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Verlag: Langgasse 27.

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1899

Mittwoch» den 26. April.

Mo. 194.

Fernsprecher 91». 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

das Thier regt fti nachdem die Verl

kanischen Partei sein wird.

P-

Die Schiichtfroge im Reichstag.

O Krrlin, 25. April.

(Nachdruck verboten.)

Der Dichter derAthatia".

amerikanischen Truppen den gewandten Tagalcn im Busch­krieg nicht gewachsen sind. In diesem Kriege ist ein großer Theil der amerikanischen Truppen aufgerieben worden und dazu hat unter den Freiwilligen eine förmliche Fahnenflucht Platz gegriffen, denn diese hatten sich wohl für den Krieg gegen Spanien, nicht aber für einen Buschkrieg gegen die Tagalen zu begeistern vermocht.

Hebet' die Mißerfolge der Amerikaner kann man sich weiter nicht wundern, denn mit dem April hat auf den Philippinen die Zeit der entsetzlichen Hitze begonnen, welche bis Ende Mai währt und für die des Klimas Ungewohnten die schwersten Krankheiten im Gefolge hat. Mit dem Ende des Mai hört diese Zeit der Hitze auf, aber nur, um der noch schlimmeren Regenzeit Platz zu machen, in welcher den Amerikanern die Fortsetzung des Krieges überhaupt unmöglich sein wird. In der That wird in den Vereinigten Staaten die Erkenntniß immer allgemeiner, daß man sich mit der Annektious- und Weltpolitik stark in die Nesseln gesetzt hat. Die Union verdankt ihren außerordentlichen materiellen und geistigen Aufschwung einem hundertjährigen Frieden, der nur durch die 4 Jahre des Bürgerkrieges unterbrochen wurde. Diese Friedenspolitik, auf der die Erfolge der Vereinigten Staaten beruhen, ist in Folge der Agitation der Jingo- Partei, der sich Mac Kinley unterworfen hat, verlassen worden. In dieser Partei spielen Leute wie der Prahl­hans Kapitän Coghlan die Hauptrolle. Solche Prahlhänse sind an sich ungefährlich, aber sie werden gefährlich, wenn die Mehrheit des Volkes sich nicht mit Verachtung von ihnen abwcndet. Aber die verantwortlichen Männer in den Vereinigten Staaten scheinen doch zu der Erkenntniß ge­kommen zu sein, wie gefährlich eine Weltpolitik ist, welche zu Konflikten und Händeln mit anderen Mächten führt. Allem Anschein nach bereitet sich in den Vereinigten Staaten aus Anlaß der Erfahrungen mit Deutschland und der Erfahrungen auf den Philippinen eine Reaktion gegen die gefährliche Politik der Republikaner und Mac Kinleys i?7T. welche die Bereinigten Staaten in eine Bahn drängen, die sowohl mit der Vergangenheit als auch mit den mili­tärischen Machtmitteln der Republik im Widerspruch steht. Man wird den Fortgang dieser Bewegung mit" Interesse beobachten können, und wir sind überzeugt, daß ihr Ende der Sieg der politischen Vernunft und die Niederlage Mac Kinleys und der für die Weltpolitik schwärmenden republi-

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zierinnen" des Euripides nachgebildel, zur Aufführung. Seine Kunst erregte allgemeines Aufsehen, aber erst drei Jahre später zeigte er sich in seinerAndromache" im vollen Glanze seines Genies. Dadurch, daß er in die schlichte Handlung der griechischen Tragödie mit vollendetem Geschick die französischetendresse oder Galanterie hineinzubringen wußte, betrat er eine völlig neue Bahn, die ihn auch zum Gipfel seines Ruhmes führen sollte; freilich nicht ohne Kampf gegen hämischen Neid und kurzsichtige Verzopftheit, wie denn überhaupt seine Erfolge zu seinen Lebzeiten nie unbestritten waren. Erst zwei Jahrhunderte später hat man begonnen, den Werth des vollendetsten französischen Tragikers ganz zu erkennen und zu würdigen.

Ludwig XIV. liebte Racine und ließ es an königlichen Beweisen seiner Zuneigung nicht fehlen. Diese Gunst allein war es auch, welche den Dichter die Stärke der Oppositions­partei des sogen.Hotel Rambouillet" ertragen und, wenn auch oft mit bitterem Zorn, so doch immer wieder gelaffen hinnehmen ließ. Als aber sein größtes Meisterwerk,Phädra", durch die Umtriebe seiner Neider dem gleichnamigen elenden Machwerk eines mittelmäßigen Skribenten, Prodon, unter­lag, war Racine entschlossen, hinfort dem Theater ganz zu entsagen. Dazu kam noch, daß seine ihm 1677 angetrante, sehr religiöse, aber auch sehr prosaische und beschränkte Ge­mahlin Katharine de Romanet, den Hang ihres Gatten zu asketischer Frömmigkeit benutzend, ihn ihrerseits von der Poesie zu entfernen trachtete. Nur den inständigen Bitten der Marquise v. Maintenon verdankt es die Nachwelt, daß der Dichter derPhädra" noch einmal die Feder ergriff und zwei, diesmal biblischen Stoffen entnommene Dramen schrieb. So entstandEsther" 1689 und seine ewig uni vergänglicheAthalia" im Jahr 1691, welche beiden Arbeiten er den Zöglingen des Damenstists zu Saint Cyr widyiet.e. Der Erfolg beider Stücke entsprach damals durchaus nicht ihreK

& Zum 200. Geburtstag des Dramatikers Jean Racine.

(t.rnn 26. April 1699.)

Von Dr. I. Sieghorst.

Ein Talent gehört seinem engeren Volke, ein Genie aber I gehört der ganzen Menschheit an. So ist z. B. der große | Brite Shakespeare schon lange nicht mehr einenglischer" 1 Dichter, Beethoven schon lange nicht mehr eindeutscher" Tönkünstler und Jean Racine schon seit wenigstens einem WIahrhundert keinfranzösischer" Dramatiker mehr. Die pBcite dieser angeführten, wie sämmtlicher übrigen Genies | aller Zeiten und Nationen, sind ein Gemeingut der Gebildeten f ' überhaupt geworden. Der herrschende Zeitgeschmack mag sie x"frrilich nicht ständig und ausschließlich auf seinem Repertoire Lhaben, aber der Zeitgeschmack geht und sie bleiben.

So mag einePhädra", einBritannicus", eine Andromache", eineAthakia" von den Wogen und Wellen | eines florirenden Naturalismus gegenwärtiger Zeiten t scheinbar überspült und weggewafchen worden sein; es wird [ über, es muß eine Zeit kommen, in welcher sich daS Publikum | daran übergessen haben wird, dann wird es entweder zurück- kMeifen auf das ewig Schöne und Erhabene der Vergangen- r leit oder vom Tisch der Gegenwart nur das speisen, was i dieser an Schönem und Erhabenem, wenn auch in moderner F Zubereitung, enthält und alles Uebrige als Kehricht in den Müll­kasten der Vergessenheit werfen. Zur Ehre der kommenden f Menschheit wollen wir dieses annehmen und uns durch einen Unückvlick auf das größte bühnenschriftstellerische Genie f Frankreichs, auf Jean Racine, in dieser Annahme befestigen, i Daß Racine unschuldiger Weise ein Franzose ist und einer | Mlion und einem Zeitalter angehört, von denen wir, als i Timsche, speziell aus jener Zeit für uns in politischer

«r. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezngs-Preis: durch dcn Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 9)11. 6« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Die Tische des Bundesraths sind leer. Auf dem Tisch des Hauses ist eine Ausstellung von Schächtapparaten, Hämmern und Thiermasken veranstaltet. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. Erste Berathung des von Lieber- mann v. Sonnenberg u. Gen. beantragten Gesetzentwurfs, betreffend das Betäuben der Schlachtthiere. Dr. Vielhaben (Antis.): Mit der Entwickelung der Kultur wächst das Mitgefühl mit den Leiden der Thiere. Die Schächtvorschrist wird auch von rabbinischer Seite als Religionsgebot nicht mehr aneckannt, sie wird nur als ein Mittel betrachtet, die Juden eng aneinander zu ketten. Die von den Rabbinern gesammelten Gutachten haben keinen Werth, sie sind einseitig oder find rein theoretisch abgefaßt. Die Schächt-

| DieWeltpolitik" der Dereinigten Staaten.

| In der Weltgeschichte finden wir hier und da ein Bei- U spiel dafür, daß ein Krieg erst nach dem Sieg gefährlich Wird. Die gleiche Erfahrung haben jetzt die Amerikaner f mit ihrem Krieg gegen Spanien gemacht, den sie leichter »Hand gewonnen haben, nicht weil den Amerikanern eine R sonderliche militärische Stärke eigen ist, sondern weil die U militärische Stärke der Spanier noch ganz bedeutend geringer E ist. Aber unsere damalige Ankündigung, daßdas dicke ? Ende nachkommen" werde, ist vollinhaltlich eingetroffen, wie M die Vorgänge auf den Philippinen zeigen. Eine Zeit lang Monnte man sich in den Vereinigten Staaten über den W Ernst der Lage auf den Philippinen täuschen, und die W mnerikanischen Offiziösen, die sich als Massenfabrikanten U von erfundenen Siegesmeldungen aufget han hatten, thaten das \ Ihrige dazu, um die Amerikaner in jenem gefährlichen Taumel - zu erhalten, der eine große Masse des Volkes seit dem Krieg F gegen Spanien erfaßt hatte und sie in Begeisterung für H bas Schlagwort *Weltpolitik" entflammen liefe. Auf die | Dauer konnte aber dieser offiziöse Schwindel nicht verfangen, i und die Thatsache läfet sich nicht mehr vertuschen, dafe die Amerikaner auf den Philippinen nicht nur keinerlei Erfolge, I sondern schwere Mißerfolge und etliche Schlappenerzielt" | haben. Als cs mit der Erfindung von Siegesnachrichten zu i hapern begann, wählte man die andere Taktik, den Filipinos r zu suggeriren, dafe sie sich nach Frieden sehnten. Auch das war Schwindel. Die völlige Wirkungslosigkeit der kürzlich I" erlassenen Kundgebung des Generals Otis, der den Filipinos | eine allerdings sehr verklausolirte Selbstverwaltung ver- | sprach, hat gezeigt, dafe die Filipinos gar nicht an Frieden I denken, e§ fei denn, daß ihnen die versprochene Unabhängig- i feit zu Theil werde.

fei An den Amerikanern rächt sich auf den Philippinen die x Unehrlichkeit in der Politik. Zu Beginn des Krieges gegen : Spanien hat der Präsident Mac Kinley feierlich verkündet, - daß die Vereinigten Staaten keinerlei Landerwerbungen be- fc sbsichtigten, sondern nur aus Humanitätsgründen in den k Krieg zögen. Nach der Schlacht von Cavite hat daun nach unwidersprochenen Berichten der Admiral Dewey den r Filipinos für ihre Hülfe gegen die Spanier, die auch in um- ° fassendem Maße geleistet wurde, ausdrücklich die Unabhängig- " feit versprochen. Die Amerifaner sind leichten Herzens und leichten Gewissens über ihre Versprechungen zur Tages- s-orbnung übergegangen, und ihre Mißerfolge auf den - Wlippinen sind die gerechte Strafe für diese politische ° Sünde. Die Lage auf den Philippinen ist für die I Amerikaner in der That im allerhöchsten Grade ungünstig.

Trotz monatelanger Anstrengungen beherrschen sie lediglich x Manila und einen Theil der nach Norden führenden Eisen- k bahnlinie, deren Behauptung ihnen aber während der Regen- | zeit nicht so leicht möglich sein wird; im Uebrigeu aber sind | die Philippinen nach wie vor in der Gewalt der Filipinos, k Was vorauszusehen war, ist eingetroffen, dafe nämlich die

für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur . -(jlilllllljniC nächsterscheinenden Ausgabe wird teilte Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Hinsicht nichts Erfreuliches berichten können, soll uns in der aufrichtigen Würdigung seiner unsterblichen Größe nicht be­hindern. Sind wir Deutsche doch das geistig am tiefsten veranlagte und ethisch wie wissenschaftlich gebildetste Volk der Erde, denn, wie schon oben erwähnt, gehört das Genie Racine uns ebenso gut an wie seinen engern Landsleuten, und wir können es gerade so ehren wie jene.

Geboren am 21. Dezember 1639 zu La Ferte-Milon in der Champagne, wo sein Vater, wie die Franzosen es nennen, eincontröleur du grenier ä sei, der Inspektor der Salzwerke, war, besuchte Racine, frühe verwaist, zuerst das Gymnasium zu Beauvais und vollendete später seine Studien im Stifte Port-Royal bei Paris. Schon frühe äußerte der begabte Knabe eine bewunderungswürdige Fafsungsgabe, einen schier unermüdlichen Eifer und eine ganz besondere Vorliebe für die Werke der großen griechischen Tragiker. In seinem 20. Lebensjahre verfaßte er eine Ode La Nymphe de la Seine, welche er seinem König Ludwig XIV. zu dessen Vermählung bebifirte. Der Monarch war über die künstlerische Schönheit des Gedichts so entzückt,daß er dem jugendlichen Verfasser einen, damals unerhört hohen, Ehrenpreis von 100 Louisdors auszahlen, ein Gnadengehalt beziehen ließ und ihm seine königliche Gunst zuwandte.

Der also geehrte Jüngling faßte nun seinem Oheim zu Liebe den seltsamen Plan, Priester zu werden, ftubirte Theologie und bereitete sich vor, bie Pfründe seines Onkels zu übernehmen. Dieser Plan aber ging zur großen Freude einer bewundernden Nachwelt nicht in Erfüllung. Dem Rathe Boilcaus und MoliercS folgend, entschloß er sich, durch den wachsenden Ruhm Corneilles angefeuert, der Dichtkunst treu zu bleiben. Sein erstes Trauerspiel Theagäne et Chariclee riß er nach Durchlesung, in strenger Selbstkritik, in Stücke und verbrannte es. Aber schon 1664 brachte er sein zweites WerkLa Thebaide, denPhöui-

prozedur ist eine grausame Thierquälerei. Das Fleisch wird nicht bester und haltbarer, sondern schlechter. Ich habe aus Anlaß dieses Antrags eine Masse von Zuschriften bekommen wie niemals zuvor, und nicht nur von antisemitischer Seite. Ich hoffe auf eine des Gegenstands würdige Verhandlung. Die jüdische Presse ist natürlich über uns hergefallen; darum ersuche ich die Herren, dte nach mir reden werden, im Interesse der Sache und in ihrem eigenen Interesse mit der Erklärung zu beginnen, daß sie feine Antisemiten seien. Abg. Dr. Lieber (Centr.): In einer Ver­sammlung, die von 257 Rabbinern besucht war, lst im Jahr 1890 eine Erklärung öffentlich abgegeben worden, die dahin lautet, daß das Schächten eine religiöse Satzung des Judenthums ist; daS Verbot des Schächtens würde Hunderttausende von Bekenner« des jüdischen Glaubens zwingen, sich des wichtigen Nahrungs­mittels gänzlich zu enthalten oder ihr religiöses Gewissen zu belasten. Recht schön ist die Liebe zu den Thieren, Hochachtenswerth und an, erkennenswerth ist die Schonung der Thiere, aber sie sind nun einmal bestimmt, der Menschheit zur Ernährung zu dienen. (Un­ruhe bei den Antisemiten.) Soweit sie dazu bestimmt sind, diesem Zweck zu dienen, werden sie dieser höhern Bestimmung gemäß ver­wandt. Daß das Schächten eine unzulässige Thierquälerei nicht genannt werden kann, ist schon früher vorgetragen worden. Nach dem Gutachten des berühmten Physiologen Preyer ist in hygieinischep Beziehung das Schächten jedenfalls die beste Methode des Schlachten­der Thiere. (Lachen bei den Antisemiten.) Die wissenschaftlich^ Deputation für das Medicinalwesen hat erklärt, daß das Schächte« die am wenigsten empfindliche Art des Schlachtens der Thiere (et. Neuerdings haben auch Militärbehörden erklärt, daß das Schächten mindestens ebenso wenig eine Thierquälerei sei, als alle sonstigen Schlachtmethoden. Wir überlassen jetzt das Schlachtfeld der antk> semitischen Presse und erwarten von ihr gefchächtet zu werden. (Heiter, leit.)De. Kruse (nat.-lib.): Ich bin der Ansicht des Abg. Lieber, daß man in Bezug auf religiöse Dinge möglichst zurückhaltend sein und keineswegs Leute zu Dingen zwingen soll, die ihren religiösen Ge­fühlen widerstreben. Man sagt, die Vorgänge vor dem Schächten seien für das Thier sehr grailsam. Das ist nicht richtig. Wenn' wie jetzt allgemein üblich ist, das Thier niedergelegt ist, rasch und geschickt der Schnitt geführt wird, wie es ein geübter ausgebildeter Schächter thatsächlich thut, dann merkt man kaum, daß das Thier irgend eine Sehmerzensäußerung von sich giebt. Ich habe das in einer großen Zahl von Fällen selbst gesehen. Der Schächter schneidet, das Thier regt sich kaum danach; es fängt erst an, sich zu regen, nachdem die Verblutung fast beendet ist, wenn eine voll­ständige Entleerung des Blutes aus dem Gehirn stattgefunden hat. Diese Entleerung geht aber so rasch vor sich, es ist ein so gewaltiger Strahl, der aus den Blutgefäßen kommt, daß man mit Sicherheit sagen kann, in wenigen Minuten ist das Gehirn so gut wie blut­leer und damit jede Empfindung des Schmerzes geschwunden und vollständige Bewußtlosigkeit eingetreten. Das Schächten wird jetzt ja auch in immer zunehmender Zahl von christ­lichen Schlächtern ausgeführt aus dem Grund, weil fie sich sagen, daß das Fleisch nachher besser ist, es blutet besser auS. Wenn Dr. Vielhaben davon gesprochen hat, daß die Bestrebungen der Thierschutzvereine danach gingen, möglichst Beschädigungen und Schmerzen der Thiere zu verhindern, so müßten die Herren in ihren Anträgen noch viel weiter gegangen sein, da müßten sie geradezu die Jagd verbieten. Da geschehen unzweifelhaft noch mehr Thierquälereien als bei dem jüdischen Schächten, ganz gewiß (sehr richtig! Zuruf) durch Montags- und Dienstagsjager. Das passirt gar nicht selten. Ich habe es nun mit eigenen Augen gesehen, daß ein Thier angeschossen und nicht gleich gefunden wird und elendiglich verhungert, verdurstet und verkommt. Das ist keine Seltenheit, das passirt öfters. Ich bin garnicht dafür, die Jagd zu verbieten; im Gegentheil, das kommt jetzt vor und wird auch später vorkommen, und es wäre sehr thöricht, wenn man einen solchen Gedanken hegen wollte. Ich will nur sagen, daß, wenn man sich auf einen so abstrakten Gedanken des Thierschuhes stellt, man dann Alles mit dem Thierschutz in den Kauf nehmen muß. Ich bitte Sie, mit möglichst großer Majorität den Antrag Liebermann v. Sonnenberg und Genossen abzulehnen. (Beifall.) Abg. Rickert (freis. Ver.) meint, hier handle es sich hauptsächlich um' die Frage, ob das Schächten wirklich eine Thierqucilerei sei.