MMener Sagblatt
1899
Samstag, den 10. Innr.
Fernsprecher No. 52.
N-. 266
Fernsprecher R». 52.
Abend-Ausgabe
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(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung statt Schluß.)
neueren Zeit in Marmor so ergreifend nachgefühlt wurde. Und nun weiter: in dem farbigen Marmormosaik der Bogenfüllungen von amorettcnartigen Engelchen gehalteneMcdaillon- bildnisse von Päpsten oder Großwürdeulrägern der Kirche und überall neben den Altären mächtige, prunkvoll«, apothcosen- artige Grabmaldarstellungen der verschiedensten „Statthalter Christi". Was jedem wirklich Sehenden in der Stadt auf Schritt und Tritt auffällt, die aufdringliche, prahlerische Darbietung der öffentlichen Baudenkmäler (selbst am Kolosseum hat, „männiglich zum Ergötzen", ein rcnovirender Papst seinen Namen über dem Zugang verewigt, aber auch kaum eine Fontana, über der nicht in futzgroßen Buchstaben der Welt kund gethan wird, welcher heilige Vater sie seinen lieben Residenzlern errichtet hat), im Dom prägt sich der gleiche Geist ans, und bescheiden treten die aus echt religiösem und künstlerischem Empfinden geschaffenen, herrlichen Altarbilder ins Halbdunkel zurück gegen die protzigen Marmorbilder der Päpste.
Mit einem unbehaglichen Gefühl wanderte ich weiter und stehe plötzlich vor einem etwas steifen, schlicht nnd ernst gehaltenen Bronzebild, das sich ganz ftcmd ausnimmt in dieser Pracht von Gold und Marmor: die uralte Statue des heiligen Petrus. Einige Leute in der malerischen Tracht der Campagna-Bewohner treten scheu heran, wischen mit dem Taschentuch am vorgestrcckien rechten Fuß des Heiligen und küssen diesen, der im Laufe von mehr als tausend Jahren durch die Millionen von Küssen abgeschliffen und häßlich verstümmelt wurde. Ich fühlte natürlich keinerlei Bedürfniß, mich dieser etwas unappetitlichen Huldigung anzuschließen, doch mit einem Gefühl der Ehrfurcht blicke ich zu dem mahnenden dunklen Erzbilde empor und richte die stumme Frage an den Apostelfürsten: „Sage mir, heiliger Petrus, zu welchem Zweck dieser überaus prächtige Tempel eigentlich erbaut wurde? Ist er ein wirkliches Gotteshaus
Deutscher Reichstag.
C Krrli», 9. Juni.
I
Gin Ostermorgen in Kam.
E Der erste Eindruck, den man beim Eintritt in den Dom empfängt, ist ein erhabener, denn eine wunderbare | architektonische Harmonie prägt sich in der überreichen Pracht F der gigantischen Hallen aus. Man steht förmlich beklommen. I Dann aber vermißt man bald jenes Gehcimnißvolle, die ff Seele gefangen Nehmende, das dem Schmuck farbcnglühender Glasgemälde anhaftet, und selbst einem innen so vornehm s schlichten Gotteshause, wie etwa dem äußerlich so herrlichen C Dom zu Florenz, den Stempel der Weihe nnd erhabenen Nutze aufdrückt. Ja, die nüchternen, häßlichen, schmucklosen ; Fenster des Petersdoms erfüllen einzig den Zweck, recht viel | Licht einzulassen, damit das Auge so recht den Prunk des
§nnern erschauen und bewundern kann. „So fühlt man bsicht und man ist verstimmt," sagt Tasso. Und damit ist denn auch bei kritisch veranlagten Leuten wohl meist die anfängliche Beklommenheit verschwunden und die Wiß- , begier — oder die Neugier — wird wach, was es L denn da Alles zu schauen gebe. Da, gleich in einer Ü dämmerigen Ecke, sodaß man die hehre Schönheit ■ der Gruppe garnicht genießen kann, eines der herrlichsten
Werke Michelangelos, des Titanen: seine Pieta. Aber was funkelt in ihrer Nähe gar so ausdringlich hoch von einem Pfeiler herunter in goldenem Glanze? „Kaum glaublich, aber wahr": ein Brustbild-Medaillon aus Bronze in mehrfacher Lebensgröße der berüchtigten Christine von r Schweden. Die aus rein äußerlichen Gründen zum Katholi- 1 zismus übergetretene Tochter Gustav Adolfs, die Renegatin, das geniale, aber excentrische und sittenlose Mannweib, das ; hier so verherrlicht wird, wahrlich, die denkbar schlechteste ff- Gesellschaft für die schmerzensreiche Mutier, deren Empfindung - an der Leiche des Sohnes von dem größten Künstler der
oder nur ein steinernes Denkmal der Kirchenmacht und des herrischen Selbstgefühls Derer, die sich Statthaller Deines Herrn nnd Meisters nennen, Deines Meisters, der auf einem Eselein in die heilige Stadt einritt und der in seinem Wesen nnd in seiner Erscheinung die reine Menschenliebe, die allumfassende, selbstlose Brüderlichkeit verkörperte?" — Aber der Apostel gicbt keine Antwort. Starr sitzt er da mit der erhobenen Hand, ernst, mahnend, fremd, ja, ganz fremd in dem Prunk dieser kostbarsten aller Kirchen, nahe dem überreichen Hochaltar mit seinen schwulstigen, gewundenen Barocksäulen unter der Ricsenkuppel mit ihren herrlichen Gemälden.
In der Abtheilung des Hauptschiffs zwischen dem Hochaltar und dem Chor drängt sich die stetig wachsende Menge zusammen; der übrige Theil des Domes ist fast menschenleer. Fremde — alle Sprachen schwirren leise durcheinander, aber das Yeeees dominirt natürlich auch an diesem Orte — und zwischen ihnen Geistliche, Mönche und Nonnen, das Alles staut sich hier. Der eingesessene Romer ist nur in wenigen 'Exemplaren beiderlei Geschlechts vertreten, da er ja genau weiß, daß ihm hier die Oslermesse nichts Besonderes bietet nnd daß er sie ruhiger und andächtiger in jeder anderen Kirche genießen kann. Immer mehr schiebt sich die Menge zusammen, steht sich müde auf den harten Fließen, unterhält sich ungcnirt, seufzt über den unpünktlichen Anfang und beneidet die vcrmuthlich der hohen Aristokratie und den Gesandtschaften angehörigen Herrschaften, die auf einer der rechts und links anfragenden Tribünen — Schautribünen — auf Stühlen Platz nehmen dürfen, vielleicht unentgeltlich, während bei besonders feierlichen Anlässen ein schmählicher Billethandel von den vatikanischen Bediensteten getrieben wird und oft Hunderte von Francs für einen Tribünenplatz bezahlt werden. Unzählige Operngucker find in Aktion, richten sich auf die Damen, die dort sitzen, auf die Gemälde, auf die plastischen Bildwerke;
äocialistischen Gutsbesitzers Zehauptimgen des Abg. P Frau ihre Arbeiter sehr gi gehetzt haben, so schließt bi denn ich finde jederzeit ani
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Deutsches Deich.
* Berlin, 10. Juni. Die „National-Zeitung" bestätigt, daß die Aussichten der Kanal-Vorlage günstiger geworden find. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen der Regierung und den Abgeordneten der östlichen Landcstheile, besonders Schlesiens, auf Grund der von nationallibcralcr Seite in der Kommission ge-
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nicht der Fall. Die Regierung hofft, daß die Vorlage noch in dieser Session verabschiedet werde und würde dem Hause für eine beschleunigte Berathung sehr dankbar sein. — Abg. v. Hydcbrand (kons.) spricht sein großes Bedauern darüber oii§,“ daß die vom 27. März datirte Vorlage erst vor acht Tagen eingebracht wurde. Wir werden die Vorlage nicht schleunig be- rathcn, sondern sehr reiflich überlegen. Wir halten cs für ganz falsch, das Landtags- und das Kommunalwahlrecht nach den gleichen Prinzipien zu regeln. Der größte Uebelstand des Entwurfs ist, daß sämmtliche Gemeinden gleichmäßig der Bestimmung unterworfen werden. Wir hoffen, daß sich aus dem Entwurf etwas Brauchbares machen läßt, cs inuß aber noch viel gebessert werden. — Abg. Herold (Centr.) führt aus: Die Vorlage ist die Erfüllung der Forderling meiner politischen Freunde, daß ein Ausgleich der durch die Steuergesetzgebung verursachten Verschiebungen stattsinden müsse. Das Dreiklasscnwahlsyftem an sich ist nicht zu verwerfen. — Abg. Sattler (nat.-lib.) schlägt die Ucbcr- weisung der Vorlage an eine 21-gliedrige Kommission vor. In dem vorliegenden Entwürfe fei Vieles zu bessern. Die Folgen des Gesetzes müßten sorgfältig erwogen werden. Es müsse sorgfältig die Frage erwogen werden, ob das Gesetz nicht einer politischen Partei, die das ganze staatliche Leben umstürzen will, das Eindringen in die kommunalen Machtmittel erleichtert. Wir werden vor Allem darauf achten, daß der Einfluß des Mittelstandes in den Gemeinden nicht vermindert werde. — Abg. Richter lfreis. Volksp.) erklärt: Bei meinen Freunden besteht keine Geneigtheit, sich an einer Einzelberathung zu betheiligen, weil die Vorlage gänzlich unzureichend ist. Mag man auch die einzelnen Punkte und Manches ändeni, ein rationelles Wahlrecht komme nicht heraus. Redner wäre mit ortsstatutärischen Bestimmungen einverstanden, wenn man die Rechte derWähler erweitere. DicVor- lage mache vor der ersten Abtheilung Halt. Gegen eine Vermehrung der Wähler in der zweiten Klasse habe er nichts einzuwenden. — Finanzminister v. Miquel führt aus, die Vorlage bringe den Mittelklassen einen festen und gesicherten Einfluß in den Gemeinden. Das Prinzip des Durchschnitts sei ein sehr glücklicher Gedanke und die Durchführung sehr leicht. Die Wirkungen seien durch eine ungeheure Statistik festgestellt. Wenn auch noch Bedenken vorhanden seien, so möchte er dem Hause rathen, die Berathung nicht auf die lange Bank zu schieben. Die finanziellen Interessen der ganz Reichen sind nie so mit dem Hcimathsort verbunden, wie die der Mittelklassen. Auch sei das Gefühl für die Ehre, an der Verwaltung der Gemeinde Theil zu nehmen, beim Mittelstände stärker. Es wäre ganz falsch, in dem Wahlgesetz politische und konfessionelle Gegensätze" zu berücksichtigen. Es wäre die größte Wohlthat, wenn das Gesetz dazu beitrüge, solche Gegensätze aus der Gemeindeverwaltung mehr und mehr zu entfernen. Die hier gemachten Ausstellungen werden sich m der Kommission beseitigen lassen. — Abg. Stengel glaubt, cs lasse sich noch etwas Brauchbares aus der Vorlage machen. — Geheimrath Evert weist auf Grund statistischen Materials nach, daß bei Weglassung der Staatssteuern in der Berechnung sich keine wesentlichen Differenzen ergeben würden. — Abg. Ehlers (sreis. Ver.) führt aus, es sei höchst unwahrscheinlich, daß durch die Vorlage wirklich besserungsbedürftige Zustände eine Besserung erfahren werden. Redner wendet sich gegen das Dreiklassenwahlsystem im Allgemeinen. — Abg. V o r st c r (nät.-lib.) hält es für unmöglich, ein Wahlgesetz zu schaffen, das für alle Gemeinden des Staates paßt. Die Vorlage wird an eine 2l-gliederige Kommission verwiesen. Morgen 11 Uhr: Kleinere Vorlagen. ______________
47. Jahrgang.
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'S HtthltiH« für die Abend «Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur iiächsterschcinmdcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
I
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Berathung des Jnvaliditäts-VcrsichcninasgesetzcS. Die §§ 135 bis 142 werden debattelos erledigt. Ebenso wird der Rest des Gesetzes angenommen. Nur zu § 143 wird noch ein Antrag von E Salisch (kons.) angenommen, der die Strasandrohung gegen Arbeitgeber auf die Nichtbeachtung der Vorschriften der Versicherungs-Anstalten ausdehnt. Die Socialdemokraten beantragen ff nunmehr die Hinzufügung eines zweiten Artikels zu dem Jnvaliditats- - Verstcherungsgesetz, der eine Novelle zum Kranken-Verficherungsgesetz ff enthält, und zwar sollen die land- und sorstwirthschaftlichen Arbeiter ~ in die Krankenversicherung einbezogen werden. Die Careuzzeit soll beseitigt, die Verpflichtungsdauer der Krankenkassen von 13 auf 20 Wochen ausgedehnt und der Mindestsatz des ortsüblichen ff Tagelohnes auf 1 Mk. 50 Pf. festgesetzt werden. Für den Fall, daß diese Abänderungen des Kranken-Vcrstcheruugsgcsetzes vom ff Hause abgelehnt werden, beantragen die Socialdemokralen ferner Hinzufügung eines neuen § 164 zum Jnvalidengcsctz, dahingehend, daß Arbeitgeber solcher Arbeiter, welche zwar der Jnvaliden-Ver- sicherung, nicht aber der reichsgesetzlichen oder einer gleichwerthigen landesgesetzlichen Kranken-Versichcrungspflicht unterließen, eine dreifache Beitragslast an die Versicherungsanstalten auscrlegt erhalten. — Präsident Graf Balle st rem erhebt gegen die Zulassung der Berathung dieser Anträge Bedenken auf Grund des § 49 der Geschäftsordnung, erklärt aber, wenn kein Widerspruch erfolge, wolle er die Anträge zur Verhandlung stellen. — Abg. Stadthagen (Soc.) empfiehlt lebhaft die Anträge. Der Reichstag habe hier »_ eine moralische Verpflichtung. In Osteibien werde das Vieh besser , behandelt, als das kranke Gesinde. Nirgends gebe cs so erbärmliche Löhne und so elende Wohnungsverhältnissc, wie im Osten. — Abg. Graf Klinckowström (kons.) hält es für überflüssig, viel darauf zu antworten, denn die Ausführungen Stadthagens seien nicht ernst zu nehmen. — Abg. Rösicke (wild-lib.) erklärt, auch seine Freunde wünschten das, was der Antrag Stadthagen bezwecke. Thatsache aber sei, daß dieser Antrag mit dem jetzt zur Verhandlung stehenden Jnvaliden-VersicherungSgcsetz nicht in engerer Verbindung stehe. — Abg. Stadthagen (Soc.) hält die Anträge für unbedingt nothwcndig. — Abg. Brüsike (sreis. Volksp.) meint, der Abgeordnete Stadthagen habe furchtbar übertrieben mit seinen Schilderungen übeh die Wohnungs- und ff Lohnverhältnisse in Ostpreußen. Auch die Lage der Kleinbesitzer in Ostpreußen sei gar keine so schlechte. Sic habe sich in den letzten Jahren sogar wesentlich gebessert. — Abg. Haase- Königsberg (®oc.) | verbreitet sich in ausgedehntem Maß Über die politischen Ver- : haltniffe in Ostpreußen und Über die Wahlergebnisse daselbst, indem er dabei auf feine Auseinandersetzungen mit dem Grafen Klinckowström bei § 3a der Vorlage zurückkommt und namentlich dessen l Behauptung zurückweist, baß die socialistischen Arbeitgeber erst recht ihre Arbeiter schlecht behandelteu. — Abg. Graf Klinckowström verweist den Vorredner nochmals auf den bekannten Fall des Braune in Ostpreußen. Entgegen den Abg. Paasche erkläre er, daß er selbst und seine ' 'ir gut behandelten. Arbeiter, die Sie aufs ,______, jer Redner, habe ich auch stets entlassen,
denn ich finde jederzeit andere. — Präsident Graf Ballestrcm: Das Wort „Sie" war hoffentlich nicht groß geschrieben. (Stürmische Heiterkeit.) — Abg. Haase (Soc.) bemerkt, Herr Graf Klinckowström schildere, wie seine Frau für feine Arbeiter sorge. Er, Redner, wisse aber nicht, was die Gräfin Klinckowström in ff dieser Beziehung thue, denn er habe zn dieser Dame gar keine fe näheren Beziehungen. (Stürmische Heiterkeit.) Im klebrigen
ff wollten die Arbeiter keine Wohlthaten, sondern nur ihr Recht. — - Die Debatte wird geschlossen. Die beiden Theile des socialistischen Antrags werden abqclehnt, die von der Kommission beantragte t Resolution, betreffend Beseitigung der Careuzzeit im Kranken-
durch die Steuergesetzgebung eingetretenen Vcrschi wendig. Bezüglich der Gemcindewahlen lag sch, Material vor; bezüglich der Landtagswahlen
Die Regierung hofft, daß die
Berlin, 9. Juni. Die Budgetkommission des Reichstags setzte heute die Berathung des Nachtragsetats bei dem Nachtrag zum Marine-Etat fort, welcher im Wesentlichen die infolge der Neu-Organisation des Marine-Oberkommandos erforderlichen Veränderungen betrifft. Staatssekretär Tirpitz erklärte, daß die Neu-Organisation vom marine-militärischen Standpunkt aus für kriegerische Eventualitäten durchaus uothwendig sei, damit zwischen dem kaiserlichen Hauptquartier und den Chefs der dem Feind gcaenüberstehenden Truppen sich keine Instanz mehr befindet. Die auf die Neu-Regelung der obersten Marinebehörde bezüglichen Posten wurden unverändert bewilligt, desgleichen die infolge der veränderten Ausbildung der Seeoffiziere nothwcndig gewordenen Nachforderungen und schließlich auch der Nachtragsetat der Post- verwaltuna.
Die Wahl-Priif un gskomMission des Reichstags erklärte die Wahl des Abg. v. Dassow (kons.) für gültig, beanstandete dagegen die Wahl des Abg. Äöckel (Antis.).
Die Budget-Kommission des Reichstags bewilligte gestern eine einmalige Entschädigung von 150,000 Mr. an die Gebrüder Denhard. ________
Drerrßischer Landtag.
Ab ge ordnetenhaus.
Berlin, 9. Juni.
Im Abgeordnetenhause stand heute auf der Tagesordnung die erste Lesung der Gemeindewahl-Vorlage. Minister Freiherr von der Recke begründete dieselbe und snhrt aus: Das Drciklassen- system hat in seinen Einzelheiten zweifellos manche Mängel. Das hohe Hans ist gewiß wie ich von der Nolhwcndigkeit des Klassen- systems überzeugt, und es macht sich nur die Berücksichtigung der
VersicherungSgesctz, wird debatteloS angenommen. Einige aus dem Hanfe beantragte Resolutionen sollen erst bei der dritten Lesung verhandelt werden. Die Vorlage, betreffend Verwendung von Mitteln aus dem Reichs-Jnvalidenfonds, wird in zweiter Lesung debatteloS erledigt. Es folgt die zweite Berathung der Vorlage, betreffend den Gebührentarif beim Nord-Ostsec-Kanal. — Abg. Brö mel (freis. Ver.) beantragt, die Vollmacht des Bundesraths zur Tariffeftsctzung nicht um 5, sondern nur um 3 Jahre zu verlängern. — Staatssekretär Posadowsky hält den drcitahngcn Zeitraum für zu kurz, um sich ein Durchschnittsbild von der Gestaltung der Verhältnisse bei einer neuen Festsetzung des Tanfes zu machen. Der Reichstag sei ja jederzeit beim Etat in der Lage, Wünsche zu äußern. — Abg. Hahn (wild-lib.) will seinen Entschluß, ob 5 oder 3 Jahre, davon abhängig machen, ob die Regierung eine beruhigende Erklärung dahin abgiebt, daß sie nicht etwa für die Kleinschiffahrt die Gebühren für die Kancil- Benutzmig oder das Schleppen erhöhen werde. — Staatssekretär Posadowsky meint, der Kanal sei eine Weltstraße und könne demnach nicht mit Zahlen behandelt werden. Hierin könne Herr an einen genügenden Schutz dahin erblicken, daß nicht etwa aus crzigen fiskalischen Interessen gegen die Klcinschiffahrt vor- qegangen werde. Der Antrag Brömel wird angenommen. In § 8 wird auf Antrag des Abg. Kirsch (Centr.) die daselbst festgesetzte Geldstrafe" auf das Vierfache des hinterzogenen Betrages festgesetzt. Der Rest der Vorlage wird unverändert angenommen. DebatteloS wird in dritter Lesung der Gesetzentwurf über Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe angenommen. Es folgen Wahlprüf ungen. Das Mandat des Abgeordneten Rother wird für gültig erklärt. Die Mandate der Abgeordneten Graf Carmcr und Henning beanstandet. Das Mandat des Abgeordneten Grafen Dönhoff- Friedrichstein beantragt die Kommission, für gültig zu erklären. Aus Antrag des Abgeordneten Haase (Soc.) beschließt das Haus Rückverweisung an die Kommission. Beanstandet werden ferner die Mandate der Abgeordneten Harriehausen, v. Staubt), Hasse, Hilbek, Pauli und Dittrich. Eine längere Debatte cnlsptunt sich bei dem Mandat des Abgeordneten Lotze, welches schließlich für gültig erklärt wird. Montag, 1 Uhr: Nord-Ostscc-Kanal-Gebiihren, Nachtrags-Etat, Hypotheken-Bankgesetz. Schluß 6'/- Uhr.
