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JLttlCttlCtt -3Lliltrthilte fV, ?’e Abend-Au-gabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen «Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. e c ** nachstcrscheniendm Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

— Für die Aufnahme später eingcreichtcr Anzeigen zur

K-. 269.

Dienstag, den 13. Juni

Fernsprecher No. 52.

1899

Fernsprecher Wo 52.

Kaiser Karl II., der Alexander der Große

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— Personal-Nachrichten. Herr Hans Schwartz hiesigen Residenz-Theater ist ab 1. September an das Miii Schauspielhaus cngagirt. • ' ~ ~ “

Danzig ivirb am 17. d. T

Anzeigen-Preis:

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Ncclamcn die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

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. - — Herr Dupont vom Stadttheater in . d. M. im Hoftheatcr als „ßqoner in der Oper „Martha em Gastspiel auf Engagement beginnen.

— Die Krandkatastrophr eine» Waarrnhaaseo, bei welcher mehrere Menschen nms Leben gekonunen sind, hat dem Minister der öffentlichen Arbeiten Veranlaffung gegeben, die Nachgeordneten Behörden auf bie Nothwenbigkeit hinzilweisen, der­artigen Gebäuden eine ganz besondere Aufnierksamkeit zuzuwenden und bereits bei der baupolizeilichen Genehmigung solcher Bauten alle diejenigen Forderungen zu stellen, welche geeignet find, dal Vorkommen ähnlicher Unfälle, wie in Braunschweig, zu ver­hüten. Dabei soll überall auf die Herstellung einer hinreichenden Anzahl von Ausgängen und von zweckentsprechend anzulegenden unoerbrennlichen, mit massiven Wanden umschlossenen Treppen,

Verlag: Langgasse 27.

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standmß für diese Sache noch nicht aufgegangen zu fein, denn von den 225 Rektoren der Stadt haben im Ganzen 3 eine solche Er- laubmß ertheiltl

Einen desto stärkeren Bestand hat die Reichshauptstadt an „Spielplätzen" ganz anderer und minder erfreulicher Art, wir meinen jene Spielplätze, die in Folge des Zusammenbruchs des e^Iub der Harmlosen" seit einiger Zeit nicht nur die Oeffentlichkeit, sondern auch die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Diese letztere Beschäftigung ist jetzt so weit gediehen, daß der Prozeß gegen die drei Hauptbetheiligtcn, den Regierungsreferendar v. Kayser, den Herrn v. Kröcher und den Kaufmann v.Schachtmeyer m Kurzem statlfinden wird. Der Vierte im Bunde, der bekannte Falschspieler Wolff, hat es vorgezogen, sich bei Zeiten aus dem Staube zu machen, den diese Affaire auswirbelte. Die drei An­geklagten werden nicht nur des gewerbsmäßigen Glücksspiels, sondern auch des Falschspiels beschuldigt, und die Ver­handlungen, für die KriminalkommissarniS v. Manteuffel umfang­reiches Material gesammelt hat, werden über die Kunst des „corriger la fortune und über die Geheimniffe der Berliner Spiel­höllen jedenfalls recht interessante Ausschlüsse bringen. Die eine 2Birfw hat die Spieleraffaire jedenfalls letzt schon gehabt, daß die Poltzei mit größerem Eifer als bisher in jenen geheimen Hinter­

beträgt, hat regelmäßig eine Völkerwanderung zur Folge, deren Umfang daraus ersichtlich ist, daß die Besucheziffer des letzten Sonntags rund 80,000 betrug, sodaß mithin aus iede Bestie die stattliche Anzahl von nahezu 100 Visiten kommen.

Wie stark der Drang des Berliners ist, aus „der Häuser quetschender Enge" zu entfliehen, zeigt auch die seit einiger Zeit immer stärker amvachsende Bewegung nach der Errichtung von Spielplätzen für die Jugend, der in den zumeist recht engen Wohnungen der Reichshauptstadt leider weniger Sauerstoff zur Verfügung gestellt wird, als für die Entwicklung der Lungen Wünschenswerth wäre. Dieser in Berlin recht fühlbare Mangel an Spielplätzen hat zu einer Agitation unter den Häuserbesitzer. Vereinen geführt, deren Resultat darin bestand, daß die städtische Schuldeputation ersucht wurde, die Höfe der städtischen Schulen in den freien Stunden zu Spielplätzen hcrzugeben. Die Schuldeputation verschloß sich auch nicht der Einsicht, wie wünschenswert!) cs sei, diese zahlreichen, in der schulfreien Zeit völlig brach liegenden Plätze zu einem solchen guten Kvcck hcrzugebcn, und sie ermächtigte die Rektoren der Schulen, die Schulhöfe zu diesem Zweck zur Ver- fuguug. zu stellen. Den Herren Rektoren scheint aber das Ver­engen zu fei«, denn von ianzen 3 eine solche Er-

mißbrauche. — In dem zweiten Falle handelt cs sich um den Widerspruch des Polizeipräsidenten gegen ein llrtbeil des Stadt- ausschusses, welches dem Friedrich Horst die Erlaubniß zum BranntweimAuSschank in dessen beschränkter Schankwirthschaft Mörfeldcr Landstraße 139 zuspricht. Der Bezirksausschuß gab dem­selben statt, hob das erste Ürthcil aus und versagte die Konzession, '■ der Verhältnisse daS Bedürsniß nicht anzuerkennen

Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

„ Grschichtskalrnver. 13. Juni. 1886: f Ludwig II., König von Bayern. 1878: Berliner Kongreß vom 13. Ium bis 13. Juli. 1854: Einnahme von Adrianopel durch die Franzosen. 1849: Unterdrückung des Aufstandes in der Pfalz und in Baden durch preuß. Truppen. 1849: f Angelika Catalani zu Paris, eine der berühmtesten Sängerinnen. 1810: f Johann Gottfried Seume zu Teplitz, deutscher Schriftsteller (* zu Poserna bei Weißenfels). 1525: Trauung Luthers mit Katharina v. Bora. 1231: st Antonius von Padua, der Heilige (* 1195). 823: * “ ” ~ '

Kahle, zu Frankfurt (st 877). 323 v. Ehr.: st i zu Babylon.

— Kurhaus. Heute Dienstag findet Beethoven-Abend dcr Kurkapelle statt. — Wie wir schon mittheilten, ist das Programm ft8 am Mittwoch dieser Woche stattfindcnden großen Garten- estes der Kurverwaltung ganz besonders reich ausgestattet, da an diesem Tage-der Ausflug dcr in Frankfurt tagenden deutschen Landwirthe hierhin stattfindet. Mit Rücksicht hierauf ist in das Programm des großen Feuerwerks ein Ackersmann mit Pferd und Pflug aufgeuornrnen, welcher sich über das den großen Weiher über- Wannende Seil bewegen wird. Außerdem verzeichnet das Feuerwerk noch eine ganze Anzahl großer Effektstücke. Die Riesenschlange, welche in raschen Windungen einem Schmetter­ling nachhascht, wird diesmal von zwei feuersprühenden Löwen flaukirt sein. Ganz besondere Beachtung verdient auch der inustkalische_ Theil des Gartenfestprogrammes, ganz besonders durch die Mitwirkung der in Italien sehr renomusirten „Banda njunieipale di Solmona-Introdagua“ (26 Künstler in italienischer Kürassier-Uniform) unter Maöstro Federico Barcone, welche sowohl Nachmittags 4 Uhr als in dem abendlichen Doppclkonzcrt konzcrtiren wird. Eine hauptsächlichste Attraktion wird wieder die Ballon­fahrt des Ai-ronauten Kapitän R. Fcrell und Miß Polly und der Fallschirm-Absturz der letzteren bilden. Bei der eingetretenen Mächtigen Sommerwitteruug durfte das Gartenfest voraussichtlich sowohl von hier als von auswärts sehr besucht werden.

— Flottrnuerriu. In einer am Sonntag dahier statt- zehabten Versammlung wurde eine Geschäftsstelle des Deutschen Flottenvereinr für den Regierungsbezirk Wiesbaden gegründet. Rach Genehmigung der Statuten wurde mitgethcilt, daß in den Ausschuß der Geschäftsstelle (mit Ausschluß von Frankfurt und der »Lzu gehörigen Kreise Homburg, Höchst und Ufingen, für welche eine besondere Stelle geschaffen wurde) vom Comite folgende Herren vorgeschlaacn sind: Gymnasialdirektor Dr. Steuer, Stobt? fcrorbneter Emil Hees, Intendant v. Hülsen, Stadtrath Halle, Kanzleirath Port, Polizeipräsident Prinz v. Ratibor, Sontre-Admiral z. D. Rö tger, Landrath Graf Schlieffen mid Postditektor Tamm. Zu Rechnungsrevisoren werden vor- ^schlageu und gewählt die Herren v. Hagen und Rechtsanwalt vr. Scholz. Der Kaiser wurde telegraphisch von der erfolgten Koustituirung des Ausschusses in Keuntniß gesetzt.

v. Kerirks-Ausschutz. Sitzung vom 12. Juni, unter dem Borfitz des Herrn VerwaltnngsgenchtS-DirektorS Geh. RegierungS- mtbs v. Reichenau. Zunächst gelangen zwei Frankfurter Gewcrbe- ftreitfachen zur Verhandlung, von denen die erste den Antrag des Polizeipräsidenten, der Gastwirthin Elisabeth Decker, Alic Mainzer- Pisse 20, die GastwirthschaftSkonzession zu entziehen, betraf. Der Antrag wird abgcwiesen, da nach dem stattgehabten Beweisverfahren «in ausreichender Beweis dafür vorliege, daß die Beklagte, wie behauptet, die WirthschaftSführuug zur Förderung der Unzucht

selben ft_„, .,--V.V ..... ......... witi unv vv.iny.v v.v »vun||W)l,

da nach Lage der Verhältniffe das Bedürsniß nicht anzuerkennen sei. — Im Uebrigen war die Sitzung für die großen Streitsachen der Gemeinden Kirdorf und Gonzenheim gegen die Wege- polizetbehorden daselbst und mehrere Beigeladene: a) das Groß­herzogliche Ministerium der Finanzen, Abtheilung der Forst- und Cameralverwaltung zu Darmstadt, b) ben Magistrat 8U Homburg v. d. H. und c) den Fabrikbesitzer Fritz Gans zu Frankfurt a. M. wegen Inanspruchnahme mehrerer Wege im Hardtwald für ben öffentlichen Verkehr refervirt. Die Veranlassung zu diesem Prozeß hat eine Verfügung des Lanbraths zu Homburg Som 4. Februar 1898 gegeben, wongch die Bürgermeister von Kirdorf usid Gonzenheim als Wegepolizeibehörbe angehalten werden, zwei bestimmte Waldwege für den öffentlichen Verkehr in Anspruch zu nehmen. Die Bürgermeister haben dieser Verfügung pflichtgemäß entsprochen, bie Gemeindevertretungen aber erheben gegen ihre Verfügung Klage mit dem Antrag, das Verlangen, die fraglichen Wege für öffentliche zu erklären, zuruckzuweisen.1 Es handelt sich um eine von Süden nach Norden ziehende Grenzschneise, die von dem Ganzschcn Stalle bis zum sogen. Schwedenpfad im Kirdorfer Wald hinzieht, und einen Weg, der von der alten Eiche aus in östlicher Richtung nach dem sog. Sulzerloch zieht. Homburg hat ein großes Interesse an bet Offcnhaltung dir Wege, da die letzteren von dort aus, namentlich von Kurfremden, sehr stark als Spazierwege benutzt werden. Der Kreisausschuß hielt bie angefochtenen Verfügungen für gerechtfertigt, erklärt beide Wege für öffentliche und erkannte auf Abweisung der Klagen. Der Bezirksausschuß dagegen erachtet bie Verfügungen für ungerecht­fertigt, setzte dieselben außer Kraft und legte ben Wcgcpoltzei- behörden und der Sadt Homburg (die übrigen Beigeladenen haben sich an dem Prozeß nicht oetheiligt) die Kosten je zur Hälfte auf. Er hält die Wegestreckcn nach ihrer Entstehung und 9iatur nicht für öffentliche, sondern für gewöhnliche Holzabfuhr­wege. Durch Verbesserungen derselben Seitens bc8 Verschönerungs- veteins, der ehemaligen Spielbank unb der Stadtverwaltung von Homburg hätten sie bicsen Charakter nicht verlieren können. Der angezogene Rezeß über die Thetlnng des Hardtwaldes enthalte nichts über die öffentliche Natur dieser Wcgestrccken. Rechte daraus könnten nut vor dem Civilrichter geltend gemacht werden.

m o. feier des 2. Aals. Infanterie-Neaiments Ar. 88. Nachdem ec. Majestät der Kaiser durch Kabinettsorbke vom 24-, xjdnuar ben beiden nassauischen Infanterie-Regimentern außer Helmbandern auch den ursprünglichen Stiftungstag verliehen hat, ist bald darauf von dem Kommandeur des 88. Regiments die Aufforderung an die noch unter nassauischer Hoheit dem Regiment angehörigen alten Soldaten ergangen, ihre Namen nebst Stand und Wohnort auf dem Geschäftszimmer, Münster- straße 4 in Mainz, anzumelden. Diese Aufforderung sei hiermit nochmals in Erinüerung gebracht, da veriyuthet wird, daß sie gerade hier, der ehemaligen Hauptstadt Nassaus und Garnison des 2. Regiments, nicht allen Veteranen bekannt geworben ist. Der Regimentskommandeur, Herr Oberst v. Francois, hat bereits an Diejenigen, welche sich gemeldet haben, eine Ein­ladung zu einer Festfeier auf dem Niederwald ergehen lassen, „uyi eine engere Verbindung zwischen Einst und Jetzt her- zustelleu unb ein Band echter Kameradschaft zwischen Alt- unb Jung-Nassqu zu knüpfen". Für die Feier, an ber sich voraus­sichtlich viele Alt-Nassauer beteiligen werden, ist das folgende reichhaltige Programm aufgestellt worden: 1. 11 Uhr 45 Min.: Versammlung von Alt- und Jung-Nassau an dem Tempel unweit des Riederwald-Denkmals und Begrüßung der alten Kameraden. 2. 12 Uhr Mittags: a) Gemeinsamer Festzug zum Niederwald- Denkmal unter Vorantritt ber Regiments-Musik und Gruppiruug vor demselben; b) Gesang der „Wacht am Rhein" vom Sänger- Corps des Regiments mit Musikbegleitung; c) Festrede des Regiments-KommaiweurS Herrn Oberst v. Francois, endigend im Kaiser-Hoch; d) Besichtigung und Erklärung des Denkmals

durch Herrn Oberleutnant Kuhlo bezw. Herrn Leutnant SchrodH. 3. 12 Uhr, 45 Min. Mittags: Marsch der Festlhemiehma nach dem Hotel „Jagdschloß zum gemeinsamen MittagesM 4. Daran anschließend unb miteinander wechselnd, etwa von 3 Uhr Nachmittags ab: Vorträge dcr Regiments-Musik und des Sänget? Corps, sowie Vorführung von Turnübungen durch die besten Turner des Regiments unter Leitung des Leutnants Sticher. 5. Ver­schiedene belustigende Unterhaltungen biitdb Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments. 6. Der Schluß des Festes ist so M Aussicht genommen, daß die alten Kameraden bie um ,6 Uhl 11 Minuten Nachmittags rheinabwarts gehenden Zuge benutzen können, urti noch rechtzeitig zu Hause zu sein.

r rutsche landw. AusfieUnng Frankfurt a. M. Dir auf dem Ausstellungsplatz in ben Standhaüeu 3 und 4 untefc gebrachte wissenschaftliche Abtheilung enthält u. A. eine hochinteressante graphische Sammeldarstellung des landw. Genossenschaftswesens, wie sie bisher auf keiner Wanderausstellung der Deutschen landw. Genossenschaften geboten wurde. Die Änwaltschast'des allgemeinen Ve«i> bandcSder Deutschen landw. Genossenschaften <S>tz zu Offenbach a. M.) bringt allein tn 32 Tafeln ben Nachweis ber kolossalen Ausdehnung des Genossenschaftswesens während letzter 10 Jahre, außerdem haben die meisten der der Anwaltschaft angchörenden RevssionS- verbände und Centralkassen Sonberausstellungen gleicher Art ver­anstaltet, unter ihnen auch der Verband der nassauischen land- witthschaftlichen Genossenschaften, sowie die Naffauische Haupt- genossenschpftskasse Hierselbst. Die imposanten Darstellungen, welche bei ben vielen bie Ausstellung besuchenden Genossen­schaftern und Nationalökonomen das lebhafteste Jntel- esse Hervorrufen, geben ber Leistungsfähigkeit des heimath- lichen Verbands und seiner Genossenschaften das beste Zcugnitz. Bekanntlich hat au* die dem Verband angehörende Schweinezuchp- Genossenschaft zu Weilburg, E. G. m. u. H., für ihre Ausstellungen eine ehrende Anerkennung Seitens der Jury erhalten.

— Tageslüngr im Juni. Die Zeiten zwischen Aufgang und Untergang der sonne ändern sich den Monat über sehr wenig, ber betreffende Zeitraum beträgt am 1. 16 Stunden 13 Minuten, vom 21. bis 23. 16 Stunden 3o Minuten und am 30. 16 Stunden 32 Minuten. Die Dämmerung hat keinen Anfang und kein Ende, um Mitternacht noch zeigt sich tief am nördlichen Himmel ein schwacher Lichtschein.

o. Leichrnliinduug. Die vor einigen Tagen bei Biebrich gelänbete Leiche ist nicht, wie erwähnt, 'diejenige eines Glasmalers, sondern eines Dieners Hegel gewesen. Derselbe hatte angeblich von einem Herrn, in dessen Diensten er gestanden, 8000 Mark geerbt, den ganzen Betrag in verhältnißmaßig kurzer Zeit in lustiger Gesellschaft verlebt und, da er infolge seines Wohllebens keine Lust mehr zum Arbeiten hatte, noch so viel Schulden gemacht, daß er nicht mehr ans noch ein wußte. Hut et Anderen hat feine Loaiswirthin, eine Frau, die daran; angetotefeh ist, nut 70 Mk. daS Nachsehen.

— Kutzrahmdutter. Häufig begegnet man in den Zeitung« Anzeigen galizischer Firmen, in welchen „feinste Süßrahmbutter" zu auffallend billigen Preisen angeboten wird. Im Interesse der ffnheimischen Butterkonsumenien wird darauf hingewiescn, daß auf Bestellungen, welche infolge dieser Anzeigen gemacht wurden, wiederholt verdorbene und völlig ungeniejjbate Waase geliefert worden ist. Es kann deshalb für den Bezug solcher Butter nur dringend Vorsicht anaerathen unb empfohlen werden, vor Abschluß von Geschäften über die Zuverlässigkeit der betreffenden galizischen Geschäftsleute Erkundigungen einzuziehen.

(Nachdruck verboten.)

Aus der Reichshauptstadt.

Koriin, 9. Juni.

fe Die Periode des miß- unb ungünstigen Wetters scheint er- xeulichet Weise für« Erste übermunben zu sein, unb bie Rcichs- «uptstadt prüfentirt sich jetzt in einem neuen und liebenswürdigen «tterteur, als „Berlin tni Grünen". Als Berlin im Grünen m doppelter Beziehung. Denn nicht nur prangen die zahlreichen Alleen, die Berlin an Stelle der Straßen aufweist, im blühenden ca.mucf der grün bewipfclten Bäume, nicht nur haben sich die jMosen Erker, Balkons und Loggien, von denen in den neuen vierteln die Straßenfronten förmlich übersät sind, in eine Art Mtoebenber Gärten umgewandelt, sondern bie Reichshauptstabt, d. h. Mre Bevölkerung, befindet sich auch im ambulanten Sinne des Wortes wi Grünen, indem sie jeden freien Abend und vor Allem die Sonntage dazu benutzt, sich in Schaaren über die Umgegend xernns ö» ergießen. Von der ungeheuren Massenhaftigkeit dieses «nf- und Abfluthens giebt die soeben veröffentlichte Stattstik über «n Stadtbahn- und Vorortverkehr einen ungefähren Begriff, «ach dieser Stattstlk sind an dem ersten arg verregneten Oster- Jtiertag dieses Jahres auf der Stadtbahn unb den Vorortbahnen «8,808, am zweiten Ofterfeiertag 710,243 Personen unterwegs

. Der erste ebenfalls total verregnete Pfingstfeiertag wies «ne Verkehrsziffer von 476,172 auf, unb am zweiten Pfingsttag, <to bem der Himmel ein stärkeres Mitgefühl für die crholungs- Nuntige Menschheit gezeigt hatte, wuchs diese Ziffer auf ««,964 Personen an. Rechnet man hierzu die Hunderttausende, Ä diesen Tagen mit Hülfe der Pferdebahnen, ber tteltnschen Bahnen, zu Wagen, per Rad und zu Fuß ins Breie pilgern, so erhellt daraus, daß an einem solchen Wnen Pfingsttag nahezu die gefammte Bevölkerung Berlins, M*e letzt auf über 1,700000 angewachsen ist, sich auf den Beinen und unterwegs befindet. Mit welchen Riesenziffern der Verkehr in Cahn rechnet, das zeigt auch der Besuch des Zoologischen Gartens, «zcher den Hauptsammelpunkt aller Derjenigen bildet, welche an Bonen Tagen innerhalb des Weichbilds der Reichshauptstadt ««iben wollen. Den Kulminationspunkt erreicht hier der Verkehr ® ledern ersten Sonntag im Monat, dem sogenannten „25-Pfennig- ptotag". Diese Ermäßigung des Einttittspreises, dcr an Pcheniggen 1 Rk. und an den gewöhnlichen Sonntagen 50 Pf.

Morgen -Ausgabe.

Ans Stadt und Land.

Wiesbaden, 13. Juni.

zimmern gewisser Hotels und Restaurants Nachfrage hält, in denen bie Gaste „ä la carte“ bewirihet werden. Nichts wäre freilich optimistischer als die Hoffnung, daß es auf biefe Weise gelingen wird, bie in Berlin leider außerordentlich verbreitete Sviellciden- schaft wesentlich einzuschränken und zu dämmen. Die fühlbarste geige dürfte aller Voraussicht nach vielmehr die fein, daß die pieler — vorsichtiger in bei Wahl ihrer Lokale werden und sich von der Polizei noch weniger als bisher in die — Karten blicken lasten.

An solchen Jsolirräumen, die sich vor den Augen und Ohren ber Oeffentlichkeit verschließen, an solchen chambres s^parees“, ist in Berlin ja kein Mangel, und doch erhebt ganz Berlin soeben einen wahren Nothschrei nach Jsolirräumen. Die Parole: „Ist denn kein Stuhl da?" ist verdrängt worden und hat dem Motto Platz gemacht: „Ist denn kein Jsolirraum da?" Dieses bange Nothschrei gilt den Fernsprechautomaten, die hier f«t einigen Tagen dem Gebrauch übergeben worden sind. Die prakttsche Brauchbarkeit dieser an sich sehr löblichen Apparate, die fürs Erste zumeist in den Schalterräumen ausgestellt find, ist dadurch außerordentlich beeinträchtigt, daß Derjenige, welcher nicht schwerhörig oder taub ist, durch ben Lärm im Schalterraum am Hören verhindert ist, während Derjenige, der schwerhörig oder taub ist, an den Fernsprechapparatcn so wie fo keine Freude erlebt! Aber an noch einem Uebelftanb leiden die Automaten. Als es sich um die Frage handelte, wie hoch die Automaten anzubringen find, hat Herr v. Podbielski, weil ihm da? nahe lag, sich offenbar nach bem Militärmaß gerichtet. Da nun in Berlin bie Garbe sicht, ist dies Maß fo hoch ausgefallen, daß die Automaten von Mittelfiguren nur auf den Spitzen stehend und Hälse ausreckend zu erreichen find, während die Automaten kleineren Leuten als die Trauben erscheinen, die sauer End, weil sie zu hoch hängen. Das Tragikomische an er Sache ist, da« die Einführung der Fernsprech-Automaten besonders als eine Erleichterung für die „kleinen Leute" angekündigt worden ist. Diese Ankündigung war also nicht wött- lich zu nehmen. Da die Postverwaltung jedenfalls nicht behaupten wird, daß die Automaten richtig hingen und nur bie Berliner nicht den Mund auf dem rechten Fleck hatten, wird sie hoffentlich bald den Brodkorb nichtiger hängen und einem Zustande ein Ende machen, der sich mit einer Variatzpn des Liedes von den König», kindern kennzeichnen laßt: Sie kömlten zu einander nickt komme», das Telephon war zu hoch) Di, PM Beith old.