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Wiesbadkmr Sanblatt

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«7. Jahrgangs

Verlag: Langgasse 27.

16,000 Abonnenten

N-. H9

Dienstag, den 18 April

Fernsprecher N». 52.

1899

Fernsprecher Wo. 52.

Morgen-Ausgabe

Präliminarfrieden zu Leoben zwischen Oesterreich und Frankreich. I

Aus Ztadt und §and.

(Nachdruck verboten.)

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

österreichischer Heerführer im ! Wien). 1417^ Belehnung Friedrichs ' Brandenburg zu &

Pralnnmarstrcden zu Leoben zwischen Oesterreich und Frankreich. 169°: .l'.Karl V. Herzog v. Lothringen zu Wels, hervorragender ----- ------ Krieg gegen die Türken (* 1643 zu a »riedrichs IV. Burggrafen von Nürn­berg mit der Mark Brandenburg zu Konstanz.

Vrrelns-Aachrlchten.

(Kurze sachliche Berichte werden bcreitwLigst unter dieser lleberschrist aufgenommenj

* In der am Samstag, den 15. d. M., im VcreinSlokal ab­gehaltenen Monatsvcrsammiung (Familienabcnd) des Bayern-Verein .Bavaria" überreichte der 1. Präsident, Herr Kaufmann Lor. Welkamcr, mit herzlichen Worten dem 2. Präsidenten der Vereins. Herrn Reallehrer Schreyer, in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste und aus Anlaß seines 15-jährigen Lehrcr-Dienst- Jubiläums einen prachtvollen Stand-Regulator in altdeutschem Stil (aus der Firma A. Müller, Saalgasse). Der Bayern-Verein

der allgemeine Schulzwang. Seit langen Wochen ist der an gehende Schulrekrut und die Schulrckrutin auf diesem Gebiet sind Männlein und Weiblein gleichberechtigt oder vielmehr gleich» verpflichtet von diesem einen Gedanken beherrscht worden, viel­leicht schon von dem Augenblick an, wo ihnen vom Weihnachts­baum die reife Frucht des Schultornisters herabfiel. Nicht mit ungemischter Freude, ja oft genug mrt Bangen und Zagen schickt sich der Schulrekrut an, seine erste staatsbürgerliche Pflicht zu erfüllen, die ihm nicht so angenehm erscheint, als er eS vielleicht erhoffte, und dem anderen nicht so schlimm, als er viel­leicht fürchtete. Von der glücklichen Insel der ersten Kindheit macht er die erste Probefahrt tn das stürmische Meer des öffentlichen Lebens und steht dabei, um mit Jean Paul gu sprechen, mehr als ein Weltumsegler auf seiner ganzen Reise.

Noch eine andere Probefahrt ist dieser Tage in Berlin unternommen worden, eine Probefahrt von Motorwagen, die sich als eine Vorprobe für die im Herbst hier stattfiudende .Inter­nationale Motorwagen-Ausstellung" darstellte. Als Terrain für die Ausstellung, die am 3. September eröffnet und am 28. geschlossen werden soll und deren Ehrenvorfitz der Staats­sekretär v. Podbielski übernommen hat, ist das Exercirhaus in der Karlsstraße in Aussicht genommen. Die Probefahrt, die vom Reichstagsgebäude ans in den Grünewald ging, ließ, da Alles klappt^ für diese Ausstellung das Beste hoffen. Man glaubt, daß derAutomobilismus" infolge der Ausstellung einen lebhaften Auf­schwung nehmen wird. Ob dies aber wirklich der Fall sein wird, das er­scheint uns nach den bisherigen Erfahrungen doch als sehr zweifelhaft. Die hohcnAnschafsungskosten stehender Popularifirung des Automobils hindernd im Wege und selbst hier in Berlin, wo eS doch Leute genug giebt, diecs dazu haben", gehört der Selbstfahrer noch zu den verschwindenden Ausnahmen. Wir glauben, daß das billigt Beförderungsmittel, welches in Gestalt des Stahlrosses in unserem Stall wiehert, und das noch billigere, welches wir Schusters Rappen nennen, noch auf lange Zeit hinaus dem Automobil eine siegreiche Konkurrenz bereiten werden. Die Zeit, wo Jedermann sein Huhn im Topf und sein Automobil im Stall haben wird, liegt noch in weiter Ferne und wir werden die allgemeine Auto­mobilmachung schwerlich erleben.

Di. Pqul Berthold.

Am Freitag Abend fand im

Nonncnhof die Generalversammluiig des hiesigen Volksbildungs- Vereins statt. Aus dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht, den der Vorsitzende Professor Kühn in längerem Vortrag vielfach er­gänzte, heben wir Folgendes hervor: In der Fortbildungsschule war die Zahl der Schülerinnen: im Sommer 86, im Winter 56; Schulgeld 5 Mk. pro Semester. Im Englischen betrug die Zahl der Schülerinnen 22; das Schulgeld 6 Mk. pro Kursus. Im Maschinenschreiben haben bisher 9 Personen (Männer und Frauen) Uebungskurse absolvirt. Von Ostern an wird auch Stenographie gelehrt. In der Flick- und Nahschule wurde der Sommerkursus von 34 Schülerinnen, der Winterkursus von 14 Schülerinnen be­sucht; Schulgeld 2 Mk. pro Kursus. Im Laufe des Winters fanden drei gut besuchte Volksunterhaltungsabende statt, an denen Künstler und Künstlerinnen wie G-sangvererne bereitwillig mitwirkten. Fünf Volksvorstellungen im Kgl. Theater zu bedeutend ermäßigten Preisen fanden lebhaften Beifall. Die 1. Bibliothek in der Schule an der Kastellstraße hak einen Bestand von 4463 Bänden. Zahl der Leser 776. Zahl der ausgelichenen Bände 17,479. Die 2. Bibliothek in der Blucherschule hat einen Bestand von 4088 Bänden. Zahl der Leser 766. Zahl der ausgelichenen Bände 18,609. Die 3. Bibliothek in der Schule der oberen Rheinstraße hat einen Be­stand von 3412 Bänden. Zahl der Leser 734. Zahl der aus­geliehenen Bände 22,941. Die Gesammtzahl der ausgeliehenen Bände war 59029 gegen 51,421 im Vorjahr. Die Gesammtzahl der ein­geschriebenen Leser (Familien und einzclstchende Personen) war 2276 gegen 2228 im Vorjahr, lieber die Volkslesehalle macht »er Bericht folgende Angaben: Bestand: 35 Zeitungen, 70 gewerbliche, technische und andere Fachzeitschriften, 63 illustrirte Zeitschriften wissenschaft­lichen, belehrenden und unterhaltenden Inhalts. Der Bestand der Bücher vermehrte sich durch Schenkungen und Ankauf im Laufe des Jahres auf 1617 Bände und 629 Hefte. Infolge des stärkeren Besuchs wurde die Lesehalle am 1. Oktober in größere Räume des­selben Hauses (Ecke der Schwalbacherstraßc und Friedrichstraße) verlegt. Seit dem 15. Januar werden Sonntags von 11 bis 12/« Uhr Bücher technischen Inhalts (meist Bände technischer und gewerblicher Zeitschriften) auf 14 Tage ausgeliehen: bis Ende März sind an 25 Entleiher 84 Bände ausgegeben worden. Die vorigen Winter begonnenen Volksvorlesmwen wurden letzten Winter fortgesetzt. Sie fanden wieder bei freiem Eintritt für Manner und Frauen Abends 8"- Uhr im Saal der Oberrealschule statt, den die Stadt unentgeltlich zur Verfügung stellte. Im Ganzen waren die Vorträge schwächer besucht als vorigen Winter, und es ist frag­lich, ob die neue Einrichtung das Interesse der Kreise, für die sie in erster Reihe bestimmt ist, in hinreichendem Maße dauernd gewinnen wird. Zahl der Vereinsmitglieder 670 und zwar 606 ordentliche und 74 außerordentliche; die Mitgliederbeiträge ergaben 2446 Mk. (gegen 2486 Mk. im Vorjahr). Der städtische Zuschuß wurde auf 4000 Mk. erhöht. Der Vorschuß-Verein gewährte wie seither 500 Mk. für die Bibliotheken. In Anbetracht ber Vermehrung der Ausgaben haben Magistrat und Stadtverordnete für das Jabr 1899/1900 den städtischen Zuschuß auf 6000 Mk. erhöht. Freilich bedarf der Verein auch außerdem in weitgehendem Maße die Unter­stützung der Bevölkerung, wenn er dem stets sich mehrenden Bc- dürstiiß entsprechen und die immer neu an ihn herantretenden Auf­gaben erfüllen soll. Wir können daher nur die dringende Bitte aussprechen, daß noch recht Viele dem Verein bcitreteu; auch sind freiwillige Helfer bei der Besorgung der fortwährend wachsenden Vereinsgeschäfle willkommen. Zn Bibliothekzwecken, speziell zur Einrichtung einer vierten Bibliothek sind dem Verein 826 Mk. zu- gcwendet worden. Aus der Mitte der Versammlung, die auch von Damen besucht war, wurden dem neugewählten Ausschuß recht dankenswerthe Anregungen bezüglich der Fortbildungsschule für Mädchen und der Le;ehalle gegeben.

o. Der 60. Turntag des Mittelrheinsireisea wurde gestern in dem Haufe desTurn-Verein" zu Offenbach abgehalten. Derselbe war außergewöhnlich zahlreich mit etwa 300Abgeordneten, beschickt. Der Kreis zählt gegenwärtig 614 Vereine, im ab- geiaufenen Jahre sind 59 Vereine neu eingetreten, darunter der Aargau mit 25 Vereinen. Ausgetreten sind 19 Vereine. Um das

shr d" ,Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Aureiaen rur nachsterschelnenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. w ö iUr

Aus der Reichshauptstadt.

Berlin, 14. April.

g*- Der Mordprozeß Guthmann, welcher sich soeben vor dem Schwurgericht des Landgerichts Berlin I abspielt, entrollt ein - wenig erfreuliches Bild aus dem Leben der Reichshauptstadt. Es M eine düstere Gruppe aus benV großen GemäldeBerlin bei .lacht", die .handelnden Personen" find lüderliche Dirnen der niedrigsten Sorte und deren moralisch noch weit tiefer stehende Beschützer", das Milieu wird durch den Ort der Handlung gekenn- ' zeichnet, die uns in die Privatlogis dieser untersten Stufe der Demimonde, in Kaschemmen und Kaffeeklappen, die Lokale dieser Gesellschaft, führt. Dieser Prozeß Guthmann erinnert lebhaft nn E den Prozeß Heinze, dessen Hauptperson dadurch eine gewisse Berühmtheit ä la HerostratuS erlangt hat, daß fein Name in die | Annalen der Gesetzgebung gelangt ist und bereits seit mehreren - ,JMsen die gesetzgebende Körperschaft beschäftigt, ohne daß es frei» uch bisher gelungen ist, den Kampf um die lex Heinze zu einem t positiven (Ergebnis, zu führen. Aber es hieße weit über das Z'.el hmansichießen, wenn man aus diesem Nacht-

I Kuck des Berliner Lebens allzu weitgehende Schlüsse auf dieses Leben selbst ziehen wollte. Vielmehr zeigt gerade ein Rückblick vom e; Prozeß Guthmann tn die Acra des Prozeßes Heinze, daß in diesen

Jahren unter dem Gesindel und den lichtscheuen Elementen der Reichshauptstadt kräftig Musterung gehalten und gesäubert worden ist, so weit dies eben überhaupt Menschen- und polizeimöglich ist, denn ein gereifter Prozentsatz dieser lichtscheuen Elemente ist nun ' einmal der natürliche Bodensatz des vielgestaltigen Lebens und

Treibens, des Auf-, Ab- und Zuwandcrns der Großstadt. Während t das Beschützer- und Zuhälterwesen in den achtziger Jahren eine öffentliche Gefahr in Berlin bildete, während damals Aus­schreitungen, Exzesse und Unthaten dieses Gesindels fast zur Tages- L oder vielmehr zur Nachtordnuna gehörten, haben sich jetzt die Siche rheitsoerhältnifte Berlins erfreulicher Weise so verbessert, daß wir Vorgänge und Typen, wie sie im Prozeß Guthmann zu Tage treten, doch wenigstens nicht mehr als eine reguläre ErscheinungS- korm des Berliner Lebens zu betrachten brauchen.

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Psg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Wiesbaden, 18. April.

Gefchkchtskalender. 18. April. 1897: Bombardement von Prevcsa durch die griechische Flotte. 1897: Die Türken be- - mächtigen sich des MelunapasscS. 1892: f Fricdr. v. Bodenstedt M Wiesbaden, hervorragender deutscher Dichter. 1878: * Prinz Bernhard Heinrich von Sachsen-Weimar. 1873: f Justus Freiherr v. Liebig in München, berühmter Chemiker. 1865; * Johanna Gräfin Hartenau, geb. Loistnger, zu Preßburg (Alexander I. von Bulgarien). 1864: Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die Preußen. 1861: * Prinz Eduard von Anhalt. 1822: * Aug. Pctermann zu Bleicherode, berühmter Geograph und Kartograph ? (t 1878). 1812: * Ferd. v. Arlt zu Obergraupen bei Teplitz, be=

| rufjmter Augenarzt. 1812: * Aug. Baldainus zu Giersleben,

hervorragender Oruitholog (f 1893 zu Wolfenbüttel). 1797: I

ffi. ÄraSturnfeft in 1901 hatten sich Offenbach, Worms und Koblenz, beworben. Mtt Rücksicht darauf, daß Offenbach das 1. Kreisfest übernommen hatte, wurde diesem auch das JubilaumS- fest übertragen. Im verflossenen Jahre haben 7 Vereine das 50-jahr:ge Bestehen und 4 das 50-jährige Fahneu- jubilaum gefeiert. Für das diesjährige Kreisfest dahier wurden als volkSthüistliche Uebungeu für das Sonderwettturnen Schleuderball-Weitwerfen mit 2 Kilo schwerem Ball, Stab-West­springen ohne Brett und Sturm-Hochspringm mit 1,80 Meter langem und 70 Zentimeter hohem Brett bestimmt. Die Entfernung vom Brett bis zum Seil beträgt 1,30 Meter. Ein Uebcischuß von mehreren hundert Mark, der sich aus Beiträgen für Musik zum Hamburger Turnfest ergeben hat, wurde dem Fonds zur Erbauung von Turnhallen innerhalb des Kreises überwiesen. In den geschäftSs führenden Ausschuß wurden die Herren Rothcrmel, Kreis- Vertreter, Schmuck und Thierolf, sämmtlich zu Darmstadt, wiedergewählt, desgleichen die Herren Heidecker-Wiesbaden als Kreisturnwatt, Schatt-Hanau, Münch-Hachenburg, Gräser- Frankfurt und Müller-Bockenheim in den Turnausschuß, sowie die Herren Kappel-Neuwied, Hermann-Kastel und Schaffner-Höchst al$ Ersatzmänner. Neben den Vertretern der Gaue werden Seitens des Kreises die Herren Rothermel, Heidecker, Miinch, Gräser und Schatt als Dclegitte des Kreises zum Deutschen Turntag in Naumburg a. d. S. am 31. Juli bis 1. August er. entsandt. Die von der Wiesbadener Turnerschaft vorgelegte Festordnung für das 24. Kreisturnfest wurde genehmigt, der Festbeitrag jedoch nicht, toie beankagt, auf 3, sondern, wie bisher üblich, auf 2 8111. festgesetzt.

Neues vom Elektrieitätorverk. Vergangenen Samstag wurde das HotelKaiserhof" undAugusta Wctoria-Bad" an das städtische Kabelnetz angcschlossen; es ist dies wiederum ein er­freuliches Zeichen der stettg fortschreitenden Entwickelung des städtischen ElektricitätswerkS, das berufen zu fein scheint, nach und nach die meisten elektrischen Pttvat-Anlagen zu verdrängen. Dem Beispiel des HotelKaiserhof" wird in einigen Wochen das EtablissementWalhalla" folgen und, wie wir hören, sind in nächster Zeit noch recht viele neue Anmeldungen für baS ElektncitätS- werk zu erwarten.

o. Die Makker-hänschen, welche Seitens der Stadtverwaltung an verschiedenen, besonders frequenten Punkten ber Stabt errichtet wurden, sind überall fertiggestellt und am Samstag dem Pachter, Herrn A. Eschenbrenner hier, übergeben worden.

d. Wieder ein Selbstmord-Kandidat. Das schlechte Beispiel ist häufig ansteckender als das gute. Die gegenwärtig hier grassirendc Selbstmordmanie hat schon wieder ein neues Opfer gefordert. Gestern Nachmittag miethete sich ein unbekannter, an­scheinend den sogenannten besseren Ständen angehörender junger Mann auf dem Marktplatz eine Droschke, liefe sich eine gute Strecke nach Biebrich zu fahren und schofe sich plötzlich in die rechte Schläfe. Der Unglückliche wurde noch lebend in das städtische Krankenhaus ge­bracht. Die Aerzte hoffen, ihn auch am Leben zu erhalten. Aus welchen Gründen sich ber Mann umbringen wollte, ist natürlich auch noch unbekannt.

o. Dir Einbrecher, welche am Samstag von 6er Kriminal­polizei rn bas Lanbgerichtsgefängniß eingeliefert wurden, sind ber Glaser Mehr unb dessen Ehefrau und ein Taglöhner Namens Mahr. Mehr ist mehrfach vorbesttaft, u. A. wegen Einbruchs» bicbstahl in die Wohnung eines Boten im Regierungsgebäude dahier mit 3 Jahren Zuchthaus.

Kleine Notizen. Herr L. Linnenkohl hier erhielt auf ber Geflügel-Ausstellung zu Bonn einen ersten unb Ehrenpreis ans schwarz geschuppte Blondmetten unb einen zweiten Preis auf gelbe beutschc Mövchcn, auf ber Geflügel-Ausstellung zu Iserlohn einen zweiten Preis auf rothe deutsche Mövchcn.

Im Uebngen ist es selbstverständlich, daß die allgemeine Auf­merksamkeit und das Interesse der Reichshauptstadt sich dieser forensischenPremiere Guthmann" zuwendet, und dieses Interesse ist so stark, das tägliche Auditorium im Gerichtssaal so zahlreich, dasHaus" soansverkauft", daß das Landgericht Berlin I zur Zeit der Gegenstand des Neides sämmtlichcr Theaterdirektoren ist. In der That hat sich in dieser Woche auch nur eine einzige Bühne, das Deutsche Theater, mit einer Prcmiöre hervorgewagt, und zwar erzielte eS mit dem dreiaktigen Schauspiel Hans" von Max Dreyer einen gewissen Erfolg, mit der einaktigen KomödieMutterherz" von Stefan Vakano einen noch weit gewisseren Mißerfolg. Max Dreyer ist ber Mann ber sanften Stücke und ber sanften Erfolge. Durch einen halbwegs tragischen Konflikt, der diesmal durch eine gut- gezeichnete Nordjeestirnmung unterstützt wird, wird der Hörer in eine wohlthuende Rührung und Spannung versetzt, die sich am Schluß des Stückes in allgemeines Wohlgefallen auflöst. Proieffor Hartog, der auf einer Nordsee-Insel eine biologische Anstalt hat, hebt die mit einer Vergangenheit behaftete Jugendfreundin seiner Tochter, welch letztere aus diesem Anlaß den Glauben an ihren Later zu verlieren droht. Im Lauf der drei Akte wird sie aber versöhnlicher gestimmt, umso mehr, da sie sich anderweitig verliebt, und so erblicken wir zum Schluß aus der einsamen Insel zwei liebende Paare und wir sehen die Zeit kommen, wo auf dieser Insel der Glücklichen die Errichtung eines Standesamts sich als unbedingte Nothwendigkeit erweist. Vakano dagegen kommt uns tragisch, seinMntrerherz" hat sehr schlecht

Dreyfus-Aitgelegenhrlt.

wb. Pari», 17. April. DerFigaro" setzt die Veröffent­lichung ber Aussagen Picquatts fort. In feinem Verhör vom 23. November thcilt Picqnatt weiter mit, er habe von demSchrist- stückCette canaille de D. erst während der DreysuS-Affaire Kenntniß erhalten. Er glaube, daß das Schriftstück im Jahre 1893 ober 1894 in das Nachrichtenbiireau gelangte. Er habe von dem Schriftstück erst im August 1896 Kenntniß erhalten. Zeuge fetzt auseinander, warum dieses Schriftstück sich nicht auf * Dreysus beziehen könne. Sodann giebt Picqnatt auf Be­fragen des Präsidenten Erklärungen über den Artikel des Echo de Parts" vom 25. April 1898 über die Dreyfus-Sache. Picqnatt hält dafür, daß die präzisen Angaben über die geheimen Schriftstücke, welche der Artikel enthalte, nur aus dem Nach- richtenbiireau herrühren könnten. Zeuge macht bann Mit­theilungen über bie Schriftstücke des geheimen Dossiers und meint, baß sie auf DreyfuS nicht anzuwenden seien. Picquart sitzt die Gründe auseinander, welche er schon den Generalen Boisdeffre und Gonse während seiner Unterhaltung mit ihm an- fgeführt hatte. Picquart erinnert daran, daß Gonse bei einer Zu- ammenkunst mit ihm zu ihm sagte:Dann müsse man sich getäiischt heben". Gonse beauftragte Picquart, dem General Boisdeffre Wittheilnng zu machen, nach dessen Ansicht man die beiden Affair en »s und Esterhazy) trennen müsse. In seinem Verhör November setzt Picquart die Erklärungen über das Petit U Bleu fort. Man könne nicht behaupten, daß die Ueberschreibung der Adresse vor der photographischen Operation vorgenommen fei man könne nur sagen, daß fie vor der Expeditton des letzten Clichös gemacht sei. Picquart weist darauf hin, daß er Esterhazy vor dem Eintreffen des Petit Bleu nicht gekannt habe. Die Unter­suchung Tavermers beweise gegenüber dem, was man gesagt habe, daß seine, Picquarts, Unterfüdmng in der Esterhazy-Sache erst nach dem Eintreffen des Petit Bleu begonnen wurde. Nach dem Ein- treffen des Pett" Bleu habe er, Picquart, von dem Major (Surre tüber Esterhazy digungen eingezogen. Die Auskunft war nicht günstig Esterhazy ,..gte eines Tages zu (Surre: Können Sie mir Auskunft über die Artillerie-Mobilisation verschaffen? Später habe Currv seine erste Aussage abgeschwächt. - Im Laufe ferner Aus­sagen erklärte Picquart, daß er in einer Note seinen Vorgesetzten ersucht habe, eine gründliche Untersuchung gegen Esterhazy ein- zuleiten und von ihm über seine Beziehungen zu einem fremden Botschafter Aufklärungen zu verlangen und ihn über die Verwendung ber Papiere, bie er kopiren liefe, zu befragen. Betreffs des Petit Bleu bekundet Picquart ferner, daß sich unter dem von dem geheimen Agenten überbrachten Material < Stücke eines mitC gezeichneten Briefes befinden, welcher die U Worte enthielt:Mein Vater hat mir Fonds geschickt; Bedingungen fmb zu erfüllen." Diese UnterftfiriftC trägt auch das Petit Bleu. Weiter erklärte Picquart er habe dem Major Lauth niemals nshegelcgt, auszusagen, daß die Unterschrift bcS Petit Bleu die­jenige des deutschen MilitärattachöS bedeute, sondern er solle nur bestätigen, woher cs stamme.

etanöesanitö NH nie unvcomgre ycothtoenbigieit erweist. Vakano dagegen kommt uns tragisch, seinMntrerherz" hat sehr schlecht möbhrte Kammern, denn bie Inhaberin dieser Herzenskammer verstößt ihren Sohn, den sie wider seinen Willen zur Marine geschickt hat, weil er dort nicht avancitt! Das Publikrim gab dem Verfasser dieser mütterlichen Schneidigkeit sein Mißfallen durch rückhaltsloses Zischen zu erkennen, und wenn ihm seine engeren Freunde trotzdem einen Kranz gewunden haben sollten, so kann dieser nur aus den Lorbeerblättern einesmannirteu" Herings geflochten worden fein.

Aber noch eine andere weit wichtigere Premiere zum Mindesten für die Betheiligten ist in dieser Woche vor sich gegangen. Die Bethciligtcn sind die ABC-Schützen und die Premiere lautet: Der erste Schulgang; der Verfaffer aber ist