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Mesbaömer Tsglilck

<» Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

16,000 Abonnenten.

Uo. 161.

Freitag, den 1L April.

1899.

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No 52.

für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheinendcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. ob Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Anzcigeu-PreiSr

Die einspaltige Petiizeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfa. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Morgen -Ausgabe.

(Nachdruck verboten.)

Das Recht fitnt Leben.

Unser Pariser v-Korrespondent schreibt uns:

Der Präsident des Tribunals von Chateau-Thierry, Magneaud, hat sich im Laufe von zwei Jahren eine Popu­larität eigener Art dadurch erworben, daß er den Para­graphen des Strafgesetzes einen mit der üblichen Gerichts­praxis unvereinbaren Sinn unterschiebt. Mit Uebergehung des Wortlauts geht er auf die ursprüngliche Idee des Gesetz­gebers zurück, und in Berücksichtigung der Thatsache, daß die Moralbegriffe wie das geistige Gesammtleben der Mensch­heit in steter Entwicklung und Vervollkommnung begriffen sind, versucht er es, das einem früheren Enlwicklungsstadium ent­stammende Gesetz zu der Höhe einer fortschrittlichen Moral emporzuheben. Er befreit Diebe, die nur aus Hunger ge­stohlen, Landstreicher und Bettler wider Willen und andere Individuen, die erwiesenermaßen nicht durch individuelle Neigungen, sondern durch die unbezwingbare Macht der Verhältnisse zu Verbrechern geworden. Da nun seine Urtheile in ihrer Begründung eine scharfe Kritik der be­stehenden sozialen Ordnung und des geschriebenen Gesetzes enthalten, so ist e8 wohl selbstverständlich, daß sie nicht die Zu­stimmung Derjenigen finden können, die zum Schutze dieser Ordnung und dieses Gesetzes eingesetzt sind. Die zumeist erfolgende Kassirung dieser Urtheile durch den obersten Gerichtshof vermindert jedoch nicht die agitatorische Wirkung derselben, wenn sie, wie in dem zuletzt eingetretene» Falle, Anlaß zu einer intereffanten Kammerdiskussion fließt Der sozialistische Deputirte Sembat interpellirte den Siegel­bewahrer, unter welchen Bedingungen gegen das Urtheil des Richters Magneaud, der den 17-jährigen, der Bettelei über- fiihrten Landstreicher Chiabrando befreite, Berufung eingelegt wurde. Im Laufe der juridisch-humanitären Diskussion, die sich nun entspann, erweiterte und verallgemeinerte der Fragesteller die Bedeutung seiner Interpellation, indem er wissen wollte, ob die Beamten, welche das Gesetz im Humanitären Sinne auslegen, auf Zustimmung oder auf Tadel Seitens des Ministeriums der Gerechtigkeit zu rechnen haben. Der sozialistische Deputirte befürwortete natürlich die Zustimmung. Nachdem er in ergreifender Weise ge­schildert, wie der jugendliche Angeklagte trotz angestrengter Bestrebungen weder Arbeit noch Brod gefunden und daher zur Landstreicherei und zum Bettel gleichsam verurtheilt war, hob er als nicht wegzuleugnende Thatsachen, auf welche das Urtheil von Chateau-Thierry sich stützte, hervor, daß das Bettelasyl des betreffenden Departements über­füllt sei und der Hunger nicht warten wolle. Als charakte­ristisch sei auch zu betrachten, daß die öffentliche Meinung dieses Urtheil ebenso wie die vorhergehenden desselben Richters sehr günstig aufnahm und ihm sogar eine gewisse Popularität

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Ans Kunst und Lebe«.

* Dir dritte Trio-Aufführung von Miß Karoline Locke und den Kgl. Kammermusikern Herrn Ernst Lindner und Karl Backhaus ist für Montag, den 10. April, Abends 71/« Uhr, in Aussicht genommen. Das Programm verspricht sehr intereffant zu werden, Fräulein Else Koch wird Lieder von Schubert, Rubinstein und Brahms Vorträgen, und außer dem graziösen Klaviertrio von Saint-Saäns wird eins der schönsten Kammernmstkwerke Johannes Brahms, das Streichquintett, von den Kgl. Kammermusikern Ernst Lindner, Alois Zeidler, Philipp Kaul, Josef Weimar und Karl Backhaus aufgeführt werden. Billette find tm Vorverkauf bei Ernst Schellenberg, Große Burgstraße, zu haben.

* Philharmonie. Es möge noch einmal darauf hingewiesen werden, baß das letzte dieswinterliche Symphonie-Konzert der Philharmonie am Montag, den 10. April, zum Besten des Sanatoriums vom Rothen Kreuz stattfindcn wird, und zwar im Saal desKathol. Gescllcnverein, Dotzheimerstraße 24. Von den beiden Solisten, die ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt haben, ist ja Herr Karl Gerhardt (Bariton) hier in weiten Kreisen genugsam bekannt, dahingegen wird der Cellist Herr Hermann Sandby aus Kopenhagen hier zum ersten Mal gehört werden. Der jugendliche Künstler, ein bevorzugter Schüler von Rudolph Becker in Frankfurt a. M., ist bereits mehrfach in größeren Konzerten aufgetreten und hat, wie wir erfahren, durch seinen vollen und edlen Ton und die Klarheit feiner Technik schöne Erfolge erzielt, sodaß die Besucher des Konzerts sich einen großen Genuß versprechen dürfen. Einer der Vorträge des Herrn Sandby, das ^-moll-Konzert von Goltermann, desgleichen das von Herrn Gerhardt gesungene Lied des Bombardon ausDas goldene Kreuz" werden von dem Orchester der Philharmonie begleitet werden. Daß der eigentliche orchestrale Theil des Konzerts aus der zweiten Symphome von Haydn, sowie ferner der Ouvertüre zur Zauberharfe von Schubert und der Freischütz-Ouvertüre von Weber bestehen wird, war Bereits mitgethcilt worden. Was die Plätze anbelangt, so sei als Berichtigung der neulich hier gebrachten Notiz bemertt, daß nicht nur die Plätze L 3 und 2 Mk., sondern auch die L 1 Mk. Sitzplätze sind, nur sind die letzteren nicht numerirt. Alle Ein­trittskarten sind in den Musikalienhandlungen der Herren Ernst und Franz Schellenberg erhältlich.

* Vreßkongretz in Kom. Die feierliche Eröffnung des Pregkongresses in Nom fand am Mittwoch Vormittag im Kapitol statt. Es waren ungefähr 800 Personen versammelt. Unter den ftlängep des Königsmarsches «nd dm Ovationen der Theilnehmer

verschaffte. Wie könne man nun deni Gericht einen Vor­wurf daraus machen, daß es den Forderungen des öffent­lichen Gewissens entspreche und das Recht, zu leben, ver­künde? Vielmehr müßte man es mit Genugthuung fest­stellen, daß zur Stunde ein warmer Hauch der Menschen­liebe die französische Beamtenschaft durchwehe. Dem Redner wurde der Beifall der Linken und keine Mißbilligung Seitens der Rechten zu Theil; unter diesen Umständen konnte der Justizminister Lebret nur schwer eine Antwort finden. Er zog es daher vor, überhaupt nicht zu antworten und nur an die Worte des Redners:nicht die Beamten, sondern das Gesetz müßte man angreifen" knüpfte er das Versprechen, auf eine Umänderung des Strafgesetzes in dem Sinne einzuwirken, daß sowohl die Sicherheit der Gesell­schaft, als das Recht des Einzelnen gewahrt werde. Diese schöne Phrase rief sofort denjenigen Mann auf die Tribüne, der am besten in dieser Frage Bescheid wissen mußte: den Abgeordneten Cruppi, der einen Gesetzentwurf über Bettelei und Landstreicherei ausarbeitete. Er brachte in Kürze die Grundzüge seines Projektes vor: Die Armee der Land­streicher und Bettler, die sich auf 30,000 Mann erhebe, sei in 3Kategorieen zu scheiden: die Unverbesserlichen sie wurden von einem geistvollen dramatischen Schriftsteller unlängstPara­siten des Elends" genannt muß man bestrafen; die Kranken, Unheilbaren, müsse man beherbergen, den unwillkürlich Arbeitslosen aber müsse man beistehen. Aber wie? Julien Goujon war e3, der hier das letzte und richtigste Wort in einer geschickten Antithese fand:Man darf dem arbeitslosen Manne nicht sagen:gehe arbeiten!" man müsse ihm zurufen:komme arbeiten!" Wie lange aber wird eS noch dauern, bis durch eine entsprechende soziale Reform dieser Zuruf, ermöglicht und damit das Recht zum Leben thatsächlich eingesetzt werden wird?

sprechen und von der Handelskammer beantragt waren. Die Ver­kehrszeiten sind die folgenden: FrankfurtWiesbaden Nachm. 2 Uhr 30 Min. 3 Uhr 20 Mkn., Wiesbaden Frankfurt Nachm. 4 Uhr 55 Min. - 5 Uhr 44 Min.

Kurpfxschero Glück und Ende. Por einigen Tagen starb in Frankfurt a. M. derBandwurmdoktar Richard Mohr« mann im Armen- und SiechenhauS. Einst tear Mohrmann viel genannt, und das Geld klang in feinem Kasten. Just vor fünf­undzwanzig Jahren er hatte bald fein Jubiläum als Kur­pfuscher feiern können verfiel Mohrmamn ein gelernter Uhr­macher und Photograph, in Frankenberg in Sachsen infolge eines zufälligen Gesprächs mit einem Arzt auf die Idee, Bandwurm, kuren zu seinem Beruf zu machen. Er täuschte stch nicht, datz Geschäft blühte bald auf, und Mohrmann wurde ko reich wie er wollte. Er zog nach Berlin, gabwissenschaftliche" Schriften heraus, gründete mehrere Dutzend Filialen in ganz Europa, betrieb die Reklame im großen Stil, spendete große Summen für woht- thätige Zwecke, spielte an der Börse und gerieth mit dem Straf­gesetz wegen feiner Kuren in Konflikt. Häufige Freiheitsstrafen, vor denen er nach Amerika entwich, brachten ihn in Mitzkredit, da- Sging zurück, die Dummen wurden alle das Mohrmannsch« irmmittel wurde nicht mehr verlangt, die Kranken ließen sich die Mischung in der Apotheke für ein Zehntel der Mohrmannschen Preises anfertigen und so ging es immer mehr bergab mit dem einst so erfolgreichen Quacksalber.

Selbstmord. Kurz vor Schluß der Redaktion wird uns die Mittheilnng gemacht, daß gestern Nachmittag an der Aarstraße in der Nähe der Schießftände, etwa 70 Meter im Walde, eine weibliche, einfach schwarz gekleidete Leiche im Wer von 38 bis 40 Jahren aufgefunden worden ist. Selbstmord liegt offen­bar vor, denn die Unglückliche hatte einen Strick mehrmals um den Hals gewunden und trug an der linken Hand verschiedene Blutspuren. ___________________

Aus Stadl und Land.

Wiesbaden, 7. April.

Personal-Nachrichten. Se. Durchlaucht Fürst Reuß j. L. ist von Schleiz hier eingetroffen und imHotel Viktoria" ab- geftiegen. In seiner Begleitung befindet sich Herr Baron Saalburg. Herr Intendant Kammerherr Freiherr vonundzuGilsa ist aus Kassel hier eingetroffen und tmHotel Metropole" abgestiegen. Se. Excellenz Generalleutnant v. Roques ist aus Kassel hier angekommen und hat in der VillaFlorence" Wohnung ge­nommen. Herr Generalmajor und Brigade-Kommandeur Kuno Boyer v. Rotenheim traf aus Posen hier ein und nahm onnenbergerstraße 2 Wohnung.

- Poliklinik. Wir werden gebeten, nachträglich zu bemerken, daß Beiträge für dieAllgemeine Poliklinik", Helenenstraße 2, über deren segensreiche, armen Kranken zu Gute kommende Thätigkeit wir küruich int Anschluß an den eben zur Versendung gelangten Jahresbericht Mittheilung machten, von den Herren Dr. Roser, Taunusstraße 44, Dr. Knauer, Spiegelgasse 1, und G. H. Lugenbühl, Marktstraße 19, dankbar entgegengenommen werden.

Eisenbahnverkehr. Vom 1. Mai ab, mit dem Beginn des Sommerfahrplans, legt die Frankfurter Eisenbahn-Direktion auf der Strecke FrankfurtWiesbaden zwei neue Schnellzüge ein, die dem gesteigerten Verkehrsbedürfniß ent-

-r- Niedernhausen, 5. April. In diesen Tagen ist die Villa Waldfrieden", die so wunderschön am AuSgang desDaiSbach- thals in der Nähe der Pulvermühle liegt, durch Kauf in den Besitz eines Gastwirthes aus Wiesbaden übergegangen. Der Kaufpreis beträgt 23,000 Mk. Der neue Besitzer gedenkt gier eine Restauration, verbunden mit Wirthschaft, in größerem Umfange zu errichten. Die Konzession zum Wirthschaftsbetrieb in derselben ist von der zu­ständigen Gemeinde Königshofen bereits ertheilt worden.

r-Idstein, 5. Aprll. An der hiesigen Realschule soll demnächst noch ein zweiter Reallehrer angestellt werden, der aka­demische Bildung hat und lateinischen Unterricht ertheilen kann. Nachdem dies geschehen ist, wird die hiesige Realschule in der Sage fein, ihre Schüler für die Mittelklassen höherer Lehranstalten vor­bereiten zu können.

-r- Au» dem tzchwarzbachthale, 5. April. Es giebt wohl in ganz Nassau wenige Straßen, die sich so zum Radfahren eignen wie die Chaussee von Niedernhausen durch das Schwarzbach­thal bis Hattersheim und Frankfurt. Taufende von Radfahrern und Radfahrerinnen huldigten in den verflossenen Tagen hier dem beliebten Sport. Das ist Alles ganz schön und noch schöner, wenn die Radfahrer recht gerade auf ihrem Stahlroß fitzen. Aber nicht schön ist es, wenn die Radfahrer auch nebenbei noch unstrafbare, aber große Thierquälerei treiben, wie wir dies in den letzten Tagen sahen. Wir meinen nämlich die Radfahrer, die sich auf ihren Rennbahnen von kleinen Hunden begleiten lassen, die dann dem Stahlroß, das weder Lungen noch Beine hat und auch keinen Schweiß trieft, nicht mehr folgen können und endlich erschöpft zusammenbrechen, tote wir dies in den letzten Tagen zu beobachten Gelegenheit hatten. Solche Thierquälereten sollten doch die Rad, fahret nicht treiben! Ein eigenes Bild bot in diesen Tagen ein Radfahrer, der auf dem Rücken einen Rucksack hatte, in welchem

bettat die Königin und das Kronprinzenpaar das Podium. Der Bürgermeister Fürst RuSpoli nahm zuerst das Wort und hielt eine Ansprache auf die Presse und deren Freiheit. Präsident Singer erwiderte hierauf mit einem Hoch auf die Stadt Rom. Sodann hielt das Königspaar Cercle ab. Gegen ID/, Uhr war der Er- dffnungSatt zu Ende. Auf dem Preßkongreß ist das deutsche Element mit großer Majorität vertreten. Der Zahl nach folgen dann Italiener und die Franzosen.

Konfiskation einer Ansichtskarte. Aus St. Peters­burg trifft die Nachricht ein, daß die von Professor Paul Meyerheim entworfene Postkarte von der russischen Censur- behörde mit Beschlag belegt wurde. Meyerheim hatte in Gemein­schaft mit Menzel, Scarbina u. A. eine Meisterserie geschaffen, die bestimmt war, den deutschen Sammlern als Ostergrnß ans aller Welt zugesandt zu werden. Ihm war das russische Motiv zur Lösung zugefallen, das er in feiner humorvollen Eigenart be­handelte. Ein mächtiger russischer Bär hält in feiner rechten Pranke die russische Trikolore, in seiner linken einen Blumenstrauß, darüber thront ein doppelköpfiger Aar mit zwei Liebesbriesen im Schnabel auf einer preußischen Flagge. Aus welchen Gründen dieser harmlose Künstlerscherz da» Mißfallen der russtschen Censur hervorgerufen, ist nicht zu errathen. Die Internationale Anstcht?- karten-Gesellfchaft erleidet durch die Beschlagnahme den Verlust vieler Tausende von Karten, die in Petersburg zur Expedition bereit lagen.

* Ueber die Versuche mit drahtloser Telegraphie, von denen wir schon berichtet haben, schreibt man demN. W. T. aus London, 30. März, noch Folgendes: Seit einigen Tagen schon fanden bei Dover unter Marronis persönlicher Leitung Ver­suche mit dem Marconischen System drahtloser Telegraphie statt, und zwar zwischen den beiden Leuchtthürmen von Svtith Foreland und East Goodwin, und der Erfolg war so ausgezeichnet, daß ein Versuch, zwischen den beiden Küsten des Aermelkanals zu tcle- graphiren, beschlossen wurde. Marconi, dem mehrere Freunde Gesellschaft leisteten, machte am Dienstag um 5 Uhr Nachmittags die erste Probe. Längere Zeit hatte man darüber debattirt, welcher Punkt der französischen Küste für das Experiment zu wählen wäre. Das Kap Grisuez schien den Meisten am geeignetsten; die Ent­fernung dieses Vorgebirges von Dover beträgt etwa 24 englische Meilen, gleich etwa 38'/» Kilometern. Doch Marconi hatte solches Vertrauen zu seinen Apparaten, daß er gleich eine längere Strecke wünschte, und so wählte man das Dorf Wimereux, etwa 5 Kilo­meter nördlich von Boulogne. Zwischen dem Leuchtthurm von South Foreland und Wimereux beträgt die Luftlinie etwa 32 eng­lische Meilen, ungefähr 51'/» Kilometer. Hie Instrumente und ein Gerüst von 100 englischen Fuß Höhe wurden an die französische Küste gebracht und in einem Gebäude, das, Chalet dÄrtoiS" heißt, guf«

gestellt. Sowohl auf der englischen wie auf der französischen Seite waren die Batterieen verstärkt worden. Man leitete die Drähte in die Höhe und ließ sie an beiden Meeresufern in Spitze« ausgehen, die einander zugekehrt waren. Punkt 5 Uhr langte ba# erste telegraphische Zeichen aus Wimereux im Leuchtthnrm ootf South Foreland an. Das Tasterspiel auf dem einen Ufer wirkst auf die Magnetnadel auf dem anderen, als ob Taster und Nadx durch Leitungen verbunden wären. Interessant ist der weitere Ver­gleich zwischen den jetzigen telegraphischen und telephonischen Lei' bindungen Englands mit Frankreich und der drahtlosen Telegraph.e, Marconis Experimente rosteten mit allen Apparaten ein peu hundert Pfund; die Kabel quer über den Kanalgrund repräsentst-k Tausende von Pfund. Zahllose Male versagen sie den Mer»/ jedes heftigere Unwetter macht stundenlang da» Telegraphiren möglich, während Marconi? Apparate bei jedweder Witten -» arbeiten können und zwar mit der Raschheit des Morfe-Telegraphcn. also viel schneller, als dies bei der Kabeltelegraphie möglich ist Demnächst werden die Versuche auf die Strecke Dover-Cherbouri (gleich 96'/, Kilometern) ausgedehnt. Marconi hat Personen feinet Umgebung erklärt, er glaube, eine drahtlose Telegraphie zwischei Europa und Amerika wäre möglich, wenn die die Drahtenden tragenden Gerüste an beiden Oceanusern eine Höhe von ungefär- lOüO englischen Fuß hätten.

* Verschiedene MittheUnngen. Dem Geschäftsbericht übst das fünfte Geschäftsjahr der Renten- und Pension»- anstalt für deutsche bildende Künstler (Maler, BUH Hauer, Architetten, Kupferstecher, Radirer, Zeichenlehrer, künstlerif^. Musterzeichner rc.) zu Weimar entnehmen wir, daß die entwickelung der Anstalt ihren ruhigen Fortgang genommen Bei Abschluß des Berichtes zählte die Anstalt 377 Mitglieder m» ist das Lereinsvermögen ans 118,375 Mk. 24 Pf. angewachsen, gegen 93,071 Mk. 8< Pf. im Vorjahre. Das Direktorium m Weimar und die Ortsverbände in den verschiedenen Kunstcentren sind eifrig bemüht, das für die deutsche Künstlerfchaft so be- beutungsvolle und segensreiche Werk nach Kräften zu förbern, und können wir den deutschen Künstlern in ihrem eigensten Interesse nur dringend empfehlen, der Anstalt als Mttglied beizutteten.

Juliane Dery hat ihre letzte Arbeit an die Münchener Jugend" gesandt. Es ist eine phantastische NaturschilderuNg iro dem Titel:Der Wind liegt schlecht". Das Manuskript ist fern flüchtig geschrieben. In einer begleitenden Karte, welche den Post­stempel Berlin, 1. AprU, 45 Uhr Vormittags, trägt und welche unmittelbar vor dem Selbstmorde in den Kasten geworfen wurde, heißt es:Wollen Sie vielleicht meine letzte kleine Arheft bringen? Ich hatte gar keine Zeit mehr, sie ins Reine zu schreiben. Lass«» Sie das btiatg.cn, bitte."