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Wiesbadener Tagblstt

1899

Dienstag, den 6. Juni.

Uo. 257

Fernsprecher No. 52.

Morgenausgabe

Jahren für die 1500 Mk., die uf Wunsch als Eigenthum ein

n und gefammtem Znventar. den Direktor des Ev. Diakoni;-

Uermischles.

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Slnzrigen-PreiS r

Dlc einspaltige Pekitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Aiizeigeu 25 Psa. — Reclaineii die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Fernsprecher N». 52,

und Mutter gebrauchen. Die erste derartige Anstalt, in der Rheinprovinz zu Neujahr eröffnet, ist rasch gefüllt, hat ool allen Seiten, selbst aus Amerika, Zuzug erhalten, und hat sich so bewährt, daß schon jetzt das zweite derartige Mädchcnheiin begründet werden konnte. Der Verein sorgt für gesunde Wohnung, nahrhafte Kost, tüchtigen Unterricht, christ­liche' Erziehung und für vollen Schutz nach jeder Richtung in und außerhalb der Fabrik. Er übernimmt ferner die Gewähr daftlr. daß die Mädchen nach sechsjähriger Arbeit mindestens 1000 Mk. übrig haben, und bietet ihnen nach 8Jahren für die 1500 Mk., die sie dann erspart haben können, aus Wunsch als Eigenthuni em kleines Renten gut mit 6 Morgen Land, Wohnhaus, Scheuer und

kleines Rcntengnt mit 6 Morgen Land, Wohnhaus, Scheuer und Stallung, Kuh, Schwein, Hühnern und gesammtem Inventar, -h Anfraaen und Meldungen sind an den Direktor des Ev. Dtakonst- vercins (Professor D. Dr. Zimmer) in Berlin-Zehlendorf zu richten. Aufnahmefähig sind Mädchen von 14 Jahren an.

— Feuerwestrübung am Konntag. Der Bewohner ejneS Ortes in Hessen-Nassau hatte es an einem Sonntag unterlassen, an der Feuerwehrubung theilzunehmen, die nach Beendigung deS Gottesdienstes Nachmittags stattzufinden pflegte. Er hatte fick, als er zur Berantwortung gezogen wurde, auf eine Polize^ Verordnung berufen, wonach ün Sonn- und Festtagen Alles und Jedes verboten ist, was einer würdigen Sonntagsfeier zuwider ist. Die Strafkammer verurthcilte aber den Angeklagten wegen Fern­bleibens von der Feuerwehrübung zu einer Geldstrafe, und nahch an, daß eine solche Hebung int Hinblick auf die Gemeinnützigkeit derselben einer würdigen Sonntagsfeier nicht zuwiderlaufe. Die gegen diese Entscheidung vom Angeklagten Erhobene Revision wurde vom Kammergericht als unbegründet zurückgewiesen.

nossenschaften einer kalkulatorischen Prüfung unterzogen woi bedeute dies gegen die Vorjahre einen erfreulichen Fortsch diese Prüfung in 1894 von 16, in 1895 von 28, in 1896 und in 1897 von 46 Vereinen uachgesncht worden war. Einen groß­artigen Aufschwung habe auch die den Geldverkehr der angeschlossenen Genossenschaften vermittelnde Nass. Hausitgenosfenfcha tskasse ge­nommen ;bcr Umsatz sei in 1898 gegen das Vorjahr nm ca. 2,000,000 Mk., die Bilanzsumme um ca. 250,000 Mk., die eigenen Betriebsmittel um rund 10,000 Mk. und der Reingewinn um 1100 Mk. gestiegen. Die Zahl der der Hauptkasse angeschlossenen Vereine habe sich in 1898 von 110 auf 133, die KeschäftSantheile und Haftsumme von 878 bezw. 878,000 auf 1350 bezw. 1,350,000 Mk. erhöht. Der baare Kasfenumsatz bei 65 der dem Verband angeschlossenen Kredit­genossenschaften habe sich im Berichtsjahr auf 10,961,586, Mk., der Reservefonds und die Äetriebsriicklage derselben auf 93,897 Mk. belaufen; das eigene Vermögen dieser Genossenschaften betrage Ende 1898 409,649 Mk. bei 314,569 Mk. Geschäftsguthaben der Genosicn. Der nach diesen Ausführungen folgende, von Herrn Direktor Hild-Langenschwalbach vorgetragene Bericht der Rechnungsprufungs- kommisston ergab die ordnungsmäßige Führung der VcrbandSkcsife und wurde dem Verbandsvorstand einstimmig Entlastung ertheilt. Bei der Wahl für vier ausscheidende Ausschußnutglieder wurden die Herren: Direktor E. Hild-Langenfchwalbach, Karl L. Mohr-Niederneisen, Bürgermeister Hepp-Seelbach und F. C. Altenkirch-Lorch einstimmig wiedergewählt, lieber die im Berichtsjahr 1898 bei59 angeschlossenen Verbandsvereinen vorgenommenen gesetzlichen Verwaltungsrevisionen erstattete Herr Verbandsrevisor Henzeroth den Generalbericht, wo­nach die Führung der Geschäfte im Allgemeinen als eine ordnungs­mäßige zu bezeichnen fei. Zu Punkt 5 der Tagesordnung refernte Herr'Anwaltichaftssekretär Dr. Thieß-Offenbach unter eingehender Beleuchtung der einschlägigen Bestimmungen über die im Anschluß an den deutschen Beamten-Verein geschaffenen Beamtenversicheruitgs- nnd Wohlfahrtseinrichtungen im Allgemeinen Verband der deutschen landwirthschaftlichen Genossenschaften, derenBenutzung allenGenosfen- f chaf tsbeamteii undVor ständen bestens zu empfehlen sei. Ebenso refcrirte Herr Dr. Thieß in ausführlicher Rede über die Unterstellung des Verbands unter das Vereinsrecht des bürgerlichen Gesetzbuchs, worauf dem Verbandsvorstand aufgegeben wurde, ein entsprechendes Statut auszuarbeiten, welches dem nächsten Verbandstag zur Genehmigung vorzulegen fei. Schließlich berichtete Herr Verbands­direktor Schreiner eingehend über die vom 8. bis 13. Juni in Frankfurt a. M. stattfindend- Ausstellung der deutschen Land- wirthschaftsgesellschaft, Fahrpreisermäßigung re., sowie über tue mit der Äachen-Münchener FeuerverfichemngsgeseUichaft, der LebenS- versichernngsgesellschaft „Nordstern"-Äerlin und der Haftpflicht- Versicherungsgesellschaft „Allianz'-Berlin geschlossenen Vertrage, worauf um 2 Uhr der elfte VerbandStag geschlossen wurde. — Anschließenv hieran wurde noch die erste ordentliche General- verfammliing der Central-Ein-und Verkaufsgeliofsen- schäft für den RcgierungS-.Vezirk Wiesbaden, E. G. m. b. H., abgehalten, ans deren Verlauf zu erwähnen ist, daß die Waaren- Bezugs- und Absatz-Geschäfte erst mit dem 1. Januar 1899 vom Verband übernommen wurden und die ausscheidenden Anfsichts- rathsmitglieder: Direktor Hild-Langenschwalbach, Ehr. EmmeliuS- Necsbach, sowie das Vorstandsmitglied Joh. Preis-Hochheim a. M. wiedergewählt wurden. Der Central-Genossenschaft waren Ende 1898 bereits' 39 Genossenschaften angefchlosfen, deren Zahl bis dato auf 50 mit 67 Gefchäftsantheilen = 6700 Mk. Haftsummen an­gewachsen ist. Bei dem alsdann folgenden gemeinschafUichen Mittagessen feierte Herr Verbandsdirektor Schreiner in zündenden Worten unseren allverehrten Friedensfürsten, den hohen Protektor der Landwirthschaft, schließend mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Seine Majestät Kaiser Wilhelm II.

— Russische Gemeinde. Am Mittwoch, den 7. Juni (russtsche'26. Mai), wird in der griechisch-rlissischen Kapelle am ?!eroberg eine große feierliche Trauerinesse stattfinden wegen des Hundertjährigen Geburtstags des berühmten rusnfchcn Sichlers Alexander v. Puschkin. Die Tochter des berühmten Dichters, Fran Gräfin Merenberg, geb. v. Puschkin, wird an der «pitze der ganzen hiesigen rnfstschen Kolonie an diesem Gottesdienste Theil nehmen. Die Rede wird von Herrn Probst v. Protopopost gehalten.

— Für Erwerb suchende junge Mädchen wird die Mit­theilung von Wichtigkeit sein, daß der Evangelische Dtakonie-Verem am 1. Januar in dem fchön gelegenen Glücksbrunn bei Liebenstein- Schweina im Thüringer Walde ein Mädchenheim eröffnet hat, in welchem nach und nach bis 100 junge Mädchen Ausnahme finden sollen, die den Tag über in leichter Fabrikarbeit m der nahe beim Heim gelegenen Woll- und Kammgarnspinnerei beschäftigt sind und Abends in dreijährigem Lehrkursus bei gesunder christlicher Erziehung alles Dasjenige lernen, was sie einmal als Hausfrau

41. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfa. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 27

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------7-------“ ; fii, die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittag». - Für die Ausnahme später eingereichter Anzeigen zur Anzeigen -AUttttljUtt nSchsierschcinmden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.____

Nacht in Verzweiflung zubnngen zu lassen, sie dann zu oenaq- richtigen, daß sich das Kind in Sicherheit befindet und nur für bte und die Summe herausgegeben wird. Um die geängstigten An­gehörigen daran zu hindern, der Polizei Anzeige zu erstatten, droht man das Kleine in diesem Falle vorher umznbrmgen und auctx den Angeber bei der ersten Gelegenheit niederzuschießen. Poltzeichep Devery behauptet, daß eine ganze Bande äußerst geriebener Schurken gemeinsam „arbeite“, und daß sie sich zur Erreichung ihres ZrelS falscher Kindermädchen bediene. Bisher war es unmöglich, beu Räubern aus die Spur zu kommen.

Ans Ztadt und Kund.

Wiesbaden, 6. Juni.

— Geschick,toknlknder. 6. Juni. 1896: Sieg der Eng- U länder über die Wahdisten bei Firket. 1884: Annam kommt unter französische Schntzherrfchaft. 1873: st Admiral Prinz Adalbert von M Preußen, der erste Admiral der deutschen Flotte. 1867: Mdrd- verfuch in Paris auf Kaiser Alexander II. 1861: st Graf Camillo - Ben so di Cavour, italienischer Staatsmann. 1836: st Anton, König von Sachsen (* 1755). 1794: Niederlage der Polen unter Koscruszko bei Szczekoczyn. 1553: st Ludovico Ariosto zu Ferrara, - einer der größten Dichter Italiens. 1523: Auflösung der U Kaimarschen Union, der Bereinigung der drei nordischen Reiche zu [ einer Monarchie.

— Grno ssen schaftswrsen. Der diesjährige elfte Verbands- s tag des Verbands der Nass, landwirthschaftlichen Ge­nossenschaften wurde am Sonntag, den 4. Juni,,im „Hotel zur U Alten Post“ in Limburg abgehalten. Der Besuch desselben ' war ein erfreulich zahlreicher; die Genossenschatten waren k durch 83 Abgeordnete vertreten, außerdem wohnten demselben noch 6 ‘eine große Anzahl weiterer Genossenschafter bei. Herr Verbaubs- - birettor Schreiner-Biebrich eröffnete um 11 Uhr die Versammlung E- als Vertreter des durch dienstliche Geschäfte verhinderten Herrn st Landrath Rabe, Herrn Regierungsassessor vr. Ittenbach und als

dem Staub machen.

* Xiero-ZJorhrr Kinderränber. Wie ans der nord- amerikanischen Metropole geschrieben wird, hat «ne gewisse Sorte von Leuten, die nicht gern arbeiten und doch gut leben wollen, es in letzter Zeit zu einer wahren Kunstfertigkeit bann gebracht, Schmiicksachen und werthvolle Ächooßhündchen zu „finden und diese so lange einzubehalten, bis in den Zeitungen eine Anzeige er­scheint, die den'. Wiederbiinger des betreffenden Gegenstandes oder Vierfüßler« eine gute Belohnung zusichert und außerdem die magisch wirkende Klausel enthält: „No questions asked“ (man stellt keine Fragen) Seit Kurzem beschränkt man sich aber nicht mehr daraus, Hunde und Jnwelenmit einstweiligem Beschlag zu belegen, sondern man raubt Kinder unter drei Jahren, für die dann geradezu unverschämte Lösegelder gefordert werden. Die Methode der Kinderentsuhrer besteht darin, die Eltern des gestohlenen kleinen Wesens erst eine “' '' ’ Verzweiflung zubringen zu lassen, sie dann zu benach- daß sich das Kind in Sicherheit befindet und nur für bte

Vertreter der Anwaltschaft des Allgemeinen Verbands der landw. Genossenschaften des Deutschen Reichs, Herrn AnwaltschaftSiekretar Dr. Thies-Offenbach a. M., sowie die Delegirten und sonstigen Theilnehmer mit herzlichen Worten begrüßend. Durch anderweitige dienstliche Geschäfte waren verhindert: Herr Regierungspräsident Dr Wentzel, Herr Landesdirektor Sartorius, Herr Landrath Johannes-Diez, Herr Verbandsanwalt A. Dietrich-Wiesbaden, Herr Landes-Oekonomierath Müller-Darmstadt und Herr Oekonomicrath Müller - Wiesbaden, VerbandSgeschäftssührer Seiberst- Wiesbaden, was durch Verlesen der eingegangenen Entschudiaungsschreiben kund gegeben wurde. Zur Tagesordnung übergehend, berichtete Herr Ver­bandsdirektor Schreiner in längeren Ausführungen über die Thatigkeit des Verbands im abgelaufenen elften Geschäftsjahr 1898, woraus eine erfreuliche Vorwärtsbewegung zu konstatiren war. Im Laufe des Jahres 1898 seien dem Verbände weiter beigetreten: 6 spar- unb Darlehenskassen, 7 Bezugs- unb Absatz-Genossenschaften sowie 1 Central-Ein- und Verkaufsgeuossenschaft mit zusaminen 692 Mit­gliedern. Es seien demnach Elide 1898 dem Verbände angeschlossen gewesen 162 Genossenschaften mit 12,670 Mitgliedern, und zwar 86 Spar- unb Darlehenskassen (worunter die Nassauische Haupt- genossenschaftskasse Wiesbaden), 69 Bezugs- und Absatzgenossen- schaftcn (hierbei die Central-Ein- und Verkaufsgenofsenschaft für den Regierungsbezirk Wiesbaden) und 7 Produktivgenossen­schaften (worunter der Spar- und Banverein Wiesbaden). Gegenwärtig gehörten dem Verband bereits 170 Genossenschaften mit 13,100 Mitgliedern an. Der Waarenbezua durch Vermittlung des Verbands, welcher Geschäftszweig vom 1. Januar 1899 an auf die im Juli 1898 gegründete Central-Ein- und Verkaufs-Genossen­schaft für den Regierungsbezirk Wiesbaden iibergegangen sei, habe sich in 1898 auf 86,111 Centtier Waaren im Gesammtwerth von 195,140 Mk. 66 Pf. belaufen. — Außer der im §51 des Genossen­schafts-Gesetzes vorgeschriebenen Verwaltungsreviston, welche m 1898 bei 59 Genossenschaften vorgenommen wurde, seien auf dem unter Leitung des Verbandsrevisors Petitjean stehenden Rechnungs- Revistonsbüreau in 1898 die Bücher und Abschlüsse von 52 Ge­nossenschaften einer kalkulatorischen Prüfung unterzogen worden; es bedeute dies gegen die Vorjahre einen erfreulichen Fortschritt, da

— Die silbernen 3tvttn?i(srr. Der Zustand der vor­nehmlich in Süddeiitfchland und nur zum geringem Theile noch in Norddeutschland umlaufenden silbernen Zwanzigpfenmgstucke ist im Laufe der Jahre, die seit ihrer Prägung „verflossen sind, ein so trauriger geworden, daß der Bundesrath ihre Einziehung beschlossen hat. Die meisten sehen in ihrem jetzigen Zustand einer Blechmarke ähnlicher als einer Geldmünze, sie erinnern vielfach an die seiner Zeit berüchtigten Hamburger Schillinge. Das ReichSschatzamt hat nunmehr, wie schon früher kurz ge­meldet wurde, umfassende Anordnungen getroffen, wonach alle öffentlichen Kassen diese Stücke annehmen müssen, sie aber nicht wieder ausgeben dürfen. Für die Reichspostanstalten ist diese Ver- fiiaung bereits im letzten Amtsblatt ergangen. Außerdem hat bte Reichsbank ihre sammtlichen Zweigstellen angewiesen, diese stucke dem Publikum in beliebigen Beträgen. gegen «tderes Silbergeld ober Nickel umznwechseln. Wer also seine schmutzigen stibernen Zwanziger los fein will, benutze sie zu Ernzahttinaen bet der Post, unb wer so glücklich ist, viele davon zu besitzen, ohne bet der Post Verwendung dafür zu haben, der schicke sie durch semenrrotcit nach der Reichsbankstelle unb lasse sie dort gegen reinlicheres Geld nmwcchfeln.

— vosturrkehr. Als unbestellbar ist zurückgekommen: cm am 27. April bei dem Postamt 2, hier, eingeliefertes Packet att Fräulein Nelly Thiele in Leipzig, .Palmengrotte“, GewandgatzcheN.

— Für die arme Familie in Sonnenberg wurden uns von Herrn Rob. Koch 100 Mk. übergeben. Herzlichen Dank! Weitere Gaben nehmen wir gern entgegen.

= Langenkchwalbach, 5 Juni. Ein paar Kinder von hier spielten gestern Nachmittag mit Flaschen, die mit Kalkwasser gcfiiUt waren. 'Dabei stieß eins der Kinder eine Flasche an einen Stein, das Gefäß cxplodirte und die Wissigteit verletzte des Kindes beide Augen schwer. Da» arme Wesen wurde in die Augen- hcilanstalt für Arme nach Wiesbaden gebracht.

* Don einer interessanten Denunriantrngrfchicktte er­zählen Münchener Blätter: Im Hofbräuhause kaufte sich ent Arbeiter eine Gipsbüste König Ludwigs II. Leider hatte der Mann mit seinem Kleinod nach der dritten Maß em schweres Pech, denn ein unversehener Stoß — und die Büste lag zerbrochen am Asphaltboden. Unter allgemeinem Bedauern der Ttschgenosien holte der Mann die Trümmer zusammen, nicht zedoch ohne einige Kraftausdrucke fallen zu lassen. Niemand fiel «ä aber ein, diese auf den König zu beziehen oder gar als Maiestatsb-leidtgung zu betrachten. Nur einem norddeutschen Studenten war es Vorbehalten, darin eine Majestätsbeleldigiing zu er­blicken. Er entfernte sich heimlich und holte einen Schutz­mann, um den Verbrecher dingfest machen zu lassen. Das Publikum und besonders die Tischgenossen, die den Hergang der Affatre ganz genau kannten, nahmen aber sofort Partei für den Arbeiter, und der Schutzmann sah fick veranlaßt, Mangels jeglichen Grundes von einer Einschrcitung abzustehen. Der junge Herr hatte aber seinen patriotischen Ucbcreifcr schwer zu büßen, denn kaum hatte sich der Schutzmann entfernt, als ein bisher vollständig unbetheiligter Zu­schauer in der Person eines elegant gekleideten Herrn auf den Denunzianten zuging und ihm nach kurzem Wortwechsel eine weithin schallende Ohrfeige versetzte. Unter geradezu frenetischem Bravorufen und Beifallklatschen mußte sich der Geohrfeigte aus

Die neuen denischen Kolonieen.

Die Nachricht von der bevorstehenden Erwerbung der in spanischem Besitz befindlichen Karolinen, Palaos unb des Restes der Marianen wird überall in Deutschland auf rückhaltslose und wendige Zustimmung stoßen, unb zwar aus zwei Gründen, denn iinerseits sind diese Siidsee-Jnseln für Deutschland von unverkenn­barer politischer unb wirthschaftlicher Bedeutung und andererseits | bedeutet dieser anerkeunenswerthe Erfolg der deutschen Diplomatie s eine Genugthuung für die Ereignisse von 1885, wo unseren auf den Erwerb der Karolinen gerichteten Bestrebungen durch den am 17. Dez. K 1885 erfolgten Schiedsspruch des zum Schiedsrichter eingesetzten Papstes leider ein Mißerfolg bereitet worden war. Wir haben jene Ereignisse, bei denen Deutschlands Friedensliebe sich als noch stärker erwies ' als sein kolonialer Eifer, erst vor Kurzem, als die Nachricht von der zeplanten Erwerbung des Restes der spanischen Kolonialhernchast zuerst ; V lluftauchte, ausführlich refapitulirt und dabei auf die hohe politische mb wirthschastliche Bedeutung, welche diese Inselgruppen für Deutschland haben, hingewiesen. Schon damals hoben wir hervor, zaß sich diese Inseln, wenn sie in fremden Besitz, unb hier kamen jor Allem die Amerikaner in Betracht, übergingen, sich als ein teil zwischen dem deutschen Theil von Neu-Guinea und die karschallsinfeln einfdjieben würden. Dies ist durch den glücklichen Schachzug der deutschen Politik, welche bei Zeiten die Erwerbung »er Inseln anbahnte, erfreulicher Weise vermieden worden.

Um perfekt zu werden, bedarf das Abkommen selbstverständlich noch der Genehmigung der spanischen Cortes unb, da es sich bei f dieser Erwerbung um einen Ankauf handelt, des deutschen Reichs- | tags. Daß diese beiderseitige Genehmigung erfolgen wird, darüber kann fein Zweifel bestehen. Für Spanien haben diese Inseln nach Ml dem Verlust der übrigen Kolonieen keinen wesentlichen Werth mehr. Desto größer ist ihr Werth für Deutschland, da sich die Inseln unserem bisherigen Besitz in der Südsee, der aus dem Kaiser Wilhelms-Land, dem Bismarck-Archipel und den Marschalls-Inseln besteht, sowohl geographisch wie wirthschaftlich eng anschließen —= unb ihn höchst vortheilhaft ergänzen. Diese neuen Erwerbungen E versprechen umso mehr Vorth-sie, da wir auch in Ostasien Fuß gefaßt haben, denn die neuen Kolonieen erleichtern uns die Ver- inbung von der Südsee sowohl, als auch von den Samoa-Inseln nach Ki'antfihou. Diese Vortheile und die wirthschastliche Bedeutung der Inseln rechtfertigen auch ein größeres Geldopfer — bet Kaust preis für die Inseln soll 18°st Millionen Mark betragen — unb wir zweifeln nicht einen Augenblick daran, daß die 'deutsche Volks­vertretung gern ihre Zustimmung zu dieser für uns höchst werth- st vollen Erwerbung geben wird.

Die Karolinen unb die dazu gehörigen Palao-Jnseln sind lang- - gestreckte Inselgruppen, die sich im westlichen Tdeil des Stillen Oeeans über einen Raum von 8 Breiten- und 32 Längengraden erstrecken und nahezu 700 Inseln umfassen, welche zusammen einen t Flächenraum von 1450 qkm umfassen. Es sind zumeist nur kleine Inseln, die größten sind Ponape mit 347, Baobeltaob mit 300, E Uap mit 207, Ruk mit 132 und Kusaie mit 112 qkm. Die Be­völkerung besteht aus 35,000 Eingeborenen und circa 1000 Weißen. Die Marianen, auch Ladronen genannt, sind den Karolinen und t Palaos nördlich vorgelagert. Sie bestehen aus 15 Inseln von 1140 qkm Größe mit" 11,000 Einwohnern. Von diesen ist jedoch die bei Weitem größte Insel Guam mit nahezu 9000 Einwohnern an die Vereinigten Staaten abgetreten worden, sodaß nur die übrigen kleineren Inseln für den Ankauf in Betracht kommen. Sie t bilden jedoch eine Ergänzung der Karolinen-Inseln, welchen selbst- U verständlich die Hauptbedeutung zukommt.

Besonders auf den Karolinen sind alle Bedingungen für eine vorzügliche wirthschastliche Entwicklung gegeben. Vor Allem eitt- V hatten die Inseln eine Anzahl treffti cr Häfen und ihr Boden Mr zeichnet sich nicht nur durch eine üppige tropische Vegetation aus, 1 sondern auch durch Wasserreichthum. Die Hauptprodukte sind vor Allem die Kokospalme, die kaum irgend wo auf der Erde so vor- ‘ züglich wie dort gedeiht, die Sagopalme unb der Brodfruchtbaum, ; doch dürfte aller Voraussicht nach bei entsprechender Kultur auch der Anbau indischer Gewürze erfreuliche Resultate ergeben. Von großer Bedeutung sind ferner die Schätze des Meeres, der Trepang, Schildpatt, Perlmutter und Schwämme. Eine gedeihliche Entwicklung der Insel ist auch deshalb zu er- s hoffen, weil die Eingeborenen, die vom Stamm der Mikronesier find, nicht nur geschickt und anstellig, sondern vor Allem auch fast durchweg friedliebend sind. Der Handel ist auf den Inseln auch jetzt schon fast ausschließlich in deutschen Händen, und zwar in erster Linie in denen der Jaluit-Gesellschaft, die einen ausgedehnten Koprahandel betreibt. Wenn die wirthschastliche Entwickelung der Inseln bisher nicht ihrer natürlichen Dotation und ihrer günstigen M' Lage entsprach, so lag das daran, daß die Spanier nicht im Stande waren, die Inseln hinreichend zu tultibircn. Bei einer energischen Kolonisation unb einer zweckentsprechenden Verwaltung steht den Inseln aber zweifellos eine gedeihliche und erfreuliche wirthschaft- liche Entwickelung bevor.