Wiesbadener Tagblait
1809
Freitag, de« 9. Jimi
Fernsprecher Wo. 52.
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Morgen-Ausgabe
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Ferner bitten wir, darauf Rücksicht zu nehmen, daß der Pachter keine eigene Weinhandlung betreibt oder in Folge von ihm be- nöthigter pekuniärer Unterstützung von einem Weinhändler oder sonstigen Lieferanten abhängig ist. Im Vertrauen darauf, daß der
Verlag: Langgasse 27.
16,000 Abonnenten
«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-Preis: durch den Verlag 30 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
— Straßenbahnen. Die Direktion der Süddeutschen Eiscn- bahngesellschast hat den Magistrat um die Erlaubnis; gebeten, das Schienenmaterial für die elektrische Bahn über den Schauplatz in den betr. Straßen, zunächst in der Rheinstraße, abladen zu dürfen. Da sich das Gesuch nur auf die Dauer der Arbeiten für die einzelnen Bahnstrecken beziehen kann, hat der Magistrat gestattet, die Schienen an geeigneten Stellen der genannten Straße vorübergehend aufzuschichten und die Direktion weiter angewiesen, sich dieserhalb auch mit der Kgl. Polizeidirektion zu verständigen.
— Mafferlritong. Mit dem von Herrn Direktor Muchall auSgearbeitetcn und von der Wasserwerksdeputation empfohlenen generellen Projekte für die weitere Ausdehnung der städtischen Wassergewinnungsanlagen hat sich der Magistrat im Allgemeinen einverstanden erfiätt. Auf Grund dieses generellen Prosektes wtrd mit der Ausarbeitung der einzelnen Theile desselben demnächst vor-
14 Pf festgesetzt und mit 50,000 Mk. auf die Stammemlage de, Georg Tilsen und mit je 20,1)00 Mk. auf bie Stammeinlagen btfl Oberlehrers Hans Tilsen nnd der Wittwc Charlotte Tilsen an- gerechnet. Der Rest von 2430 Mk. 14 Pf. ist dem Georg Ttlsen qutgeschrieben, b) die Gesellschafter Heinrich Kappus UI. und Olga Riemer bringen als ihre Einlage auf das Stammkapital ein: ersterer eine ihm gegen die Firma Elekttieitatswerke Idstein i.T. zustehende Forderung'von 11,000 Mk., letztere ein ihrem Ehemann Kaufmann Kurt Riemer zu Breslau gegen btt Firma „Wiesbadener Elektricitätsgesellschaft" zustehendes Gesellschaftsguthaben von 10000 Wk. D. Geschäftsführer ist der Kaufmann Jean Marie Ker teil zu Wiesbaden, derselbe wird die Firma zeichnen, indem er der Firmenbezeichnung seinen Namen hinzufügt.
— Aettr Straßen. Für die noch nicht benannten Theile der südlichen Ringstraße sind dte Namen Kaiser Wilhelm-Ring (von der Adolssallee bis zur verlängerten Viktoriastraße) und Moltke-Nlng (von da bis zur Bierstadter Straße) in Aussicht genommen.
— Intmobilirngeschäft. Nach den Eintragungen im Feld« gerichtsgebühren-Journal sind im Monat Mai b- ■j9.
selbst 11 Häuser zum Gesammtpreise von 2.1W.500 Mk. und 13 Grundstücke für insgesammt 199,417
verkauft worden. Bei den Häusern betrug der. höchste Kaufpreis 1,200,000 Mk. inkl. 10,000 Mk. für Mobiliar und der geringste 45,500 Mk. In demselben Monat des vorhergehenden Jahres wurden 12 Hauser zu msmsaiiMri,lM,000 M. und 28 Grundstücke zu insgesammt 494,300 l.k. fteiw.ll'.g » erkauft.
— Kaudelsregister. In das Gesellschaftsregtster ist die bicrfelbft domizilirte Gesellschaft mit beschränkterHastimg tnFtrmal „Wiesbadener Elektricitätsgesellschaft, G. m. 6. H. , eingetragen worden und hierbei Folgendes vermerkt morben: A. Der notariell aufgenontinene Gesellschaftsvertrag lautet vom 4 Mai 1899 und befindet sich in Ausfertigung Bl. 1-12 der Seuaaeaftat B. Gegenstand des Unternehmens sind die Errichtung, der Betrieb und der Erwerb von elektrischen Centralen und anderen maschinellen Anlagen aller Art. C. Das Stammkapital beträgt 126 000 Mk. s) Der Gesellschafter Georg Tilsen bringt ferne beiden <3e» schäfte „Wiesbadener Elektricitätsgesellschaft Georg Tilsen Utü> „Elektricitätswerke Idstein i. T.', deren alleiniger Inhaber er M. mit allen Aktiven und Passiven nach dem Stative vom 4. Mai 1899 in die Gesellschaft ein. Die Vergütung für diese von der Gesellschaft übernommenen Vermögensgegenstände wird auf 92.430 Mk.
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 9. Juni.
— Grfchichtskalendrr. 9. Juni. 1897: f Jakob v. Falke 6 in Lovrana bet Abbazia, hervorragender Kultur- und Kunst- - Historiker. 1870: ch Charles Dickens, Gründer der Londoner Roman- I schule. 1815: Schlußakte des Wiener Kongreßes. 1810: * Otto | Nicolai zu Königsberg, Overnkomponist („Die lustigen Weiber von • Windsor" u. 81.), (t zu Berlin). 1781: * George Stephenson zu ► Wylam, der Hauptbegründer des Eisenbahnwesens. 1672: * Peter : der Große zu Kolornanskoje Sselo. 1190: Kaiser Friedrichs I. E Tod im Kalykabnos. 1075: Schlacht bei Langensalza, Sieg Heinrichs IV. über Otto von Nordheim.
— Kurhaus. Wie nicht anders zu erwarten, erregt das am ° Samstag unter Arthur Nikisch im Kurhause stattfindende fc Festival-Konzert ein ganz ungewöhnliches Interesse. Die M Karten-Nachfraqe ist, dem Vernehmen nach, eine sehr lebhafte. Dte r Gelegenheit, den berühmten Dirigenten hier zu sehen, dürfte wohl M sobald nicht wiedcrkehren. Dies gebt schon daraus hervor, daß es der Kurverwaltung nicht gelingen wollte, Herrn Niktsch tm Winter m engagiren, da er nicht einen verfügbaren Tag hafte. Um aber Lhrem Mfttztp und »ri^en, die ersten Kapazftatea der Tonkunst
Unzeigen-PreiS:
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg-.— Sieciauten die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Pfg.
dem hiesigen Publikum zu vermitteln, auch in Bezug auf diesen berühmten Kapellmeister in nur eben möglicher Weise nachzukommen, hat dte Kurverwaltung die Sommerzeit zu seinem Engagement benutzt. . . , , , , ..
— Knrhaus-Rrftaurauck. Wie mir erfahren, haben dte hiesigen Weinhändler nochmals eine Eingabe wegen der Neuverpachtung des Kurhaus-Restaurants an bett hiesigen Magistrat gerichtet, deren Wortlaut wir nachstehend wiedergeben: „Unter höflicher Bezugnahme auf die Eingabe der hiesigen Wemhändler vom Dezember vorigen Jahres, bereit Inhalt wir voll unb ganz bestätigen, erlauben wir uns, bem hochlöblichen Magistrat nochmals bie ganz ergebenste Bitte zu unterbreiten, bei bet Neuverpachtung bc8 Kurhauses unbedingt darauf Rücksicht zu nehmen, daß eine genügende Anzahl Wiesbadener Firmen auf der Kurhaus-Weinkarte an prominenter Stelle vertreten sind, und zwar mit gangbaren «orten.
zahlenden Weinhandler in weitgehendster Weise Rechnung tragen wird, verharren Hochachtungsvoll! (folgen Unterschriften der hiesigen Weinhändler)."
o. Schwurgericht. Als vierter Fall gelangt am 22. d. M. die Anklage gegen den Knecht August Schmidt aus Pilgerzell, zuletzt in Kloppen heim, wegen versuchter Nothzncht zur Verhandlung. Vertheidiger ist Herr Rechtsanwalt Frey hier.
— RrichshaKeu-Tljeater. Herr Gustav Ull mann schreibt uns, daß im Rcichshallen-Theater „bei eintretenber Wintersaison flott weitergespielt" werbe.
— Drr 100-jährige Geburtstag bes berühmten russischen Dichters v. Puschkin wurde vorgestern in der russischen Kapelle am Neroberg in erhebender Weise gefeiert. Das prächtige Gotteshaus war schön beJorirt durch einen herrlichen Blumenflor. Zur Trauermesse um 11 Uhr hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden. Anwesend war die ganze russische Kolonie von Wiesbaden, ferner Prinz Nicolas von Nassau mit Gemahlin, »yrau Gräfin Merenberg, bekanntlich eine Tochter Puschkins, unb zwei Komtessen Merenberg. Der Sängerchor ber russischen Gemeinbe trug eine Trauermeste mit Musik, komponirt von Herrn Propst v. Protopopoff, in wirkungsvollster Weise vor unb ber Herr Propst hielt eine Rede über das Thema: „Religiöse Motive in ber Lyrik Puschkins", welche tiefen Einbruch hinterließ.
*-----; «__.___f'üt die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für bie Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für bie Aufnahme später eingereichter Auzeigtn zur
Anzeigen -Annahme nächsterscheinenben Ausgabe wirb keine Gewähr übernommen, jeboch nach Möglichkeit Sorge getragen.____________________
Stimmen aite dem Publikum.
(Bit Beröffentlidmngtii untre bitter Ueberfärift übernimmt bie Webaftiou leinetM ° Leraulwortung.)
* Steuerkasse. Lieber Leser unb Steuerzahler, wehe Dir, wenn Du den für den Anfangsbuchstaben Deiner Straße von der Behörde bestimmten Zahlungstag übersehen, ober auch aus Geldoder Zeitmangel versäumt hast! Es ist bann nicht so leicht. Dein Gelb los zu werden, und wenn Du noch so sehr drauf brennst; d^n — höre, wie mir's wiederholt erging. Ich komme hin, will sogar en gros bezahlen, sehe zwei Schalter; der eine ist belagert von ungefähr fünfzig Menschen, am anderen ist keine Seele. Ah, denk' ich, das haft du gut getroffen, will bem Beamten, der gar nichts zu thun hat, meinen Zettel geben; ja Prost Mahlzeit, da erhalte ich den Bescheid, hier darf ich nur bie Zettel ber Straßen mit J und K annehmen, alle anderen Buchstaben sind am andere« Schalter abzugeben! „Aber dort ist's ja so voll," erwiderte ich, „unb Sie haben doch nichts zu thun." ,,Einerlei", sagt er, „ba» geschieht, um das Publikum an die neue Einrichtung zu gewöhnen.
(Nachdruck verboten.)
Die Zahl tm Kriege.
Ein Beitrag zur Friedens-Konferenz im Haag, n.
Etwas von den Berlnstlisten.
Richt die materiellen Aufwendungen oder Verluste sind e«, welche uns bei der statistischen Betrachtung ber Kriege in erster Linie interesstreit. Der Verlust an Gut mag noch so groß fein, der Verlust an Blut erweckt unsere hauptsächlichste Antheilnahme, wie )aS ja auch ganz selbstverstänblich ist. Da bieten uns denn dte Labellen des Hauptmann« Berndt in seinen tm vorigen Artikel erwähnten Buche einen lehrreichen Einblick. Wir entnehmen ihnen hier nur die Zahlen aus den letzten drei Kriegen, welche Preußen resp. Deutschland führten, den 64er, den 66er Krieg und den I; Krieg von 1870 71, und zwar geben wir bie Verluste von Tobten und Verwundeten aus den Hauptschlachten, habet SBergletaje ziehend mit anderen Berndtschen Tabellen, welche in dem Buche enthalten sind. .
Bei Düppel verloren die Preußen 4,8 pCt., die Danen 6,7 pCt. ihrer Kämpfer, bei Alsensund elftere aber nur 2, letzten hingegen 10 pCt. 6 pCt. aller Kombattanten blieben bei diesen Schlachten. Auch hier zeigt es sich, was übrigen« in der Natur der Sache liegt, daß ber Sieger für gewöhnlich ungleich weniger Verluste hat als ber Besiegte. Freilich giebt es auch hier Ausnahmefälle. Die Schlachten von Spichern, Colombey, Gravelotte, bcfonbcrS aber die so blutige Schlacht von Mars-la-Tour bestätigen als Ausnahmen nur die Regel. In letztgenannter Schlacht verloren die Sieger an Todten unb Derwunbeten über 22'/, pCt., die Feinde aber nur 9'/- pCt. Ganz anders schon stellt sich das Resultat bei- Betrachtung des Gcsammtverlustes, bet bem die Vermißten und die Gefangenen mit zählen. Da ergiebt sich bet den Ziffern von Gravelotte, baß die Verlustliste ber Sieger nur noch um etwa 10, pCt. stieg, währenb bie Verluste ber Besiegten säst um 5 pCt. höher gingen. Wie sehr sich bas Verhältniß zwischen blutigen Verlusten unb Gesammtverlulten verschiebt, ergiebt sich auch barans, baß in bett Hauptschlachten ber ersten Periode des deutsch-französischen Krieges bei 9V, pCt. Gesammtverlustm der angreifende Sieger mit 1 pCt. schwerer belastet ist als ber Besiegte (10 pCt.: 9 pCt.), währenb bei den Gesammtverlusten ber größten Schlachten die Deutschen mit 8, bie Franzosen mit 17 pCt. verzeichnet stehen. Jrn 66er Kriege war in letzter Hinsicht ein ganz |te- ähnliches Verhältniß vorhanden. 8 pCt. des ®leger« gegen 16 pCt. ber Besiegten, hoch bei bett blutigen Verlusten für sich betrachtet, ist das Verhältniß wieder ein bedeutend anderes. 7 pCt. der Truppen des Siegers und 9 pCt. des Besiegten deckten die Schlacht- U selber. Jrn Allgemeinen zeigt sich bei biefen Listen, daß mit Ei einigen Schwankungen trotz her Vervollkommnung kriegerischer Morbwerkzeuge bie Kriege immer weniger blutig werben. Die M schlesischen Kriege brachten noch 17 pCt. an Tobten unb Ver- ! mundeten, die Napoleonischen Kriege hingegen nur 15 pCt., der so blutige Krimkrieg forderte 14 pCt., ber 66er Krieg 8 pCt., bie : erste Periode des deutsch-französischen Krieges 9‘/, pCt., bie zweite Periobe aber nur 3 pCt.
Um die Verlnstzahlen richtig zu verstehen, ist e« natürlich noth- wendig, fich ein Btlb von ber bei bcn Schlachten betheiligten ; Truppenzahl zu machen. Wenn, wie bei bem gewaltigen Ringen " von Mars-la-Tour, ber Sieger mehr als hoppelt soviel blutige Ver- - lüfte bat als sein Gegner, so müssen allerbingS abnorme Verhältnisse £ Vorgelegen haben, unb ba finden wir benn, baß 63,000 Deutsche gegen 118,500 Franzosen ftanben, wobei in bcn Kampf kamen M 56,000 Deutsche unb 92,000 Franzosen, welch letztere in ber zchn- ■ stünbigen Schlacht u. A. 500 Kanonenschüsse mehr abgaben als bie Gegner. Wie gesagt, bie Verhältnisse dieser Schlacht, welche ben numerisch fo schwachen Siegern unter bem Oberbefehl bes I Prinzen Karl unverwelkliche Lorbeeren einbrachten, sinb abnorm, denn im Großen unb Ganzen zeigt bie Kriegsgeschichte, baß ber | stärkere Th eil, wenn et nicht eine befonberS schlechte Position s einntmmt, schlecht geführt ist ober in seiner Ueberzahl mangelhaft ailSgebilbete Truppen mit fich führt, auch znm fiegenben Thetl ' wirb. So ftanben an ber Katzdach 95,000 Verbündete gegen & 79,000 Franzosen, in ber Völkerschlacht bei Leipzig gar 300,000 Ver- I bünbete gegen 170,000 Mann Napoleonischer Truppen, bei Waterloo schwankte das Zünglein ber Waage, ba bie Gegner gleich stark I waren, bis bie Preußen mit 75,000 Mann erschienen unb bie Gegner M ber Franzosen sich dadurch verhoppelten. Bei Wörth ftanben 8 82,000 Deutsche gegen 48,000 Franzosen, bei Gravelotte unb St. VM Privat 187,000 gegen 112,000 unb bei Sedan 154,000 gegen 90,000. . Die Ueberzahl siegt, bas ist bie Norm, ist bas Natürliche, ist bie M einfache Wahrheit, unb bie Ausnahmen bavon werden umso seltener, je näher sich bie Militärstaaten in ihren strategischen und kriegstechnischen Fortschritten kommen. Und dieser Brutalen Wahrheit i sollte man bei ber FriebenSkonferenz bie höheren, sittlichen Gesetze ber Menschlichkeit entgegenffeQett, sollte auch ben Schwächeren das r Recht selbständiger, freier Entwickelung verbürgen, das „Recht ber | Stärkeren" aber, als altes, überlebte«, rohes Feudalrecht, abthun, ober ihm so viel wie möglich hie Krallen stutzen.
Kriegs- Periode
Schlacht (Gefecht) bei
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<7, | Aus „Berndt, Die Zahl Im Kriege“.
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Kartogr. Anst. v. G. Freytag & Berndt, Wien.
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