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1899
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Fernsprecher ')lo. 52.
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bemerkbar, des letztere» Tochter Klara wurde 1857 Kirchhoffs erste Frau.
Als 21-jähriger Jüngling schon brachte er seine erste Arbeit „Ueber den Durchgang der Elektricität durch Platten" in die Oeffentlichkeit. Mit 23 Jahren machte er sein Doktor-Examen und erhielt ein, damals selten gewährtes Stipendium, welches ihm die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Reise nach Paris gewährt hätte, wenn nicht die politischen Unruhen ihn an der Ausführung seiner Absicht gehindert hätten. So habilitirte er sich denn 1848 in Berlin und verweilte dort, bis er 1850 als außerordentlicher Professor nach Breslau berufen wurde, wo gerade der berühmte Frankenheim der Ordinarius für Physik war. Ein günstiges Geschick, welches für Kirchhoffs Leben entscheidend wurde, führte 1851 Bunsen von Marburg nach Breslau. Der sreilich nur ein Jahr währende geistige Verkehr mit diesem Gelehrten halte jedoch ausgereicht, beide Männer fürs Leben wissenschaftlich und persönlich miteinander zu verbinden, sodaß Bunsen, als 1854 die Professur für Physik frei wurde, keinen Besseren als Nachfolger des berühmten Jolly, welcher nach München ging, vorzuschlagen wußte als Kirchhoff.
Kirchhoffs damalige theoretische und experimentelle Vorlesungen erfreuten sich bereits des Besuches von Schülern aus allen Ländern, denen er nicht bloß ein verehrter Lehrer und mächtig anregender Berather, sondern auch ein warmer Freund war. Sein Vortrag war ruhig, klar, sorgsam durchdacht; kein Wort zu viel, keins zu wenig, weshalb er in kurzer Zeit ungewöhnlich Vieles und Reichhaltiges zu bieten vermochte. Bei seinen Vorträgen liebte er es, seine Zuhörer anzusehen und ihnen gewiffermaßcn an den Augen abzulesen, ob sie das Vorgebrachte auch gefaßt hätten. Seine experimentellen Demonstrationen waren stets präcise und elegant ausgeführt, oft sogar durch selbsterfundene Apparate, wie z. B. seinen Elektromotor, gestützt. 1869 starb Kirchhoffs erste Frau und hinterließ ihm zwei Söhne und zwei Töchter.
43. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 60 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Deutscher Reichstag.
grrliit, 10. März.
Schon 1868 halte sich Kirchhoff durch Uebcrtrctcn eines Beines ein hartnäckiges Fußleiden zugezogcn, welches ihn lange Zeit nöthigte, auf Krücken zu gehe» oder im Rollstuhl zu fahren. Das liebel ließ später zwar wieder etwas nach, hat ihn aber nie ganz verschont. Um Weihnachten 1872 verhcirathcte er sich zum zweiten Male mit einem Fräulein Luise Brömmel aus Goslar, welche damals die Oberaufsicht in der Augenklinik in Heidelberg führte. Diese Ehe mar zwar kinderlos, aber wieder so glücklich wie die erste, sodaß Kirchhoffs Aeußerung: „ihm habe des Lebens Mai zweimal geblüht" in diesem Sinne wahr geworden ist.
Bald erhielt Kirchhoff einen Ruf an die leitende Stelle der inzwischen in Potsdam errichteten Sonnenwarte, doch der Zauber der schönen Neckarstadt und der altehrwürdigen Ruperta Carolina war so mächtig, daß er den Ruf auö- schlug. Erst als ihm zunehmende Kränklichkeit die experimentelle Thüligkeit mehr und mehr verleidete, gelang cs der Universität Berlin, ihn nach dreimalig wiederholter Berufung im Jahre 1875 zu gewinnen. Hier eröffnete sich ihm alö Professor der theoretischen Physik eine neue glänzende Laufbahn. 1884 daselbst zum Rektor gewählt, schlug er wegen Kränklichkeit dieses Ehrenamt aus und mußte bald auf dringendes Rathen seiner Aerzte hin seine Vorlesungen aufgcben; im Wintersemester 1885/86 nahm er dieselben unter Aufbietung aller seiner Kräfte noch einmal auf — zum letzten Male. Den Sommer darauf brachte er in Baden und den nächsten in Wernigerode zu, wo er, der stets ein warmer Naturfreund gewesen, im Kreise seiner Familie noch einmal Ausflüge im Rollstuhl machte. Körperlich gebrochen, aber noch immer geistig ftisch und heiter kehrte er nach Berlin zurück. Bald erregten jedoch wiederholte Fieberanfälle die Besorgniß seiner Umgebung. Seine Frau, welche die letzten Nächte wachend an seinem Bette zugebracht hatte, ruhte am 17. Oktober 1887 Morgens kurze Zeit aus; als sie erwachte war fit — Witwe. Ein großer
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Dr. Windthorst" und dem „f Fürsten Bismarck" aufmerksam gemacht. Vom ObcrlandeSgerichtsrath Roeren erhielt Pfarrer Richen folgendes Schreiben:
Hochwürden gestatte ich mir, die vollste und freudigste Zustimmung auszusprechen. Wie ein Ccntrumsmann eine andere Stellung einnehmen könnte, ist mir unverständlich; denn nie und nimmer läßt sich von der Person Bismarcks trennen, daß er der Vater jenes traurigen Kulturkampfes ist, der so unsägliches Elend über unsere Kirche in Deutschland und über unser treu katholisches Volk gebracht hat, und an dessen Wunden Kirche und Volk noch jetzt auf das Empfindlichste leiden. Konnte man am offenen Grabe des tobten Bismarck die bitteren Empfindungen zurückdrängen, so tritt in dem Denkmal die historische Person Bismarcks und Alles das, was er zur Zeit seiner politischen Thätigkeit dem katholischen Volk angethan hat, hervor."
Kommentar zu diesen verschiedenen Auslassungen überflüssig.
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. Die Regierung muß gegen diesen Pfarrer Richen einschreiten, __ _____wird das deutsche Volk an ihr irre werden." Auch wir sind k; der Ansicht, daß hier der gegebene Platz für die Anwendung des Groben Unfugsparagrapben wäre. Es ist köstlich, daß die Abgg. ?■ Dr. Lieber und Roeren sich ausdrücklich mit dieser Bismarckhetze M einverstanden erklären. Noch einigermaßen zurückhaltend schreibt Dr. Lieber:
„Euer Hochwürden erwidere ich auf die sehr aefl. Anfrage vom gestrigen Tage ganz ergebenst, daß sich auf mich Niemand berufen f rann, um Katholiken Viersens zur Betheiligung an der Errichtung eines Bismarck-Denkmals zu bestimmen oder ssolche Katholiken s BierseuS, welche diese Betheilignng ablehnen, ins Unrecht zu setzen.
s Viersens, welche diese Betheiligiing ablehnen, ins Unrech
Ich habe nichts gethan, als diejenige Anerkennung wiederholt und t-- bekräftigt, welche schon der selige Dr. Windthorst den Bemühungen des f Fürsten Bismarck um das deutsch-österreichische Bundniß im B Reichstag gezollt hat. Dieser Akt der Gerechtigkeit auch gegen unseren gewaltigsten Widersacher ändert nichts an unserer SS, kMrtheilung desselben im klebrigen und im Allgemeinen. Machen Sie U hiervon jeden Ihnen dienlich scheinenden Gebrauch."
Aus diesem Brief geht hervor, daß die Worte des Abgeordneten . Dr. Lieber im Reichstag eben nur — Worte waren. Nebenbei sei t auch auf die echt ultramontane Unterscheidung zwischen dem „seligen
Der katholische Volksverein in Viersen hat sich auf Betreiben hes fanatischen Pfarrers Richen gegen ein Bismarck-Denkmal erklärt uni) hierbei das Andenken des großen Kanzlers in der gemeinsten Weise beschimpft. Der Pfarrer hat seine Rede noch dazu als Flugblatt drucken lassen, sodaß die — sagen wir Deutlichkeit — dieser Aeußernngen auch aktenmäßig Schwarz auf Weiß festgestellt ist. Da findet sich folgende Stelle: ~
Ueber die Tobten nur Gutes, lautet das Sprichwort. Ich faffe das Sprichwort so auf: Wenn man über die Tobten nicht viel Gutes zu sagen weiß, bann hält man hübsch den Mund über sie, setzt ihnen aber keine Denkmäler. Soll man denn seinen Feinden nicht vergeben? Doch, bas ist sogar eine der Hauptpflichten des Ch^stcli- chums. Der Herr hat noch mehr gesagt: Wir sollen sie sogar lieben. Leider hat er hinzuznsetzen vergessen: „Und setzet ihnen allenthalben Denkmäler I" Ob die ersten Christen, die es am täglichen Gebete für ihre Feinde und Verfolger nicht fehlen ließen, einem Herodes — und dieser hatte sich, nebenbei bemerkt, um Jerusalem sehr verdient gemacht, es in alter Pracht wieder auf- erstehcn lassen —, einem Pilatus, einem Diocletian — und das war ebenso ein tüchtiger Staatsmann — Denkmäler errichtet haben? Ich habe nirgends in der Geschichte davon gelesen. Und wenn man dagegen einwendet: So hat's aber Bismarck doch nicht getrieben, so antworte ich: Die Mittel waren gewiß verschieden: bas Ziel war leider dasselbe."
Für eine solche Niederträchtigkeit fehlt, so schreibt die „Deutsche Ztg. , dem gebildeten Menschen der richtige Ausdruck. Der ultra- montane Hetzgeistliche stellt also Bismarck auf eine Stufe mit Herodes, der die nnschulbigen Kinder ermorden ließ, auf eine Stufe mit Pilatus, der Christus kreuzigen ließ, und auf eine Stufe mit dem römischen Kaiser Diocletian, unter dessen Regierung bei den grausamsten Christenverfolgungen Tausende als Märtyrer starben. Hierzu schreibt man aus Viersen: „Diese gemeine BeschimpAng des Mannes, der das Deutsche Reich geschmiedet, der das Deutsche Reich groß und mächtig gemacht hat, und dessen | Andenken jedem vaterländisch gefinntcn Deutschen theuer sein wirb, so lange noch auf Erden die deutsche Zunge klingt, kann sich das deutsche Volk nicht gefallen lasten; die deutsche Volksseele ist dadurch zu tief beleidigt. Jetzt ist für die deutsche Regierung
f7 fine Gelegenheit gekommen, wo sie nothwendiger Weise zeigen muß, ob sie ober das Centrum in unserem Vaterlanbe die erste Flöte
U spielt. " ■ ‘ ----- -- • ’
Preußischer Landtag.
Berlin, 10. März.
Ab georbnetenhans.
Eingegangen ist ein Gesetzeiitwurf, betreffenb die Erweiterung ber Stadkgemeinbe und bes Stabtkreises Kassel. — In der ForK setzung bei Berathung beS Kultusetats geht zunächst Abg, Dasbach (Centr.) auf bie Beschwerbe be§ Centrums in bei Orbeusfrage ein unb vertritt die Forderungen des Centrums in der Schulfrage. — Abg. Kreitling (freis. Volksp.) wendet sich gegen die Auffassung des Kultusministers von ber Konfessionalität der Berliner Gemeinbeschulen und gegen seine Haltung gegenüber bco jüdischen Lehrerinnen. Diese führe schließlich dahm, daß jüdische Lehrerinnen schließlich nur noch berechtigt seien, jüdischen Religionsunterricht zu ertheilen. — Ministerialdirektor Kügler erwidert, baß ber Minister Härten gegen bie fetzt angestelltcn Lehrerinnen nach Möglichkeit vernneben sehen wolle. Im Wege einer freundschaftlichen Verständigung zwischen der Deputation und der Provinziaischulverwaltuna werde die Sache ohne unnöthiqc Härte sich befriedigend lösen lassen. Ein neues, nationales Mitglied btf Hauses, Pfarrer Hackenberg, brachte Leben in bie Debatte. Er erklärt sich bereit, eine mit dem Wohl bes Staates vereinbarte Forderung des Centrums zu bewilligen, lehnt aber die Paritätsbeschwerben in ihrer Allgemeinheit als unbegrünbet ab. Eine Parität, wie sie das Centrum verlange, sei angesichts ber Stellmtg der katholischen Kirche gegenüber dem Staat unmöglich. Wie die katholische Abtheilung im Ministerium gewirkt habe, sei historisch festgestellt. Ein Minister habe konstatirt, baß noch heute Aktenstücke bes Ministeriums fehlen. (Stürmische Unterbrechung im Centrum; Zurufe: Er hat ja revocirtl) . Redner schließt sich bann beu gestrigen Ausführungen bes Abgeordneten Kopsch an und betont die Haltung seiner Partei in ber Schulfrage. Die christliche Schule werde immer verlangt, obwohl wir sie längst habe». Mau verwechsele immer christlich mit kirchlich; was dabei herauskomme, wenn bie Kirche beu maßgebenden Einfluß gewinne, sehe man an der Statistik ber Analphabeten in bch romanischen Ländern. Er schließt seine Rebe: Ein zweites Urtheil aus Ihrem Lager, bas bes bekannten Volks- schriststellers Hansiakob. Der schreibt — allcrbings ist der Mann heutzutage in den Augen vieler Leute nicht mehr katholisch —: „Wenn man nicht zu jenen Unmiinbigen, blind Gehorsamen und Alles geduldig Hinnehmenben gehört'. . . ich habe aber vom Katholizismus eine andere unb bessere Auffassung. Er soll unb will nicht Unmiinbige unb Sklaven heranziehen, sondern freie, selbstbewußte Kinder Gottes". (Sehr richtig! im Centrum.) Dann sagt er weiter: „Und ich meine, daß nicht Jene die guten
und weist ans die hervorragende Qualität deSUsambara-Kaffees hin.— Abg. Richter (freis. Volksp.) meint, bis jetzt hätten uns die Koloiiieen nur Kosten gemacht, die Aussichten auf wirthichastliche Vortheile hätten sich mehr unb mehr verringert. Es gehe doch nicht an, wenn das Unternehmen einer so reichen Gesellschaft, wie es die Ostafrikanische sei, sich als verfehlt herausstelle, daß dann daS Reich eintrete. Redner geht dann auf bie Ueberprobuktion von Kaffee ein. — Abg. Hasse (nat.-lib.) empsiehlt ben Antrag Stolberg. — Abg. Lieber (Centr.) ist bereit, die ganze Smimte von 2 Millionen Mark zu bewilligen. Es sei nun die mangelnde Aufklärung über die Sachlage gegeben, welche das Centrum in der Kommission veranlaßt habe, ben Abstrich zu beschließen. — Abg. o. Karborff (Reichsp.) bemängelt bas ziffernmäßige Vorrechnen ber Kosten. — Schatzsekretär Pos adowsky erwidert, er sei dazu verpflichtet. — Nach kurzer Debatte wird ber Etat für Kamerun bewilligt. — Morgen, 1 Uhr, Fortsetzung. — Schluß 6'/« Uhr.
* * *
Berlin, 10. März. In ber heutigen Sitzung ber Reichstags- Kommission für das Bankgesctz ist der Beschluß ber ersten Lesung roieber abgelehnt worben, wonach zur Verlängerung des Privilegiums der Reichsbank bis 1921 die Zustimmung des Reichstags nicht erforderlich fein sollte. Es bleibt bis auf einige geringfügige Aende- rungen bei den Vorschlägen des Entwurfes.
Am Bundesrathstische Kolonialdirektor v. Buchka. Tagesordnung: Kolonial-Etat, Etat für Deutsch-Ostafrika. Abg. Bebel (Soz.) erwähnt zunächst die Peterssche Broschüre und bezeichnet einige Behauptungen in derselben als unwahr. Weiter kommt Redner auf die Äaumannschen Veröffentlichungen zu sprechen. — Kolonialdirektor v. Bnchka erklärt bezüglich der Broschüre Peters, die Militärverwaltung habe wegen ber nnqualifizirbaren Beschuldigungen PeterS Strafanzeige gegen denselben gestellt. Er selbst habe es für unnöthig gehalten, selbst Strafantrag zu stellen, denn die Angriffe bes Peters fielen in sich zusammen. Die Pacifizirung in Ostafrika fei im Großen und Ganzen burch- geführt. Daß ab und zu kleine lokale Empörungen ftattfänben, sei nur zu natürlich. Diese verminberten sich aber immer mehr. — Abg. Lieber (Centr.) schließt sich dem Urtheile o. Buchka und Bebels über die Peterssche Broschüre an. Peters sei jetzt im Reichstag wohl endlich abgethan. Zn wünschen sei bie balbige Regelung der Affaire Denhardt-Witu, Entschädigung ber Familie Denharbt, welche durch die Aufgabe von Witu Seitens des Reiches schwer geschädigt sei. — Direktor v. Buchka erwidert, das Reich habe keinerlei rechtliche Verpflichtung gegen Denhardt, er werde aber die Zahlung einer Entschädigung befürworten. — Abgeordneter Kardorff (Reichsp.) bedauert die moralische Verfehlungen des Herrn Peters, aber die ihm gewordene Strafe sei doch sehr hart angesichts seiner großen Verdienste. — Abg. Graf Oriola (nat.-lib.) kündigt eine Resolution zu Gunsten Denhardts an. — Abg. Arendt (Reichsp.) meint, Peters sei milde zu beurtheilen, denn er habe schweres Unrecht erfahren. Die Disziplinar-Unter- suchung gegen ihn fei nur bie Folge einer Mystifikation des Reichstags unb ber Regierung Seitens des Abgeorbneten Bebel gewesen. Der angebliche Brief des Bischofs Tucker fei eine schwere Verleumdung gewesen. Herr Bebel möge Aufklärung geben, woher er die Mittheilung habe über den Brief Tuckers. (Äebel ruft: Nein.) Abg. Bebel (Soz.) bleibt dabei, seine Cadle nicht zu nennen. Die Debatte wirb geschlossen. Beim Titel „Schwimmdock in Dar es Salam" bittet Abg. Fr ege (freis. Ver.), bas Dock in solcher Breite anzulegen, baß zwei große Schiffe nebcn- einanber gleichzeitig in Dock gehen können. — Korvettenkapitän Faber hält dies nicht für zweckmäßig. Der Titel wird bewilligt. Für den Bau der BahnTanga-Muhesa-Korogwe (Usamdara-Bahn) sind zwei Millionen gefordert. Die Kommission hat nur 1’/« Mill. Mark bewilligt. Ein Antrag Graf Stolberg will die Vorlage, also 2 Millionen, wiederherstellen. — Abg. Graf Stolberg (kons.) bittet, seinen Antrag anzunehmen. — Abg. Frege (freis. Vereinigung) führt ans, die Bahn sei von Anfang an von der Ostafrikanischen Gesellschaft ganz irrationell gebaut worden. Auch habe sich bte Erwartung bezüglich der Rentabilität bis jetzt nicht erfüllt und dürfte sich wohl auch in Zukunft nicht erfüllen. Er bitte, cs bei den Beschlüssen der Kommission zu belassen. — Direktor v. Buchka bittet um Annahme des Antrags Stolberg. — I Abg. Graf Arnim (Reichsp.) tritt für den Antrag Stolberg ein
(Nachdruck verboten.)
Der Entdecker der Spektralanalyse.
r Zum 75. Geburtstage des Physikers Gustav Robert Kirchhoff. Geb. am 12. März 1824.
| Von Dr. L. Lh » eso rg.
jt Der 12. März des Jahres 1824 soll im deutschen Volke [ nicht vergessen werden, denn er brachte ihm einen seiner | gekehrtesten Söhne, dessen Name längst ein Gemeingut aller ’fc civilisirten Völker geworden ist. Und wenn alle Völker - dieser Erde ihn vergessen würden, so müssen doch derThau- ß tropfen im Grase und der Regenbogen am Himmel die Verkünder seines Ruhmes sein, denn zu seinen Lebzeiten bannte : er die Lichtstrahlen in seine Dienste und brach sie nach seinem Willen, wie das Sonnenlicht sich bricht nach dem Willen seines Schöpfers.
Nichts Außergewöhnliches in Kirchhoffs Leben entsprach der Außergewöhnlichkeit seines Genies; seine Laufbahn unter- - schied sich fast in Nichts von der gewöhnlichen eines deutschen t Universitqtsprofeffors. Die großen Ereignisse vollzogen sich cfl ihm lediglich in seinem Geiste.
Gustav Robert Kirchhoff war zu Königsberg, der ( Universitätsstadt am Prcgel, geboren. Sei» Vater war daselbst Justizrath, ein stiller ernster Mann, und seine Mutter, deren er stets mit aufrichtiger Pietät gedachte, war eine r geistig aufgeweckte, lebhafte Frau. Seinen ersten Schul- ' Unterricht empfing Kirchhoff im kneiphöfischen Gymnasium seiner Vaterstadt, von welchem er mit 18 Jahren, versehen - feil dem Zeugniß der Reife, abging, um sich an der Albertus- ► Universität daselbst dem Studium der Mathematik und der Physik zu widmen. Er war so glücklich, den Vater und :: Nestor der neuen theoretischen Physik Franz Neumann und den berühmten Mathematiker Richelot zu seinen Professoren - zählen zu können. Des ersteren Einfluß auf Kirchhoffs x Vorlesungen und Forschungen blieb bis in die späteste Zeit
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