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Wiksbg-kmr Sagblatt

«s. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27

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Uo. 152. Fernsprecher 91». 52. Donnerstag) den 30. Marz. Fernsprecher No. 52. 1899.

Abend -Ausgabe.

W

RrichsKan»ler Fürst fu Hohenlohe.

Morgen Freitag, 31. März,vollendet Fürst Hohenlohe sein 80. Lebensjahr. Beistehend geben wir ein Porträt des genannten Staatsmannes, der in seinem hohen Alter noch die verantwortungs­volle Bürde der Reichskanzlerschaft trägt.

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Weibliche Aerxte.

In nicht allzu ferner Zeit werden Diejenigen, welchen, ohne daß ftebie Ausschreitungender VerfechterinnenderFrauen- Emanzipation billigen, die Forderung der Frauenfrage und der berechtigten Fraueninteressen am Herzen liegt, sich eines wesent­lichen Fortschritts in dieser Frage erfreuen dürfen. Derjenige Theil dieser Frage, welchen wir als den wichtigsten erachten, nämlich die Zulassung der Frauen zur ärztlichen Approbation, wird in Bälde feine endgültige Lösung erfahren, und zwar eine Lösung im Sinne des berechtigten und nothwendigen Fortschritts. Wie berichtet wurde, ist eine Vorlage an den pundesrath in Vorbereitung, welche die Zulassung der Frauen zu den ärztlichen, zahnärztlichen und Apotheker- Mfungen regelt und diese Zulassung für diejenigen Frauen Vorsicht, welche einen ordnungsmäßigen Studiengang als Hospitantinnen (die Zulassung der Frauen zur ordentlichen Immatrikulation wird nicht geplant) zurückgelegt haben.

Wir begrüßen diesen uns bevorsteheuden Fortschritt mit Genugthuung, denn die Zulassung der Frauen zum ärzt­lichen Beruf die Zulassung zum zahnärztlichen und Apothekerberuf wird von weit geringerer praktischer Bedeutung sein haben wir von jeher als den dringlichsten Theil all SS»»-MM»»»

der Fragen betrachtet, die man unter der Gesammtbezeichnung Frauenfrage" zusammenfaßt. Abweichend von den An­schauungen der meisten Streiter auf dem Gebiet der Frauen­frage halten wir jedoch diese Frage weit weniger für eine Erwerbs- als Sittlichkeitsfrage. Diejenigen, welche den Frauen den ärztlichen Beruf deshalb zugänglich machen wollen, um den gebildeteren und begabteren unter ihnen einen Beruf zu schaffen, befinden sich in einer starken lieber« schätzung der Aussichten, welche den Frauen hierdurch er­öffnet werden. Ein großer Theil der Aerzte kämpft schon heute einen schweren Kampf ums Dasein, der sich für die weiblichen Aerzte zumeist noch schwerer gestalten dürfte. Es ist auch ein vollständiger Jrrthum, in dem auch besonders diejenigen Aerzte befangen sind, welche sich gegen die Zu­lassung der Frauen aus Furcht vor ihrer Konkurrenz sträuben, daß nach der Zulassung der Frauen zur Appro­bation sich alle Städte mit weiblichen Aerzten bevölkern würden. Es sind dies ganz phantastische Anschauungen. Auf absehbare Zeit hinaus wird sich nur eine kleine Anzahl Frauen dem ärztlichen Beruf zuwenden und zuwenden können. Wie nur in einer größeren Stadt die Bedingungen für die Niederlassung eines Spezialarztes gegeben sind, so wird auch der weibliche Arzt zunächst nur in größeren Städten feinen Beruf auSübeit können, denn auch der weibliche Arzt ist ein Spezialarzt und wird dies bleiben. Dazu kommt, daß dies Spezialgebiet der weiblichen Aerzte aus mannigfachen Gründen, ans dem Glauben an die Ueberlegenheit des männlichen Arztes, ans Bequemlich­keit, aus Vorurtheil und weil Viele auch nachher lieber einen als zwei Aerzte konsultiren werden, immer eine erhebliche Einschränkung erfahren wird.

Wir führen dies an, um zu zeigen, daß die Furcht vieler Aerzte, durch die Zulassung her Frauen zur Approbation in ihrem Erwerb schwer beeinträchtigt zu werden, sehr über­trieben ist, und daß nicht minder übertrieben die Hoffnungen Derjenigen sind, welche in dem Glauben leben, durch diesen Beruf den gebildeten Frauen in umfassenderem Maße einen Erwerb zu sichern. Wir gestehen aber offen, daß für uns dieser Punkt erst in zweiter ober dritter Linie in Betracht kommt und daß für uns das entscheidende in dieser Frage nicht der weibliche Arzt, sondern der weibliche Patient ist. Die Aerzte selber klagen darüber, daß es viele Frauen giebt, die nur die zwingendste Nothwendigkeit zum Arzt treibt, während sie sich leicht entschließen würden, bei Beschwerden und Leiden, die anfänglich als minder gefährlich erscheinen, sich einem weib­lichen Arzt anzuvertrauen. Diese weibliche Schamhaftigkeit, die sich vor der Berührung mit dem männlichen Arzt scheut, und die doch jeder vernünftig Denkende als voll berechtigt anerkennen wird, ist für uns das wesentlichste Moment in dieser Frage. Eine Reihe der schwersten Frauenkrankheiten bietet im Anfang nur geringe Symptome. Hier wäre die rechtzeitige Erkenntniß der Gefahr von der allergrößten Bedeutung, und es ist eine traurige Erfahrung, daß viele dieser Leiden nie mehr vollständig geheilt werden, weil die Leidenden aus ihrem weiblichen Scham­gefühl heraus sich zu spät entschlossen, ärztliche Hülfe in Anspruch zu nehmen. Wenn in Zukunft auch keineswegs allent-

(Nachdruck verboten.)

Ulonatsriickblickr.

(Eigenes Feuilleton für das.WiesbadenerTagblgtt'.) Von Julius Rosenthal.

II.

Man soll den Winter vor dem Lenz nicht loben.

Denn das verdient der alte Knabe nicht. Auch diesmal hat er drohend sich erhoben Und schneite schnöd' dem Lenz ins Angesicht.

Ins Schloß warf er jed' Fenster, jede Thüre, Die aufgethan sich bei des Lenzes Nah'n, Und der enttäuschten Kurstadt rief erFrie re', Da ward zur Eisbahn unser Frühlingswahn.

Was kommt dem Winter bei', frug angstvoll Jeder, .Daß erst beim scheiden er die Hände rührt?' Je nun, es kommt bei uns gar Vieles später. Das hat der Winter endlich auch kapirt.

Schon schien c» uns, als hab' er sich verkrochen. Und für die Kur war Alles fertig bald. Die Straßen waren prächtig aufgebrochen. Und wo man hinkam, roch es nach Aspbalt.

Ans allen Straßen liegen schwarze Röhren, Erdwall an Erdwall un|er Äug' entzückt. Und tiefe Gräben, die sich täglich mehren. Durch alte Bretter stilvoll überbrückt.

Nur Einfaltspinsel nörgeln da und schmähen. Daß biete Arbeit nicht schon längst geschah, Sollt's etwa schon im Januar geschehen. Zu einer Zeit, wo kaum ein Fremder da?

Den Fremden gelten diese Barrikaden,

Sie zu erfreun war immer unser Fall, Und ausgeriss'ne Wege und Prom'naden, Die hat so'n Kurgast doch nicht überall.

Liest er dann hier und bort noch die Plakate:

.Die Dampfwalz' kommt", .Die Straße ist gesperrt' Dann dankt er froh bewegt dem Magistrate Und geht vergnügt ins Nachmittagskonzert.

Der Lenz traf dieses Jahr auf Jemen Wegen

Viel' rokhe Nasen, manche saure Mien', Dem Holden war'S, als käm' er ungelegen, Denn Alles war verschnupft, als er erschien.

Die Teiche findet er noch eisbekrustet. Die Welt noch öd, halb in des Winters Bann Von allen Seiten wird er angehustet Gemüthlich hat er's nicht, der junge Mann.

Doch geht ans Werk er ohne Scheu und Schonen, An yundert Stellen waltet er zugleich Weckt unterm Schnee im Wald die Anemonen Er färbt die Wiesen, macht den Boden weich.

Bald regt es sich in Feld und Wald und Weiher, Die Käfer wagen keck hervor sich all' Die Häslein legen Chocolade-Eier

Der Radler holt sein Stahlroß aus dem Stall.

An Baum und Strauch erscheinen grüne Reiser, Die Veilchen blühen an verborg'neni Ort Die Damen putzen j i ch und ihre Häuser, .s chneid 'r in" und .Schneider" heißt das Losungswort.

Das ist die Zeit verjüngter Lebensfteude Wo jeder Tag aiiss Neue uns ergötzt Und wo em Brief vom hohen Rathsgebäude Dem Burger sagt, wie hoch man stets ihn schätzt.

In Preußen, Hessen, Bayern und in Sachsen Ist dies ein älterer Aprilgebrauch

Und daß die Bäum' nie in den Himmel wachsen Sogar im Frühling nicht das lehrt er auch. _ ®°,cb. 'ft ber~cltS die Zeit des Hoffens immer. Die Zelt des Werdens auf der Gotteswelt Wo selbst dem Aermsten einen Hoffnungsschimmer Ern gütiges Geschick nicht vorenthält.

So sei's nicht minder denn auch uns gestattet. Der frohen Honnung Raum zu geben heut' Daß Zwietracht nicht das Frühlinqsqlück beschattet In nni'res Deutschen Reiche« Herrlichkeit.

unser Deutschland doch der Welt im Lenze, Ern Reich des Aufbluh'ns ist's, des Friedens Hort, Der Arbeit und des Fleißes schöne Kränze, Die windet es um's Haupt sich fort und fort.

Geschätzt von allen Staaten und geachtet VW's der Welt in freundlichstem Kontakt, Selbst China hat ihm ein Stück Land verpachtet (Noch 100 Jahre läuft der Miethkontrakt).

halben ein weiblicher Arzt vorhanden fein, aber doch zumeist unb für die Meisten zu erreichen fein wirb, so zweifeln wir nicht daran, daß dies für die Gesundheit eines nicht geringelt Theils der Frauen von außerordentlicher Bedeutung sein wirb. Dies ist für uns das Entscheidende und deshalb be­grüßen wir beit uns bevorstehenden Fortschritt mit Genug» thullng. Den Einwand aber, daß der ärztliche Beruf die Sittlichkeit der weiblichen Studirenden und der weiblichen Aerzte gefährdet, weisen wir als leere Phrase zurück, und richten an Diejenigen, welche diesen Einwand erheben, di« bescheidene Anfrage, ob ihnen nicht bekannt ist, daß wir feit Jahrhunderten Hebeammen, Heilgehülfinnen unb Kranken­pflegerinnen haben. Weshalb soll aber hier, wenn zwei baSfelbe thun, es nicht basselbe fein! Dr. P.

Die große afrikanische Gisenkahn.

Unser Londoner u-Korrespoudent schreibt:

Selbst Diejenigen, die hier gegen die neuerliche Annäherung zwischen England und Deutschland nichts einznwenden hatten, und die gleichzeitig für den großen Plan des Mr. Rhodes schwärmten, nahmen die Kunde von der Theilnahme Deutschlands an demselben mit sauersüßer Miene auf. Andere aber, die weder von anglo- germanischen Bündnissen, noch von der Stammverwandtschaft und darauf gegründeten sentimentalen Gefühlen etwas wissen wollten, gaben trotz aller Begeisterung für Rhodes ihrem Mißfallen Aus­druck, und Diejenigen schließlich, die von jeher weder dem Mann noch seinem Plan hold waren, machen nun in dem ihnen zugäng­lichen Theil der Presse einen Heidenlärm. Vorläufig be­sitzt . Rhodes noch keinerlei bindende Zusage der englischen Regierung, und so durste wohl ein Versuch gemacht werden, dieselbe durch entsprechende Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu hintertreiben. Im Zusammenhang damit erklärte soeben ein leitender liberaler Politiker in einem der Organe seiner Partei:Der Nimbus, der die Persönlichkeit Cecil Rhodes' umgiebt, und ein gewisses Etwas in feinem Plane, das dem Nationalstolz schmeichelte, verschafften ihm eine Art stillschweigende Zustimmung zu der transkontinentalen afrikanischen Eisenbahn, bfe von gewichtigen Leuten, d. h. gründlichen Kennern Afrikas, als ein von vornherein verfehltes Unternehmen betrachtet wird. Bis zu dem Augenblick, wo Mr. Rhodes seine Reise nach Beritt, antrat, war Jedermann in dem Glauben erhalten worden, es gälte, eine britische Bahn mit britischem Gelbe durch britisches Gebiet in der ganzen Länge des riesigen schwarzen Erdtheus anzulegen. In dem Augenblick, wo diese Absicht ausgegeben wurde, hätte man auch den ganzen Plan fallen lassen sollen, denn die Theilnahme Deutschlands an demselben würde der schwerste Schlag sein, der englischem Interesse in Afrika je versetzt werden könnte. Der strategische und natürlich auch der sentimentale Werth derselben ist verschwunden, und so bliebe ihr denn nur noch der kommerzielle, wäre ein solcher denkbar." Die Gegner des Unternehmens, und unter diesen befinden sich nicht nur leitende Handeltreibende, sondern auch die verschiedenen Afrikaforscher, sind der Ansicht, daß sich auf der Bahn weder ein Güter- noch ein Personenverkehr entwickeln könnte, der groß genug wäre, auch nur die Betriebskosten zu decken. Für Reisende bietet aber auch der Seeweg nach Kapstadt ungleich größere Annehmlichkeiten, als die Landlinie je zu thun vermöchte, und was die Güter­beförderung anbetrifft, so ist dieselbe per Wasser bekanntlich ftetif am billigsten. Die Widersacher Mr. Rhodes mögen aber Nicht einmal zugeben, daß die Bahn die Eröffnung des Inneren Slftfta^ fördern könnte, denn wie sie sehr richtig ausführen, würden daS nur verhältnißmäßig kurze Strecken sein, die vom Innern in möglichst gerader Linie nach dem nächsten Hafen an der Küsst führen. Mit diesem Ziele im Auge wurde s. Zt. die Uganda- Eisenbahn geplant, die den Handel in dem ganzen Gebiete des

Macht' d'rum auch unserm Vaterland im Innern Der Eintracht Fahne flattern hoch voran. Daran mit allem Nachdruck zu erinnern, Ist Recht und Pflicht für jeden deutschen Mann.

Denn Streit Bringt Leid, aus gar zunicht'gem ®ntnbe Brach häufig leider schon ein Zank hervor. Bald ist's ein Wort aus unberufnem Munde, Bald ist's ein einfach Friedhofsgitterthor.

Den Märzgefall'nen kann es nichts mehr nützen. Ob ihre Ruhestatt' geschmückt, ob nicht. Doch Deutschland kanii's nicht stürzen und nicht stütze«. Wenn Pietät den Tobten Kränze flicht.

Für Bürgerrechte haben sie gestritten. Ein schwer Vergehn in jener trüben Zeit. Doch werd' um sie, die für die Freiheit litten, Der Meinungskamps nicht immerfort erneut I

Auch heute noch warum'« nicht offen sagen l Ist Freiheit ein erstrebenswerthes Ziel, Die kann der allerschwächste Mensch vertragen, Denn, da sie kostbar, giebt's nicht leicht zuviel.

Karl Schurz folgt frisch und freudig ihren Spuren, Spielhagens Feder wirbt für sie noch jetzt. Und wirklich .problematische Naturen" Sind die, die nie der Freiheit Werth geschätzt.

Es lehrten uns die beiden Jubelgreise,

Daß durch die Freiheit nur der Mensch gewinnt. Daß freies Wort und freie deutsche Weise Des Volks der Denker einzig würdig find.

Scharfmacher aber tonnen wir entbehren. Denn ihr Geschäft ist Denunziantentdnm, Und ihrer sollt' man ernstlich sich erwehren. Bis stumpf ihr Schwert unb bis sie selber stumm.

Im Reichstag kam zur Freude wohl von Allen

Die Heeresvorlag' endlich unter Dach, Wenn 7000 Jnfant'risten fallen. Dann geht da« nicht so gänzlich ohne Krach.

Der Kriegsminister war gar sehr verdrossen, Er hat in seines Zornes Uebermaß 'ne Platzpatron' ins Centrum abgeschossen, Darauf ging Alles glatt, der Schreckschuß saß.