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41. Jahrgang.
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Unsere stii-Nsqrn Anlagen.
^Eigener Aufsatz für das „Diesbadener Tagblatt".) Bon vr. C. Ipielmann.
Die Entwickelung Wiesbadens in den letzten Jahren wird nicht »um wenigsten illustrirt durch rinn Einblick in die Zunahme des «traben- und Anlagegebietes er Stadt. Das erste Joostsche Adreßbuch, das im letzten Jahr, der sechsten Jahrzehnts, 1860, erschien, weist bei einer Vcvölkeung der herzoglich nassauischen Haupt- und Residenzstadt von 18,000 Seelen die Zahl von 58 Straßen (und Plätzen) auf, Bm denen aber eine große Zahl, 14, eben erst begonnen worden wr, sodaß man eigentlich nur 44 ausgebaute zählen kann. Heuer, m zweitletzten Jahre des Jahrhunderts. 1899, haben wir bei dir «eelenzabl von 79,757 (bezw, 81,273) nicht weniger als 180 Stießen und Plätze, von denen aber 168 als ganz oder nahezu ausgetmtt erscheinen. Die Strabeniietz- stäche betrug in 1896/97 im Gsnzeu 4244 Ar Fahrweg und ÄM Ar Fußweg, in 1897/98 im Ganzen 4546, bezw. 2208 Ar, was eine Zunahme von 302, bezu 148 Ar, oder zusammen 45,000 qm ausmacht. Die ÄraßenreiniauagSkosten betrugen p. 1896/97 : 95,197 Mk., v. .897/98 : 99,057 Mk. Bei einer Seelenzahl von 78,260 Peri men in 1897 (inkl. Militär) kamen also auf den Kopf der Boölkerung 1,27 Mk., während die absolute Zunanme der Reinigung-vsten für das eine Jahr 8860 Mk. ausmachte. Da diese Steigeran; ln den letzten Jahren bei erhöhter Thättgkeit des städtischen Reimgungs-JnstitutS ziemlich stetig jährlich 4000 bis 5000 Mk. betrug, so kann man daraus schließen, welche Unsumme die Hauptreiurgung künftig verschlingen wird, wenn sie die Stadt übernimmt. So heute die Nachreinigung schon KX),000 Mk. jährlich erfordert Und bei all dieser Aufwendung und bei allem Bemühen, imw. mehr zu leisten, stets die Klagen über »gänzliche" Unzulänglichkeit der «traßenremigung, die sogar, wie die Beschaffenheit unseres StraßenpilasterS, eitycTne der anspruchsvollsten. „Stimmen" gatzf4l><a-!»ux:.r h-m Ni"»«.-.- ^-nach- varter dörflicher Verhältnisse oesindlich ecklärt haben.
Also die Anzahl der Str,tzen Wiesbadens beträgt nunmehr 180; davon sind einfache Straßen 170, sogenannte Meeenstraßen 10 (AdolfSallee und Biebricherstraße, Bismarck-Nina, Plattersttaße, Kaiser Friedrich - Ring, Lmsenplatz, Rheinstrcme. Röderstraße, Schwalbacherstraße, Unter den Eichen nd Wilhelmstraße). Diese Alleeenstraßen haben eine Ange von zusammen 6625 Metern und eine Flache von 438 Ar, als' pon mehr als einem Neuntel der «tranennetzflache überhaupt. Dazu kommen 6 Reitwege, d. h. diese ftnb m beii Alleeenstraßen mit einbegriffen (Adolfsallee und Biebricherstraße, Kaiser Frielrich-Rmg, Rheinstraße, Schwalbacker- straße, Wilde:mstraß^. auß.r dem Reitweg im Nerothal. Die Länge beträgt 6000 Meter, he: Flächeninhalt 247 Ar. Freie, un- ßepflüsterte Plätze sind 8 vorsanben (an der Castellstratze, Faul- »runnenvlatz, am Kriegerdenkmal, Langenbeckplatz, an der vebr- straße, Luisenplatz, Marttplas, Setanplatz). Der Kranzplatz wird als gepflasterte Fahrstraße arcrseben, ebenso der Kochbrunnenplatz, Sailer Friedrich-, Mauritius- ;;iw Schiüerplatz. Der Blücherplatz 1897/98 noch nicht volleniet gewesen. Diese 8 Plätze umfaflen msammen 232 Ar. Schließlich kommen dazu die Gnrtem.niagen. Bon biefen untersteben der Straßenbauverwaltung die kleineres 8 (eiter Kirchhof in der Stadt, auf dem Kochbrunnen- und Kranz- okatz, an der Lehrstraße, auf dem Luisenplatz, an der Synagoge, ■m Kaiser Friednch-Ring, vor beni neuen Friedhöfe, auf dem MhelmSplatz; sie haben einen Flächeninhalt von 157 Ar. Die großen hat die Kurverwaltung ruuer ihrer Aufsicht, und es gehören »ahm: 1. die große Kursaoia.tlaze, mit den Anlagen auf der Llumenwiese und an der Tietenmuble ein Ganzes bildend, 2. das «umenparterre oder mit der früheren Bezeichnung Bowlinggreen genannt, 3. die Warme Damm-Armge (deren Name vielen mit der Geschichte unserer Stadt nidU Bikanitteii so unbequem ist: trotz alledem aber wird er wohl -Halten bleibtn), 4. die Kochbrunnen- änlage. Die Oberfläche dieser Anlagen macht zusammen 2470 Ar Zus. Eine selbständige Stellung nimmt die Nerothalanlage mit 525 Ar ein. Zusammen umfaflen also die städtischen Gartenanlagen Wiesbadens 157 + 2470 + 625 - 3252 Ar,' rechnen wir rund 8250 Ar oder 32'/» Hektar = 130 Morgen. Die Gesamurtfläche des Stadtbezirks enthalt 3608 Hcktar ober 14,432 Morgen, davon
N». 101.
Fernsprecher 91». 52.
Mittwoch, den 1. Marx.
Fernsprecher No. 52.
1899.
kommen auf Häusergebiet 300 Hektar (1200 Morgen) auf Straßen, Wege, Eisenbahnen, Anlagen re 300 Hektar (1200 Morgen) auf Wasserfläche, 11 Hektar (44 Morgen), das übrige auf Feld, Wiese, Wald re. mir 2996 Hektar (11,984 Morgen). Die städtischen Garienanlagen enthalten also ein Terrain von etwas mehr als l/io der Größe der mit Häusern bebauten Grundfläche.
Wenn wir nun die Entstehung der öffentlichen gärtneuschen Anlagen verfolgen, so finben wir erstere auf etwa drei Menschenalter, 1808—98, vertheilt. Das Ende des vorigen Jahrhunderts kannte feine anderen Kuranlagen Wiesbadens als den alten Kranz (Kranzplatz), der von Bäumen umgeben ivar, die beiden Herrn- gärten (in der Gegend der Bahnhofstraße und auf dem Kaiser Friedrich-Platz und nördlicher Umgebung), die Wiesenbrunnenallee vom Sonnenberger Thore bis zum heutigen Kurhausplatze) und die Allee rund um die Stadt. Alles das ist bei der Ausdehnung der Stadt in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts gefallen; auch der Kranzplatz hat zur Verkehrsstraße werden müssen. Und hätte man damals an eine so riesige künftige Ausdehnung der Stadt gedacht, wer weiß, ob man das Kurhaus so nahe an die Wilhelmstraße herangeleqt hätte. Aber glücklicher Weise hat man es gethan; glücklicher Weise auch hat man die Umgebung in Anlagen verwandelt und die Luftzufuhr von Osten freigehalten und zugleich durch den hohen Baumwuchs temperirt. Es ist eine klimatische Aufgabe, die dem „grünen Viertel", dem Ostend, zn- getheilt ist, und gegen die starke Ausrodung der privaten Anlagen durch die ausbeatende Spekulation kann mit gutem Grund der Einspruch erhoben werden, daß die Baum- und Buschgruppen den von der Bierstadter Höhe herabstrcichenden zu scharfen Ostwind auffangen und vertheileir.
Die kleinen gärtnerischen oben angeführten (8) Anlagen sind alle noch sehr jung. Die ältesten sind zum Theil Umwaudclungcn wüster oder vernachlässigter Plätze des alten Wiesbaden, oder von solchen, die als freie Plätze liegen blieben, während ringsherum gebaut wurde. Die neueren sind zum Theil Schmuck- oder Zieranlagen auf bisher frei gebliebene», aber planmäßig angelegten Plätzen. Keine dieser Anlagen ist über dreißig Jahre alt.
Ät ist die grösste Anlage der Stadt Wiesbaden zugleich r heute bestehenden. Die Kurhansanlage entstand zugleich mit dem Kurhause selbst, von 1808 bis 1810. Damals wurde die Pappelallee von son neu Verger Thore bis zum Wiesenbrunnen niedergelegt und durch Planiren des sehr unebenen Bodens die sogenannte Kursaalwtese oder das Bowlinggreen (eigentlich Rasenplatz für Spiele mit Kugeln) hergerichtet, auf welchem youB" and old England sich mit Ballspiel, Bumerangwerfen, Boxen u. A. hie Zeit vertrieb. Gleichzeitig wurde Hinterm Kurhaule der große Weiher mit Umgebung (ohne Fontäne) an- geleat; der Weiher selbst reichte mit seinem oberen Theile bis über Die fortgesetzte Linie der Leberbergstraße hinaus. Für die Anlagen wurden außer bett Grunderwerbskosten von der Staatskasse im Ganzen rurch 139,»00 Mk. aufgewendet. Dreißig Jahre iväter, 1838, wurden die Anlagen Hinterm Kiirhause bis zur späteren Duderftadlschen Besitzung ausgedehnt und hierfür von der Kurhaus- Aktiengesellschaft (bis 1856) rund 340,000 Mk. verausgabt. Das Bowlinggreen wurde 1856 in den heutigen Kaskadenplatz umgewandelt; ein Jahr vorher war die große Fontaine im Kurhans- weiher hergestellt worden, und zwar durch die nassauische Domäncn- verwaltuna, die auch für die Kosten, 41,800 und 59,760 Mk. für beides, aufkam.
Die Anlagen des Warmen Dammes sind durch die Herrschaft auf Kosten der Kurhaus-Aktiengesellschaft eingerichtet worden, 1859 '60. Die Situation, wie sie vor der Zeit daselbst bestand, als das ganze Gebiet noch von Gärten und Feldstücken mit ihren Obstbäumen, Sträuchern und Lattenzäunen eiitgeiwmmen wurde, durch welche die verschiedenen Bäche dahinflossen und der Dampf des heißen Wassers sich mit dem stickenden Rauch der Ziegelei mischte, habe ich vor einigen Jahren einmal geschildett. Die älteren Wiesbadener entsinnen sich noch, wie die Umwandlung, gewiffer- maßen im Hanbumdrehcn, binnen wenigen Monaten sich vollzog. Die Grunderwerbskosten haben 224,090 Mk. und die Rnlagekosteit 125,610 Mk., also beides zusammen 349,700 Mk. betragen; für damals ist das eine hohe Summe gewesen.
Den Promenadeweg am Rambackie entlang ließ (1818 und 1828—32) fammt den Anlagen auf der Burg Sonnenberg die General-Domänendirektion ausführeit. Die Anlaqearbeiten auf der Dietenmiihle nahmen 1878 ihren Anfanq; die ÄrnnderwerbSkosten betrugen damals rund 15,700 Mk., die Herstellungskosten (bis 1884) 14,550 Mk. Die Anlage wurde in 1887 u. ff. erweitert und die
benachbarte Blumenwiese gleichfalls in Anlagen umgeschaffen. Di« Ausgabe für Grunderwerv betrug rund 151,200 Mk., die für Bit Herrichtung rund 15,070 Mk Dann erfolgte weiterer Grunderwerh, die Nmwaiidlung der Blumenwieseattlage und die Herrichtung der Radfahrbahn um rund 289,260 4- 31,200 Mk., in 1892 u. ff. Die Gesammtanlage Dietemniihle-Blnmemviese kam also auf rund 501,270, b. i. auf mehr als eine halbe Million Mark, von bene« die Stadt die Grunderwerbs-, die Kurverwaltung die Herstellungskosten trug.
Die Kochbrunnenanlage ist in den Jahren 1888/90 ausgeführt worden. Der Werth des dazu von der Besitzung „Zur Rose" oer« wandten Gartenterrains einschließlich des Terrains für die Der» lungerte Langgasse betrug 200,000 Mk.; der Hospitalgarten mit dem alten Hospital war bereits 1879 an die Stadt gekommen und hergerichtet worden. Die Soften für die Umwandlung des Terrain» in gärtnerischer Beziehiing betrugen ca. 5000 Mk.
Die Nerothalanlage, von 1890 bis 1898 eingerichtet, ist kürzlich nach dem Referat des Herrn Bauraths Winter in beut neuesten städtischen Bericht von anderer Seite im „Wiesbadener Zagblatt* beschrieben worden. Ich beschränke mich auf die Angabe, daß für sie an Grunderwerbskosten 951,400 Mk., an Anlügekosten rund 90,400 Mk. (n. b. bis zu Ende des Etatsjahres 1897,98) verausgabt wurden
Summiren wir nun, so finden wir, daß innerhalb 90 Jahren, allerdings in großen Zwifchenräumen, im Ganzen ca. 2,160,000 Mk. für Grnnderwerb und ca. 720,000 Mk. für Herrichtung der Kur« anlagen verwandt worden ftnb, von beiten die Stadt Wiesbaden allein ca. 1,600,000, bcz. 160,000 Mk. getragen hat.
Wenn man namentlich in Betracht zieht, mit welch großen Opfern, nahezu 1,050,000 Mk., die große Nerothal-Anlage geschaffen wurde, und zwar einzig und allein aus dem Grunde, damit den Kurfremden ein angenehmer Aufenthaltsort mehr dargeboten werden und damit die frische Waldluft frei der Stadt zustromen könnte, so muß der anspruchsvollste Gast anerfeiuten, datz von Seiten der Stadtverwaltung auf diesem Gebiete geschehen ist, was geschehen konnte. Wiesbaden wird aber auch in Zukunft stets die Wahrung seiner Kurintereffeu im Auge behalten.
Ans Zrndt «nd Atttd.
Wiesbadett, 1. März.
— <ßrM)id)tüknlenb'ev, 1. März. 1896: Niederlage der Italiener bei Adna. 1882: f Thegdor Kullak, bet. Pianist (* 12. September 1818 zu Krotoschin). 1878: f Joh. Bl zog zu Freiburg, herv. katd. Theolog. (* 29. Juni 1808 zu Oblau). 1877: Friede zwischen Serbien und Türkei. 1871: Absetzung Napoleons IIL durch die Nationalversammlung in Bordeaux. 1871: Besetzung von Paris durch die Deulschett. ‘ 1869: t A. dc Lamartine, franz. Dichter und Staatsmann (* 21. Oktober 1796). 1858: * Joseph Kr-yminski zu Kaleje, Arzt tu Jnowrazlaw, Miigl. b. R. lP.). 1846: * Josef Aigner zu Frontenhausen, Kaufmann in Mainburg, Mitgl. b. R. (C.). 1837: * Professor Dr. Georg Ebers, befannttr Egyptiologe unb Noutanschriftsteller. 1834: * Charlotte Wolter zu Köln, bcr. Schauspielerin (f 14. Juni 1897 zu Hietzing). 1815: Napoleons Landung bei Cannes. 1809: * Fried. Franz Chopin zu Zelazowawola bei Warschau, der. Komponist und Klaviervirtuos (t 17. Oktober 1849). 1793: Sieg der Oesterreicher über die Franzosen bei Elchweiler. 1702: t Leopold II., röm.-deutscher Kaiser (* 5. Mai 1747). 1547: Kurfürst Joh. Friedr. von Sachsen nimmt zu Rochlitz Albrecht, Markgraf von Brandettbnrg, gefangen. 1528: * Albrecht V., Herzog von Bayern, der Gönner Orlando» bi Lasso (t 24. Oktober 1574).
— Ihre Kgl. Hoheit Krau Prinzessin Luise feiert heute ihren 70. Geburtstag. Geboren am 1. März 1829 als zweite» Kind des Prinzen Karl, des früher oft in Wiesbaden als Kurgast weilenden Bruders Kaiser Wilhelms I., war die hohe Frau kurze Zeit vermählt mit bein Landgrafen Alexis von Hessen. Sie Prinzessin lebt seit langen Jahren hier und wird in westen Kreisen, nicht zuletzt auch wegen ihrer Fürsorge für die Armen, verehrt.
— ReichshaUen-Shentee. Wie aus der heutigen Sonderbeilage zu ersehen, stellt sich in den Reichshallen mit dem heutigen Programmwechsel eine Schaunummer ein, die ohne Frage die größte der Welt ist und dazu für Europa ganz neu. Es ist dies Mr. Bonetty vom Cirko :- Barnum und Bailey aus Amerika mit
Aus Kurrst und Erbe«.
* Philharmonie. Der untir Leitung des Herrn H G. Gerhard im Herbst 1897 gegründete .Bereit zur Pflege der Orchester- und Kammermusik durch hiesige I'ifetnnten* gab am Montag, den 27., eine Kammermustk-Aufftchrung m Saale der .Loge Waw" und erbrachte damit zunächst den Beweis, daß auch Kammermusik- Seranftaltimgen unter besonderer Umständen einen übervollen Saal Dielen können. Tas Hauptwert des Wends war L. v. Beethovens septett op. 20 in der Originaltesetzuua: Violine, Viola, Eello, Baß, Klarinette, Horn und jjagat. Dte Ausführung des Werkes war in Anbetracht, daß nurDile: anten die betreffenden Instrumente vertreten, recht anerkeunenswerth befonbetä zu loben sind Fagott, Som, Cello, Baß unb Viola, wehrend die Klarinette dadurch, daß bei melodiösen Stellen von einem Ton zum andern häufig kleine Vorschläge hinzufügte, uns teeriger zusagtc. Der Violinist ist im Besitz eures Keinen, weichen Toner unb einer recht behenden Technik, schade, daß er, befand-:S in den höheren Lagen, stets zu hoch intonirte. Lebhafter Beifai folgte der beinahe eine Stunde dauernden Aufführung des ©errette. Der Dirigent des Vereins, Herr H. G. Gerhard, hatte al- Künstler von Fach dem Abend feine pianisttfche Mitwirkung geliehen, indem er Beethoven« Sonate appassionata in F-moll op ff zum Vorttag brachte, welche be- kanntlich zu den. aroßartigstn Schöpfttngen für Klavier aehött. Denn nun auch nicht zu ! eignen ist, daß der Künstler mit feinem Vortrag eine durchaus acht, ngswerihe Leistung bot, so fehlte ii>m aber doch zn der von ihm, niry dem betgegebenen Programmbuch norh- wendigen plastischen Darstellung gemäß die Unfehlbarkeit derTechnik, dann aber auch der erfordert ichc Skeichthum an Nuancen im Anschlag, der besonders im zweiten Satze so unentbebrlick, ist. Die Wieder» gäbe des letzten Satzes tonnte am meister, befriedigen, nur litt das Passaaenwerk der rechten Hard, gegen der. Schluß hin, an Undeutlichkeit. Von den Zuhörern wurde der Itmftler durch Beifall und tervorruf ausgezeichnet. Dkrr Schluß des Abends machte Vater aydns reizendes Streichcmirtett in D-dur mit dem porpetuum wobtke-Schlnßsatz. Die A sftihruvg war mtch bier eine den gegebenen Verhältnissen angemessene. —g.
* Au» den Snnstansstrllungen. Im „Nassauischen Kunstverein" hat Ä. Beinberger (hier) eines seiner mit seinem Gefühl beobachteten und luftig gemalten Thierbilder ausgestellt, „Hirsche im WaldeSteich (Motiv aus Hummelshain)" betitelt. Sehr plastisch heben sich die Thiere von der Umgebung ab, die von dem Künstler in der Ausführung der Details so geschickt gemäßigt wird, daß sie nie die Hauptsache, hier die Hirsche, als Staffage erscheinen läßt, sondern selber nicht mehr fein will als der laud- schaftliche Hintergrund. Und doch, würden die Thiere fehlen, wäre es eine gute Landschaft von gleichem Werth. Die Kunst Weinbergers versteht es eben, Thier und umgebende Natur im Gleichgewicht zu halten —, eine Aufgabe, die nur wenige Tbicrmaler so gut lösen wie obengenannter Künstler. N. v. Ast»diu (hier) zeigt uns einmal ein etwas frischeres, flotteres Bildchen in' feinem „Motto aus Boppard" und weiß der Hiuter- Haus-Seenerie malerisch die schönste Seite abzugewinnen. — .Lust und Licht" lautet die Devise bet drei in „Saugers Sun ft - salon" ausgestellten Kollettionen. Lnsttg und leicht in der Farbe und dabei doch noch das Zeichnerische im Detail betonend, ift der Gesammteindruck bet Werke M Wieland ts-Karlsruhe. Er entnahm seine Motive meist der Felsenküste Capris und malt nicht minder anziehend interessante theile Venedigs, Fischerboote, da? blaue Mittelmeer, Mobuftlder re., m Oel- und Aquarell-Technik gleich geschickt. Wie alle Pleinairisten, sieht er mehr auf Fleckcn- wirkung als auf oetaillirte Ausftihrung, und wenn wft letztere auch z. B. an dem reizenden Genrebild des Italieners G. Chierici im .Nass. Kunstverein" bewundern muffen, so schickt sich eins doch nicht für Alle, d. h. die Landschaft mit ihren taufenberkt Formen unb Förmchen in ihrer Uubefchrankthcit erlaubt die Ausführung des Details nicht in dem Maße, wie es ein ®enrebilb verlangt. Wie langweilig und gleichartig wirken bie schön „durchgefühtten" Landschaften, denen der Künstler vor lautet Detailausführung die Seele — dieflüchtige Sttnmmng — zn geben vergaß! Das sind dann »Natur- avklaftche", und nicht — totebcr tiaic,her diese Stimmungen zu erblicken nicht geübt ist, beutet — die Arbeiten der Pleinairisten und besonders der Impressionisten. Rang sich doch das Bestreben, die flüchtige Stimmung, die der Landschaft Charakter verleiht und von Stunde zu
Stunde ändert, wiederzugeben,,oon bet langweiligen, konventtouclle« Detailmalerei von Mitte bes Jahrhundetts los und hatte einen schv. ren Stand gegenüber der alten Rtchtttng unb einen hatten Kamp' mit ihren Vertretern und bereu Anhängern. Wie braune Rauchflecken wirkt der Schatten auf älteren Landschaften, kaum, daß man Formen in ihm erkennt. Luftig, klar und formenreich zeigt et sich rms in pleinaittstifchen Werken. Eine Reihe solcher, vom reimten Wasser, haben wir in brr zweiten Kollektion, in der von Robert Fowler (Liverpool) vor uns, und wir sehen mit Freuden, daß auch die Engländer sich nicht vor dem Signum der modernen Landschaftsmalerei verschlossen. Zeigt ' Wielandt noch dann und wann bie etwas konventionelle Kontur — eine Konzession an die Liebhaber ber alten Richtung — so läßt Fowler das Gegenständliche in seinen Werken förmlich m Luft schwimmen. Alle Konturen sind aufgelöst in dem feinen Drift, den der Künstler um unb zwischen den Dingen sieht unb den Beschauer Mitempfinden läßt. Besonders bezeichnend ist das entzückend luftige, leichte Gemälde, welches eine Bucht mit hohem Strand, im Hintergninde von Bergen begrenzt, darstellt, Berg- lanbschaften mit Flußläufen, grüne Matten, Marinen und Strano- motive im hellsten Licht mit aufgelöstem Schatten, Mondichein- landschaften unb Banmgruppen, Alles bas giebt der Künstler einfach, groß gesehen, von Licht und Luft durchwebt und umstuthet wieder. Ungemein reizvoll wirken bie meisten dieser Arbeiten, und wenn sie auch Dinge predigen, bie bas hmftliebenbe Publikum erst zu verstehen beginnt — nur Geduld, das volle Verständniß wirb nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bekommt boch jetzt schon ber verständige Laie einen kleinen Schreck vor einem »geselchten , will heißen braunen, dunklen älteren Lanbschaftrbild — wie man in der Kiinstlerwelt derartige Machwerke trenend benennt. Bezeichnend ist, daß Fowler seine Gemälde nicht nach ihren Motiven, sondern meist nach der Zeit und Stimmung, in der er sie malte, betitelt, so z. B. .Frühmorgens", .Nachmittag" .Gegen Abend" x. Auch der Aussteller ber brtttenKollektion — James Kay-Glasgow—, em Aquarellist, hat das ernste Bestreben, seine Landschaften und Secstücke o leicht, hell und luftig, wie er sie steht, wieberzugeben. Es glückt hm dies auch, nur verwäfcht er leider bett Vordergrund meisten»
