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Wiesbadener Tagblatt
Verlag: Langgaffe 27.
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1899
Mittwoch, den 5, April
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Fernsprecher Wo. 52.
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe!
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seinen diesbezüglichen Arbeiten künstlers .Die Kraftprobe" ist dagegen : Zwei Männer
50 Jahren.
<5tinnerungen an das Jahr 1849. Die Kaiserkrone abgelehnt.
41* Jahrgang.
aeint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
* Verschiedene MitthrUnngen. Aus München wird berichtet: Vorigen Samstag hat Theodor Heine, der Zeichn« des „SiinplierssimnS", seine srchsmonatllche Festungshaft auf der sächsischen Festung Königstein angetreten.
In Hamburg ist Adolf Vogler, der Gründer und früh«» Mitinhaber der Firma Haascnstein u. Vogler, gestorben.
Knuten. Aber Wtelandt kann diesen Mangel überwinden, das zeigt sein sehr gutes weiches Aquarell„Schneestudie" und mehr oder weniger auch „Obstbäumchen im Schnee" und .Bei St. Anton" (Schneestudie). Der zeichnerische Theil ist überall gut gelöst, und daß der Künstler in seinen Landschaften nicht so gut ist wie in seinen figürlichen Arbeiten, beweist, daß er btt Londschaftsmalerei nur nebenbei betreibt, und diese Vernachlässigung merkt man seinen diesbezüglichen Arbeiten an. Das Oelgemälde des Künstlers .Die Kraftpr sehr gut in Zeichnung, Farbe und Technik: „ mit nackten Oberkörpern ringen im rothcn Schein des offenen Herdfeuers, während der Dritte, fein Pfeifchen rauchend, tm Halbdunkel den Beiden zusieht. Die Körper der beiden Ringer find eine schwierige anatomische Aufgabe, aber gut gelöst. Ebenso zeugt die flotte Skizze zu dem Bilde .Immergrün" von viel Können, trotzdem fit nicht in eine Kunstausstellung gehört. Aber wenn heutzutage ein Maler den Pinsel aus einem Stück Leinwand abwifcht, so muß es ausgestellt werden, und es finden sich immer Menschen, die gerade darum etwas ganz Besonderes darin finden, weil es ihnen ganz unverständlich ist. «kizzen gehören ins Atelier und — höchstens von ganz bedeutenden Meiltern einmal, z. B. nach deren Tob — in btt Ausstellung. Das große Gemälde .Die drei Lebensalter" zeigt itns drei Geistliche in einem Halbdunkeln Raum: Der Jugendliche, kaum dem Knabenalter Entwachsene schaut sehnsuchtsvoll aus dem Fenster hinaus auf die Welt, die ihm otr- schlosien ist. Der Zweite, ein Mann von mittleren Jahren, das Gebetbuch in der Haitd, blickt sinnend und rcsignirt gerade aus, während der Dritte, ein alter Mann, seine Hand wie trauernd vor die Augen hält und seinen Kopf auf sie stützt. Die Lösung brauchen wir wohl nicht zu geben. Das Bild aber ist gut gemalt, namentlich das Halbdunkel gegenüber dem eindringenden Licht am Fenster und die dadurch hervorgcbrachte Beleuchtung der Figuren. — In den Wiesbadener Kunstsälen" finden wir einige gut
Aus Kunst und Kelren.
• A«» den K«„st«usstellnngen. H. B. Wielandt hat »en .Nassauischen Kunstvrrein" mit einer Kollektion von 80 Gemälden in Oel- und Aquarelltechnik beschickt. In seinen Aquarellen: Architekuren, Landschaften, Marinen re. tc., zeigt sich Wtelandt etwas hart und unvermittelt, z. B. .Birgohafen (Spitzbergen), .Wenns im Pitzthal", „Quinta al märe“, „Gotthard- Paßhöhe" re. Es mangelt namentlich ebengenannten Arbeiten an der Empfindung und Wiedergabe von Luft um und zwischen den rmzelncn Gegenständen, wodurch die Härten vermieden werden
Die ganze Verfassungsarbeit des sich souverän glaubenden Frankfurter Parlaments wurde also vom König nur als Entwurf behandelt, und den Fürsten wurde das Recht zugesprochen, zu prüfen, ob sie etwas und was sie von der Verfassung annchmen wollten. Auf diesem Wege war aber nach den Erfahrungen der Nationalversammlung nichts zu erreichen. Und so mußte das Verfassungswerk als gescheitert betrachtet werden.
Die Deputation berieth hin und her, was nun zu thun. Endlich theilte sie der preußischen Regierung mit, daß sie die Antwort des Königs als eine ablehnende auffaßte. Gleichwohl wohnten die Herren noch mehreren ihnen zu Ehren gegebenen höfischen Festen bei. Was der König glaubte, sich gegen sie erlauben zu dürfen, geht daraus hervor, daß er bei einem Empfang lachend an den Abgeordneten Ri esse r aus Hamburg, einen jüdischen Herrn, die Worte richtete: „Nicht wahr, Herr Doktor, Sie sind doch auch überzeugt, daß ich die Verfassung nicht unbeschnitten an- nehmcn konnte."
Am 5. April verließen die Frankfurter Herren die preußtsche Hauptstadt. Sie nahmen ihren Rückweg durch Thüringen und Hessen. In dem demokratischen Hanau wurde der Kalserdeputation durch Katzenmusiken übel^niitgespielt. *
Was den König zu seiner Ablehnung bewogen hat, ist bis heute noch nicht sicher festgestellt. Man hat gesagt, es sei eine einfache Verhöhnung der Nationalversammlung, eine Art Rache für die Demüthigung des 19. März 1848 gewesen. Dieser Haß des Königs auf die Revolution kommt allerdings sehr deutlich zum Ausdruck in einem Brief an seinen Bcrtrautcn Freund Bunsen in London, dem er schon im Dezember 1848 geschrieben hatte:
.Die Krone, die ein Hohenzoller annehmen dürfte, ist keine, die eine, wenn auch mit fürstlicher Zustimmung eingesetzte, aber in die revoluttonäre Saat geschossene Versammlung macht; sondern eine, die den Stempel Gottes trägt, die den, dem sie aufgesetzt wird, nach der heiligen Oelung „von Gottes Gnaden" macht, weil und wie sie mehr denn 34 Fürsten zu Königen der Deutschen von Gottes Gnaden gemacht hat. D ie Krone, welche die Ottonen, die Hohenstaufen, die Habsburger getragen, kann natürlich ein Hohenzoller tragen; sie ehrt ihn überschwänglich mit tausendjährigem Glanze. Die aber, die Sie meinen, verunehrt überschwänglich mit ihrem Luderqeruch der Revolution von 1848, der albernsten, dümmsten, schlechtesten, wenn auch Gottlob nicht bösesten dieses Jahrhunderts. Einen solchen imaginären Reif, aus Dreck und Letten gebackem soll ein legitimer König von Gottes Gnaden und nun gar der König von Preußen sich geben lassm, bet den Segen hat, toenn auch nicht die älteste, so doch die edelste Krone, die Niemandem gestohlen worden fit, zu tragen? Soll die tausendjährige Krone deutscher Nation wieder einmal vergeben werden, so bin ich es und meinesgleichen, die sie vergeben werden. Und wehe Dem, der sich anmaßt, was ihm nicht zukommt!"
Aber trotz dieser Verachtung der vom Volk kommenden Krone war der Hauptgrund der Ablehnung doch wohl die Furcht, daß Preußen gegen den Widerspruch der .vier Könige", nämlich des bayrkschen, sächsischen, hannoverschen und württembergischen, und besonders gegen den Widerspruch Oesterreichs die Krone nicht behaupten könnte. Daß der König im Prinzip durchaus nicht abgeneigt war, deutscher Kaiser zu werden, sprach er ja selber aus. Freilich, die später zu diesem Ziel von Preußen eingeleitete diplomatische Aktion verlief gänzlich tm Sande.
Auch der Paulskirche gelang es nun nicht mehr, die Bewegung in der Hand zu behalten. Die Linke ttat jetzt zwar für die Durchführung der Reichsverfassung ein, wenn auch das letzte Ziel auf dieser Seite weiter ging, wie das der VerfaffungSpattei. Vogt erklärte, seine Partei betrachte die Reichsversassung nur als erste Sprosse auf der Leiter, die man hinaufzuklimmen habe bis zur republikanischen Spitze. Mit bloß konstitutionellen Mitteln werde nichts erreicht. Die Versammlung müsse zur Revolution greifen.
Nun, dre Paulskirche griff zwar nicht zur Revolution. Wohl aber that man das in Dresden, Rheinpreußen, Baden und in der Pfalz. Auch diesen Ausgang der Volkserhebung vor fünfzig Jahren werden wir unfern Lesern vorführen.
»ImtrtlttM» für die Abend<4luSgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur VH uächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
dichters erneutes Zeugniß ablegen. Das „Intermezzo" für Klavier ist in seiner altfränkischen Grandezza von be- besonderem Reiz unbjefor wirkungsvoll geschrieben, ohne größere techiiische Anforderungen an den Spieler zu stellen. „Zwei ernste Lieder" für eine tiefe Frauenstimme mit Klavier-Begleitung sind namentlich im harmonischen Theil sehr reich auSgestalket; der breit ausströmende Gesang, von einer echten, pastosen Altstimme übernommen, dürfte seinen erhebenden Eindruck nicht verfehlen. Beide Hefte erschienen im Verlag von A. Deneke, Berlin W. — Ein tüchtiger holländischer Biolinvirtuos istMerrikHildebrandt in Dresden. Das Programm der Ehrlichschen Musikschule daselbst bringt aus der Feder dieses Künstlers eine Abhandlung .über naturgemäßes Studium bet Kunst des Violinspiels." Die von dem Berliner Kapellmeister Deppe entdeckte, besondere Technik des Klavierspiels» welche seine Schülerin E.Cal an d bereits in einer Brochüre auf feine, geistvolle Art beleuchtet hat, wird hier von MerrikHildebrandt auch für die Violine anempfohlen und in ihren Grundzügen festgestellt. Ist immerhin beachtenswerth. — Unermüdlich im Anzeigen von neuen litterarischen Unternehmungen und Musik-Novitäten aller Art tit der Verlag von Breitkovf und Härtel in Leipzig: Franz v. Holsteins Opern: Pracht-Ausgabe von .Tristan und Isolde": Einladung auf Rod. Eitners „Quellen-Lexikon für Musik*; Sammlung altgriechischer Musik (von den verdienstvollen Prof. A. Thierfelder in Rostock herausgegebcn) und so fort. . . Sollte einer unserer Leser Oboe blasen, fo sei ihm empfohlen, „Variationen über Schuberts Haidenröslein" vonL. Sinigagliat es ist kein leeres Virtuosen-Geklingel, sondern eine gescheite Unterhaltung zwischen dem Blasinstrument und dem Pianoforte. Julius Hey bringt neue Duette für Sopran und Alt op. 15 zu mein kindlichen Texten. Das vorliegende Duett .Erster Schnee" ist mit guter Kenntniß der Stimmen geschrieben, wie es sich bei einem so roufinirten Gesangsnieister von selbst versteht. Aus dem .Führ« durch den Konzertsaal' find als einzelne Mufikbücher erschienen: Die Erläuterungen zu Dvüraks 2. und 3. Symphonie. Sollte« die Herren Männstaedt oder Liistner uns mit diesen Werken beglücken, so versäume man nicht, diese Heftchen vorher durchzustuditen; mit dem bloßen .Hören" ist's ja nun einmal bei moderne« Tom werken nicht abgethan. 0. D.
gezeichnete Portraits von Karl Flamm. .GrafAugustv.Bismarck" tm Reitkostüm fein Pferd am Zügel haltend, frisch und lebendig aufgefaßt, sicher gezeichnet und fleischig durch die pastose Technik wirkend. Flarnms Pastellportrait ^Frl. B." ist gut aufgrfaßt, schade, daß die Lippen zu ziunoberroth wirken. Hans Wislieenus verewigte den großen Kanzler Fürst Bismarck, im Park spazieren gehend, sehr lebensvoll und treu, und auch A.Erdelts Äänner- porttait ist eine gute Arbeit. Ebenso desselben Malers .Kind mit Apfel", welches gute Fleischtöne zeigt. I. Rumpelspacher führt uns in die .Torfhaide bei Sögel", welche er sehr charakteristisch in Farbe und Stimmung wiederzugeben weiß. Die röthlich-braune Torferbe ragt zu beiden Seiten des sie durchschneidenden Weges empor, oben mit blühendem Haidekraut bedeckt. Im Mittelgrund weidet eine Schafherde und über diese hinweg blickt man weit über die flache Gegend bis in die blaue Ferne. Eine trübe Luft überspannt diese «ceuerie, den melancholischen Charakter der Gegend hebend. Die Parforcejagd" von Georg Koch ift ein recht lebendiges Bild, in welchem Zeichnung und Farbe gleich gut betont find. Die Meute hat einen Keiler in das Wasser eines WaldteicheS gedrängt, umzingelt und giebt nun Standlaut. Hie und da sieht man durch das Gewirr der Buchen- und Birkenstäumie, die im herbstlich bunten Blätterschmucke prangen, schon die roth befrackten Reiter austauchen. Es ist, ein fehr.stimmungsvolles Stückchen Natur, gut beobachtet und in recht flotter Technik auf die Leinwand gebannt. E. v. Sanken malte ein Waldinterieur, von einem Bächlein durchschnitten, in sommerlichem Grün lauschig und kühl in seiner bekannten guten Beobachtung und feingetönten Farbe, und Prof. Theod. Schüz zeigt uns einen „Frühlingsabend" in seinem gleichbetitelten Oelgemälde: Lichter Frühlingswald läßt den Blick ungehindert auf die dahinterliegende hügelige, im warmen Duste des Abends liegende Landschaft dringen Der Wald mit Tannen- und Buchenbestand fängt an, sich zu belauben, und holz- sammelnde Kinder beleben ihn als Staffage. Schüz hat es recht verstanden, in dieses Bild die echte Fruhlingsstimmung zu bannen. Uns ist nur ein wenig Zuviel auf dem Bilde, und dieses drängt sich durch die ettvas harte, zeichnerische Manier zu malen erst recht auf. Nichtsdestoweniger aber eine ausgezeichnet festgehaltene Stimmung, welche Zeugniß von vielem Können und viel gesundem Gefühl für Natur und Poesie ablegt. L. G.
— Jletw MustkaUen. Bon dem 1898 zu Berlin verstorbenen Kompomsten Paul Kuezynski, dessen Chorwerk .Die Geschenke der Genien" im letzten Theaterkonzert so erfolgreich zur Aufführung kam, liegen zwei in kleinerer Form gehaltene Kompositionen vor, welche von der feingestimmten, ideal angelegten Natur des Ton-
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Die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt hatte am jß. März 1849 Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Kaiser gewählt und beschossen, eine große Deputation solle nach Berlin gehen, um dem König die Kaiserkrone an;utragen.
Dieiunddreißig Mitglieder der Paulskirche, an der Spitze ihr Präsident Simson, brachen am 30. März auf, um ihre Mission in Lenin zu erfüllen. Man ftihr gen Köln den Rhein hinunter. Jedoch der Empfang längs des Stromes war überaus kühl. Die überwiegend demokratische oder gar republikanische Bevölkerung Jener westlichen Landestheile fühlte sich sehr enttäuscht, daß das schließliche Resultat der aus der Revolution hervorgegangenen Rationalversammlung lediglich eine Deputatton war, die ausging, den König von Preußen um Annahme der Kaiserwürde zu bitten.
In Köln wurde den Deputirten aus Frankfurt eine feierliche Katzenmusik dargebracht. Freundlicher wurde die Deputation auf der weiteren Reise durch die hannoverschen, braunschweigischen und preußischen Städte aufgenommen.
Am 2. April, dem Tage der Ankunft in Berlin, hatten die Gesandten der Paulskirche allen Grund, an einen günstigen Erfolg ihrer Sendung zu glauben. Die Regierung hatte an diesem Tage in der preußischen Kammer eine Erklärung abgeben lassen, aus der hervorging, daß sie den Frankfurter Beschluß als einen großen Fortschritt anerkenne. Die preußische Regierung werde stch bemühen, bei den deutschen Fürsten eine freiwillige Zustimmung zu den Frankfurter Beschlüssen zu erzielen.
Mittags 12 Uhr, am 3. April, fand die feierliche Audienz beim Könige statt. Es erschien als kein gutes Zeichen, daß die Gesandten nicht in üofwagen abgeholt wurden. Die Stadt Berlin, die überhaupt ÄastfttuNdschaft gegen die Deputirten übte, stellte ihnen Wagen zur Auffahrt am Schlosse zur Verfügung. Die Hofdienerschaft, die immer einen feinen Instinkt für die Stimmungen ihrer Herren hat, empfing die Abordnung des deutschen Parlaments nur mit schlecht verhehlter Kälte. Als Präsident Simson während des Wartens im Vorraum ein Glas Wasser begehrte, bedauerte der Lakai, daß ein solches nicht zur Hand sei.
Der König empfing die Deputation im großen Rittersaal, unter dem Thronhimmel stehend, umgeben von den Prinzen, Ministern und Generalen. Auf die Anrede des Präsidenten Simson und Ueberreichung des Textes der Reichsverfassung antwortete der König in freier Rede:
.Die Botschaft, als deren Träger Sie zu mir gekommen sind, bat mich tief ergriffen. Sie bat meinen Blick auf den König der Könige gelenkt; solch ein Blick macht das Auge klar und das Herz
g'n dem Beschluß der deutschen Nationalversammlung erkenne ich die Stimme der Vertreter des deutschen Volkes. Dieser Ruf riebt mir ein Anrecht, dessen Werth ich zu schätzen weiß.. Ich btn bereit, durch die That zu beweisen, baß die Männer sich nicht geint haben, welche ihre Zuversicht auf meine Hingebung, auf meine Treue, auf meine Liebe zum gemeinsamen deutschen Vaterlande stütze-
Aber ich würde ihr Verttauen nicht rechtfettigen, ich würde bi Sinn des deutschen Volkes nicht entsprechen, ich würde Deutschlands Einheit nicht arffrichten, wollte ich mit Verletzung heiliger Rechte rijne das freie Einverstandniß der gekrönten Häupter, der Fürsten und her freien Städte Deutschlands eine Entschließung fassen, welche für sie und die von ihnen regierten deutschen Stamme die entschiedensten Folgen haben muß. _
An den Regierungen der einzelnen deutschen Staaten wird es daher jetzt sein, in gemeinsamer Berathung zu prüfen, ob die Verfassung dem Einzelne« wie dem Ganzen frommt."
Aus Stadl and Land.
Wiesbaden, 5. April.
d. Uach den Feiertagen bin ich immer besser gestimmt als vor den Feiertagen und ich gleiche in einem Punkte dem Schalk Till Eulenspiegel: Ich gehe lieber den Berg hinunter als den Berg hinauf. Beim Berghinanfachen freue ich mich aber nicht etwa wie Till int Voraus auf das Berghinuntergehen, bei mir liegt bei Fall doch insofern anders, als mir lediglich meiner Füße wegen, die das Bergausgehen besser vertragen als das Bergabgeben, das erstere besser zusagt. Vor den Feiertagen bin ich zu nichts nütze, denn kommende Ereignisse greifen mich immer am meisten an. Ich war schon als Kind so und bin es heute noch: Was man mir für die Folge anbietet, das möchte ich gern gleich haben, und wenn Feiertage nahe bevorstehen, so möchte ich am liebsten sofort feiern. Habe ich aber erst das erreicht, was mir vorschwebt, bann bin ich in der Regel ein ziemlich lauer Kunde, denn noch nie hat etwas meinen aroßgeschraubten Erwartungen entsprochen, und das verdrießt mich. Da entwarf ich mir zum Beispiel für bte Cftcrfeicrtage em Bild: Am ersten Feiertag nicht altsii früh die Füße aus dem Bett, bann langsam und behaglich den Morgenkaffee geschlürft und dazu ein paar Stücke frischgebackenen Kuchen geknuspert, Während die Morgensonne ihr Antlitz in der braunen Kaffcebrühe badet und „zitternde Kringlein" an die Wand malt. Dann eine Ruhepause von einigen Stunden, gewürzt von einer guten Havana, nach dem Mittagessen ein Spaziergang nach der Schießhalle, dem Kloster :c. unb endlich Abends zeitig ms Bett. Der zweite Feiertag gerade so: nur ließ ich an Stelle des Spaziergangs in die nahe Umgebung Wiesbadens einen solchen in weite Ferne einfließen. Kaffeetrinken, Cigarrenrauchen, Spazierengehen — das Alles sind sehr bescheidene Dinge, aber ich kann sie mir vorher stets vorstellen, umgeben von einer unendlichen Behaglichkeit unb einem großartigen Reiz. Das Osterfest brachte mir ganz genau, was ich gewünscht hatte, aber ohne jede Gemüthlichkeit und ohne Reiz. Das Kaffee- trtnfen und Kuchenknuspern erwies sich als eine äußerst prosaische Thätigkeit, denn zwei lungenstarke Jungens, merkwürdiger Weise auch immer am schlechtesten gelaunt, wenn ich mir's recht gemüthlich machen will, brüllten fast ununterbrochen. Der eine wollte absolut den Zucker vom Kuchen lecken unb den von jeder Schmackhafttgkeü entblößten Rest seiner Mutter in den Kaffee stülpen, der andere hatte es mit einer hartnäckig verstopften Saugflasche zu thun, unb das verdroß ihn. Die zitternden Kringlein mögen an der Wand gewesen fein — ich sah sie nicht. Die Cigarre schmeckt schlecht — ich hatte sie in einem Cigarrengeschäft erstanden, dem ich sonst keinen Pfennig zu lösen gebe, und allemal, wenn ich eine solche Unternehmung Wage, schlagt sie schief aus. Der Spaziergang nach der Schießhalle, dem Kloster 2C. ward mir zur Qual. Ich sehe nicht gern viele Gesichter beisammen, unb hier begegneten unb umdrängten mich Tausende: die Augen thaten mir weh. Und die vielen kleinen Kinder überall! Ach Gott, so lieb so'« kleines Mädchen oder Bübchen auch ist, wenn inan's mit einem allein zu thun hat, so Wenig vergnüglich dünkt mir ihr Thun und Treiben, Wenn die Anzahl in die Hunderte geht. Und die vielen Farben, man hätte farbenblind Werden können. Hier ein rothes, dort ein grünes, ein blaues, ein gelbes Fähnchen. Die sieben Farben des Regenbogens Waren bei Weitem übertroffen. Die Elektrische, vollgepackt bis auf baS letzte Plätzchen, das Drängen und Schieben an den Haltestellen und Überall, wo das verehrliche Publikum Anlaß zum Drängen und Schieben hat, es konnte einen Menschen mit feinfühlenden Nerven unglücklich machen. Auch die Bahnfahrt nach Außerhalb war Wahrlich kein Vergnügen. Tausende in die Stadt, Tausende aus der Stadt, und dazu die Wiesbadener Bahnhöfe der Jetztzeit — lieber wahrlich daheim bleiben mutterseelenallein. Kurzum, es war schönes Osterwetter, ich ah abertausend fröhliche Gesichter, unb ich freute mich nicht, ich ühlte mich nicht wohl. Heute erst fühle ich mich recht behaglich, roh darüber, daß die Feiertage vorüber sind. Man lacht mich leswegen mit Recht aus.
— Walhalla-Theater. Das Osterprogramm des Walhalla- Theaters konnte am Samstag Abend vor ausverkauftem Haus
