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Wksbil-Mr Sagblatt

«. Jahrgang.

Slnzeigen-Preiör

Die einspaltige Petitzrile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Psg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

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Uv. 268. Fernsprecher No. 52. Motttog, dktt 12. IttNt. Fernsprecher No. 52. 1899.

LolKswirthschafiliches.

Geldmarkt. Coursbericht der Frankfurter B örse von. 12. Juni, Mittags 12'/» Uhr. Credil-Aktien 225.20, DiSconto- Conunandit 198.30, Staatsbahn 153.50, Lombarden 31.40, Gotrhardbahn - Aktien 145.60, Centralbahn 146.40, Nordostbahn 101.50, Unionbahn 81.30, Laurahütte-Aklien 270.70, Gelsen­kirchener Bergw.-Aktien, Bochumer 280.20, Harpener 210.50, 3-proc. Mexikaner 23.30, 6-proc. Mexikaner, Italiener 95.40, Dresdner Bank, Darmstädter Bank, Berliner Handels-Gesellschaft 172., Deutsche Bank 210.70, 4-procentige Spanier 64.70, 3-proc. Portugiesen. Tendenz:. Hütten- atticn matt.

Wien, 12. Juni. Ocsterr.Credtt-Mien 360.-, Stamsbahn- Akticn 358.60, Lombarden 67.20, Marknoten 58.95.

Die Abend-A«sgabe euthSlt 1 Beilage.

BncnHeortli» tut een »»Utndtn ual feuilUton. Lh-U. O. Clul fHt Uta ttbnatn Ttz-U und Mt »nyigtn: C Riiderdt; SAt ®rutf und Strlaa 6t« 8. 6*tlUnitreHtn £}oi-8u46ndmi

Abend -Ausgabe.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Serlhi, 10. Juni.

Das Abgeordnetenhaus erledigte heute in dritter Lesung die Vorlage, betreffend die ärztlichen Ehrengerichte. Es folgten Wahl- prufunaen. Eine längere Debatte entspann sich bei den Wahlen der Abgeordneten Lieber, Gothcin und Wetekamp, welche die Kommission beanstandet, weil an Wahlmänner Gelder ausgezahlt worden sind und über die Bedeutung dieser Zahlungen Beweis erhoben werden soll. Der Antrag der Kommission wurde schließlich angenommen. Hieraus wurden noch eine Reihe Petitionen meist persönlichen Interesses nach den Be- schluffen der Kommission ohne Debatte erledigt. Eine sehr lange Erörterung knüpft sich an die Petitionen verschiedener Eisenbahn- betriebssekretäre um Beförderung zum Eisenbahnsckretär. Diese werden schließlich der Regierung zur Berücksichtigung bezw. zur Erwägung überwiesen, so weit sic eine Festsetzung des Gehalts der Ellenbahnbetriebssekretäre auf 1500 Mk. bis 3300 Mk. und eine Vermehrung der Eisenbahnsekretärstellen verlangen. Nächste Sitzung Donnerstag, 11 Uhr: Zweite Lesung der Kanalvorlage. Schluß 4 Uhr 20 Minuten Nachmittags.

Deutsches Reich.

* fiof- und Personal-Nachrichten. Der Großherzog von Hessen ist an den Blattern (Varioliäen) erkrankt. Sein Zustand war am Samstag ernft bei starkem Fieber, das über Nacht nachgelassen. Der Verlauf ist normal, das Allgemeinbefinden befnebigend. Als behandelnde Aerzte wurden Dr. Engenbrodt und Riegel aus Gießen berufen. Graf v. Hohenau, Flügel- Adjutant und Kommandeur des Garde-Kürassier-Regiments, würde nach dem Brigade-Excrciren am Samstag vom Kaiser zum Komman- deur des Regiments Garde du Corps ernannt.

* Kerli», 12. Juni. Die Steinsetzer-Innung hat dem Gewerbegericht em Schreiben zugehen lassen, in welchem sie den vom EimgungSamt des Gewerbegerichts vorgeschlagenen Vergleich ablehnt. Die Innung erklärte, daß sie in dem Vergleich nur eine Bewilligung der Forderungen der Gesellen erkenne. Demzufolge haben die Steinsetzer den Streik fortgesetzt, und cs befanden sich Samftag Mittag nach Schätzung der Lohnkommission etwa 400 Mann tm Ausstand. Das Gewerbegericht wird am Mittwoch zufammentreten, um in dieser Angelegenheit einen Schiedsspruch zu fällen.

In einem Aufsatz-Gemeindewahlrechtsresorm" int Abgeord­netenhaus bespricht dieBerliner Korrespondenz" die bei der ersten Lesung zu Tage getretene Ansicht der Mehrheit, daß ein gangbarer Weg beschritten werde, und rechnet mit Sicherheit darauf, die Kommisfionsberathung werde ergeben, daß bessere Mittel zu einem Ausgleich der seit 1890 eingetretenen Verschiebungen nicht auffindbar seien, als es das Durchschnittsprinzip ist. Der Artikel fährt fort: Der angeregte Erlaß von Ortsstatuten müßte Interessengegensätze wachrufen, deren Austragung dem Gemeindeinterefse nicht dienlich fei, und hofft, die Kommisfionsberathung werde allgemein die Ueber- zeugung festigen, daß die Vorlage in ihrer gegenwärtigen Gestalt em angemessenes Instrument ist, um einen praktischen Ausgleich und Abstusung der Wählerklassen herbeizuführen, ohile die sociale Gliederung der Gemeinden willkürlich zu verrücken.

* Uedrrtriit der Herzogin Intta. Es wird jetzt der Wortlaut der Antwort bekannt, di« der Herzog auf die Eingabe der Landesgeistlichen, betreffend den Uebermit der Herzogin Jutta, gegeben. Sie lautete:Se. Kal. Hoheit haben die Erklärung der Geistlichkeit hiesigen Landes, betreffend den bevorstehenden Konfcssions- wechseljforer Hoheit der Herzogin Jutta zu Mecklenburg, gnädig aufgenommen und sich über den treuen kirchlichen Sinn, der sich darin offenbart, nur freuen können. Die Geistlichkeit des Landes darf sich versichert halten, daß Sc. Kgl. Hoheit nach wie vor unverbrüchlich an dem lutherischen Bekenntnisse festhalten werden und nur mit schmerzlichen Empfindungen den Entschluß Ihrer Hoheit der : Herzogin Jutta haben billigen können. Nach der ganzen Sachlage und besonders in Berücksichtigung der Verhältnisse des Landes dessen Fürstin die Herzogin einst sein wird, haben Se. K.H. indessen nach reiflicher Erwägung sich entschlossen, so, wie geschehen, zu ent­scheiden." Wennschon das Bedauerliche des UebertrittS bestehen bleibt, wird man es wenigstens mit Genuqthuung empfinden, daß der Hinweis auf den Wunsch des Czaren sich in der Antwort nicht - befindet.

* Konflikt Mischen Kremen nnd Uvßland. Zwischen Rußland und der Freien und Hansestadt Bremen ist ein diploma­tischer Konflitt ausgebrochen. Rußland hat seinen für Bremen beglaubigten Gesandten zuriickgezogen. Soweit sich die Dinge über­sehen lassen, hat Bremen in diesem Zwischenfall, der durch die Ver- : Haftung eines russischen Popen herbeigeführt worden ist, das Recht auf seiner Seite. DieWeler-Ztg." theilt darüber ma: Nach unseren Erkundigungen war die polizeiliche Maß- - regel der etwa neun- bis zehnstündigen Verhaftung eines - «es Diebstahls an Bord eines Lloyddampfers beschuldigten Russen s nicht nur gerechtfertigt, sondern durch die Umstände mit Noth- wendigkeit geboten. Die von der russischen Regierung wiederholt getcrberte Bestrafung eines Polizeibeamten, der nach den ein- zehendsten Ermittelungen durchaus nichts Pflichtwidriges gethan Wb die gleichzeitig geforderte Entschädigung sind, wie wir Horen, unter gleichzeitigem Nachweis des Mangels jeder B-rcchfigunq der erhobenen Forderungen ebenso höflich wie entschieden abgelehnt worden. Diese Vorgänge haben sich vor sieben bis acht Monaten ereignet, lieber di- Gründe der Abberufung des Herrn o. Westmann und des Vicekonsuls Achelis ist nach unseren Erkundigungen hier nichts Amtliches bekannt geworden. Die Nat-

i E K"r." ist der Ansicht daß solche diplomafischen Zwischenfälle ff MH tm Grunde herzlich schlecht mit dem einheitlichen Charakter des Reichs vertragen, und daß eines der Mittel, ihnen vorzubeugen, der kgrundsätzliche Verzicht der Bundesstaaten auf eine besondere aus- Ulvarrige Vertretung wäre.

AErl ..Anmmhmrgrsetz" schreibt die l »MzielleBerliner Korrespondenz': Wenn in der socialdemokratischen ' freisinnigen Presse die Gesetzesvorlage zum Schutze des gewerb- Uchen ArbettSverhaltnisses als Ausnahmegesetz gegen den Arbeitcr- ffWyd, bezeichnet und der Vorwurf erhoben wird, man wolle die von jSrbfitern begangenen Handlungen unter Strafe stellen, die, von

Anderen begangen, straflos bleiben, so liege dem eine völlig schiefe Auffassung von dem Wesen des Entwurfes zu Grunde. Nicht nach dem Stande der Personen, sondern nach dem Charakter der Hand­lungen, Mögen sie begangen sein, von wem sic wollen, richten sich die Bestimmungen des Entwurfs. Alle von dem Entwurf zu treffenden Handlungen sind solche, die nur in den modernen Arbeitskampfen vorkommen. Es scheint geboten, sie zum Gegenstand nicht eines Ausnahmegesetzes, wohl aber eines Sondergefetzes zu machen. Der Artikel geht sodann auf den Artikel derVoss. Ztg." vom 3. Juni ein, der namentlich eine äußerst drastische Darstellung des in Arbeiterkreisen geübten Terrorismus enthält, nur werde darin nicht ein Schluß auf die Nothwendigkcit eines gesetzgeberischen Eingreifens gezogen, sondern im Geaentheil empfohlen, terroristischen Rache- Handlungen ja nicht von Amtswegen zu Leibe zu gehen. Daß eine solche Angstpolitik di- Auflösung jeder öffentlichen Ordnung, die vollkommenste Bankrotterklärung der öffentlichen Gewalten, bedeuten würde, liegt auf der Hand.

* Dor Arzt im Ktudrnarrrst. DieBadische Landesztg." schreibt:Der Bezirksarzt von Triberg wurde kürzlich in feiner Eigenschaft als Reserveoffizier von dem Major des Meldeamts Trtberg eines Abends dienstlich aufs Meldeamt gerufen. Der Bezirksarzt erschien nicht, entschuldigte sich jedoch am anderen Morgen, daß ihii fein ärztlicher Beruf zu einer Wöchnerin gerufen habe, sodaß es ihm unmöglich gewesen fei, zu erscheinen. Schon aber war vom Meldeamt die Meldung desDienstvergehens ans Bezirks­kommando nach Donaueschingen abgegangen, von wo dem Bezirksarzt dann ein zweitägiger Stubenarrest auferlegt wurde. Wir haben vor unserer militärischen Organisation die aufrichtigste Hochachtung, allein Arzt und Stubenarrest man braucht diese beiden Worte nur neben­einander zu stellen, um sofort den unversöhnlichen Widerspruch zu suhlen! Gewiß hätten die besteheriben Vorschriften auch eine andere Regelung der Angelegenheit ermöglicht, und die Verantwortung für die naturwidrige Maßregel, durch die den Kranken der Arzt auf zwei Tage entzogen wird, trifft in erster Linie die Personen, die es nicht verstanden haben, die Forderungen des militärischen Dienstes in Einklang zu bringen mit der Rücksicht auf die wichtigen Berufs- pflichteii.des Arztes, der zu jeder Stunde des Tags und der Nacht bereit fein muß, ans Krankenlager zu eilen. Aber auch im System muß eine Lücke vorhanden fein, wenn es die Möglichkeit einer der­artigen unglückseligen Maßregel offen läßt. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß der Fall den Anlaß zu Bestimmungen geben wird, die eine Wiederholung eines solchen, die besten Volks­kreise im Innersten aufregenden Vorkommnisses unmöglich machen. Wie um die Absurdilät des ärztlichen Stubenarrestes recht deutlich vor Augen zu führen, schoß sich ein Einwohner von Triberg -ine Kugel in den Kopf, während der Bezirks­arzt im Stubenarrest saß und ein anderer Arzt nicht aufzutrciben war; der Selbstmordversuch wäre wohl von Erfolg begleitet gewesen, wenn nicht der Bürgermeister von Triberg, der glücklicher Weise pensionirter Offizier ist, den Bezirksarzt unter Uebernahme der Verantwortung veranlaßt hätte, den Stubenarrest zu brechen und dem schwer Verletzten zu Hülse zu kommen, der dann auch am Leben erhalten wurde. Der ganze Fall spricht in Anbetracht der besonderen Umstände, von der Wöchnerin bis zum Selbstmordkandidaten, eine so beiebtc Sprache, daß wir Weiteres nicht hinzuzufügcn brauchen/

* Die Zahl der strafbaren Handlungen, bezüglich deren im Jahre 1897 Entscheidungen rechtskräftig geworden sind, betrug nach derDeutschen Krimmalstatistik" tm Jahre 1897 691,376 gegen 682,145 im Jahre 1896 und 684,859 im Jahre 1895, sodaß tm letzten Jahre eine Zunahme von 9231 ober 1,35 pCt. statt­gefunden hat. Von den Entscheidungen lauteten auf Verurtheilung 559,007 (1896 550,662, 1895 550,793), auf Freisprechung 121,790 (120,427 und 123,376) und auf Einstelluncs des Verfahrens 10,573 (11,096 und 10,690). Die Zahl der auf Freisprechung lautenden Urtbeile zeigt also eine verhältnißmäßige Verminderung. Von d-n

daß er in Cäcilie verschossen ist, die Hand derselben an, und zwar deshalb, weil ihm Herr Tautain, der Pathc seiner Tochter, den Rath gegeben hat, sich als Heilmittel gegen feine Balleteusen-Liebhabcrei einen Schwiegersohn zuzulegen, quasi als wachsamenBernhardiner", der ihn aus der Gefahr der vollständigen Verbuinmelung errette. Corbinct läßt sich von feinem Schwiegervater ein Schriftstück einhändigen, in welchem dieser be­stätigt, daß er feine Fran einundzwanzig Jahre lang betrüge. Dann soll Herr Bruniquet mit der Angelica brechen. Dieser Bruch nun giebt den Autoren Gelegenheit, die humoristischsten Situationen zu entwickeln, und als er endlich gelungen ist, da verräth ein betrunkener Polizeisergeant, der verschiedentlich nothwcndig war, der von der Größe und Tugend ihres Mannes bombenfest überzeugten Frau Bruniquet die ganze Geschichte. Der entlarvte Sünder will sich einen von der Angelica gebrauchten Coup zu Nutz machen,

Ovibim^.h4v tuMin», UlUvn w iiv

und 5).

* Rundschau im Reiche. Zum Fall Ziethen theilt der ^Vorwärts mit, daß in den Händen des Ziethen-Comites sich Material angefammelt hat, welches zu den besten Hoffnungen für einen neuen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens berechtigt, ü In Würzburg protestirte eine von tausend Personen besuchte H Versammlung gegen die Zuchthausvorlage und forderte den Abgeordneten für Würzburg auf, im Reichstage gegen die Vorlage zu stimmen. __________

Ausland.

* Oesterreich - Ungarn. Die Ernennung des Prinzen Hohenlohe zum Statthalter von Nieder-Oesterreich steht bevor. lieber di- Einzelheiten zu dem abgeschlossenen Kompromiß ver­lautet, die Zollgemeinschaft und das Bank-Provisorium dauerten btS Ende 1907. Neue Handelsverträge dürsten ebenfalls nur bis zu diesem Zeitpunkte abgeschlossen werden. Die neue Bank- Organisation soll sofort in Kraft treten. Der überwiegende Theil der Blätter beurtheilt die Verständigung mit Ungarn in pessimistischer Weise. DieNeue Freie Presse" befürchtet, daß dieser Ausgleich wahrscheinlich Oesterreich die Lebensfähigkeit feiner Verfassung vollständig kosten werde. Das Blatt hofft jedoch, daß die polittschen Verhältnisse in Europa Ungarn schließlich doch ver­anlassen würde, sich Oesterreich wieder anzuschließ-n. Die ikonferenz der österreichischen und ungarischen Minister am Samstag uhrte zu einem vollen Einverständnis in der Ausgleichsftage. Der ungarische Ministerpräses Szell, welcher Nachmittags in einer Audienz empfangen worden war, theilte dem Kaiser die Thatsache des

Zustandekommens des Kompromisses mit. Alle in den Blättern über den Kompromiß erschienenen Angaben sind unzutreffend, aiithentische sind nicht zu erwarten vor den von Szell voraus­sichtlich am Mittwoch im ungarischen Abgeordnetenhaus ab­zugebenden authenttschen Mittheilungen.

* Italien. Der Papst hat feinem Groll über die Nicht, zulassung des Vatikans zur Friedenskonferenz jetzt gewissermaßen öffentlich Ausdruck gegeben. Jüngst empfing er elfte Anzahl niederländischer Pilger. Nachdem er, auf den zur Seite knieenden Haager Jnternuntius Mgr. Tarnasst blickend, geäußert hatte, dieser sei nicht als Pilger, fonbem auf seinen, be8 Papstes, Wunsch in Rom anwesend, erging sich Leo XIII. ungefähr in folgenden Klagen:Man hat mich ausgeschlossen von der Friedenskonferenz, die augenblicklich im Haag abgehalten wird. Di- nicbet= ländischen Katholiken trifft hierfür keine Schuld. Nein, jene, die sich des Erbtheils des heiligen Stuhls, die sich Roms be­mächtigt haben, sie sind es, die die Ausschließung des souveränen Oberpriesters vom Friedenskongreß bewerkstelligt haben. Es sei so! Aber erinnert Euch jenes Mannes in Deutschland, jenes Bismarck. Er, der große Staatsmann, der scharfsinnige Diplomat, er verlangte seiner Zeit meine Vermittlung bei einem Streite zwischen Deutsch­land und Spanien. Spanien habe ich Reckt geben müssen, aber auch ihm, dem Gewaltigen, mußte ich in Etwas zugeben sodäß schließlich beide Parteien zufrieden waren. Dies ernt Beispiel erwähne ich nur aus vielen anderen, um zu beweisen, daß der Statthalter Christi auf Erden bet Bewahrer de» Friebens fein kann unb es auch wirklich ist. Dadurch bleibt der souveräne Pontifex denn auch seiner Berufung getreu. Als Christus auf Erden tarn, waren Streit unb Zwietracht an ber Tagesordnung; die Kriege unter den Heiden wütheten ohne Unterlaß. Jesus Christus aber brachte den Frieden für alle Menschen, die guten Willens sind. Unb als ber gesetzliche Stellvertreter desRex pacis, des Friedensfürsten, habe ich feinen heißeren Wunsch, kein heiligeres Streben, als die Völker zum ewigen Frieden einander zu bringen. Und jetzt, wo die Völker selber ein- sehen, daß Entwaffnung, ober bock wenigstens Einschränkung der Rüstungen nochwenbig ist, daß eine Besprechung dieses Gegen­standes greifbare Ergebnisse erzielen kann, jetzt schließt man den Statthalter Christi, den Friedensfürsten, von ber Friedens- Konferenz au« II ES ist dies hart! Ich fühle es um so peinlicher, da ich nunmehr feit 22 Jahren in diesem Palast wie ein Sklave gefangen sitze! Will man diese Klage vielleicht a« übertrieben hinstellen? O, ber souveräne Pontifex bars sich ja nicht außerhalb der ihn einschließenben Mauern begeben, sich nicht in ben Straßen Roms zeigen, ohne Gefahr zu laufen, beleidigt zu werben. Aber es fehlt mir auch nicht an Trost. Unter meinem Pontifikat finb ganze Stämme und Nationen in b-nSchooß ber Mutterkirche zurückgekehrt. Möge bereit Treue auch Allen als Beispiel bienen!" Diese wehmüthig resignirten Betrachtungen vermögen an ber diplo­matischen Niederlage des Vatikans in der Zulassungsfrage freilich nichts mehr zu ändern. Die italienische Regierung hat dem in Genua weilenden Kronprätendenten Herzog vyn Orleans vertraulich nm- theilen lassen, daß sie keine der französischen Regierung inißfalleilde Machenschaften dulden werde.

* Frankreich. Beim herrlichsten Sommerwetter ist da« gestrige Rennen, wie vorausznsehen war, ohne jeden bebcutenbgi Zwischenfall verlaufen Die Nationalisten, Antisemiten unb Royalisten hielten sich, dem Losungswort ihrer Blätter nach- fommenb, gestern fern. Die 100,000 Mann Truppen, Polizei utld Gendarmen, welch- aufgeboten waren, brauchten nicht einzuschreit«. Der ganze Zug vom Elysöe bis zum Rennplatz war ein Tnumpy- zug für den Präsidenten Loudet. Begeisterte Huldigungen wurden thm von einer begeisterten Menschenmenge, die den Weg besetzt hielt, ausgebracht. Hochrufe auf die Republik und Loubet ertönten aus tausend und abertausend Kehlen. Nur in der Nähe des S«6 tm rn.r.,.. «os rs~ j. ... mnrh.n imei Irinnen Verba stet. Auch Kundgebung gestört. Nur auf dem Bastillenplatz und dem Place be la Nöpublique erschienen zwei Arbeiter-Parteien. Gegen 9 Uhr hörte man bie Rufe von ihnen:Nieber mit bem Präsidenten! Nieder mit den Jesuiten, nieder mit ber Armee, cs lebe bie sociale Republik." Einige Personen würben wegen Beleidigungen und Ruhestörungen verhaftet. Die Zahl der Fremden, welche Pari« aus Furcht vor Tumulten verlassen haben, ist sehr bedeutend. Alle großen Pariser Hotels haben ans diesem Grunde große Verluste zu verzeichnen.

London, 12. Juni. Eine furchtbare Feuersbrunst brach gestern in der Waffenfabrik von Armstrong in Elswick aus. Drei große Gebäude, sowie eine große Anzahl Dampf­maschinen, Geschütze, Laffetten unb sonstiges Material würbe zer­stört oder unbrauchbar gemacht. Der Schaben wirb auf eine Million Pfund Sterling geschätzt. Die Ursache ber Feuersbrunst ist unbekannt. Die Zahl ber beschäftigungslosen Arbeiter be­trägt 3000.

Madrid, 12. Juni. In der heutigen Sitzung ber Cortes erwartet man von Seiten ber Klerikalen eine heftige Kunbgebung gegen bie Entäußerung ber Karolinen. Die Ultramontanen werben die Negierung aufforbern, zu verlangen, daß alle Rechte der Geist­lichen und Mönche, wie sie unter ber spanischen Herrschaft be­standen, auch unter der deutschen Herrschaft ihnen erhalten bleiben. Eine diesbezügliche Klausel soll in den spanischen Vertrag ein- gefügt werden. (Nur ist es fraglich, ob Deutschland darauf ein­gehen Wirb.)