt lediglich an der Schwierigkeit der Materie. Er bedauerte, daß bte Gemeinden von dem Recht einer Sonderbestenerung der Waarenhäuser fast nirgends Gebrauch gemacht hätten, und daß der ausgestellte Reqierungs- nttwnrf von Handelskammern und sonstigen kaufmännischen und gewerblichen Vereinigungen zumeist abfällig beurtbeilt worden sei. Der Vorredner hält nur die Umsatzsteuer für wirksam. Die Regierung erhielt aber gerade ans den Kreisen der Kleingewerbe- trekbenden dagegen Bittschriften, die nicht unbegrünbet waren. Ein Eingreifen bet' Gesetzgebung fei nothwendig; aber das bayrische Gesetz könne schwerlich zur Richtschnur genommen werden wegen seiner dehnnngsfähigen Bestimmungen. Miquel möchte am licblti die Wirkung dieses bayrischen Gesetzes abwarten, versprach aber doch einen Entwurf für den Anfang der nächsten Session auf der Grundlage der progressiven Gewerbesteuer, von der aber diejenigen Städte befreit sein sollen, die nach ihren eigenen kommunalen und lokalen Bedürfnissen eine Sonberbesteuerung eiuführen. Das Haus beschließt die Besprechung der Interpellation. — Abg. Hausmann hält den Weg, zu dem die Regierung hier gedrängt werde, für sehr schwierig. Wenn der Entwurf eingebracht wird,' werden wir ihn einer genauen Prüfung unterziehen. — Abg. Brockhauseu führt ans: Wir hatten die Erwartung,, daß bte Regierung die Mißstände keimt, und daß sie ernstlich Willens ist. Abhülfe zu schaffen. Wir waren uns auch der Schwierigkeiten wohl bewußt. Da sich die Waarenhäuser über mehrere Bundesstaaten erstrecken, muß die Reichsgesetzgebuna mit beeinflußt werden. Er hält cs für sehr wünschenswcrth, daß sich die Bundesstaaten über ein einheitliches Vorgehen gegen die Waarenhäuser einigten. Wir wollen keine Ausnahmen; wir wollen alle Sinrichtmigen treffen, die den Handel mit verschiedenen Dingen im Sinne der Waarenhäuser treiben, heißen sie nun Wertheim, OfsizierSverem oder Konsumverein. — Abg.Gothei n(Freis. Per.) erklärt, es treffe nicht zu, daß diese Frage'im Lande weite Kreise bewege. Redner sprüht sich gegen euren derartigen Entwurf aus. — Staatsniinister v. Miquel führt ans, daß mit allgemeinen generellen Aenderungen die vorliegende Frage niemals gelöst werden würde. Die Vorlage über die Steuerung der Waarenhäuser könne nur auf lokalem und kommunalem Boden gefchaffen werden, nicht im Rahmen eines allgemeinen Landesgesetzes, soweit eine Abhüffe überhaupt möglich fei. — Aba. Fuchs (Centr.) erklärt, daß die kleinen Gewerbetreibenden den dringenden Wunsch haben, daß etwas zu ihrem Schutz geschehe. — Abg. Roe reu (Centr.) legt das Hauptgewicht darauf, daß dem kleinen Gewerbetreibenden Schutz gegen die Schädigtmgen gewährt werde, die von den Großbetrieben ausgehen. Wtr wollen nicht jeden Umsatz besteuern, sondern nur, wenn er eine schwindelnde Höhe erreicht; dann muß die Steuer so hoch fein, daß der Geschäftsinhaber es fleh überlegt, ob ein höherer Umsatz noch lobnenb fein tonn. — Nach weiterer Berathung wird die Debatte geschlossen und die Interpellation für erledigt erklärt. — Der Gesetzentwurf, betreffend Anstellung und Versorgung der Koinnmnalbeamten, wird auf Antrag des Abg. Heydebrand in zweiter Lesung einstimmig «i bloc angenommen. — Nächste Sitzung Montag, 11 Uhr: Kleinere Vorlagert, Petitionen.
nicht abgedruckt werden könne I Zn unserem Bedauern find wir daher genöthigt, in unseren eigenen Spalten nochmals auf die Sache einzttgehen. Mr betonen, daß wir btt Aeußerungen Sr. Majestät mit stenographischer Genauigkeit wieber- gegeben haben, baß wir unseren Bericht in vollem Umfang aufrecht erhalten unb uns von keiner Seite etwas davon abhandelit lassen. Unser Gewährsmann ist noch sicherer informirt, als der der „Krettzzeittmg" und ganz unanfechtbar. Von „Jrrthümern", „ganz unangebrachten polittschen Erörtertmgen", „ans eine größere Entfernung etwas gehört haben" kann gar keine Rede sein. Deutlicher zu werden, haben wir keine Veranlassung. Die Sache ist für uns erledigt.
* Dur roburggothaischen Thronfolge. Im gemeinschaftlichen Landtag der Herzogthiimer Coburg und Gotha erklärte in Vertretung des abwesenden Ministers v. Strenge Staatsrath Schmidt, daß sich Minister v. Strenge auf Befehl des Herzogs nach England begeben wird, um mit den Bethciligten die Behebung der in der Thronfolge hervorgetretenen Schwierigkeiten zu betreiben. Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge sei es nicht möglich, Aufklärung über die Angelegenheit in öffentlicher Sitzung zu geben.
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* Königliche Schauspiele. (SpielplanZ Sonntag, bett 18. Juni: „Der Eisenzahn". Anfang 7 Uhr. Montag, den 19., dritte Gaftdarslellung des K. K. SammcrfängerS Herrn Fritz Schrödtcr aus Wien: „Cavalleria rusticana“. „Der Bajazzo. Turriddu, Sanio: Herr Fritz Schrödter. Anfang 7 Uhr. Dienstag, den 20.: „Die Fledermaus". Anfang 7 Uhr. Mittwoch, den 21.: „Die versunkene Glocke". Anfang 7 Uhr. Donnerstag,den 22.:.Carmen". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 23.: „Violetta" („La Traviata“). Anfang 7 Uhr. Samstag, den 24.: „Im weißen Rößl". Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 25.: Undine". Anfang 61/» Uhr. Montag, den 26.: „Der Barbier von Sevilla". Anfang 7 Uhr.
* Aastauifcher Kunstucrein. Neu ausgestellte Bilder. Von Hans Thoma m Frankfurt a. M. ein Bild: „Mädchen, Hühner fütternd". Von Chr. Mali in München ein Bild: „Am Achensee in Tyrol". Von Slimuft Müller in München ein Bild: .Große gamilie". Von G. Sinibaldi in München ein Bild: „Einsamer tranb auf Capri". Von M. Müller in München ein Bild: „Aufgescheuchte Rehe". Von M. Pitzner in München ein Bild: „Rothenburg a. d. Tauber". Von W. Velten in München ein Bild: „Getreide-Ernte". Von Karl Stuhlmüller in München ein Bild: „Vor dem Wirthshans". Von Professor K. Raupp in München zwei Bilder: „Am Chiemsee" (Tag) und „Am Chiemsee" (Nacht). Von I. v. Jaroszinsky in München ein Bild: „Schlittenfahrt Mir Jagd". F. v. Willemoes-Sulm-Berlin: 1. Portrait des Herrn Kurt Kraatz. 2. Portrait des Herrn Freiherr Zedlitz-Neufirch.
Papierschnitzeln umwickelte Stäbe, an deren Ende sich ein Widerhaken befindet. Die BanderillcroS dürfen, wie die Picadores, den Stier nicht angreifen. Wenn derselbe nicht freiwillig den Angriff macht, so wird er durch die Capoteros dazu getrieben. Festen Fußes erwarten die Banderilleros sein Anstürmen, und sowie er den Kopf vor ihnen senkt, um sie auf seine Hörner zu spießen, stechen sie ihm beiderseits die Banderillas in den Nacken, gleiten mit einer gewandten Wendung aus seiner gefährlichen Nähe, wobei ihnen oft fern anderer Ausweg bleibt, als ein kühner Sprung über den Stier selbst. So wird das wuthschnaubende Thier nach und nach mit zehn und noch mehr Banderillas im Nacken gespickt. Es schüttelt furchtbar schnaubend den Kopf und sucht die Pfeile an der Barriere abzureiben. Aber die Bänder der durch die Widerhaken festsitzenden Stäbe umflattern es, und durch das Reiben wird der Schmerz des Thieres nur vermehrt. Sein Nacken ist mit Blut überströmt, und der Jubel beS Volkes steigt mit seiner Wuth und seiner Noth.
Da ertönt der Nuf: „Espada! espadal“ Man will das Ende und einen neuen ©Her, ein neues Kampfspiel. Die Banderilleros entfernen sich, und der Espada mit einem langen Degen (espada) tritt in die Arena. In der Linken trägt er die Mulva, ein blutrothes Tuch, das an der Seite durch einen Stab offen und flatternd erhalten wird. Während der Stier durch die Capoteros beschäftigt wird, tritt der Espada vor den Gobernador und hält eine prahlerische Anrede, die mit einem Hoch auf den König endet. Dann wirft er seinen Hut hoch in die Luft und wendet sich zu dem Stier. Die Capoteros treiben ihm diesen zu, wenn er den Espada nicht selbst angreist. Es gilt als Regel, daß der Espada mit vorgehaltener Mulva zwei bis drei Stöße
