Wiesbadener Tagblatt
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49. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
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No. 168;
Dienstag, den 11. April
Fernsprecher No. 52.
1899.
Fernsprecher Wo. 52.
Abend-Ausgabe
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; Nordens, die Karibcu, mußten den Deutsche ■ Hiingeniatte, Kreole u. A. m.. abtreten. D
Met. Aus der Karte ist sierhäliniß zu dem Pachi-
* Rundschau im Reiche. Dem BundeS- rath rst der Entwurf einerReichSschulden- Ordnungzugegangen. — Wie die„Post" hort, werden zur Zeit an maßgebender Stelle Beratbungen gepflogen über eine den Diakonissinnen zu ner* leihende Amtstracht.
sei. Der Selbstmord Henrys konnte bei ihin nicht die Entscheidung des Kriegsgerichts abschwächen. Der General zählt sodann dis Dokumente, des geheimen Dossiers auf, welche beweisen, daß btt Vcrräther im Generalstab saß, und nur ein Artillerie- ober Genitz Offizier des Generalstabs sein konnte, der dem Ausland diese GS hnmnisse auslieferte. Zeuge erinnert, wie Dreyfus in ganz um, erwarteter Weise als Urheber des Bordereaus bezeichnet wurde, wa« darthue, daß man an eine gegen Dreyfus angezettelte Machinakiost nicht glauben könne. Er glaube durchaus nicht an die Legcnh/ eines von seinen Kameraden verfolgten Juden. Das Bordereaufl sagt der General, ist ein materieller Beweis erster Ordnung. (88
Deutsches Reich.
• S* 5«,Ud)«nf(»U auf Samoa. Dem „Berliner Tageblatt,' wird aus London gemeldet: In Apia wünschte ein deutscher Offner, bet einem amerikanischen, außerhalb der Stadt ausgestellt^ Men vorbeizupassiren. Nach seinem Paß befragt, erklärte bet Offizier, keinen solchen zu bedürfen und drängte sich vorbet, worauf der Posten dem Offizier einen Faustschlag zwischen bit Augen versetzte und hmzufugte: „Erzähle Deinen Freunden, baß Dil mit einem Amerikaner zu thun hattest." Der Offizier hat bett -Falke bisher nicht wieder verlassen. Das Blatt fügt hinzu, in hiesigen gut unterrichteten Kreisen fei von dem Vorfall nicht» bekannt.
Anstand.
* Frankreich. Der „Figaro" veröffentlicht die Aussagen bet Generale ZurLinden und Chauoine vom 14. November 1398t General Zur Linden äußert sich über die Thatsachen, auf welchen sich seine Ueberzeugung von der Schuld deS Dreyfus aufbaut. Als er in das KricgK Ministerium eintrat, kannte er die Arfaire
. Die nach Antung-wei jetzt ins Werk gesetzte Straferpedition wird dazu fuhren, vorläufig einige Plätze im Innern des Landes tm Aufruhrgeblet zu besetzen, um dieselben als Pfand für die Aufrechterhaltung der Ordnung in Händen zu haben. In dem von uns dargestellten südlichen Theil der Provinz Schantung befinden sich mehrere Milfionsniederlassungen, die in unserer Karte ebenfalls, und zwar durch Buchstaben in kleinen Rechtecken, besonders bezeichnet sind. Es bedeutet „M E“ -Methodist Episeopal lonnrö Society, „8 P G“ Society for the Propagation Raspel, „A B American Board of Commission f. Foreign MlssionS, «AP Amerikanische Presbyterianer, „E B“ Englische Baptlsten-Mlssion.
wählerisch er nimmt, wo er bekommen kann, so bei den Tamulen Kirsche und Patschuli, aus dem Prakrit, einem indischen Dialekt, das ,reindeutsche" Brille, aus dem Sanskrit den Punsch, aus dem Hebräischen den Gauner, von jänA = betrügen, übervorthcilen, ans dem Tschechischen Halunke. Dem Hebräischen dankt die Gaunersprache die metften ihrer nur der Zunft geläufigen Ausdrucke, von denen manche, wie: Pleite, Kümmelblättchen, meschugge, Krethi und Plethi, zum Allgemeingut des deutschen Volks geworden sind. Doch auch die Studenten haben manchen hebräischen Worten m ihrem Wort- und Liederschatz Heimathsberechtigung verliehen. Der Bursche, von Bursa, die Studentenkasernen mittelalterlicher Universitäten, gleichzeitig Pathen der Börse, steckt Moos - Mas Plural von meo, der Psennig in der Mischna, zu sich und verachtet die Philister, jene Rotte Korahs.
In welcher Weise sich die sprachliche Contrebande in unsere Hcmiath geichmuggelt, sehen toir am besten und deutlichsten in einer kurzen geschichtlichen Exkursion über unsere Wohnstätten.
Die Germanen des Lllterthums halten in Holzhäusern gehaust, die aus rohen Stämmen, Blöcken, kunstlos zusammengezimmert waren. Die Romer vermittelten den Naturvölkern die Bekanntschaft mit steinernen Häusern, die aber erst im Zeitalter der Karolinger allgemeinere Verbreitung fanden. „Die Holzwand verwandelte sich in einen Muras. Mit so einer Mauer umgab man die Burgen und die Klöster; — das Bindemittel, das man brauchte, um den Steinen Zusammenhang zu geben, und mit dem man die Wandflächen überzog, hieß das Mortarium; die Basis des Mörtels war der gelöschte Kalk, das Calcem. In die Wand brach man Fenestrae und Portae, das Dach deckte man mit Tegulis oder Ziegeln; Tegula kommt von tegere, decken, und gehört zu tectum, Dach, ist mithin ein Seitenstuck zu Dach selbst/ (Klempaul, „Das Fremdwort im Deutschen.")
Besaß das Blockhaus früherer Zeit nur eine Halle, deren Ecken durch Verschlage oder Borhänge aus Fellen in kleine Räume abgetherlt waren, so ermöglichten die Mauern nunmehr den Einbau von Kammern, ein griechisch-römisches Wort. Das feste Haus bevölkerten Hausthiere mancherlei Art, darunter das Pferd, das Paraveredus der altrömischen Post, der Schöps, ein böhmisches Wort. Der Hund, aus dem Indo-Germanischen, untbcUie es, bis tbn die Peitsche des Herrn (Peitsche ist slawisch) zur Ruhe wies. Die Kammern zierten bald LuxuSgeräthe, den Waldmenschen fremd und entbehrlich. Der Spiegel, das lateinische Speculum, kam an die Wand; daS frühere Holzlager mit der Felldecke - auf der Barmhaut liegen — erhielt Kissen, französisch Coussin, und ein Pfuhl, das late,msche Pulvinus. Die nackten Wände wurden getüncht, von Tunica, ober mit Bildwerken, grob und roh/ wie das Zeitalter ihrer Entstehung, versehen. Mit der besseren Wobuung
, Wie gewaltig das Fremdwort herrscht, sehen wir unter Anderem ^..cmer kurzen ungesuchten Beschreibung des Frühstücks. Wir schuirfen Kaffee (arabisch), Thee (chinesisch) oder Schokolade (mexi- kamsch, aus choko = Kakao und latl — Wasser), die durch Zucker (arabisch- versüßt sind meist aus einer Tasse (persisch). Das Wort k'-,*lfymUlc5c $cm °Är /fhl, ist griechisch, verwandt mit diskus,
Me Wurfscherbe Der Teller, in engster Beziehung mit dem 'ranzoMchrn taüloir. ba3 Hackebrett. Zu einem kompletten Friih- Itucf gehört etwas Alkohol (arabisch), tn Form von Cognac ober Lioueur, beides französisch und für den Tabakfreund (Tabak ist altindmmich) eine Cigarre (altcubanisch) ober eine Pfeife (mittels lalcintidj).
Schon aus biefer kleinen Blüthenlese geht hervor, welche Anleihen die brutsche Sprache bei ben Idiomen anderer Völker gemacht.
Es bestehen ungefähr tausend verschiedene Sprachen auf der ganze" Erde, davon 53 in Europa, und alle hat unsere Muttersprache mehr^oder weniger herangezogen, ihren Wortschatz zu mehren.
. Sogar fast ausgestorbene, nur selten von Kulturmenschen be- luchte Volker, wie z. B. die Ureinwohner des fübamerifanitoen
»•- *— "ien Worte, wie Orkan,
- - ------ ----- --------- Oer Deutsche ist nicht
Dieselbe beginn! an bet Ostsette der Bucht von Kiautschou, umgeht dieselbe rm Norden, überschreitet den Kiaoho, wendet sich nach Wei, wo das nächstgelegene Kohlengebiet angetroffen wird, fuhrt weiter westlich und entsendet eine Abzweigung nach Posshan, dem Haupt- kohlengebiet von Schantung, und geht dann weiter nach Tsinan. Bei Tsinan ist eine Ueberschreituna des Hoanho geplant, von wo aus dann in nordnordwestlicher Richtung die Bahn nach Tientsin, den, Vorhafen von Peking, geführt werden soll. Es ist bekanntlich aiißerdem geplant, den Süden der ProvinzSchantung zwischen dem Kaiser-Kanal und dem Meere durch eine Rundbahn mit mehreren Verzweigungen zu erschließen, da auch hier Kohlen- und Erzgebiete vorhanden sind, und die Bahn nach ftiautfdjou zu leiten. Auch diese Bahnprojekte sind in unserer Karte eingetragen.
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kam naturgemäß auch der Wunsch nach besserer Kost aus. Wurden früher die Fleischstücke am Rost gesotten und halb gar genoffett so begann man jetzt zu kochen (coquere) und die Speisen mit selbstgezogenen Kräutern fremder Herkunft, wie Petersilie, Eppich und andere mehr, ober mit auslänbischen Gewürzen schmackhafter zu machen, zu verfeinern. An Stelle des felbftgefertigten Vieth ober Bier trat ber Wein (vinum), den die tüchtige Hausfrau im funkelnden Pokal (ein romanisches Wort) ben Zechern darbot.
Keinem Sprachreiniger wird es einfallen, Fremdworte, wie die eben gekennzeichneten, ausmerzen zu wollen, er wird lieber sein Müthchen an solchen kühlen, denen das „Made in Germany“ zweifellos fehlt. Er wird nicht dulden, daß man Fauteuil sagt, und ahm nicht, daß der fraiizöstsche Schelm der gut deutsche Feld- ober FalÜ stuhl ist; baß das italienische Torso eins ist mit dem Dorsch (Torsk), dem die Küstenfischer Kopf und Schwanz abhacken; die Loge ihre Wortmutter in Laube, alt-hochdentsch Laubja hat, Bankier wie Bankett und Bankerott von Bank, Bivouac aus Beiwacht, Boule? vard ans Bollwerk stammt, wie das französische Calembour Nichts ist als ein verballhornter Kahlenberg, der einstige Wohnort des schalkhaften Pfarrers von Kahlenberg.
Schon aus den wenigen gegebenen Beispielen geht zur Genüge hervor, weich' Augiasstall unser schönes geliebtes Deutsch ist uno bleiben wird, selbst wenn neue Sprach-Herkulesse, wie Luther uich Lessing es gewesen, sich an die Reinigung und Verdeutschung dq angeblich 70,000 Fremdwörter ber deutschen Sprache machen würden.
Das Deutsche ist eben eine Mischsprache, die Mundart eineß über alle Theile der Erde verstreuten Volkes, das täglich in Berührung mit anderen Nationen kommt, neue Gesichtspunkte erhaltneue Menschen kennen lernt, neue Sprachen hört, neue Gäste bö herbergt, ewig lernt, gern lernt, und das Gelernte zu nützen roeitt, Wie die deutsche" Nation, so wächst und erstarkt auch die deutsch- Sprache, machtvoll, unaufhaltsam, und das frembe Blut, bat Sprache und Nation in sich aufnehmen, es wirb beutsch. Ve» geffen ist gar bald feine Herkunft. .Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.'
Das Erbtheil unserer Väter, unsere alte herrliche Sprache, wir haben sie schon dadurch erworben, daß Geistesheroen sonder Gleichest in ihr Meisterwerke schufen, die Gemeingut aller nach den Höhest strebender Kulturvölker geworden sind.
„Unsere alte Sprache gleicht einem mächtigen, von unzähligtth Nebenflüssen und Wildbächen geschwellten Strom", sagt Kleinpäu». Der Strom ist deutsch, die Nebenflüsse und Wildbäche, die W großen Strom unverkennbar verschwinden, mögen kommen, wbM |ie wollen. Im Gemisch mit dem mächtigen Gewässer des StroW werden auch ihre Zuflüsse deutsch.
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Das Fremdwort.
Plauderei von M a x B a n e r.
Die deutsche Sprache ist mehr als jede andere lebende Mundart durchsetzt von fremden Bestandtheilen, die längst aufs Engste mit ujr verschmolzen sind, bähet allen Ausmerzungsversuchen der Sprachrelniger energischen Widerstand leisten. Bei vielen, ja den ■ ™cllten dieser Eindringlinge ist der Ursprung zu wenig gekannt oder -- aoer vergeffen, und damit die Pflicht hinfällig geworden, an die von t ">ucn widerrechtlich eingenommenen Stellen rem deutsche Ausdrücke » 3“ fetzen. Wer aber von den berufenen oder sich berufen dünkenden lsprachbesierern oenuag es selbst bei ausgesprochenen Fremdworten | ohne Weiteres zu erkennen, ob er ein wirklich rein deutsches Wort » für das ausgewiesene zu geben im Stande ist?
I . . Sehr lehrreich ist in dieser Hinsicht der Verdeutschunqsversuch |. des französischen Wortes Chaussee. Wer wird ein Wort des Erb- ; Mildes brauchen, wenn er durch Straße ober Weg den gleichen i -Lcgnff wiederzugeben in der Lage ist? Nun ist aber das deutsche \ »Straße ans dem lateinischen Strata, Weg aus dem Via desselben 1 lpdwms hervorgegangcn! Die Stellvertreter sind demnach ebenso ; @‘,^nur bester vermummte Fremdlinge, wie das sie zu ersetzende
schenkte der Ueberzeugung feiner Vorgänger Glauben. Die Fälschungen Henrys beutle ruhigten ihn und er meinte zuerst, daß die'
Revifion nothwendia sei. Er erbat jedoch vofi seinen Kollegen Zeil, my die Akten zu stndiren. Durch die Prüfung der, selben gewann er b«
V in gerechter 'Seife erfolA
strafungver Schuldigen eingeleitet.
x Zum Schutze der Reichsangehörigen ist nun eine militärische Expeditionen die Aufruhrgegend ins Werk gesetzt, und zwar hat der Kretizer „Gefion"
" am 29. Marz in Tstiitau Mannschaften der dortigen Garnison an Bord genommen und ist nach dem Hafenorte Antung-wei gedampft, woselbst er die Mannschaften gelandet hat; dieselben sind dazu bestimmt, nach Jichou, sowie nach Jichao zu marschiren und die Bestrafung der Ausrührer
(Nachdruck verboten.)
Du den Unruhen in Siid-Schantung.
__H Bekanntlich kam vor Knrzem in ganz überraschender Weise aus Kiautschou die Meldung, daß eine Strafexpedition nach dem südlichen Theile der Provinz Schantung von Kiautschou aus ins Werk gesetzt fei, weil daselbst Angriffe auf Offiziere der dortigen Be- ____ satzung stattgefunden hätten. Es wurde gemeldet, daß der deutsche Cfftäkr^ £annemaun, der Dragoman Mootz und der Ingenieur nach Jtschau unweit
. dieser Stadt von der eingeborenen Bevölkerung angegriffen worden feien. Es folgte ein Kampf, in dem mehrere Chinesen ge- tobtet und verwundet wurden. Hannemann und seine Begleiter find dann säinmtlich wohlbehalten in Tsintau eingetroffen. An demselben Tage wurde, wie ein aus Tsintau eingegangenes Telegramm meldet, der Provikar Freinademetz in der Nähe von Tsimo gefangen genommen und geschlagen; das deutsche Detachement in Lizuin wurde zu seiner Be- frehma ausgesandt.
Die Befreiung des Provikars, der leichtverletzt ist, ist gelungen, Be-
ju bewirken. • ■ - • -
In unserem beistehenden Kartenbild geben wir einen Ueberblick
aber den südlichen Theil der Provinz Schantung nebst dem sich nach dem Innern zu erstreckenden Kohlenge' - ■ ~ - - ■ ™ die Lage des Hafenortes Antung-wei im Verhältniß zu demPacht- gebiet von Kiautschou deutlich zu ersehen. Ferner sind in der
' Karte diejenigen Eisenbahnlinien eingetragen, welche projektirt sind, Misst um das Kohlengebiet von Schantung zu erschließen und mit of the Kiautschou in Berblndung zu setzen. Die zunächst zu erbauende Misst r Bahnlinie ist die rm Norden über Wei nach Tsinan verlaufende. !" "
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