WsbÄMr Tsgblatt
Äafiraana. m. #
Verlag: Langgaffe 27, .
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_______________________ ' nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Uo. 173.
Freitag, den 14. April.
Fernsprecher No. 52.
1899.
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
Aus Kunst «nd Leben
kerven-
Ergeben-
-emplare
an
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden. 11. April.
(Nachdruck verboten.)
Medizinische Klandereirn. n.
Einfluß der Hoffnung auf den menschlichen Organismus.
Von Dr. med. Heinrich Reinhard.
— ®iite sechste Schuler- und volllovorsteUnng hat die Intendantur der Kontgl. Schauspiele in dankenswerther Weise bereits für den kommenden Sonntag angesetzt, und zwar hat sie Goethes „Jphiaeme" dazu bestimmt. Die Billetvcrtheilung hat der hiesige Volksbildungsverein übernommen und dieselbe wird sich in der bisher geübten Art vollziehen. Den Verkauf der Karten für
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, Sie umflattert den fröhlichen Knaben, Den Jüngling begeistert ihr Zaubers-Hein, Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er int Grabe den müden Lauf, Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.
(»urze sachlich« »«richte lonLn bereite Üugft unter Uef«r Ueberttrtft ausgenommen, * e>°nntag, den 16 c soll die April-Versammlung bei Wiesbaden und Umgegend' ?em V-r-insm,tgl,ed Ohlenmacher in Hahn stattsinden Gemeinschaftliche Abfahrt 2 Uhr 15 Mm. von Wiesbaden, 2 Uhr 27 Min von Dotzheim. Herr Verwalter Arnst wird über Die Aus-' Winterung" sprechen. Außerdem sollen noch einige Vereins- angelegenheiten zur Verhandlung gelangen, die aber auch von solch allgemeinem Interesse sind, daß auch die Betheiligung von Nicht« verclusmitgliedern daran sehr erwünscht ist.
* Das .Pompier-Corps" (1. Zug der freiwilligen Feuer wehr) unternimmt am nächsten Sonntag seinen ersten diesjäyriael Fainilien-Ausflug, und zwar nach Erbenheim, woselbst im GaL baus „Ium Löwen" Einkehr gehalten wird. Der Abmarsch erfolgt Punkt 3 Uhr von der .Englischen Kirche" aus.
Anzelgen-Prei-r
Di-^»sp«tti,e Petitzeile für locale Anzeige«
15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg. — Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg.
für Auswärts 75 Pfg.
— Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
Krankheit höchst gefährlich sind und an und für sich schon tödtlich wirken können, jo ist Hoffnung halbes Leben und Gesundheit. Daher ist dem Kranken auch Jeder, der ihm Hoffnung macht, ein willkommener Freunds und es ist auch des Arztes wie eines jeden Menschen Pflicht, ohne wichtige und genügende Grunde dem Kranken nie die Hoffnung zur Erhaltung des Lebens und der Gesundheit niederzurcltzen und zu nehmen, sondern selbst dem hoffnungslosen Kranken jene süße Lebensspenderin nach allen Kräften zu reichen und ihn aufzurtchten. Besonders wichtig ist die Hoffnung bei sehr schmerzhaften, namentlich das Nervensystem sehr an- Sr«fenden und langwierigen Krankheiten. Sie lindert die Schmerzen, besänftigt den Nervenaufruhr, befördert die Entscheidung und hebt die ermattenden Kräfte. Der Arzt muß daher an der Hand der Hoffnung und des Vertrauens zu seinen Kranken treten und selbst den Tod in weiser Liebe durch die Hoffnung verschönen.
Nur in manchen Fallen kann eine zu lebhafte Hoffnung schädlich wirken und die Genesung aufhalten, und zwar bei Krankheiten mit entzündlichem Charakter, wo durch die Vermehrung der Lebenskräfte die Entzündlichkeit gesteigert wird, daher in solchen Fällen die größte Gemuthsruhc und Gleichgültigkeit zu erhalten ist.
So begleitet die Hoffnung wie eine gütige, segcnspendende Fee den Menschen durch sein ganzes Leben, und es gehört mit zu den schönsten Aufgaben des Arztes, seinen Patienten diese Himmclstochter ^.»halten. Ein Mmsch, der erst die Hoffnung verloren hat, ist gewissermaßen selbstjchon verloren:
•1- Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiSr «urch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post,« Ml. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
— Geschichtslralender. 14. April. 1897: Grubenunglück oitf der Zeche Oberhausen im Rheinland. 1894: f Adolph Friedrich Graf v. Schack zu Rom, bck. Dichter und Kunstsammler. 1871: Der deutsche Reichstag genehmigt fast einstimmig die Reichs- oerfasfung. 1868: t Erzbischof Vicari von Freiburg. 1865: Ermordung des Präsidenten Lincoln. 1857: * Prinzeß Heinrich von Battenberg, geb. Prinzeß Beatrix von Großbritannien, Schwester der Kaiserin Friedrich. 1849: Der Rumpflandtag in Debreczin u?jer Konuth beschließt die Unabhängigkeitserklärung Ungarns. 1843: * Prinz Albert von Sachsen-Altenburg. 1832: * Gerhard Rohlfs zu Vegesack, bek. Afrikaforscher. 1818: * Marie, Königin von Hannover, geb. Prinzeß Marie von Sachsen-Altenburg. 1816: Vertrag zu München, Bayern erhält die Rheinpfalz. 1803: » Friedr. v. Amerling zu Wien, hervorr. Portraitmaler. ‘1778: Errichtung ^?/rsten Laubstnmmcn-JnstitutS zu Leipzig durch Sam. tzemicke. k7o1: * Johann Kaufmann zu Sigmar bei Chemnitz, hervorr. Mechaniker (f 1818 zu Frankfurt a. M.). 1639: Sieg der Schweden unter Bauer bei Chemnitz. 1629: * Ehr. Hunqens >m Haaa Er- I von Porttonsfischen in norddeutschem Sinne hatten. Nach d sinder der Pendeluhr. 1535: * Wilhelm von Oranien auf Schloß thnlung des Fremdenbuches wurden aber schon viel größere Er, Dillenburg in Nassau, Begründer der nieder!. Freiheit. gefangen. Es wird die Frage aufgeworfen, ob diese Fische bezn
- Pers-nal-Aachrichte». Herr Giiterexpedient Ziebert I ÜüftJK“ « ** früher, vielleicht sck aus Frankfurt a. M. wurde am 1. April zum Güterexpeditions- Vorstehcr ernannt und ihm die Verwaltung der Güterabfertigung Wiesbaden übertragen.
I .. e Das „heftige Begehren eines Gegenstandes heißt Verlangen; ist dies gemäßigt, heißt es Sehnsucht. Ein mit Hoffnung zur endlichen
x Erreichung des Gewünschten gepaartes Verlangen ist ein an- U genehmes Gefichl; ist dies nicht der Fall, ist selbst Furcht damit - ^rbunden und keine Aussicht, so ist dies ein qualvoller Zustand des Gemuths Der Verlangen flieht es viele, unter verschiedenen
| 5“““; «5$ Ehre und Ruhm heißt Ehrgeiz und Ruhm-
ater, nach Geld Geldgier re. Die Erwartung eines zukünftigen verbunden mit einem größeren oder geringeren Gefühl von Sicherheit, daß man zum Besitz des erwünschten Gutes gelangen werde, nennt man Hoffnung. B
„ .Das mitHoffnuna verbundene Verlangen wirkt belebend auf Geist und Körper. Es ist em Sporn für die Seele zur an- ‘ gestrengten Thatigkeit, es weckt den Muth, Alifopferungen und An-
' Prcngungen nicht zu scheuen, um in den Besitz des erstrebten Gcgen- L ösih.. W gelangen; es spannt die Muskeln, mindert aber das Gefühl für andere Gegenstände, indem die Aufmerksamkeit der D-el« dem gewünschten Ziele zugekehrt ist. Die Befriedigung «atürlicher Triebe tritt in den Hintergrund. Er vermehrt die HcrzenSthatlgkelt und den Kreislauf des Blutes. Der Anblick der ■ Men Hcimath grebt dem müden Wanderer neue Kraft und neues »nd mit beflügelten Schritten eilt ber matte Fuß dem gehofften Ziele zin Die Hoffnung, die grünende, die belebende und «freuende Begleiterin des Lebens, die Hoffnung, von I rert t „Erbel sagt, daß sie nicht zu Schanden werden lasse.,„hat m ihrer rechten Art und Beschaffenheit die wohlthatigsten Folgen für Körper und Seele. Angenehme Vor- stellungen und Bilder für die Zukunft erfüllen die hoffnungerfüllte Phantasie; so wie die echte Liebe, so treibt die Hoffnung die Furcht aus und unterdmckt unangenehme, der Seele sich aufdrängende Stellungen. Emen je festeren Grund der Hoffnung der Mensch besitzt, desto beglückender, beseligender und heilbringender ist auch dieser Gemuthszustand. Dre Hoffnung richtet uns auf, wenn Trüb- sale ubn uns hereinbrechen; sie wirkt körperlich als ein gelinder FÄ auf den Gefammt-Organismus, befördert Gehirn- und Ne chatigkeit, erleichtert bie Muskelbewegungen, begünstigt die Ber- dauung und das Geschäft der Ernährung, die Aus- und Absonderung, ge stählt die Kraft und den Willen, daß oft die schwersten Leiden und Schmerzen mit der wunderbarsten Resignation und ~ heit ertragen werden.
, ..Die mit einem hohen Grade von Gewißheit verknüpfte Hoffnung heißt Zuversicht, einGemüthSzustand, der gleich segensreich für die ©eele ttie fur ben Körper ist; diesen belebt er, jene beruhigt er. Nimmt dieser Zustand eine leidende, bekümmerte Seele ein, so er- wachst daraus der Gemüthszustand, den man Trost nennt, durch welchen das frühere Seelenleiden verdrängt wird und einem schöneren Gefühle weichen muß.
_ Ein Leben ohne Hoffnung istaleich einem Schiffe ohne Anker, 68 wird umhergetrieben auf dem Weltmeere, wogt auf und ab und versinkt in den bodenlosesten Abgrund. Der Mensch, dem im H«zen keine Hoffnung mehr blüht, fällt bald in Trübsinn und schwermuth, wodurch allmählich auch die festeste Gesundheit schwinden mutz.
Von überaus wohlthätiger Wirkung ist die Hoffnung und die rhr verwandten Scelenhustande, Zuversicht und Trost, für den
Die Lebenslust ist so tief in des Menschen Brust I die Plätze im Parquet und" V. Rang^ haben "nachstchende^Buch-
an^em Seelenkrästen Handlungen bis Samstag Mittag 1 Uhr übernommen: Feller u. Gcck«
sehnlichste Genesung wünscht. Wenn zu Langgasse 49,Juranyu. Hensel, Wilhelmstraße 28 Moritz u Münzet
nlMrfiinm Lchllh so ist die Taunusstraße 2, und Staadt, Bahnhofstraße 6. Schließlich sinh
Niedergeschlagenheit, welche Nnke°sNft erfüllen/°deL1ige7er I echältfich^" Vor- und Nachmittag an der Theaterkasse
fichung»- chon vor oll schott iever xm-yc oeieijen yaven. ferner ist es merkwürdig, wie die Fische m jenen Regionen zu leben vermögen, da die Entwickelung von solchen Thieren, die den Fischen zur Nahrung dienen, mit abnehmender Temperatur des Wassers stark abzunehmen pflegt. Auf eine Zuführung von Futter, etwa durch den Wind, ist auch nicht zu rechnen, da der See dafür viel zu hoch liegt. Die Temperatur des Wassers erreicht selbst im Hochsommer nicht mehr als 7 Grad, vr Hofer in München, der Leiter der genannten Fachzeitschrift, weiß die Frage nach der Ernährung der Fische in den hochgelegenen Alpenseen, die übrigens schon Linnö mit Bezug auf die kalten Seen Lapplands beschäftigt hatte, zu beantworten. Es sind m neuerer Zeit viele Seen der Schneeregion durchforscht worden, und dabei hat sich ergeben, daß die darin lebende Thierwelt selbst m der Hohe von 2300 bis 2600 Metern noch verhältniß. mäßig reich ist. Schon ältere Forscher hatten in solch«
k t ?,c alljährlich von der „Society
of Arts für besondere Verdienste verliehen wird und im vorige» Jahre dem berühmten deutschen Physiker Bunsen zuerkannt wurde, ist zu Anfang des Monats Mai wiederum zu vergeben. Es besteht die Sitte, daß die Mitglieder ber Gesellschaft vorher auf. gefordert werben, bis zu einem bestimmten Termine die Namen von bedeutendeüMannern zu nennen, bie sie dieser Ehre für würdig erachten. | Die Bewerber um diese A uSzeichnung müffen ein „besonderes Verdienst' (diBtinguished merit) aufzuweisen haben, fei es in der Förderung der Kunst, der Wissenschaft des Gewerbes ober de« Handels. Zum ersten Male wurde bie Medaille 1864 an Sir Rowland Hill, de« Reformator des englischen Postwesens, verliehen und unter den spatere» Empfängern befanden sich: Napoleon HI., der Chemiker Michack Faraday, der um die englische Telegraphie besonder« verdiente S!t William Fothergill Coole, der Physiker Profeffor Charles Wheatston! (ber 1837 imt Cooke zusammen das erste Patent auf einen elektrische» Nabeltelegraphen erwarb unb die in ber Elektricität viel benutzte Whcatstonesche Brücke erfanb), ber berühmte Mechaniker unD ©efWauer ®tr Joseph Whltworth bann Ferdinand v. Lessep«, der Physiker Airy, Lord Armstrong, Lord Kelvin, James Prescot! Joule, Edison, Profeffor Huahe«, der Erfinder des Druckschrift Telegraphen, und zuletzt, wie bereits erwähnt, Profeffor Bunsen.
m in btt Regio« des eeuigen Schnees. Ei»
Naturfteund aus Karnthen richtet an bie „Allgemeine Fischerei, Zeitung" eine erwähnenswerthe Mittheilung: In der KreuzeL gruppe der Kärnthner Alpen liegt etwa 8000 Fuß über dem Meere in der Zone des ewigen Schnees ein kleinerer Alpensee, der Glan» fee der von Greifenburg aus für Touristen nicht schwer zu erreichen ist. Nach den Aufzeichnungen des Fremdenbuches im Schun- hause auf dem Kreuzeck finden sich verschiedene Erwähnungen ersolg- relcher, Fischzüge in dem Alpensee. Unser Gewährsmann wohnft selbst^einmal einem solchen Fischfang bei, der eine stattliche AnzaA von Saiblingen (Salmo salvelinue) zu Tage förderte, die die Größe von PorttonSsischen in norddeutschem Sinne hatten. Nach ber Mit.
Nur in manchen F< wirken und die Genesung aufhalten, und zwar llu,
entzündlichem Charakter, wo durch die Vermehrung der Lebenskräfte
I.
(Nachdruck verboten.)
Postlagernd.
Von Alphonse Bonbert. — Deutsch von Wilhelm Thal.
m väWcn Tage stieg Herr v. Barandon in seinem elegantesten Gebrock, stisch rasirt und srisirt in den Wagen und ließ sich nach der anaegebenen Adresse fahren, wo er Punkt 3 Uhr anlangte.
„Melden «ie Herrn A. de B. schlechtweg," sagte er zu dem Lakaien^der ihn um ferne Sorte bat und verdutzt fortging, um einige Minuten spater zurückzukommen und ihm zu sagen, die .Frau Baronin bitte den Herrn, einen Augenblick auf sic zu wattm.'
Damit ließ er chn in em entzückendes, mit blauer Seide aus- geschlagencs, nut einer Reche reizender Nippsachen ausqestattetes Boudoir treten, tn dem man sofort das Parfüm verspürte, das bei Gelegenheit ber beiden Briefe bie Nase des Grafen so angenehm gekitzelt hatte., „Wieder dies Parfum!" murmelte er. .Woher, zum Temel, kenne ich das denn nur?"
3" diesem Augenblick öffnete sich bie Thür und eine junge, mit verführerischer Einfachheit gekleidete Frau erschien vor den erstaunten Blicken des Herrn v. Barandon, ber fast sogleich ausrief:
„Sie? . . . Julie:"
Die Baronin machte eine Bewegung würbe ganz roth unb murmelte, indem sie näher trat, um bleGestchtsziige ihres Besuchers
Er öffnete eine Schublade, nahm eine Photographie, steckte sie in ein Couvert, unb um nicht an Lakonismus zurückzubleiben, fügte » das folgenbe kurze Billet bei: „Bitte Antwort unter derselben Adresse." Dann klingelte et und ließ seinen Brief auf die Post bongen. „Morgen werde ich eine Antwort haben," oachte er.
„ . n.
_ der That ließ ber Graf seinen Wagen vor dem Postbütean Nr. ,54 halten, wo er die erwartete, ebenso lakonische Antwort fand, bie ihn aber vollauf befriedigte.
»Bild nicht übel, möchte den Charakter kennen lernen. Werde von 3 bis 5 Uhr zu Hause fein. Boulevard Saint Germain 12. Baronin I. de C."
„Sieh', sich'" sagte ber Graf v. Barandon, sich die Hände reibend, „das geht ;a schneller, als ich hoffte, und ich glaube, wir werden bald das Aufgebot veröffentlichen. Zwei geschiedene ieute, das ist drollig! davon wird man im Klub sprechen I"
Doch plötzlich verdüsterte sich fein Gesicht. „Wenn bie Sache nur feinen Haken hat — na, wir werben ja sehenI" .. Jpann roch er noch einmal an bem Briefe unb murmelte, sich bie Nase reibend: Wo, zum Teufel, habe ich denn dies Parfüm schon eingeathmet?°
Der Gras Alcide de Barandon, ber sich wegen gegenseitiger Abneigung von ferner Gattin, ber Gräfin, hatte scheiden lassen, hatte es sich eines Tages nach sechsmonatlicher Wittwerschast in den Kopf gesetzt, sich wieder zu verheirathen; er war des Alleinseins müde vor Allem aber, weil er das Unvorhergesehene liebte, so ließ er auf bet vierten Sette des „Figaro" folgende Annonce einrücken:
„Herr geschieden, guter Adel, vermögend, wünscht sich mit Wittwe oder, geschiedener Dame zu verheirathen. Adressen unter A. de B„ postlagernd, Postamt 54."
„ Zwei Tage später brachte ihm sein Dienet, den er nach dem Vostamt o4 gefchickt, etwa fünfzig Briefe, die unter der oben angegebenen Adresie emgelaufen waren.
.Gut," sagte der Gras, „ich habe bie Wahl!"
Dann zündete er sich eine Cigarre an, fetzte sich bequem in einen sesfel unb begann bie Lektüre biefer umfangreichen Post, beim sechsten Brief, ben er ins Zimmer warf, rief er: „Witwen, Wittwen unb nichts als Wittwenl Unb noch dazu von 30 bis ^5J.'5Ia lren Vie im Leben! Ich öffne noch diesen, bas ist Alles. Ich habe genug!"
Kaum hatte er das schreiben durchflogen, beffen Siegel er eben erbrochen — zierliches wassergrünes Papier mit einem Wappen unb oerid)[ungenem I und C, das ein köstliches durchdringendes un- befimrbares Parfum ausstromte, als er einen Seufzer der Befriedigung aussticg. Dann las er noch einmal:
... 23^a?rt<nalt'. hübsches Vermögen, würde mich
vielleicht für Herrn A. de B. eignen, wenigstens nach Alter und Erscheinung. Senden Sie aufnchttge nickst geschmeichelte Photographie postlagernd, Postamt 32. I. C. Diskretion."
. .»™,Z iogte er, „das ist doch etwas kurz, aber wenigsten« ongmell!
.Merkwürdig,' fuhr er bann fort, an dem Papier riechend, „ich glaube dieses Parfum zu kennen! '
Endlich rief er nach einigen Stunden der Ueberlegung: „Aber bte «ache ift ja sehr einfach. Aufrichtige, nicht geschmeichelte Photographie schicken! Aber sofort, meine Berehittstc?
naher zu betrachten: „Aber ich täusche mich nicht ... Sie sind'S Alcide . . . Verzeihung, Herr v. Barandon?"
,Jch selbst, Madame . . . Was bedeutet dieser Scherz, wenn ich bitten darf?"
„Das ift durchaus kein Scherz, ... ich habe die Annonce ge- die Sie veröffentlicht haben . . . ich habe mich in meiner Wlttwenschast gelangweilt und die Gelegenheit, mich wieder zu ver- heirathen, erschien mir gut. . . . Ihnen, wie es scheint, auch?"
„Sie haben doch aber meine Photographie erhalten?" , , »Ist", versetzte bie junge Frau lächelnd, „aber früher ... Bor sechs Monaten trugen Sie Ihren Vollbart, während jetzt ... Sie sehen nut Ihrem rastrten Gesicht ganz verändert ans."
„Und Sie haben mich nicht wiedererkannt?"
„Wahrhaftig, nein!"
Es trat eine Pause ein; Herr v. Barandon brach dieselbe, indem er fragte: „Und Sie finden mich jetzt netter, besser, Madame?'
, „Mein Gott, warum sollte ich es nicht gestehen? Ja, Sie erscheinen mir jetzt sehr jugendlich, mein Herr!"
„Unb Sic, Julie", fuhr ber Graf, näher tretenb, fort, „Sic habe ich noch nie so hübsch gesehen!" '
„Bah", sagte sie lächelnd, „Sie machen mir galante Komplimente?"
„Glauben Sie mir. ich spreche aufrichtig. Sagen Sie mir, sind wir nicht beide etwas voreilig gewesen?"
, Eine plötzliche Röthc stieg in den Wangen der jungen Fra» auf, bte mit halblauter Stimme, bie Augen zu Boden schlagenb, erwidert: „Ich habe auch schon daran gedacht!"
Herr v. Barandon legte seinen Arm um bie Taille'Derjenigen, bte seine Frau gewesen war, unb murmelte:
»Wie wcir's, wenn wir ben Herrn Maire noch einmal aufsuchten, Julie?
Dabei brückte er ihr einen Kuß auf bie Lippen, der ihm sofort zurückgegeben wurde.
„Unb diesmal für immer, nicht wahr?" fragte er lachend.
„Ach, ja!"
IV.
So wurde ber Roman, ber burch sechsmonatliche Trennung aufgehoben worben, wieber angeknüpft, unb ein Jahr später konnte ber Graf seinen Freunden die Mitthellung machen, baß feine (Mattia ihn mit einem reizcnben Knaben beschenkt habe, ber in ber Tauft ben Namen Alcide-Jules be Barandon erhielt.
