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Wiesbadener Sagblatt

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*» Jahrgang.

Verlag: Langgaffe 27.

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«lnzeigkn-PreiS,

Die einspaltige Petitzeile für locale «»zeige» 15 Pfg., für auswärtige «lueigen 25 Pfg. Sieclameu dir Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Erscheint in zwei Ausgabe». Bezugs-PrriS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch di« Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusauunen.

Anj-ige.AuuaI,m- "--"X*"'------'"

I55»»> «§»mit«g, den 2. April. n. SS. 18SS.

fenstern der Konfitüren-, Galanterie-, Glas-, Porzellan- und Blumengeschäfte sieht man förniliche Arsenale von Oster­eiern in den verschiedensten Gestalten aufgestapelt, und nicht nur Hasen und Lämmer, sondern nahezu sämmtliche Vertreter der Thierwelt sieht man dort der nützlichen Beschäftigung des Eier­legens hingegebcn. Sogar mit der Zeit und mit der Politik geht diese Ostercicr-^ndustrie mit, sieht man wch n. A. in vielen Läden einen mit Eiern beladenen Esel, der von einem Ar^h-r ge­führt wird, während man auf den Eiern die Inschrift liest: ,<Lruße aus Jerusalem." Zwar keine politische, aber eine zeitgemäße musikalische Anspielung bietet eine andere originelle Ostereiergruppe. Es ist ein Osterhasenpärchen, von dem Herr Hase bequem auf eiuenr Stuhl sitzt, während Frau Hase trübselig neben ihm steht. Die Lösung dieses Bildcrräthscls ist unschwer fiir Jeden zu finde», der durch die tägliche Belästigung mildem neuesten Berliner Gassen­hauer in Verzweiflung gebrächt wird: Ist denn kein Stuhl da Für meine Hulda?!

.Ist denn kein Stuhl da?" so ruft in diese» Tagen auch mancher geplagte Familienvater, der sich Morgens behaglich am Kaffeetisch niederlassen will und resignirt die Entdeckung macht, daß er zur Zeit der sitzenden Lebensweise entbehren muß, und zwar aus Mangel an Mobiliar.Verschlungen schon hat es der schwarze Mund" des Möbelwagens, denn Berlin ist im Umzug. In der Provinz zieht Der oder Jener um, aber in Berlinist das nicht wie bei arme Leute", hier ziehtman" um, hier wird der Umzug zum Masscnnmzug, denn der Berliner gleicht nicht der Schnecke, die eine Personal-Union mit ihrem Haus cingeqanqeu ist, sondern mehr dem Zugvogel; er ändert oft genug alljährlich, wenn nicht quartaliter, lein Heim, und vielleicht ist es gestattet, diese in Berlin io zahlreich vertretene Spezies der Wandermictder nach Analogie des Ausdrucks Onartalsänfer als Quartalszieher zu bezeichnen. Zum Apnl-Onartal pflegt die Zichlust gewohicheitsgemäß besonders große Dlmcnsisncn anznnehmcn, denn beim Erwachen des Früh- uags spielt der Zug ins Freie bei den Berlinern eine wesentliche Rone. Giebt es doch Berliner genug, die auf die einfachste Weise der Welt das Ideal erreichen, ein Haus in der Stadt und eine Villa auf dem Lande zu haben, indem sie sich den Winter über in Berlin «mmikthen, zum April ihre Wohnung kündigen, in einen SBorort ziehen, dort zum Oktober kündigen, zur Stadt zurückziehen tmd so weiter in Infinitum. Es sind dies moderne Berliner Wanderburschen, nicht mit dem Stab, sondern mit dem Möbel­wagenm der Hand!"

Ein .Zugstück" ist leichter ausgeführt wie geschrieben; da» wissen di« Theaterdikiktorni, und deshalb hat sich das Lessing-

Morgen-Ausgabe.

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W** Wegen der Gsterfekertage erscheint die nächste Ansgabe erst am Dienstag Nachmittag.

Gstrrn.

Die Glocken läuten die Ostern ein In allen Enden und Landen, Und fromme Herzen jubeln drein: Der Lenz ist wieder erstanden!

z^ende, hart im Kampf ums Dasein ringende Menschenherz" und ermllt es mit neuer Kraft, mit neuer Hoffnung. Neue Zuversicht erfüllt uns, und wie die Natur sich gewaltig vor unseren Augen verjüngt _ so verjüngt sich auch unsere Kraft, und der Muth zu neuer Thattgkett wird größer, die Kraft zur Arbeit stärker in unS. Drmi ein zweifacher Frühling wirkt auf uns ein. Neben der Frühlingsbotschaft der Natur klingt laut und vernehmlich zu un» die Botschaft Dessen, der das Christenthnm, das Wahre echte Christenthnm predigte, der uns Liebe und Versöhnlichkeit lehrte und mit seinem leuchtenden Beispiel uns mahnte, nicht zu zagen und zu verzweifeln, sondern, welche schwere Last uns auch ein ungünstiges Geschick aufgebürdei hat, muthvoll ®tf. eine bessere Zeit zu hoffen. Und wie uns das Osterfest die Mtferstehimg und die Verjüngung der Natur predigt, wie rings «n uns die schlummernden Gefilde aus trübem Winterschlaf er- wachen und die frossige Decke sprengen, unter die sie des Winters rauhe Gewalt zwang, so feiert auch des Menschen Seele ein Fest btr Erneuerung und Auferstehung, der Tröstung und der Hoffnung, . « Seele gegossen wird, da der Winter des Mißvergnügens der Kraft und neues Leben spendenden Sommerszeit weicht.

, .und der Tröstung und Hoffnung, der Ruhe und des Friedens bedürfen wir Alle, denn die Zeit, in der wir leben, ist ernst und kampfbewegt, und sie fordert von jedem Einzelnen die Einsetzung alltt seiner Kräfte. Wirthschaftliche und soziale Probleme, die früheren Zeiten unbekannt waren, erschüttern das Leben der Gegen- wart in heftigen Kämpfen. Auf allen Gebieten, wohin wir auch blicken, sehen wir uns rapiden Fortschritten und Neugestaltungen gegenüber, die zu mannigfachen Umwälzungen in den Formen unseres Daseins geführt haben. Tradition und Fortschritt stehen einander in heftiger Fehde gegenüber, und als dritter Faktor er«

Als Frühlingsfest, als das AuferstehungSfest der Natur ans dem langen, bangen Winterschlaf feierten unsere heidnischen Vor- ch^sn das Osterfest. Diese Bedeutung des Festes ist vor der kirchlichen zurückgetreten, denn für die christliche Religion bedeutet daS Osterfest die schmerzvolle, aber glorreiche Erinnerungsfeier an den VeriohnungStod und an die Auferstehung Christi. Wenn aber 1*$ dem heutigen Geschlecht keine Erinnerung mehr an das Ostera-Fest der Germanen lebendig ist, so ist doch der natürliche md für Jeden sichtbare Zusanunenhang des Osterfestes mit w» Wechsel der Jahreszeit aus der ungastlichen Kälte des Wi»ters tn die belebende Wärme des Frühlings unserem smpsmden zu vertraut, als daß nicht Jedctnian« sich Krn dem lebendigen Emdmck und Einfluß dieses doppelten FruhlmgSfesteS hingeben sollte. Keine Menschenbrust vermag sich mm harmonischen Eindruck zu verschließen, welchen das Zusammen- Dngen der Osterglocken mit dem Werderuf der heißerglühenden Sonne uns bietet. Und auch in der Brust deS Gleichgültigsten, dessen, dem im harten Kampf des Lebens nur wenig von den idealeren Empfindungen zurückgeblieben ist, zieht an diesem Tage etoas von jener Stimmung ein, welcher der einsam grübelnde Denker Faust m der Osternacht nur widerstrebend mit den Worte» Ausdruck giebt: ,O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder; die Throne qmllt, die Erde hat mich wieder!"

Einen dopvelten Frühling bringt uns das Osterfest. Der warme Strahl der belebenden Frühlingssonne dringt auch in das ragende, hart tm Kampf ums Dasein ringende Menschenlierz und

scheint auf dem Plan eine neue revolutionäre Bewegung, die weder mtt der Tradition noch mit dem Fortschritt zufrieden ist, die alles Bestehende umwalzen mochte und die Massen mit den abenteuer« heben und hirnverbrannten Plänen einer neuen Weltordnung an- rulocken sucht, umso mehr noch, als die Verfechter der Tradition den Fortschritt unserer sozialen wirthschaftlichen und geistigen Ent­wickelung hemmen.

Gar Manchem mag in diesem schweren Kampf 'des Lebens bange werden, »ar Mancher an dem Fortschritt des Menschen­geschlechts verzweifeln. Ein solcher Kleinmuth ist verwerflich. Der Weg, dendas Menschengeschlecht zu schreiten hat, ist unendlich lang u«b der Schritt der Zeit unendlich langsam. Die Wege, auf denen wir fortschreiten, sind oft gewunden, aber sie führen doch vorwärts. Zuweilen mag cS uns erscheinen, als ob wir stille stehen, ja viel­leicht rückwärts schreiten. Aber wer den Blick von der Gegenwart, tn btr wir kämpfend und strebend stehen, in die Vergangenheit Ilc&ftt, Ar erschaut das Stück Weges, welches wir zurückgelegt haben. Und wenn manch Einem die zurückgelegte Strecke als klein und winzig erscheint, wenn er an der Zukunft des Menschen- geschlechte» verzweifeln mochte, dann soll ihm gerade das Osterfest eine Mahnung fein, daß dem Licht der Triumph Über die Finsterniß sicher ist und daß alles Werden Leben, alles Leben aber eine Ent­wicklung zu vollendeteren und glücklicheren Daseinsformen bedeutet!

Ans Stadt «nd Kand.

Wiesbaden, 2. April.

Grschichtostalender. 2. April. 1872: ff Samuel Morse, Erfinder des Schreibtelegraphen. 1865: ff Richard Cobden, berühmter Vertreter der Freihandelslehre. 1852: ff Theodor Althaus in Gocha, hervorragender politischer Schriftsteller ( 22. Oktober 1822 $11 Detmold). 1849: Sieg der Ungarn über die Oesterreicher bei Hatvan. 1848: Die Dänen besetzen Apenrade. 1840: * Emile Zola zu Paris, bekannter Romanschriftsteller. 1826: * Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen. 1817: ff Jung-Stilling in Karls­ruhe, berühmter Schriftsteller und Staaroperateur (* 12. Sept. 1740 U Grund in Westfalen). 1840: Absetzung Napoleons I. und seiner Familre durch den französischen Senat. 1813: Gefecht bei Lüneburg, Preußen und Russen nehmen den General Morand mit 2000 Mann gefangen. 1806: * Giacomo Antonelli, der einstige Kardinal-StaatS- fefretar Pius IX. 1805: * Hans Andersen, berühmter dänischer Marchendlchter. 1808: * Franz Lachner zu Rain, hervorragender Orchesterdirigent und Komponist. 1802: Seeschlacht bei Kopenhagen zwischen Dänen und Engländern. 1798: August Heinrich Hoff­mann von Fallersleben, deutscher Dichter und Sprachforscher. 1792: Kriegserklärung Frankreichs an Oesterreich. 1657: ff Ferdinand III., römisch-deutscher Kaiser (* 13. Juli 1608 zu ®raä)- . 1507: ff Franz de Paula, Stifter des Ordens der Minimen. - 8 April. 1897: ff Johannes Brahms in Wien, bedeutender Tondichter. 1882: ff Friedrich Kücken zu Schwerin, hervorragender Liederkomponist (* 16. November 1810 zu Bleckede). 1881: Erdbeben auf Chios. 1876: ff Severino Grattoni, der Erbauer des Mont Cennis-Tunnels. 1869: ff Alex Dreyschock, hervorragender Pianist und Komponist (* 15. Oft. 1818 ju Zak tn Böhmen). 1865: Grant und Sherman nehmen die von Lee gedeckte Doppelfestung Richmond-Petersburg. 1849: Ablehnung der Katserwurde Seitens Friedrich Wilhelm IV. 1849: Sieg der Ungarn über die Serben bei Sz. Tanrasz. 1839: * Karl Freiherr du Brel zu Landshut, philosophischer Schriftsteller. 1834: * Emil Rittet ShanS zu Barmen, hervorragender Dichter (ff 8. März 1897). ILHs ff Ha»s v. Auerswald zu Königsberg, hervorragender Ober- präfident von Ostpreußen. 1793: Danzig wird preußisch. 1783: 7^">dwgton Jrvmg, hervorragender amerikanischer Schriftsteller 1203: Ermordung des Herzogs Arthur von Bretagne zu Ronle.

»rrrnnnl-ltndjrid)tnt. Se. Majestät der König von Rumänien hat dem Stationsvorsteher 2. Klasse Herrn D- Lo hmann frubtt zu Langenschwalbach, jetzt zu Wiesbaden wohnhaft, das Ritterkreuz des Ordens der Krone von Rumänien verliehen. Der seitherige erste Büreanbeamte bei der hiesigen

König!. Eisenbahn-Betriebsinspektion I, Herr Rechnungsrath

Burkert ift ab 1. d. M. auf fernen Antrag mit Pension in den Ruhestand versetzt worden.

MaltzaUn-Ttzrnter. Das Festprogramm des Walhalla- Theaters und -Etablissements für die beiden Osterfeiertage ist wieder so reichhaltig, daß wir eS zur Orientirung unserer Leser hier kurz wiedergeben wollen, damit die Tagesordnung darnach eingerichtet werden kann. An jedem der beiden Feiertage finde» zwei Vorstellungen beS vollständig neuen, ganz besonders hervor, ragenden Programms statt. (Um 4 Uhr ermäßigte, Abends 8 Uhr einfache Preise.) Im Hauptrestaurant finden jedesmal um 117, Uhr Vormittags Frühkonzerte (Theater-Orchester) statt, im Walhalla-Keller beide Male um 7 Uhr Abends (sowie bei schlechtem Wetter auch Nachmittags 4 Uhr) Konzerte. Im Theatersaal (nach der Abendvorstellung,All Uhr): Großes Konzert. (Theater. Orchester. Eintritt frei.)

lieber das Reichshallen Theater schreibt man uns: Mit dem heutigen Tage geschieht die Wiederaufnahme der Vor­stellungen, und zwar diesmal mit einem Programm, an welchem der verwöhnteste Kritiker seinen Wohlgefallen finden muß. In Wies­baden liebt man eben das Beste des Besten, und das soll diesmal im Reichshallen-Theater in vollstem Maße geboten werden. Von dem vielseitigen' Material wollen wir fiir heute nur Einzelnes be­rühren. Da ist cs vor Allem Meßters Kosmogravh, dieser welt­berühmte Apparat, der uns die sensationellsten Bilder vor Augen führen und verwirfticheu soll. Wer hätte nicht gerne die Palästina, reife S. M. des Kaisers mitgemacht ober den, grandiosen Leichen« begängniß beS französischen Präsidenten Felix Faure beigewohnt- Der Apparat erfüllt Jedermanns Wunsch und giebt naturgetreu in unzähligen Bildern die so hoch interessante Kaiserreise und jede ein­zelne Phase des pompösen Leichenbegängnisses von Felix Faure wieder; aber außerdem werden täglich die neuesten und inter­essantesten Serien Bilder vorgesührt, ebenso Tagesaufnahmen von Wiesbaden. Eine zweite Sensation fiir Wiesbaden bedeutet ba3 Auftreten der Hilgert-Truppe, der einzig konkurrenzlos dastehenden Smoiwarterre-Akrobaten. Die Truppe wird Trics zeigen, bte jeder Sterbliche für unmöglich hält und anftaunen wird. Es würde für heute zu weit führen, wollten wir jede der 12 Zugnummern detaillirt angeben. Wir beuten nur flüchtig auf bie Novität für Wiesbaden, bie großartig, effektvoll breffirten, Serpentin tanzenden ßunbebes Mr.Anderffon, auf die französische JodlerkünftlerinMadame Vadaud, auf den so populären, ganz famosen Gesangs- und Tanz- Humoristen Theodor Lippart, die famosen Niggerexc-cntnques Cambray und Arlon, bte chice Soubrette Äuni Marie, die ganz ausgezeichneten Leiterakrobatleistungen der Original Brothers Oreuses, der lieb­reizenden und so ftimmbegabten Lieder- und Walzersängerin Selma Walter rc. rc. hin. Wir machen nochmals an dieser Stelle auf merksam, daß sowohl Sonntag als Montag je zwei große Vor- flelhiugen sind,und zwardie Nachmittagsvorstellungen 4 Uhr zu halben Preise» je ein Kind frei, die Abend-Vorstellungen trotz der ganz horrenden Kosten zu gewöhnlichen Preisen stattfinden. Niemand sollte eS versäumen, das sensationelle Programm zu sehen.

fartbilbttnßerdtnle des Kaufmännische«» Verein» Wiesbaden. Wie ans dem Anzeigentheil ersichtlich, beginnt dar eommerfemefter.obiger Schule am Montag, den 17. April, Abends 8 Uhr, in der Oberrealschule (Oranienstraße). Wir unter, hassen daher nicht, Eltern und Vormünder, sowie speziell die Herren Geschäftsinhaber auf diese Schule aufmerksam zu machen. An erstere ergeht, gerade jetzt, wo sich die Volks- und Mittel schulen rc. öffnen und die ihnen seit 8 Jahren zur Vorbildung Wgetheilten Zöglinge entlassen, die Bitte, sorafältigst zu prüfen, 06 sich der betreffende junge Mann auch thatsachlich fiir bie kauf­männische Thätigkeit eignet, bezw. ob er bie genügende Vorbildung besitzt, beim leider nur zu oft werden dem KaufmannSstanb Elemente zugeführt, welche nur geeignet sind, denselben in Miß­kredit zu bringen. Den Herren Chefs diene zur besonderen Nach­richt, daß derjenige Theil des neuen Handelsgesetzbuchs, welcher von den Gehülfen und Lehrlingen handelt, schon seit dem 1.Januar d.J. in Kraft ist. Der § 76 Abs. 3 beS Handelsgesetzbuchs bezw. ber

(Nachdruck verboten.)

Zrrm Achte empor!

Welch fröhliches Keimen und wonnig Erfchließeni Der heilige Ostergruß dingt durch die Welt. Er bringt in der Erde verborgenste Tiefen Und wcckt, was die Nacht dort umfangen noch hält. Da treibet hinaus tn das lachende Leben, Was hoffend und sehnend zum Lichte sich drängt. Zersprenget bie Fesseln, zerreißet bie Banbe, Die freies Entfalten gehindert, beengt.

Die Wellen, bie schäumenb bie Ufer bestreichen. Die Quellen, bie rauschend zu Thale geh'». Die taufend erwachenden Blüthenaugen, Die bankend empor zitn« Lichte seh'n. Die grünenden Zweige, vom Weste umspielet. Der Vögelein Sang über blumigem Ried: Sw bringen dem Herrn, dem Schöpfer der Welten, Ein jubelndes Auferstehuiigslied.

Zum Lichte empor! Ob des Todes Gewalten Auch hemmen einst Deinen wandernden Fuß, Es bringt aus des Grabes geöffneter Pforte Der Auferstehung erlösender Gruß.

Er trägt auf des Glaubens geheiligten Schwinge' Dem Lichte Dich zu, das Dein Leben erhellt. Nach dem Du gestrebt, für das Du gelitten Sm Kampf mit den finsteren Mächten der Welt.

Zum Lichte empor laß die göttlichen Keime Des Guten, des Wahren, des Schönen erblüh'n! Trag' segnend hinein in bas Dunkel bes L-benS Die Fuicken, bie Deine Seele durchglüh'n! Und kannst Du nicht gleichen dem kraftvollen Baume Der blühende Wipfel zur Hohe führt. Bist Du nur ein schwaches, grünendes Hälmchen, Lom Strahle der göttlichen Liebe berührt.

(Nachdruck verboten.)

Aus der Reichohauplstadt.

Ob goldige Aehren, im Winde sich wiegend. Ob nur eine Blume, am Wege versteckt. Ein Tropfen der Quelle nur, bie befruchtend Das bürte Erdreich zum Leben erweckt; Ein Ton nur im All, ber harmonisch «klingel In der Erstandenen heiligem Chor, Wenn Deine geläuterte Seele sich schwinget Zum Lichte empor, zum Lichte empor!

_________________________ F:. R-Yrd-L

Kerl in, 31. März.

Wenn, wie es doch die allgemeine Anschauung ist, der besonders aehednmßvolle Zauber des Osterfestes auf dem Zusammenhang desselben mit bem Wtedererwachctt der im Winterschlaf befangenen ^1: beruht, fotottb man es begreiflich finden, daß sich dieser Zauber m der Reichshaiiptstabt minber bemerkbar macht alsanderSwo. Du lieber Gott, was man außerhalb der Mauern Berlins Natur nennt so was giebtS h'" ja gar nicht", bas findet innerhalb der Mauern Berlms kaum eme Schlafstelle, geschweige denn eine Wohnung. Großstadtluft und Fruhlingsluft, das sind zwei Begriffe, bte einander un Wesentlichen ausschließen. Der Einfluß der Sonne ist 'n der Großstadt erheblich eingeschränkt worden, denn Gaslicht, Gasgluhlrcht und elektrisches Licht bereiten der freilich nicht nur kuebtenben, fonbern auch wärmenden Sonne eine scharfe Konkurrenz. Auch die Rolle, welche der sonne im .Faust" am Osterfest zugewiesen wird wenn es von ihr h«m .und die Sonne duldet kein Weißes", wird hier von der städtischen Reinigungsanstalt übernommen, benn diese 'st ef, welche die L-cheldegruße des Winters alsbald forträumen läßt, sobald sie uns kaum noch tn Gestaltvon Schneeflocken zugefiogen sind!

Dieser langen Rede kurzer Sinn ist also, daß mim in den engen Mauern der Großstadt vom Osterfest verhältnißmäßig weniger v-rspuren wurde wenn nicht - eben ein Wenn dabei wäre. Das Olterfruhlingssest hat in Berlin doch eine Stätte und diese Stätte find bte Schaufenster ^unserer Laden, die Form aber, in der das Osterfest an Meier ©tatte auftritt, ist oval. Wer um die Osterzeit d,e Straßen Berlins durchwandert der glaubt sich auf ein Ei­land versetzt und ist geneigt, sich für einen zweiten Kolumbus zu halten der zwar ketn Land, übet das berühmte Ei entdeckt hat, beim Berlin steht mt Zeichen des Ostereies. In den Schatt