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Verlag: Langgasse 27.

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1899

Sonntag, de» 11. Inni

II«. 367

Fernsprecher Dio 52.

Fernsprecher Ä«. 62.

Morgen -Ausgabe

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(Nachdruck verboten.)

(Schluß aus Nr. 266.)

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Politische Ueberficht.

Der deutsche Reichstag hat seine Thätigkeit wieder auf- 'v genommen, um vor der Vertagung noch mit einem Theil des Restes zu räumen". Aber welchen Eifer die Volksvertretung auch noch in der letzten Woche aufwcndcn wird, dieser erste Abschnitt der Session erhält doch seinen Stcnipcl nicht durch das, was der Reichstag ' zn Stande gebracht, sotidcrn durch das, was er nicht zu Stande gebracht hat und als Erbschaftsstreltobjckt dem zweiten Abschnitt der Session hinterläßt. Die pieee de resistance dieser zahlreichen rück­ständigen Vorlagen ist naturgemäß die -Streikvorlage", wie jetzt der populäre Titel des Gesetzentwurfs zum Schutz des gewerb­lichen Arbeitsverhältnisfcs lautet, eine Vorlage, die noch zu heißen parlamentarischen Schlachten führen und unter deren Zeichen die

Ans Stadt und Land.

Wiesbaden, 11. Juni.

Gefchichtostalender. 11. Juni. 1897: f Professor Dr. Karl Remigius Fresenius zu Wiesbaden, herv. deutscher Chemiker. 1882: Aufstand in Alexandria. Ermordung der Europäer. 1849: ch Friedr. Kalkbrenncr, herv. Pianist und Komponist (*1784). 1847: f Sir John Franklin auf einer Nordpolexpedition. 1742: Briebe zu Breslau. Preußens Erwerb, von Ober- und Nieder- ilefien und Glatz. 1488: Schlacht bei Lauchicburn. Niederlage und Tod des schott. Königs Jakob III. 1294: f Roger Baco, gelehrter cngl. Mönch, Erfinder der Vergrößerungsgläser (* 1214).

Königliche Kchanfpiele. Der Königlichen Intendantur ist es gelungen, nut dem durch seine Mitwirkung in den diesjährigen Festspielen auch hier zu so außerordent­licher Beliebtheit gelangten Kaiserlichen und Königlichen Kammersänger Herrn Fritz Schrödter ans Wien ein erneutes, vorerst dreimaliges Gastspiel zum Abschluß zu bringen. Herr Schrödter wird demzufolge in seinen Glanzrollen, und zwar am 14. Juni in Mignon" alsWilhelm Meister", am 16. Juni alsFra Duwolo" in der Titelrolle und am 19. Juni inCavalleria rusticana als .Turriddu", sowie imBajazzo" als Cauio" auftreten.

Thomn-Uortrng. Mehrfachen Wünschen entsprechend, wird Herr Kunsthistoriker Oscar Ollendorsf heute Sonntag, den 11. d. M., Vormittags 11 Uhr, in Banzers Kunstsalon einen

Mönch, wie cs Luther war, von dem Prunk solcher Stätten und dem, was er sonst in der Residenz der Statthalter Christi sah, abwandle, abwcnden mußte, die keimende Revo­lution im Herzen. Sic werden mir Recht geben." Er sah mich mit einem überlegenen Lächeln an.Sie sprechen als Protestant, mein Herr?" Gewissermaßen ja, wenn Sie wollen, aber mehr noch als Mensch, als Christ im All- gemcinen." Er zuckle die Achseln.Was heißt daS: Mensch, Christ im Allgemeinen?" sagte er mit gering­schätzigem Mitleid.Da möchte ich doch lieber über diese Sachen nicht weiter reden, wir würden uns doch nicht ver­stehen. Nur das Eine möchte ich Ihnen sagen, daß Der, der den Kern erkannt hat, sich über die Schale kein Kopf­zerbrechen zu machen braucht, ob die nun gelb oder grün ist, oder meinetwegen gar nur 'ne Blase, wie bei der Pimper» nuß. Und was mich betrifft, so hat mich die Messe tief innerlich erbaut, trotz der umgebenden Pracht, die Sie so prahlerisch finden, und trotz dcS neugierigen Haufens."

Er erhob sich, verbeugte sich mit kühler Höflichkeit und ging davon.Dagegen soll nun 'mal Einer ankämpfenl brummte ich vor mich hin, ergriff eine Zeitung und vertiefte mich in einen Leitartikel, in dem das Malheur der Filipinos geschildert wurde, wie sie so schrecklich unter den katholischen Orden gelitten hätten, wie sie ausgesogcn und in Dummheit und Aberglauben erhallen worden seien. Und nun, nachdem sie dieser Vampyre ledig, da mußten sie in die Klauen der ketzerischen Aankees fallen, welche ihnen Freiheit und Aufklärung mit Flinte und Kanonen brächtey. O Ironie des Schicksals! Sch. v. B.

Unzeigcn-PreiSr

Die einspaltige Prtitzrilr für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Rerlame» di« Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

47. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. eo Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Gin Gstermorgen in Hom.

i Solches und Aehnliches hört man rechts und links beim s Verlassen des Domes. Und dann rasseln die Droschken heran und die Cocchieri halten ihr Ostern in der Tasche und freuen sich, daß die Foreslieri noch immer so toll auf die Ostermesse sind. Und wenn auch kaum einer von diesen U tom zweiten Mal erscheint, um die Sache mitzumachen: die k Welt ist groß und jährlich erscheinen neue, ungezählte 6 Schaaren, um später schmähend abzuziehen.

An den Hoteltafeln wird die Kritik der Ostermesse [ in allen Sprachen fortgesetzt. Die Enttäuschung ist t allgemein; sie ist umso größer, je höher die Erwartungen k gespannt waren, unter denen man die Völkerwanderung nach | dem Sankt Peter mitgcmacht hatte. Man hört überall scharfe | ürtheile, verständige und unverständige.Ich begreife gar- V nicht, wie Sie sich da noch wundern können," meint mit | freundlicher Gelassenheit meine Tischnachbarin, die Tochter g eines unserer bekanntesten Romandichter, die von ihrer l Mutter die Schönheit und von ihrem Vater den Hellen i Geist und die scharfe Beobachtungsgabe geerbt zu haben l scheint. Und nun erzählt sie mir, daß sie an der geweihten t Stätte häufig beobachtet habe, wie diese zum Ort des I Stelldicheins zwischen gluthäugigen Römerinnen und Jüng- L -lingen mit aufgedrehten Schnurrbärten, stolzen Kravalten | und aufgekrempelten Beinkleidern benutzt würde. Ihre Serviette [ als Gebetbuch markirend, zeigte fie mir, wie die frommen Schönen | Mer die Blätter des Buchs hinweg nach diesen Galans zu

Während der Reichstag feine piece de resistance in den Herbst hinübernimmt, beabsichtigt der preußische Landtag bicfetnige, die Kanalvorlage, noch in diesem Sommer zu erledigen. Am 15. d. M. bereits werd die heiße Schlacht beginnen, deren Ausgang, wie blutig fie sich auch unlieb, nach allgemeiner Anschauung ein un­blutiger sein wird, da man sich in diesem Kriege zu Wasser von den modernen Torpedoboot-Zerstörern der Kompensationen hervor­ragende Erfolge verspricht. Auch die Seeschlacht um die spanischen Südsee-Jnseln, die noch vor der Vertagung im Reichstag geschlagen werden dürfte, wird unblutig verlaufen und mit der Besitzergreifung der Inseln enden. Die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes hat diesen Schachzug der deutschen Diplomatie mit Befriedigung begrüßt, denn über die politische Bedeutung, welche diese Erwerbungen für uns haben, besteht nirgends ein Zweifel, und wenn bte wirthschaftliche Entwickelung der neuen Kolonieen bisher Vieles zu wünschen übrig ließ, so hat das nicht an den Kolonieen, sondern an der kolonisatorischen Unfähigkeit der Spanier gelegen.

Schon jetzt steht fest, daß Deutschlands neueste Erwerbung zu irgend welchen internationalen Reibungen nicht führen wird, wie auch die Dinge aus Samoa erfreulicher Weise immer mehr in ein friedliches Fahrwasser geraden, nachdem die englischen und amerika­nischen Unruhstifter der von den drei Mächten eingesetzten Kom­mission Platz gemacht haben. Daß bei der Neuregelung der Dinge auf Samoa das.Köiugtbum", dar doch ein recht überflüssiges und M' laber kostspieliges Zaiinkönigthum war, in die Brüche geben soll, L wird man am allerwenigsten bedauern können. Bischer hat sich | aber die Kommission nur darüber geeinigt, was auf Samoa nicht & fein soll. Schwieriger und mit noch größerem Interesse wird eine I Einigung darüber zu erwarten sein, was auf Samoa sein soll 1"

Jedenfalls ist auch im Laufe des Samoa-Konflikts die That- ; fache deutlich hervorgetreten, daß bei den 81 meritanern die f Neigung, Streitigkeiten mit anderen Mächten zu provoziren, be­trächtlich gesunken, wenn nicht völlig gefdjtounben -ift. Diese Er­scheinung ist unschwer zu erklären. Der Krieg gegen Spanien, den die Vereinigten Staaten gewannen, nicht weil fit in militärischer Hinsicht besonders leistungsfähig, sondern weil die Spanierin dieser Hinsicht besonders leistungsunfähig sind, hatte in den Köpfen der emerttaner einen gewissen Rausch erzeugt, der allgemach verflogen ist und der wünschenswerthen Nüchternheit Platz gemacht hat. Zn dieser Ernüchterung haben in erster Linie die Vorgänge auf den Philippinen beigetragen, wo die Amerikaner eine wohlthätige Be­lehrung über die Kehrseite der Weltpolitik empfingen. Diese Be- k lebrung wird nachhaltig fein, weil sie von Dauer ist, beim bcr Sua gegen die Filipinos, den die Amerikaner trotz aller erischen Ankündigungen bereits für die Regenzeit eingestellt ' haben, verspricht, sich zu einer recht ungemiithlichen Dauer aus- M- judehnen, und noch weiß Niemand, welches der Ausgang dieses für | eit Vereinigten Staaten selbst im Falle des Sieges wenig ruhrn- E reichen. Krieges sein wird.

Dieser Umschwung der Stimmung in den Vereinigten Staaten t ist mit besonderem Schmerz in England ausgenommen worden, i wo man von dem heiß ersehnten Ziel, Arm in Arm mit dem .amerikanischen Vetter" das Jahrhundert in die Schranken zu fordern, weiter entfernt ist denn je. Zu diesem Schmerz ist noch s Ber neue getreten, daß die Transvaal-Republik sich weder =r durch Zucktrbrob noch durch Peitsche verlocken läßt, unter das Joch i btr englischen Botmäßigkeit zu kriechen. Thaljächlich ist man in

für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Slnzcigen zur listigen uächsterscheinmben Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorgt getragen.

England mit den Ergebnissen der zwischen dem Präsidenten Kruger und dem Generalgoiiverneur Miner in Bloemfontein abgehaltenen Konferenz trotz aller optimistischen Darstellungen eng­lischer Blätter im höchsten Grad unzufried.n, denn was man tn England wirklich angejtrebt hat, ist tn keiner Weise erreicht worden. Präsident Krüger ist nicht nur ein Politiker, sondern ein Diplomat; er ist klug genug, den Engländern entgegenziikommen, wo es an- aeht, vertraut aber im fiebrigen mehr als auf das Wohlwollen Englands auf die 50,000 Krieger, welche die Burenrepublik in dem Kriegsfall stellen kann, den die Engländer schwerlich provoziren werden.

Langwieriger noch als die Verhandlungen in Bloemfontein gestalten sich die Verhandlungen in Wien zwischen den öster­reichischen und ungarischen Ministern über die Ausgleichs­krisis, deren Lösung ganz ungewöhnliche Schwierigkeiten macht. Aber trotz aller Anstrengungen von österreichischer Seite dürste die Krisis mit dem Siege der ungarischen Forderungen enden, beim bte Ungarn verfügen über zwei mächtige Bundesgenossen in Oester­reich, die Verworrenheit der dortigen Parteioerhältmsse und die Kurzsichtigkeit der österreichischen Regierung, welche sich nicht zum Bruch des im vollsten Sühne des Wortes staatsgefährlichen Bitnd- nisses mit den Tschechen entschließen kann. Sollte auch die Be­endigung der österreich-ungarischen Krisis auf irgend einem Wege gelingen, so ist doch an ein Ende der Krisis in Oesterreich selbst erst zu denken, wenn ein Anderer die Stelle des Grafen Thun ein­genommen haben wird, dem es nicht so wie diesem unfähigen Politiker an Einsicht und an der Energie mangelt, beit bie Grund­lagen des Staates untergrabenben Elementen, mit Entschlossenheit entgegenjutreten..

Eine solche wünschenswerthe Energie hat nach mancherlei Schwankungen jetzt das französische Kabinett Dupuy gezeigt, welches, naenbem bcr Prozeß Dreyfns bttrch ben Spruch bes Kassationshofes in bie Bahnen bes Rechtes und der Gerechtigkeit gelenkt worden ist, vielleicht mehr unfreiwillig als freiwillig bie Nothwenbigkeit erkannt hat, gegen Diejenigen thatkrästia vorzugehen, welche unter dem FeldgeschreiNieder mit Dreyfus!" gegen bie Grundlagen der bestehenden Ordnung in Frankreich anrennen. Welche Elemente sich in dem Heerlager derNationalisten" zu­sammen gefunden haben, haben die skandalösen Vorfälle auf bcr Rennbahn zu Auteuil den verantwortlichen Männern in Frankreich deutlich und eindringlich vor die Augen geführt und die Dcpntirten- kammer hat der Regierung keinen Zweifel darüber gelassen, welche Haltung sie diesen Elementen gegenüber wünscht. An diesem Sonntag dürfte der Schlacht zu Auteuil ein nicht minder lebhaftes Schar­mützel auf der Rennbahn zu Longch ampS folgen, wenn nicht die Pariser Polizei eine ihr sonst nicht eigene Schneidigkeit aufweist oder der Himmel durch einen abknhlendcn Regenguß das Feldgeschrei des Pariser Janhagels oerftinnmcn laßt, welche ins Deutsche über­tragen lautet:Uff den Sonntag freu ich mir!"

Vortrag über Professor Hans Thoma vor den ausgestellten Originalen halten. Eintrittskarten, welche in beschränkter Zahl ausgegeben werden, sind in der Bangerschen Kunsthandlung zu haben. Die Mitglieder des Lchrerinnen-Vereins haben, wie immer, gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte ermäßigten Eintrittspreis.

o. Dir Parltnnlitßt im ilrrotljal zeigt sich erst in diesem Sommer in ihrer völligen Vollendung, indem im Laufe des Nach­winters und des Frühjahrs die letzten Pflanzungen und in den letzten Wochen auch bie unter bcr Leitung bcr Hochbau- AbtheUung des Stabtbauamts ansgeführten Bauarbeiten fertig- gestellt worben sinb. In letzterer Hinsicht sind besonders die schmiebeeiseriien Geländer an den Naturbrücken zu erwähne«, die in ihrer figürlichen Ausstattung sowohl wie ihrem farbigen Anstrich der landschaftlichen Umgebung durchaus entspreche«. Die Geländer sind von Herrn Schlossermcister Karl Schütz hier geschmiedet nnd getrieben, sie gereichen ihrem Verfertiger zur Ehre und der Anlage zur hohen Zierde. In baulicher Hinsicht kommt ferner bas Parkhäuschen auf beut Kinderspielplatz hinter bcr Lehrschen Kuranstalt in Betracht. Dasselbe ist im Schweizer­stil gehalten, ber Unterbau in Bruchsteinmauerwerk, bcr Oberbau in Naturholz ausgeführt. Unten werden die Geräthe ber Gartner aufbewahrt unb oben befinden sich Räume für Milchverkauf, ber soeben eröffnet würbe, sowie für bic Geräthe bes Spielplatzes Dahinter find Mort- und Pissoir-Anlagen untergebracht. Die elektrischen Kandelaber haben einen ebenfalls der landschaftlichen Umgebung anaepaßten farbigen Anstrich mit Vergoldung erhalten. Die Rasenflächen sind zwecks besserer Abgrenzung und Sauberhaltung der Wege mit Bandeisen (nach einem dem technischen Sekretär des Stadt- banamts, Herrn Andreß, gesetzlich geschützten System) ein­gefaßt und die hauptsächlichsten Bäume unb L-träucher find jetzt mit feststehenden Namensschildern versehen worden. Diese Ein­richtung ist sehr lobenswerth, da sie jedem Besucher ber Park­anlage namentlich auch lernbegierigen Schülern Gelegenheit flieht, sich mit allen Pflanzen, insbesondere ben auSlänbischen, be­kannt zu machen.

Lokal Gemerbeverein. Der Vorstanb besLokal- Gewerbcvereiil" hielt am Freitag unter bem Vorsitz des Herr» Eh. Gaab eine von 11 Mitgliedern besuchte Sitzung ab, in welcher er sich zunächst mit einem ihm von Seiten des Magistrats zugegangenen schreiben folgenden Wortlauts beschäftig:Der Aüsschutz ber 23 evangelischen Vereine zu Frankfurt a. M. hat bei uns beantragt, cs möge burch statutarische Bestimmung der Gemeinbe bie Sonntagsarbeit in allen Engros-, Bank-, Fabrik- unb Detail - Geschäften verboten werben, in den Detail- Geschäften mit Ausnahme der Nahrnngsmittelbranche, ber bas Offenhalten ber Geschäfte bis 97» Uhr Vormittags zu gestatten sei. Vorausgesetzt wird habet, daß unter ben größeren Stabten des Mtttelrheins eine Einigung zu gemeinschaft­lichem Vorgehen erzielt wird. Wir ersuchen um eine gutachtliche Acußernng zu diesem Antrag". Nach eingehender Berathung ber Angelegenheit spricht sich der Vorstand des Gewerbevereins gegen jede weitere AuSdehnnng der Sonntagsruhe aus. 2. Der Vorsitzende brachte m Anregung, gewerbliche« Arbeitern, welche sich durch ununterbrochene langjährige Thätia- keit in ein nnd demselben Betriebe durch Fleiß und Geschicklichkeit ausgezeichnet, Anerkennungen in Form einer Medatlle oder eines EhrenbiplomS durch den Gewerbeverein zu ver­leihen. Der österreichische Gewerbeverein habe diese Einrichtung schon seit Jahren getroffen und es habe dieselbe großen An­klang gefunden. Die Mehrzahl der Vorstandsmilglieber war der Ansicht, daß eine derartige Einrichtung von günstigem Euifluß sein werde; es wurde eine Kommission gewählt, welche bie An­gelegenheit einer Prüfung unterziehen und entsprechende Vorschläge machen soll. 3. Weiter wurde von dem Vorsitzenden angeregt, im Dezember b. IS. eine Ausstellung von W o h n u n g S-Ei U- richtnngen, bestehenb aus Möbeln für Wohnzimmer, Schlaf­zimmer unb Küche, zu veranstalten und zu bi-sem Behufe die hiesigen Gewerbetreibenden durch ein PreiS-Aus schreibe« zur Betheiligung einzulaben. Durch biese Ausstellung soll bargethan werben, baß auch mit geringen Mitteln ein einfaches, geschmackvolles und vor Allem solibes Möbelstück geschaffen werden iann. Sämmtliche ausgestellten Einrichtungen sollen verkäuflich sein. Die Preise sollen aus Geldprämien bestehen. Zur ein­gehenden Berathung dieser AuSstelluugsfragc wird eine Komnnssto« demnächst zusammentreten und dem Gciammworstanb alsdann Vorschläge machen. 4. Für das laufende Sommerhalbjahr wurden mehrere Exkursionen zur Besichtigung gewerblicher Etablissements re.

schielen pflegten, und sie machte das so natürlich, daß ich an der Thalsächlichkeil ihrer interessanten Beobachtungen nicht zweifeln, aber auch den Pärchen ob dem profanen Zweck ihres Kirchen­besuchs kaum gram sein konnte.Nun, so was kommt wohl überall vor," sagte ich mild und sie war der gleichen Ansicht.

Selbigen Abends mußte ich doch noch gegen alle Er­wartung erfahren, daß es auch Nompilger flieht, die sich eine bessere Meinung von der Ostermesse gebildet haben. Saß da neben mir im Salon des Hotels an dem Tisch mit deutschen Zeitungen ein Herr, an den ich gewohnheitsmäßig die Generalfrage des Tages richtete, ob er heute Früh auch im St. Peter gewesen sei. Er bejahte in etwas förmlicher Weise, und als ich weiter fragte, ob auch er die allgemeine Enttäuschung theile, meinte er richtig, es würde wohl Niemand enttäuscht worden sein, wenn nur Diejenigen den Gottesdienst besucht hätten, die dorthin gehörten.Die An­wesenden sind, wie immer, ausgeschlossen, aber hätte man die Neugierigen aus aller Herren Ländern, diese Leute mit den zudringlichen Operngläsern und den Reisehandbüchern zuvor 'rausgeschmissen, würden die Weihe und die Andacht besser gewesen sein."Im Wesentlichen mögen Sie Recht haben", antwortete ich ihm, der sich als ein Fabrikant aus der Krefelder Gegend entpuppte.Aber Sie werden mirzugeben, daß auch auf einen frommen Beter die prahlerische Pracht­entfaltung, die Eitelkeit, die sich überall in dem Dom spreizt, keinen guten Eindruck machen kann und ihn zerstreuen muß, es sei denn, daß ihm die Kritik für solche Dinge abgeht. Mir ist es heute vollkommen verständlich geworden, daß sich ein frommer, ehrlicher und herzenseinfältiger, deutscher