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Mesba-ener Tsgblck

«. Jahrgang

Verlag: Langgasse 27.

Unzelgen-PreiSt

Alronnruten

Uo. 273

Donnerstag, den 15. Juni

1899

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

den schönen Tag zu begehe hatte sich auch in kurzer Ze das Auge blickte, nur glüdfti

über

Das furchtbare Hagelwetter m Madrid Madrid, 10. Juni.

5t -Ättttrtltttti» lür die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Margen «Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingcrcichter Anzeigen zur

W e- nächsterscheinendrn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

* Ein friedliches Kriegslager hatte sich am verflossenen Sonntag unter den Eichen ausgebreitet; der „Wiesbadener Militär- Verein" feierte sein großes Waldscst, das sich zu einem wahren Volksfest gestaltete. Das Schätzchen am Arm die jungen, mit Weib und Kind die älteren Kameraden, so waren sie Alle hrnauSgezogen, ' 'tönen Tag zu begehen. Eine durchweg heitere Stimmung

’ Zeit aller Gemnther bemächtigt; wohin

vu» «uUt v.-u.c, nu> glückliche und fröhliche Gesichter. Die Musik sowohl wie die Gesangsabthcilung des Vereins suchten je nach Kräften dazu beizutragen, Geist und Gcmuth durch ihre feierlichen Weisen zu beleben. Nicht minder dazu trugen bei die von der rührigen Kommission arrangirten lustigen Spiele für die lieben Kleinen und Großen, insbesondere der ausaezeichuete Kronensaft und die riesigen Schinkenbrodc. Die Nacht senkte sich schon her­nieder, als die frohe Versammlung auseinandergiug.

Kleine Chronik.

Die Vergiftungsaffairc in Göppingen scheint noch weitere Kreise ziehen zu sollen. Unter dem Verdacht der Be» theiligung an den Giftmorden wurde nun auch der Ehemann der Strähle verhaftet und in das Gefängnitz eingeliefert. Wie Der» lautet, soll die Untersuchung sich jetzt auch auf weitere Todesfalls in früheren Jahren erstrecken.

Die Straftammer in Breslau yerurtheilte den Schutzmann v. Haine wegen widerrechtlicher Verhaftung de» Sattle» Weisters Baudert zu vier Monaten Gefängtüß.

Die einspaltige Petitzeile für lecale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Aincigrn 25 Pfg. — Reclamcn die Petitzeilc für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezngs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch dir Post 1 Mk. eo Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

eigniß und trotz der glühenden Hitze des heutigen Tags, liegen meterhohe schlammige EiSmassen im Prado und in andern Straßen. Neber dem Manzanares schwebt wegen der abnormen Kühle des Wassers ein seltsamer, schneeweißer Nebel. (Franks. Ztg.)

Aus Stadl und §and.

Wiesbaden, 15. Juni.

— Grfchichtskalrnder. 15. Juni. 1888: ch Kaiser Friedrich III. 1860: Zusammenkunft der deutschen Fürsten und Napoleon NI. zu Baben. 1849: Stampfe der badischen Aufständischen mit den Reichs­truppen bei Käferthal, Ladenburg und an der Bergstraße am 15. und 16. Juni. 1848: Zeughaussturm in Berlin. 1843: * Edvard Krieg zu Bergen, berühmter norwegischer Tondichter. 1813: * Karl Andresen zu Üetersen, hervorragender Germanist (f 1891). 1645: Schlacht bei Naseby, Niederlage König Karls I. von England. 1607: * Rembrandt HarmenSz Ban Ryn zu Leyden, der größte holländische Maler. 1426: Sieg der Hussiten über Friedrich I. von Meißen zu Biehani bei. Aussia. 1389: Schlacht auf dem Amselfelde. Sieg der Türken über die Serben. 923: Schlacht bei SoiffonS.

— T«rnrrischr». Bei dem am lebten Sonntag statt- aefunbenen Feldbergsest errang der „Mrinnerturnvernn" im Gmrzen 7 Preise, und zwar Herr Adolf Schnädter mit 36'/- Punkten ÜB ö. Preis, Herr Emil Schwab mit 31',,Punften dm 15. Preis,

Vermischtes.

* V»" der bedingten Vernitheilnnü scheint an getviss« Stellen eine äußerst merkwürdige Auffassung zu herrschen. Die Tochter der Ehefrau D. in Rheinbach war vom dortigen Sch äff ey- gericht wegen Forstdiebstahls zu einem Tag Haft verurtheilt worden, doch mit Rücksicht auf die Jugend des Mädchens in der bedingte» Form, daß die Strafe ganz erlaffen werden könne, wenn die Per» urtheilte sich während einer bestimmten Frist gut führe. Nicht» destowenigcr meldete sich unter dem Namen der Verurcheilten bte Mutter zur Abbüßung der Strafe und saß auch einen Tag n» Rheinbacher Gefängnitz. Für diese verfehlte Betätigung der Mutterliebe hatte sich Frau D. wegen Urkundenfälschung nach tz 271 vor der Bonner Strafkammer zu verantworten. Sie gestand ihre strafbare Handlung unumwunden ein, und als der Vorsitzende sie fragte, was sie dazu veranlatzt hätte, da die Strafe voraussichtlich überhaupt nicht zu verbüßen gewesen wäre, erklärte sie, man habe ihr gesagt, wenn die Strafe nicht im Gefängniß abgesessen würde, müsse ihre Tochter sie später in der Hölle verbüßen. Da« Gericht verurtheilte die Frau zu einer Geldstrafe von 3 Mk. (,B. Z")

* Der waschecht gefär bte Leutnant. Unter diesem Titel erzählt das „Neue Wiener Journal" das folgende, wahrscheinlich „gut erfundene" Geschichtchen: Ein junger russischer Leutnant wurde unlängst der Held eines sehr eigentbümlichcn Abenteuers. Der junge Krieger machte seit einiger Zeit der Tochters eines Färber» m Moskau den Hof, doch der Vater, wohl wissend, daß die Liebel« zu nichts Reellem fuhren werde, verbot ihm auf das Energischste sein Haus. Das Verbot wurde jedoch nicht beachtet, und als dem Alten endlich die Geduld riß, beschlotz er, sich von dem Lästige» auf eine sehr originelle Manier zu befreien. Ungeachtet der junge Mann verzweifelten Widerstand leistete, ergriff er ihn und tauchte ihn in einen Behälter mit Farbe. Nachdem er dieses Vev> fahren verschiedene Male wiederholt hatte, ließ er den Uw- glücklichen laufen. Außer sich vor Wnth, stürzte der Leutnant nach Hause und verbrachte Stunde um Stunde damit, die glänzende Farbe von Gesicht und Händen zu entfernen. Aber es war vergebene Mühe, die Farbe blieb haften bis zu de» Wurzeln feines Haares. In dieser seltsamen Versaffung präsentirtr sich nun der Leutnant dem Generalgouverneur von Moskau, der ihn natürlich sehr befremdet anstarrte. Nachdem er den Grund der Verwandlung erfahren hatte, schickte er sofort zu dem Färber und gebot ihm auf das Strengste, dem jungen Manu seine natürliche Gesichtsfarbe wiederherzustellen. Aber stolz erflärte der „Künstler" daß diese Farbe nach einer neuen Erfindung gemischt und .wasch» echt" sei, so bald ginge sie nicht wieder ab. Der Leutnant ist krank vor Wnth, daß er nun so als Aushängeschild für den alten Färbermeister dienen muß, er befindet sich gegenwärtig in chemischer Behandlung, doch dürste es immerhin noch einige Wochen bauer», bis er wieder sein früheres Aussehen zurückerhalt.

* Humoristische». Boshafte Annonce. 10 Mark Be» lohnung Demjenigen, welcher mir angiebt, wann ich den Herrn Büreauchef in seinem Amtslokal sicher treffen kann. E. Muller. — Zeitgemäß. Ches (zum stellesuchenden Reisenden): .Können Sir auch mit der Kundschaft gewandt verkehren?" Reisender: .Bitt^ habe hier einen Phonographen mitgebracht und einige Aufnahmen, wie ich mit den Kunden verkehre!"

♦ Zur Feier des Geburtstages Stolzes machte der „Stolzesche Stenographen-Verein" (Einigungssystem) einen Ausflug, auf welchem humoristische und Zithervorträae zu Gehör gebracht wurden. Der Vorsitzende betonte tn einer Ansprache, daß die Ans­tellung der verschiedelien Kurzschriftsysteme meist Nothprodukte der Erfinder, die fast immer in nicht günstigen beruflichen oder pekuniären Verhältnissen gestanden, seien. Er wünscht die Aufgabe >er Stenographen-Vereine so aufgefaßt, daß durch gute Leistungen und Propaganda Seitens der Mitglieder im edlen Wettbewerb man vom Einigungssystem zu einem deutschen Einheitssystem gelangt.

* Die Gesellschaft „Fid elio" hält ihr diesjähriges Sommer- fest nächsten Sonntag, den 18. Juni, auf dem „Bürstadter Felsen­keller" ab. Zur Unterhaltung für Jung und Alt sind auch diesmal wieder Spiele aller Art in das Programm ausgenommen, auch wird eine Kinderpolonaise aufgeführt, zu welcher die Kleinen mit bunten Fähnchen ausgestattet werden; ferner findet Gratis- verloosung eines Lämmchens statt. Eintritt für Jedermann frei!

Wie Sie bereits telegraphisch erfahren haben, ist gestern unsere Hauptstadt der Schauplatz einer meteorologischen Katastrophe ge- M wesen, tote sie seit Menschengedenken hier nicht erlebt worden ist. Um halb sechs Uhr erschien am nordwestlichen Himmel eine große L tintenschwarze Wolke, aus der in kurzen Zwischenräumen lange £ Blitze zuckten. Der Wind vermehrte plötzlich seine Geschwindigkeit 1 am 3 m in der Sekunde bis zu 17 m, und gab es sogar einige L Windstöße von 24 m Geschwindigkeit. Anfangs fiel bloß em E. keiner Regen, bald aber fing es an, mit ungeahnter Heftigkeit zu ' hageln. Ungefähr zehn Minuten, ehe die Gewitterwolke sich k über Madrid entlud hörte man ein Prasseln und Rollen, als F fiimett unzählige schwere Geschütze auf dem Pflaster herangestürmt. K Zu gleicher Zeit war der nordwestliche Horizont wie mit einem £ glänzenden weißen Nebel verhüllt. Dazu gesellte sich von 8 Zeit zu Zeit ein furchtbarer Donner. Immer näher kam ß das Gebraust und zuletzt gab es ein schreckenerregendes, ohr- betäubendes Geräusch. Faustdicke Hagelkörner fielen mit un­geheuerer Wucht herunter, immer schneller, immer dichter, sodaß man keine 3 m vor sich sehen konnte. Der Hagelschlag dauerte kaum zwölf Minuten, aber seine Wirkungen sind geradezu | unglaublich gewesen. Die Straßen bedeckten sich mit einer Seuentoetfe 30 bis 50 cm hohen Schicht von schmelzendem Eis; illcs war wie im tiefsten Winter, wie weiß verschneit. In einem Nu war alles Laub der Bäume abgehackt und es blieben nur die kahlen, zerschlagenen Beste daran hängen. Hunderttausende von Kscheiben flogen klirrend in Stücke, desgleichen viele Schau- Glasdächer und Laternen der öffentlichen Beleuchtung. Im Senat sind für 10,000 Pesetas Scheiben zerbrochen, im Ministerium des Innern beläuft sich die Zahl der zertrümmerten Scheiben auf 2400 Stück; der sogenannte Glaspalast, loo zur Zeit die Gemälde­ausstellung stattfindet, besitzt nur mehr sein eisernes Gerippe und viele Gemälde wurden trotz der opferfreudigen Bemühungen des E- Personals in bedauernswerther Weise durchlöchert. Im Atelier des . Bildhauers Quero! flog das Glasdach in Splitter, und die fertig« ! gestellte monumentale Gruppe, die das Hauptgesims des neuen Bantcnmtnisteriums krönen sollte und den Künstler drei 'Monat t angestrengter Arbeit gekostet hatte, wurde gänzlich zerschlagen. Man bedenke, daß die Hagelkörner größtenthells die Dicke von Hühnereiern i hatten; einzelne Schlossen waren von unglaublicher Größe und wogen 400 bis 440 Gramm! So ist es denn begreiflich, daß diese Schlossen, D Gewehrkugeln gleich, sogar die Fensterläden durchlöcherten, fast alle ;■ Telegraphen- und Telephondrähte zerschnitten, Schornsteine, Zäune i und Buden umroarfen, Menschen und Thiere arg beschädigten. So etwas hatte man hier noch nie gesehen! Im Senat und im Unter­haus, wo die zertrümmerten Glasdächer über die versammelten ’ Parlamentsmitglieder einstürzten, mußten die Verhandlungen so- - fort eingestellt werden. Im Hauptpostamt war das Wasser massen­haft in die Centralhalle, wo die Sichtung der Briefschaften vor- i genommen wird, eingedrungen, und die Briefschaften schwammen i vielfach in dem so entstandenen trüben See. Jin Telegraphenamt s- war nicht nur das Glasdach zerstört, sondern auch das Ueberzelt ion starkem Segeltuch tausendfach durchlöchert und man mußte fc beinahe zu den Schaltern schwimmen. Im königlichen Palast U wurden alle Fensterscheiben zerbrochen. Die Hunderte von Tauben, - die sich das riesenhafte Gebäude zur Wohnstätte auserkoren hatten, I- und seit Jahren gewöhnlich von der königlichen Familie selbst gc- ' füttert wurden, sind fast alle getödtet worden. Die meisten I' Zeitungen konnten gestern Abend nicht erscheinen, weil in fast U samältlichen Druckereien arge Verwüstungen angerichtet worden i sind. So werden auch saft alle Fabriken aus demselben Grunde 8 tinige Tage still stehen müssen. Der angerichtete Schaden beziffert i sich nach Millionen. Wie es scheint, ist der Hagel bloß auf Madrid gefallen, die umliegende Landschaft ist glücklicher Weise verschont f geblieben. Das Straßenbild, das sich während des Hagel- M falls bot, war wirklich schreckeiierregend. Durch die ungeheure : Masse der gefallenen Hagelkörner wurden die Mündungen der M Abzugskanäle verstopft, und da gleich nach dem Hagel ein fintfluth- artiger Regen niederste!, verwandelten sich die Straßen in reißende e: Strome. Die großartigen Promenaden des Prado, Reealetos und - Castellane hatten das Aussehen eines Stromes. Das Wasser hatte T über einen Meter Höhe und riß mit furchtbarer Gewalt Holzbuden, s Bänke, Bäume, ja verschiedene Droschken mit sich. Die Spazicr- [ ganger flohen entsetzt nach allen Seiten davon. Pferde gingen durch, r Tramwaywagen wurden von der Wasserfluth förmlich gehoben und " konnten nicht mehr vorwärts. Viele Leute mußten auf Bäume k oder sonstige erhöhte Gegenstände klettern, um sich vor dem Ertrinken zu retten. In den Straßen sah man, nachdem das U Gewitter sich verzogen hatte, zahlreiche Blutspuren, von den herab- faufenben Schloffen waren Hunderte von Personen verwundet F worden. Tobte gab es glücklicher Weise nicht, obschon verschiedene Leute, darunter der Kutscher des Generals Bianco, lebensgefährliche I Verletzungen davontrugen. Noch jetzt, 24 Stunden nach dem Er- eignitz und trotz der glühenden Hitze des heutigen Tags, liegen

Klimmen aus dem Publikum.

(Für Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrifl übernimmt die Redattiou [einerlei Verantwortung.)

* Der Unsitte, in den Straßen der Stadt Kohlen abzuladeir, wodurch infolge des entstehenden Staubs arge Be­lästigungen hervorgerufen werden, sollte man nach Möglichkeit steuern. Erhalt gär ein Bäcker einen Waggon Kohlen, so wird leichter Weife die ganze Straße verstaubt. Man sollte denken, was in anderen Städten Ordnung ist, könne auch hier Platz finden. Zum Beispiel in Frankfurt dürfen Kohlen nicht auf der Straße abgeladen werden, wie hier, es erfdKinen vielmehr mit der Kohlen­fuhre Träger mit Körben, welche die Kohlen vom Wagen in Körbe schaufeln und ins Haus tragen, ober aber die Kohlen werden in Säcken abgeliefert. In einer Kurstadt, wo alle möglichen Heil­anstalten vorhanden find, sollte man auch den Belästigungen durch Kohlenstaub und Kohlenrauch entgegentreten.

-ß- Kiedrich, 14. Juni. Bor dem grobherzoglichen Schlosse wurde das Schiff „Taucherschacht Bingerbrück Nr. 3" angefahren und verankert. Taucher werden vom Schiff aus im Nheittbette Bohrungen vornehmen, um das Sprengen der Felsen zu ermög­lichen, die für das Landen der Schiffe eine Gefahr bilden. Die Versuche mittelst Ausbaggern der seichten Stellen haben bewiesen, daß die Aussage der Schiffer die richtige war. Das ganze Rhein­bett ist hier felsig und kann nur durch Sprengen der Hindernisse eine Vcrbesierung des Fahnvaffers erzielt werden.

— Md-oheim, 13. Juni. Durch das freundliche Entgegen­kommen des Herrn Intendanten v. Hülsen werden wir am Sonntag, den 25. b. M., Nachmittags, einem hohen Kunstgenuß entz^rnsehen können. Einige der hervorragenbsten Mitglieder der

Kgl. Oper zu Wiesbaden haben nämlich der an sie gerichtete» Bitte, zu Gunsten des Krankenhauses hier in Riidesheim ein Konzert zu geben, in bereitwilligster Weise entsprochen. Die Kgl. Opernsängerin Fräulein Robinson, Herr Kapellmeister Professor Mannstaedt (Klavier) und der Kgl. Kainmersänger Herr Julius Müller, sowie Herr Adolf Müll er von Frankfurt am Main werden in diesem Konzert mitwirken.

_ * Kochst.a.W., 14.Juni. Ein zahmer Storch ist ständiger Gast in dem Hotel zur schönen Aussicht. Derselbe stammt au» dem benachbarten Sossenheim, wo er vor zwei Jahren au« de« Neste fiel und künstlich ernährt und großgezogen wurde. I» vorigen Jahre ging er in den Besitz des Hoteliers Hartmann z» Höchst über. Er geht in den Gängen, Höfen und im Garte» umher, er stolzirt ungenirt zwischen den Gästen dahin, schreitet besonders gern über die Grenzmauer des Gartens und genießt die schöne Aussicht auf den Main und das jenseitige Gelände. Einmal machte er auch dorthin einen Ausflug, kehrte aber wieder sogleich in fein Heim zurück. Seine besten Freunde sinh die Hunde des Hauses, mit denen er Stunden lang possirlich spielt. Seine Feinde sind die Kinder, welche er im Wirthshaus gar nicht leiben mag; er kehrt gegen sie sofort be» Schnabel. Er verwundet jedoch keines, sondern hält immer kurz vor dem Angriffsobjekt ein. Sein Haß gegen die Kinder rührt daher, daß solche ihn öfters geneckt hatten. Er fraß anfangs nut Fische, welche am Main jederzeit zu haben sind, und verschmäht sogar das Nationalgericht seiner Zunft, nämlich Frösch«. Jetzt frißt er sic gern, nährt sich aber nach tote vor meist von Fische». Bon beit Gästen ihm zuqeworfene Speisereste: Haut Knochen, Käse 2C. nimmt er in seinen Schnabel, läßt sie jedoch un» verzehrt wieder fallen. Manchmal steht er so unbeweglich da, daß der eintretende Gast meint, er fei aus GyPS künstlich her» gestellt. Der Ruf des Besitzers: „Jakob, Jakob" weckt ibn au» seiner starren Ruhe, er schaut neugierig um sich und schreitet mit seinen großen Beinen aus. In der Waschküche und a» der aufhängenden Wäsche macht er sich ebenfalls gern zu Khane», •er zupft an letzterer hin und her und macht sich Zeitvertreib. Wo etwas los ist, erscheint er als sachverständiger Zuschauer. Mit dem Hanse ist er unzertrennlich verbunden; auch im Herbst zog es ihn nicht nach Süden. Kälte können die Störche ziemlich bertragetu wie bekannt, kehren sie oft schon Ende Februar in Schnee in» Eis zurück. Nur der Mangel an Nahrung scheint sie fort$utrcibcu. Da eS unterem Jakob aber nie an Nahrung gebricht, so bleibt er kluger Weise zu Hause. Nur einen Fehler hat der Liebling aff er Gäste an sich: er ist nicht stubenrein. Da« Thier ist schön und groß gewachsen, Bau und Gefieder sind fehlerlos. (Köln. Bolksztg.)

Herr Heinr. Dieterich mit 28'/- Punkten den 21. Preis, Herr Fritz Vesper mit 27'/, Punkten den 23. Preis, Herr Ferd. Schwankert mit 26 Punkten den 26. Preis, Herr Adolf Dengel mit 24'/, Punkten den 29. Preis und Herr Herrn. Mager mit 24 Punkten den 30. Preis. Das Fest war sehr stark besucht und die Resultate sind wohl als die besten seit Bestehen der Feldbergfeste zu verzeichnen, denn sowohl der erste, wie auch der zweite Preis sind dreifach, d. h. von 3 Turnern in Gemeinschaft errungen worden. Sieger des ersten Preises mit der vollen Punktzahl von 40 sind H. Merte-Offenbach, C. Rohmann-Bürgel und Georg Jung-Mainz.

— Krieftanbrnfport. Am 11. Juni c. wurde von dem hiesigen Brieftauben-Berein „Columbia", Mitglied des Verbands deutscher Brieftauben-Liebhaber-Vereine, Allerhöchster Protektor Se. Majestät der Kaiser und König, von Fürth bei Nürnberg ab ein Preisfliegen veranstaltet. Es konkurrirten 6 Mitglieder mit 112 Tauben um 28 Preise. Letztere vertheilten sich rote folgt: H. Ruppert den 1., 2„ 5., 6., 7., 8., 9., 15., 20. und 21., A. Mohr den 19., H. Oesterlina den 22., W. Jekel-Somtenberg den 3., 10., 11. und 26., C. Prinz-Sonnenberg den 12.. 13., 16., 23., 25. und 28., C. Momberger den 4., 14., 17., 18., 24. und 27. Nachdem die Tauben um 4 Uhr 24 Minuten Morgens aufgelassen, traf die erste Taube bereits um 7 Uhr 46 Minuten hier ein und erzielte eine Fluggeschwindigkeit von 1082 Meter in der Minute.

— Gin« Schwindlergeselifckaft hat sich vor einigen Tagen in dem Hause Sedanstraße 6 hierselbsi unter der Firma „Central- Stellenvermittelungs-Jnstitut Concordia" niedergelassen. Durch Anserate in hiesigen Zeitungen lockte dieselbe unter großartigen Stellenangeboten eine Anzahl stellensuchender Leute an, die man durch Versprechungen zur Hergabe von Geld in Beträgen bis zu 30 Mk. bewegte, um bann, nachdem sie die beschäftigungslosen Leute wohl um vielleicht ihr letztes Geld geprellt hatten, spur­los zu verschwinden. Vielleicht wiederholen diese Betrüger in anderen Städten das Manöver, es fei daher hiermit vor ihnen gewarnt. Die Gesellschaft besteht aus zwei Personen im Alter von ca. 25 bis 26 Jahren. Dieselben tragen beide kleinen schwarzen Schnurrbart, dunklen Sackrock und weißen Strohhut, jedoch scheint der größere derselben der Hauptmacher zu sein. Der Polizei, welcher bereits von dieser Schwinvelet von einem Kellner, der um 30 Mk. geschädigt fein soll, Mittheilung gemacht wurde, wird es hoffentlich gelingen, der beiden sauberen Burschen habhaft zu werden.

t. Um ©tträuhe ohne Ei» abznliühlcn, giebt es nach der „Zeitschrift für Krankeiipfiege" ein höchst einfaches Mittel. Man schlägt die betreffende Flasche in ein Tuch ein, das vorher in kaltes Wasser getaucht und gut ausgewrungen ist, dann stellt man die Flasche in ein mit kaltem Wasser halb angefülltes Gefäß, setzt das Ganze auf das Brett eines offenen Fensters und verursacht einige Zett hindurch durch Oeffnen der Thür einen Luftzug. Die sich In bem nassen Tuche entwickelnde Berbunftung erzeugt eine be­deutende Abkühlung, die sich dem Inhalt der Flasche mittheikt.

Neeeino-Aachrichten.

(Kurie sachliche Berichte werden bereitwBigft unter dieser (Überschrift aufgenommen.)