Sette S. 5. April 1899.
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27.
47. Jahrgang. No. 158,
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Der Geheime Regicrungsrath Jntze, Professor an der technischen Hochschule zu Aachen, hat sich auf einige Wochen in das Gebiet der pontrnischen Sümpfe begeben. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" bringen diese Reise mit den Verhandlungen m Zusammenhang, welche im November v. I. in Rom mit der j | 'jrt worden sind.
dessen witzige Ader ihm wohl bekannt war. Dieser schrieb nur an den Rand: „Weil das Rindvieh hierorts keinen Sand frißt." . . .
atmosphäre ausmachen, welche je nach Ausstrahlung des Saturnlichtes oder irgend eines anderen Lichtreflcxcs bald mehr, bald weniger an Helligkeit in sich aufuimmt?
Daß der Satururing ein fester Körper sei, das zu behaupten wird wohl Niemand einfallen; eher ist die Annahme richtig, daß er aus unendlich feinen, man könnte sagen, Atomtheilchen bestehe, die einzeln um einander sich bewegen, aber zugleich, indem sie in ihrer Masse eine Ringform bilden, den Saturnkörper umkreisen. Der Saturnkörper für sich genommen, ist nur, wie schon oben an« gedeutet wurde, ’/s so dicht wie unsere Erdkugel. Seine Stoffverbindung kann nur eine lockere sein. Beim Saturn ist durch das Spektroskop nachgewiesen worden, daß er eine Gashülle besitzt, welche die Sonnenstrahlen stark in sich aufnimmt; in dieser Gashülle soll Wasserdampf enthalte» sein. Der Saturn kreist, wie alle Planeten, um die Sonne. Von seinen neun Monden, die ihn begleiten, ist einer so hell, daß er mit einem weniger starken Fernrohr gesehen werden kann; dieser Mond heißt Titan. Welche Bestimmung die Trabanten des Saturn haben mögen, konnten die Gelehrten bis jetzt nicht herausfinden. Daß diese Trabanten auf ihren Planeten ähnlichen Einfluß üben, wie unser Mond auf den Erdplanet, ist sehr wahrscheinlich. Vielleicht gelingt es noch, in Zukunft bessere Instrumente zu erfinden, durch die es möglich wird, die kosmischen Vorgänge in so weiten Himmelsräumen genauer zu beobachten. Dem Leser sollte hier nur in kurzen Umrissen einer der interessantesten Wellkörper unseres Planetensystems vor das geistige Auge geführt werden; denn auch der Laie fühlt zuweilen den Drang, sich herauszuretten aus der Sinne Schranken, indem er die Wunder des Himmels betrachtet.
* Ein höflicher Augenblick. Ein deutscher Fürst spazirtc am Hamburger Hafen entlang und fragte bei dieser Gelegenheit einen Schauermann: „Lieber Freund, wie heißt das große Schiff da?" — Der Schauermann, der sich andere Augen als die seinigen nicht vorftellen konnte, antwortete: „Sparr doch die Oogcn oben un kik sclbs too!" — Gleich darauf trat ein anderer Herr an den Schauermann heran und fragte: „Wissen Sie auch, mit wem Sie soeben gesprochen haben?" — „Nee", versetzte Jener. — „Das war der Großherzog von Dl." — „Sooo ?" meinte der Biedere. „Junge, Junge, denn is jo man good, bat ick nt gross (grob) wor'n bin!"
* Verschiedene Mittheilungen. Die Musikkommission des Mannergesangvereins „Orpheus" in Barmen hat zu ihrem internationalen Gesangwettstreit einen größeren Balladcn-Chor, von Herrn Musikdirektor Louis Seibert komponirt, als Preischor auserwählt und den Komponisten als Preisrichter berufen.
Herr Max Gieß wein, der Tenorist der Franksiirter Oper, wurde nach erfolgreichem Gastspiel als Lyonei, Tannhäuser und VaSco de Gama vom Hoftheater in Dresden engagirt.
Aus Arnstadt in Thüringen theilt man mit: "Für das hier zu errichtende Willibald Alexis-Denkmal bewilligte der Kaiser 500 Mk.
In Coburg verstarb im 78. Lebensjahr der Medizinalrath Rückert, der Sohn Friedrich Rückerts.
Aus Berlin, 4. April, meldet die „Franks. Ztg.': Frau Sawrna mit der Gesellschaft vom Kaiser!. Alexandre- Theater zu Petersburg eröffnete heute im „Lessing-Theater" ihr Gastspiel. Es bracht« eine Enttäuschung, soweit man etwa unbändige Kraft oder eine Kunst von ganz originalem Gepräge erwartete. Die russische Kolonie bemühte sich um einigen Beifall. Das deutsche Publikum wurde nicht mitaeriffen. Vielleicht lag es an der naiven Ritterkomödie, die die Gäste zu Beginn wählten.
Man berichtet ans New-Jork, William K. Vandcrbilts Hochzeitsgeschenk an seinen Sohn anläßlich seiner bevorstehenden Vermählung mit Miß Virginia Fair wird ans Staatspapieren im Werthe von 2 Millionen Pfund Sterling bestehen. (Eine sehr anständige Gäbe. Dabei kann man bei der in New-Jork herrschenden Theucrung schon eine Weile ruhig zujehen.)
von der Schuld DreyfuS' überzeugt, sei aber keineswegs überrascht, wenn auch Esterhazy ebenfalls ein Verräther und wenn außer Esterhazy und DreyfuS noch ein Dritter schuldig wäre. Die Aussagen SeDeCeS bieten insofern Jnterefle, als derselbe erklärte, daß nach seiner Ansicht nicht nur Dreyfus durch den Buchstaben D des Schriftstücks „Gelte Canaille“ gemeint fei, sondern zweifranzösische Offiziere durch den Buchstaben D verdächtigt seien. Weiter hatte General Billot gesagt, die Schuld Dreyfus sei durch die Schriftstücke ■ zwischen Panizzardi und Schwartzkoppen fest- gestellt, da in einem dieser Briefe der Name Dreyfu« ganz geschrieben sei. General Billot habe erllärt: Zweifeln Sie Nicht an der Schuld Dreyfus', wir brauchten mehr als einen Monat, um diese Schriftstücke, welche das geheime Dossier bildeten, zusammenzustellen. Mein Nachfolger ivird Sie innerhalb zwei Stimden von der Schuld Dreyfus' überzeugen. Auch glaube ich, daß Esterhazy ebenfalls schuldig ist. Von hohem Interesse war das Verhör Rogets. Der General erklärte, in dem Dossier des Krlegsminifteriums befinde sich ein Schriftstück vom Jahre 1895 worin der Name Dreyfus genannt wird. General Roget gab weiter seiner Ueberzeugung von der Schuld Dreyftis' Ausdruck nach den Aussagen, welche Dreyfus selber gemacht habe. Wie ein Schuldiger habe auch Dreyfus sich geweigert, eine Aufllärung zu geben. — Eine neue Lesart über den Selbstmord der Schriftstellerin D erh geht^dem „BerlinerLokal-Anzeiger" aus Paris zu. Darnach wird der Selbstmord der Dery in Paris damit erklärt, daß die kürzlich im Figaro" publizirte Aussage du Paty de ClmnS Beziehungen Erwähnung that, welche eine in den 90er Jahren in Paris lebende Ausländerin Dery mit Dreyfus gehabt habe.
* China. Nach Pekinger Meldungen bereitet diechinesische Regierung em Rundschreiben an die Mächte vor, in welchem erklärt wird, China werde von nun an nicht einen Zoll semes Landes an auswärtige Mächte verpachten.
Fläche des Ringes eine dunkle Linie; man war sich aber noch nicht klar, wodurch diese Linie entstanden sei. Heute weiß man, daß diese dunkle Linie den Ning theilt, indem dadurch ein innerer und äußerer Ring entsteht. Bald bemerkte man auch, daß der innere Theil des Ringes bedeutend Heller sei als der äußere. Die beiden durch eine Art Theilung entstandenen Ringe sind nicht gleich groß und auch nicht gleich breit; der schmalere Ring ist auswendig, und in ihm befindet sich eine kaum wahrnehmbare graue Linie; vielleicht wird durch sie der äußere Ring ebenfalls wieder getheilt. Der innere Ring, der bedeutend breiter als der auswendige ist, zeigt nahe der schwarzen Trcnnungs- oder Theilungslinie Anfangs keine größere Helligkeit als der äußere Ring; allmählich aber leuchtet er Heller und Heller, bis er nach und nach wieder an Dunkelheit zuuimmt. Wie ein sich mehr und mehr verdichtender dunkelvioletter Flor, zuweilen auch wie ein grauer Nebel gestaltet sich der Ning stufenweise gegen die Saturnkugel hin. Nach neueren Beobachtungen findet keine Trennung des innern dunklen Ringstreifens von dem Hellern statt, sondern beide Theile des innern Ringes hängen zusammen. Die helleren und dunkleren Streifen sind höchst wahrscheinlich durch die verschiedenartigsten Lichtreflcxe gebildet. Aus welchem Stoffe der Ring überhaupt zusammengesetzt ist, das zu erforschen ist dem Menschen versagt. Er kann eben nur durch die besten Fernrohre die wunderbar wechselnden Erscheinungen an dem Ringe oder den Ringen des so eigenartigen Planeten wahrnehmen und auch dann nur eine Wahrscheinlichkeits- Deutung der wahrgenommenen Vorgänge zu geben sich zugetrauen. Wie es scheint, ist die Ringmaffe eine sehr verdünnte Materie. Sollte sie etwa gar nur eine Dunst
. * Usiter des „Ka,irischen Vaterland", Dr. Sigl rn München, hat kürzlich fernen 60. Geburtstag gefeiert, zugleich Wch das 30-iahrtge Bestehen seines Blattes, dem er Verleger und Redakteur in einer Person ist. Interessant ist, was man der „Franks. Ztg." aus diesem Anlaß über den urwüchsigen bayrischen Puoltziften schreibt,: ^Wer kam, ihm zu dem Tage Glück zu wünschen, fand ihn fleißig, tote immer, hinter dem Redaktionstisch an der Arbeit, vr. Sigl liebt es ja, bei Tage unverdrossen am Arbeitstisch, Abends und MS tief lndie Nachthinter der Weinflasche in anregender Gesellschaft zu sitzen. Was die Gesellschaft ihm giebt, giebt er ihr dabei reichlich wieder. Aus Anlaß des Tages haben sich die Zeitungen alle mit vr. Sigl beschäftigt und fast alle haben sie ihm freundliche Worte gesagt.. Selbst langgewohnte Feinde in der Presse, die sich mit ihm und mit denen er sich aufs Heftigste abranft, ließen die Fehde ruhen «nd zollten dem publizistifchen Genie, dem Original, ihre Anerkennung. Das muß man ihm ja lassen, daß er kein Dutzendmensch üt. und wenn dem Einen Dies, dem Andern Jenes an ihm nicht gefällt. Manchem Manches mit Recht sehr mißfällt, er ist ein Mann, der die Feder m führen versteht, der Geist und Witz und Temperament besitzt und — er ist kein böser Mensch, so borstig er sich auch zu geben vermag. Er besitzt ein warmes Herz. Selbst klerikale Blatter whmen ihm feine Wohlthätigkeit nach, von der namentlich arme Studenten viel zu erzählen wüßten. Als Politiker ist ihm das fortwahreiwe Schwanken seiner Anschauungen übel genommen Worden. Aber wer fein Blatt aufmerksam verfolgt, wird leicht den wthen Faden finden, der durch seine Stellungnahme hindurchgeht. Mancher sagt überhaupt nur er. Er weiß mehr als je ein Publizist, tote es hinter den Vorhängen der Oeffentlichkeit zu- gkgangen ist und zugeht. Aus diesen Erfahrungen heraus weiß sein Stil — je nachdem — Gift oder Honig zu entnehmen. Daß der Mann weiß, was er will, zeigt schon der Umstand, daß er den ursprünglichen kleinen Umfang seines Blattes um keinen Preis verändert. Ein Blatt muß nicht groß fern, um interessant zu bleiben! Dr. Sigl ist auch nicht geldgierig. Würde er sein Blatt im Jnseratenweg ausbeuten lassen, er würde ein großes Vermögen «werben. Aber standhaft, und man darf hinpisetzen, leichten Herzens hat er alle Vorschläge nach dieser Richtung abgelehnt. Eines muß man auch sagen: Dr. Sigl und fein Blatt repräsentiren «n Stuck bayrischer Eigenart, und in dieser Beziehung hat er eine Rolle gespielt und spielt sie noch immer. Untergekriegt hat ihn habet noch Keiner und noch kein Mißgeschick."
sein. Arn 1. April 1849 wurde an Stelle der im Jahre 1840 vor- c nehmlich zur Ablösung von Reallasten ins Leben gerufenen „Herzog- i sichen Landeskreditkasse" die „Herzogliche Landesbank" errichtet - welche mit der Einverleibung Hessen-Nassaus in den preußischen 1 Staat Königlich preußisches Staatsinstitut wurde. Nun schien der 1 Fortbestand der Landesbank gefährdet, denn die preußische Ver- i fassnng war ihr wenig günstig. Man sah sich vor die Noth- * Wendigkeit gesetzt, entweder der Bank eine andere Organisation i N> geben, oder sie zu liquidiren. Gelöst wurde diese Frage -1 burch das Gesetz vorn 25. Dezember 1869, welches die Landesbank i dem durch die Allerhöchste Verordnung vom 26. September 1867 l gebildeten kommunalständischen Verband im Regierungsbezirk । Wiesbaden als kommunalständisches Institut überwies und l demselben eine den veränderten politischen und wirthschaftlichen t Verhältnissen angepaßte auderweite Organisation gab. Ihre - Hauptaufgabe, die Ablösung von Zehnten iiiid anderen Real- berechtlgungen, des Staats, namentlich der Domäne und des Centralstudienfonds, von Privaten, Pfarreien und Korporationen hat die Landesbank im Laufe der 50 Jahre vollkommen zu Ende geführt. Die meisten den Eigenthüinern der Realgerechtigkeit ausgezahlten Ablösungskapitalien sind Ende der achtziger und anfangs J der neunziger Jahre planmäßig getilgt worden. Die belasteten I Grundstücke wurden damit freies Eigenthnm der Besitzer. Mit der am 30. Juni d. I. fälligen Tilgungszahlung für das erste Halb- zahr 1899 werden die drei letzten Domamal-Erbleih-Ablösiings- Kapitalien abgetragen. Durch den Uebergana der Landesbank an den Kommunalverband im Regierungsbezirk Wiesbaden sind ihr die Gewährung von Kredits in laufender Rechnung an landesangehörige Handel- und Gewerbetreibende und in Verbindung hiermit die eigentlich bankmäßigen Geschäfte, als Wechsel-, Diskont-, Jnkasso- und Girogeschäfte, sowie bas Depositengeschäft verloren gegangen. Auch m Bezug auf die Beschaffung der Betriebsmittel sind "wesentliche Aenderungen emgetreten.
— Leichenschau. Wir brachten neulich die Mittheilung, daß eine Umgestaltung des Leichenschau-Wesens für Wiesbaden geplant - sei, und zwar solle die Leichenbesichtigung und die Ausstellung der Todesscheine in die Hände von Fachleuten, d. h. Aerzten, gelegt werden. Heute sind wir in der Lage, die Gründe zu veröffentlichen, die im Allgemeinen für die obligatorische ärztliche Leichenschau Iprechen Man schreibt uns darüber: In erster Linie hofft man durch die Leichenschau der zwar weit verbreiteten, aber unter normalen Verhältnissen ungerechtfertigten und durchaus übertriebenen Furcht des Publikums vor dem „Lebendigbegrabenwerden" energisch und erfolgreich entgegenzutreten. In gewdhnlichenZeitläuften wird wohl niemals ein derartiger Fall Vorkommen, denn Die Zeichen des thatsächlich eingetretenen Todes und der begiiinenden Zersetzung sind so prägnante, daß selbst der weniger erfahrene Laie nicht wohl irren kann. WaS man ab und zu hort und lieft, daß da oder dort ein nur Scheintodter begraben worden sei, hat sich bei näherer Untersuchung als Jrrthum und Unwahrheit herausgestellt. Ander» ist es in Epidemiezeiten, too die Beerdigungen in gesundheitlicher Rücksicht auf die Gesellschaft so bald als möglich vorgenonunen werden müssen. Indessen auch in solchen Zeiten ist die Gefahr, daß ein nicht thatsächlich Verstorbener sollte eingesenkt werden, eine nur fehl' geringe, wie auch in Knrgszeiten wohl kaum ein solcher Fall' Vorkommen dürfte. DaS Sanitäts- und Pflegepersonal ist heutigen Tages so vor- und ausgebildet, daß dasselbe jedenfalls den wirklichen Tod und nur Schein- j tob unterscheiden kann. Aber die Furcht, daß der Verschiedene doch vielleicht nur scheintodt sei, ist einmal vorhanden, und deshalb soll eben der Fachmann, d. h. der Arzt, den wirklich eingetreteneu Tod zur Beruhigung der Angehörigen konftatiren Neben diesem f allgemein menschlichen Grunde sprechen aber auch juristische Momente für die Einführung der ärztlichen Leichenschau. Der Laie ist 1 häufig nicht im Stande, die thatsächliche Todesursache zu erfennen; oft genug wird selbst der Arzt dieselbe nur auf Grund eingehender Besichtigung und Untersuchung feststellen können. Bei dem Modus, die Leichenschau durch Laien ausführen zu lassen, kann es daher leicht vorkommen, daß ein Sterbefall, der eigentlich das Gericht beschäftigen müsse, gar nicht zur Kenntnis; der Behörden kommt. ! Der Arzt dagegen ist verpflichtet, eine wahrheitsgemäße Angabe über die Todes-Ursache zu machen, vielmehr, er ist gehalten, in Fällen, die ihm in der einen oder der anderen Richtung verdächtig erscheinen, zur amtlichen Kenntniß zu bringen, indem er die Anstellung des Todesscheins verweigern und die Angehörigen an xn beamteten Gerichtsarzt (Kreis-Physikus?) verweisen muß. Ferner erscheint die Einführung der Leichen - Besichtigung f Seitens der Aerzte in sanitäts-polizeilicher Hinsicht geboten. Der Arzt vermag neben der Konstatirting des thatsächlich erfolgten Todes und der wirklichen Todesursache auch zu erkennen, ob die Art der letzteren Bedenken oder Gefahren für die Gesundheit der Angehörigen und der engeren und weiteren Umgebung des Ver- torbenen bietet. Bei der Laien-Besichtigung wird häufig au» Un- ! enntniß, auch wohl aus Rücksichten auf die Angehörigen, die Todesursacke nicht richtig angegeben und dadurch das Wohlbefinden einer größeren oder geringeren Anzahl anderer Menschen gefährdet. Der Arzt ist nicht nur im Stande, die tödtliche Grundkrankheit zu erlernten,, er ist auch verpflichtet, dieselbe zu nennen und entweder selbst gegebenen Falls die geeigneten Anordnungen und Maßregeln gegen eine weitere Verbreitung derselben zu treffen oder solche Seitens der Behörde (Gesundheits-Polizei) zu veranlassen. Endlich soll die obligatorische ärztliche Leichenschau eine wirklich zuverlässige Sterblichkeits-Statistik ermöglichen. Wie schon vorhin gesagt wurde, wird häufig aus Unkenntniß oder au» Rücksicht auf. die Umgebung des Verstorbenen die wahre Todesursache verheimlicht. Wie bemerkt, ist der Arzt verpflichtet, die tödtliche Grundkrankheit der Wahrheit gemäß zu nennen und nicht nur die Art des Sterbens (Herzschlag, Lungenschlag :c.) anzugeben. Wünscht er jedoch aus irgend welchen Gründen, die tödtliche Krankheit diskret anzugeben, so steht es ihm frei, dieselbe mit der
Arrs Kunst «nd ßcben.
* Ueber die Aieffpobeulrn, die bekanntlich ein Theil der WajWnafabrer mit nach Hanse gebracht hat, äußert sich Dr. SB. Koste u. A.: Die Krankheit charakterifirt sich durch knotige Anschwellung in Gesicht und Gliedmaßen; sie zieht sich meist über nn Jahr hin. Dann brechen die Knoten nach außen durch die Saut durch, es entsteht eine eiternde Stelle, die vernarbt. So sicher die Krankheit wohl als eine Infektionskrankheit anfzufaffen ift, so wenig giebt ihr Auftreten bei uns Anlaß zu irgendwelcher Besorgnlß. Die Alevpobeule verläuft fast stets gutartig. Zudem ist das Vorkommen des Leidens, soweit wir darüber zuverlässige Mittheilungen besitzen, auf Tunis, Bagdad, Biskra, Aleppo beschränkt. — Nach Professor O. Lassar spricht Alles dafür, daß diese Hautkrankheit nichts Anderes sei als eine direkte und indirekte Folge der Einwirkung von Moskitostichen.
*Al» „authentisch" wird dem „B. T." folgende hübsche Geschichte von guter Sette mitgetheilt: Das Generalkommando'in Hannover erhielt vor Kurzem ein Monitum der Oberrechnungs- mmmer mit der Anfrage, wie es zngehe, daß die breiten Lager- Sen des UebungSplatzes Münster nicht, wie dies bei anderen uchen Uebungsplätzen in Preußen geschehen sei, während der ngssreien Zeit an die Landleute der Umgegend zur Kuhweide verpachtet seien. Der General sandte diese Änftage zur Be- anttoortung an den Kommandanten von Münster, General v. S., der Zeit vermindert hat. Das Näherrücken hat in jedem Zahre durchschnittlich 120 km betragen. Der Durchmesser der Ringe betrügt etwa 276,525 km, die Breite 46,312 km, die Dicke nur 225 km. Diese seltsamen Ringe lassen einzelne Erhöhungen und eigenthümlich geformte Ungleichheiten erkennen. Früher nahm man an, daß Ringe und Trabanten, deren sich 9 außerhalb der Ringe bewegen, zur Beleuchtung des Hauptplaneten dienen. Aber nach neueren Forschungen ist eher das Gegentheil anzunehmen. Wie hervorgehoben wurde, zeichnet sich der Saturn besonders durch sein System fast flacher Ringe vor allen übrigen Planeten unseres Sonnensystems ausfällig aus. Bei der ersten Entdeckung dieser Ringe glaubte man zwei Halbmonde in ihnen zu erkennen, westlich und östlich von dem centralen Stern; zu manchen Zeiten war man sogar geneigt, zu glauben, daß diese sogenannten Halbmonde über den Saturnplanetcn hinausragen und nach einer Reihe von Jahren sich verändern. Daß diese Ringe sich wirklich mit der Zeit verändern und also ein anderes Aussehen zeigen, ist längst bewiesen worden. Der Ring, welcher, von der Erde aus gesehen, uns bald schmal, bald wieder breiter ^scheint, je nachdem sich seine Lage zur Gesichtslinie der Erde verhält, ist schräg gegen die Ekliptik oder die Ebene der Erdbahn geneigt (etwa nm einen Winkel von 20 Grad). Zeigt nun dieser Ring der Erde seine schmale Seile, so wird er so dünn, daß er auch für dir stärksten Fernrohre fast verschwindet; dies geschieht besonders dann, wenn der Saturu un Sternbilde des Löwen oder der Fische sich befindet; steht er zwischen dem Stier und den Zwillingen, oder im Schützen, so ist der Ring breü und gut sichtbar.
Schon im 17. Jahrhundert unterschied man auf der
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 5. April.
— Personal-Rachrichte». Dem Schulamtsbewerber Julinr Back von hier ist die Schulstelle in Huppert (Untertaunuskreis) vom 11. April ab übertragen worden.
, gs. Restdeuz-Theater. Wie man aus mehreren Städten benchlet, wird an vielen Bühnen das von Herrn Dr. Rauch zuerst gemachte Arrangement eines „Fulda-Abends^ veranstaltet. Auf die morgige fünfte Wiederholung der reizenden Einakter fei ganz be- sonders hmgewiesen. — Eines der reizendsten Lustspiele der neuen Sitteratur, von allen Seiten der Kritik anerkannt, ist Dreyers „In Behandlung", dessen abgetönte Darstellung einen vollen Erfolg des Residenz-Theaters repräseutirt. Es bedeutet gewiß eine schöne Bereicherung beS gegenwärtigen Repertoires dieses besuchten Musetempels, der den vielen hier weilenden Kurgästen eine Fülle von Abwechselungen zu bieten sucht, wenn die Direktion das heitere Werk des Oesteren wieder ansetzt. Am nächsten Sonntag Abend gelangt, einer Meldung aus dem Theaterbüreau zufolge, L'ArrongeS beliebter „Compagnon" zur Aufführung und am Sonntag Nachmittag im Interesse vieler auswärtiger Theaterbesucher Sardous „Fernande".
... — Eckernförde. Anschließend an die Erinnerung an Eckernförde machen ton darauf aufmerksam, daß in dem Schaufenster der Wiesbadener Spezial-Kartonnagefabrik am Römerderg die Niederlage der dänischen Kriegsschiffe „Christian der Achte" und „Gefion" bei Eckernförde am 5. April 1849 durch die Schleswig-Holsteinischen Strand- und die Herzoglich nassauischen Feld-Batteneen ausgestellt ft Das hochinteressante alterthümliche Bild, welches allgemeine Bewunderung erregt, ist Eigenthum des Mineraltoaffer-Fabrikanten Joses Huck dahier. — Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß der m der gestrigen Abend-Ausgabe erwähnte Oberleutnant nicht Hermann Werner, sondern Hermann Werren heißt.
— Die Raffanische Landesbank feierte am 1. April d. I. das Jubiläum ihres 50-jahrigen Bestehens. Mit vollem Recht wies vor Eintritt in die Tagesordnung der ersten diesjährigen Sitzung des Kommunal-Landtags unseres Bezirks der Vorsitzende, Herr Zustizrath Dr. Humser-Frankfurt a. M., auf den großen Ein- mß hin, den das Institut wahrend der Zeit seines Bestehens auf >ie wirthschaftliche Entwickelung Hessen-Nassaus ausgeübt hat. Am ^ubiläumStage durfte Herr Landesbankdirektor Reusch die durch Herrn Landesdirektor Sartorius ausgesprochenen Glückwünsche der Bezirksvenvaltung und Landesdirektton und die persönlich durch den Herrn Regierungspräsidenten Dr. Wentzel dargebrachten Glückwünsche der hiesigen Regierung entgegennehmen. Von den Beamten der Landesbankdirektion wurde eine würdige Feier des Jubiläumstages geplant, des CharfreitagS halber mußte dieselbe jedoch auf spater verschoben werde». Da die Nassauische Landesbank ein großes Ansehen bis weit über die Grenze unserer Provinz hinaus genießt, dürfte eine kurze Darstellung ihrer bisherigen geschäftlichen Thätigkeit und Organisation wohl am Platze
