fcbaihwr Sagblatt
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Aus Stadt nnd Land.
Wiesbaden, 11. April.
«7. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch dir Post 1 Ml. «ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Morgen«Ausgabe
— Geschichtskalender. 11. April. 1896: j- CarilaoS TrikupiS zu Cannes, griechischer Staatsmann. 182a: * Feld. Lassalle zu Breslau, sozialist. Agitator (f 1864). 1824: * Johanna, Fürstin Bismarck, geb. v. Puttkamer ' “
* Rudolf v. Kummer zu Szelejewo in
f 1894 in Varzin). 1816:
... Losen, hervorragender Heer
führer im deutsch-französischen Krieg. 1814: Napoleon I. entsagt der Krone in Fontainebleau, erhält die Insel Elba als Fürsten-
Jwischen dem neuen und dem alten Nom siegt das päpstliche, aber es tritt viel schwächer in die Erscheinung, als wir rin Allgemeinen annehmen, nnd mit Erstaunen merkt man, wie wenig religiös ein großer Theil der Römer ist und welche Gleichgültigkeit sie dem Befinden des schwerkranken Papstes entgegenbringen. Ostern in Spanien beispielsweise oder auch in den katholischen Gebieten bei uns, in jedem, selbst dem ärmsten Häuschen verspürt man die Weihe des Festes, und die Seelen sind erfüllt von seiner Bedeutung, hier aber verwandelt sich in nichts das Wesen der Stadt, die Läden sind ineist offen und der rastlose Lärm des Tages ruhet nicht, selbst die Gotteshäuser sind nicht stark besucht. . . 1 Und doch bietet, gerade an solchem Tage, die Kirche hier so viel
Anzelgen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeilr für totale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Neclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
dem gläubigen Gemüth. Ostermcsse in St. Peter: vor dem Aller- Sften die hohe Geistlichkeit in den goldstarrenden Geern, Weihrauchwölkchen wirbeln auf und die Sonnenstrahlen flimmern durch den wunderbaren Raum, wie er für religiöse Zwecke noch nie erhabener geschaffen wurde. Ueberall in schonhcitsreicher Vereinigung Gold und Farben und Marmot und Kerzenschein, mit der lächelnden Frühtingssonne vermählt, und nun hebt zur Orgel der Gesang an, der Gesang einer alten Messe, von unendlicher Innigkeit ist er durchdrungen, Barmherzigkeit und Tröstung bringt er zum Ausdruck, der feierliche Mystizismus der katholischen Kirche übt immer stärker seine die Gläubigen mit tiefem Glück beseligende Wirkung aus, und auch das kühlere protestantische Gemüth kann sich nicht dieseni^Zauber entziehen, und immer höher nnd klangvoller ertönen die Stimmen und immer gewaltiger erbraust die Orgel, die Verzagtesten werden mit neuem ' Hoffen erfüllt und von den Sündigsten weicht der lastende Druck, demüthiq beugen sich die Kniee der. Frommen, und man versteht ihre völlige Inbrunst und innige Hingebung an die Macht ihres Gebetes ! ,
Merkt man in dem heutigen Rom nur wenig von den Bewohnern des Vatikans, so auch nicht viel mehr von denen des Ouirinals. Die Königin fährt gelegentlich spazieren in einem offenen Landauer, der König wie der Thronfolger halten sich von dem öffentlichen Leben meist sehr zurück, von einem tieferen Einfluß des Königthums, wie bei uns, von einem gewissen wärmeren Zusammenhang zwischen der königlichen Familie und dem Volk ist kaum viel zu spüren. Als benierkenswerthes Ercigniß wurde es hier betrachtet, daß der König mit seinen nächsten Angehörigen vorgestern der festlichen Eröffnung des Internationalen Preßkongresses im Vrnnk- saale des Kapitols beiwohnte. Das ganze Auftreten des Königs, der, wie der Kronprinz, im schwarzen Gehrock erschienen war, ist schlicht und freundlich, man merkt ihm an, daß ihm großes Gepränge unangenehm ist, aber das, was er im Privatgespräch sagt, ist von aufrichtiger Liebenswürdigkeit durchweht. Die Königin repräsentirt schon anders; noch immer ist sie eine schöne Frau mit ihrer prächtigen Figur, dem vollen roth- blonden Haar, dem stolz und doch lieblich geformten Kopfe auf dem klassisch schönen Hals. Während der König mit uns deutschen Kongreßmitgliedern französisch sprach und wiederholt nachdrücklich betonte, wie herzlich und tief seine Sympathieen für Deutschland wären, plauderte die Königin im geläufigsten Deutsch mit einem solchen Charme, daß Jeder das Gefiihl hatte, besonders von ihr ausgezeichnet worden zu sein. Wegen der um den verstorbenen österreichischen ErzheMg angesetzten Hoftrauer (leider fällt deshalb auch für uns das Fest in den königlrchen Gärten aus) hatte die Königin ein schwarzes, mit reichem Schmelz und Spitzen verziertes Sammetkleid angelegt, eine von herrlichen Perlen zusammengesetzte Halskette bildete den einzigen Schmuck, ein zierliches Tocque-Hutchen thronte auf der Fülle des wundervollen Haares.
Die Behörden sowohl, wie unsere Kollegen und die Künstler haben sich zu überbieten gesucht in einer wahrhaft erdrückenden Gastfreundschaft. Erzielen derartige Kongresse auch meist nicht viel praktische Erfolge, so besteht ihr eigentlicher Werth darin, die Angehörigen der verschiedenen Nationen in persönliche Fühlung zu bringen, und in welchem Beruf wäre dies werthvoller und ersprießlicher, als im journalistischen. Und so steht zu hoffen, daß das Echo der zahllosen „Evviva Germania!" lind „Evviva Italia 1" die jetzt allnächtlich in den Osterien erschallen nahe der Fontana Trevi, in denen sich das Künstler- und Schriftsteller-Völkchen gern versammelte „zu löblichem Thun", nachhallende Wirkung haben wird!
(Nachdruck verboten.)
Unterwegs.
Steifebriefe von Paul Lindenberg. Römische Frühlingstage.
Uom, 7. April.
Goldig-leuchtende Frühlingssonne hüllte während der festlichen Ostcrzeit die ewige Stadt am Tiber ein und ließ ihre Gegensätze auf das Eindrucksvollste heroortreten: hier die säulenraaenden Reste der Tempel und Palaste aus einer verschwundenen Welt, deren Widerschein uns immer von Neuem erfüllt und erhebt, dort die moderne Stadt mit ihrem schönheitsvollen Glanz, der soviel Fröhliches und Berückeiides hat. Beides war in dem lächelnden Friih- lingSschcin vereint zu einem so herrlichen, so erhabenen Bild, daß wir beglückt den köstlichen Zauber empfinden, den Rom vielleicht noch mehr wie sonst gerade jetzt im hallenden Echo der klingenden Osterglocken auszuüben versteht.
Dieser seltsame und ergreifende Zauber, mit dem feine andere Stadt des Erdballs fo stark und unvermittelt auf uns wirkt wie Rom, geht aus der innigen Verschmelzung der beiden Gegensätze hervor —es ist nicht nur der Ort der unvergänglichen Erinnerungen iinb großen Tobten, in dem wir weilen, o nein, seit der politischen Wiedergeburt Italiens kommt hier auch die volle, blühende Gegenwart zu ihrem Recht mit der wechselvollen Reihe ihrer anziehenden Bilder: haben wir in stiller Begeisterung auf dem Forum und Palatin geweilt, sind wir wie von einem feierlichen Traum umfangen durch die vatikanischen Sammlungen gewandelt, so lenken wir auch gern unsere Schritte zu jenen Plätzen, an denen uns heiter rauschendes, modernes Leben umfluthet.
Und wo fänden wir dies mehr und anregender als in den Abendstunden auf dem Monte Pincio! Weiße Statuen und zierliche Marmorhallen leuchten aus dichtem, dunklen Grün hervor, hohe Palmen recken stolz ihre breiten Blätter aus, Mandel- und Pfirsichbäume sind überschüttet mit rotheiu Blüthensegen, süß duftet der weiße Flieder, und über schwere Kamelienbüsche, in denen die purpurnen Blumen glühen, ragen ernste Pinien und 6npreffen hinweg, das fatte Rauschen der Springbrunnen vermischt sich mit den jauchzenden Rufen spielender Kinder und den frohen Klängen einer Militärkapelle, und Wagen auf Wagen rollt heran in langer, langer Reihe, viele mit prachtvollen Pferden bespannte Gefährte darunter und mit Insassinnen--o, noch heute darf Rom den alten Ruhm
beanspruchen, die schönsten und luxuriösesten Frauen zu besitzen! Nun aber zur Terrasse dort, denn der Sonnenball will zur Rüste gehen: schon scheint er die weiten Gefilde der Campagna mit seinem feurigen Kuß zu streifen, das ist seine Abschiedsstunde von Rom, nnd als ob er die erhabene Stadt entschädigen wollte für sein Verschwinden, umhüllt er sie noch einmal mit seinem strahlendsten Flammenmantel, und jtc, die stolze Schöne, läßt sich dies willig gefallen und erröthet immer stärker und immer tiefer bis zur höchsten Kuppelspitze von St. Peter, und der Abendwind raschelt gehelmnißvoll in den Palmen und die Fontänen raunen uns alte, verschwiegene Geschichten zu, und wer an solchem Abend inmitten des knospenden Frühlings und in solcher geweihten Stimmung auf das feurige Rom herabgesehen, dessen Leben ist wahrlich nicht arm
thum. 1809: Siegreiche Gefechte der Tiroler gegen die Bayern am Berge Jsel (11. bis 13. April). 1809: Seeschlacht zwischen Engländern und Franzosen bei Ile d'Aix. 1806: * * Ant. Graf v. Auersperg (Anatb. Grün) zu Laibach, hervorragender deut ich et Dichter. 1713: Friede zu Utrecht zwischen Frankreich und den Westmächten, Ende des spanischen Erlffolgekrieges. 1512: Schlacht bet Ravenna. 1378: f Konrad v. Megenberg zu Regensburg, der fiuchtbarste deutsche Schriftsteller des 14. Jahrhunderts.
— Das Spangenbergsche Konservatorium für Musik (Wilhelrnstraße 12 und Taunusstraße 31) beginnt das Sommer« trimefter Dienstag, den 11. April. An genanntem Tage werde« neue Kurse in sämmtlichen Fächern eröffnet. Das Lehrerpersonaf besteht aus 20 Lehrkräften, welche sowohl als Künstler auf ihrem Instrument wie auch als Pädagogen einen wohlverdienten Ruf genießen. In den beiden abgelaufenen Trimestern war die Schülerzahl wiederum erheblich gestiegen. Zehn Privatprüfungen, drei öffentliche Prüfungen sowie ein Vortragsabend, ein Konzert von Schülern der Oberklasfc zum Besten der hiefigen Stadtarmem außerdem ein Konzert für die Schüler der Anstalt legten Zeugniß ab von dem Eifer, mit welchem an dem Institut gelehrt und gelernt wird. In einigen Wochen folgt der noch ausständige Prüfungsabend eines Tbeils der Oberklasse, sowie ein zweites Konzert für die Schüler des Konservatoriums. Die Eintrittsbedingungen zu dem jetzt beginnenden Sommertrimester sind diesmal ganz besonders günstige', da dasselbe bis zum 15. August dauert und somit mehr als volle vier Monate umfaßt.
— Ururs Musik-Institut (Wiesbadener Gelgenschule)^ Montzstraße 38, Direktor: Arth. Michaelis. Am Donnerstag, den 13. April, eröffnet das Institut neue Kurse für Violine, Klavier, Gesang, Cello, Theorie, Kammermusik, Orchesterspiel re. re. Mit Beginn des Sommertrimesters tritt Fräulein Lina Schlichter, Schülerin des Herrn Profeffor Brömme, für den Unterricht im Solo-Gesang dem Lehrpersonal der Anstalt bei. Ferner wirb von Ostern dieses Jahres ab eine Seminarklasse für den Elementarunterricht im Klavier-, Violin- und Cello-Spiel errichtet. Den Unterricht in der Seminar-Klasse ertheilen unter Anleitung und Aufsicht des Direktors vorgeschrittene Schüler und Schülerinnen der Künstler-Klasse, die sich im Unterrichten ausbilden wollen. An den Kammermusik- uiid Orchester-Uebungen können auch nicht dem Institut angehörige Schüler als Hospitanten theilnehmen.
— Uolksbildfmgs - Ncrcin. Die diesjährige General Versammlung findet nächsten Freitag, Abends 81/» Uhr, im „Nonnenhof" (Damensaal) statt. In derselben wird über die verschiedenen Zweige der Vereinsthätigkeit im abgelaufenen Jahr Bericht erstattet. Da auch Gäste Zutritt haben und gern gesehen sind, so bietet sich die Gelegenheit bezüglich der Einrichtungen deS Vereins, der nur dem allgemeinen Wohl dienen will, Wünsche zu äußer« und Vorschläge' zu machen. Volksbibliotheken, Lesehalle, VolkS- tiortefungen, die Volksvorstellungen im Kgl. Theater und der Verkauf der Billette dazu sind Einrichtungen, die die weitesten Kreist der Stadt berühren. Ebenso willkommen sind natürlich alle Freunde der Volksbildung, und besonders solche Männer, die Lust urch Neigung haben, im Ausschuß ober in den Kommissionen mitzuwirke».
HK. Fortbildungsschule für Mädchen. Am 12. April beginnt das neue Unterrichtsjahr der Fortbildungsschule für Mädchen des -VolksbildnngS-Verein" zu Wiesbaden. Der Unterricht, der m der Schule Schuloerg 12 stattfindet, umfaßt kaufmännisches Rechnen, einfache Buchführung und Korrespondenz, deutsche GesckästSaufsätzL ferner Englisch, Stenographie (System Stolze-Schrey) und Maschinei» schreiben. Es liegt sowohl im Interesse der Prinzipale wie der Mädchen, wenn tue Fortbildungsschule von letzteren möglichst fleißig besucht wird, denn den steigenden Anforderungen des Geschäfte Verkehrs an die Vorbildung der Verkäuferinnen, Buchhalterinnen rc. kann nur durch systematische Fortbildung in kaufmännische» Berufskenntnissen Rechnung getragen werden. Da die Lehrherren nach § 76 Absatz 2 verpflichtet find, die Lehrlinge (auch MädchetH in den bei dem Betriebe des Geschäfts vorkommenden kaufmännischen Arbeiten zu unterweisen und weiter die Ausbildung des Lehrlings entweder selbst oder durch einen geeigneten ausdrücklich dazu bestimmten Vertreter zu leiten, so erhellt daraus, wie nützlich es für die Lehrherren ist, wenn sie sich bei der
c* «*«*•**» «»rtltitt« für bie Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für bie Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr Nachmittags, nächsterfcheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, ledoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
— Für bie Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
Uo. 167.________
Fernsprecher No. 52. Dienstttg, dkl« 11. April.
Fernsprecher No. 52.
1899.
der Präsident des Kongresses, M. Legrain, neben ihm saßen rechts und links M. Lejeune, belgischer Senator und Staatsminister, und Fräulein Hoffmann, die Delegirte dec deiitschen Abstinenzler. Auf den Nebenfluß hatten die milden Getränke übrigens nicht den geringsten Einfluß, es ging zwar bis zuletzt bei Tische sehr ruhig und ordentlich her, aber es wurden eine Unmenge von .Trinksprüchen" gehalten und mit dem Wasserglas ebenso enthusiastisch angestoßen, wie sonst mit denen, die Rebensaft enthalten. Loubet, fremde «r wurden betoaftet, vor Allem aber .die Königin des Tages, ffer“. Am Schluß des Banketts präsentirten übrigens die Diener zwei Sorten Champagner: „Mit Alkohol, ohne Alkohol". Leider konnte nicht konstatirt werden, wie viel von dem ersteren genossen worden; so gar unbedeutend war die Quantität aber nicht.
t. Ein ausländischer Arzt über die Keliämpfnng der Schwindsucht in Deutschland. Wir leben in einer Zeit des Kampfes gegen einen gewaltigen, gemeinsamen Erbfeind, die Tuberkulose. Alle Völkerschaften verbinden sich zum Kreuzzug gegen diese drohende Macht. Der russische Czar schenkte kürzlich 1 Million zur Errichtung einer Tuberkulose - Heilanstalt, die Königin von Holland legte anläßlich ihrer Krönung einen Fonds zum gleichen Zweck nieder. Frankreich ließ einen von den berühmtesten Aerzten unterzeichneten Aufruf ergehen um allgemeine Beiträge zur Gründung von Lungen-Sanatorien, die Schweiz baut fast in jeder ihrer Städte eine Anstalt für Schwindsüchtige — Alles greift zu den Waffen und zieht zu Felde gegen den ärgsten Feind der menschlichen Gesundheit. Deutschland steht jedoch mit feinen Leistungen und Bestrebungen zur Bekämpfung dieses Weltleidens in der vordersten Reihe. Der norwegische Arzt Dr. John Mjöen aus Christiania, der sich zum Zweck eingehender Spezialstudien über die Tuberkulose nach Deutschland begeben hat, schildert in einer Reihe von Aufsätzen in „Verdens Gang" die imponirenben Eindrücke, die er mit Rücksicht auf diese Frage von der deutschen Thatkraft erhalten hat. Er giebt zunächst eine geschichtliche lieber« ficht über die Entwickelung der ersten Heilstätten für Lungenkranke und widmet besonders der berühmten Anstalt von Görbersdorf und ihrem Begründer begeisterte Anerkcunung. Sodann verbreitet er sich ausführlich über den Antheil des Staates an der Fürsorge für die Lungenkranken und über die Ergebnisse der statistischen Erhebungen und bezüglich der Schwindsuchtsverbreitung besonders in der arbeitenden Klasse des Volkes, durch die der Nachweis erbracht wurde, daß auf 2000 Krankheitsfällen unter den Arbeitern 1069 auf Rechnung jener Krankheit zu setzen
Ans Kunst nnd Keben.
* Frankfurter Stadttheater. (Spielpkan.) Opernhaus. Dienstag, den 11. April: „Rose von Pontevedra". Hierauf: „Die Regimentstochter". Mittwoch, den 12., neu einftubirt: „Das verwunschene Schloß". Donnerstag, ben 13.: „Rienzi". Freitag, den 14.: Geschlossen. Samstag, ben 15.: „Joseph in Egypten". Hierauf: „Phailtasieen im Bremer Rathskeller". Sonntag, den 16., Nachmittags 3'/- Uhr: „Das verwunschene Schloß". Abends 7 Uhr: .Der Troubadour". Montag, den 17.: Geschlossen. Dienstag, den 18.: „Evangelimann". — Schauspielhaus. Dienstag, den 11. April: „Fuhrinann Henschel'. Mittwoch, den 12.: „Schlafwagen- Kontrolleur". Donnerstag, den 13.: Zaza". Freitag, den 14.: „Mikado". Samstag, 6en 15.: „Nora . Sonntag, ben 16., Nachmittags 3'/i Uhr: „Im weißen Rößl". Abenbs 7 Uhr: „Nora". Montag, ben 17.: „Kabale und Liebe". Dienstag, ben 18.: „Nora".
* Kehr beherzigenswerth ist ein Appell Roseggers gegen bie Dichter-Denkmäler. Im ,Heimgarteu" schreibt er: „Kaum ein Monat vergeht, baß nicht von irgend einem Orte Oesterreichs oder Deutschlands ein Denkmal-Aufruf erscheint für irgend einen verstorbenen deutschen Dichter. Wenn das Kapital, das für ein Dichter-Denkmal aufgebracht worden, auf Zinsen angelegt würde und aus ihm jährlich Hunderte von Exemplaren der Werke des Dichters angeschafft und in der unbemittelten, aber lesefiohen und empfänglichen Bevölkerung richtig vertheilt werden möchte, — es wäre ungleich zweckmäßiger, es wäre ein wahrhaft lebendiges, unvergängliches Denkmal.
8. Non» pariser Anti-Alkoholkangreß. In Paris tagt feit einigen Tagen ein Anti-Alkoholkongreß und am 7. b. (üben die französischen Mitglieder desselben ihre ausländischen Gäste zu einem Bankett ein. Die Tafel sah recht hübsch aus und bot nur das Eiaenthümliche, daß die darauf befindlichen Flaschen alle den Vermerk trugen: „Ohne Alkohol". Es befanden sich derer eine große Anzahl auf dem Tisch, für den Nichttemperenzler war es jedoch meist schwer, festzustellen, was sie enthielten, und noch schwerer, Geschmack an diesen Getränken, die fast alle Fruchtsäften glichen, zu finden. Im Sommer mögen sie sich, im Laufe des Tages genossen, als erfrischend erweisen, bei Tisch sind sie entschieden nicht angenehm. Es ist dies aber nur die Ansicht eines Profanen; den Mitgliedern des Kongresses raubten sie, wieder Augenschein bewies, den Appetit durchaus nicht. Den Vorsitz bei Tisch führte
find. Gestützt auf praktische Berechnungen des daraus entstehenden Verlustes an Arbeitskraft, wuchs in Deutschland, entsprungen aus einem starken Gemeinsinn und getragen durch eine großartige Opferwilligkeit Einzelner, die große Bewegung hervor, die die Gründung zahlreicher Volksheilstätten in den verschiedene» Landestheilen zum Ziel nahm." Eine besondere Würdigung läßt Dr. Mjöen der rastlosen Thätigkeit des deutschen Central-Comitö) zur Errichtung von Heilanstalten für Tuberkulöse zu Theil roerbejr und schließt seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Die Deutschen find ein gesundes lebensfrisches Volk, das sich, sobald eS die Wunde, die an seinem kernigen Stamme zehrt, einmal erkannt hatte und sich über die Mittel zu ihrer Heilung klar geworden war, in einigem Entschluß zusammengerafft und mit Energie und Opfer« Willigkeit Alles geleistet hat und leistet, was in feiner Macht steht." Der 'norwegische Arzt empfiehlt der Regierung seines Vaterlandes und seinen Landsleuten dringend die Nachahmung des von Deutschland gegebenen Beispiels.
t. Gin Weiblicher Astronom, der wegen seiner seltenen Begeisterling und seiner erfolgreichen Thätigkeit überall die größte Hochachtung und Schätzung gewonnen hatte, ist in Miß Elizabeth Brown in London dieser Tage gestorben. Sie befand fich unter der Zahl der Gründer der British-Astronomical-Affoeiation, war zeitweise Vicepräsident dieser bedeutenden Vereinigung und Direktor bet Abtheilung für Sonneiiuntersuchungen. Ihr künstlerisches Geschick unb ihre unbebingt zuverlässige Genauigkeit, bie ihre Zeichnungen von Sonnenflecken zu einem äußerst werthvolle» wissenschaftlichen Material machten, ließen sie zur Leitung ber Sonnenbeobachtungen gerabju als berufen erscheinen. Siebe» Jahre lang hat sie diese Stellung ausgefüllt unb alljährlich einen Bericht über bie Vorgänge auf bet Sonnenoberfläche veröffentlicht, ber stets eine außerordentliche Summe persönlicher Arbeit in sich schloß. Obgleich ihr zarter Gesundheitszustand anstrengende Beobachtiiugeu während der Nacht verbot und sie schon deshalb hauptsächlich auf die Sonne al« Forschungsobjekt verwies, hat sie trotzdem auch zu ber Beobachtung des Mondes, der farbigen Fixsterne unb ber veränderlichen Sterne manchen werthvollen Beitrag geliefert. Auch ins Ausland wurde sie gelegentlich von ihrer begeisterten Hingabe an ihre Wissenschaft getrieben. Drei Mal unternahm sie lange Reisen, um eine vollständige Verfinsterung der Sonne beobachten zu dürfen. 1887 reifte sie nur mit einer Dame als Begleiterin bis nach dem inneren Rußland, um bei dem Platz Kineschma in der Nähe von Moskau der
