«7. Jahrgang.
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Uo. 878, Fernsprecher No. 52.
Samstag, den 17. Juni.
Abend-Ausgabe
Städtische Industrie und ländliche Arbeiter
che Fabrikinspektion hat wiederholt darauf hingewicsen, y Verlegung der Industrie aufs Land nicht nur
Deutscher Reichstag
(Nachdruck verboten.)
Gin Ktierlrampf in Madrid.
Reise-Erinnerung von Dr. Julius Pasig.
Zu den beliebtesten Volksbelustigungen, die auf jeden echten Spanier einen unbeschreiblichen Zauber ausüben, gehören die Stierkämpfe, die freilich für unsere Gefühle etwas Rohes, Wildes an sich haben und vom allgemein menschlichen Standpunkt aus entschieden zu verurtheilen find; sie sind eine Thierquälerei en gros. Es war an einem Sonntag-Nachmittag des Monats Juli, als gegen 4 Uhr eine ungeheuere Menschenmenge der plaza de toros zuströmte. Die elegantesten Equipagen, mit den edelsten Pferden bespannt, flogen pfeilschnell über die prachtvollen Boulevards. In den Wagen saßen Herren und Damen im höchsten Putz und in fröhlichem Geplauder. Es galt, einem Stiergefecht beizuwohnen. Auch mein Reisegefährte und ich hatten uns rechtzeitig mit Eintrittskarten versehen und ließen uns nun von dem Menschenstrom mit fortreißen.
Die „Arena" war aus Brettern und Balken fest, aber roh zusammengefügt und lag, in eine Staubwolke gehüllt, vor uns. Sie konnte etwa 30,000 Menschen fassen und war trotzdem gegen 5 Uhr buchstäblich überfüllt. Wir hatten einen günstigen Platz gefunden, dicht hinter dem Herold. Zu unseren Füßen befand sich der Zwinger des gewaltigen Stieres, der den heutigen Kampf eröffnen sollte. Das Innere des ungeheueren Amphitheaters bot einen großartigen Anblick dar. Die kolossale, festlich gekleidete, brausende Menschenmenge, die Tausende von Fächern in ruhelos wedelnder Bewegung, die bunten Farben der reichen Gewänder, das prunkende Geschmeide der vornehmen Damen
gaben ein Bild von seltener Farbenpracht, des Pinsels eines Malers würdig.
Der gobernador (Statthalter) von Madrid führte den Vorsitz bei dem blutigen Schauspiel. Zitternd vor Aufregung und ungeduldiger Erwartung harrte das Volk dem Zeichen zur Eröffnung des Kampfspicls entgegen. Endlich wurde es gegeben. In der ungeheueren Arena von der barrera, die gerade hoch genug war, um von den Stierkämpfern in rettendem Sprung noch überflogen zu werden, öffnete sich ein Seitenthor und herein trat in feierlichem Zug die cnadrilla (Kämpfergesellschafl), voran drei alquaciles in altspanischer schwarzer Tracht. Einer derselben erhielt vom Gobernador den Schlüssel zum ciqnero (Stierzwinger) und verbeugte sich dankend. Alle nicht am ersten Kampf Betheiligten verließen hierauf die Arena, bloß die berittenen picadores und acht capoteros blieben zurück. Die ersteren trugen jeder eine feste Lanze, pica, die an ihrem stumpfen Ende eine Eisenspitze hatte. Die. Capoteros waren ohne Waffen und trugen nur einen großen, buntseidenen Mantel, capa, der zum Abwehren und Anlocken des Stiers dient. Alle erschienen in malerischer bunter Tracht aus Sammet und Seide, mit Goldtressen bedeckt. Die Picadores nahmen ihren Platz dem Gobernador gegenüber ein, links von dem Thor, durch welches der Stier hcreinkommen sollte, in einem Abstand von acht bis zehn Schritt voneinander und etwa zwei Schritt von der Barriöre entfernt. Das rechte Bein dieser Männer ist gepanzert, und das rechte Auge des Pferdes durch ein Tuch geblendet; die armen Thiere dürfen den furchtbaren Feind nicht sehen, der ihnen im nächsten Augenblick sein spitzes Horn in die Eingeweide bohren kann. — Todtenstille herrschte über der zahllosen Menge und
Daß man in Baden den Satz: „Die Industrie muß aufs Land" in die Praxis zu übersetze» bemüht ist, ergeben die mannigfachen Bestrebungen von Gemeinden, Jndustriccn anzulocken, indem man durch Steuererleichterungen, Ueberlassnng von Bauplätzen für Fabriken zu billigem Preis oder umsonst, oder wie neuerdings Bräunlingen im Amt Donaueschingen durch zinsfreie Darlehen auf eine Reihe von Jahren hinausJndustrielle heranzog, neue Fabriken in Landorten zu errichten. .......
Die badische Fabrikinst
Mark über 300 Familien Wohnung bekommen und die Miethc kann so niedrig sein, daß die Führkosten, mit derselben addirt, noch nicht die Höhe städtischer Miethpreise erreichen. Welche wirth- schaftlichen Vorthcile dabei eine kleine Landwirthschaft, etwas Viehhaltung und Gartenbau bringt, braucht ebensowenig betont zu werden, wie die sittlichen und hygieinischen Vorzüge derartiger Laudwohnungcn für Arbeiter.
Es unterliegt daher wohl kaum einem Zweifel, daß die «tadt Mannheim in Kürze die für das Bahnnctz nachgcsuchtc landesherrliche Konzession bekommen wird, und daß dann sofort mit dem Bau der elektrischen Bahnen begonnen werden dürfte.
An die Großindustriellen oder an Genossenschaften und gemeinnützige Gesellschaften wird es deshalb sehr schnell herantretcn, sich auch in den für Arbeiteransiedelung besonders geeigneten Dörfern die Baugründe zu beschaffen, um bald mit der Herstellung von Arbeiterwohnungcn beginnen zu können. Freilich möchte gleichzeitig Vorsorge getroffen werden dafür, daß die private Boden- und Bau- spcknlation nicht der social gesunden Bauunternchmung zuvorkommt. Dies wird bei dem heutigen Stand der Enteignungsgesetzgebung seine Schwierigkeiten haben.
Was sich hier in und um Mannheim vollzieht, wird hoffentlich auch vorbildlich wirken für andere Städte, die mit der Wohnungsno th kämpfen.
• Der vom Land heranzuzieheude Arbeiter bleibt gern auf dem Land, wenn ihm gute Wohnung geboten und die Erreichung der Arbeitsstätte sehr leicht gemacht wird. Der erst einmal in die Stadt gezogene Arbeiter geht schwer wieder hinaus, wenn er auch in Keller- oder Dach-Wohnung oder durch Verengung des Raumes für seine Familie durch das böse Schlafgängerwesen gesundheitlich und sittlich Schaden leidet oder gar verkommt. Man beuge also vor, die Wege sind gewiesen. ____________________________
O Krrliu, 16. Juni.
Das Haus ist sehr schwach besetzt. Am Bundesrathstisch v. Bulow und Graf Posadowsky. Tagesordnung: erste und eventuell zweite Berathung des Handels-Provisoriums mit England, czn der Generaldebatte beklagt Abg. Gras Ka ni tz (kons.) die Schwierigkeiten, welche aus dem stets wachsenden Bestreben der englischen Koloniecn auf wirthschaftliche und politische Selbständigkeit dem deutschen Handel erivachsen. England sei beim besten Willen nicht mehr in der Lage, einen Einfluß auf die Zollpolitik feiner Kolonieen auszuüben. Deutschland müsse daher ebenfalls seine Handelspolitik dahin einnchten, daß es die englischen Kolomeen als selbständig behandelt und mit ihnen selbständige Vertrage schließt. Die von der Regierung erbetene Vollmacht „bis auf Weiteres" würde vielleicht nicht bedenklich sein, wenn man nicht die Erfahrung kenne, welche mit einer gleichartigen im vorigen Jahre crtheilten Vollmacht in Belgien gemacht wurde. Er empfehle Annahme der Vorlage mit der Aenderung, daß die Worte „bis auf Weiteres" ersetzt werden durch Einschaltung eines bestimmten Termins und zwar des 1. Juli 1900. — Abg. Meinhardt (nat.-lib.) häft es für erforderlich, daß dem Bundesrathe die erbetene Ermächtigung nicht ertheilt werde bis auf Weiteres, sondern nur auf eine kurz bemessene Zeit. — Abg. v.Kardorf f fReichSp.) stimmt dem durchaus zu. — Abg. Rösicke (Bund der Landw.) plaidirt dafür, daß England mit seinen Kolonieen als einheitliches wirthschaftlichcs Gebiet behandelt werde. Es gehe doch nicht an, baß eine englische Kolonie Deutschland die Meistbegünstigung versage. Deutschland müsse dann ebenfalls England mit seinen gesammten Kolonieen die Meistbegünstigung verweigern. Am allerwenigsten dürfe der Regierung eine zeitliche Ausgleichs-Vollmacht gegeben werden. Der Ursprung der Maare muffe ganz genau kontrollirt werden. In weiten Kreisen des Volkes verstehe man es nicht, welche Zumuthungen Deutschland sich von England gefallen lasfe. Man sei geradezu entrüstet darüber, mit wie wenig Nachdruck Deutschland den englischen Forderungen entgcgentrete. — Staatssekretär Posadowsky erwidert, es komme nur darauf an, welche Kreise man höre. Die Ansichten seien eben ganz verschieden. Die Darstellung des Vorredners über das Verhältniß Englands zu seinen Kolonieen fei eine völlig irrige. Cauada habe seinen eigenen Zolltarif und Gebühren. Solle Deutschland vielleicht seinen Verkehr mit England aushören lassen, I weil eine englische Kolonie Begünstigungen verweigere, nach welcher
wie bei dieser Verlegung der Industrie aufs Land nicht nur Fabrikant und Arbeiter, sondern namentlich auch der Bauer Vorteile erringt, weil er leicht gute Käufer für mancherlei Produkte direkt im Orte findet, wenn auch Industrie da vertreten ist. Eiit- steht nun auch leicht Wohnungsnot!) auf dem Lande, da, wo Industrie sich eingebürgert, so ist dieselbe da doch leichter zu bekämpfen, weil man billigen Baugrund haben kann.
Nicht jeder Gewerbszweig läßt sich nun ebenso auf dem Lande Petreiben wie in der Stadt. Jede Industrie, die mit Maffen- prodllkten, mit schweren Rohmaterialien und schweren fertigen Produkten zu rechnen hat, muß an einem Punkte liegen, der viel- todje, leichte und billige Verkehrsmittel darbietet ober doch an der Quelle der Rohprodukte liegt. Namentlich die Verkehrsmittel der großen Städte sind es, die den Industriellen anziehen.
Liegt nun eine Stadt, die als Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnen schon ein Verkehrscentrum bildet, auch noch an einem großen Fluß oder etwa gar an mehreren Flüssen, so ist es begreiflich, daß solche Stadt von Industrie und Handel besonders als Domizil gewählt wird.
Durch Kanalbauten, Hafen- und Speicheranlagen wird dann der Flußverkehr erst recht lebhaft gestaltet.
Kann es bei der Entwickelung unseres wirthschaftjichen Lebens Wunder nehmen, wenn sich eine Stadt wie Mannheim, für deren Hafen- und Eisenbahn-Anlagen der Staat viele Aufwendungen machte, in ungeahnter Weise entwickelte und in einigen Jahrzehnten von einer kleinen Mittelstadt zu einer Großstadt heranwuchs?
Diese rasche Entwickelung hat aber selbstverständlich mancherlei Schattenseiten — wie z. B. die Wohnungsnoth — im Gefolge gehabt, und es lag der Verwaltung ob, diesen Uebelständen ent- gegenzlltreten. ,
Die Stadt Mannheim ist in den letzten Jahren in steter Beobachtung bei allen Socialpolitikern. Bald ist es eine hygieinische Frage, dann die Fürsorge für Arbeitslose, einmal die Fürsorge für Arbeiterwohnungen, oder eine Schulfrage, die in Mannheim zur Debatte und Erledigung steht und in weiten Kreisen Aufmerksamkeit erregt. Die Stadterweiterung und die Eingemeindung größerer Vororte hat der Verwaltung große und interessante Aufgaben gestellt, und es ist infolge der Erwerbung eines großartigen Gebietes für Industrie-Anlagen nahe beim Hafen, das schon bald ganz vergeben ist, die Aufgabe noch weiter gewachsen. Es muß rasch für die Zukunft gesorgt werden.
Die neuen Fabriken werden noch einer sehr großen Arbeiterzahl bedürfen, die aus der Stadt nicht herbeigezogen werden kann; es werden selbst die schon etwas entfernteren Vororte kaum die Arbeiter stellen können, und ein weiterer Zuzug aus etwas entfernten Orten wird sich als Nothwendigkeit ergeben.
Woher sollen Wohnungen für diesen Zuzug kommen und wie stellt sich die Beschaffung von Schulen für die so rasch vermehrte Kinderzahl?
Eine ganze Reihe von Unterfragen gesellt sich dazu und sie sollen beantwortet werden damit, daß man zeitig Vorkehrung trifft, die Arbeiter in Nachbardörfern anzufiedeln, dort angemessen für sie baut und ihnen den Verkehr mit den Arbeitsstätten recht leicht und 'billig gestaltet.
Der geniale Oberbürgermeister Beck hat dazu einen Plan entworfen, in dem er beabsichtigt, ein Netz von elektrischen Vorortbahnen Herstellen zu lassen, das den auf dem Dorfe wohnenden Arbeiter seine Arbeitsstätte schnell und wohlfeil erreichen läßt und ihn Abends in fein gesundes und billiges Heim zurückführt. Bei den Bodenpreisen auf den Dörfern können leicht für je eine Million
Fernsprecher No 52.
1899.
Deutschland nur für 17 Millionen Waaren sende und nur für 4 Millionen von dort Waaren nach Deutschland kommen. Daß würde wohl kaum Beifall beim deutschen Volke finden. RcdnÄ führt weiter ansf es werde zunächst wieder gegenüber Canada voy dem autonomen Tarif Gebrauch gemacht werden. Sollten aube« englische Kolonieen dem Beispiele Canadas folgen, so werbe Deutschs land auch gegen sie von der Vollmacht Gebrauch machen nnp den autonomen Tarif anwenden. Er, Redner, hoffe bestimmt, daß der in Ausarbeitung bestiidliche Gesetzentwurf des neuen autonomen Tarifs ohne Zollsätze im nächste« Herbst dem wirthschaftlichen Ausschuß vorgelegt werd«! rönne. Weiter berührt Redner die Frage der indischen Zuckerzolle und bemerkt, ob in der Erhebung von Ausgleichszöllen gegenubex einem Land mit Ausfuhr-Prämien eine Verletzung der Meistbegünstigung liege, das fei doch zum Mindesten sehr fraglich. Werde Indien weiter die Meistbegünstigung gewährt, so solle damit diese Frage nicht festgelegt werden. Die deutsche Regierung werde England die Meistbegünstigung nur so lange einräumen, als durch dw englische Zoll-Politik durch Zuschläge auf unsere Provenienz« Deutschland kein Schaden geschehe. Ob die Vollmacht nur auf et« Jahr gegeben werde oder bis auf Weiteres, sei für die Reichs« Regierung unerheblich. Letztere werde jedenfalls nur so lange von bat Vollmacht Gebrauch machen, als sie überzeugt fei, baß Deutschland nicht durch Differentirungen in irgend einem Theile des englischen Handelsgebiets wirklich wesentlich geschädigt werde. — Abg. Paafche (nat.-lib.) vermißt eine Auskunft darüber, weshalb em Vertrag mit England noch nicht habe abgeschlossen werden könne«. Angesichts der Erklärung des Staatssekretärs, daß die Regierung von der Vollmacht nur da Gebrauch machen wolle, wo matt Deutschland nicht bifferentire, könne man unbedenklich der Vorlage zustiinnien. Redner geht hierauf auf die Zucker-Politik der englischen Kolonieen und Amerikas ein, welche den deutschen Zuck« treffe und plaidirt weiter für Ursprungszeugnisse und Werthzölle.— Abg. Hahn (Bund der Landw.) entnimmt der Debatte einen gewissen Ton des Mißbehagens über unsere Zollpolitik. Unser« Handelspolitik müsse endlich ihren professoralen Charakter verlaffe« und praktischere Wege einschlagen. Daß uns die englischen Kolomeen so schlecht behandeln, habe feine Ursache nur darin, daß wir uns von den Vereinigten Staaten Alles haben gefallen lassen. Gegen Canada müffe unbedingt schärfer vorgegangen werden. — Abg. Brömel Greif. Ver.) entnimmt der Debatte, daß die Redner des Bundes der Landwirthe heute selbst auf der rechten Seite nicht den erhofften Widerhall gefunden haben. Alsdann bemerkt Redner, die Erfahrungen, die Canada gemacht habe, seien dazu durchaus nicht anqethan, andere englische Kolonieen zur Nachfolge zu reizen. Der Vorschlag die verlangte Vollmacht nicht mir bis auf Weiteres zu gewähren, sondern nur auf begrenzt« Zeit, halte auch er für richtig. Dagegen halte er den andere« Vorschlag, betreffend die Ursprungs-Zeugnisse für verkehrt.. Man möge stets im Auge behalten, daß hohe Zollsätze im Verein nm Umständen eine zweischneidige Waffe seien und man möge daran denken, daß Friede ernährt, Unfriede verzehrt. — Abg. Müller (nat.-lib.) plaidirt für einen Doppeltarif, Minimal- und Maximaltarif. El« solcher Tarif werde beim Abschluß der neuen Handelsverträge sehr dienlich fein. Hiermit schließt die erste Lesung der Vorlage. Die zweite Lesung wird für heute abgesetzt, die Verträge mit Uruguay und Brasilien werden in erster und zweiter Lesung genehmigt, ebenso die Vorlage, betreffend die Rechtsverhältniffe der deutschen Schutzgebiete. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Zweite Lesung des Hanbels-Provisoriuins mit England, dritte Lesung der soeben in zweiter Lesnng erledigten Vorlagen und Wahlprüfungen. Schluß 4-/« Uhr. ___
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhan s.
Berlin, 16. Jnni.
Im Abgeordnetenhaus staiid heute die Interpellation Roer«« tCentr.) auf der Tagesordnung, betreffend Vorlegung eines Gesetzentwurfs zur Besteuerling der Waareuhäuser. Abg. R o er en begründet kurz feine Jnferpellation. Eine Abhülfe muffe geschaffen werden; die Waarenhaus-Beweguug nehme allmählich einen wüste« Umfang an, nicht bloß, daß sich die Betriebe stark vermehrten, sondern sie überzogen auch das ganze Land nut einem Filialen netz und beschränkten sich nicht auf Luxusartikel, sondern erstreckten sich drückte die aufs Höchste gespannte Erwartung aus. Unterdessen hatte ein Banderillero auf dem Widerrist des SliereS eine bunte, mit einem Widerhaken versehene BandschleifK eingehakt. Das Thier brüllte dumpf auf bei dieser Verletzung. Jetzt wurde das Zeichen gegeben und das Thor des Zwingers geöffnet. Mit Hocherhobenem Schweif und gesenktem Kopfe stürzte der Stier wüthend in die Arena, zwecklos durch dieselbe dahinbrausend. Es war ein prächtiges Thier mit gewaltigen, spitzen Hörnern und muskulösem Körperbau. Plötzlich erblickte er einen Capotero und stürzte auf ihn los. Schon senkte das Thier den Kopf zu tödt- lichem Stoß; aber in diesem Augenblick sprang der Mann zur Seite, als gelte es einen Scherz, und der Stier rannte auf einen anderen los. Dieser entfaltete blitzschmll vor den Augen des Thieres seinen bunten, seidenen Mantel und lockte so dasselbe gegen einen Picador. Dieser hatte die lange feste Pica mit nur etwa 5 cm langer Eisenspitze unter seinen Arm geklemmt und wartete auf das Anstürmen des Stieres. Di^flatternde Bandschleife und die Hörner bezeichneten die Grenzen, zwischen denen der Picador nur das wüthende Thier treffen durfte) Der Stoß saß richtig. Der Stier aber, den Schmerz nicht achtend, drängte nach dem Bauch des Pferdes. Das stumpfe Ende der Pica verhinderte ein tieferes Eindringen. Der Picador hatte sie so fest gepackt und saß wie eingeschraubt fest im Sattel, daß das Pferd wohl zehn Schritt rückwärts, gedrängt wurd. Da ließ der Stier ab von ihm und stürztß sich auf den zweiten Picador. Deffen Lanze gleitet a1£ der Stier bohrt sein rechtes Horn tief in den Leib dH Pferdes und hebt es sammt dem Reiter empor. Di« ®in» aeweide dringen auS der Wunde und der Picador komHt
