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WikstOkner TsMtt

« Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27

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Po. 182

MMmoch, den 19. April.

1899

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

in

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Berlin, 18. April. Die ReichStags-Kommifsion für die drei Postgesctze trat heute unter dem Vorsitz des Abgeordneten

DieKos von Rom"-Zeii»rgung.

(Von unserem Korrespondenten.)

Mir«, 16. April.

Im ersten Monat beS Jahres 1899 war es, als

die drei Postgesetze trat heute unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. Schädler zusammen. Zunächst wurde die Novelle zum Post­gesetz zur Berathung gestellt. Die Abschnitte 1 und 2, betreffend das Briefporto und den Nachbarorts-Verkehr, wurden nach der Vorlage angenommen.

In der 9. Kommission des Reichstags für das JnvaliditätS- VersichcrungSgesetz wurden heute die W 10 bis 12 erledigt.

Nnzeigeu-Preisr

Die einspaktige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Aiiizeigcn 25 Pfg. Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

einer großen Versammlung der Deutsch-Navikalen in Wien die Parole zum Ucbertritt der Deutsch-Oesterreicher von der römisch-katholischen Kirche zur evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses ausgegebcn wurde. Der Wellenschlag der da­durch erzeugten Bewegung erstreckte sich über ganz Oester­reich, über dieses unglückliche Land, das seit Jahr und Tag in seinen Grundvesten von Nationalitätenkämpfen durch­wühlt wird, und selbst über dessen Grenzen hinaus, ob­wohl die Zahl der aus der römischen Kirche Ausgetretenen zweifellos hinter den Erwartungen Schmierers und seiner Genossen zurückgeblieben ist. Auf der Basis der von protestantischen Geistlichen publizirtcn Berichtigungen ein­zelner in den Zeitungen erschienenen Ziffern kann die Zahl der Neuevangelischen bisher nicht über viertausend an­genommen werden. Die Ursache dieses geringen numerischen Erfolges liegt hauptsächlich in den Persönlichkeiten, welche die LosungLos von Nom!" zuerst laut werden ließen. Die Verbreitung der konfessionellen Agitation hindert auch der Umstand, daß das österreichische Gesetz den Kindern in jenem Alter, in welchem sie den Schulunterricht von der Volksschule bis zur Hochschule durchmachen, den Religions- wechsel verbietet, sodaß die protestantischen Eltern ihre Kinder katholisch erziehen lassen müßten. Allein die Be- | toegung ist noch lange nicht vorüber, im Gcgentheil, wir stehen erst am Anfang derselben, und ihre späteren Wirkungen könnten noch bedeutsame, vielleicht geschichtlich bemerkenswerthc sein. Die katholische Welt hat diese Gefahr auch erkannt. Bischofs- Konferenzen in Prag und in Wien, spezielle Andachten, Messen-Prozessionen, Hirtenbriefe, Aufrufe an die christ­lichen Mütter, ihre die Mittelschulen besuchenden Söhne durch den Eintritt in die marianische Kongregation vor Entsittlichung und Ucbertritt" zu bewahren, ferner die Bildung von katholischen Aktions-Comitos zur Verhinderung des Abfalls, Hinweis auf die Höllenstrafen, welche den Ab­trünnigen drohen: das Alles zeugt dafür, daß auch der katho­lische Klerus mobilisirt. Aber auch die ermahnende Angst der Kirche giebt sich kund und wird in der Schrift des Antisemitcn- Paters D eckert, der das alberne Märchen vom Selbstmorde Luthers auffrischt, sogar schon zum Pamphlet. Und diese Angst zieht ihre weiteren Kreise. Der Nuntius hat eine Audienz bei Sr. Majestät erbeten, und die Hülfe der welt­lichen Macht muß sich in Verboten von Versammlungen und Auflösung zahlreicher Vereine äußern, lauter Miitelchen, die das Feuer nur besser zu schüren im Stande sind, da ja auch das bescheidenste Märtyrerthum nur Proselyten schafft. Aber der Alarm in der katholischen Kirche zeugt das muß leider jeder Aufrichtige bekennen von einem nicht ganz reinen Gewissen. Der katholische Klerus ist seit der Reformation überall und allezeit den Deutschen unfreundlich gewesen. Er ist der eifrigste Schürer des französischen Revanche­gedankens und alle deutsche Katholiken im Osten Preußens werden durch ihre Geistlicheit ins polnische Lager gedrängt.

f*?r die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichtcr Anzeigen zur nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Deutscher Reichstag.

O Berlin, 18. April.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Be­rathung des Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Gesetzes. Abg. Vielhaben (Antis.) wendet sich gegen den Aba. Lenzmann und hält den Freisinnigen vor, daß sie 'sich in dieser Fleischbeschau- Frage in den Dienst der amerikanischen Fleisch-Exporteure stellten. Er beruft sich dabei auf eine Kundgebung des bekannten Schwennhagen. Präsident Graf Ballestrem bittet den Abg. Vielhaben, auf eine Partei hier im Hanse nicht solche Voraussetzungen geltend zu machen. Abg. Vielhaben, fortfahrend, bemerkt, er müsse schärfste Kontrolle des ausländischen Fleisches verlangen, namentlich auch im Interesse unserer Konsumenten. Die Vorlage entspreche den praktischen Be­dürfnissen nicht, sie bringe die inländische Produktion in Nachtheil gegenüber der ausländischen. Ans etwaige Zusicherungen der Regierung der Vereinigten Staaten in Bezug auf veterinäre polrzeilicbe Maßnahmen fei gar nichts zu geben. Redner erwähnt weiter, daß im amerikanischen Senat ein Mitglied Namens Mason bereits Repressalien gegen Deutschland beantragt habe für den Fall, daß das deutsche Fleischschau-Gesetz durchgehe. Die Schlächter drüben hätten daher einer Sorte Schinken den Namen Mason-Schinken gegeben. Eine besonders feine Sorte solle ja auch bereits den Namen Bülow-Schinken tragen. Präsident Graf Ballestrem ruft den Abg. Vielhabcn wegen dieser ein Mitglied des Bundesraths beleidigenden Aeußerung zur Ordnung. Abg. Delsor (Elsässer) bekämpft namentlich 6 en Schauzwang für die HauSschlachtnngen und plaidirt dafür, das ausländische Fleisch derselben Kontrolle zu unterwerfen, wie das inländische. (Bravo rechts.) Abg. Gras Bernstorff-Ueltzen (Welfe) meint, es liege geradezu im Interesse des Bundcsraths selber, daß man ihm nicht die Vollmacht gebe, ausländisches Fleisch ganz nach Ermessen dem Schauzwana zn unterwerfen oder nicht. Grundsätzlich müsse ausländisches Fleisch ebenso kontrollirt werden, wie inländisches. Gleiches Recht für Ausland und Inland, und zwar gleiches Recht durch gesetzliche Bestimmungen. Redner hält" schließlich einen Druck vom Reiche her für nöthig behufs allmählicher Einführung der Viehversicherung unter procen- tualer Betheiligung des Reiches an den Kosten. Ada. Hilpert (bahr. Bauernb.) bekämpft die Fleischbeschau sehr lebhaft. Diese habe früher in Bauern bestanden, sei aber abgeschafft worden und man wolle dieselbe nicht wieder haben. Wenn die Sozialdemokraten Arm in Arm mit der Regierung gingen, bann wisse man ja genau, was ein solches Gesetz bedeute.' Abg. Herold (Ccntr.) will, daß jedenfalls alles Fleisch, welches nur

Und man erinnere sich doch nur daran, daß, als Graf Ta affe die Slavisirnng Oesterreichs auf Betreiben des Vatikans auf seine Fahne schrieb, Papst Leo XIII. in einem Hirtenbrief vonseiner ganz besonderen Liebe für die Slaven" sprach. In Böhmen selbst sind drei Viertel der Geistlichen leidenschaftliche Tschechen, die im Prager erz­bischöflichen Seminar förmlich auf die Deutschen dressirt wurden. Und aus Deutschland fließt den Konvertiten reich­liche materielle Hülfe zu. Man hat es jenseits des böhmischen Bergkranzes nicht vergessen, daß einst ganz Oesterreich evangelisch gewesen und erst durch die Gegenrevolution katholisirt wurde. Und so mag die katholische Kirche in Oesterreich sich jetzt mit Fug und Recht die Frage vorlegen, ob eine Politik fortzusetzen sei, welche die religiösen Gegen­sätze durch nationale vertieft und die nationalen Gegensätze durch konfessionelle unausgleichbar macht.

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Mir«, 19. April. DerOstdeutschen Rundschau" und der Arbeiter-Zeitung" zufolge hat der Direktor des Hauptzollamts, Hofrath Pronay, in höherem Auftrag persönlich in allen Zoll- stationcn der Wiener Bahnhöfe den Befehl gegeben, daß sämmtliche Sendungen aus dem Ausland mit noch größerer Strenge als bis­her nach Druckschriften, welche dieLos von Rom"-Bewegung betreffen, durchsucht werden müssen. Diese Schriftstücke seren zu beschlagnahmen und den Polizeibehörden ariszuliefern.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Krrli«, 18. April.

Auf der heutigen Tagesordnung des Abgeordnetenhauses stand die Fortsetzung der erstenBerathung der Kanal-Vorlage. Die Mimster v. Miguel und Brefeld befürworteten nochmals die Aw nähme derselben. Die Vorlage wurde schließlich an eine besondere 28er Kommission verwiesen. Ans der Debatte heben wir mir d« Rede Miguels hervor, welcher u. A. ausführte: Man scheine an- znnehmcn, daß jetzt eine Aera der Kanalbauten zum Schaden der Eisenbahnbautcn beginne. Er sei gewiß kein Kanalschwärmer, aber er sehe sich jede Frage für sich an. Wenn der Kanal die Wirkung Härte, die Eifenbahucinnahmen erheblich zu beeinflussen, so würde ich dagegen sein. Die Tarife sind aber so bemessen, daß auch eine angemessene Verzinsung herauskommen wird. Der Eismbahfl- minister und der Handelsluinister, welch letzterer von seiner früheren amtlichen Stellung her ein Kenner des Eisenbahnwesens ist, haben erklärt, daß wir bald an die Grenze kommen, wo die Verwaltung die ihr durch die Verstaatlichung übernommene Verantwortung für die Bewältigung des Eisenbahnverkehrs nicht mehr über­nehmen kann. Wcr sind diesem iZustande sehr nahe, denn allein 174 Millionen haben wir in den letzten Jahren anfroenbeq müssen, um die Eiscnbahnlcistungsfähigkeit zu erhalten. Soll diesei wachsende Verkehr durch Ausgestaltung der Eisenbahnen bewältigt weiden, so wird das so theuer werden, daß schließlich sämmtliche Uebcrschüsse draufgehen. Es ist von dem Ban durch Private ge­sprochen worden. Die Provinz Westfalen ist gern bereit, den Kanal nach dem Rhein zu bauen, aber wir können doch nicht das beste Stück des Kanals aus der Hand geben. Denn die Provinzen Rhein­land und Westfalen würden, weil er diesen allein zu Gute kommt, schwerlich Tarife erheben, und das würde die anderen Wasserstraßen schädigen. Werden die Kanäle von Privaten gebaut, so wird die Gefahr für die Eisenbahnen nicht verringert, sondern vergrößert. DaS Risiko des Staates für die Vorlage betragt höchstens 6 Mill, jährlich. Demgegenüber haben wir überlastete Bahnhöfe, für welche bis 50 Millionen ausgegcben werden. Die Meinung der Landwirth- schaft des Westens muß getheilt fein, sonst würden die Provinzial­landtage nicht einstimmig die Garanticen bewilligt haben. Auch hat nicht die westfälische Landwirhschaftskammer, sondern nur deren Ausschuß sich gegen den Kanal ausgesprochen. Die Ver­bindung mit dem Rhein will aber selbst der Vorredner Herstellen.

zum Verbrauch im Haushalt gelangt, nicht der Schau zu unter« Hegen brauche. Die Kontrolle der Hausschlachtungen fei übrigen? mit Belästigungen verknüpft, die zu ihrem Nutzen in gar keinem Verhältniß stünden. Uiibebingt müsse auch die Kontrolle auf aus­ländisches Fleisch erfolgen, und zwar müsse sie im Gesetz ausgesprochen werden. Abg. v. Wangenheim (Bund der Landw.) plaidirt für strengste Kontrolle der Fleischeinfuhr vom Ausland. Was die Kosten der gesammten Schau betreffe, so iimnte er dem Vorschlag der schleswig-holsteinischen LandwirthschaftS- ämmer bei, daß dieselben auf die Allgemeinheit zu übernehmen ind. Die Fassung der Vorlage über das ausländische Fleisch habe mit tiefer Beschämung gelesen, das sei geradezu eine Ohrfeige für die eigene Landwirthschaft nach den Erklärungen, die im Vor­jahr abgegeben worden seien. Die Bestimmungen über das Aus­land müßten unbedingt abgeändert werden. So lange er an bet Spitze des Bundes der Landwirthe stehe, habe er es stets darauf angelegt, zu vermitteln. Wenn ein Anderer an feine Stelle träte, dann werde dessen Tonart eine weit schneidigere fein. Er lehne dafür jedenfalls die Verantwortung ab. Diese falle alsdann auf die Regierung. Nach weiterer kurzer Debatte wurde die Vorlage an eine Kommission verwiesen. - Morgen, 1 Uhr: Gewerbenovelle. - Schluß 6 Uhr.

Fanfan.

Emile Zola, der französische Nomandichter, der sich durch sein mannhaftes Auftreten in der Drcyfus-Affaire nicht minderen Ruhm erwarb, als durch seine epochemachenden Dichtungen, ist ein Mensch voll edelster Empfindungen, die sich auch im Mitleid für die Thiere bekunden. In einem ergreifenden, thierschützlerischen Aufsatz von ihm:Die Liebe zu den Thieren", der auch in deutscher Ucbersetzung bei Gustav Grimm in Budapest als Heftchen erschienen ist, finden wir u. A. folgende Einschaltung:

Ich hatte einst ein Hündchen, einen Terger kleinster Gattung, Namens Fanfan. In der Hunde-Ausstellung hatte ich ihn gesehen, wo. er mit einer großen Katze zusammen in einem Käfig untergebracht war. Das Hündchen blickte mich mit so zärtlichen Augen an, daß ich dem Hundeverkäufer L sagte, er solle es ein wenig ans dem Käfig nehmen. Auf die Erde gesetzt, trippelte das Thierchen wie ein kleiner Hund auf Rädern. Ich war entzückt und kaufte es.

k Nun denn, das war ein verrücktes Hündchen. Eines B Morgens ich hatte es kaum seit acht Tagen begann h ts, sich um sich selbst zu drehen, immer im Kreise, ohne k Ende. Wenn es ermattet, wie trunken hinfiel, erhob es sich mühsam wieder und begann von Neuem sich zu drehen.

. Wenn ich, von Mitleid ergriffen, es in meine Arme nahm, e bewegten sich die Pfötchen weiter, als drehte es sich noch I immer, und wenn ich es wieder zur Erde setzte, begann es i. von Neuem sein ewiges Kreisen. Der herbeigerusene fc Thierarzt meinte, das Hündchen leide an einer Gehirn- k krankbeit, und er machte sich erbölig, es zu vergiften. Ich |; lehnte sein Anerbieten ab. In meinem Hause sterben alle

Thiere ihres natürlichen Todes und ruhen in einem Winkel des Gartens.

Es schien, als wäre Fanfan von diesem ersten Anfall genesen. Zwei Jahre lang gehörte er zu meinem Leben und ward mir theuer in einem Grade, daß ich es nicht sagen kann. Er verließ mich nicht mehr, hockte neben mir in meinem Lehnsessel während meiner vierstündigen Morgen- arbcit und nahm so Theil an allem Mühsal und an allen Freuden des geistigen Schaffens, hob sein Näschen in den Augenblicken der Erholung und schaute mich mit seinen Hellen Aeuglein an. Er nahm Theil an allen meinen Spaziergängen, lief vor mir her wie auf Näderchcn, daß die Leute lachten; wenn wir heimgekehrt waren, schlief er unter meinem Sessel; des Nachts ruhte er am Fuße meines Bettes auf einem Kiffen. Ein so festes Band hatte sich um uns geschlungen, daß bei der kürzesten Trennung ich ihm fehlte und er mir fehlte.

Und plötzlich ward Fanfan wieder ein verrücktes Hündchen. Er hatte zwei oder drei Anfälle in langen Zwischenräumen. Dann wurden die Anfälle häufiger, die Intervalle kürzer und unser Leben ward furchtbar. Wenn die Drehkrankheit ihn erfaßte, drehte er sich ohne Ende. Ich konnte ihn nicht mehr- bei mir im Fauteuil behalten. Ein Dämon war in ihn gefahren, ich hörte ihn Stunden. lang meinen Tisch umkreisen. Doch besonders des Nachts litt ick, wenn ich ihn ausdauernd und wfld seinen Rundgang machen hörte, mit einem unausgesetzten Trippeln seiner Pfötchen auf dem Teppich. Wie oft erhob ich mich, um ihn in meine Arme zu nehmen und ein, zwei Stunden bei mir zu behalten, hoffend, daß sein Anfall sich legen würde; und sobald ich ihn wieder auf den Teppich setzte, begann er von Neuem seinen Kreisgang. Man lachte mich aus und sagte, ich sei

selbst ein Narr, daß ich den kleinen verrückten Hund in meinem Zimmer behielt. Aber ich konnte nicht anders; mein Herz brach bei dem Gedanken, daß ich nicht mehr da sein würde, um ihn aufzunehmen und zu beruhigen, und daß er mich nicht mehr anschauen würde mit seinen hellen, trostlosen Aeuglein, um mir zu danken.

Und so starb Fanfan eines Morgens in meinen Armen, die Augen auf mich gerichtet. Ein leichter Ruck, und es war ans; ich fühlte bloß, wie sein kleiner zuckender Körper schlaff wurde wie ein Lappen. Die hellen Thränen standen mir in den Augen und es ging mir wie ein Riß durch das Herz. Ein Thier, nur ein kleines Thier, und ich litt so sehr durch seinen Verlust, und die Erinnerung an Fanfan war eine so beharrliche, daß ich meinen Schmerz schildern wollte, in der Gewißheit, daß dies Blätter wären, aus welchen der Leser mein Herz herausfühlen würde. Heute ist all Dieses fern; andere Leiden sind gekommen, und ich fühle, daß die Dinge, die ich über ihn erzähle, eisig kalt sind. Damals aber schien es mir, daß ich so viel zu sagen habe, daß ich wahre, tiefe und entscheidende Dinge über die Liebe zu den Thieren gesagt haben würde, die so dunkel und so mächtig ist, über welche ich in meiner Umgebung lächeln sah und die mich dennoch so beklommen machte, daß sie schier mein Leben trübte.

Ja, warum habe ich mich so innig dem verrückten Hündchen angeschlossen? Warum habe ich mit ihm fraternifirt wie mit einem menschlichen Wesen? Warum habe ich es beweint, wie man ein theures Wesen beweint? Ist es nur die unersättliche Liebe, die ich in mir fühle für Alles, was da lebt und leidet, eine Brüderlichkeit im Leid, eine Barm­herzigkeit, die mich zu den Untersten und Aermsten drängt-