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«7. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27,

16,000 Abonneuten

No. 17S.

Samstag, den 15. April

Fernsprecher No. 52.

1899

Fernsprecher No. 52.

Morgen -Ausgabe

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hat.

jerr Direktor Dr. Rauch Bertha, sowie die Herren Stiewe, ist eine so vorzügliche, daß

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

(Nachdruck verboten.)

Zwei Kongresse.

Unser Pariser v-Korrespondent schreibt uns unterm 12. b.:

modernen Unterrichts das Verdienst, die Nothwendigkeit eines be­sonderen moralischen Unterrichts neben dem geistigen erkannt zu haben. Doch wies der Kongreß die Idee von .Vorträgen theoretischer Moral" zurück und stimmte für Einführung eines praktischen Moralunterrichts", welcher durch Gründung von wohl- chatigen und gegenseitigen Hülfsvereinen unter den Zchülcrn bei

einem Felsen ,m Rhein gelegenenPfalz" übergesetzt werden. Diese Pfalz, die romantisch« Wasserburg, an der so viele Tausende vorübcr- fahren, die aber nur so Wenige besuchen, wird besichtigt, und dann nach der Wiederlandung von Caub aus durch daS Volkenbachthal durch die Schieferbergwcrke nach der Sauerburg marschirt werden, die 1 Stunde von Caub entfernt ist. Die herrlichen, großartigen Trümmer der Burg, dem Sitze des einst so mächtigen Geschlechts der Sickinger, werden besichtigt, und daun in dem prächtigen, vom Tiefenbach durchrauschten Sauerthal an der Ruine Waldeck vorbei hinab marschirt. Bei der Heiligkreuzkapelle wird das Wisperthal erreicht, in welchem abwärts nian in einer Viertelstunde in Lorch ist. Um 5 oder '/-6 Uhr werden die Wanderer hier eintreffen und in den trefflichen Gasthäusern von DahlemZur Krone" und Schmitt die Hauptmahlzeit einnehmeu. Nach den, Mahle soll noch fröhliches Zusammensein mit den Lorcher Klubmitgliedem stattfinden. Die Rückfahrt erfolgt um 9 Uhr 53 Minuten, Ankunft in Wi.sbaden 11 Uhr 18 Minuten. Marschzeit: 5 Stunden. Führer: Herr Travers von Lorch. Die Tour ist eine der landschaftlich lohnendsten, die an unserem herrlichen Rheinstrom zu mache» ist.

Kleine Notizen. Es sei noch einmal darauf aufmerksam gemacht, daß der Vortrag des Herrn Direktor Deutschinger über das morgen im König!. Theater zur Aufführung gelangende Gocthcsche «Schauspiel:Iphigenie auf Tauris" heute Abend um 8A Uhr im Saal der Oberrealschule (Oranienstraße) stattfindet.

4= Kiedrich, 14. April. Gestern Abend zwischen 7 und 3 Uhr paffirten einige schwer beladene Fuhrwerke an der Kaserne vorbei. Die Pferde des einen Fuhrwerkes, die unruhig geworden, versetzten dem Führer des anderen Rollfuhrwerkes einen Schlag, sodaß der­selbe hinficl und unter die Räder der schwer beladenen Rolle kam. Die Räder gingen deniselben über die Brust und verursachten den Tod desselben. Die Leiche des jungen ca. 17-jährigen Mannes Namens Römer wurde nach dem Leichenhaus gebracht. Der Wasserstand des Rheins ist bedeutend gewachsen/ Der Pegelstand beträgt heute bereits wieder 3,10 Meter. Weitere» Steigen ist zu erwarten, da im Gebirge große Schnee- und Rcaen- massen gefallen sind. Die grüne Farbe des Rheinwassers ist, wie gewöhnlich bei Hochwasserzeiten, verschwunden und hat, namentlich am diesseitigen Ufer, einer dunkclgclben Färbung, vom Main her- ruhrend, weichen müssen.

es. R«stdrnz-TH-ater. Für die Montag, den 17. d. M-, vom Comite der H. I. Smith-Stiftung veranstaltete Aufführung des DramasDer Graf von Gleichen" von Dr. E. Bacmcister zeigt sich bereits ein reges Interesse. Gilt cs doch die Förderung eines heimischen Talents, des ersten, dem die Vortheile der städt Stiftung zugewendet werden konnten. Was den für diese Vor­stellung gewonnenen Gast betrifft, Fräulein Cl. Clair vom Stadt- thcater in Düsseldorf, so bringen wir nochmals die bereits früher

im Auszug mitgetheilten Besprechungen in Erinnerung, wonach Fräulein Clair in erster Linie eine der ersten Vertreterinnen ihres Faches ist. Auch die weitere Besetzung, Herr Direktor Dr. Rauch tn der Titelrolle, Fräulein Schenk als Bertha, sowie die Herren Schuhmann, Heckmann, Wieske, Stiewe, ist eine so vorzügliche, daß dieselbe im Verein mit der sorgfältigen Vorbereitung des Dramas euren genußreichen Abend verspricht.

ohne diewagons-bara mitzuzäh schnittlich 22 Liter Branntwein, L» WKI, l£, «ucl «jtm, 18 ß'tcr Apfelmost jährlich, zusammengenommen 15 Liter reinen Alkohol, oder ebensoviel reines Gift! Die Ausgabe dafür beläuft sich auf 1 Milliarde 600 Millionen Francs, welche zum größten Therl von der Arbciterbevölkerung bestritten wird. In den Jrrcn- anstalten entfallen auf 10 Kranke 9 Opfer der Trunksucht, und das gleiche Verhältniß wird in den Gefängnissen fcstgestellt. Um diesem Krebsschaden cntgcgcnzuwirken, hatte der Arzt Legrain die ls??zosischc antialkoholische Union gegründet, welche gegenwärtig 435 Gesellschaften und 35,000 Mitglieder zählt. Doktor Legrain war auch der Organisator und die Seele des gestern beendigten ^ internationalen Kongresses gegen den Mißbrauch geistiger Ge- tranke. Der Zweck dieses Kongresses, wie aller antial(oholischer Gesellschaften ist, durch Schaffung einer großen Bewegung aus persönlicher Initiative die Regierung zu energischen Maßregeln und einer entsprechenden Gesetzgebung zu veranlassen. In den Ver­handlungen kamen die Vertreter und geistigen Führer aller Be- völkcrunasklassen zu Wo .e. Buisson, Professor an der Sorbonne, sprach über die Roll' der Universitätsjugend im Kampf gegen hsv^^Evholismus, M ,r. Tarinaz und Pastor Rochat beleuchteten die Thatigkeit der Geistlichkeit in demselben Kampfe, General Gallieni schickte eine Abhandlung:Ueber das Einverständniß zwischen den Staaten zum Schutze der Eingeborenen in den Kolonieen gegen den Alkoholismus," Artillerie-Leutnant Guieysse behandelte den Kampf gegen den Alkoholismus in und für die Armee. Denclouu der Verhandlungen aber bildete die Rede des belgischen Sozialistcn- führers Van der Velde:Der Alkoholismus und die Arbeits­bedingungen bei dem belgischen Arbeiter." Wenn manche seiner Behauptungen auch auf Widerstand stießen, so wurde doch ein­stimmiger Bestall seinen Schlußworten zu Thcil:Es bedarf eines Ideals, einer Mission, sei cs des Katholizismus, des Protestantismns oder Sozialismus, um auf die Arbeiter einwirken zu können."

Viele interessanten Fragen wurden bei dem Professoren-Kongreß berührt aber nicht ergründet, und zwar deshalb, weil die Ver­handlungen, in Folge einer großen Ueberladung der Tagesordnung m aller Hast und ohne akademische Ruhe abgehaltcn wurden. Zn dem Augenblick, da der Universität der Vorwurf geniacht wird, daß sie die Erziehung vernachlässige, mußte die Frage der Erziehung viel reife Ucberlegung erfordern. ES gebührt den Professoren des modernen Unterrichts das Verdienst, Die Nothwendigkeit eines bc-

-Wiesbadener Rhein- und Tannus-Klub". Morgen Sonntag, den 16. April, wird die zweite Hauptwanderunq wie folgt ausgefuhrt: Abfahrt Morgens 7 Uhr 14 Min. vom Rhcin- balwhvf nut Sonntagsbillet nach St. Goarshausen, Ankunft daselbst 9 Uhr 6 Mm. Am oberen Ende des Städtchens wird das belebte Thal des breiten Rheinstroms verlassen und in dem hoch- romantischen Schweizerthal, das der Forstbach in schönen Kaskaden durchrauscht, aufwärts gewandert, erst durch Wald, dann durch Feld, nach dem hochgelegenen Dorf Börnig, wo nach einem Marsch von IV« Stunde eine erste kürzere Frühstücksrast bis gegen 11 Uhr aem<W wird. Von Börnig führt ein aussichtsreicher Weg nach dot 300 Meter Uber dem Rhein gelegenen, ringsum von tiefen Schluchten umgebenen Dorf Dörscheid, von welchem ein kürzerer, aber steilerer Fußpfad direkt in einer halben Stunde, ein weiterer, bequemerer Fahrweg in V« Stunden nach Caub hinabführt. Das letztere alte, interessante Städtchen wird besichtigt und dann N der großartigen Burg Gutcistcls hinangestiegen, deren Besichtigung der Eigenthümcr dem Klub gütigst gestattet

Ameiüktt-AttUollUtC die Abend«Ausgabe bis 11,Uhr Vormittags, für die Morgen.Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingcreichter Amciaen <mr

<* * ** nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. ' v a w o 3en 4"r

Auzeigen-Preiör

Die einspaltige Petitzeile für lorale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. - Reklamen die Pctitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Aus Stadt and Land.

Wiesbaden, 15. April.

Geschichtskalender. 15. April. 1882: f Friedrich Franz II., Großherzog zu Mecklenburg-Schwerin, Sohn der Schwester Kaiser Wilhelms I. 1822: Einäscherung von Patras durch die Türken. 1797: * Louis Adolphe Thiers zu Marseille, franz. Staatsmann. 1770: * Th. Kolokotronis, berühmter griechischer Krieashcld (der Alte von Morea). 1764: chMarquise de Pompadour, die Maitresse Ludwigs XV. 1745: Gefecht bei Pfaffenhofen, Sieg der Oesterrcicher über Franzosen und Bayern. 1719: f Marquise v. Maintcnon, die heimliche Gemahlin Ludwigs XIV. 1695: t Christoph Arnold in Sommerfeld bei Leipzig, ein als Astronom berühmter Bauer. 1690: t Apafy I., Fürst von Siebenbürgen. 16/9: * Katharina I., Kaiserin von Rußland. 1659: f Simon Dach in Königsberg, Liederdichter,Aennchen von Tharau" (* 1605 zu Memel). 1220: f Adolf I., Erzbischof von Köln. 1205: Schlacht bei Adrianopel, Sieg der Bulgaren über Kaiser Balduin I. 1191: Heinrich VI. durch Papst Cölestin III. zum Kaiser gekrönt. 1134: Belehnung Albrechts Me Bären zu Halberstadt müder Nordmark.

Personal-Nachrichten. Se. Majestät der König der Belgier hat gestern dem Großherzog von Hessen in Darmstadt einen Besuch gemacht. Herr Oberbürgermeister Dr. v.Jbell ist M Thcilnahme an den Verhandlungen des Provinzialraths nach Cassel,gereist. Herr Kommerzienrath Jacob ans Berlin feiert heute imKaiserhof" seine silberne Hochzeit.

Wir befinden uns mitten in der vollen Periode der Kongresse. Drei derselben tagten hier kurz nacheinander in der letzten Woche: Der Kongreß derSocietes savantes, der Kongreß gegen den Alkoholismus und der Profefforen-Kongreß. Während die Thätig- keit des ersteren, trotz ihrer unbestrittenen geistigen Bedeutung, doch fürs Erste nur das Interesse der höheren intellektuellen Kreise er­weckt, verdienen die beiden letzteren durch den unmittelbaren Einfluß, den sie auf die breitesten Schichten der Bevölkerung zu üben berufen sind, die größte und allgemeinste Beachtung.

Die Zeiten , ändern sich und mit' ihnen die Menschen: Solon bestrafte die Weinverkäufer in Athen, wenn sie den Wein .richt mit Wasser vermischten. Heute wird das Gegentheil straf­würdig befunden. Lycurg führte den spartanischen Jünglingen be- krunkene Sklaven vor, um ihnen Ekel gegen geistige Getränke ein­zuflößen; heute macht der Anblick der Trunkenheit auf den durch­schnittlichen französischen Jüngling keinen abschreckenden Eindruck, vielleicht deshalb, weil es nicht Sklaven, sondern freie Bürger sind, die sich diesem erniedrigenden Zustande ergeben. Ohne an dieser Stelle erschöpfende statistische Daten liefern zu wollen, genügt A einige Ziffern anzuführen, um die Ucberzeuguna zu krastigen, daß ein Kreuzzug gegen den Gebrauch geistiger Getränke tn Frankreich seine volle Berechtigung hat. Jni nörd­lichen Departement entfällt 1 WirthshauS auf 15 erwachsene Männer, tu der unteren Seine 1 auf 22 Mann, und in Paris prospcriren 33,000 Schankwirthe, d. h. für je drei Häuser eine Wirthschaft ohne diewagons-bara mitzuzählen. Ein Franzose trinkt durch­schnittlich 22 Liter Branntwein, 25 Liter Bier, 79 Liter Wein,

s8« raiiaIe£ ^bens vorbereiten soll. Inj zweite Stärkung vorgenommen und dann in Nachen zu der auf Berück ichtigung des Grundsatzes, daß die sicherste Hygieine r- ---.------ - -* s

darin bestehe, die Gesunden vor unmittelbarer Berührung mit Un­gesunden zu schützen, beschloß der Kongreß einstimmig die Maßregel, daß der Verderbtheit überwiesene Schüler durch den Disziplinär­rath auszuschlicßen seien. Es gelangte endlich auch die Frage zur Behandlung, ob und inwiefern die Behauptung wahr sei, daß sich das Studium und die geistige Arbeit vermindert habe? Eine interessante Arbeit wurde diesbezüglich von Bernäs vorgebracht: Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Arbeit sei im Sinken begriffen; es fehlt den Schülern nicht an gutem Willen, sondern an Kraft des Denkens. Und die Ursachen? Ueberhäufung mit Studien, frühzeitiges Eintreten in den höheren Unterricht, vor Allem aber Mangel an geistiger Gymnastik, welche ebenso wie die physische ihre wichtige Bedeutung habe.

K'chrmg der Stadtverordneten

vom 14. April 1899.

o. Anwesend sind unter dem Vorsitz des Herrn Landesraths Krekel W Mitglieder des Kollegiums, Seitens des Magistrats die Herren Bürgermeister Heß, Beigeordneter Körner, Beigeordneter Mangold und die Stadträthe Bickel, v. Oidtmann und Stein, ferner Herr Obersekretär Rosalewski als Protokoll­führer.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Herr Vorsitzende des ichweren Verlustes, den die Versammlung seit der letzten Sitzung dadurch betroffen, baß ihr Alters Vorsitzender, der Ehren­bürger unserer Stadt HerrAppellationsgerichts-Viceprasident Dr. Bertram, nach kurzem Krankenlager gestorben ist. Der Vorsitzende, Herr Laudcsbankdirektor Rensch, habe in Gemein- Ichaft mit dem Herrn Oberbürgermeister einen Kranz am Grabe medergelegt. Es könne heute nicht seine AufgaK £in 110 etwa führte Herr LandeSrath Krekcl weiter aus, der Bedeutung des Verstorbenen für die Gesetzgebung Nassaus und die wissenschaftliche Erörterung des nassauischen Rechts gerecht zu werden; er brauche nur das StockbuchS- gesetz,..das nassauische Gemeindegcsetz zu nennen, um diese erkennen ;u lasten. Er erinnere ferner daran, daß er nach dem Austritt aus dem Staatsdienst, im Alter von 56 Jahren, sein reiches Wissen und seine Erfahrung ganz in den Dienst des öffentlichen Wohles gestellt habe. Seit über 30 Jahren habe er der städtischen Vertretung Wiesbadens angehört und bis zum letzten Athem- zua keiner Pflicht voll und ganz Genüge geleistet. Es sei bekannt, was er geleistet, die ganze Entwickelung und daS Aufblühen Wiesbadens sei untrennbar verbunden mit dem Namen Bertrams. Ueberall bei Neuordnungen wäre aus sein reifes Urtheil gehört worden und in dieser Richtung werde sein Andenken unvergeßlich bleiben. Die Versammlung selbst ehrt das letztere durch Erheben von den Sitzen.

Auch noch eines freudigen Ereignisses sei zu gedenken, fährt der Herr Vorsitzende fort, indem Herr Kanzleirath Flindt.dcr jetzige Alterspräsident, seinen 80. Geburtstag gefeiert habe. Das Stadt- verordnctcn-Kollegium nehme an der Gratulation Theil und Herr

igung der Eiacnlhümcr dem Klub gütigst gestattet tbätincn^Vm^^rnrn^^^^R'- Han*61- durch Gründung von wohl- cssanter und sehenswcrlhcr wie dststr" Gutenfcls,o^d?r stlbst L^,.u"^gegenscttigen Hnlfsvereinen unter den «chulern der modernen Geschützen 6 Wochen widerstanden Hal und erst 1807 Vermeidung i-dweden Zwanges die Jugend zur Erfüllung I geschleift wurde. Nach Besichtigung der Burg wird in Ä eine

(Nachdruck verboten.)

Ferne Welten.

m.

Zu den schönsten Sternbildern unseres nördlichen Himmels gehört u. A. die Kassiopeja, die wir in jeder Nacht bewundern können. Ihre vielen Sonnen ziehen zu Anfang April so um Mitternacht herum tief unten in N. durch die untere Mittagslinie. In diesem Bilde gicbt cs fünf Sternhaufen. Sie erscheinen schon in schwächeren Refraktoren als Nebel; bei Benutzung größerer Instrumente lassen sie sich in zahllose Sterne auflösen. Links von der Kassiopeja hat das Bild des Fnhrmanns mit der wie ein Diamant funkelnden Kapella seinen Stand. Man hat in diesem SSilb bis jetzt nicht weniger als acht Sternhaufen gefunden. Unter ihnen zeigt sich einer schon bei Anwendung eines Opernglases wie ein trübes Sternchen 6. Größe. Im Feldstecher löst er sich in mehrere Ltcrne auf, und in denjenigen Refraktoren, mit bereit Hülfe man Sterne to. bis 12. Größe erkennen kann, zählt man bort wehr als 500 Sonnen. Zwischen ber Kassiopeja und dem Fuhr­mann hat bas Bild des Perseus seinen Stand. Es befindet sich um 11 Uhr Abends tief unten am wcstnordwestlichen Himmel. Im Perseus kennt man drei Sternhaufen. Einer von ihnen erscheint schon einem scharfen Auge als bleiches Sternchen, das sich im Opernglas, besser im Feldstecher, am besten in einem kleineren astronomischen Fernrohr in eine Menge von Sternen auflöst.

Nur einige der 8000 Sternhaufen des Himmels haben wir genannt. Es sind eben solche, die sich schon unter Anwendung Mäßiger optischer Hülstmittel auflösen lassen. Ihre Sonnen sind

alle viel weiter von uns entfernt, als die von uns früher be­sprochenen. Ihr Abstand kann von den Sternkundigen überhaupt nicht mehr berechnet, sondern nur geschätzt werden. Betrug schon die Entfernung der Sonnen in der Krippe des Krebses mehr als 22,716 Billionen Meilen und waren die im Herkules schon viel, viel weiter von uns als jene, so ist der Abstand der heute genannten ein noch größerer. Sie befinden sich soweit draußen im Wclten- raum, baß wir keine Zahl mehr finben, burch bie eine Entfernung angedeuict unb begriffen werden könnte.

Im Weltenraiim", sagten wir. Welche grenzenlose Aus­dehnung mag dieser haben! Jene unzähligen Sonnen haben alle Platz in diesem Raum und können sich in ihm bewegen. Und wenn sieihre vorgeschrieb'ne Reise" auch gerade nichtmit Donner- gang", unter Sphärenmusik,in melodischem Gesang" zurücklegen, so wandeln, ziehen, eilen, jagen und stürmen sie doch dahin kraft der Naturgesetze. Sie haben Spielraum für sich und für die von ihnen abhängigen, ihnen zugehörigen Welten. Denn alle jene Sonnen werden ihre Planeten haben, ganz so ober wenigstens ähnlich, wie unserer Sonne Wandelsterne angchören.Im Welten­raum!" Raum fügt sich an Raum; alle Räume aber bilden einen großen unbegrenzten Raum; einen Raum ohne Anfang und ohne Ende; einen Raum, dessen Ausdehnung sich ins Unendliche er­streckt; einen Raum, der angefüllt ist mit unzähligen Welten. Da giebt'S keine Schranke des Raumes, denn was sollte jenseits, außerhalb derselben sein? Doch wieder Raum, unb zwar nicht ein solcher, der leer wäre. Denn bie Annahme eines solchen würde ben Gesetzen von der Zweckmäßigkeü in der

Einrichtung der Welt, der sogenannten Teleologie, widersprechen. Philosophische Systeme wollen wir hier nicht erörtern. Diese kommen unb gehen. Aber eine einzige Frage wollen wir noch zu beantworten suchen. Wie lange Zeit nämlich möge» jene Sonnen dort in ben Tiefen bcs Weltenraumes mit seiner schrankenlose» Ausbehnung schon sein? in einem All, wo cs nicht Ruhe gicbt? in einem All, wo es nur Leben, Bewegung unb Krafteutfaltung geben darf? Bei unserer winzigen Erbe rechnen wir nach Jahrtausenden. Wenn wir aber vom Jahr 1899 an tausend bis zweitausend Jahre zurückgehen, so ist es mit den Stammbäumen selbst der mächttgsten Könige und Der stolzesten Aristokraten zu Ende. Was aber sind tausend, zweitausend, was find sechstausend Jahre im Verhältniß zu den Millionen, Billionen, Trillionen von Jahren, die für ferne Welten in Betracht kommen? Erinnern wir uns doch nur, daß tausend Jahre tausendmal genommen 1 Million sind, daß eine Million von Millionen 1 Billion und daß eine Million von Billionen 1 Trillion ist. Nun unb nimmer können wir eine solche Zahl, einen solchen Werth fassen. Niemand aber weiß, seit wie vielen Millionen ober Billionen ober Trillionen von Jahren bie fernen Welten in ber Entwickelung begriffen finb, denn bas Sein der Himmelskörper ist ein beständiges Werden, ein Sichentwickeln.

Der Weltenraum ist, wie wir vorhin sahen, endlos. Aber auch die Zeit ist, mögen wir rückwärts in bie Vergangenheit oder vor­wärts in bie Zukunft schauen, endlos, sie geht in Aeonen auf. Nirgends Anfang, nirgends Ende. Da hat es keinen ersten Tag gegeben, da wird es keinen letzten Tag geben. Endlosigkeit des Weltenraums, Ewigkeit der Zeit. Dr. R.