ViesbÄkM Tsgblatt.
49. Jahrgang.
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1899.
Abend-Jtusgabe.
Rückkehr des Mahdi.
Unser Londoner u-Korrespondent schreibt uns unterm 25. Februar:
Nach der großen Derwischschlächterei bei Omdurman wurde uns erzählt, die Macht des Mahdi sei völlig gebrochen, und das Entkommen des Mannes habe wenig auf sich, da er ohne Zweifel von einem oder dem andern seiner enttäuschten Anhänger auf der Flucht ermordet werden würde. Unter solchen Umständen kam vor einigen Tagen die Kunde recht überraschend, daß der Chalif mit einem Heere von zwanzig- bis dreißigtausend Mann nach Omdurman unterwegs sei, um den Engländern aufs Neue die Stirn zu bieten. Die Meldung schien hier in England vielfach förmliches Vergnügen zu veranlassen. Selbst die „Times", die die Schlächterei von Omdurman das „krönende gnadenvolle Ende" genannt hatte, fand inzwischen, daß ügentlich noch immer etwas fehlte, und dieses etwas steht der Mahdi offenbar zu liefern im Begriff. Sollte er so einfältig sein, die Engländer anzugreifen, so werden dieselben sein Heer einfach wieder maximiren, was, von Maximkanonen besorgt, dessen Reduktion auf das thunlich kleinste lebende Minimum bedeutet. In der Begeisterung über das militärische Genie des Sirdar entblöden sich jetzt hier viele Leute nicht einmal, das Entkommen des Mahdi aus Omdurman als einen Theil des taktischen Programmes des englischen Generals hinzustellen. Die Behauptung ist, wie wir fernerhin sehen werden, nicht so einfältig, als sie auf den ersten Blick erscheint. Der Chalif war schlau genug, zu durchschauen, daß die Engländer ihn in Omdurman wie in einer Falle fangen wollten. Daher kam er ihnen zuvor, verließ die schützenden Wälle seiner Feste und trieb seine todesmuthigen Getreuen in die Kanonenschlünde der Eroberer. Vergeblich wartete er darauf, daß Allah der „gerechten Sache" zu Hülfe eilen würde, und ergriff dann schließlich die Flucht. Es verhalf das den Engländern zu einem leichten und schnellen Sieg, der aber, wie wir jetzt sehen, nicht so vollständig war, als man seiner Zeit annahm. Vielleicht versäumte man, ihn in entsprechender Weise auszubeuten, was sich indcß schwer feststellen läßt, da von dem Augenblick an, wo die Faschoda - Frage auf der Tagesordnung erschien, der Sirdar in der von ihm beliebten Geheimthnrrei von der englischen Regierung unterstützt wurde. Merkwürdig ist es aber unter allen Umständen, daß der Mahdi fünf Monate nach seiner „völligen Vernichtung" wieder mit einem großen Heere im Anzug begriffen sein sollte, obwohl er sich in der ganzen Zeit nicht weiter als ungefähr zwei- hundertunddreißig Kilometer vom Hauptquartier der Sieger entfernt befand. Es war das noch dazu während des günstigsten Theiles des Jahres, wo die Engländer mit keinerlei klimatischen Schwierigkeiten zu rechnen gehabt haben würden, und wo stets reichlich Wasser vorhanden ist. Allem Anscheine nach kamen die englischen Streitkräfte während jener fünf Monate den
jenigen des Chalifen nicht nahe, ausgenommen ganz kürzlich, wo sie bei einer Rekognoszirung auf dessen Heer stießen und es für räthlich hielten, sich eiligst zurückzuziehen. Scherkeila, wo die Derwische seit Monaten im Hinterhalt gelegen und sich aufs Neue zum Kampfe rüsteten, ist kaum hundertundfünfzig Kilometer vom Nil entfernt, und doch hatten die Engländer keine Ahnung von ihrer Gegenwart! Bemerkenswerth erscheint es übrigens, daß all die Kenner von Land und Leuten, die missen wollten, daß der Chalif unfehlbar von den Seinen umgebracht werden würde, sich so vollständig täuschen. Die „Times", die ehedem erklärte, die Derwische mären sich inzwischen über die religiösen Narrenpossen des blutigen Despoten klar geworden, spricht nun von dem unvertilgbaren Einfluß, den ihm seine vermeintliche göttliche Mission, namentlich unter den kriegerischen BaggaraS sicherte. Wenn jener falsche Prophet aber noch immer im Stande ist, den religiösen Fanatismus der Bevölkerung zu entstammen, dann haben die Engländer die Grabstätte seines Vorfahren in Omdurman auch umsonst vernichtet, und dessen Gebeine für nichts und wieder nichts den Krokodilen vorgeworsen. Die Sache ist eben die, Kordofan besitzt vorläufig noch kein Verständniß für anglo- egyptisch-türkische Civilisations - Segnungen vnd zieht den blutigen Despotismus des Mahdi denselben vor. Welche Folgen die erneute aggressive Bewegung, deren Keim also in Kordofan liegt, haben wird, läßt sich natürlich schwer vorans- sehen. Wäre der Mahdi ein Mann mit militärischer Begabung, so würde er sich damit begnügen, isolirte englische Stationen zu überfallen, und die Taktik Osman Digmas in der Umgegend von Suakim zu wiederholen. Zuut Glück für die Engländer ist er das nicht, und so wird er sich wohl demnächst den Schädel irgendwo an einer Maner einrennen, die die Briten sorgfältig für ihn errichten. Natürlich müssen dann aber die Baggaras gebührend für ihre, dem Mahdi aufs Nene bewiesene Treue bestraft werden, und wie könnte das wohl besser geschehen, als daß man eine Expedition nach Kordofan sendet, die Einwohner mäximirt und das Land dem egyptischen Reiche einverleibt? Es war die Gefahr vorhanden, daß sich die englische Vorwärtspolitik im Sudan mit den bisherigen Errungenschaften zu begnügen haben würde, denn man konnte doch unmöglich immer wieder die Behauptung ausstellcu, die jeweilig gewonnene egyplische Grenze fei unsicher. Es war daher ein Glück, daß der Chalif entkam und einen guten Vorwand zur Fortsetzung des Nilfeldzuges schuf. Kein Wunder, daß der Schatzkanzler gestern Abend im Unterhause erklärte, die Rechnung für den Sudankrieg fei noch nicht fertig. Der Krieg selber ist es ja auch noch nicht.
Deutscher Reichstag.
Kerlin, 28 Februar.
Auf der Tagesordnung steht zunächst ein schleuniger Antrag der Sozialdemokraten auf einstweilige Einstellung eines gegen den Abgeordneten Stadthagen (Soz.) schwebenden Strafverfahrens. Die Geschäftsordnungskommisston empfiehlt Annahme dieses Antrags. Das Haus beschließt, die Angelegenheit nochmals an die Kommission zurückzuverweisen. Es wird sodann die Berathung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern bei dem Titel Zölle fortgesetzt. Abg. P a a s ch e (nat.-lib.) verlangt, daß der Bundesrath
endlich einmal seine Erwägungen über Einschränkung der Zollkredite auf Getreide zunl Abschluß bringe und dem Reichstag aus dieses Verlangen eine definitive Antwort gebe. Redner wünscht ferner Zollerleichterungen bezw. Beseitigung von Zollscheerereien. — Direktor im Reichsschatzamt o. Körner erklärt, in der Frage der Zollkredite habe sich der Bundesrath noch nicht schlüssig gemacht. — Abg. Graf Klinckotvström (kons.) meint, der Bundesrath hätte sich darüber schon längst schlüssig machen können. Redner koinmt sodann auf die gestern angeregte Frage betr. der Zollvergütung auf verschiedenwerthige Mehle zurück. — Schatzsekrctär v. Thielmann entgegnete dem Vorredner, er wisse nichts von einem Versprechen, welches bezüglich der Zollkredite tm Vorjahre gegeben worden sei. (Ruf rechts: Mauel.) Zurückweisen müsse er auch die Vorwürfe, welche der Vorredner gegen die Ermittlung der Typen vorgebracht habe. Einwandsfrei könnte kein Verfahren fein. Man müsse wählen, was man für das relativ Beste halte. Werde ihm ein gangbarer Weg vorgeschlagen, so werde er gern einer Konferenz zur' Prüfung zustimmen. — Abg. Kamp (Reichsp.) ist der Ansicht, daß eine Aenderung unbedingt geschaffen werden müsse. Auch in Bezug auf die Getreidesoll-Kredite sei die Erklärung des Schatzsekretärs der reine Eiertanz gewesen. — Direktor v. Körner entgegnet zunächst, die Errichtung von Freilägern sei gesetzlich festgelegt. Des Weiteren verbreitet er sich über die Vergütung auf Mehlexporten. — Abg. Gerstenberg (Centr.) vlnidirt für schleunige Regelung der Frage der Zollkredite und Müblenkonten im Interesse der Kleinmullerei und der bäuerlichen Landwirthschaft und für Einführung des Ouebracho-Zolles.—Abg. Hahn (bei keiner Fraktion) tritt in längeren Ausführungen für die Regelung der Zollkreditsrage ein und behauptet betreffs des in dieser Angelegenheit gegebenen Versprechens, daß Herr v. Miquü cS gewesen sei, der im Herrenhause dieses Versprechen gemacht habe. In allen solchen Fragen, wo es sich um den Gegensatz zwischen Großbetrieb und Kleinbetrieb handele, habe die Regierung nur die Sozialdemokraten und Freisinnigen auf ihrer Seite. Es sei jedenfalls höchste Zeit, daß in dieser Angelegenheit etwas geschehe Seitens der Regierung, sei es mm durch die gegenwärtigen Männer oder durch andere. - Abg. Möller (nat.-lib.) vertritt entschieden das Verlangen des Abg. Paasche, den Exportfabriken im Inlande möglichst ohne lästige Zollscheerereien dieselben Zollvergünstigungen zu gewähren, wie den Fabriken in Freilagern. Inzwischen ist ein Antrag v. Kardorff (Resolution) einaegangcn, den Reichskanzler um eine anderweitige Regelung (zum Regulativ) der Zollvergütung auf Mehl zu ersuchen. — Abg. Frömel (freif. Vcr.) meint, die Erschwerung des Mehl-Exports fiir die Großmüllerei würde eine offenbare Schädigung der Gesammtmüllerei zur Folge haben. Einer Aenderung des Regulativs könne er nur dann zu- stimmen, wenn das Reudement überhaupt etwas niedriger getroffen werde. Was die Zollkredite anlange, so solle man ja nicht vergessen, daß grade bei ihrer Einführung auch eine verständige Rücksichtnahme auf die Interessen des Handels mitzufprechen hätten. — Abg. R ö licke (Bund d. Laudw.) tritt für einen Ouedrachozoll ein und beklagt, daß der Schatzsekretär so ernste Fragen so ironisch behandle. Der Titel Zölle und Branntweinsteuer werden genehmigt. — Bei dem Titel Zuckersteuer erklärt Schatzsekretär Thieluiann, die Regierung sei bestrebt, die Ver- wendmig denaturirten Zuckers als Viehzucker zu fördern. Im Gesundheitsamte seien Versuche angestellt worden, um ein geeigneter Denaturirungsmittel zu finden. — Abg. v. Staudy (kons.) wünscht Herabsetzung der Konsunisteuer. Die Hauptschuld an der heutigen bedenklichen Lage traue jedenfalls der Abgeordnete Paasche als Vater des bestehenden Zuckersteuergesetzes. (Rüfe links: Sehr richtig.) Nach weiterer kurzer Debatte wird der Titel genehmigt, desgleichen der Titel Salzsteuer. Morgen Fortsetzung der Etalberäthnng. Schluß 6'/« Uhr. * * *
Berlin, 28. Februar. In der Budaetkommission de6 Reichstags stand heute der Etat des Auswärtigen Amts znr Berathung. Bei den Gesandtschaften und Konsulaten bringt bei der Gesandtschaft im Haag der Abgeordnete Richter die Ausweisung von Holländern zur Sprache. Staatssekretär v. Bülow bezog sich auf Sie vorn Reichskanzler im Plenum abgegebene Erklärung, daß die AiiSweisungsbefugnisse den Einzelstaaten zustehen. Bei der Botschaft in England fragt Abgeordneter Richter, wie wett
(Nachdruck verboten.)
Kondoner Modebrief.
Von Mary Wood.
(Worch, der berühmte Pariser Schueiderkönig. — Poole, der eng- lffche Kleiderkönig, und seine Toiletten. — Schlankheit, das Attribut moderner weiblicher Schönheit. — Hüftenmaflage. — Pelzmoden. — Luxuriöse Abendmäntel. — Ein Tigerkopf als Kapuze. — Stirn- Diademe, — Die Prinzessin v. Wales. — Die Rubin-CollierS von Lady Wimborne und Mrs. Rothschlld. — Armbänder unmodern. — Die Gattin des millionenreichen Mr. Potter auf der Bühne von
Her Majestys Theatre und ihre Toiletten.)
ES ist unglaublich, wie weit große Ereigniffe ihre Schatten »erfen. Mr. Worth, der berühmte Pariser Schueiderkönig, hat konstatirt, daß die dreiwöchentliche Hoftrauer der Königin Victoria um die Kaiserin von Oesterreich und um die Königin von Dänemark dem Pariser Moden-Weltmarkt einen Schaden von 15 Millionen Francs zugefügt hat. Es fanden gar keine festlichen Veranstaltungen statt und dies bedeutete diesen großen unglaublichen Ausfall, denn während sich die CrLrne der Gesellschaft in Paris chre Straßen- und Sporttoilette aus England verschreibt, liebt es die vornehme Engländerin, Ball- und Gesellschastslleider aus Paris zu beziehen. Nichtsdestoweniger herrscht Mr. Poole, der englische Kleiderkönig, wie ein Fürst in seinem Reich, er besitzt ein eigenes, luxuriös eingerichtetes Schlößchen, seine Pferde find tadellos, sein Tisch ist bei Feinschmeckern berühmt und er genießt das Ansehen eines Künstlers, welches er auch verdient, denn er zeichnet sich durch wahrhaft genialen Farben- und Formensinn aus. SeineToiletten sind Gemälde der Nadel, ihren Trägerinnen auf den Leib geschrieben, stets deren Eigenart an- gepaßt und tragen doch nur spezifisch englischen Charakter. Eine Dame, von Poole angezogen, sieht nicht bloß „smart“ aus, sondern „refined“ im höchsten Grad, die Vornehmheit der unauffälligen Eleganz. Worth arbeitet nach Phantasie, Idee, Laune, Poole paßt feine Schöpfungen der Eigenart der Erscheinungen an und bringt dadurch eine Harmonie hervor, die dem Pariser Kleidnkünstlcr
fehlt. Poole ist stilvoll, er baut feine Toiletten, indem er die edlen Linien zur Geltung bringt, indeß Worth ein Verächter der Linien ist und nur im Arrangement und in Farbenkontrasten seine Effekte erzielt. Er besitzt die vornehmsten Klientel, aber die Ladies unterwerfen sich vollständig seinem Willen, bei „Poole" würde es keine Dame wagen, ihre eigene Geschmacksrichtung durchsetzen zu wollen. Nach den neuesten secessionistifchen Gesetzen wird von den Damen übermäßige Schlankheit gefordert, der Geist, der Ausdruck muß vorherrschen, auf die Materie wird weniger Werth gelegt. Eine ganz mäßige Leibesfülle zu zeigen, gilt nefair. Alle Unterkleider find verbannt und die seidenen Knickerbockers an Stelle der Jupons getreten. Durch Jagd, Rad und Spielsport, sowie durch Hüftenmassage wird einem enbompoint, welches das Wohlleben bei Damen „between thirty and forty“ hervorzubringen pflegt, künstlich entgegengearbeitet. Nur die Pelzmode, welche in London in dieser „season“ wahre Orgien feiert, harmonirt nicht ganz mit den Anforderungen, welche die Mode an die Schlankheit stellt, aber selbst die Pelzindustrie macht derselben die nöthigen Konzessionen und liefert das weiche, seidenglatte Fellchen ungeborener Thiere, ans welchen die allaSglänzenden, federleichten dünnen Breitschwanz- kostüme hergestellt werden. Diese Kostüme sind enorm theucr, da zu ihrer Herstellung eine Unmenge winziger Fellchen gebraucht werden. Der Rock wird voran sehr schmal, rückwärts nach unten zu weit anSfaKenb getragen. Das kurze Jäckchen zeigt lange frackartige Schößchen. Zur Toilette ans Breitschwanz gehört Toqne und Muff aus Chinchilla mit Rosen und weißen Gazevolants geputzt. Für Cape und Abendmäntel wird Hermelin bevorzugt, aber nur ein auserlesenes Portemonnaie kann sich den Luxus leisten, einen langen, mit rosa Brokat gefütterten Hermelinmantel mit einem inneren hohen ChiffonmoufseliuekragenHzu tragen, wie er bei „Robinson" zu sehen war. Den höchsten Luxus in der Wahl eines Abendmantels zeigte eine in London lebende Amerikanerin, welche einen solchen ans dem Fell eines Tigers besitzt, dessen Kops die Kapuze bildet. Diesem Pelzluxus angemessen ist der Luxus fiir
Stirndiadeine, welchen sich ftüher nur Herrscherinnen gestatteten. Heute gehört ein Diadem zur Toilette jeder reichen Same. Die Prinzessin von Wales besitzt drei ober vier Diademe, von denen ein sehr hohes spitzes ihr bevorzugtes ist. Es ist dasjenige, welches sie gelegentlich ihrer Silberhochzeit erhalten hat. Die frühere Mrs. Vanderbilt, jetzige Mrs. Belmont, besitzt das großartigste Perlencollier der Welt, cs ist 100,000 Lstrl. werth und wird nur von dem Halsband der MrS. Celia Wallace aus Chicago übertroffen, welches aus schwarzen Diamanten besteht, welche denselben Glanz und dasselbe Feuer haben, wie der wasserhelle Diamant. Kostbare Rubiiikolliers besitzen Lady Wimborne und Pirs. Leo Rothschild. Wenn wir aber von den höheren Regionen hinabsteigen, müssen wir erwähnen, daß es ein wenig unmodern geworden ist, Armbänder zu tragen, man schmückt die Finger mit Ringen, daß man sie kaum biegen kann, besonders fünfreihige Ringe, deren jeder einzelne mit einem anders farbigen Stein besetzt ist, find sehr modern. Man sieht auch Namenzüge, Eurbleme, Arabesken, aus Edelsteinen zusammengesetzt, welche den Ring schmücken. Für Broschen ist der Distelzweig, welcher sich um ein goldenes Stäbchen schlingt, sehr modern. Die lange goldene Kette, welche man bisnun mit der Lorgnette getragen hat, dient neuestens als Muffhälter, da die Damen die Hände frei haben müsfen, um mit denselben das Kleid aufzuraffen; eine vornehme Engländerin würde nie den Rand ihres Kleides mit dem Staub der Straße in Berührung bringen. Ein ganz eigenartiger Bühneustar, die Gattin des millionenreicheu Mr. Potter, welche in “Her Majestys Theatre” in dem Stück: „Die MuSkettre" glänzende Triumphe feierte, lieferte den ausgiebigsten Gesprächsstoff beim five o’cloektea. Wenn ihr auch aufrichtige oder boshafte Kritiker selbst ein Minimum von Talent absprechen, ihre Toilettenkunst ist Über jeden Zweifel erhaben. Von außerordentlicher Wirksamkeit ist namentlich ein „Reisekostüm", in welchem sich die schöne Frau im zweiten Akt zeigt. Dies ist eine schwarze Tuchrobe über einem weißen Atlaskleide von Satin Duchesse, dessen Rand prächtige
