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43. Jahrgang4
Verlag: Langgasse 27.
16,000 Avonneuten
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
A«z«tgrn-PreiSr
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Umr trifft -ÄftftrtlttftP f“r die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur ffl»*?*1!***» nächsterschcinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Ua. 103.
Donnerstags den 2 Mar;.
1899.
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
Morgen - Ausgabe.
Aus Stadl und Zand.
Wiesbaden, 2. März.
— Ges'chichloKalender. 2. März. 1855:-s-Kaiser Nikolaus I. von Rußland. 1849: Publikation der Grundrechte in Sachsen. -»1835: t Franz II., Kaiser von Oesterreich (* 12. Februar 1768). 1835: * Dr. Hermann Dingelstad zu Bracht, Bischof von Münster. . 1823: * Ulrich v. Winterfeldt, Geh. Reg.-Rath in Prenzlau, Mital. d. R. (D. St.). 1810: * Papst Leo XIII. 1791: f John Wesley zu KingSward, Stifter der Methodisten. 1689: Zerstörung des Heidelberger Schlosses durch Melac. 1633: Sieg Georgs, Serzogs von Braunschw.-Lüneb, bei Rinteln. 1383: f Amadeus VI., raf von Savoyen, „Der grüne Gras".
o. Die Etats der städtischen Kprrialverwaltungrn für 1899/1900 liegen bereits dem Finanzausschuß der Stadt- verordncten-Versammlung zur Prüfung vor. In dem Etat der Gaswerksverwaltung sind für Abgabe von Gas 600,000 Mk. in Einnahme gestellt, gegen 532,000 Mk. im Vorjahr. Mehr als die Hälfte dieser Summe, 340,800 Mk., rührt aus der Abgabe für Privathäuser, 2,130,000 cbm ä 16 Pf., her. Im Uebrigen sind noch zu erwähnen der Verbrauch für Maschinenbetrieb zur Erzeugung elektrischen Stroms, 350,000 cbm ä 13 Pf., mit 45,500 Mk., für Maschinenbetrieb zu gewerblichen Zwecken, 180,000 cbm ä 12 Pf., mit 21,600 Mk., für Heizen und Kochen: a) Sommer- oerbrauch 380,000 cbm L 10 Pf. mit 38,000 Mk. Die Einnahmen aus der Gasabgabe für Beleuchtungszwecke sind infolge des Ueber- aanas einer Anzahl von Gasabnehmem, darunter mehrere Groß- konsumenten, zur elektrischen Beleuchtung etwas niedriger zu veranschlagen. Dieser voraussichtlichen Mindereinnahme stehen dagegen Äeich höhere Mehreinnahmen, nach den in 1898 gemachten Er- ungen, aus der Abgabe zum Maschinenbetrieb und vornehmlich zum Rochen und Helzen gegenüber, sodaß doch im Ganzen Bit Mehreinnahme von etwa 68,000 Mk. gerechnet wird. Die von ca. 4700 Stück Gasmessern bei den Konsumenten, jnittlich 4 Mk. 90 Pf. pro Messer, beläuft sich auf 22,560 Mk., und der Erlös aus Koks auf 141,100 Mk., füiTheer auf30,00oMk. und für Ammoniakwaflcr auf 12,800 Mk. Die Beschaffung von Kohlm verursacht eine Ausgabe von 307,000 Mk., die Herstellung des Gases eine solche von 59,000 Mk. Die Straßenbeleuchtung verursacht an Arbeitslöhnen für Anzünden und Ausldschen der Laternen, Dienstkleidung rc. 23,300 Mk. Die Gehalte und Gebühren der Beamten betragen 31,000 Mk. Als lieber« -schuß und Beitrag zu den Kosten der allgemeinen städtischen Verwaltung sind 180,000 Mk., 20,000 Mk. mehr als im Vorjahre, eingestellt. Für die Erweiterung der BetriebSanlaaen sind 72,000 Mk. vorgesehen und außerdem für den GaSanstalt-Neubau 60,000 Mk. In dem Etat des Elcktricltäts- w erk« find in Einnahmen vorgesehen: Pacht für das Grundstück ‘2000 Mr., Pacht für das Anlagekapital, 7'/- pCt. von 1,500,000 Mk., 112,500 Mk, und an Gebühren für verspätet angemcldete Anlagen 1000 Mk., zusammen 115,000 Mk. Auf der Ausnabefeite stehen: Ueberschntz der ordentlichen Verwaltung zur Anlage eines Reservefonds für den weiteren Ausbau des Werks 16,000 Mk, Ablieferung des Pachtgeldes an die Stadtkasse 2000 Mk, für Verzinsung und Tilgung des AnlagekapstalS 87,500 Mk. und für Derwaltungs- und Betriebskosten 10A>0Mk. Für Neuanlagen und Bauungen sind 100,000 Mk. eingestellt, wahrend auf der Einnahmeseue der außerordentlichen Verwaltung für Anlage eines Reservefonds 39,000 Mk. als Uebertrag aus dem Vorjahre und 16000 Mk. als Ueberschnß der ordentlichen Verwaltung verzeichnet sind.
— Straßenbahn. Der von der Straßenbahn-Kommission nach den Beschlüssen der Stadtverordneten-Versammlung neuredigirte B r r t r a g S - E n t w u r f mit der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft hat die Genehmigung des Magistrats erhalten und geht nun an dieGesellschast mit dem Ersuchen, binnen einer Frist von 4 bis 6 Wochen eine bindende Erklärung abzugeben.
— Dispens. Die von dem Landwirth Wlh. Kraft nachgesuchte Dispenserthcilumz zur Errichtung eines Oekonomie- gebaudeS auf seinem Grundstück an der Dotzheimerstraße wurde vom Magistrat für jetzt abgelehnt, da die Frage über den Bau eines GuterbahnhofeS an der Dotzheimerstraße noch nicht entschieden ist.
— Nolstsstindergarte«. Auf einen Antrag der Armen- deputation hin wegen möglichster Förderung des geplanten Neubaues eine« Volkskindergartens auf dem Grundstücke Platterstraße 48 bat der Magistrat die Baudeputation ermächtigt, die Ausführung des Neubaues in Generalentreprise zu vergeben. (Demnach sollen die Arbeiten, um möglichst die Fertigstellung zu beschleunigen, nicht an mehrere Unternehmer einzeln, sondern an einen insgesammt vergeben werden.)
., ./*- 5rn Alstoholgenntz der Kinder bespricht eine Flugschrift des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, welche eben in ihrem sechzigsten Tausend zur Ausgabe gelangt.. Die Sünden aus diesem Gebiet find so allgemein verwertet, ihre Folgen so verGngnißvoll, daß eine Erinnerung und Mahnung hier nur von Vortheil sein kann. Dieselben seien an der Hand von Aussprüchen gegeben, die sich von Autoritäten auf medizinischem und erzieherischem Gebiet in jener Schrift vorfinden, „ftmber bedürfen dieser Getränke nicht, und daß e8 ihnen nur Nutzen bringt, wenn sie ganz ohne alkoholische Getränke aufwachsen, wissen to!?L .beftimmt." Professor $ teuer. .Gesunden Kindern den regel- matzigen Genuß geistiger Getränke, wenn auch in noch so geringen ®engen, gestatten, halte ich für ein schweres Unrecht. Noch um Vieles mehr aber schadet er meiner Uederzeugung nach und ent- Kber Ueberzeilgung der meisten Eltern zarten und kränkelnden
n. Die schwere Verantwortung, den Alkohol als Heilmittel zu reichen, sollte eine Mutter niemals, sondern nur der Arzt auf sich, nehmen." Dr. Meutert. .Der in Laienkreisen so viel verbreitete Glaube, Wein und Bier seien als regelmäßige Stärkungsmittel namentlich schwacher Kinderaeeignet, wird wohl kaum noch von uncm denkenden Arzt getheilt". Prof.Zuntz. .Nach einigen Jahren ausgedehnter Farnilienpraxis kam ich dazu, den Eltern direkt von der Verabreichung von Alkohol abzurathen und die Kinder befanden sich wohl dabei." Prof. Schmidt, Halsarzt in Frankfurt a. M. ,Für den Physiologen kann es von vornherein nicht zweiselhaft fern, daß im frühen Kindesalter, wo die Gewebselemente »e» Hirns noch in der Entwickelung begriffen find, selbst die kleinsten Gaben alkoholischer Getränke schädlich wirken." Prof. Fick. .Wein Mrd Bier machen Linder reizbar, mrvöS, bringen Neigung zu
Kopfweh, schlechtemSchlaf,fördern körperliche und geistige Ermüdung." Sanitätsrath Dr. Geiße in Ems. „Eine nahezu dreißigjährige Erfahrung als Lehrer hat mir gezeigt, daß Kinder, die alkoholische Getränke genießen, zil den schläfrigsten, untüchtigsten Schülern gehören. Unsere nervösen Schwächlinge, hie bei der geringsten körperlichen und geistigen Anstrengung zusammenklappen und deren Eltern am lautesten nach Schutz gegen Uebcrbürbung rufen, sind fast durchweg Opfer des unglücklichen Wahnes, daß der Alkohol Schwächlüige stärke." Siegelt, Lehrer in Berlin. „Willst Du Deine Kinder kindlich erhalten, so gieb ihnen Milch zu trinken; willst du aufgeregte, naseweise, frühreife und früh abgelebte Greise, so gieb ihnen reichliche Spirituosen und nähre sie mit stark gewürzter Fleischkost." Prof. Paulsen. „Am verheerendsten verwüstet der Alkohol das Nervensystem des Rindes. Wissen wir doch heute, daß es kein sichereres Mittel giebt, Idioten zu erzeugen, als die dauernde Darreichung des Alkohols." Prof. Krägelm. Direktorder Irrenanstalt in Heidelberg. Der Verfasser der erwähnten Schrift, Herr Dr.Bode, schließt dieselbe mit den beherziaenswerthen Worten: Die ersten Hebungen im starken Trinken, tote sie Jünglinge zwischen dem 15. und 20. Jahre vorzunehmen lieben, sind eine unermeßliche Gefahr, weil die Zukunft der jungen Leute dabei auf das spiel gesetzt wird, weil noch nach Jahrzehnten die leibliche, geistige, sittliche Gesundheit von den Gewohnheiten und Bedürfnissen äb- hängt, die in früher Jugend sich bilden. Und oft genug wird der Keim zur Trunksucht noch viel früher gelegt: überall da, wo die natürliche Abneigung der Stinber gegen Moholika durch frühe Darreichung derselben und die natürliche Zuneigung der Kinder zu süßen Speisen, zu Obst und Mitch in ihr Gegentheil verkehrt werden; Überall da, wo Eltern es dulden, daß heramvachsende Menschen den Gebrauch von allerlei Reizmitteln und Nerven- Erreaungsmitteln vor der Zeit kennen lernen und. sich an- aewöhnen. „Das Rind ist der Vater des Mannes"; „was man bet dem Kinde säet, muß bet dem Manne in Halme schießen": ein Bedürfniß nach häufiger Erregung und Betäubung ist ein ver- hängnißvotleS Erbe des Mannes aus der glücklichen Jugendzeit. -Könnten wir es dahin bringen, daß die geistigen Getränke (und ebenso der Tabak und bergt) der Kindheit und Jugend während der WachsthumS- und Entwickelunasjahre völlig fremd blieben, so brauchten wir für die fertigen Männer und Frauen keine große Besorgniß mehr zu haben. Professor Ziehen in Jena ruft in einem Vortrag ans: „Wenn unserem Mäßigkeits-Verein nur das Eine gelänge: dem AlkoholLenuß der Kinder zu steuern, so hätte er sich schon damit ein großes nationales Verdienst erworben!" An diesem Verdienst kann und sollte jeder Leser und jede Leserin dieses Blattes Theil haben.
o. Kcllcrbrand. In dem mit Hobelspänen und Holz- vorräthen angefüllten Keller des Hinterhauses Herrngartenstraße 9, Herrn Schreinermeister Heise gehörig, ist gestern Nachmittag in bis jetzt nicht aufgeklärter Weise Feuer ausgebrochen, mit dessen Bewältigung die Feuerwache stundenlang zu thun hatte.
- Vermißt wird seit Sonntag Abend 6 Uhr die 19-jährige Lina Herold aus dem Hause Eleonoreustraße 8. Die dort wohnenden Angehörigen bitten um Nachricht, falls Jemand von dem Verbleib des jungen Mädchens SenntniB hat.
o. Submission und Arbeilsvrrgrbung. Für die Er- rtchtuna der zur Unterbringung des städtischen Fuhrparks auf beut Grundstück Bleichstraße 1 benötigten Magazinen und Schuppen fordern: H. Heuß 8175 Mk. 25 Pf., F. Rossel 8029 Mk. 40 Pf., K. Lendle 7222 Mk. 61 Pf., F. Becht 7608 Mk. 5 Pst, H. Bühles 7280 Mk. 31 Pst und W. Gatt Wwe. 7410 Mk. 90 Pf. Der Zuschlag wurde deut Mindestforbernben, Herrn Karl Lendle hier, eriheilt.
— Kleine Notizen. Ein Vortrag zur fünften Volksvorstellung, welcher irrthümlicher Weise in der vorgestrigen Abend-Ansgabe angekündigt worden ist, sinket nicht statt. Herr Direktor Dentschinger wird jedoch in der zweiten Hälfte dieses Monats zwei Vorträge über bas moberne Drama halten. — Samstag bis Montag giebt bas „Walhalla-Theater" Gastspiel-Vorstellungen in der Mainzer Stadthalle. Es finden also während dieser drei Tage hier keine Vorstellungeit statt. Sonntag, den 5. März, werden im Theaterfaal zwei große Konzerte (4 und 8 Uhr) veranstaltet.
Vereins-Nachrichten.
(Kurze sachliche Berichte werde» bereitwillig^ enltr dieser lleberschrist ausgenommen.)
* Der am letzten Sonntag vom „Pompier-Corps" in der Turnhalle Wellritzstraße 41 veranstaltete Unterhaltuiigsabeud hatte sich eine? außerordentlich zahlreichen Besuches zu erfreuen. Etwa 450 Personen hatten sich eingefunben, sodaß der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Vortrag des Herrn Lehrers Wilhelm Schmidt über „Nordamerika, das Wunderland der Erde", der an vielen farbenprächtigen Lichtbildern dem Auge die herrlichen Schönheiten einzelner nordamerikanischer Landschaften vorführte. Ein größerer Theil der Bilder und des trefflichen begleitenden Vortrags behandelte eine Wanderung durch den Aellotostouc-Park und deffen Umgebung. Große Heiterkeit erregten die nach dem Vortrag vorgeführten, ältere Mitglieder des Pompier-Corps betreffenden Lichtbilder, welche der Ehrenhauptmann des Corps, Herr Chr. Gaab, zur Verfügung gestellt hatte. Die Bilder bedeckten je eine Fläche von ca. 10 qm und wurden mit Hülfe eines vorzüglich funttionircnben, den-. Lokal- Gewerbeoerein gehörigen Projektionsapparats mit Hydro-Orygenlicht in seltener Scharfe und Klarheit erzeugt. Den zweiten Theil der Veranstaltung bildeten Gesangvorwäge der Sänger des Pompier- Corps, Soli der Herren Enders, Alter und Schuh, sowie humoristische Vorträge der Herren Tetsch und Dickel, welche, gleichwie der erste Theil des Programms, allseitigen Beifall fanden.
* Herr Dr. Göbel hielt im „Evangelischen Arbeiter- Verein" einen Vortrag, welcher sehr gut besucht war. DasTdema lautete: Allgemeine Gesundheitspflege. In dem Vortrag betonte der Redner, daß zur Pflege der Gesundheit, abgesehen von der Enthaltung von Schädlichkeiten, positive Mittel zur Verfügung stehen, wie Wasser, Luft und Licht, insbesondere die richtige'An- ordnung von Wasser als Reinigungs-, sowie Abhärtungsmittel ist geeignet, uns die Gesundheit zu erhallen. Mit ihr in Verbindung steht die Ausgiebigkeit, der Genuß frischer Luft, und ein Jeder kann seinen Theil dazu beitragen, indem man hauptsächlich für gesunde Arbeit«- und Wohnräume sorge. Was unser Wasser anbelangt, so könnten wir unserer Verwaltung einen Dank aussprechen, beim unser LeitungSwasser sei ein sehr gesunbes. Rebner ging bann zu den Kleidungen über, beim auch hierin sei Manches zu tabeln, besonders bei dem schönen Geschlecht. Man sehe vor allen Dingen auf eine luftige Kopfbedeckung. Sodann ermahnte er zur besseren Abhärtung der Kinder, denn gerade hierin werde am meisten vom moralischen Standpunkte aus
gesündigt. Zur Nahrung übergehend, hob Redner hervor, daß die Menschen im Allgemeinen zu gut lebten. Er verwies bann auf Sie Schädlichkeiten der sogenannten Kindermehle und Röstungspräparate. Die Natur habe beit Menschen von seiner Geburt an an die Milch gewiesen, wo die Muttermilch nicht ausreichend sei, greife man nicht gleich zur künstlichen Ernährung, sondern zur Kuhmilch, und nur auf Anordnung eines Arztes gebe man das sogenannte Kindermehh Redner betonte noch zum Schluß seines Vortrags, daß man bei Verheirathungen auf gesunde Verbindungen sehen soll. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Herr Pfarrer Veesennieyer dankte dem Redner.
* Wir machen die Mitglieder des „Rhein- und Taunus» Klub" nochmals darauf aufmerksam, baß heute Slbenb die Vor» beratijung der Haupttour, sowie der Vortrag von Herrn Fr. LaupuS: „Eine Tour in die Vogesen", Abends 9 Uhr, im Krokodil stattfindet.
°ss- Kchicrftrin, 28. Februar. Bei dem herrschenden trockene» Wetter schreiten dieArbeitcn in den Weinbergen rüstig vorwärts. Das Beschneiden der Weinstöcke ist schon zu einem großen Thette beendet. Im Allgemeinen hat sich das Holz während des WinterS in befriedigender Weise entwickelt; nur in dem Theile unserer Weinberge, der von dem vorjährigen Hagelschlag arg mitgenommen wurde, ist es noch weiter zurück. Bei den „Rieslingstöcken" sind wohl hin und wieder taube Stellen vorhanden, aber die vorhandene« Augen, namentlich die weiter oben sitzenden, sind gut entwickelt. Am „Oesterreicher"-Stock ist viel Holz taub, sodaß c? hier mitunter schwer hält, die erwünschte „Sogrebe" zu finden. Da aber erfahrungsgemäß der Oesterreicher an kurzen Zapfen und Knoten ebenfalls reichlich trägt, so ist dies beim diesjährigen Schnitt ganz besonders zu beachten. In allen Theilen unserer Gemarkung werden in diesem Winter neue Weinberge angelegt. Am umfangreichsten ist die von der Firma Schneider und Pfeiffer eben fit Angriff genommene Neuanlage, welche Firma hierzu von der Geiueiude vor 2 Jahren 10'/- Morgen Wald angefauft hat. Die Sage des Weinberges muß als eine recht günstige bezeichnet werbe«. — Unferc Dbftbäume zeigen eben einen ben Obstzüchter vollständig befriedigenden Stand, der für dieses Jahr zu den beste« Hoffnungen berechtigt. Sowohl die Kernobst-, als auch die Stein» obftarten zeigen eine große Menge von Fruchtknospen. Durch bte kühlen Nächte werden sie in der Entwickelung noch etwas zurück gehalten, was für die Bäume nur von Vortheil ist. Das AnS- putzen und Reinigen der Bäume ist bei dem diesjährigen gelinde« Winter in einem so umfangreichen Maße geschehen, tote es seit einer Reihe von Jahren nicht mehr beobachtet wurde.
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Vermischtes.
* Attentat einer Schafherde auf -.ladfahrer. An» Pyritz (Pommern) wird gemeldet: In eine höchst fatale Lage, die aber einer gewissen Komik nicht entbehrt, geriethen, wie der „Starg. Ztg." geschrieben wird, dieser Tage zwei Radfahrer. Die Herren fuhren auf der Chaussee von Berlmchen nach Bernstein z«, als plötzlich eine Herde von etwa 300 Schafen in vollem Lauf auf sie zukam. Die Thiere, die auf einem seitlich gelegenen Felde gewesen waren, kamen, eine breite Masse bildend, auf die Fahrer an spitzen Winkel zu, sodaß auch die größten Anstrengungen die Gefahicheten nicht mehr retten konnten. Sie wurden, obgleich sie durch Schreien versuchten, eine Spaltung in die Herde zu bringen# zu Boden geworfen, unb die ganze wilde Jago ging über sie hinweg. Durch den Sturz war keiner von den Beiden beschädigt worden, doch wurden sie durch die Tritte der Schafe arg zerschunden und die Räder demolirt. Mit ihren Maschinen auf dem Rücken wanderten die Herren nun nach Bernstein, um sich mit Heftpflaster verkleben zu lassen. Wodurch die Schafherde zu diese« Kraftftück veranlaßt wurde und wohin sie schließlich gekommen isih konnten sie nicht ermitteln, ein Hirte war nirgends zu sehen. Die auf so eigenartige Weise verunglückten Radfahrer wollen den Besitzer der Schafe ermitteln, um sich an diesem wenigstens für die Demolirung ihrer Maschinen unb für die verdorbenen Anzüge schadlos zu holten.
* Ganz abscheuliche Wajrstätsbeleidiaungen find an einem Fürsten, der kürzlich noch in Berlin zum Besuch weilte, bt» S worden. Jin Fürstenthum Monaco, das heißt unter bett in der öffentlichen unb geheimen Gewalten dieses Staate-, herrscht, so wird der „Franks. Zeitung" berichtet, fürchterliche Auf» regung, und das hat mit ihrem Mangel an Ehrfurcht vor dm höchsten Dingen eine Postkarte gethan. „Souvenir de Monte Carlo“. In der Kopfleiste sieht man des Fürsten Hoheit auf de« Thron. Ringsuin dicke Gelbsäcke, keuchende Männer schleppen immer neue Rieseubeutel auf dem Rücken herbei. Zu Füßen des Throne- langt die Hand eines Croupiers mit der Krücke übet die Spieleinsätze hin. lieber der Gruppe stehen die Worte: ,Rouge perd et noir perd, la banque gague toujours.“ (Roth verliert und schwarz verliert, die Bank gewinnt immer.) Links als Hauptbild steht da» Kasino. Den Vordergrund des Kasinoplatzes flcnttiren zwei Palmen. An einer hängt ein Selbstmörder, an der anderen jagt sich eben ein eleganter Herr eine Kugel durch den Kopf. Unter diesem Bilde ein Gemach mit einem verzweifelnden Mann, der eine Fran zu trösten sucht: „Ruine! rien ne va plus!“ Gegen de« leeren Raum der Karte hin vermittelt den Uebergang ein rotheS Teufelchen, das mit verbindlichem Lächeln unb einlabeuber Hand» betoegnng sagt: „Faites votre Jeu, messieura!“ Wie man sieht! So viele Figuren, so viele —Aufrichtigkeiten! Die Postkarte hat eine angesehene sinnst- unb LerlagSanstalt in München für einen Herrn in Mentone angefertigt. Als bie Karte in Monte Carlo gescheit wurde, wurde sie sofort verboten, und eS wird Alles gethan, um ihre Verbreitung unmöglich zu machen. An alle Polizeiorgane Monacos und Monte Carlos wurde mit einer genauen Personal beschreibung des Bestellers der Befehl erlaffen, diesen Miffethättt zu verhaften, sobald er die Grenzen des FürstenthumS überschreite. Trotz alledem fand die entsetzliche Karte weitere Verbreitung, und sie bat nun schon ein zweites Opfer gefordert. Ein Herr au# Berlin hatte eine der Karten gelegentlich feinem Hotelwirth in Monte Carlo gezeigt. Dieser bat ihn, ihm 100 Stück zu besorge«. Der Berliner Herr willfahtte dieser Bitte. Am nächsten Morgen war er aber schon verhaftet. Seine Briefschaften wurden geöffnet und er erhielt den Befehl, binnen 24 Stunden das Ländchen zu verlassen. Vorher wurde er noch in einen Hof geführt, es wurde ihm eine Tafel mit einer Nummer vor die Brust gehalten und jetzt wurde der Herr von vier Seiten photographitt und hierauf gemessen nach Größe, Schädelumfang, Hand- und Fußgröße re. Nach dies« Prozedur mußte er einen Revers unterschreiben, daß er nie wieder nach Monaco zurückkehren werde. Hieraus wurde er auf freie« Fuß gesetzt. Als er erklärte, daß er noch wettere 24 Stunde«
