Wiesbadener (lagblatt
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Ko. 1S2
Dienstag, den 23. April
1899
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
nicht die Vergangenheit und die Geschichte dcS Genossenschaftswesens. Niemals ist es Schulze-Delitzsch in den Sinn gekommen, mit Hülfe der genossenschaftlichen Organisation die soziale Frage zu lösen, vielmehr hat er mit aller Entschiedenheit Verwahrung eingelegt, als die Legende verbreitet wurde, er erstrebe solch hochfliegende Pläne. Ein Mann wie Schulze-Delitzsch wußte, daß es sich bei den Bestrebungen für die wirthschaftliche Hebung der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden nicht um Massenwirkung handeln könne, daß der Einfluß auf die Masse stets nur ein mittelbarer sein kann. Man stelle sich nun aber heute das Fehlen der Genossenschaften in unserem Wirthschaftskörper vor, dann wird man die Bedeutung und den Werth der Genossenschaften voll ermessen. Man denke an die gewaltige wirthschaftliche Umwälzung, die die letzten fünf Jahrzehnte gebracht haben, sie wäre völlig vernichtend für die kleinen und mittleren Betriebe gewesen, wenn diese nicht ihre Stütze in den Genossenschaften aller Art gehabt hätten. Die Genossenschaften haben große positive Erfolge zu verzeichnen, sie können für sich noch mehr in Anspruch nehmen, eine schlimmere Gestaltung der Lage abgewendet zu haben.
Werfen wir nun einen Blick auf die Leistungen der dem Allgemeinen Verbände deutscher Erwerbs- und Wirtdschaftsgenossen- schaften angchörenden Genossenschaften, des Verbandes, der, wie bemerkt, feinen Genoffenschaststag in diesem Jahre in den ersten Augusttagen in Berlin abhalten wird, so tritt uns die wirthschast- liche Bedeutung der Genossenschaften deutlich vor Augen. Dem Verbände gehören 1544 Genossenschaften der verschiedenen Gattungen an, es haben davon 1416 Genossenschaften 904,640 Mitglieder, denen diese Genossenschaften an Krediten, Wirthschafts- bedürfniffen rc. Werthe im Betrage von 1,869,640,275 Mk. in einem Jahre zur Verfügung stellten. Jene 1416 Genossenschaften arbeiteten mit 125,122,131 Mk. Geschäftsguthaben, 41,557,912 Mk. Reserven, 512,266,641 Mk. fremden Geldern. Unter den 1416 Genossenschaften befanden sich 924 Kreditgenossenschaften mit 125,192 selbständigen Handwerkern und 145,385 Land- wirthen als Mitglieder, denen im Jahre 1897 etwa 900 Millionen Mark an Kredit gewährt waren. Bei 489 Konsumvereinen kauften 403,872 Personen ihre Lebensbedürfnisse, darunter befanden sich ca. 207,000 Personen, die den arbeitenden Klassen angehören, die durch Bezug der Wirthschafts- und Lebensbedürfnisse bei den Konsumvereinen ca. 5 Millionen Mark Ersparnisse erzielten. Von den 31 dem Verband angehörcnden Baugenossenschaften wurden 82 Häuser, davon 45 Häuser mit 333 Miethswohnungen, erbaut.
Alles spricht dafür, daß der zu Berlin stattfindende Allgemeine GenossenschaftStag einen der Feier würdigen Charakter erhält.
und theilweisc wildwachsenden Aprikosenbäume ein geradezu bezaubernder genannt werden kann, der namentlich den Nordländer bestrickt, wenn er der um diese Zeit meist noch in Schnee und Eis starrenden heimischen Gefilde gedenkt. Etwas später, etwa im März, folgen die Orangenbäume und mit ihnen eine Unzahl einheimischer Bäume und Sträucher, deren Blüthen gleich der Orangenblüthe berauschend süße Düste verbreiten. Ein Spaziergang am Spätabend, wenn am tiefblauen Himmelsgewölbe die Millionen Sterne gleich leuchtenden Diamanten, funkeln und der Mond, ein silberner Nachen, ruhig seine Bahn dahinzieht, gewährt dann einen einzigartigen Genuß, und die Phantasie schwelgt unwillkürlich in Bildern aus der Zauber- und Märchenwelt von „Tausend und einer Nacht". Denn von allen Seiten hauchen Balsamdüfte, kosen milde Zephyre, leuchten buntfarbige und blendend weiße Blüthenkelche, lacht weit und breit der uralte und doch ewig junge, Herz und Sinn bestrickende Zauber des Orients. Die Zahl der besonders zu Einzäunungen verwandten Heckensträucher und Schlingpstanzen ist ebenso unbegrenzt, wie das Kolorit und die Formen ihrer oft wundersam gestalteten Blüthen. Doch herrschen unter letzteren offenbar die trichter- und sternförmigen Gebilde vor. Al? interessante Spezialität der heimischen Heckenpflanzen sei die auch bei uns vielfach kultivirte, eine gleichmäßige, nicht also intensive Wärme erheischende Passionsblume erwähnt, die etwa Anfang April ihre umfängliche, zart violette Stern- blüthe erschließt, in welcher sinnigeDeutnng die Verkörperung der Marterwerkzeuge des Erlösers gefunden hat.
Um diese Zeit etwa steht der egyptische Frühling auf dem Gipfel seiner Entfaltung. Denn nun haben, mit ganz
Umwälzungen, daß wir diesen Zeitraum mit Fug und Recht als Frühling, freilich im idealsten Sinne, bezeichnen können, während der fogenannte „Winter" im Grunde genommen nichts weiter als ein milder, segenspendender Herbst ist. Wir treffen daher unzweifelhaft das Rechte, wenn wir statt von zwei von drei Jahreszeiten in Mittel- und Unteregypten reden: dem etwa sieben Monate andauernden heißen Sommer, dem drei Monate währenden milden Herbste und dem leider nur auf zwei Monate beschränkten Frühling, dessen erstere Hälfte allerdings die bei Weitem angenehmere ist.
Wenn ein eigentlicher Stillstand im Wachsthum der Pflanzen selbst während des „Winters" nur theilweisc zu bemerken ist — Palmen und andere einheimische Gewächse zeigen fortwährend neue Triebe, und an Blüthen der mannigfachsten Art, z. B. Rosen, ist kein Mangel —, so kann man das Eintreten der Pfirsich- und Aprikoseublüthe als den eigentlichen Beginn des egyptischen Lenzes bezeichnen. Diese findet in der Regel in der ersten Hälfte des Februars statt, zu einer Zeit, die nicht selten auch in klimatischer Hinsicht scharf absticht gegen die vorangehenden Wochen. Können wir diese, als die unangenehmsten des ganzen Jahres bezeichnen, sofern der mitunter fallende Regen, die niedrige Temperatur, der meist wolkenverhangeiie Himmel dem anziehenden Landschaftsbilde das ihm sonst eigene bunte, lachende orientalische Kolorit rauben, so wehen nun mildere Lüfte, die zusehends an Wärmegehalt zunehmen, bis der feurige Chamsin sich mit ihnen vermählt, und ewig klar und heiter breitet sich zu unseren Haupten das wundervoll leuchtende Firmament aus. Was Wunder, wenn der Anblick der oft über Nacht mit Blüthcnschnee bedeckten, zahlreichen
(Nachdruck verboten.)
f Frühlingstage nm Uil.
Von Richard v. Felsenegg.
Wenn die schlanken Dattelpalmen dicht unter der M majestätischen Krone ihre gelblichen Blüthenkolben hervor- I treiben, wenn die im frischen, hellglänzenden Blätterschmucke t prangenden Orangenbäume weit umher ihre berauschenden, L süßen Düfte verstreuen, wenn die schmarotzerartig wuchernden | baumhohen Oleandersträucher ihre bald im glühendsten Roth, | bald im blendendsten Weiß leuchtenden vollwichtigen Blüthen- | büschel tief zur Erde herabneigen, dann schwelgt das ehrwürdige " Pharaonenland im Vollgennsse seiner leider nur zu kurz l bemessenen, wonnevollen Frühlingszeit, und es ist, als wehe F ein Hauch des Paradieses über die sonnenbeglänzten Gefilde t dieses bevorzugten Erdstriches.
M Zwar kennt die herrschende Ansicht weder einen egyptischen 1 Frühling, noch einen eigentlichen Herbst und beschränkt den | für die Entwickelung eines Landes ebenso nothwendigen, | wie für die Bewohner desselben wohlthuenden Wechsel der I Jahreszeiten auf bett etwa drei Monate währenden t sogenannten Winter und die „heiße Jahreszeit", die als l Sommer die übrige Zeit des Jahres ausfüllt. Allein einem ß aufmerksamen Beobachter der Verhältnisse kann cs'nicht | entgehen, daß diese herkömmliche Unterscheidung keine zn- I treffende ist. Denn der Uebergang von der als „Winter" | bezeichneten Jahreszeit, die allerdings eine kühlere, mit | theilweiser Säftestocknng verbundene Periode ist, zur heißen, | d. h. zum Sommer, vollzieht sich unter so auffälligen und k ,vLmentlich klimatisch und botanisch tief einschneidenden
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| 50 Jahre.
1849 —1899. Diese Jahre bedeuten Merksteine in der Geschichte des deutschen Genossenschaftswesens. Im Jahre 1849 gründete Schulze in seiner Vaterstadt Delitzsch eine Kranken- und Sterbekasse, die sich von anderen derartigen Kassen dadurch unterschied, daß jede Gönnerschaft ausgeschlossen wurde und die Gleichberechtigung aller Mitglieder in der Generalversammlung zum Ausdruck kam. " Dieser Gründung folgte im Herbst die Bildung des ersten Rohstoff- Vereins, zu dem sich 13 Tischler vereinigten. Wohl bestanden in verschiedenen Städten zu jener Zeit schon Darlehnskassen und Bc- k_ gugsnereiitigungen auf genossenschaftlicher Grundlage, denn der * Gedanke, mit Hülfe der genossenschaftlichen Organisation die wirth- k schastliche Lage der Gewerbetreibenden zu bessern, beschäftigte da- - malS die weitesten Kreise, doch meist dachte man dabei an eine k weitere Ausgestaltung der Innungen, an die Heranziehung von |F Mitteln Seiten? des Staates, der Konimnne, nur vereinzelt wurde l der Versuch gemacht, aus eigener Kraft heraus Einrichtungen zu schaffen, die jenen Aufgaben dienten.
Schulze-Delitzsch ist nicht der Erfinder der genossenschaftlichen ff Idee, denn diese ist urdeutsch — wir finden sie auf politischem Gebiet in den Markgenossenschaften, auf gewerblichem in den | Innungen — Schulze-Delitzsch aber ist der Organisator derDurch- k, sührung des genossenschaftlichen Gedankens, wie er der modernen H; wirthschafilichen Entwickelung entspricht.
Und nicht bloß der Organisator der Genossenschaften ist Schulze gewesen, sondern auch der der Genossenschafts-Verbände. Pfingsten | 1859 traten zum ersten Male Abgeordnete von etwa 30 Vorschuß- | vereinen in Weimar zu einem Vereinstag zusammen, nachdem eine t Zusammenkunft in Dresden von der sächsischen Regierung ver- - boten worden war. Das Jahr 1859 wurde entscheidend für die | weitere Ausgestaltung und Entwickelung des deutschen Ge- t nossenschaftswesens. Zu Weimar wurde die Errichtung eines E Centralbüreaus unter Leitung von Schulze beschlossen, zu j dem Zweck, die Verbindung der Vereine anzubahnen, die fc- Korrespondenz mit den Vereinen zu führen und ein Organ der Vorschußvereine in der feit 1854 als besondere Abtheilung der r deutschen Gewerbezeitung erscheinenden Innung der Zukunft (seit 1866 unter dem Titel Blätter für Genossenschaftswesen) zu schaffen. Nur 2 Jahre blieb die Verbindung auf Kreditvereine beschränkt, I bann dehnte sie sich auch auf die anderen Genossenschaftsarten aus. § Aus dem in Weimar gebildeten Centralbureau hat sich der Allgemeine Verband der deutschen Erwerbs- und Wirthschastsgenossen- M schäften entwickelt.
U. 40 Jahre nach jenem ersten zu Weimar abgehaltenen Verems- t tag von 30 Vorschußvereinen wird in der Reichshauptstadt der Allgemeine GenossenschaftStag bei Gelegenheit der Enthüllung des k dem Altmeister des deutschen Genossenschaftswesens, Schulze- £• Delitzsch, errichteten Denkmals stattfinden. Das ist ein würdiges t- Jubiläum für die Bildung der ersten genossenschaftlichen Organisation r vor fünf Jahrzehnten, der Schaffung eines deutschen Genossenschafts- | Verbandes vor vier Jahrzehnten, zu einer Zeit, als die Wieder- ? errichtmig des Deutschen Reiches noch ein Traum war.
Die wirthschaftliche Lage der mittleren und kleinen Gewerbe- | treibenden aller Art, jedes Berufs, die wirthschaftliche Lage der I arbeitenden Klassen ist freilich auch heute trotz des Bestandes von fc vielen tausend Genossenschaften keine glänzende — haben deswegen | etwa die Genossenschaften ihre Aufgabe nicht erfüllt? Es giebt r Volkswirthe, die diesen Schluß ziehen möchten, sie kennen freilich
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
* Keim Deutschen Aerftetirg in Dresden wurde vorgestern über die Frage: Freie Aerztewahl in Krankenkassen namentlich abgestimmt. Das Ergebniß war, daß 107 Delegirte mit 12,065 Stimmen sich für und nur 29 Delegirte mit 1538 Stimmen sich gegen die gesetzliche Einführung der freien Aerztewahl erklärten.
43. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag S© Pfg. monatlich, durch die Post 1 MI. GÖ Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Srrlln, 24. April.
Das Abgeordnetenhaus überwies heute das Ausführungsgesetz zum Handelsgesetzbuch, das Ausführungsgesetz zur Grundouch- orbnung und das Gesetz, betreffend ine lanbeSgeietzlichen Vorschriften über die Gebühren der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher, debattelos an die 10. Kommission, welche die übrigen Justiz- Ausführungsgesetze zu berathen hat. — Erste Berathung des Gesetzes, betr. Gerichtsorganisation für Berlin und Umgegend. — Abg. Krause (uat.-lib.) bezweifelt, daß durch die in der Vorlage vorgesehenen Aenderungen eine bessere Rechtspflege herbeigeführt werde. Die Rechtsbeziehungen zwischen Berlin und der Provinz seien zu eng, als daß ohne gründliche Kommissionsberathung, und zwar Berathung in einer besonderen Kommission, der Entwurf angenommen werden könne. —Abg.Porsch (Centr.) schließt sich den allgemeinen Ausführungen des Vorredners an, fürchtet aber, daß das juristische Berlin noch mehr komptizirtwerde. — Abg. Crüger (freis. Volksp.) hat ebenfalls viel Bedenken gegen die Vorlage
Deutsches Keich.
* Kos- und Personal-Nachrichten. Die Ernennung des bisherigenOber-Finanzraths Lehnert zum Unterstaatssekretar im Finanzministerium ist nunmehr erfolgt. Derselbe wird fein neues Amt am 1. Mai d. I. antreten. — Zum Mitglied des Disciplinar- hoses für nichtrichterliche Beamte ist an Stelle des Unter-Staatssekretärs v. Barth der neue Dirigent der medizinischenAbtheilung des Kultusministeriums, Dr. Förster, berufen worden.
* Krrlin, 25. April. Wie die „Norddeutsche Allg. Zeitung" bestätigt, hat der Bundesrath in feiner Sitzung vom 20. h. M. beschlossen, die derZulassung derFrauen zu den Prüfungen für Aerzte, Zahnärzte und Apotheker in den reim« rechtlichen Vorschriften entgegenstehenden Hindernisse dadurch zu beseitigen, daß die Zeit, in welcher sie nur als Hospitantinnen sungitten, mit dem vorgeschriebenen Studium gleiche Geltung haben soll, sofern nach den maßgebenden Vorschriften, wie dies zur Zeit noch der Fall ist, ihre förmliche Jmmattikulation nicht erfolgen kann. Vorausgesetzt ist dabei, daß der Nachweis der für die Zulassung zur Prüfung vorgeschriebenen wissenschaftlichen Vorbildung erbracht, sowie, daß ein fachlich ordnungsgemäßer akademischer Studiengang beobachtet ist.
Wie eine parlamentarische Korrespondenz meldet, wird da» Gesetz znm Schutze der Arbeitswilligen in den nächsten Tagen dem Bundesrathe zugehen. (Dieser Tage hieß es, es würde in dieser Session wahrscheinlich nicht mehr an das Hau? gelangen.)
in dieser Session wahrscheinlich nicht mehr an das Haus gelangen.) Nachdem das Gesetz über den Ankauf der Bern st ein werke des Geheimraths Becker vom Landtag angenommen ist, wird der Staatsbetrieb der Bernsteingewinnung am 1. Juli d. I. beginnen äum Leiter der dortigen staatlichen Verwaltung ist der KöiiiÄ ergrath Hueck aus Saarbrücken in Aussicht genommen, der sich bereits zur näheren Information nach Königsberg begehen hat.
Zu der Rede des Kapitäns Coghlan in New-Äork über einen angeblichen Zwischenfall zwischen dem Admiral Detoeh und einem deutschen See-Offizier in Manila schreibt die „Nordd. Allgem. Zig.": Die politische Tragweite derartiger Taktlosigkeiten eines einzelnen fremdländischen Offiziers wollen wir schon deshalb nicht überschätzen, weil dieselben, tote es scheint, in angetrunkenem Zustande begangen worden sind. Wir nehmen Akt davon, daß die vorgesetzte Behörde sofort Korrektur hat exntreten lassen.
lieber die Verzögerung derBestätigung deSBürger- meisters Kirschner machen die „Münchener Reuest. Nachr." eine ganz verständige Bemerkung. Sie schreiben: Diese Ver- zögeruna macht den Eindruck einer Unentschlossenheit und eines Schwankens zwischen Wollen und Nichtwollen, der bei Weitem schlimmer ist, als sogar der Eindruck einer vielleicht nicht genügend begründeten Nichtbestätigung sein könnte.
In der Disziplinaruntersuchunq gegen den Privatdozenten Dr. Arons hat vorgestern die erste Vernehmung ftattgefunben. Wie aus den Kreisen der philosophischen Fakultät verlautet, ist nicht daran zu denken, baß diese sich dazu hergeben wird, den Dozenten der Physik wegen seiner politischen Gesinnung zu beseitigen. Sie wird die Verantwortung für diese Maßregelung sicher dem Staatsministerium als der zweiten Instanz überlassen. Des Rückhalts am Slaatsministerium wird der Kultusminister schon sicher fein.
und beantragt Ueberweisung an eine besondere Kommission. — Abg. Barth (Freis. Ver.) hat auch einige Bedenken gegen di» Vorlage, es sei noch Manches in der Kommission abzuändern. — Der Jnstizminister hofft, daß sich in der Kommission die Gegensätze wesentlich würden abschwächen lassen. Die jetzigen Zustände seien unhaltbar. Durch die Beibehaltung der jeßigen Zustande werde sich die Lage immer schwieriger gestalten. Die Finanzftage spiele in der Sache keine Rolle. Die Schwierigkeiten der Vorlage würden Überschätzt werden. — Abg. Schmidt-Warburg (Centr.) empfiehlt, die Vorlage ruhig in der Kommission zu berathen. — Der Justizminister tritt einigen Ausführungen des Vorredners entgegen. Die Vorlage wird hierauf an eine Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Auf der Tagesordnung der nächst«! Sitzung am Mittwoch stehen kleine Vorlagen, der Antrag v. Kardorff, betreffend Besserstellung der Veteranen und Petittonen.
