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Mksbilöemr Tsgblatt
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1899
Samstag, de» 22. April.
Fernsprecher Wo. 52.
No. 187.
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
Ruf zum Turnen
sich greife, wie es sogar in die wirklich wahr? Nein, aber
1.
Wie es ihm ging.
Aus Kunst und Leben
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— Geschichtoltglender. 22. April. 1897: Attentat auf König Umberto von Italien zu Rom. 1896: f Leon Sah zu Pyns, französischer Staatsmann. 1879: * Herzog Christoph in Bayertz. 1872: * ~ ~ ‘ ' --
cher Staatsmann. 1879: * Herzog Christoph in Bayer, Prinzeß Friedrich Karl von Hessen, Schwester des deutsches 1868: Vermählung Königs Umberto I. von Italien mt
«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Der Ausschuß des IX. Mittelrheinischen Kreises der deutschen Turnerschaft.
Karl Rothermel, Darmstadt, 1. Kreisvertreter und Großh. Rechnungsrath. , Emanuel Schmuck, Darmstadt, 1. Kreisvertreter und Großh. Hess. Turninspektor.
Fritz Heidecker, Wiesbaden,
7. Kreisturnwart nnd Turnlehrer. Otto Schatt, Hanau, 2. Kreisturnwart und Bijouterie-Fabrikant. Heinrich Thierolf, Darmstadt, Kreis-Geschäftsführer und Großh. Registrator.
Aus Stadt «ud Land.
Wiesbaden, 22. April.
Alle Eltern sollten aber auch berücksichtigen, daß heute die Jugend eine andere ist. Kaum der Schule entwachsen, fühlt sie sich' flügge, es muß geraucht und getrunken werden, und schließlich kommt sehr bald das ewig Weibliche. Auf den Dörfern besteht der Spinnstuben-Unfug, und auf allen Pfosten und Treppen sitzt rauchend und uichtsthuend unsere liebe Jugend, oder sie treibt sich mit den Weibsleuten am Brunnen herum. Wäre all' Denen nicht em kräftiges Turngerät!) oder ein schönes Ballspiel besser? Hier müßten die Eltern und Lehrherren ansetzen I Aber wie viele Meister, Geschäfts- und Lehrherren entfremden nicht aus Eigennutz die ihnen anvertrauten Leute der Turnsache? Jede freie Zeit beanspruchen sie; was zwei Mann leisten können, soll Einer thun, selbst die gesetzliche Ruhezeit möchte man gern auch noch nehmen. Und wenn nur eilt klein bischen Wohlwollen vorhanden wäre, dann müßte bei verständiger Zeiteintheiluna doch trotz vieler Arbeit?- und Ausbildungszeit noch genügend freie Zett zu finden si beeinträchtigt, der junge Mann aber auch nichi
Dir „Zr»-rische Zeitung" vollendete am 20. d. M. das k 225. Jahr ihres Bestehens. Sie ist das älteste Blatt Thüringens 1 und eines der ältesten Deutschlands überhaupt. Das Blatt ist mit A der thüringischen Universitätsstadt auf das Engste verbunden. Die M „Jenaische Zeitung", die mit voller Entschiedenheit der nationalen ?■" lind liberalen Sache dient, befindet sich seit ihrer Gründung, also f seit 225 Jahren, im Besitz der Familie Neuenhahn. Zu einer vier- fc fachen wurde die Feier dadurch, daß das Blatt jetzt gerade 50 Jahre x eine eigene Druckerei besitzt und die Familie Neuenhahn auch das ^M5-jährige Bürgerjubiläum begehen kann, denn im Jahre 1624 M Wurde Dr. jur. utr. Heinrich Neuenhahn aus Eisenach, der Stamm- ° Vater der Jenenser Familie dieses Namens, als Professor der Ge- k schichte und Poesie nach Jena berufen. Seitdem hat die Familie [ m Jena ihren Wohnsitz behalten nnd mit der Stadt Freud und
Leid, das die Jahrhunderte über sie gebracht, redlich getheilt. Mit I seltener Genugthuung darf somit der jetzige Herausgeber der f Leninschen Zeitung", Universitätsbuchdrucker Dr. Gustav Neuen- E Hahn, auf diese Feier blicken.
Kaisers. „------ I . - -
Margherita Prinzeß von Savoyen. 1854: Vermahlung des Herzogs Friedrich von Anhalt mit Prinzeß Antoinette von Sachsen. 1852: * Erbgroßherzog Wilhelm von Luxemburg. 1848: Gesicht btt Adelnäu in Posen gegen polnische Insurgenten. 1819: * Friedrich v. Badenstedt zu Peine, Dichter und Schriftsteller. 1809: Steg der Franzosen über die Oesterreicher bei Eggmühl. 1745: Frieden zu Füßen zwischen Bayern und Oesterreich. 1724: * Immanuel Kant zu Königsberg. 1699: f Hans Freiherr v. Abschatz zu Liegmd, deutscher Dichter (* 1646 zu Würbitz bei Beuthen a. O-). 1592: t Bartolom. Ämmanati, der Erbauer der kunstvollen Arnobrücke zu Florenz (* 1511). 1418: Schluß des Konstanzer Konzils. 1073: t Papst Alexander II. 536: f Papst Agapetus I.
,.agniß, daß unsere deutsche Turnsache in l geworden sei, daß sie aber noch viel größer Viele, sondern ausnahmslos ein Jeder seine
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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Aitzeigeo 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Boma dicht an der Lagune stattfand und zu der sich sämmtliche Europäer der Stadt sowie die Offiziere von S. M. S. „Schwalbe" eingefttnben hatten. Auch der Wall und der Sultan Said Chaled waren zugegen. Dank der Fürsorge des Bezirksamtmanns v. Strantz war der Festplatz feenhaft beleuchtet. Am unteren Rande der die Promenadengänge einfassenden grünen Hecken glühte es von un- Sen Flämmchen, von Ast zu Slst der Akazien zogen sich Ketten wbiqer Lampions und überall leuchtete das blaue, grüne, rothe und weiße Licht bengalischer Flammen. Bei den Klängen der in dem Musik-Kiosk konzertirenden und unter der persönlichen Leitung des Feldwebels Knaust Vorzügliches leistenden Goanesenkapelle, bet eisgekühlten Getränken und fröhlichem angeregtem Geplauder saß man in bester Stimmung, nichts ahnend, in zwängloser Reihenfolge bei einander, als sich plötzlich von der Seeseite her ein diabolisches Geheul aus vielen hundert Kehlen erhob. Unmengen von Eingeborenen in abenteuerlicher Kleidung machten, mit Knütteln bewaffnet, durch die Reihen der Gesellschaft hindurch einen Scheinangriff auf die hinter der Boma, von der Dunkelheit geschützt, in Vertheidigungsstellung liegenden Askaris (Soldaten). Es blitzte bald hier, bald dort ein Feuerstrahl auf, die Gewehre knatterten und mit einem regulären Schnellfeuer wurden die Angreifer abgeschlagen, worauf die Verfolgung der Flüchtigen wieder mitten durch die Festgesellschaft stattfand. Kaum halten sich die Gäste von dem angenehmen Schreck der Ueberraschung erholt, als Hauptmann Langheld einen Parademarsch der Sieger kommandirte, welcher tadellos ausgeführt wurde.
* Poesie und Prosa. Vor vielen Jahren verließ — so bettchtet eine englische Korrespondenz — eines Tages ein junges Liebespaar zu Filey die Heimathsstadt und vermählte sich auswärts. Es lag weiter gantichts vor als der Wunsch, ohne Geräusch und neugierige Fremsde und Bekannte die Feier zu vollziehen.
fein, daß diese nicht vttulltuu,util, «v. ju»Uv , ...L in seiner körper
lichen Ausbildung gehindert wird.
Allerdings müssen das die jungen Leute selbst wollen. Es tft doch ihr eigenes Interesse, daß sie es wollen, und dieses Interesse muß von früh aus wachgerufen und gefördert werden. Das Turnen liegt im Schulplatt, ob es aber so gepflegt wird, daß die Schüler, wenn sie mit der Schule fertig sind, gar nichts Anders wissen, als daß sie in den Turnverein müssen, um das Turnen fortzusetzen, das ist fraglich. Das ist nicht zu bestreiten, daß ein Lehrer viel mehr thun kann, als im Leitfaden steht. An freien Mittagen hier und da mit bin Schülern spielen, vor Allem sie auf bie Turnvereine Hinweisen und natürlich selbst in bett Turnverein gehen, bas wäre eine wesentliche Förderung der Sache. In den Reihen der Turner stehen sie leider nicht, obwohl auch hier sich ein segensreiches Feld ihrer Thätigkeit eröffnen ließe. Schon die eigene Lehrtätigkeit und Turnfertigkeit sollte den Lehrer mahnen, aus dem Born des praktischen Lebens des Turnvereins zu schöpfen und sich nicht auf feinen Leitfaden allein zu verlassen. Selbst lernen und Andere lehren, das ist unsere Aufgabe. Weshalb erftteckt sich die Theilttahme der Lehrer so erheblich auf die Leitung des Gesangs in Gesang- und Kriegervereinen? Und wenn hierzu die damit verbundene Mehreinnahme bestimmend fein sollte, so ließe sich doch noch zweimal in der Woche ein Stündchen zur Hebung des Turnvereins erübrigen.
Und wenn schließlich ein akademischer Turner diese Zeilen zu Gesicht bekommt, dann möge er sich einmal an die Brust klopfen und fragen, ob unsere akademische Jugend den Turnvereinen gegenüber ihre Pflicht erfüllt. Treten die akademischen Turner in das bürgerliche Leben zurück, dann sind sie dem Turnen verloren; verschwindend klein ist die Zahl Derjenigen, die in den Turnvereinen das Turnen fortsetzen. Wo turnt der Assessor, der Doktor, der Amtsrichter noch? Gebe sich jeder selbst die Antwort! Ueberall hört man in den Festreden, was das Turnen um sich greife, wie es sogar in die besseren Streife eingedrungen feil Ist es wirklich wahr? Nein, aber wahr sollte es sein, das Turnen sollte überall einbringen, und wem allenfalls der Turnverein nicht paßt, nun, der mache ihn sich passend, lege aber nicht bie Hänbe in den Schooß. Das widerspricht ganz dem außerordentlichen Eifer und dem turnerischen Thun, das die akademische Turnjugend auf den Universitäten an den Tag legt. Deshalb, Ihr Eltern: Schickt Eure Kinder in die Turnvereine, Ihr Lehrherren, kommt Euren Leuten entgegen und schickt sie zum Turnen! Ihr Lehrer, turnt selbst mit, lehrt die Turnvereine turnen und schickt die Jugend in bie Turnvereine! Ihr Akademiker, bleibt auch im Philifterleben treu unserem Wahl- a: frisch, fromm, fröhlich, frei! Ihr habt auf der Hochschule ben zugeschworen, die Turnvereine wollen Euch haben. Und zum Schluß: Du Reservist, der Du des Königs Rock ausziehst, suche Dein Heil nicht allein im Krieaerverein; im Turnverein setze das fort, was Du von Jugend auf getrieben, damit Arme und Beine gestärkt sind, wenn bie nächste Uebung von Dir verlangt wird.
Alles soll turnen, man raffe sich auf und lege ben faulen Menschen ab, bann wirb bas Eingangs dieses bewährte Wort in Ersüllung gehen, bann wirb die Turnsache mit all ihren Zweigen der Leibesübungen das umfassende Meer fein, bas bie Grenzmark des Vaterlandes schützend umfluthet.
* Mir man sich in Drntfch-Gftosrika amustrt. Die P eben eingetroffene „Deutsch-Ostaftikanische Zeitung" vom 20. März U berichtet über den Aufenthalt der deutschen Tieffeeforscher in Dar- M es-Salaam: Bei einem an Bord der „Valdivia" veranstalteten M Festmahle wurde den Besuchern ausgettscht: Tieffeeklein. Valdivische l Reptilienbrühe. Neu-Amsterdamer Rinderbraten mit Sargassokraut. MDar-es-Sa-Lammbraten. Botanische Studien in Essig und Oel, -j in Zucker, nach der Natur. Antarktisches Eis. Zebukäse. Ccffea E arabica sumatrensis. Der Schluß und gleichzeitig der Glanzpunkt | der Festlichkeiten bestand in einer italienischen Nacht, welche | eonmao Abend in den wundervollm Akazikjianlagen neben der
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Wenn auch im Lauf der Jahre die deutsche Tmnsache einen großen Aufschwung genommen hat, so steht doch die Zahl der zur »rntschen Turnerschaft gehörigen 600,000 Personen nicht imrichtiqen Jerhältniß zur Bevölkerungszahl. Dieses Verhäliniß ift jtmfo weniger gerechtfertigt, als heute das Turnen überall zum Schul- ; unterricht gehört. Erst wenn etwa 10pCt. der nicht schulpflichtigen Jugend turnen, dann wird annähernd das Verhäliniß richtig her- Sllt fein. Unbestritten wächst die Turnsache von Jahr zu Jahr fam, nicht aber im richtigen Verhäliniß zum Anwachsen der sikerung. Darf ein solcher Zustand uns befriedigen? Hierauf "—M «lebt der Vorsitzende der deutschen Turnerschaft, Dr.meä. Ferd.Götz, & seinem Neujahrsgruß die treffende Antwort: „Und hätten alle Diejenigen, die heute als Reformatoren im Gebiet der Leibesübungen auftreten, von jeher ihre Kraft und ihre Begeisterung m den Dienst der auf dem Boden des vom Feind zerttekenen Vaterlandes in Kampf und Roth fo kräftig und herrlich erstandenen deutschen Turnsache gestellt und in ihrem Schooß reformirenbe unb neueJdeeen verbreitend gewirkt, bann wäre vielleicht schon jetzt die Turnsache mit all ihren Zweigen der Leibesübungen das um- mffende Meer, das die Grenzmark des Vaterlandes schützend um- «tthei1“
■ Das sind Worte, die nicht achtlos verhallen dürfen; enthalten L doch neben dem Zengniß, ‘ :~
ikamps unb Noch groß gewor!
wäre, wenn nicht nur Viel:, s------.. —-7-
Wicht erfüllt hätte, innerlich noch die Mahnung, baß es nicht genüge, ber Turnsache anzuhängen, sondern daß jeder ihrer Zugehörigen die Pflicht habe, für sie zu werben durch Wort und Beispiel, durch Kraft und Begeisterung. Das sind zunächst die Angehörigen der Deutschen Turnerschaft. Alle können dazu beitragen, daß außer der Jugend Diejenigen gewonnen werden, die nicht zu entbehren find: Eltern, Vormünder, Lehrherrn unb vor Allen die gefammte Lehrerschaft. Wie viele Eltern verlieren ihre Kinder, wenn sie der Schule entwachsen find, ganz aus den Augen! Der Junge geht Tags über ins Geschäft ober zur Werkstatt. Unb Abends? Ja, das ist ber kritische Punkt. ? Ist er gut erzogen, bann wird er Abends zu Hause bleiben. Das sollen die Eltern auch nicht bulbcp. Der Junge soll hinaus, sich »'• erholen von den Geschäften des Tages unb frische Kraft an Körper | und Geist sammeln? Ober soll er das nicht? Unb wo kräftigt er - ben Körper? In bem Turnverein. Und wo kräftigt er beu Geist?
Auch bn, wo er mit gleichaltrigen Genossen sich besprechen, über : turnerische Dinge Nachdenken, gute Bücher lesen unb auf fröhlichen Märschen sich geistig erquicken kann. Und wenn ber Junge nicht & Abends zu Hause bleibt? Dann besucht er die Abendschule ober er - schwänzt sie, ober er hat biefe unb jene Ausrebe, um Orte unb Stätten unb Leute zu besuchen, die enttoeber etwas taugen ober nichts taugen. In ben Turnvereinen haben aber bie Eltern und ß Bormünder die Kontrolle in der Hand: Sie brauchen nut den Turnwart nach ihrem Sohn zu fragen, ber giebt ihnen gewiß die - richtige Auskunft. Aber tote viele Eltern sagen: Mein Sohn ■ arbeitet ben ganzen Tag so viel, daß er Abends ruhen muß. e" Gewiß, dafür ist auch Nicht jeden Abend Turnstunde, wöchentlich I nur wohl zweimal; kommt aber der Junge nicht auf ganz andere Gedanken, wenn er sich ein paar Mal Abends körperlich ordentlich s austobt? Sieht man nicht unseren Jungen unb Mädchen, die aus E der Schule nach kräftigem Lauf, Sprung und Tumen nach Hanse kommen, die rotijen Backen an, daß es eine Lust ist? Schmeckt das Butterstück nicht noch einmal so gut? Schläft es sich nicht I noch einmal so gut? Bemerkt man mcht den Unterschied sofort f- gegen einen Jungen, der nicht tumen darf ober besten Eltern das U Turnen nicht fein genug ist? Soll der bleichwangige Laben- U «hrljng, der hinter dem Pult oder dem Ladentisch in staubigem U Lokale stand, nicht durch Körperbewegung, die anders ist, als bie W «wohnte alltägliche, sich neue Blutzufuhr unb gefunbe Gehirn- B Tätigkeit verschaffen? Gewiß muß der Ziminergeselle schwere | Balken schleppen und die Axt gebrauchen, ber Schlosser kräftig E hämmern, ber Schmied fest zuschlagen unb der Bauer früh unb g spat hinter bem Pflug Verlaufen rc. ,Aber , ist biese Thätigkeit, E gewiß auch eine turnerische, nicht eine völlig einseitige? Wo bleibt r- bei bem Kaufmann überhaupt bie Muskelthätigkeit, beim Schmied M, unb Schlosser diejenige ber Beine, beim Bauer diejenige der Arme? M Diese werben vernachlässigt, der Mensch wird einseitig ausgebildet. W Unb wenn wir nur allein unsere Militärpflicht berücksichtigen wollten, W bann müßten wir Alle schon beshalb hinten — bas ist von ben M Militärs anerkannt unb jeder Turner-Soldat wird am besten wissen,
— Kr. Majestät der Kaiser trifft, einem Spezial-Telegramm aus Eisenach zufolge, am 28. April, Nachmittags 3 Uhr 50Mm., hier auf bem TannuSbahnhof ein, fährt in bas Kgl. Schloß, macht barauf bei bem schwedischen Königspaar Besuch, nimmt bann bei Herrn Intendanten Kammerherrn v. Hülsen das Diner ein und begiebt sich nach demselben zur Vorstellung der „Geyer-Wally" in bas Kgl. Theater. Nach Schluß der Aufführung, um 10 Uhr, erfolgt die Abreise.
- Gesang-Wettstreit in Kassel. Zu dem ersten Gesang- Wettstreit um den von Sr. Majestät dem Kaiser gestifteten Ehrenpreis in den Tagen vom 25. bis 28. Mai b. I. in Kassel haben sich folgenbe 18 Vereine mit insgesarnrnt 3000 Sängern genielbet: 1. Männergesang-Verein „Sansouei-Dortmund, 2. Männergesang- Verein-Straßburg i. E., 3. Männergesang-Verein-Esseit a. b. 9L 4. Männergesang - Verein - Hannover, 5. Männergesang-Verein „Polyhymnia"-Dortmunb, 6. Lehrer-Gesangverein-Bremen, 7. Lehrer- Gesangverein-Berlin, 8. Liebertafel in Gotha, 9. Manuergesana- Verein-Potsdam, 10. Männergesang - Verein ,Frohsinn-Michk- heim a. R., 11. Männergesang-Verein „Arion"-Mühlhauseni. Thur., 12. Männergesang-Verein-Köln a. Rh., 13. Männergesang-Verein- Erfurt, 14. Männergesang-Verein „Concordia"-Aachen, 15. «eurer» Gesangverein-Magdeburg, 16. Sängerchor des „Turn-Verem -Offenbach a. M., 17. Männergesang-Verein,,Coneordia"-Essen a. R. und 18. „Liederhalle" in Karlsruhe. Der Ehrenpreis lehnt sich der Form nach an die alten Ehren- und Ordensketten an. Stilistisch vollkommen eigenartig, erinnert der Entwurf an die überaus reizvollen Goldschmiede-Arbeiten der spätrömischen, merovinaischen und fränfischen Perioden, an jene wunderbaren Schmuckgegenstande, welche das Entzücken des Kenners hervorrnfen unb welche in ihrer Technik unerreicht finb. Die ©lieber ber Kette tragen auf ber einen Hälfte bie Namen ber hervorragendsten deutschen Liederdichter: Uhland, Arndt, Brentano, Körner unb Scheffel. Auf der anderen Seite die bebeutenbften Liederkomponisten wie Brahms, Schumann, Schubert, Jensen unb Koschat. In ber Mitte ber Kette ist ein Schildchen angebracht, auf hem der kerndeutsche Sängerspruch: „Im Liede stark, deutsch bis ins Mark steht. An diesem Schild hangt das Kleinod mit bem Portrait des Kaisers m einem Kranz von deutschen Adlern und Eichenlaub, darunter die Inschrift: „Wilhelm, Rex, Imperator.“ Ausgeführt wurde die Kette, zu der fein Dukatgold in verschiedenen Tönen, Rubinen und rothes Emaille verwendet wurde, nach einem Entwurf von Professor Anton Seder in Straßburg in dem Atelier des Hofgoldschmiedes Theodor Heiden in München. — Für das Fest werden Seitens der Stadt Kaffel die großartigsten Vorbereitungen
getroffen. ----------------
VerrinsAachrichte».
(kurze sachliche Berichte werden berritwWgst Unter dieser Ueberschrift MifgeaommeU.)
* Der „K l u b W e st e n d" unternimmt am 1. Pfingpfeiertag d- I. einen Familienausflug mit Musik nach Eppstein, Königstein, Croll- berg und Soden. Das Programm ist ungefähr folgendes: Die Abfahrt erfolgt Morgens um 8 Uhr 40 Min. mit der Hessischen Ludwigsbahn nach Eppstein. Daselbst findet im Gatten des „Hotel Seiler" gemeinschaftlicher Frühschoppen statt. Um 11, Uhr geht es per pedes unter den Klängen der Kapelle über Fischbach und Schneidhain nach Königstein, wo sofort die Bestchttgung der Burg, niine vorgenommen wird. Hieran schließt sich ein gemeinsames Mittagsmahl in der Restauration Proeasky. Um 3 Uhr findet der Weitermarsch nach Cronberg statt, wobei das Palais jljrer Majestät bet Kaiserin Friedrich berührt wird. Alsdann begeben sich die Ausflügler in das „Hotel zum Schützenhof", wo für alles Mögliche, Merkwürdiger Weise ist bie betreffende Kirche niemals bekannt geworden, und Beide starben, ohne jemals das Geheimmß zu ver- rathen. Das war bie Poesie. Nun ging einer ihrer Lohne ui die Kolouieen, erwarb sich große Reichthumer und, ist vor Kurzem um verehelicht und ohne Testament gestorben. Seme Geschwister sind offenbar bie richtigen Erben des in große Summen gehenden Nachlasses, allein Niemand weiß die Stelle, wo ihre Eltern getraut wurden, und da sie somit kein gesetzlich gültiges Zeugmß von deren Verehelichung Einbringen können, werden sie wohl auch ohne die Erbschaft ihres Bruders, den bas Gesetz erst bann als solchen anerkennt, wenn bie Ehe der Eltern nachgewiesen worden ist, aus- gehen müssen. Das ist die Prosa.
* verschiedene Mittheitungrn. In Frankfurt a. M. bildete sich ein vorbereitender Ausschuß zur Errichtung etneS Denkmals für ®abel6berger, den Erfinder des Gabelsbergerschen ^tCt$Ser König von Sachsen eröffnete vorgestern Mittag im Beisein ber anwesenben Prinzen und Pnnzessinnen des Königshauses die deutsche Kunstausstellung in Dresden von 1899.
Der bekannte Bühnenschriftsteller Edouard Pailleron ist in Paris infolge einer chronischen Bronchitis gestorben. Er war 1834 geboren unb ließ als Notargehillfe im Jahre 1864 tm Odöow- theater feinen Einakter „Le Parasite“ spielen. Jrn Jahre 1868 ließ er im TheLtre bu Gymnase fein Stück Le monde oü l’on £amusö aufführen, im Jahre 1881 begründete er feinen Ruhm im ThöLtre Fran?aiS mit dem bekannten Le monde oü l’on e’ennuie.
Unter den Ausstellungsgegenständen der Gattenbauanstalt m Antwerpen befinden sich einige ExemplaretonOdont oglossum. Wie der „Daily Mail" gemeldet wird, bot ein enthusiastischer Orchideensammler 80,000 Mk. für drei dieser Orchideen. Der Besitzer wollte sie indeß für diese Summe nicht hergeben.
