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Wiesbadener Tagblatt (Äbeud-Ansgabe). Verlag: Lauggasse 27.

47. Jahrgang. No. 184.

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Seite 2. 20. April 1890.

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Prenßischer Zandtag.

Abgeordnetenhaus.

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nur zu unserer Entschuldigung sagen, daß hier ein Geburts­tag gefeiert wird, und zwar der meine. Das entschuldigt uns vielleicht einigermaßen. Mein Göttchen, man wird doch nur einmal einundsechzig Jahre alt. Sie brauchen mir nicht zu gratuliren, aber haben Sie noch eine Sekunde Geduld, ehe Sie Ihre Drohung wahr machen. Ich bemerke, daß noch eine Flasche vorhanden ist. Eben wird sie Sie hören es aufgezogen, und im Umsehen wird sie geleert sein." Der Wachthabende sagte nichts, blieb aber ruhig stehen, hinter ihm die zwei Mann. Es wurde eingeschenkt, angestoßen und ausgetrunken, dann gingen wir auseinander. Dabei flüsterte der Eine dem Andern etwas zu. Wenn Vie Nachtschwalbe eine halbe Stunde darauf die Bastion 1 umflogen hätte, würde sie sieht ja gut in der Nacht bemerkt haben, daß dort dunkle Gestalten sich zu schaffen machten und daß im bethauten Grase ein Korb mit Flaschen stand. Wiedergesagt Hütte sie Keinem etwas davon, und ebenso ist auch absoluter Verlaß auf die Fledermaus und auf die Sterne."

Bon der Lyrik, die der Verfasser in seine Schilderungen 'ingestreut hat, bringen wir folgendes freundliche Gedicht:

Rosen im Fenster.

sonstigen Gebäude leide. Die britische Regierung kann wohl selbst kaum meinen, daß ein derartiger Protest ernst genommen werden wird. Das Terrain, auf welchem der Friedhof sich befindet, ist ja ihr unbestrittenes Besitzihum, aber daß des­wegen in seiner Nähe keine Anlagen gemacht werden dürften, wird Niemand anerkennen. Der Einspruch ist wohl ein Ausfluß der üblen Laune, die Großbritannien jetzt so häufig gegen Deutschland zur Schau trägt und die durch die Samoa-Affäire nicht verbessert worden ist. Der Pforte wird diese Angelegenheit kaum viel Kopf- zerbrecheu bereiten, es liegen andere, viel wichtigere vor, denen sie allerdings auch nicht genügende Aufmerksamkeit schenkt. So z. B. eine, die die armenische Frage wieder zu einer brennenden machen dürfte. $)cr gemischte Rath des dortigen Patriarchats hat nämlich seine Demission gegeben, da alle Forderungen, welche er seit den beiden Jahren seines Bestehens formulirt hat, vollständig erfolglos ge­blieben sind. Die türkische «Regierung ließ alle Vorschläge zur Verbesserung der Lage der Armenier entweder ganz unbeachtet ober weigerte sich, sie zur Ausführung zu bringen. Die Denrission ist für das Patriarchat höchst unangenehm, denn da der Sultan den Zusammentritt der Nationalversammlung zur Wahl eines neuen Raches nicht gestattet, wird sich das Patriarchat selbst genöthigt sehen, zu gehen, was bei der augenblicklichen Lage der Dinge von weittragenden Folgen fein kann.

* Philippinen. Der Ausschuß der Filipinos in Europa hat ein Telegramm aus Manila vom 14. April erhalten, das besagt: Eine Kolonne der Brigade des Generals Lawton, aus 140 Offizieren und Mannschaften bestehend, wurde von eingeborenen Wegweisern irre­geführt und gerieth bei Binangonam, halbwegs zwischen Laguna de Bay und Baler, in einen Hinterhalt. Alle Amerikaner wurden gefangen genommen. General Lawton zog sich auf die Nachricht nach Manila zurück, unter der Angabe, er sei von General Otis zurückberufen worden. Aus Manila wird weiter gemeldet: Ein aus der Gefangenschaft der Tagalen entwichener Spanier erzählte, die Auf­ständischen hätten 50,000 Gewehre, 200 Kanonen und eine genügende Munition zu ihrer Verfügung. Im Innern des Landes sei Alles ruhig. Die Feldarbeiten werden besorgt. Die Lebensmittel sind in reichlichem Maße vorhanden.

Deutsches Deich.

* 8»f- und Personal-Uackrichtrn. Das Befinden des Kardinal-Erzbischofs Krementz m Köln hat sich insoweit ge­bessert, als das starke Fieber etwas gesunken ist. Vorgestern Abend hatte der greife Kirchenfürst eine derartige Schwäche, daß er gegen 6/a Uhr mit den Sterbe-Sakramenten versehen wurde.

In dem Fenster, dem gardinenlosen. Zwischen Eisenstäben stehen Rosen. Rosen sind es von den schönsten Arten, Schön're blüh'n nicht in des Königs Garten. Weiß und rotte Rosen und die feinen Blassen, die leicht zu errötheu scheinen. Ins Gefängniß haben müde Hände Sie gebracht als eine holde Spende. Und hineinyekommen ist mit ihnen Gold'nes Licht, das draußen fie beschienen. Nun im Fenster steh'n sie, in die Zelle Fallt durch sie hinein festliche Helle. Sagt mir, kann es etwas Schön'res geben Als die Rosen zwischen Eijenftäben?

schreitet das Haus auf S stimmung, ob die Anträge ober nicht. O'

empfahl der Bürgerausschuß einstimmig die Mitgenehmigung durch die Bürgerschaft. Die Kosten der Vertiefung der Trave sind, wie schon gemeldet, auf 4,575,000 Mk. veranschlagt.

* Türkei. Aus Konstantinopel, 16. April, wird uns geschrieben: England konnte sich natürlich die Gelegenhest nicht entgehen lassen, Deutschland eine Unbequemlichkeit zu bereiten, und so hat es denn auch einen Protest gegen die Konzession, welche Deutschen gestattet, in Haidar Pascha Hafenbauten zu errichten, losgelgssen. Die hiesige britische Botschaft erklärt nämlich, es nicht ruhig mit ansehen zu können, daß der englische Kirchhof in Saibar Pascha, auf dem die im Krimkriege gefallenen oldaten ruhen, durch die dicht dabei angelegten Quais und la: '--te. leide. Die britische Regierung kann

* Kerttn, 20. April. Auf dem Terrain für die Welt- Ausstellung in Paris ist am 13.d.M. dem Rcichs-Kommisfar Dr. Richter der Platz für das deutsche Repräsentations­gebäude Seitens der Ausstellungsleitung amtlich übergeben worden, und es wird nunmehr mit der Ausführung des Gebäudes unverzüglich begonnen werden, damit die rechtzeitige Fertigstellung in jedem Falle gesichert ist.

* Der neue Po steint sieht eine Million Mark als besondere Stellenzulagen für Unterbeamte in gehobenen Dienststellen vor. Diese Summe soll derart vertheilt werden, daß zunächst 5000 Unter­beamte in den Genuß einer Zulage von je 200 Mark treten.

* Rundschau im Reiche. Die No. 3 der in München er­

scheinenden ZeitschriftObin" wurde wegen eines Aufsatzes des Rechtsanwalts Dr. Feiler, betitelt Humanum genus, der nach Urtheil des Landgerichts München ein Vergehen gegen die katholische Kirche darstellt, beschlagnahmt. In Betreff des Lübecker Senatsantrags auf Vertiefung der Trave auf 7'/, Meter

Anstand.

* Italien. Der deutsche Reichstagsabgeordnete Freiherr v. Hertling konferirte mit Rampolla. Es handelte sich bei der Unterredung um das Protektorat über die Christen im Orient.

* Krlgien. Durch den Kohlenarbeiter-Ausstand ist in Lüttich der Preis der Hauskohle um 15 Centimes für den Hektoliter ge­stiegen. Der sozialistische Abg. Brenez erklärte, wenn die Direktionen sofort 10 p Ct. bewilligten, könne noch verhindert werden, daß der Ausstand ein allgemeiner werde.

* Frankreich. Der gestrige Ministerrath beschäftigte sich mit der Dreyfus-Angelegenheit. Die Regierung stellte in Abrede, Schritte bei dem Präsidenten des KasfationShofcs gethan zu haben, um von diesem zu erwirken, daß das Urtheil in der Revision noch vor Mai gesprochen werde. Was die Frage der Annullirung an- betrifft, hat die Regierung hierüber noch keinen Entschluß gefaßt. Sie wird sich mit der Frage erst beschäftigen, wenn der KassationS- hof fein Urtheil gefällt haben wird.Liberts" versichert, Oberst Cordier habe eine Anklage wegen Fälschung und Gebrauchs von Fälschungen gegen Unbekannt erhoben. Die Anklage ist begründet durch einen Brief, welchen der General Roget dem Kassationshofe unterbreitet hat und worin behauptet wirb, Oberst Cordier habe an Mathieu Dreyfus, den Bruder deS Kapitäns Dreyfus, einen Brief gerichtet, worin er sich diesem zur Verfügung stellt, um ihm alle Mittheilungen betreffs der Broschüre, welche er zu Gunsten feines Bruders verfassen wollte, zu machen. Der Oberst Cordier stellt in Abrede, daß er jemals Verbindungen zu Mathieu Dreyfus oder zu Picquart gehabt habe. Wir haben hier also, so schreibt dieLiberts", es wieder mit einer neuen Fälschung des General­stabs zu thun.

* Montenegro. DemAmtsblatt" zufolge wird die Hochzeit des Erbprinzen Danilo in Wien ober Neu-Strehlitz stattfinden.

Ans StadL und Zand.

Wiesbaden, 20. April.

o. Ze. Majestät der König der Belgier ist heute Vor­mittag um 8 Uhr 50 Minuten mit der Rheinbahn nach Brüssel abgereift, nicht ohne sich über seinen hiesigen dreiwöchentlichen Kur- aufenchalt, insbesondere auch dem Besitzer des HotelsVilla Nassau" gegenüber, sehr befriedigt ausgesprochen zu haben. Der König welcher eine Wiederholung seines Aufenthalts im nächsten Herbst in Aussicht stellte, hat den Schutzmännern Schalles, Reuter I. und Baumgärtner, die mit dem Sicherheitsdienst betraut warech die silberne Verdienstmedaille am Bande verliehen.

Prrfonal-Uachrichten. Der Flügel-Adjutant des Kaisers, Herr General-Major v. Scholl, ist zum Kurgebrauche hier an« gekommen und im Kgl. Schloß (Kavalierbaus) abgestiegen. Der langjährige, in allen Kreisen beliebte Kastellan des hiesigen König­lichen Schlosses, Herr Dobritz, ist schon seit längerer Zeit durch Krankheit an der Ausübung seines verantwortungsvollen Amtes verhindert und wird gegenwärtig durch Herrn Ernst Schilling, ehemaligen Leibjäger Sr. Majestät, vertreten. Se. Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg hat dem Büreau-Vorfteher der hiesigen Kgl. Schauspiele und Leutnant der Reserve, Herrn Winter, das Ritterkreuz des herzoglich sächsisch-ernestimschen Hausordens verliehen.

Königliche Schauspiele. Infolge eingetretener Hindernisse kommt morgen (Freitag) statt der im Wochenspielplan angekündigten VorstellungMaurer und Schlosser" die OperMarcha"' im Abonnement A zur Aufführung. Uebermorgcn (Samstag) wird auf vielfaches Begehren anstatt des SchauspielsNora" das Sardouschc DramaTheodore" im Abonnement B gegeben.

Klmnen. Seit einigen Tagen werden im Straßenbilb Wiesbadens Dienstmädchen, mit riesigen Sträußen künstlicher Blumen beladen, viel bemerkt. Rosen aller Art: Marschall Riel, La Franee u. a., meist wie Kinderköpfe groß, Tulpen und LUien, rother Mohn, kurz, Blumen jeder Form und Farbe, der Natur uachgebildet oder aus freier Phantasie geschaffen, erscheinen da, erwecken die Neugier oder entzücken durch ihre Farbenpracht. Sie alle sind die Produtte einer lebhaften Hausindustrie, die sich seit einigen Wochen hier ent­wickelt hat. Zahlreiche geschickte Hände junger Damen stellen die lieksiichen Kinder des Lenzes her, und diese werden bann zu weiterer Verwendung in die großen Blumenniederlagen bei Fran Landschafts­maler Leopold Günther unb Frau Thiermaler Weinberger gesandt, wo auch die Blumenfabr ikation jetzt täglich im Großen betrieben wird und ganze Ballen farbiges Crep-Seidenpapier zur Verarbeftung ge­langen. Handelt es sich doch darum, für das am Samstag, den29. d.M., im Walhalla-Theater stattfindende Frühlingsfest der Bühnen­künstler, Maler und Schriftsteller die Guirlanden zu schaffen, die, au8 natürlichem Grün, sowie aus künstlichen Blumenranken bestehend, etwa in Länge eines Kilometers, also auf eine Strecke wie von ben Bahnhöfen zum Kgl. Theater, erforberlich sind. Da heißt es natürlich: arbeiten; Aber auch diese Riesenaufgabe ist fast bewältigt und wird der eigenartigen unb schönen Dekoration, welche die MalergesellschaftKünstlerklause" übernommen hat, einen feenhaften Reiz verleihen.

o. £nudw:vi!|schnftekaurmrr. Der Etat für 1899/1900 wird, den bisherigen Rechnungsergebnissen entsprechend, feffgestellt. Er balancirt in Einnahme unb Ausgabe mit 95,020 Mk. Die gesteigerten Anforderungen an die Kasse der Kammer haben die Beschaffung höherer Staatsbeihülfen nothwendig erscheinen lassen. Da dieselben aber, vorausgesetzt, daß sie überhaupt bewilligt werden, nicht genügen, um die Ausgaben zu decken, so wird der Beitrag zur Kammer von *1» auf «/, pCt. des Grundsteuer-Reinertrags erhöht. Für die weit überwiegende Anzahl der nassauischen Klein- ariindbesitzer bis zur Beitragspflicht von 5 Mk. jährlich 25,563 Beitragspflichtige bedeutet diese Erhöhung eine wesentliche Be­lastung nicht. Zur Förderung der Zucht des Vogelsberger Viehs und des Tminusschlags in den Saunusfreifen werden 2000 Mk. Staatsbeihülfe erbeten. Dem Antrag des Herrn LandrathS v. Heimburg sollen ferner für die Forderung der Rindviehzucht auf dem Westerwald weitere 5000 Mk. als Staatsbeihülfe erbeten werden. Der Posten zur Förderung der Pferdezucht wird auf Antrag des Herrn Schreiner-Biebrich von 1300 auf 2000 Mk. erhöht. Der Antragsteller erhofft davon eine Unterstützung für die Heugsigenosseuschast für ben Stadt- und Land­kreis Wiesbaden zu Erbenheim zwecks Einrichtung einer Fohlen­weide. Der Herr Oberpräsident verweist hierbei auf ben Westfonds, der Beitrüge zu Fohlenweiden gebe. Es käme nur auf den entsprechenden Antrag im nächsten Jahre an. lieber die GerichtSkosten unb Stempelabgaben für amtliche Zeugnisse im gerichtlichen Immobiliar- unb Hypothekenverkehr des nassauischen Stockbuchgebiets referirt Herr Schön-Netzbach. Den Klagen über die Höhe der Gerichts- unb Stempelkosten ist noch nicht abgeholfen, obwohl die thatsächliche Nngleichhett zwischen den Gebieten des nassauischen Stockbuchs und des Grundbuchs anerkannt wurde. Dem Antrag des Referenten, die Versammlung möge sich mit den bis K geschehenen Schritten des Vorstandes einverstanden erklären unb

selben beauftragen, bie Angelegenheit in ihm geeignet erscheinender

Ans Kunst und Kebe».

* Der erste Gesang,Wettstreit deutscher Mmmrr- Gesangverrme findet nunmehr definitiv in den Tagen vom 25.-28. Mai in Kassel statt, und zwar um den vom Kaiser ge­stifteten Ehrenpreis. ?Die zum Wettstreit zugelassenen Vereine werden in numerisch möglichst gleichen Abthellungeu vereinigt, über deren Zusammensetzungen das Loos entscheidet. Die ans dem ersten Wettkampf jeder einzelnen Abtheilung hervorgchenden zwei besten Vereine streiten im engeren Wettbewerb nur' den Wander­preis. Die endgültige Beurtheilung erfolgt unter Berücksichtigung aller von den betreffenden Vereinen erzielten Leistungen. Der in einem Kleinod aus edlem Metall bestehende Ehren­preis wird während , der Zeit des Besitzes von dem Vorsitzenden des Vereins bet festlichen Gelegenheiten um den Hals getragen. Ein dreimaliger Sieg, wenn auch nicht hintereinander folgend, bringt das Kleinod in den dauernden Besitz des Vereins, anderenfalls wird bei der Abgabe der Name des Vereins mit der Jahreszahl seines Sieges auf dem Kleinod vermerkt. Der Verein, welcher in den dauernden Besitz des Ehren­preises gelangt ist, darf an ferneren Wettstreiten um den Ehren­preis nicht mehr theiluehmen. Außer dem Wanderpreis können andere, von Vereinen, Städten unb besonderen Gönnern zu stistende Preise an die Sieger der einzelnen Abtheilungen und an den zweiten Sieger des engeren Wettstreites ertheilt werden.

t. llrber die angebliche Entdeckung des Krebs- rrrcgers durch Dr. Bra in Paris erfahren dieAllgemeinen Wissenschaftlichen Berichte" Folgendes: Bra hat in ähnlicher Weise wie vor ihm mancher andere Experimentalforscher desselben Faches mit großer Unfftändlichkeit einen Keim beschrieben, der nach seiner Ansicht der Erreger der KrebSkrankbeit ist unb ben er aus krebs-- franfen Geweben gezüchtet haben will. Professor Curtis aus Lille hat daraufhin der Pariser Gesellschaft für Biologie auf Grund seiner eigenen Untersuchungen eine Mittheilung gemacht, die die Ergebnisse Bros als irrthumlich hinstellt. Professor Curtis er­klärte, daß unter keinen Umständen eine erfolgreiche Züchtung oder Impfung eines Keimes aus Krebsmaterie als erfolgreich anzusehen wäre, wenn nicht genügeube Vorsicht zum Ausschluß aller Orga­nismen von außen her beobachtet würbe. Er selbst hätte nur mit vollkommen frischen krebskranken Geweben gearbeitet, so lange sie noch keine Geschwürbildung unb keine anbere zufällige Infektion zeigten. Alle operativen Eingriffe zu solckWp Zweck müßten völlig asep­tisch und mit großer Schnelligkeit vorgenommen werben, bann müßte das Gewebe innerhalb weniger Minuten nach der Entfernung aus bem Körper ber Beobachtung unterworfen werben. Wenn somit

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Im Abgcorbnetenhause standen heute die Anträge Reinecke (freikons.) unb Arendt zur Berathnng. Der erstere Antrag will die Regierung zu einer Neu '

pflichten dahin auffordern, gemein ben bürgerlichen .... werben. Der Antrag Arendt verlangt einen Gesetzentwurf dahin, daß zur Beseitigung ber bestehenden Härten die äußere Verwaltung der Volksschule, tnsbesondere deren Unterhaltungslasten, in gerechterer Weise geregelt, aber zugleich ber konfessionelle Charakter der Schule sowie die Rechte der Eltern unb Gemeinden aufrecht erhalten und gesichert werden. Die Konservativen und das Centrum wollten dabei aber selbstverständlich den konfessionellen Charakter der Volks­schule und die Rechte der Eltern sichern. Darüber kam es zu leb­haften Auseinandersetzungen, bie an die Zeit des Volksschulgesetzes erinnerten. Abg. Rickert (freif. Ver.) warnt davor, die Konfesstonalität in die Frage hineinzuziehen und bittet den Minister, sich bloß auf die Vorlegung des Dotationsgesetzes zu beschränken, für das außer ben Konservativen auch das Centrum zu haben wäre. Abg. Baensch-Schrnidtlein (freikons.) vertritt den frei- konservativen Antrag und beantragt, beide Anträge an eine Kommission von 21 Mitgl edern zu verweisen. Abg. Fried­berg (nat.-lib.) wünscht auch für die inneren Schulangelegenheitcn größere Freiheit für bie Gemeinden und wendet sich gegen die Konfesstonalität. Er würde deshalb gegen ben Antrag ber Konser- ' 7" "7 Abg. Korsch (Centr.) meint, bie

Schulunterhaltungspflicht könne nicht allein geregelt werden, das könne nur auf dem Wege des allgemeinen Volksschulgesetzes unter gleichzeitiger Regelung ber Kouzessionsfrage geschehen. Kultus­minister Bosse giebt bie Unhaltbarkeit des jetzigen Zustandes und die Dringlichkeit eines Schulunterhaltungspflichtgesetzes zu, weist ater auf bie starke Belastung vieler Gemeinden hm, falls die Neu­regelung auf kommunaler Grundlage durchgeführt werde. Im Unter­richtsministerium sei bereits ber Entwurf eines Schulunterhaltungs- pflichtgesetzes ausgearbeitet worben, er werde aber noch nicht em- gebracht, weil die Erhebungen über bie Wirkungen, die das Gesetz haben würde, noch nicht abgeschlossen seien. @3'heftete zugleich bie Absicht, Selbstverwaltungsbehörden zu schaffen, welche einen Theil ber jetzigen büreaukratischen Schulverwaltung übernehmen sollten. Er habe keine Bedenken, den konfessionellen Charakter der Volksschulen gesetzlich festzulegen. Abg. Wetekamp (freif. Volksp.) tritt für ben fteikonservatrven Antrag ein, hat aber nichts gegen Kommissions- berathung.Abg.Bartels(kons.) ist für KommisstonSberathuug. Abg. Richt Hofen (kons.) wünscht, der konservative Antrag möge gleich jetzt ohne Kommissionsberathung angenommen werden. Die Debatte wird sodann geschlossen. Es folgen persönliche Bemerkungen, worauf Abg. Kardorf f (freikons.) das Schlußwort erhält. Nach einem weiteren Schlußwort des Abg. tzeydebrand (kons.)

111 r Antrag Kardorff zur namentlichen Ab-

i an die Kommission zu verweisen seien

Die Kommissionsberathung wird mit 177 gegen 132 Stimmen abgelehnt, ebenso ber Antrag Reineke, bet Antrag Arendt wird angenommen. Freitag: Vorlage, betreffend Kreisärzte unb Sauitätslommisstonen.

befördere, nur von einem Absender abgeschickt fein und postzwanas- pflichtige Gegenstände nur bis zum Gefammtgewicht von 5 kg be­fördern darf. Bei der Abstimmung wurde dieser Paragraph ab- gelehnt. Das bestehende Gesetz bleibt also aufrecht erhallen.

Die 9. Kommission des Reichstags für das Jnv aliditäts- Versicherungsgesetz fuhr heute in ber zweiten Lesung der Vorlage fort. Die §§ 17 bis 23 wurden erledigt und die Weiler- berathung auf morgen vertagt.

* Vereinigte Staaten. Die oberste Kriegsbehörde der Ver­einigten Staaten beschäftigt sich gegenwärtig mit Versuchen des Mareonischeil Systems der drahtlosen Telegraphie. Es sind zwei Stationen in Washington ausgewählt, von denen die eine auf dem Dach des Staats-, Kriegs- und Marine-Gebäudes und die andere im Fort Myer liegt, der Abstand beträgt 6 englische Meilen und beide Stafionen sind durch den Potömac-Fluß getrennt. Die nöthizen Apparate find von ber Regierung angekauft und die Leitung ber Versuche ist ben Obersten Allen unb (Squire über­tragen worden.

jede Gefahr einer zufälligen Infektion von außeuher ausgeschloffen wurde, hat Curtis niemals einen Keim darin zu entdecken vermocht. Dagegen fand er in einer zu leichter Entzündung übergegangeneil Geschwulst von Brustkrebs den Bacillus coli zusammen mit anderen bekannten Keimen. Ueterhanpt ist es nach der Angabe dieses Forschers sehr schwer, außer vielleicht bei Brustkrebs, kranke Gewebe zu erhalten, die gar feine anderen, der Krankheit selbst ganz fern­stehenden Keime aufroeifen. Aus diesem Grunde ist bem Miß­verständlich Thür unb Thor geöffnet, indem irgend welche andere Keime, bie sich zufällig in Krebsgeschwülsten finden, für die Erreger der Kraickheit genommen werten.' Mit vollkommen frischen Proben hat Curtis in 25 aufeinander folgenden Versuchen der Impfung auf Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen und weiße Mäuse niemals eine Uebertragnna der Krankheit erreichen können. Daraus schließt der Forscher, daß ber Hantkrebs des Menschen überhaupt keinen Keim besitzt, ter auf bem gebräuchlichen Wege gezüchtet ober auf untere Weise übergeimpft werden kann.

* Verschiedene Mittfleitnngen. In ter.Philharmonie" beginnen heute Abend wieder die regelmäßigen Orchesterübungen im Dereinslokcil Luisenstraße 24, Anfang 8 Ühr. Es sollen einige neue und interessante Werke zum Studium fommen. Freunde deS Orchesterspiels sind zum Besuch eingeladen, wenn sie Neigung haben, sich bieSache einmal anzusehen". Nähere Auskunft über Ziel unb Tendenzen berPhilharmonie" ertheilen gern die Herren Dr. R. Friedlaender, Dr. G. Böttcher und Herr Kapellmeister Gerhard.

Aus Berlin wird berichtet: Gerhart Hauptmann arbeitet an einem romantischen Ritterbrama, bas die Figur der Kunigunde von Thurireck, bie mit einer Sage ber Burg Kynast bei Warmbrunn verknüpft ist, zur Heldin haben soll.

Das neue Theater in Hamburg soll bereits am 1. September 1900 eröffnet werden. Es soll 1800 bequeme Sitz­plätze enthalten. Die Preise der Plätze werden 50 Pf. bis 3 wL betragen.

In Konstanz hat sich ein Jnitiativeomitö für den Ban eines Festspielhauses fürMusterausführungen hervorragender Ddnstk- werke gebildet. Auch Vertreter von Schweizer Gemeinden nahmen an ben vorberathenden Versammlungen Theil.

Der schwedische ForschnngSreifende Dr. Swen Hedin tritt rm Sommer abermals eine Reise nach Centralasien an. Diese soll 2/i Jahre bauern. Seine Forschungen werben stch hauptsächlich auf das nördliche und mittlere Trtet richten. Längeren Aufenthalt gedenkt er in Kaschmir und auf bem Karakorum zu nehmen. Bon ^idet (vorausgesetzt, baß ber Durchzug gelingt) aus bezieht et sich nach Indien.

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