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Serbien_____

Griechenland

iesbadener Sagblatt

Anzeigen-PreiSr

1899.

Dienstag, den 6. Juni.

Fernsprecher No. 52.

U-. 288.

Fernsprecher R». 52.

Verlag: Langgasse 27

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Die einspaltige Pctitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 $fg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Pfg.

«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Ml. 60 Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

fc für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später emgereichter Anzeigen zur

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Abend-Ausgabe

Hricgsjahre überhaupt

Deutschland rtxel Preußen

Preußen

Aus „Beredt, »le .LI i» Kriege“.

Friedensjab re

Kriegsjahre

Portugal

Sehveden

und Faktoren, welche die wahre Kultur und den Fortschritt der Menschheit fordern, mehr oder weniger verkümmern lägt. Die Volksbildung verlangt eine viel wichtigere Erziehung, als sie der militärische Drill, dessen Werth keineswegs von uns unterschätzt wird, gewähren kann. Strammheit, Muth. Disziplin, diese schönen

Wenn von kleineren kriegerischen Verwicklungen (Aufständen, Interventionen eie.) abgesehen wird und nur die grBßeren Feldzüge gegen «ufiere Feinde in Betracht gezogen werden, so stellt sich das Verhältnis wie folgt:

der neueren Kriegsgeschichte" im Verlag von G. Freytag u. Berndt in Wien, schön ausgestattet, erschien.

Das beistehende Diagramm bietet uns eine deutliche Uebersicht über die Zeit, in welch" ™ 7"

Jahrhundert die Kriegsfurie ihre Geihel geschwungen hat, und

Das Ende unseres Jahrhunderts brachte der Menschheit noch eine Ueberraschung, auf die Ben Akibas Wort: „Alles schon da­

von bei Galle und der Leber, sondern vom Herzen frei weg reden zu können. Ich hoffe der Absolution sicher zu sein und singe leise vor mich hin: Oje je, wie rührt mich dies, wie rührt mich dies, wie rührt mich dies . . .

* * *

„Berlin lacht", ist die Devise des Wonnemonds, wie der Mai, seitdem es Feuilletonisten giebt, unentwegt genannt wird und es sich auch wohl noch eine Weile gefallen lassen muß.

Wenn's nicht in der „Fledermaus" lacht, dann lacht's in der lustigen Revue, die im Metropoltheater allabendlich sich abspielt. Das ist ein hübsches Genre, das in Paris längst altes Heimathsrecht hat. Die muntere Bilanz der Saison zu ziehen. Alles, was das Lachen und die Sensation gereizt, noch einmal kaleidoskopisch zu reproduziren, mit hitzig ironischen Streiflichtern bestrahlt, ist dankbar und des Er» folges sicher. . ,

Der Versuch hat es gezeigt. Jede Anspielung war ein Treffer. Der lheure unbestätigte Bürgermeister Kirschner, der geduldige Wartemann, führt den Zug, die steinernen Markgrafen stellen den linken Fuß vor, der Fuhrmann Henschel knallt, daß der Postillon von Lonjumeau vor Konkurrenzneidpostillonsgelb wird, und schließlich kommt m diesem schönen großen Vogelhaus ein in den Tagen de« Abrüstung und der Friedens-Konferenz ganz aktuelles Eintrachtsballett der Berliner Presst auf die Bretter, die diese Welt bedeuten. Klingt's auch noch so wunderbar, Schneiderkünste machen's wahr. Statt der Röckchen trug di« muntere Schaar der Zeitungsfeigenblätter keusche Hülle. Und der Gedanke an ein Prrßvergehe» erweckte auch bei dem verantwortlichsten Redakteur ein stilles Wohlgefühl. Und in dieser Presse seinen Beruf zu verfehlen, schien manchen der Druckerschwärze sonst nicht Geneigten zu reizen.

(Nachdruck verboten.)

Die Zahl im Kriege.

Ein Beitrag zur Friedens-Konferenz im Haag.

I.

Krieg und Frieden in unserem Jahrhundert.

Vergleichende Zusammenstellung der

Kriegs- und Friedensjahre

der Militfirstaaten Europas seit 1800 (bezw. seit Erlangung ihrer Selbständigkeit).

Brausen, dem klagend verlangenden Dehnen der Takte, dem lüsternen lockenden Präludiren, dem Hinhaltenden, Wehren, bis endlich der volle Strom der Töne sich frei macht, sich er­gießt und alle Sehnsucht sich gestillt — gaukeln Erinnerungen des Glücklichsten, was wir erlebt, vor uns den Reigen.

Diese Musik schafft Erinnerungsmunder.

Ich träumte mein Wesen verdreifacht. Ich tanzte mit dem Kammerkätzchen Adele, ich tollte wieder auf jenem schönsten aller Goethe-Feste, dem Mummenschanz^ im Tiesurter Park mit den Schäferinnen inPrärafaelitengewändern und schwamm in der schwarzen Venetianergondel auf dem Kanal im Kiel­wasser des leuchtenden Wunderschiffs bei der Serenata.

O, diese Zaubergeigen, Allen thun sie's an. . . .

Auch oben auf der Bühne ist keine komische Oper^ mehr, das ist ja wirklich lachendes Leben. Bnlß, der Seriöse, nimmt auch diesmal die Sache ernst, ganz ernst, sogar das Champagnertrinken und das Küssen, und die Geschichten aus dem Wiener Wald, die er feiner hübschen Partnerin, dem Kammerkätzchen Adele ins Ohr flüstert, scheinen nicht bloß markirt.

Die Adele ist Fräulein Dietrich. Und wenn die Adele schließlich zum guten Ende ihr Talent zur Soubrette ent­deckt, so hat Fräulein Dietrich sicher ihr Talent zum Kammer­kätzchen entdeckt.

Und der lustige Märtyrer dieser Komödie der Irrungen, der Herr v. Eisenstein, machte er den Zuschauern oder seinem Darsteller Herrn Philipp mehr Vergnügen?

Auch über den bleichen Zügen Richard Strauß', der die tollen Geister im Orchester sicher lenkt, ein ruhender Pol in diesem Wirbelkarneval, der Schimmer eines Lächelns, das Wohlgefühl des Rhythmus . . .

Hab' ich zu sehr geschwelgt in der alten bekannten Operette, — es rhut dem Kritiker so wohl, einmal nicht

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ziehen, Deutschland, eingekeilt zwischen beutegierigen, rachsiich- tigen Nationen, am allerwenigsten. Nur gemeinsames Vorgehen ver­mag dies bedrohliche, ferne Wachs- thmn einer Einrichtung hindern, welche die besten Kräfte aufsaugt

Eigenschaften, wachsen, ehrlich gezogen und gepflegt, auch anderswo als auf den Exereirplätzen zu schönen Bäumen empor. Dieser naheliegenden Erkenntniß verschließen sich leider die jabelrasselnden Vertreter des Militarismus „mit konsequenter Bosheit". Auch die blutigen Zahlen, mit denen der Krieg rechnet, schreckt sie nicht. Aber sich diese Zahlen einmal zu vergegenwärtigen, aus ihnen Schlüsse zu ziehen, das mag jetzt, tn den Tagen der Friedens-Konferenz, doch besonders zeitgemäß sein. So geben wir denn nachstehend in Wort und Bild, o. h. in graphischen Darstellungen, eine Menge lehrreicher Zahlen wieder, wie wir sie in dem hochinteressanten Buch des österreichischen Generalstäblers, Hauptmann Otto Berndt, finden, das unter dem Titel „Die Zahl im Kriege. Statistische Daten aus

Bumtnle» Bulgarien

Griechenland

Bamltnlen

Frankreich Bauland England Türkei Italien .

Altentheil zu setzen, da er sich wohl schwerlich jemals ganz um­bringen lassen wird, lieber das Wie und Wann verhandeln eben im Haag die Sendlinge der kriegsgerüsteten Großmächte — hinter verschlossenen Thüren. Ob - freilich viel bei diesen Berathungen hcrauskornrnt, das ist mehr als zweifelhaft, aber die Thatsache einer solchen Konferenz — mag sie, wie Pessimisten und auch Optimisten glauben, auch noch so ? mäßige Resultate zeitigen — ist =- ein weltgeschichtliches Ereigniß von größter Bedeutung, ist ein symptomatisches Zeichen für den schweren Druck der stets sich steigernden Rüstungen, unter denen alle Völker Europas seufzen, ein Druck, der nicht etwa die Energie und Mannhaftigkeit der Gesainmt- heit steigert, sondern beides nach und nach verzehrt, denn die über­triebene Wehrhaftmachung der Nationen hat den Militarismus groß gemacht, den schlimmsten Vampyr, der am Mark der Völker ^gt, immer unersättlicher, immer taler werdend. Ein einzelnes Land kann sich ihm nicht ent-

(Nachdmck verboten.)

Berliner Knnst-Krief.

(Eigenes Feuilleton für das „Wiesbadener Tagblatt".)

Der Walzerkönig ist tobt, aber die „Fledermaus" lebt. Und statt eines getragenen Trauermarsches tönt in die Kunde vom Tod dieses Lebensseligen ein süßer Walzer der Er­innerung: „Glücklich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ist".

Im Todesmonat des Walzerkönigs sand sein schäumendstes und lachendstes Werk, „Die Fledermaus", eine fidele Auf­erstehung. Sie ist nun auch in Berlin hoftheaterfühig ge­worden, und der andere Strauß, der Meister Richard, der | philosophische Symphoniker, der nicht nur den Zarathustra in Tönen nachgedichtet, sondern auch die „Fröhliche Wissen­schaft" Nietzsches gelesen, nahm den lustigen Vogel mit den leichten Füßen heiter auf, dirigirte seinen Flug und sagte im Freundeskreis- das ist gewiß die beste neue Oper, die man im Opernhaus in letzter Zeit gehört hat.

Das war eine Premiöre — ein Lebensfest voll Rhythmus. Ein Wiegen ging durch das Parkett und ein Schweben, und die Lust war leicht und tanzte mit. Ueberall lachende Augen und ein Zunicken und Grüßen, wie eine Verbrüderung. Ein Jeder fühlte sich selbst als Gast des kleinen Prinzen Orlowsky, und der Boden schien leicht zu vibriren wie unter tausend sehnsüchtig zuckenden Fußspitzen.

Das magnetische Band einer wunderschönen Illusion umwand uns Alle, und vor den Augen stiegen beim Knallen der Sektflaschen schimmernde Bilder auf, dionysische Stimmungen halb vergessener Feste, rauschender Nächte, irdischer Schwere los, auf schwingenden Flügeln. . . .

In diesem Walzer wiegen, dem Haschen, Fliegen, sich £ sehnenden Umwinden der Melodie«»; dem Jauchzen und

Osterreleh-l’agar»__

Spanien_______________

h lederlande____________

PreuSen______________

Deutschland <exel Preußeni Schweden_____________

Pünemark___________

Portugal Serbien

I gewesen I" nicht zutrifft. Zum ersten Male seit der Zeit, daß mehr ober weniger cioilifirte Völker nach strategischen Regeln Krieg miteinander führen und sich gegen­seitig zu vernichten oder doch au unterdrücken trachten — und das geschieht seit mindestens 5000 Jahren —, findet nach ’ schüchternen Versuchen einzelner anderer Potentaten früherer Zeit ein gewaltiger, auf seine große Militärmacht sich stützender

Herrscher den Muth, bei seinen Kollegen nachdrücklich die De- possedirung des Kriegsgottes an- " «regen und ihnen nahe zu legen, den alten Unfrieb auf ein schmales

anberfeits auch, wie lange ber gotbene Friede die Herrschaft führte und den Ländern Zeit ließ, ihre inneren Entwicklungskämpfe, die meist mit dem Munde und mit der Feder eingeleitet werden, auszufechten. Da ergiebt sich denn, daß ber türkische Staat, der schon so lange „kranke Mann", den größten Kriegsrekord aufzu- weisen hat. 37 Jahre lang war in diesem Jahrhundert das Türken- schwert aus der Scheide, aber, wie der untere Theil der Tafel zeigt, kehrte es sich nur 16 Jahre gegen äußere Feinde, zumal gegen dre Russen, und in 21 langen Jahren — Kriegsjahre zahlen nicht nur für den Soldaten, sondern gewissermaßen auch für den kämpfenden Staat doppelt — mußte es sich gegen die eigenen, leider meist mit Recht unzufriedenen Landsleute wenden, mußte täglich neu den __ Körper dessen, ber es schwang, verwunben. Unb biefe grausame Aufgabe steht ihm auch noch weiter bevor, eine Aufgabe, an welcher ber Staat schneller unb schneller zu Grunbe geht. Ein ähnliches Bild zeigt Spanien, das bei 31 KriegS- jahren nur in 13 gegen äußere Feinde kämpfte unb in ben übrigen sich selbst zerfleischte. Wenn man dies in Betracht zieht, kann man sich über ben schnellen, tragischen Niedergang des Landes nicht wundern. So haben alle Militär­staaten Europas, die großen und die kleinen, mit Ausnahme von nur wenigen, mit kriege­rischen Wirren im eigenen Lande, mit Revolutionen re. zu thun gehabt. Selbst das sonst so ge­sicherte Deutschland zählt zwei Jahre solcher inneren Kämpfe und Preußen deren eines auf. Die Saat dieser Kämpfe aber ist bei uns der politischen Ent­wickelung zu Gute gekommen, was nicht jedes Land von den Folgen seiner inneren Wirren sagen kann.

Frtedenajabre

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Spaalea Frankreich Bauland

Italic»____________

England

Uslcrrekh-t ngarn Niederlande

Rechnen wir ben letzten Krieg zwischen Spanien unb bem jungen amerikanischen Großstaat hinzu, so ergiebt sich, baß sich Europa nur 29 Jahre vollen Friedens erfreuen durfte; in der übrigen Zeit brannte es bald dort, bald hier, am andauerndsten und all­gemeinsten natürlich in der Zeit, da die moderne Goitesaeißel, Napoleon, Länder und Thron nach Willkür durcheinander warf. Sie haben schlechte Nachbarschaft gehalten, die meisten Staaten Europa», unb oft sind sich die ver­schiedenen Nachbarn in die Haare gefahren. Heute dick Freund, morgen grimmiger Feind. So war es allzeit in ber Weltgeschichte. Nichts ist wetterwendischer wie die Dame Politik, die sich um alte Freundschaften eben so wenig kümmert als um alte Feind­schaften. Sie verdirbt nicht nur den Charakter, sie selbst hat über» Steinen Charakter, sie ist die rtunität in Person, und bet Versuch, ihr durch internationale Uebereinkunft, sei es durch Schiedsgerichte, sei es durck Einstellung der Weiterrüstungen oder theilweiie Abrüstung, Fesseln anznlegen, i Kiagramm vierer uns eine oeimiaje ueueqia;. ist sehr zu loben. Ganz unschädlich aber kann ü.der du KnegS- welcher in unserem eben zur Neige gehenden Politik nicht gemacht werden und die ausschließliche Friedenspolitik ■ - • - ......- ' wird vielleicht nie zur erblichen Herrschaft gelangen.