ieMkim Sagblatt
1899
Donnerstag, den 8. Innr.
Fernsprecher No. 52.
I Wo. 262
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
hastig, man wollte ihn verstoßen, ihn niedrig und schlecht missen. Wie gern hätte er, selbst cin Ase, unter den Göttern geweilt und OdinS Gebote erfüllt. Aber man verschmähte seine Dienste — mochte man nun seine Macht spüren. Und den Speer riß er von der Wand, schwang ihn drohend in der Rechten und schleuderte ihn krachend in das Gebälk. Die freudigen Rufe verstummten. Schrecken kroch Allen über den Rücken. Das war Krieg. Und lautlos fiel hinter dem schwindenden Loki die Thür ins Schloß.
In allen Unternehmungen fuhr ihnen jetzt Lokis fnnd- selige Hand entgegen. Odin verrieth er bei des Schmiedes Tochter Berchta. Kara, des Göttervaters Lieblingswalküre, unter den Schlachtjungfrauen die jüngste und kleinste, betrog er um ihr jauchzendes Opfer, den Königssohn Harald Hardhor. Von dem Scheitel der braungelockten Magd Sif, die Thor zu seiner Gattin erhoben, ließ er die Zauberbinde gleiten, als die Eitle um blonden Kopsschmuck sich das Haupt kahl geschoren. Aufrührerischen Bauern schmiedete er Waffen gegen ihre Jarle. Balders Schwester Frehja brachte er in Schande um seinetwillen — das Halsband Brisingen erkaufte sie mit vier Rächten bei uralten Zwergen im eisigen Norden. Auf der Burg der Götter selbst erschien er und schmähte und höhnte sie. Odin warf er Berchta vor und Kara, seine kleinste Walküre. Thor die Gattin S'f. Von den aufrührerischen Bauern redete er, und wie er Heimdal beschämt. Und des lichten Balder Schwester schleuderte er ein Wort ins Gesicht, das sie nmsinken machte. Rur Balder. .. der sah ihn leuchtenden Auges fest an. Da wankten dem Höhnenden die Knie, er schlich sich davon.
So lange Balder lebte, das wußten die Götter, war ihnen auch Leben und Herrschaft. Balder lebte . . . und es erfaßte sie ein Bangen, eine geheime Furcht.. Er durste nicht sterben. Ihre Sonne durfte nicht erlöschen. Da zogen aus Frigg und Freyja, die ganze Welt in Eid zu nehmen, dem Lichtgott kein Leid zu thun. Auch die kleinste Pflanze übergingen sie nicht. Zu jedem Kiesel schritten sie. Nur die unglückselige Freyja vollendete ihr Werk nicht. Auf einem Ast des Mistelstrauchs saß, sich wiegend, Lok,.
war er bald so groß wie seine Pflegerin. Mit der Hacke bearbeitete er den steinharten Boden, um ihm die geringste Frucht abzugewinnen. In die Seele des gequälten und wunden Jünglings wirst Sigyn das Saatkorn der Unzufriedenheit. „Ö weise Welt der Äsen! Ueber Lust und Sonne gehen die Einen, greifen rechts und links in die lieblichen Lüfte und fassen feste Früchte und segenschwere Halme. Und die Anderen kriechen mühsam über Kluft und Klippe und zerren die Hände an der rauhen Erde, leer sind sie und feucht nur von eignem Schweiß." Uubjtun duldet es Loki nicht mehr in seiner nackten Hütte auf Felsen. Er zieht aus, sein Glück zu suchen. Er kommt in Länder, in denen lauliche Winde die Stirn kosend umwehen, in denen ein weicher, schwellender Boden die reichsten Früchte ohne Mühe trägt. Er hört, der Freudlose, ein lustiges Lachen. Aus einer Wiese spielen die Götterkinder. Heimdal und Thor und Balder, Freyja und Nanna. Er tritt unter sie. Schrecken und finsteres Unbehagen erweckt sein Kommeil in Heimdal und Thor. Strahlend tritt ihm Balder entgegen. Hoheit und Milde,- eine unendliche schenkende Güte liegt auf ihm. Sonne fchimmert von seinem Scheitel. Loki sühlt sich so arm und frostig. Aus ihrem Kreise scheidet er wieder. Und mit sich nimmt er das Bild Nannas, der holdseligen Jungfrau.
Jahre sind vergangen. Aus Heimdal, dem täppischen Knaben, ward ein ungeschlachter Krieger, Thor führte den schmetternden Hammer, und Balder, der Sohn der Sonne, blühte in wunderbarer Schönheit und reich an den köstlichsten Gaben. Er und Nanna sollten das Brantlinnen bereiten. Am Tage der Hochzeit, da der Jubel der Götter die schimmernden Wände Walhalls erbeben machte, betrat Loki den Saal. Seit jener Begegnung auf lachender Wiese halte man ihn nickt erblickt. Hoch im Norden hatte er sich geborgen. Einsam weilte er bei der alten Sigyn. Nun stand er mitten unter den Beglückten, Trunkenen, im Anschauen von Balders und Nannas Herrlichkeit. Nanna, die er nicht vergessen konnte, in den Armen eines Anderen, und gerade dessen, der ihn in stummer Hoheit bezwungen, seine Träume langer und qualvoller Stunden zerstört. Wahr«
«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch bte Post 1 Mk. 60 Pfa. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
(Nachdruck verboten.)
Unter Göttern.
k (Eigener Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".) Nächtens träumte Odin einen grausigen Traum. Am k Himmel sah er riesengroß den Halbmond stehen. Und
| seiner Raben angstvoller Flügelschlag scheuchte ihn vom M Lager. Schweren Schlaf in den Augen, blickte er hinüber | zu seiner Gattin Frigg. Aber schwarzer Nebel nur stieg aus ihrer Bettstatt empor. Noch einmal — dann lag sie . dort ruhig schlafend. Ans ihrer Stirn stand der Schweiß, ff Ihre Brust keuchte. Der Göttervater jedoch in seinem l Herzen wußte, daß eine schreckliche Zeit den lichten Be- l wohuern Walhalls nahte. Hatte doch Urd, die SchicksalS- - ßöltin, ihre Zeichen gegeben.
Am anderen Morgen trat zu dem sinnenden Odin der f greise Widar. Seine trüben Blicke fragten ihn nach dem F Halbmond am nächtlichen Himmel und dem grauen Nebel e auf dem Lager der Gattin. Ihnen gesellten sich Wall und - Bragi. Bleich und starr tönten sie dieselbe Frage. Da I t kreischte ihnen zu Häupten Urds Bote, der schwarze Berg- 4 | salke. Seine Kunde machte die Göller weiß wie Linnen... In jener Nacht ward ein Knabe geboren, dessen Mutter [ eine Asin war. Wer aber und wo — das blieb Urb selbst I verborgen. Ein Kind, dessen Eltern man nicht kannte, f Asinnen sollten es pflegen. So gebot Urd, die Schicksalsgöttin.
Und die Asinnen pflegten ihn wohl. Eines Tages, als k Frigg über des Kindes Lager sich beugte, griff es mit f gierigen Händen nach ihrem Halsschmuck. Sie aber schlug - die Finger mit harten Streichen nieder. Seitdem lachte [ ßofi — so hieß der Knabe — nicht mehr. _6r hatte das | Lachen verlernt. Frigg gab ihm Eiswasser ans dem i Thundstrom und heiße Ebermilch. Widars Weib goß ihm I Wolfsschaum in den Hals. Eine andere schob chm siedend ii heißes Uhufleisch zwischen die zusammengepreßten Zähne. Er ' aß und trank, und feucht war seine Stirn und trocken fein Auge.
Das Kind wuchs aus in der Hut der alten Sigyn. t Schwarze Locken ringelten sich um feine Marmorstirn. Nun
Verlag: Langgasse 27
14»,O4M> Abonnenten
Anzeigcn-PreiSr
Die einspaltige Pctitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfa.— Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
gtrlitt, 7. Juni.
Das Abgeordnetenhaus hat heute die Nachweisung über die Verwendung der zum Bau von Kleinbahnen angesammclten Fonds durch Kenntiiißnahme erledigt und hierauf den Nachtrags-Etat im Betrag von 400,000 Mk. an bie Budgetkommission zur Vorbereitung verwiesen. Alsdann folgte die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die ärztlichen Ehrengerichte und die Aerztekammern. Der greise freisinnige Kämpe Langerhans trat mit bemerkenswerther Frische und Rüstigkeit als grundsätzlicher Gegner des Gesetzentwurfs überhaupt und auch der Kommissionsfassung auf, aber seine Kraft reichte nicht ans, die Vorlage znin Scheitern zu bringen, da einzig die äußerste Linke für seine von Paragraph zu Paragraph ,ort- gesetzten Streichungsanträge stimmte. Auf Antrag Jmwalle wurde das Inkrafttreten des Gesetzes auf den 1. April 1900 fest» gesetzt. Es folgt Berathnng des Antrags Motty (Pole), welcher die Regierung auffordert, die bestehenden Grundsätze, betreffend Anwendung der körperlichen Strafmittel in den Volksschulen, den Volksschullehrern erneut zur gewissenhaften Nachachtung einzuscharfen und die Befolgung durch die Schulaufsichtsorgane streng überwachen zu lassen unb ferner in Erwägung zu ziehen, ob nicht die körperlichen Strafmittel durch anderweitige gesetzliche Regelung überhaupt zu unterlagen oder wenigstens bedeutend einzufchränkeu seien. — Aba. Motty begründet den Antrag und führt viele Fälle an, wobei Züchtigungen Krankheiten und sogar den Tod zur Folge hatten. — GehenN- rath v. Breme n führt aus, die vom Antragsteller angeführten angeblich schweren Fälle seien nach den amtlichen Berichten durch- aiis unerheblich. Redner bittet den Antrag abzulehnen. — Aog. Geisler (Centr.) führt auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen als Lehrer aus: er habe die Ueberzeugnng gewonnen, so lange es noch faule, verlogene und unehrliche Kinder giebt, könne das Züchtignngsrecht nicht entbehrt werden. Er bittet, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen. — Abg. v. Willisen (kons.) wünscht, daß möglichste Nachsicht geübt werde; er könne der Aufhebung des Züchtigungsrechts nicht zustinunen. Ausiallia bet den von Motty angeführten Fällen sei, daß der schlagende Lehrer immer einen deutschen Namen, der arme geschlagene Junge aber immer einen polnischen Namen habe. Er hätte uns in eine bessere Stimmung versetzt, wenn er uns auch die entgegengesetzten Fälle nicht vorenthalten hätte. Herr Motty bat einen berühmten Vorgänger in seinen Bestrebungen, den Feldmarschall v. Gneisenau, der ein Buch über die Anwendung der Prügelstrafe tn der Armee mit großem Erfolge geschrieben hat. Der durch die Zeitungen bekannt gewordene Erlaß' des Kultusministers faßt die Frage noch tiefer, natürlich ans dem edelsten, humansten Bestreben heraus, aber auffällig ist es doch gewiß, daß dieser Erlaß in schreiendstem Gegensatz steht zu der Erklärung, die hier eben vom Regierungstisch abgegeben worden ist. (Sehr richtig! rechts.) Der Zeitpunkt ist ja geeignet, dem Antrag Motty den Wind aus den Segeln zu nehmen, aber der Gedanke, daß der Minister ans parlamentarischen Rucknchten einen Erlaß auSqiebt, ist doch sicherlich . zuriickznweisen und liegt mir natürlich auch ganz fern. (Heiterkeit.) Der Erfolg tarnt nur dahin gehen, das Ziichtigungsrecht des Lehrers ganz aufzuheben. Der Erlaß des Ministers verlangt vorherige Anzeige der körperlichen Züchtigung bet dem Rektor. Da sollen wohl konstitutionelle Garantieen eingeführt werden. (Große Heiterkeit rechts.) Warum soll nicht auch der Junge selbst erst gehört werden? (Große Heiterkeit.) Ich glaube, die Primel haben uns Allen nichts geschadet. (Große Heiterkeit.) — Geheimrath B r a n d i: Diese Kritik des Erlasses beruht auf falscher Auffassung des Wortlauts. Das Geschick erkenne ich an, nicht aber bte Richtigkeit. Der Erlaß bringt lebiglich bie Vorschriften in Erinnerung Die Schule soll keine Prügelanstalt sein. Die größte Verehrung haben wir alle doch für biejenigen Lehrer, die ohne Stock fertig werden
betten übertragen werden können. Die Kontrolle über die Entrichtung der Beiträge soll denselben auf Verlangen der Versiche- ruiigs-Anstalt übertragen werden müssen. Die Abgeordneten Gerstenberger (Gentrum) und Schmidt-Elberfeld (freif. Volksp.) beantragen eine redaktionelle Aenderung dahin: Außer den im s 51 Absatz 1, bezeichneten Aufgaben kann der Vorstand der Versicherungs-Anstalt unter Zustimmung des Ausschusses der Renten- stelle die Kontrolle über die Entrichtung der Beiträge übertragen. In gleicher Weise und mit Genehmigung der für den Sitz der RenteiisteUe zuständigen Landes-Centralbehörde können der Rentenstelle durch den Vorstand noch weitere Obliegenheiten übertragen werden. Nach kurzer Debatte wird § 51a in der Fassung Gerstenberger-Schmidt angenommen. Bei § 51 b, der die Ernennung, Amtsdauer und Besoldung des Vorsitzenden der Rentenstellen behandelt, beantragt Abg. Gerstenberger (Centr.) eine Aenderung dahin, daß dieLandes-Central- behörde nur den Vorsitzenden zu ernennen hat, dieAmtsdaner und die Bezüge soll der Vorstand der Rentenstellen festsetzen. In dieser Fassung ' gelangt § 51b znr Annahme. Ein dazu eingebrachter socialiftlscher 31'ntrag wird abgelehnt. Der bis zur Erledigung dieses Paragraphen zurückgestellte § 47 wird in der Kommisiions- fciffung angenommen, desgleichen ß 51 o. § 51 d handelt von der Verpflichtung unb Hereinziehung der Beisitzer bei den Rentenstellen. Der Paragraph wird unverändert angenommen, desgleichen die 88 öle und f. Den § 51 g, welcher der Landes-Centralbehörde die Besugniß znspricht, den Rentenstellen statt der bloßen Begutachtung die Beschlußfassung über Anträge ans Beitragserstattung ec. zu übertragen, beantragt Abg. Richter (freif. Volksp.) zu streichen, da ihm diese Besugiiiß zu weit gehe. — Staatssekretär Po s a- dowsky bittet, den Paragraph in der Kommissions-Fasinng aufrecht zu erhalten. Es handle sich ja nur um eine Besugniß für Ausnahmefälle. Der Antrag Richter wird abgelehnt, § 51 g unverändert in der Kommissions-Fassung angenommen, ebenso § ol h. Die folgenden Paragraphen bis inklusive § 65 werden unverändert nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. In § 66 (Veränderung in oen Bezirken der Versicherungsanstalten zc.) hat die Kommission einen Zusatz eingefügt, wonach eine Zusammenlegung, Theilung ober Aufhebung beftebenber Versicherungsanstalten ber Zustimmung be8 Reichstags bebürfen soll. — Bayrischer Mimstenal- Direktor v.'Hermann bittet im Namen ber bayrischen Regierung nm Streichung bieses «atzes. Sollte derselbe aufrecht erhalten bleiben, so würbe es sich Bayern nochmals überlegen müssen, ob es bem Gesetze zustimmen könne. — Staatssekretär Posadowsky schließt sich diesem Ersuchen an. — Abg. Gamp (Reichsp.) kann in diesem Falle kein Bedenken tragen, dem Äilnbesrath diese Regelung allein zu überlasten. Der Widerspruch der bayrischen und preußischen Regierung genüge ihm,für die Streichung des Satzes zu stimmen. Wurde der Satz" nicht gestrichen, so müßte er gegen das ganze Gesetz stimmen. — Abg. Stadthagen (Soc.) will den Satz unbedingt aufrecht erhalten wissen. — Abg. Hilpert (Bayr. Bauernbund) will bie Streichung bes Satzes. Die bayrische Regierung Jei ja zum Glück nicht angewiesen ans bie Hülse ber Abgeorbneten Lckabt- hagen unb Konsorten. — Direktor im Reichsamt des Innern v.'Wödtke weist barans hin, baß er bereits in ber Kommissiou biefem Anträge wibersprochen habe. Eine Veränderung derBezirke könne nur von Demjenigen gut geheißen werden, der die Ver- bältuiffe übersehen könne, und das sei der Bunbesrath. — Staatssekretär Posadowsky giebt ber Hoffnung Ausdruck, daß sich bis zur dritten Lefung ein Ausgleich ermöglichen lassen werde. — Abg. Beckh (freif. Volksp.) erklärt, er sei ganz erstaunt gewesen über den Widerfpruch des bayrischen Bundes-Bevollmächtigten. Die bayrische Regierung nehme im Ganzen sonst Rücksicht auf die Stimmung im Volke, das müsse man anerkelmen. Aber diese Stimmung sehe in einem von der Kommission beschlossenen Zusatz einen Schutz, er bitte deshalb, denselben aufrecht zu erhalten. § 66 wird darauf gegen die Stimmen der Konservativen und der Reichs- Partei unverändert in der Kommissions-Fastuug angenommen. Sodann wird die Weiterberathung auf morgen 1 Uhr vertagt. Schluß 6‘/« Uhr.
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für di- Aufnahme später eingercichtcr Anzeigen M ' ■gVlllini|tlt* nächsterschcinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit «orge getragen.
Deutscher Reichstag.
O Krrli», 7. Juni.
Am Buudesrathstische Graf Posadowsky, v. Goßler und Freiherr t v. Thielmann. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des I Gesetzes, betreffend die Verwendung von Mitteln aus dem Jnvaliden- | sonds zur Unterstützung nicht anerkannter Invaliden, sowie Wittwen | unb Waffen von Kriegsiuvaliben. Abg. Graf Oriola (nat.-lib.) - ist über bie Vorlage erfreut unb giebt der Hoffnung Ausdruck, daß ■ im nächsten Frühjahr eine noch weitergehende Vorlage im Reichstag eingebracht werde. Ueber den Punkt, betreffend bie Wittwen- tlnb Waifen-Fürsorge, könne er nicht ganz befriedigt fein. Die Unterstützung solle nach der Vorlage denjenigen Hinterbliebenen : von Invaliden vorenthalten werden, bei denen ein Bedürfmß nicht vorliege. Man wolle also nicht einen Rechtsanspruch erfüllen, sondern ein Gnadengeschenk gewähren. Damit lege man nur den Keim zu neuer Unzufriedenheit. Auch die Sätze für die t Unterstützungen seien zu niedrig gegriffen. Wenn in Frankreich dir kinderlose Wittwe eines Soldaten 450 Francs erhalte, so hätte mau boch erwarten sollen, daß der deutschen Soldatcnwittwe nicht 300, sondern 360 Mk. bewilligt würden. Es sei dringend wünschens- werth, daß baldigst ein einheitliches, organisches Gesetz über die endgültige Gestaltung unserer gefanuuten Invaliden-Fürsorge folgen werde. Nur unter dieser Voraussetzung stimme er für : das vorliegende Gesetz. — Aba. Graf Noon (konservativ) plaidirt für die Vorlage. Lieber wäre es ihm, allerdings d gewesen, wenn der Jnvalideufonds für die Zwecke dieses Gesetzes . nicht in Anspruch hätte genommen zu werden brauchen, aber ber ■ Fonds sei ja noch so reich botirt, baß man ohne große Bedenken derVerwenbung zustimmen könne. — Abg. Gröber (Centr.) bankt d der Militärverwaltung für bie schnelle Erfüllung bet Wünsche bes Reichstags. — Abg. Singer (Soc.) stimmt dem Gesetz zu. Ec - erblickt in bemfelben aber mir eine Abschlagszahlung, mit ber lediglich die bringenden Forderungen des Reichstags erfüllt werden. Die Abg. Leuzin an n (freif. Volksp.), v. Staudy (kons.) und kV. Kardorff (Reichsp.) wünschen ebenfalls schleunige Ver- | abschiedung des Gesetzes. — Abg. Singer (Soc.) bemerkt auf E eine Aeußerung des Abgeordneten v. Kardorff, baß er nur ber An- k schaumig habe Ausbrnck geben wollen, daß das, was bie x Vorlage biete, lebiglich ans eine Entlastung ber öffentlichen Armen- W pflege abziele. Das komme auch bem flachen Laub zu Gute, M namentlich Ostelbien. Wie bort bie Verhältnisse liegen, habe man p ja erst vor wenigen Tagen ans eineyt Mund gehört, dessen Autorität F bie Rechte doch anerkennen werde. — Präsident Graf iön lieft rem ; bittet, unbeglaubigte Aeußerungen des Monarchen hier nicht zu er- k örtern. — Aba. Singer fährt fort: Wenn man schon höre, daß I in Ostelbien die schweineställe besser seien als die Arbeiter- k Wohnungen, wie müsse es da erst mit der Armenpflege bestellt sein. U Seine Freunde träten für Alle ein, welche die Vliitstener auf | Grund der allgemeinen Wehrpflicht entrichtet hätten. Die Vorlage k wird demnächst im Plennm zur zweiten Berathnng kommen. Darauf fr wird die vor Pfingsten abgebrochene zweite Berathnng des Jnvaliden- t Versichernngsgesetzes fortgesetzt. Zunächst ist noch die Abstimmung | über § 51 (örtliche Rentenstellen) zu erledigen. Der dazu ein- l gebrachte Antrag v. Löbell (kons.) wird abgelehnt. § 51 wird unter U Annahme des Antrags Gerstenberger-Schmidt (Elberfeld), nach s welchem bie Laubes - Central- Behörde .für einzelne Gemeinden k die Errichtung von Rentenstellen mit Zustimmung des Vorstandes t unb des Ausschusses der Versicherungsanstalt .soll anordnen W dürfen, im Uebrigen aber nach den Vorschlägen der Kommission M unverändert angenommen. Nach § 51a sollen den Rentenstellen U von der Landes - Central - Behörde noch weitere Obliegen-
