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WiesbMtkr Tsgblck

43. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

16,000 Abonnenten

No. 132

Fernsprecher N». 52.

1899

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

Politische Übersicht,

Er­

hoffe, die Erlaubnis rstthiere für die Ve­rhalten. Wir mußten

aus spätere Zei mehr int Besitzi. __

durch bat innerpolitischen Kampf Aller «ttonskrast geschwächt wird. Die Pol.. ... u .....tlu.ttlu)cu K* ÄÄÄS ,rabtaten LSwkN, di- sich gegenseitig »w auf otc Schwänze Aiffraßeil l

»int in zwei Ausgaben. vrzugs-Preis: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

* Rundschau im Reiche. Das gegen den Schutzmann Kiefer, der s. Z. ein anständiges Mädchen als Dirne arretirte und behandelte, eingeleitete Disziplinarverfahren endete mit der Derurtheilung desselben zu 10 Tagen Arrest. Er wird in die Schutzmannschaft wieder eingestellt.

Das Scherzwort: »Die Woche fängt gut an*, kann man jetzt füglich m bte Variante umwandeln:Die Woche hört gut auf" denn in heißer politischer Fehde setzte diese Woche ein, aber an ihrem Ende erschollen statt der KricgSdrommcten die sanfteren Schalmeien des Friedens. Der heftige Kamps um die Militär vor läge hat einen AuSgang genommen, mit dem und selbst die politischen Gegner können sich hierin vereinigen zum Schluß Jedermann jumeden sein kann, der sich nicht der Einsicht verschließt, daß eine Krisis aus Anlaß der Militärvorlage von schweren Schädigungen für unser Vaterland begleitet gewesen wäre. Mit der großen Mehrheit von 222 gegen 132 Stimmen hat der Reichstag am Doniierstag den in letzter Stunde, dicht vor Schicksalsthoresschlnß, angebrachten Kompromißantrag genehmigt und die Regierung hat ihr Placct zu diesem Kompromiß ertheilt. Es wäre grausam, zu ver- langcn, daß Diejenigen, welche nicht auf dem Boden des Kompromisses standen, diesem nicht nur znstimmen, sondern auch durch dasselbe befriedigt sein sollen. Genau genommen, giebt cs eigentlich es liegt dies in der Naturgeschichte des Kompromisses Niemanden, der durch ein Kompromiß zufrieden gestellt werden kann, denn ein Kompromiß cingchen, heißt eben einen Theil seiner eigenen Anschauungen aufgeben. Aber das Bessere soll nie der Feind d-S Guten sein, und so müssen selbst Diejenigen, welche durch

Der Kampf um die Mllitärvorlage hat in dieser Woche das allgemeine politische Interesse so ausschließlich in Anspruch ge­nommen, daß alle anderen politischen Vorgänge dagegen in den Hintergrund traten, obwohl es hierbei an solchen von hervor­ragender Bedeutung keineswegs mangelte. In erster Linie sind vier die neueste Wendung der Dinge auf Samoa und die V. Handlungen mit England betreffs der afrikanischen Bahn zu

,, * Abänderung des Mrmgesehes. In der Zeit vom 6. brS 9. Februar hat im Kaiserlichen Gcsundheitsamte eine Ver­sammlung von Sachverständigen auf dem Gebiete der Wein­erzeugung, des Weinhandels und der Nahrungsmittelchemie unter Zuziehung von RcgierungSvertretern über eine Abänderung des Wemg-s-tztS berathen. Der Zweck bet Verhandlungen war die

30,967 Reg.-Tons netto verloren gegangen. Dabei büßten von 1006 an Bord gewesenen Personen (784 Mann Besatzung und 222 Passagieren) 392 (178 Mann Besatzung, 214 Passagiere) ihr Leben an. Im Vergleich zum Bestand der registrirten deutschen Seeschiffe am 1. Januar 1896 beträgt der Schiffsverlust 2,31 o. H. Dagegen bezifferte sich der Verlust in den Jabreu 1895, 1894, 1898 und 1892 auf 4,15 v. H., 3,24 v. H 3,35 v. H. und 2,80 v. H. des Schiffsbestanoes am Anfang des be­treffenden Jahres. Schiffsnilfälle an der deutschen Küste wurde« im Jahre 1897 im Ganzen 383 gezählt, welche 520 Schiffe beträfe«, darunter waren 117 Kollisionen zwischen 2, 4 zwischen 3 unb 4 zwischen 4 Schiffen. Die Erhebungen der vier vorhergehenden Jahre hatten ergeben für 1896 351 Unfälle und 464 betroffene chiffe, für 1895 391 Unfälle und 529 betroffene Schiffe, für 1894 354 Unfälle und 463 betroffene Schiffe und für 1893 388 Unfälle und 534 betroffene Schiffe. Von den durch Unfälle betroffenen Schiffen sind 47 (1896 : 51, 1895 : 74, 189t: 50, 1893: 59) gänz­lich verloren gegangen, 303 wurden theilweise beschädigt, 169 biteben unbeschädigt und von einem Schiff ist über den Ausgang des Un­falls nichts ermittelt worden. Der Verlust an Menschenleben be­trug hierbei 53.

* 3« der frage, wer die Kosten der Palästinareise des Kaiserpaares bezahlt hat, erzählt der jüngst verstorbene Reise-

Marzhest von Cooks Weltreise-Zeitung, Ende Marz 1896 habe ihm auf dem Vesuv der deutsche Kaiser zuerst den Plan auseinandergesetzt das heUige Land und, wenn möglich, auch Egypten zu besuchen. Die Fahrt sollte zur Zeit der Fertigstellung der neuen Kirche und des Hospitals in Jerusalem erfolaen. Der Kaiser erwog die Einzelheiten der Reise mit großer Genauigkeit und schloß das Gespräch, indem er sagte, er habe nicht die Absicht, die Gast- fteundschast des Sultans ober sonst Jemandes anzunehmen, sondern werde, sollte bte Reise zu Stande kommen, sie nur unter Leitung d-S Herrn Cook unternehmen. Im Mai 1898 wurde dann mit dem ältesten Sohn Cooks der Reiseplan in den kleinsten Details ausgearbeitet, wöbet ausdrücklich betont wurde, daß fämmtliche Kosten zu Lasten des Kaisers gestellt werden sollten, da die Gast­freundschaft des Sultans , auf keine Weise benutzt werden würde.

Erste und Wichtigste war die Beistellung von mindestens 1400 b,S -1500 Thieren. bte aus allen Thcilen Syriens und Palästinas Herbetgeschafft werden mußten. Bald nachdem die definitiven Auftrage gegeben worden waren, sprach der Sultan telegraphisch den Wunsch aus,, zwei Staatskarofsen zum Gebrauch des Katfers und der Kaiserin herzustellen, und nach längerem Depeschenwechsel mit Berlin ward dieses Anerbieten acceptirt. Kurz darauf telegraphirte der Sultan neuerlich, er hoffe, die Erlaubnis zur Beiftellung sammtlicher Pferde und Lastthiere für die Be­förderung der Personen und des Gepäcks zu erhalten. Wir mußten den .deutschen Vertretern nun die Schwierigkeiten darlegen, die eine eventuelle Annahme dieses Angebotes haben würde. Da sich nämlich der Sultan hätte mit irgend einem Unternehmen in Verbindung setzen muffen, waren wir nicht in der Lage gewesen, bte Garantie für die richtige Durchführung der Reise zu übernehmen. DaS Resultat war, daß der Sultan, noch immer auf dieseur Punkte bestehend, uns Instruktion gab, die Thiere beizustellen; doch sollte die Durchführung auf seine Rechnung statt auf die des Kaisers gestellt werden. Aber auch das wurde nur für einen ganz kleinen Thetl der Tour angenommen.

ÄttKtftCH -Ammllme 12t«,lSaa?c bk 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

* nachsterschemendeil Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 8 B 6

Nnzeigcn-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für loeale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Aineigen 25 Pfg. Reklame« die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

: 5 seinn UitterftützungItaliens seine eigenen sntnessen verfolgt, indem es die Zahl der Wettbewerber in China Kuß land gegenüber erweitert, , wird ihm vernünftiger Weise England hat tn China neuerdings mit eben o dM taktischer Klughe t wie Erfolg gearbeitet unb es hat auch tn ber Frage der chinesischen Nordbahn-Anleihe Rußland geacn- 6ba, das sich genoilngt iah, seinen Einspruch zurückzuziehen, einen hockst bedeutsamen Erfolg erzielt Rügland hat seine Abrechnung auf spaten Zeiten vertagt. Vielleicht fühlt es sich zur Zeil nicht mchr un Besitze des nothtgen Rückhalts an Frankreich, das b.E? mne^olÄschen Kampf Aller gegen Alle in seiner äußeren AkttonSkraft geschwächt wird. Die Politiker tn Frankreich gleichen

Information der Reichsbehörden über die Wünsche der betheiligtett Berufskreise, sie haben in Form einer Umfrage ohne Fassung vou Beschlüssen stattgefunden. Als Hauptergebniß mögen nach der Jllordd. Allg. Ztg." die folgenden Punkte heroorgehoben werden: Beziiglich der verbotenen Zusätze wurde es für rathfam er­achtet, dem Bundesrath die Befugniß zu geben, bte Liste derselben nöthigenfallSzu erweitern. Zur Frage der Wei,ivermehrung durch Zucker- und Wasserzusatz war die Versammlung in dem Wunsch einig, daß der übermäßigen Vermehrung des Weines wirt» samer, als dies durch die chemische Untersuchung als ausführbar sich erwiesen hat, entgegengetreten werde. Gegen Kellerkontroll» jedoch war die weit überwiegende Mehrzahl der Fachmänner. Zur Feststellung von Grenzwertyen als Maß der zulässigen Wein» vermehrung wurde vou der überwiegenden Mehrheit der Versamm- lutig der Wunsch ausgedrückt, es möge in einem neuen Gesetz schärfer als bisher die Befugniß des Richters zum Ausdruck £oatmen, das Urtheil auf Grund des Indizienbeweises und Sachverständiaen-UrtheilS zu finden, während der chemischen Analyse nur der Rang eines zwar wichtigen, aber für sich allein nicht ausschlaggebenden Beweis­mittels zukonimen soll. Einhelligkeit herrschte in der Versammlung betreffs des Verbots der gewerbsmäßigen Herstellung der im § 4 bei WeingesetzeS erwähnten Arten von Kuussivetn. Außerdem rourbf angeregt, es möge die Verwendung von Essenzen ausdrücklich verboten werden. Ausnahmen von dem Verbot wurden für bte Tresterweine als Haustrunk und als Rohstoff für Brennereizwecke befürwortet. Eine weitere Anregung, das Feilhalten und de» Verkauf von Stoffen, deren Anwendung bei ber SBeinberettuna verboten ist, insbesondere auch von Rosinen, Weinhefen uns Trestem zum Zweck der Weinbereitnng zu untersaget^ fand allgemeine Zustimmung der Versammelten. Zur Ab» wehr unlauteren Wettbewerbs der durch Einpressen von Kohlen­säure hergestellten mit den durch Flaschengähriing erzeugte» Schaumweinen wurde verlangt, daß entsprechende Bezeichnungen auf Flaschen und Korken vorgeschrieben würden. Allseitig wurde der Wunsch ausgedrückt, eS möge eine Begriffsbestimmung für Wein" an die Spitze des Gesetzes gestellt werden. Bezüglich bet Strafbestimmungen wurde allgemein eine Verschärfung der an* gedrohten Strafen befürwortet.

tarnt, denn ein Kompromiß eingehen, heißt eben einen Theil seiner eigenen Anschauungen aufgeben. Aber das Bessere soll nie der Femd des Guten fein, unb jo müssen selbst Diejenigen, welche durch das Kompromiß nicht befnebigt sind, anerkennen, daß jedenfalls weit, ja unvergleichlich schlimmer dasjenige gewesen wäre, was uns «schieden war, wenn die Verständigung zwischen der Regierung unb den Mehrheitsparteien nicht erfolgt wäre. Und deshalb wteder- Yolen wir mit Fug unb Recht: »Die Woche hort gut auf!"

* lieber bic Ueritnaliirktmgen (Totalverluste) deutsch«? Seeschiffe bringen die Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutsche» Reichs folgende Zusammenstellung: 1896 sind 84 deutsche regtftrine Seeschiffe mit. einem Raiimgehalt von 36,282 Reg.-Tons brutto unb

Dabei büßten von

Deutsches Keich.

. * Berlin, 18. März. Unter äußerst zahlreicher Betheiligung fand gestern Mittag das Begräbniß Ludwig Bambergers statt. In der Wohnung des Verstorbenen wurde eine Trauerfeier abgehalten, an welcher u. A. Staatsminister v. Delbrück, zahlreiche Parlamentarier, darunter die Abgeordneten Rickert, Auer, Lieb­knecht, Munckel, Barth, ferner hervorragende Persönlichkeiten aus den Kreisen der Lltteratur und viele andere, im öffentlichen Leben stehenden Männer Theil nahmen. Professor Theodor Mommsen widmete dem entschlafenen Freunde und Gesinnungsgenossen kurze herzliche Worte. Er hob die vornehme Gesinnung Bambergers und seinen lauteren Charakter hervor. Das Trauergemach, sowie Flur und Treppenaufgang waren mit zahlreichen Kränzen geschmückt. Unter den Kränzen befanden sich solche seines Wahlkreises Bingen- Alzey, ber freisinnigen Vereinigungen des Reichs- und Landtags, des Vereins zum Schutze der Goldwährung u. A. Seine Ruhe­stätte auf dem Friedhof hat Bamberger, der sich jede geist­liche Mitwirkung bet feinem Begräbniß verbeten hatte, unmittelbar neben dem Grabe Laskers erhalten.

Ans Anlaß der Märzfeier hatten die Sozialdemokraten 12 große Volksversammlungen in allen Wahlkreisen einberufen, in denen die Ereignisse ber Märztage von 1848 geschildert werden sollten. Eine Versammlung der Berliner Anarchisten soll am 19. März stattfinden.

* Geschäftslage des Abgeordnetenhauses. Das Abgeordnetenhaus hofft bte dritte Berathung des Staatshaushalts heilte zu Ende führen zu können. Alsdann wird er sofort dem Herrenhause zur weiteren Veranlaffung zugehen. Die Fincmz- kommisflon des Herrenhauses gedenkt bereits am 20. d. M. mit dem Staatshaushalt sich zu beschäftigen. An demselben Tage wird die verstärkte Kommunalkommission zur zweiten Lesung des Gesetz­entwurfs über Anstellung unb Besoldung bet Kommunalbeamteu zusammentreten Am. 21. d. M. soll die Kommission zur Vor- berathuna der Charfrettagsvorlage ihre seit einiger Zeit vertagt ge­wesenen Berathungen wieder aufnehmen. Im Abgeordnetenhaus werden m nächster Woche nur Petitionsberichte erledigt werden. Die erste Berathung der Kanalvorlage dürfte erst nach den Oster­ferien ftattfmben.

ganotungen mir England betreffs bet afrikanischen Bahn zu er­wähnen. Auf Samoa ist dem Konflikt zwischen den drei Ver­tragsstaaten, Deutschland, England und den Vereinigten Staaten, unerwartet schnell ein freilich nur provisorisches Ende bereitet worden, unb wir wollen wünschen, daß diesem provisorischen nicht das dicke Ende nachfolgt. Bei diesem provisorischen Einvernehmen, dem, man weiß noch nicht wann, das definitive nachfolgen soll ist nach berühntem österreichischen Muster gearbeitet worden, nämlich na* bem Grundsatz: Es wird fortgewursteltl Aus Samoa bleibt vorläufig Alles provisorisch; es wäre mithin nur folgerichtig, daß man an Stelle des in der Schwebe befindlichen Königs einen Provisor als Oberhaupt einsetzte. Lieber wäre es uns freilich, baß man in Bezug auf Samoa in Bälde sagen konnte: Die Sache liegt befinitiefer!

Ausland.

* Italien. Nach der,Italia Militaria' richtete Negus Menelsi ein zweites Schreiben an König Humbert, in welchem er definitiv die neue erythräische Grenze anzunehmen erklärt.

~ * Frankreich. Ein dem Blatt .Politiken' nahestehender >rreund ZolaS, welcher diesen in England besuchen wollte, hat einen Brief ZolaS erhalten, in welchem dieser schreibt: Ich bin so hinge, ein Verschollener für Ausländer und für Franzosen, als Dreyfus nicht für unschuldig erklärt worden ist.

* Zamoa. Aus Apia wirb telegraphirt, daß der britische und amerikanische Konsul Proklamationen erlassen haben, in welchen sie in Abrede stellen, daß Mataafa anerkannt sei unb ein energisches Vorgehen androhen, falls die Malietoa-Leute weiterhin beläftigt würben. Der deutsche Konsul hat darauf eine eigene Kundgebung erlassen, in der er die provisorische Regierung aufrecht erhält und die Hoffnung auSfpricht, daß dieselbe im Stande sein werbe, ben neuen Gefahren zu begegnen, welche durch bie englisch- amerikanische Proklamation angebroht worden. Nach Ankunst der .Philadelphia" hatte der Admiral Kautz Konferenzen mit dem britischen und amerikanischen Konsul. Darauf brachte bie provisorische Regierung bie Malietoa-Gefangenen auf das Festland und ließ über ihre Kopfe Hinwegschießen, damit sie eingeschüchtert würden. Man glaubt, daß ein Ultimatum geschickt wirb, und be­fürchtet neue Kämpfe.

* vereinigte Staaten, lieber daseinbalfamirte* Fleisch tm amerikanischen Heere veröffentlicht jetzt bet LondonerLancet" eine ausführliche Auseinandersetzung, in bet besonders die vom Oberstkommandirenben General Milcs erhobene Anklage wiedergegeben ist. Der Heerführer schrieb: .Außer bei; Berichten der Regimentskommandeure habe ich eine große Menge von Beweismaterial, bestehend aus Mittheilungen, eidlichen Aus­sagen 2c. von Offizieren, Soldaten und Civilistem Jeder Theil des Landes hat zu der Menge von Berichten beigetragen, die ich mtt Bezug auf das unseren Soldaten bargebotene Fleuch erhaltest Habe, und die Wahrheit meiner Behauptungen ist mehr als genug beftatigt worden. Besonders bestehen erdrückende Beweise dafür, daß das Fleisch mit chemischen Stoffen zum Zweck der Konfervirung behandelt worden war. Ich habe eidliche Aussagen von Leuten, die bei der Einbalsamirung des Fleisches selbst zugegen gewesen sind. Außerdem gab es aber noch em sogenanntes .Roastbeef in zinnernen Büchsen. Dieses Roastbeef war ein Rindfleisch, aus dem vorher der Extrakt ausgekocht worden war. Jebek kennt die Anzeige des .Fleischextrakt 1 Pfund enthält den Nährstoff von 4 bis v Pfund guten Rindfleisches." Mchdem also

Samstag, den 18. Marx.

Preußischer Landtag.

Koriin, 17. März. Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus begann heute die dritte Lesung beS Etats. Der Justiz-Etat, der Etat ber Centralgenossenschaftskasse, der Etat der direkten Steuern, der Etat der Berg-, Hütten- und Salinen-Verwaltung, der Eisenbahn-Etat, der Etat des Abgeordneten­hauses, derjenige des Finanzministeriums und ferner derjenige ber landwirthschaftlichen Verwaltung würben erledigt. Im Ganzen herrschte der trockene Ton der Geschastsmäßiakeit vor, da man vorwärts zu kommen trachtete. Etwas Stimmung unb Redseligkeit kam nur auf ein halbes Stündchen hinein, als beim Etat des Hauses der Wunsch laut wurde, es müßte und mochte während der Osterferien noch ein und der andere Uebelftanb, ber dem neuen Haiise anhaftet, gebessert werden, vor Allem die Akustik unb bte Beleuchtung. Es fehle ein Lese­zimmer auch ein Teppich. Abg. Graf Limburg (kons.) erklärt, einen Teppich im Lesezimmer zu legen, empfehle sich nicht mit Rück­sicht aus die Herren, welche spucken. (Große Heiterkeit.) Abg. Sattler (uat.-lib.) wundert sich, baß ber Vorredner von Mitgliebern dieses hohen Hauses annunmt, baß sie auf einen Teppich spucken. (Große Heiterkeit.) Abg. v. Eynern (nat.- Itb.) schlägt in ber Teppichfrage em Kompromiß bahin vor, daß die eine Hälfte des Lesezimmers mit einem Teppich belegt wirb, und die andere Hälfte frei bleibe. Hier könne dann Graf Limburg Platz nehmen. (Heiterkeit.) Es werde wohl andere Gründe haben, wenn Herr v. Heeremann die Luft im Reichstag besser findet als im Abgeordnetenhause. (Große Heiterkeit.) Abg. v. Erffa (kons.) meint, daß die Akustik sehr gut fei; bekomme mau doch schon für das, was man laut gesagt habe, einen Ordnungsruf. (Große Heiterkeit.) Weiterbcrathung des Etats: Samstag.

Die Verhandlungen mit CeeilRhodes sind in Deutschland anfänglich mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen worden, wenn auch unser Interesse daran, durch die von England geplante afrikanische Riesenbahn zugleich zur wirthschaftlichen Hebung unserer Kolonieen beizutragen, unleugbar ist. Aber diesem Interesse stand und steht wohl noch in weiten Kreisen ein nicht geringes Mißtrauen gegenüber, welches auf doppelter Grundlage P«ubt. In Deutschland ist der Glaube weit verbreitet, daß man bei Verhandlungen mit England, dem wir vom polifischen Stand­punkt ans durchaus sympachisch gegenüber stehen, eine ganz be­sondere Vorsicht an den Tag legen müsse. Dieses Gefühl ist durch die Person des englischen Unterhändlers, durch die Person des Herrn Cecil Rhodes, ganz erheblich verstärkt worben. Wir haben uns in Deutschland feit Jahren daran gewohnt, unb zwar auf Grund von unbestreitbaren Thatsachen, in Herm Cecil Rhodes einen Mann zu sehen, der stch durch einen weilen Blick auszeichnet, und dessen Blick doch nah ist im Vergleich zu seinem Gewissen. Wir sind nicht elastisch genug, um heute das anzubieten, was wir gestern verbrannt haben, aber wir sind zu realistisch gesinnt, um eine Politik der Empfindsamkeit zu treiben. Wenn die Verhand­lungen mit Cecil Rhodes, was wir wünschen unb hoffen, bei Auf­wendung entsprechender Vorsicht von deutscher Sette zu einem für Deutschland günstigen und gedeihlichen Ergebniß führen werden, dmm wollen wir uns bezüglich des englischen Unterhändlers damit trösten, daß schon mit ben schlechtesten Werkzeugen hervorragende Leistungen zu Stande gebracht worden find.

Die englische Politik ist zur Zeit nicht nur persönlich fast in allen Landern engogirt, sondern sie wirkt auch hinter ben Coulissen m der Rolle, des Regisseurs, so bet dem Sensationsstück, in welchem fallen die Rolle des .Helden", China die der verfolgten Un- fchiüd spieltt Fürs erste ist freilich diese Premiere Italiens auf chinesischem Boden noch auf unerwarteteJnscenirungsschwierigkeiten gestoßen. Ein Gerücht geht, man habe in Peking erst ein größeres chinesisches Konversationslexikon zu Hülfe nehmen müssen, um sich zu vergewissern, was Italien bedeutet. Es ist zu hoffen, daß in diesem Lexikon nichts von den Mißerfolgen Italiens bei feiner aftttanischen Kolonialpolitik stand, sonst hätten die Herren in China doch vielleicht bedenklich die Zöpfe geschüttelt und gemeint, daß es mit der Pachtung der Sanmun-Bat garnicht so dringlich fei. Aber freilich, Italien hat sich, um seinen Platz an der chinesischen Sonne «t erlangen, in den Schatten der englischen Rockschöße gestellt und Pird.vielleicht auf dieseWeise sein Ziel erreichen, ttotz der Schlappe, die es sich durch das allzu schneidige Vorgehen seines Vertreters in Thina augyogen hat Aber freilich, wie sich die italienische Welt­politik in Chma mtt den recht angegriffenen italienischen Finanzen vertragen wird, das ist eine Frage deren Losung wir nicht ohne Bedenken der Zukunft überlassen müssen.