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Verlag: Langgasse 27.

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1899

Mittwoch, ben 7. Juni.

Ko. 360.

Fernsprecher Wo. 52.

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Abend-Ausgabe

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Fremden, nämlich das „Fort Israel", wie der Volkswitz treff­sicher das die ganze Gegend verunzierende Ding nannte, ist un­schädlich gemacht. Gott sei Dank!

Als ich seiner Zeit nach Wiesbaden übersiedelte und, die ersten Orientirungswauderungen in die Umgegend unternehmend, in das schöne Nerothal kam, fühlte ich mich, wie tausend Andere, von deni, fast möchte ich sagen „lieblos" häßlichen Ziegelkastcn, der über die schönen Waldesgipfel überall so frech herniederlngte, direkt an­gewidert, und als ich kurz darauf die Entdeckung machte, daß da oben auch eine höchst mangelhafte Bedienung herrschte (vielleicht ist's inzwischen besser geworden), da war meine Idiosynkrasie gegen den an sich so schönen Neroberg so -tont gediehen, daß ich ihn so viel als möglich mied, wie auch die Thäler, in die das „Fort Israel" nicdcrschaute. Mag sein, daß das recht „närrsch" von mir war, aber wer kann gegen starke, natürliche Abneigungen? Ich habe einen namhaften Stuttgarter Gelehrten gekannt, der seit vielen Jahren den kürzesten Weg zum Ort seines Wirkens, der am Kgl. Schloß vorbeiführte, umging und einen großen Umweg machte, nur weil ihm der Anblick dumm-hochmüthiger, wohlgenährter Hoflakaieu- Gesichter in tiefster Seele verhaßt war.

Wie ich mich freute, daß die Marktschnlc fiel, gerade, als ich mit dem Gedanken umging, submissest die Ausschmückung ihrer schmucklosen Mauern mit einigen billigen Sgraffito-Malcreien an dieser Stelle in Anregung zu bringen, so freute ich mich auch wieder, als ich vernahm, das „Fort Israel" sollte in der nackten Blöße seiner traurigen Gestalt neu umkleidet werden, und zwar von unserem Stadtbaumcistcr, vor deffcn künstlerischen! Geschmack man ja schon öfter den Hut ziehen durfte.

Nun erhebt sich aber plötzlich rin Geschrei über diese Um- und Neubauten, „Stimmen" werden im „Tagblatt" laut, darunter solche, daß Fremdlinge fast zu der Meinung gelangen könnten, es sei ein gewagtes Beginnen, unserem Stadtbaumeister auch nur die Er­

Fällen einzubriligen. Kürzung der Doti dauere auch er.

befinden, für den phantastischen Plan einer „plebiscitären Republik" schwärmen, die Umsturzgcfahr, die von ihnen droht, bleibt dieselbe.

Der Erkenntniß dieser Gefahr ist der glänzende Sieg, den die Regierung am Montag in der Kammer erfochten hat, zu verdanken, und dieser Sieg bedeutet in der Thal nichts mehr und nichts weniger, als die Zusammenfassung aller Republikaner gegenüber der der Republik drohenden Gefahr. Die Nationalisten haben durch ihr lhörichtes Ver­halten und durch ihre unsinnige Agitation diesen Sieg nicht nur erleichtert, sondern sie haben es zugleich verschuldet, daß das- Kabinett Dupuy seine bisherige schwankende und unsichere Haltung aufgegeben und sich zu thatkräfligcm Vor­gehen entschlossen hat. Herr Dupuy hat thatsachlich immer zu den Gegnern der Revision gehört; aber als kluger Mann machte er, als die Volksstimmnng sich zu Gunsten der Revision wandte, diese Schwenkung mit. Hätte er jetzt nicht seinem unschlüssigen und zweideutigen Verhalten ein Ende ge­macht, so würde die Kammer, welche die gefährliche Toleranz gegen die Störer der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gründlich satt Hal, sein Kabinett am Montag wcggefcgl haben.

Die Anhänger der bestehenden Staatsform in Frankreich haben erkannt, daß es Selbsterhaltungspsiicht für sie ist, gegen Diejenigen vorzugchen, welche diese Staatsform zu untergraben bemüht sind. Eine solche Gefahr droht weniger von den Monarchisten, deren Einfluß und deren Aussichten sehr gesunken sind, als von den Chauvinisten aller Schattirungen, die sich mit den Monarchisten verbunden haben, nicht weil sie für die Monarchie schwärmen, sondern weil sie eine Diktatur des Militarismus anstreben, deren letztes Ziel — die „Revanche" ist. Die Anhängerschaft, welche diese Bewegung in der Armee gefunden hat, hat der Regierung die Augen geöffnet, und das wird für sie genügen, um der Bewegung Herr zu werden. Wer den Frieden und die Ruhe Europas gesichert sehen will, der kann nur wünschen, daß c8 der Republik in Bälde gelingt, die ihr drohenden Gefahren mit Erfolg und nachhaltig abzumehren.

Anzeigett-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Sltyeigeit 25 Pfg. — Rectarnen die Pctitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

| als jetzt, wo er ohne Ursache in der flegelhaftesten Weise ' beschimpft worden ist und wo er diesen Insulten den an- ; erkennenswerthen Muth der Kaltblütigkeit entgegengesetzt hat. Aber die Demonstration auf dem Rennplatz zu Auteuil i hat der Sache der Republik einen noch viel weilergchendcn : Nutzen gebracht, denn sie Hal auch Denjenigen, welche sich dieser Erkenntniß bisher nicht zugänglich gezeigt hatten, die Augen darüber geöffnet, welches die letzten Ziele Derjenigen find, die unter dem Feldgeschrci „Wider Dreyfus!" seit I Zähren in Frankreich als Unruhstifter und Brunnenvergifter E thätig gewesen sind. Die Kundgebung der monarchistischen k Adligen hat es allen Anhängern der bestehenden Negierungs- ■*; form deutlich vor die Augen geführt, daß die Nationalisten H und Antisemiten, die Chauvinisten und Monarchisten in dem | Endziel übereinstimmen, nämlich in dem Sturz der be- - stehenden Negierungsform. Mögen auch die Absichten dieser , Umstürzler verschieden sein und die Einen für die Monarchie, t die Anderen, die sich allerdings in der schwachen Minderheit

Deutscher Reichstag.

O Kcrlm, 6. Juni.

Am Bundesrathstische: Graf Posadowsky, Frdr. v.Thielemann, Staatssekretär v. Bülow, Kriegsminister v. Goßler und Staats­sekretär Tirpitz. Vor Eintritt rn die Tagesordnung erhält das Wort Staatssekretär v. Bülow. Er macht dem Hanse Mit- theilunq davon, daß Deutschland mit Spanien einen Staatsvertrag abgeschlossen habe über die Abtretung der Karolinen-, Palaos- und Märiancn-Jnseln zur Ausgestaltung unseres Besitzes in der Südsee. Das mit Spanien getroffene Abkommen setzt fest, daß die drei Inselgruppen gegen eine Entschädigung von 25 Millionen Pesetas an Deutschland abgetreten werden, während Spanien auf jeder derselben ein Kriegs- und Kohlendepot verbleibt. Die beiden Staaten haben sich handelspolitische Gleichberechtigung zugcstanden. Das Abkommen soll sobald wie möglich der verfassungsmäßigen Zustimmung der Parlamente unterbreitet und sodann ratifizirt werden. Sobald die spanischen Cortes den Verkauf der Inseln genehmigt haben werden, wird dem Reichstag die erforderliche Vorlage unterbreitet werden. Mit Rücksicht darauf, daß das Abkommen zur Zeit den spanischen Cortes vorliege, würde die Regierung es mit Dank anerkennen, wenn der Reichstag vorläufig von einer weiteren Besprechung Ab­stand nehmen wollte. (Lebhafter Beifall.) — Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten. Erste Lesung des Nachtrags-Etats für 1899. Derselbe enthält Forderungen für das Auswärtige Amt

Die Liquidation der Dreyfus-Mafl'e, deren Beginn nach dem Urtheil des Kassationshofs zu er» t warten war, hat bereits ihren Anfang genommen, und der Putsch der hoffnungsvollen royalistischen Adelssprößlinge auf | dem Rennplatz zu Auteuil, verbunden mit dem Attentat auf den Cylinderhut des Präsidenten der französischen Republik, haben das Ihrige dazu gethan, den Gang dieser nothwendig i gewordenen Liquidation zu beschleunigen. Den Anfang dcr- | selben hatte die Verhaftung du Paty de Clams gebildet, ihr ist jetzt die Absetzung des General-Advokaten Lombard ge­folgt, der Dritte im Bunde ist General Mercier, gegen den laut Beschluß der Kammer das Verfahren allerdings erst nach Beendigung des Dreyfns-Prozesses eröffnet werden wird, General Pellieux hat es vorgezogen, selbst die Unter« ' suchung gegen sich zu beantragen, und „die nächsten dazu" werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Generale BoiSdesfre . und Gonse sein. Man sieht also, daß die Liquidation der Drcyfus-Masse in großartigem Maßstab einsetzt, und sie wird vielleicht einen noch weit größeren Umfang annehmen, als es sich zur Zeit voraussehcn läßt.

Wenn der Putsch der Monarchisten, über deren intime Seelenverwandtschaft mit den Nalionalistci! auch bisher nirgends ein Zweifel bestand, den Zweck verfolgt hat, die - leitenden Männer in Frankreich einzuschüchtern und an dem Vorgehen gegen die auf eigene Faust und mit den ver­werflichsten Mitteln Politik treibenden Generalstäbler zu ver­hindern, dann hat es sich um einen Versuch mit völlig un- v tauglichen Mitteln gehandelt, dessen Wirkung gerade ent- L gegengesetzt der erhofften war. In der Thal ist die L „ritterliche" Attaque auf den Cylinderhut des Präsidenten l sehr zum Unsegen der Veranstalter und der Sache, der sie r dienen wollten, ausgescblagen, und Präsident Loubct traf I das Richtige, als er erklärte, daß er jene Kundgebung, die Anicht geeignet sei, ihn zu enlmuthigen, vielmehr für eine L „glückliche Sache" halte. Präsident Loubet Hai auch Ursache, Mffich bei ben Veranstaltern der Demonstration zu bedanken, i denn er ist in Frankreich noch niemals so populär gewesen

<Xtw.4rtt.ot ‘ätwtrtltw» für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgab« bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheincnden Ausgabe wird feilte Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

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47. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

bauung eines Ziegenstalles anzuvertrauen. Das „Tagblatt" tja* diesen Herzensergüssen Aufnahme gewährt, weil es die „Stimmen" als eine Art Sicherheitsventil gegen Ueberdruck eingerichtet hat und weil ein Beschwerdebuch dieser Art einem Bedürfniß entspricht. Zweifellos haben die „Stimmen“ auch schon viel Gutes geschaffen und manchen Uebelstand zur Abhülfe gebracht, aber man thut doch gut, sie namentlich in allen den Fällen etwas kritisch zu betrachten, wo es sich um Meinungen in Fragen der Kunst und fachmännischer Dinge handelt, selbst wenn sich ein Einsender darauf berufen kann, daß er Vieles gesehen habe. Kommt es in solchem Falle doch lediglich darauf an, ob der Betreffende auch richtig zu sehen lernte, resp. fein Urtheil auf Geschmack und Kenniniß stützen kann und nicht, wie im vorliegenden Fall, Rautenscheiben mit Butzen­scheiben verwechselt. Uns haben diese für und wider urtheilenden Eingesandts Veranlassung gegeben, zu dem umgemodelten „Fort Israel" hinauf zu pilgern, im Stillen überzeugt, daß an diesem Kasten doch eigentlich nichts mehr zu verbessern und zu verschönern sei, und neugierig, wie sich unser Stadtbaumeister mit dieser mehr als undankbaren Aufgabe abgefunden habe.

Wir gestehen, daß der erste Eindruck, den wir, den Restau­rations-Garten betretend, von der Sache gewannen, kein un­gemischt freundlicher war. Vor Allem wollte uns die Bedachung der Verandahalle hier etwas zu schwer erscheinen; dann wurde der Blick gestört durch den Einblick in das Gebälk des Ober» stocks der großen Halle — es ist eben noch nicht Alles fertig da oben — und überdies ragte wie ein backsteinerner Schornstein der alte Aussichtsthurm aufdringlich und häßlich über dem Ganzen empor, ohne jede harmonische Verbindung mit dem Neugeschaffenen. Dazu kam, daß sich das bisherige Wirthschaftsgebäude, wie in seinen Formen, so besonders auch in feiner Farbe gar nicht dem Neuen' anpaffen wollte, das doch so offenbar das vollbewutzte, künstlerische Bestreben des Architekten zeigte, einen kräftigen

Die Neroberglimrleu.

Drei Dinge sind es, die eine Stadt äußerlich dem Fremden ° sogleich empfehlen: eine landschaftlich schöne Lage, gute und saubere | Straßen und schöne Gebäude. In ersterer Hinsicht war Wiesbaden |- von jeher gut daran, in Bezug auf die Straßen muß man gerechter ■ Weise in Betracht ziehen, daß die werdende Großstadt sich inner» i halb vierer Jahrzehnte aus einem primitiven Bade- und Residenz- - flädtchen entwickelte und deshalb im Straßenbau nicht so schnell Nachkommen konnte. Doch strebt man ehrlich danach, den hierorts | besonders schrecklichen Makadam nach und nach auszumerzen. In | Hinsicht auf ihre Gebäude aber kann unsere Stadt ohne Frage af j E-mit einem jeden anderen Orte von gleicher Größe konkurriren, und ^geradezu bewundernswerth ist es, was hier allein seit anderthalb ^Jahrzehnten an öffentlichen und privaten Gebäuden Schönes Moder gar Herrliches entstanden ist. Es sei nur an das MRathhaus, an das Kgl. Theater, den Justizpalast, an die Ring-, l V die Berg- und die Mariahilf-Kirche, an die Blücherschnle, an das L Armenhaus, an die Hotelpaläste: Kaiserhof mit Augusta-Victoriabad, EJBlod, Rose, Metropol, Hohenzollern und Nassauer Hof erinnert, Mganz abgesehen von den vielen, schönen Villen und Stadthäusern. M Irgendwo wächst hier immer etwas Neues, Hervorragendes auf Morchitektonischem Gebiete empor, oft plötzlich, wie ein Pilz, oft fein U langsam, wie die neue Töchterschule am Markt, bei der man aber I Wohl vertrauensvoll den Spruch anwenden darf: Was lauge währt, Mwird endlich gut. Und wie Neues und Würdiges entfiel)!, so 1-, wird das Alte und Häßliche nach und nach fallen. Die nüchterne M-Darktschule verschwand von der Blldfläche, den traurigen MLahnhöfe» ist der Untergang geschworen (vielleicht wird auch “* 1 einmal das unschöne Königliche Schloß auf die Konskribirten- jllifte gestellt), und auch das Denkmal trockener Geschmack- Mtosiakeit. seit Jahren der Stein des Anstoßes für die meisten

und für die Kolonieen, für das Reichsamt des Innern, das Reichsheer, die Marine re. im Gesammtbetrag von 8,569,990 Mk. — Abg. Graf Oriola (nat.-lib.) bedauert, daß die Dotation für das archäologische Institut in Rom gekürzt worden sei, und daß die an die Gebrüder Denhardt für den Schaden, den dieselben in Witu erlitten haben, zu zahlende Ent­schädigung nur auf 100,000 Mk. bemessen werden solle. Mit den Forderungen für das Heer fei er einverstanden, er erbitte aber Aufschluß über das Inkrafttreten der Militär-Strafprozeßordnung. Den Nachtrags-Etat beantrage er an die Budget-Kommsfion zu verweisen. — Abg. Lieber (Centr.) schließt sich diesem Antrag ..... Die Nachtrags-Etats seien nachgerade zu einer ständigen Institution geworden und das sei bedauerlich im Interesse einer geordneten Finanzwirthschaft im Reich und in den Einzelstaaten. Er bitt-, in Zukunft Nachtrags-Etats nur in absolut dringenden (Zustimmung.) Die vom Vorredner gerügte Dotation für das archäologische Institut be- . ... Dieselbe dürfte jedenfalls nicht dauernd fein. Die den Gebrüdern Denhardt zugedachte Abfindung scheine auch ihm zu gering. — Abg. Bebel (Soe.) ist der Ansicht, daß die große Mehrzahl der in dem Nachtragsetat enthaltenen Forderungen bereits in den ordentlichen Etat hätte eingestellt werden können. Redner berührt sodann die soeben vollzogene Ver­größerung des deutschen Kolonialbesitzes in der Siibsee, deren Erwerbungskosten unverhältnißmäßia hoch seien. Jeder der Be­wohner jener Südsee-Jnseln würde darnach auf 340 Mk. zu stehen kommen. Eine Vorlage,welche die gleiche Summe von rund 17 Millionen Mark zur Bekämpfung der Tuberkulose fordere, würde jedenfalls mit größerem Beifall aufgenommen werden. Was die Zuchthaus- Vorlage anlange, so hoffe er, daß der Reichstag, noch bevor er auseinandergehe, wenigstens die erste Lesung dieses Schandgesetzes erledigen werde. (Beifall bei den Socialdemokraten, Unruhe rechts.) — Präsident Graf Balle st rem ruft den Redner wegen der Aeugerung Schandgesetz zur Ordnung. (Beifall rechts.) — Staats­sekretär Graf Posadowsky erklärt, er habe das dringende Interesse daran, daß zunächst die Denkschrift zur Vorlage, betreffend den Schutz der Arbeitswilligen, vom deutschen Publikum [tubirt werde. Er fürchte aber nicht, daß die Vorlage in den breitesten Schichten der Bevölkerung zum Gegenstand der Kritik gemacht werde, weil er überzeugt sei, daß die Regierung mit derselben nur Auswüchse des Kyalitionsrechts treffen wolle, die kein Kulturstaat dulden könne. (Beifall rechts, Lachen links.) — Abg. Graf Stolberg (kons.) stimmt der Verweisung des Nachtraaretats an die Budget- kommisston zu. — Abg.Graf Bern sto rsf-Lauenbura (Reichsp.) fragt an, wie weit die Verhandlungen zur Einschränkung der Brcmnk- welnpest in Afrika gediehen seien. — Unterstaatssekretär Frhr. ».Richt- hofen entgegnet, die Verhandlungen der Brüsseler Konferenz über diesen Gegenstand würden demnächst zum Abschluß kommen. — Abg. Richter (freif. Volks».) erklärt, seine Freunde würden die Zuchthaus-Vorlage jedenfalls ablehnen. Näher auf dieselbe ein­zugehen, wolle er heute unterlassen, desgleichen eine Besprechung der Erwerbung der Südsee-Jnseln. Den Nachtrags-Etat bitte er an eine Kommission zu verweisen. — Abg. Werner (Antis.) bemängelt die Geringfügigkeit der den Gebrüdern Denhardt zugebilligten Abfindung. — Abg. Lenzmann (freis. VolkSP.) ver­weist darauf, daß den Gebrüdern Denhardt ein Rechtsanspruch nicht zur Seite stehe. Die ihnen zugebilligten 100,000 Mk. "solle man nicht als ein Trinkgeld bezeichnen. — Abg. Bebel (Soe.) erwidert dem Staatssekretär, daß bisher noch fein Kulturstaat eS gewagt habe, feiner Bevölkerung ein solches Gesetz zu bieten. — Staatssekretär Posadowsky bemerkt, daß er und auch der Reichskanzler den Wunsch hätten, die Generaldebatte Über die neue Vorlage so bald wie möglich stattfinden zu laffen. Der Nachtrags-Etat wird an die Budget-Kommission ver­wiesen. Es folgt die erste Lesung des Entwurfs einer Reichs- Schulden-Ordnung. Schatzsekretär Thielemann begründet die Vorlage, welche die Zusammenfassung aller das Reichs-Schulden­wesen betreffenden Gesetze und Verordnungen bezweckt. Er bitte um Annahme des Entwurfs. — Abg. Strombeck (Centr.) be­antragt Verweisung an die Budgetkommission. Die Vorlage geht an die Budgetkommission. Morgen, 1 Uhr, Tagesordnung: Gesetz, betreffend die Verwendung von Mitteln des Reichs-Jnvalidenfonds und Fortsetzung der zweiten Lesung des Jnvaliditäts-VersicherungS- gesetzes. Schluß 5‘/< Uhr.