Wiksositmer Tsgblstt
«»• Jahrgang.
Verlag: Langgaffe 27.
10,000 Abounenten
K-. 156
Dienstag, den 4 April.
Fernsprecher No. 52.
1899
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
Politische Uedersrcht.
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er bestätigt auch, Billot hi vollen, Esterhazy aber V
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4000 vom „@aulois‘
Aus den Untersuchirugsalrten des Kastotionshofes.
als Vermittler zwischen dem Gencralstab' und habe; er bekennt aber, daß Esterhazy Journals habe, bte Auweisun,
Zeuge i. ... sagt, man habe nie l vidi selbst geschrieben ,
zwischen dem Blatt und dem Generals, die Auskünfte über die Machenschaften
gehen scheint. Diese Ausschüttung der Masse wird allem Anschein na$ ^ne8reC98 Blött unb nicht ohne starke Eifersüchteleien der zahlreichen Erben vor sich gehen. Dem chinesischen Erbonkel selbst aber mag bei diesem Erbschaftsstreit noch erheblich wehleidiger zu Muthe sein als dem trinkfesten Rodensteincr, Dem, nachdem er sein Geld „vertrunken , der Frohnvogt und der Büttel zurufen:
Heraus des Mantels Zierde, Handschuh und Zobelhutl Verfallen diesem Wirthe ist all Euer Hab und Gut!
Vorsitzenden erklärte du Paty de Elam, Esterhazy sei im Besitz einiger Schriftstücke, die für Militärpersonen „genant2 und „ennuyant8 l'.'cn. de Pellleux ,erklärt er wisse nicht, welche Rolle Esterhazy als Vermittler zwischen dem Generalstab und der Presse gespielt habe; er bekennt aber, daß Esterhazy Journalisten zu ihm geführt habe, die Anweisungen über ihre Haltung verlangten. Sodauti wurden dem Rathe drei Fragen vorgelegt, ob Esterhazy entlassen werden solle wegen schlechter Führung, wegen schwerer Vergehen gegen bte Disziplin oder wegen Verfehlungen gegen die Ehre. Die geheime Abstimmung ergab em Ja mit 3 gegen 2 Stimmen für btt erste, Frage, bte andere würbe einstimmig verneint. Der Vorsitzende erklärte, das Gericht habe auf Dienstentlassung erkannt. Das dritte veröffentlichte Schriftstück ist der Brief Zur Lindens an denKriegS- minister, in dem er das Ergebnis; der Untersuchung mittheilt. Zur Linden befürwortete mildernde Umstände und schlug vor, Esterhazy wegen Aufhebung des Amtes in beit Ruhestand zu versetzen. Cavaignac kam aber bekanntlich diesem Vorschläge nicht nach und erkannte auf Dienstentlassung.
„ . Naris, 3 April. Der „Figaro" setzt die Veröffentlichung der Unterchchungsakten der Angelegenheit Dreyfus mit der Wiedergabe der wetteren Aussagen du Paty de Elams vor der Kriminalkammer fort. Diese Aussagen wurden am 12. und 13. Januar gemacht h.st.o und von du Paty de Elam gegengezeichnet worden, du Paty sich Uber die Feststellungen aus, welche er als polizcigencht- Ucher Offizier machen konnte, und erklärt, daß seine Berichte nicht auf die Verfolgung des Dreyfus schloffen. Dies geschah, weil er sich nicht dazu autorisirt glaubte, indem er in feinen Untersuchungen durch eme staatsftage gehemmt worden sei. Bis zum Beweise dcsGegen- theils iet er von der Schuld Dreyfus' überzeugt, du Paty de Cb verwahrt sich dagegen, Dreyfus und ftmeFamil' ' ' ' zu haben, und behauptet, daß er allen Treibereien,
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A«rng-N-Aim«hm» LUDLOW - w. w*. «Ww.,
< ^er „Figaro" beginnt die Veröffentlichung
der Aktenstücke über bte von der Kriminalkammer bei der Revision geführte Untersuchung. Die Veröffentlichungen sind diesem Blatte offenbar durch einen Vertrauens- bruch zugegangen Die Schriftstücke, die die ersten Seiten des ttsten Bandes der Untersuchung ausmachen, betreffen ausschließlich Esterhazy und bte Thatsachen, bie ihn im Sommer 1898 vor das Dtsziplinargericht gebracht haben. Diese Schriftstücke sind erstens der Bericht des Obersten Kerdrain über die Esterhazy zur Last gelegten Thatsachen; zweitens das Protokoll der beiden Sitzungen des Disziplin arratheS vom 24. und 27. August 1898 und drittens der Brief, durch den General Zurlinden dem Kriegsminister das Aktenmaterial des UntersuchungsratheS, vor dem Esterhazy erschienen ist übermittelt. Der Bericht Kerdrains bezieht sich zunächst auf die berüchtigten Briefe Esterhazys an Madame Boulancy, worin Esterhazy den Wunsch ausdrückt, an der Spitze preußlicher Ulanen bte Pariser mit dem Säbel zusammentreiben W können und Parts an den vier Ecken in Brand zu stecken. Der Berichterstatter sagt, dem Gutachten aller Sachverständigen Molge sei dieser Brief wohl eine Nachahmung der Handschrift Esterhazys. Die übrigen Briefe, in denen Esterhazy mit der größten Mißachtung über seine Vorgesetzten sich äußert, sind von Esterhazy selbst als echt anerkannt worden. In einem dieser Briefe sagt er, die größten Armeeftihrer seien feige und unwissend, sie wurden noch einmal die deutschen Gefängnisse füllen, und diese würden ör f‘c stoch zu klein sein. Alle Großthaten der französischen Generale seien nichts den schönen preußischen Regimentern gegen- «I»' v C rmd f° flut befehligt seien. Kerdrain kommt zu dem Schlüsse, dav Esterhazy sich schwerer Vergehen gegen die Militär- DiSziplln schuldig gemacht habe. Der zweite Gegenstand der Unter, suchung ist der BriesEsterhazys an den Präsidenten der Republik Felix Faure, in dem er in drohendem Tone fordert, dem Skandal, der ntu Dem Namen Esterhazy getrieben werde, ein Ende zu machen, da er sonst das Eingreifen eines fremden Staatsoberhauptes anrufen muffe. Von den Artikeln der „Libre Parole" meint der Be- nMJte feien ein Verstoß gegen bie Disziplin, unb wenn nicht von Esterhazy verfaßt, boch von ihm inspttirt. Aus dem Privatleben Esterhazys hebt der Bericht als unrühmlich hervor das Zusammenleben mit der Pays und verschiedene schmutzige Heiraths- gefchlchten, tn denen Esterhazy seine Hand hatte. Solche That- wchsn S-ugten von einem bedeutenden Ittedergang des sittlichen Gesuh S, das unverttaglich sei mit der Würde eines Offiziers. Rach dem Protokoll der Untersuchung vom 24. August wurde zuerst ver- hort Oberst Mercier. Er sowohl wie Oberstleutnant Bergouigan und de, Pellieux wissen über Esterhazys Führung nichts Nachtheiliges M berichten, de Pellieux halt Esterhazy für einen braven Soldaten, er bestätigt auch, Billot habe Esterhazy die volle Pension gewähren wollen, Esterhazy aber habe das abgelehnt. Als de Pellieux gefragt wurde, ob man unter gewöhnlichen Umständen gegen die Ver- aehen Esterhazys vorgegangen sein wurde, antwortete er mit nein Als Esterhazy Mit ihm (de P.) gesprochen habe, sei er physisch ÄM-schlagen und sehr aufgeregt gewesen, er glaube aber nicht daß Esterhazy bie Absicht gehabt habe, Erpressung gegen den Generalstab auszuuben Den Preßfelbzug bade Esterhazy auf seine Auf- forberung hin beendet. Esterhazy habe ihm (he P.) gesagt, bie ^uben hatten ihm 600,000 Francs geboten, wenn er sich als Ver- I N^^d°rd-reaus bekennen würde, sie hätten auch der Pays 150,000 Francs geboten. Er habe das Anerbieten, das ihm von nnem englischen Journalisten gemacht worden fei, abgeschlagen. Dre F°ch-lte Dreyfus habe das A.mcbot alsdann mehrmals wie^e^ holt Ein weiterer Zeuge ist der Oberstleutnant du Paty de Elam. Er jagt tr habe tm Oktober vemommen, daß man Esterhazy bloßstellen wolle, daß, man aber gegen ihn nichts Vorbringen könne, außer einigen klein«! Verfehlungen im Privatleben. Der Berich verzeichnet sodann em langes Zwiegespräch zwischen Esterhazy und du Paty de Elam vor dem Genchtshof, aus dem trotz der aus- I weichenden Antworten du PatyS doch hervovaeht bau ein Offi-i-r des Generalstabes Esterhazy,die Artikel'ind7r„LibrePÜrole"5nd die Drohbnefe an Faure m die Feder biftirt hat. Der fünfte
,st ber Redakteur ber Libre Parole", be Boisandrö Er "" "•* »Efllaubt baß Esterhazy bie Artikel dixi und
n habe. Esterhazy fei nur Vermittler aetoefm I
Unser Pariser ---Korrespondent schreibt UNS unterm I.AprU: Die gestern im Figaro" begonnene und heute fortgesetzte Veröffentlichung der Enquete der Kriminalkammer des KassationshoseS verletzt bte verschiebensten Kreise ber Pariser Bevölkerung in größte Aufregung. Zwei Punkte stnb eS hauptsächlich, welche bas Interesse der gestrigen Abendblätter unb heutigen Morgenblätter in Anspruch nehmen. Es ftnb bie Fragen, auf welche Weise unb burch wessen mr A « tt0.n 9.c^e,m gehaltenen Dokumente zur Kennstliß dcS Blattes gelangen konnten, unb von welcher Bedeutung für ben weiteren Verlauf ber Affaire bie vorzeitige Veröffentlichung ber- felven fein mag. schon mehrere Tage vor der ersten ebenfalls indiskreten Bekanntmachung der Aussage des gewesenen Präsidenten Casimir crJ”ur . rs, dem „Journal" zufolge durch einen Zufall besannt, M aus bett Geheimschränken ber Registratur ein Abgang von Schriftstücken m großem Maßstabe vorbereite. Eine sonst ganz harmloie Perfon erzählte einem Zeugen in ber Affaire ben genauen Wortlaut feiner Aussage. Da nun ber Zeuge mit keiner Menschen- feele »on seiner Aussage gesprochen hatte, so mußte die Kenntniß berfelbcn nur durch Einsichtnahme in die den Mitgliedern des Kasfattonshofes zugeganaenen gedruckten Exemplare der Enquete zum Erzähler gelangt fein, lieber bie Art, wie bieS goscheheu ist.
unbjem GenerÄ'stab. Der Zeum ettlärt auch, I v°n Zwei englischen Journalisten "gelftsen toortro,5 AlsdanVver- Selchnet das Protokoll bte Vertheibigung Esterhazys, bie aus seinen gebrückten Enthüllungen schon bekannt ist. Hervorzuheben ist nur bafe ®|terbam nochmals erklärt, bu Paty be Elam habe ihm owohi bte Drohbnefe an Fattre als bie dixi- unb vidi-Artikel der „Libre Zarole diftirt Er sagt, er sei das willenlose Werkzeug des Generalstabs gewefen, ber versprochen habe, ihn nicht fallen *u Uflen. In der Sitzung vom 27. August erklärte Esterhazy auf die Rrane woher er seine außergewöhnlichen Geldmittel gehabt: ■ seines V-rtheidigers Tözenas, 4000 vom „GaulviS , 5000 von seinem Verleger von Les deesous de l affarre Dreyfus unb außerdem monatlich 1000 Francs von demselben Verlier Esterham erklärte, er habe Vieles nicht enthüllt, aus Rücksicht auf die Omziere des Generalstabs. Er übergab alsdann dem Vorsitzenden oas Schriftstück das beweisen sollte daß der Generalstab, ihn schützen werbe. DerVor- sttzeride lagt eS verlesen., Dies Schriftstück scheint von äußerst großer Bedeutung, in ihm wird Esterhazy verständigt, we er. sich vor dem General de Pellieux, verhalten solle. Es beginnt mit den Worten: In dem.Falle, dag der General de Pellieux mir die Frage stellen sollt«, ob ,ch Beziehungen zu Ihnen gehabt habe, beab ichtiae ich zu sagen, was ja auch ziemlich wahr ist (Reser Zwischensatz ,,t von einer.anderen Hand geschrieben): Ich bindern Feldzug gegen Picquart fremd." Esterhazy sagte, diese Note sei sh? auf demselben Wege zugegangen wie bie anderen. Dies ^irftuck befand sich auch tn ben Händen des Redakteurs der „Libre Parole . Der Vorsitzenbe.bebauerie dies. Esterhazy erklärte, er habe noch ganz andere Schriftstücke in Händen. AusAntrag des
L- unerfn ,
haben bie von amerikanischer unb englischer Seite angestifteten k Zeltelungen zu einem erneuten Ausbruch, zu einem bewaffneten Vorstoß I fer Amerikaner und Engländer gegen die Partei Mataafas und -- jum Bombardement der Hauptstadt Apia geführt. Wenn man auch B noch immer hoffen dürfen wird, daß dieses erneute blutige Intermezzo, r bei dem, so weit man nach den bisher vorliegenden Meldungen ' urtheilen kann, die Schuld wiederum ben Amerikanern unb Enq- - Indern zuzufallen Meint, bie in Angriff genommene Regelung I der Samoa-Frage nicht aufhalten unb hindern wird, so kann doch
kein Zweifel mehr daran sein, daß diese Regelung im höchsten Erade dringlich, daß Gefahr tm Verzüge ist und daß von Seiten der deutschen Regierung bei dieser Regelung eine entschiedene und L energische Haltung gezeigt werden muß.
U .Der Hauptherb der Konfliktsstoffe aber, die sich in neuerer | Zeit zwilchen den Machten angchäuft haben und die Besttebungen L der Friedenskonferenz zu Nichte zu machen drohen, fft unbestritten das chinesische Riesenreick. China ist allem Anschein nach zur Rolle der Arena bestimmt, auf bet bie Eifersucht ber europäischen
I Nachte sich em Rendez-vous giebt und auf der die entgegengesetzten E Interessen dieser Machte tn Zukunft am schroffsten unb schärfsten | aufeinanberplatzen werben. Allerbings hat es ben Anschein, als ob sieh fürs Erste wenigstens zwischen ben beiben Hauptkonkurrenten
| drna, zwischen Rußland unb Englanb, eine gewisse Verständigung oder wenigstens die Möglichkeit einer Verständigung
K anbahne. Der Streit um die Ntutschwang-Bahn ist enbgütia I geregelt worben, und es ist anscheinend Aussicht vorhanden, daß >- auch in Bezug auf die anderen zwischen den beiden Mächten f- Uwebenden djtneft jtfjen Streitfragen wenn auch nicht gerade ein I »^eden, so doch «n Waffenstillstand erzielt wird. Offenbar bat oemieim I "an m Rutzland das Rsher die Rolle des Karnickels in China enthüllt,
e kpielte, em gewiffes Bedursniß, die vom Zaren inaugurirte Friedens- ; konftreuz nicht mit einem allzu scharfen und offenen Konflikt in 1 Mna einzuleiten, denn diese Introduktion würde mit den Zielen k der Konferenz doch tn allzu schroffem Widerspruch stehen.
r ~ .Abertrotz dieses anscheinenben Entgegenkommens auf russischer : Sette bleiben auf ber chinesischen Arena noch Konfliktsstoffe genug übrig um so mehr, da bics Turm« eine zunehmende Erwefteruua
■ ttfahrt. Von den Engländern war Italien auf den chinesischen £ Plan berufen worden, auf dem dieses bisher freilich keine Lorbeeren o sondern schwere Mißerfolge erlitten hat. In Rußland aber schien' ■ man zu denken, „was „ihr könnt, können wir noch lange!" und t F?n prai'enrirte dort schleunigst das zu Rußland in nahem Ver- Ef baltnig stehende Dänemark als neuesten Mitbewerber um die gr chinesische Erbmasse, die allgemach ihrer Ausschüttung entgegen zu
uberje-ugt. du Paty be Elam seine Familie schlecht behanbelt I 6u yuuen, uno oeqauprer, vag er auen Treibereien, welche im Januar I 1 , ""d un Oktober 1897 für ober gegen die abgeurtheilte Sache stattfaiiden, fern stehe. Er erklärt ferner, daß er nicht bei Urheber der zwei „Verräther" überschriebenen Artikel im „Eclair" I vom 10. und 15. September sei. Diese Artikel seien einer I ganz anderen Persönlichkeit zuzuschreiben; möglicherweise seien I l6 m11* van einem Agent provocateur inspirirt worden — I bu Paty be Slam bezeichnet sich als ein Opfer bet Böswilligkeit | Henrys. Er leugnet feine Feindschaft gegen Picquart und protcstirt gegen bte Erftarnng bcS Generals Roget, bem er ben mit „Speranza" unterzeichneten. Brief zuschreibt, bu Paty be Slam erkennt seine Zusammenkunft nut Esterhazy, weiß aber nicht die Gründe seiner Vorgesetzten anzugeben, zu welchem Zweck er mit Esterhazy in Verbindung treten sollte. Zu Henry habe et nur sehr wenig Bestehungen gehabt. - Der Nationalist Gauthier de Clagny kündigt an, daß er sofort nach Zusammentritt ber Kammer ben Minisier- prasibenten über bie Veröffentlichungen bcS „Figaro" befragen werbe. — Der Direktor bes „Gaulois", Meyer, erklärte' in einer 1^)1'ift an ben „Figaro", daß die Behaupttlng Esterhazys,
I der „Gaulois habe 4000 Frcs. für Esterhazy gegeben, unwahr fei. — Die nationalistischen Blätter äußern die schärfste Entrüstung über bte Veröffentlichungen des „Figaro". Die meisten sprechen die I Ueberzeugung aus, ooft ber „Figaro" bie Schriftstücke von einem tevistoiiSsreunblichen Mitglied ber Kriminalkammer erhalten habe. Die Regierung müsse Alles aufbieten, ben Schulbigen zu entdecken, d?r eine unerbittliche Strafe verdiene. - „Petit Journal" hält die Veröffentlichungen für eine Kriegserklärung, die gerade in dem Auflenblick erfolgte, wo das Bedürfnis; nach Beruhigung besonder- fuhlbar sei. — Die republikanischen Blätter meinen, wenn erst alle Einzelheiten bekannt seien, werde das llrtheil des Disziplinargerichts ebensolche Verblüffungen Hervorrufen, wie der Freispruch Esterhazys durch das Kttegsgencht., Das Disziplinargericht habe festgestellt, daß Esterhazy drei Drohbriefe an den Präsidenten der Republik ge- sa;tieben habe, in denen er mit ber Intervention eines auswärtigen Souveräns drohte. Gleichwohl habe das Disziplinargericht erkannt, daß dies kein Vergehen gegen bie Disziplin bedeute. — Saurbä meint tn ber „Pettte Röpublique", bie Veröffentlichungen des Dossiers hatten ben Minister Dupuy wie ein Blitzschlag getroffen. Gcrabe in bem Augenblick, wo er gehofft habe, die öffentliche Meinung einzuschläfern unb die Mitglieder des Kassations- Hofes im Namen ber Staatsraison gefügig zu machen, mußten diese Enthüllungen alle seine Pläne über ben Hausen werfen. — Das „Echo be Paris" behauptet, die Negierung kenne bereits den Urheber der begangenen Indiskretion. — Das „Journal" will zu der Erklärung ermächtigt sein, daß die vom „Voltaire" veröffentlichten Aussagen von Casimir Perier nicht ganz zutreffend seien. Man müsse, um sich ein richtiges Bild machen zu können, die ganzen Aussagen kennen. — Weiter erfährt das „Journal“, daß die in ber Nationaldruckerei hergestellten Bande ber Untersuchungsakten auch Nichtbeamten anvertrant worden feten. Augenscheinlich seien Indiskretionen begangen worden. — „Peilt Wen sagt, Freycinet sei überzeugt, daß eS seine Pflicht fei, strenge Maßnahmen zu ergreifen. Er sei entschlossen, den obersten Knegsrath einzuberufen und alle kompromittirten Össiziere vor denselben zu stellen.
Sari«, 4. April. Der „Figaro" setzt die Veröffentlichung ntersuchungsakten in der Dreyfils-Angelegenheit fort. Er bringt jetzt ben Schluß ber Aussagen Cavaignacs vor bet Kriminalkammer bes KassationshoseS. Cavaignac sucht hierin nachzuweisen, daß die im Bordereau aufgezählten Schriftstücke nur Dreyfus bekannt waren. — Ein Polizeikommisiar nahm in bett Geschäftsräumen des „Figaro" ein Protokoll auf, in welchem die Veröffentlichung der betreffenden Akten festgestellt wird.
Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute! So durfte man dtestnal fast überall von den Osterglocken sagen, welche das Doppelfruhltugssest etnläuteten, das Fest des Frühlings der Natur, die sich zur Zeit.freilich noch recht stürmisch gebärdet, und das Fest des Frühlings tm Menschenherzeit, in dem es nicht selten noch stürmischer aussieht. Wenn auch die Welt vom „ewigen Frieden" zur Zeit noch weit genug entfernt ist, so kann doch efcmerbtn erfreulicher We.se festgestellt werden, daß bie hier und da vorhandene Svannung nicht so stark ist, um bie Furcht vor eittem explosiven Äusbruch zu rechtfertigen. In ben jüngsten Jahren war das Osterfest minder friedlich cinaeleitet worden als diesmal Vor zwei Jahren brach gerade am Osterfest ber von den wermuthigen Griechen provoztrte Krieg mit der ihnen weit übcr- leßenen Türkei aus, welcher W einer schmählichen und vernichtenden Niederlage Griechenlands führte.
^-r!?'^^ahre kam wieder am Osterfest ber spanisch- amenkanischeZwist zum knegenschenAusbruch, ber mit ber völligen Nreberlage Spaniens endete und den finanziellen Niedergang des Landes beschleunigte, aber auch den Siegern ein Danaergeschenk in veaSchooß warf, närnl ch ben größten Theil bes spanischen Kolonialbesitzes, ber bk „glücklichen Besitzenden in einen schweren und langwierigen Kolonialkrieg verwickelt hat.
Diesmal ist die des „bewaffneten Friedens" sich erfreuende Welt oon berartigen kriegerischen Ereignissen verschont geblieben, unb so toftnten toir uns in arvßerer Ruhe als in den letzten Jahren an der willkommenen Erholungspause, welche das Osterfest uns bietet, erfreuen. Unb btefe Erholungspausen, bie uns in ber Alltags- mtfere bes Lebens, m bem schweren Kampf ums Dasein, in ben F Politischen unb wirthschastlichen Kämpfen der Gegenwart zum AuS- nihen einlflben, thuen uns noth genug. Diese Ruhepause bot uns zugleich willkommene Gelegenheit, bes Mannes zu gebenken, d" in einem Alter, daS zu erreichen nur Wenigen vergönnt ist, M. °p «steudig sich entschloßen hatte, an bie Spitze ber Regierungs- aesckafte des deutschen Reiches zu treten. Der Reichskanzler Fürst Viilohe hat das 80. Jahr seines Lebens vollendet, und der I Mer gebsihrtihm, daß er in diesem biblischen Älter, nach 'dnem Leben, daS für ßn köstlich war, weil es Mühe und Ärbeit W ö^eftn ist, aber eine Arbeit, deren Erfolge er selbst noch erblicken b.-. ^reu und gewiffenhaft auf seinem schwierigen und dornen- vollen Posten ausharit. )
«Übliche Sttmmung dieses hoffnungSsreudigsten der chMlichen Feste, dcS Osterfestes noch bis zt. dem Taae anhalten WiG ber uns den Zusammentritt ber von Manchen mit sq großen Hoffnungen von Anderen mit nicht minder großen Zweifeln be= M Friedenskonferenz bringen soll, diese Frage wird Acht ohne große Bedenken aufgeworfen werden können. Je mehr wir uns bem Zusammentritt ber Konferenz näherten, mit desto größerem Eifer ist bisher das ursprünglich so gewaltige und viel- dersprechende Programm ber Konferenz zusammengestrichen worden, | und ob dieser Rest des Programms von der Zukunftsmusik in die Programmmustk ttansponiri werden wird, das scheint uns noch mtsch-mufikalischen Zweifeln zu begegnen. Sicherlich I E . Iche FriebenSsymphonie für bas europäische Konzert I
| eme werthvolle Errungenschaft, benn in bicsem Konzert fehlt es I M^nf^^tonen undDisharmonieen. Eine bieser Disharmouieen, die sich schwerlich Jo bald in erfreuliche Accorde auflösen wird, I ist dke leidige Samoa-Frage, die sich seit länger als I - em em Jahrzehnt als offene Frage präfentirt, und deren Lösung nach den jüngsten Ereignissen auf den Samoa-Inseln als nicht Afffler aufschiebbar erscheint. Während die drei betheiligten Machte in diplomattschen Verhandlungen bemüht sind, erstens den «tstu, quo auf Samoa herzustellen, und zweitens, nachdem dies I gelungen, einen anderen etatus zu schaffen, haben die Dinge auf Samoa sich ganz tm Gegensatz zu diesen Bemühungen unb tn ganz I w! u-- ben vielumstrittenen Inseln I
