Wiesbadener Tagblatt
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Ko. 154. Fernsprecher N». 52.
Abend -Ausgabe.
Dem Grdächtniß Kismarcks.
(Zum 1. April.)
Ein seltsames Rauschen und Raunen geht durch die alten Wipfel und Zweige im Sachsenwalde, welche die Grabstätte des großen Deutschen umsäuscln, auf einsamem Hügel errichtet, wie die Gräber der nordischen Recken, fern ab vom Getriebe der Welt, in das der Todte einst machtvoll eingegriffen. Die Blicke von Deutschland sind heute nach diesem stillen Orte gerichtet, die Gedanken von Millionen weilen dort, von wehmuthsvoller Trauer erfüllt die Wiederkehr des Geburtstags des ersten Kanzlers begehend, der nicht mehr ist. Aber wie sein Name nicht vergessen wird für alle Zeiten, solange der Menschen Geschlechter die Erde bevölkern, so wird seiner in treuer Verehrung und heißer Dankbarkeit gedacht werden, heute und immerdar, solange noch ein deutsches Herz schlägt, solange und wo immer ein deutsches Wort gesprochen wird. Die deutsche Eiche wird den Namen Bismarck tragen, so lange sie blüht und gedeiht, denn er gab ihr, als sie dem Verdorren nahe war, neues Leben, indem er die Bedingungen schuf, unter denen allein ihr Gedeihen möglich war und ist. Er gab uns den Glauben an uns selbst zurück, deshalb wird Jeder, der deutsch fühlt und denkt, der Sinn und Verständniß hat für Deutschlands Größe, heute des großen Tobten trauernd gedenken. Dieser Gedanke ist es, der heute die deutsche Nation aufs Neue bewegt und durchglüht — ohne Bismarck kein geeintes deutsches Vaterland. So lange diese Empfindungen das deutsche Volk beherrschen, so lange wird auch Bismarcks Genius stets mit uns sein und uns geleiten.
Samstage den 1. April.
1899.
Fernsprecher N». 52.
Deutsches Kelch
Ja, Handschuh' trägt der Herr sogar — Was ist denn nur mit dem passirt?
nicht!
*
*
Frieda: Was ist denn mit dem kleinen Franz? Der Junge kommt daher in Glanz, Er hält die Nase in der Lust
Und hört uu^ wenn man „Herr" ihn ruft. Er siebt die Kleinen kaum noch an Und dünst sich schon ein großer Mann;
Wie glatt frisirt hat er das Haar
Ein Abgeordneter: O wie schön! o welche Freude, Auf die Berge zu entfliehen!
(Nachdruck verboten.)
Die deutsche Militaruorlage in französischer Kelruchtung.
Unser Pariser s-Korrespondent schreibt uns: Die deutsche Militärvortage erweckte schon während der vier Monate, als fie im Werden begriffen war, das lebhafte Interesse der Franzosen; man untersuchte ihre wichtigsten Verfügungen vom technischen Standpunkte und verfolgte aufmerksam die verschiedensten Bildungsstadicn, die sie durchzumachen hatte. Nun, da sie für den Zeitraum von 5 Jahren zum Militärgesctze des deutschen Kaiserreichs geworden, werden ihr in den hiesigen Militär- und Journalistenkreisen ausführliche Besprechungen gewidmet, in denen eine methodische Zusammenfassung der eingeführten Aenderungen gegeben, und auf deren Tragweite für die Organisation der deutschen Armee hingewiesen wird. Im Allgemeinen glaubt man den Charakter des neuen Gesetzes dahin bestimmen zu können, daß es nicht so sehr eine Vergrößerung der Militärkräfte Deutschlands, als vielmehr deren rationelle Gruppirung und durch Vervollkommnung der schon bestehenden Einrichtungen die bestmöglichste Ausnutzung derselben bezweckt. Die thak-
sächliche Vermehrung der Mannschaft wird nur als naturgemäße Folge der stets wachsenden Bevölkerungszahl angesehen. Eine besondere Beachtung wird der Thatsache zugewendet, daß, als Ersatz für die neuen, den Steuerzahlern auferlegten Lasten, der „Versuch" der zweijährigen Dienstzeit eine Verlängerung auf weitere 5 Jahre erfuhr. In dem Umstand, daß die Militärbehörde, obzwar sie freiwillig diese Verlängerung bewilligte, dennoch den Ausdruck „Versuch" beibehiclt, sieht man einen Hinweis darauf, daß sie schon jetzt das Ergebniß der gemachten Erfahrung als negativ und beklagenswerth betrachte. Alle Mängel der verkürzten Dienstzeit: die ungenügende Zahl geschulter Soldaten, die Schwierigkeiten des Unterrichts, die Hindernisse bei der Rekrutirung der Cadres und die außerordentliche Ucberanstrengung derselben wurden in der groben, während der ersten Lesung der Vorlage abgehaltencn Rede des Kriegsministers aufs Schärfste beleuchtet, und dies könne als Drohung gelten, daß — im Falle für die erwähnten Nachtheile keine Abhülfe möglich sei, die versuchsweise eingeführte Verfügung zurückgezogen werden wird. Es ist nichts Arges darin zu erblicken, daß man diese Auslegung als Warnung für Diejenigen hinstellt, die in Frankreich — nach dem Vorbild Deutschlands — die Einführung der zweijährigen Dienstzeit befürworten. Als lächerlich tendenziös muß man es aber geradezu bezeichnen, wenn man der deutschen Militärbehörde die Absicht unterschiebt, durch die Fortsetzung des erwähnten Versuchs andere unvorsichtige Nationen, namentlich aber Frankreich, in die Falle locken zu wollen; es zu veranlassen, einen Schritt zu machen, dessen verhängnißvolle Folgen es nicht so leicht wie Deutschland ungeschehen machen könnte.
Bei Besprechung der für die Infanterie getroffenen Verordnungen, und speziell der Beibehaltung von 40 Regimentern zu je zwei Bataillonen, vermuthet man, daß für den Augenblick der Mobilisirung die Bildung eines Reserve-Bataillons in Aussicht genommen ist. In Bezug auf die Kavallerie hält man sich an die Worte des Generals v. Goßler, welcher derselben eine höhere Bedeutung als bisher zuspricht, und man setzt voraus, daß ihre effektive Vermehrung den Hauptpunkt der nächsten Militärvorlage bilden werde. In der Reduzirung der Abtheilungen in den neuen Regimentern erkennt man mit Recht die Absicht, die Autonomie und den Partikularismus in der Armee zu brechen und den Forderungen der modernen Taktik gemäß festzustellcn, daß die Kavallerie sich in ihrer Aktion an die Infanterie aufs Innigste anschließen, wenn nicht derselben unterordnen müsse. Als ungemein wichtig und die Einheit des technischen Unterrichts verbürgend, wird endlich die in das neue Gesetz aufgenommene Verordnung hingestellt, der zufolge die Verkehrs-Truppen vereinigt und einer einzigen Autorität unterstellt werden sollen. Als Resultat all dieser Betrachtungen ergiebt sich in der hiesigen Presse die gerechte, wenn auch neiderfüllte Anerkennung, daß diese harmonische, fortschrittliche Entwicklung eine für Kriegszwecke möglichst vollkommene und best kombinirte Militärorganisation vorbereite.
Der Herr Rath: Politisch bedeutsam ist diesmal der Lenz: Bald tagt ja die Friedenskonferenz.
Der Herr Sekretär: Im Haag tritt sie zusammen im Mai; Ob wohl etwas heraus kommt dabei?
Georg: Gottlob! Hier winket endlich eine Schenkel
Zu ihr ich eiligst meine Schritte lenke;
Die Kehl' ist trocken mir, ich spür' schon lange
Zu einem guten Schoppen große Lust.
(Verschwindet im WirthShauS.)
Christoph: Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange Ist sich des rechten Weges wohl bewußt!
(Folgt ihm.)
Gustav: Wie freu' ich mich, auf uns'rer Tour Zwei Tage zu streifen durch Wald und Flurl
Paul: Wenn nur das Wetter sich günstig hält Und uns kein Regen überfällt!
Es ist dem April so wenig zu trauen Wie launischen und koketten Frauen!
Gustav: Nun, ärger kann er's mit Tücke und Scherz Kaum tteibcn als der vergangene März, Bald unnatürlich warm und lind. Bald froftig, mit Schnee und rauhestem Wind. Die ungesunden Märzwetter-Capricen Viel böse Krankheiten aufkommen ließen.
Paul: Arg hauste die Influenza wieder!
Gustav: Ich selber lag eine Woche darnieder. Bin aber jetzt wieder kreuzfidel. Gesund und frisch an Leib und Seel', Hab' mich noch selten so wohl befunden!
Paul: Mög' jeder Erkrankte so voll gesunden!
Erleichtern will man der Völker Lasten
Das Ueberbieten im Rüsten soll rasten Und ruhen die militärische Schraube. —
Der Herr Rath: Die Botschaft hör' ich wohl, Allein mir fehlt der Glaube.
sowie der Prinz doi gelaufen. Geh. Rath .. ___ vlv
der Beamten der Reichskanzlei. Geh. Regierungsrath Haape aratulirte im Namen der badischen Regierung. Eine städtische Deputation unter Führung des Oberbürgermeisters Gönner überreichte Namens der Stadt Baden einen Lorbeerkranz. — Das .Neue Wiener Tageblatt" widmet dem Reichskanzler Fürste» Hohenlohe zu seinem gestrigen 80. Geburtstag einen äußerst sympathisch gehaltenen Artikel, in welchem demselben das Zeugntß ausgestellt wird, daß er fein Amt als deutscher Kanzler bisher ganz und in vornehmster Weise ausgefüllt und stets treu geblieben fd der eigenen politischen Vergangenheit, sowie der Vergangenheit seines deutschen Geschlechtes. - Dem Berliner „Lokal-Anzeiger" zufolge ist m Baden-Baden als Geschenk Kaiser Wilhelms eine werthvolle Vase mit dem Bildniß des Kaisers eingetroffen.
* Den Mauen Bismarcks. Am 1. April wird die nationalliberale Partei in der Kapelle zu Friedrichsruh am Grab des Fürsten Bismarck einen Kranz niederlegen lassen. Die Schleife wird die Aufschrift tragen: Dem großen Kanzler in Treue und Dankbarkeit die nationalliberale Partei Deutschlands.
*Die deutsche Gegnerschaft gegen die angto-ameri» «anische xerbrndernng in den Vereinigten Staaten von Nord- Amerika gewinnt immer mehr an Heftigkeit. Wie das „Berliner Tageblatt" aus New-Port meldet, sind alle deutschen geselligen Vereinigungen, religiöseii und polittschen Gemeinschaften in Chicago aufgefordert worden, Delegirte zu entsenden zu einem Meeting am 17. April zwecks Bildung einer ständigen Organisation zum Protest gegen eine englisch-amerikanische Allianz. Diese Organisation durste einen nationalen Charakter tragen, da die Persönlichkeiten, welche die Anregung zu diesem Meeting gegeben haben, mit hervor- ragenben Deutscy-Amerckanern in New-Kork, Philadelphia, St Louis, Milwaukee, Buffalo und anderen Städten in Verbindung stehen, um ui diesen Orten ähnliche Organisationen ins Leben zu rufen.
* Zur Kamoa-Lragr erhält die „Franks. Ztg." ans New- No rk, 31. März, die telegraphische Meldung, daß ehestens ein modus vivendi erzielt und die ganze Angelegenheit einer Kommission, aus drei Vertretern der Vertragsmächte bestehend, überwiesen werde. — Der Londoner „Daily Chronicle" meldet ans Washington, em Mitgliid des Kabinetts habe geäußert, das Bombardement von Apia müsse als ein bedauerlicher Zwischenfall angesehen werden, brauche fedoch nicht die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu beeinträchtigen oder die gegenwärtigen Verhandlungen zu stören. Je länger man bett
* S»f- «nd V-rsonal-Uachrichfru. Wie aus Kiel ge« melbet wird, tritt Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaise'L Paares, Ende Juni eine Reise um die Welt an, welche etwa iflfa Monate dauern wird. Die Fahrt, welche mit dem Schulschiff „Charlotte" ansgeführt wird, soll sich über Südeuropa, Eguptest, Ostafnka, «ndwestafrika, Südamerika und Wesfindien erstrecken. ., * RZchskanrlrr Fürst Hohenlohe hat vom Kaiser folgendes Telegramm erhalten: „Ich freue Mich, Euer Durchlaucht mr heutigen Vollendung Ihres 80. Lebensjahres Meine wärmUi Glückwünsche aussprechen zu können. Gott der lsterr hat Sie in Ihrem Leben und in Ihrer Arbeit bisher sichtbar gesegnet; er wolle Ihnen auch ferner Gesundheit und Kraft verleihen, daiM Ihre ausgezeichneten Dienste Mir und dem Vaterlande noch lang erhalten bleiben mögen. Ich weiß Mich eins mit Meinen hoben Verbündeten und dem ganzen deutschen Volke, wenn Ich Ihne» auch an Ihrem heutigen Ehrentage die Gefühle tiefempfiindenen Dankes zttm Ausdruck bringe für die aufopfernde Treue, Mit welcher Sie als ein leuchtendes Vorbild Ihres so verantwortungs- vollen Amtes walten. Ihr wohlgeneigter Wilhelm, I. R." — 8tu8j8nbetuS8aben, 31. März, wird gemeldet: Die Feier des W. Geburtstags des Reichskanzlers wurde heute hier nn engsten Familienkreise begangen. Aiiwesend waren Prinzessin Elisabeth zu Hohenlohe, Erbprinz Philipp und dessen Gemahlin, ferner Prinz und Prinzessin Alexander zu Hohenlohe mit ihren beiden Kinder», sowic^ der Prin^ von Ratibor. Zahllose Telegramme sind ein- > v. Wilmowski überbrachte die Glückwünsche en der Reichskanzlei. Geh. Regierungsrath Haape im Namen der badischen Regierung. Eine städtische
(Nachdruck verboten.)
Osterspaziergang.
Von Willy Widmann.
Karl: Zum Feste kamen glücklich nach Haus Die tapferen „Bulgari»"-Mannen, Die über Meer und Sturmesbraus Durch HeldenMuth den Sieg gewannen.
Ernst: Voll Jubel das deutsche Volk fie empfängt, „Heil Euch!" ertönt es in allen Landen; Bewunderung die Braven unibrängt, Die — verloren geglaubt — wieder anferstanden!
Karl: Sie preisen nun freudig ihr Geschick, Daheim bei den Lieben wohl geborgen; Nach Nöthen und Bangen jetzt Ruhm und Glück — Wie herrlich solch ein Ostetmorgen!
Anna: Ganz einfach: Franz ward tonfirmirt!-
*
Radler: Ha, welche Lust, mit hübschen Madeln
Am Osterfest frisch, froh, frei Hinaus im Blitztempo zu radeln An manchem Meilenstein vorbei!
Erste Radlerin: Ha, welche Lust, auf dem Bicycle Dahm zu taufen federleicht!
Zweite Radlerin: Halt' auf dem Roß von Stahl und Nickel Ich Sicherheit nur tchon erreicht! —
Dr. Fäustlein: Habe zwar eifrig Philosophie, Theologie und Juristerei Erfolgreich studirt, doch leider nie Die schöne Kunst der Radelei!
Dr. Mephi-Stoffel: Du wirst sie wohl noch lernen müssen. Denn Gretel mag Dich nimmermehr Trotz Deinem überreichen Wissen, Kannst Du nicht radeln nebenher.
vr. Fäustlein: Sieh'doch: Die Kleine fiel vom Rade, Hat leicht verletzt sich das Gesicht, Hat sich den Fuß verstaucht, wie schade!
vr. Mephi-Stoffel: Was thut's? Sie ist die Erste
Statt in Wallots Reichsgebäude In den lieben Wald zu ziehen. Aus bet Vöglein Sang zu lauschen. Zu erholen sich im Freien, statt die Meinung auszutauschen liebet Stiicksche Malereien, Mit vergnügtem Sinn unb Hetzen Die Natur zu inspiziren. Statt mit zweifelhaften Scherzen lieber Kunst sich zu blamiren!
* * *
Kaspar: Wie geht es, Fteniib? Du siehst gut au«! Zogst fleißig wohl in den Wald hinaus Und hast auf Schnepfen Jagd gemacht? Einige Langschnäbler glücklich heimgebracht?
Max: Von Schnepfen schweig'! Habe unverdroffen Ans sie gelauert, doch nichts geschossen! Im nächsten Iaht bleib' ich daheim. Fürwahr, der bekannte Jägerreim Paßt in der Gegenwart nicht mehr. Et sollte jetzt lauten ungefähr: Oculi — wo bleiben sie?
Judiea — fie sind noch nicht dal Palmatum — ttaUarum!
Qnasimodogeniti — Schnepfen sah und schoß ich nie! * * *
Paula: Nun, kleiner Hans, hat der Osterhas Dir recht viel Freude bereitet und Spaß?
Hänschen: Fand drei Häschen von Schoddolade, Einen beim Schrank, zwei im Ofen versteckt. Einem fehlte das Ohr!
»Paula: Wie schade!
Hänschen: Der hat berabe am besten beschmeckt!
