47. Jahrgang. 9lo. OB.
Wicsbadcuer Tagblatt (Abeud-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27
Seite 2. 27. Februar 1§S9.
bie Versammlung.
— Des Kchichsals Möge sind oft wunderbar. Eine junge Frau von hier, welche nut ihrem l1/» Jahre alten Söhnchen vor 3 Wochen aus Amerika in der Heimath anlangte, hatte tu Chicago Fahrkarten für die „Bulgaria" gelöst, über deren schreckliche Erlebnisse und endliche Rettung augenblicklich so viel zu lesen ist. Sie verspätete sich aber und ihre Ankunft in New-Aork erfolgte erst, nachdem die „Bulgaria" bereits von dort abgedampft war. Sie mußte deshalb unfreiwilliger, aber, wie sich nun heransstellt, glücklicher Weise einen mehrtägigen Aufenthalt in New-Nork nehmen, um den nächsten Steamer der ^Hambnrg-Amerika-Linie abzuwarten. Pünktlichkeit — sonst eine sehr geschätzte Tugend — wäre in diesem Falle für unsere einer großen Gefahr entronnene Landsmännin verhäugnißvoll geworden. So hatte sie eine selten nihige lieber» fahrt und kam mit ihrem Kinde wohlbehalten bei den Eltern an.
o. Die Lohn Ire,veanng der Schreiner hat zu einem partiellenStreik geführt, d. h. von ungefähr 500 Schremer- gesellen sind am Smustag etwa 100, denen die Lohnerhöhung nicht zngestanden wurde, in den Ausstand eingetreten. Die Verhandlungen der Loünkommissionen der Meister und Gesellen und die direkten Besprechungen zwischen Meister und Gesellen haben in den meisten Werkstätten," namentlich in den größeren, wie Gail Wwe„ Neugebauer und Fuß, zu einer Beilegung der Differenzen geführt. Dieselben bezogen steh, nachdem die Gesellen die Forderung auf eine 9'/--stündige Arbeitszeit fallen gelassen hatten, rm Wesentlichen nur noch auf den Lohn. Die genannten drei Firmen haben folgende Zugeständnisse gemacht: Für Schreiner, die unter 22 Mk. verdienen, einen Lohnzuschlag von
Ausführungen des Redners fanden reichen Beifall. — Der nächste I Lorrrag findet mit kommenden Mittwoch, Abends 8V> Uhr, tm Saale der Lberrealschnle, Oranienstraße 7, statt. £crr Dr. med Jungermann spricht dann „lieber Schutz- und Heilimpfnng iSchutzpockenimpfung, Impfung gegen Pest, gegen Tollwuth und Tiphtherilis). Der Eintritt ist wiederum für Damen und Herren frei.
s „Die Tfialgebiete des Tamms und ihre Bedeutimg für die Liedlnng", so lautete das Thema, über welches fid)_ in _ber Fcbruar-BersammIungdes„WiesbadenerLehrer-VereinS" am Samstag Herr Lehrer C. Jakobi in ausführlicher Weise Derbrettete unb für seine trefflichen Ausführungen den wohlverdienten Betfall der Versammlung erntete. Wir heben Folgendes liervor: Nachdem die geographische Wissenschaft das Bestreben zeigt, den uriachuchen Zusammenhang geographischer Einzelerscheinungen nachzuwecsen und zu zeigen, wie der Mensch in seinem ganzen Sein abhängig ist von dem Fleckchen Erde, das er bewohnt, ist auch die Schule gezwungen, einer solchen Bearbeitung geographischen Materials Raum zu geben, weil nur so von einem bubenden geographischen Unterricht die Rede sein kann. Es wurde in dem Vortrag uachgewiesen, wie die Thalaebiete unsererTannnslandlchaft durch ihre natürlichen Verhältnisse sForm, Richtung, Boden- beschaffenheit re.) sich für die Ansiedelung von Menschen, Thteren und Pflanzen günstia oder ungünstig erweist. Bevölkerungsdichte und wirthschaftliche Thättgkeit der Bewohner finden dadurch ihre Erklärung. So sind die thermischen Verhaltmge der Längsthaler unserer Heimath (Wisper, obere Aar, obere Ufa), namentlich wenn sic schluchtenförmig eng sind,, sehr ungünstig, während die Ouerthäler mit ihrer Nordrichtung. einer nachhaltigen Sonnenbestrahlung ausgesetzt und somit klimatisch günstiger gestellt find. Ein Vergleich zwischen dem Wisperthal und dem oberen und mittleren Aarthal fiel zu Ungunsten des enteren aus, weil seine Richtung und seine Form der Insolation ungünstig sind. Dazu kommen noch die schlechten BodenDerhalt- nifie (Wisperschtefer) und die überaus geringe Besiedelung — 24 pro qkm, also nur '/« des deutschen Durchschnitts — ist erklärlich. Für die Betrachiutig der übrigen Thalgebiete in der an- gebeuteten Richtung sei hingewiesen auf das, ttirzltch ettvahnte, soeben im Verlag von Ehr. Limbarth dahier herausgeaebene Werkehen des Herrn Jakobi: „Geographie des Regierungsbezirks Wiesbaden in begründender Form". Wenn der geographtfche Unterricht unserer Heimath in dieser Weise betrieben wird, dann dürfte für den späteren erdkundlichen Unterricht das Interesse und damit der Erfolg gesichert fein.
— Die Bitter >es Eiserne» Kreuzes. Die Hanpt- verfammliing der „Nassauischen Vereimgung der Ritter des Eisernen Kreuzes" fand am 26. er. im Restaurant „Tivoli" statt., Der Vorsitzende Stabsarzt Dr. 8erna eröffnete dieselbe mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, begrüßte die anroefenben Mitglieder unb namentlich den Vorsitzenden des Vereins Limburg, Herrn Seibert, als Gast. Der Verein bestand am 31. Dezember 1897 aus 37 Mitgliedern, wovon 6 tHeils durch Wegzug, theils durch Austritt ausgeschieden und 4 neue eingetreten sind, sodaß fetzt der Verein 35 Mitglieder zählt. Die Versammlung wählte den bisherigen Vorstand wieder, nahm bezüglich der einzuführenden Gaste eine'Aenderung der Satzung an und war nicht für eme Herabsetzung des jährigen Beitrags. Der Vorsitzende las die Antwott Sr. Majestät des Königs Albert von Sachsen, des einzigen noch lebenden Ritters des Großkreuzes des Eisernen Kreuzes, vor, worin der aufrichtige Dank den Rittern des Eisernen Kreuzes von Deutschland für den durch eine Deputation überbrachten Glückwunsch zu dem im verflossenen Jahr gewesenen Regiernngs-Jubiläum ausgesprochen wurde. Im vorigen Jahr ist tm Auftrag des Bundesvorstands am Sarg des Fürsten Bismarck, des einzigen Ehrenmitglieds, ein Kranz mit entsprechender Widmung niedergelegt worden. Nachdem noch ein Geldbetrag einem bedürftigen Kreuz- Ritter aus der Vereinskasse bewilligt wurde, schloß der Vorsitzende
Glückwüm'cke zu seiner glücklichen Ankunft vor Santiago entgegen: genommen, weil er den unglücklichen Ausgang voraussah. — In der Kammer weif: bet Kriegsminister nach, daß im letzten Krieg die Offiziere die Leiden der Soldaten theillen. Verhältniß- mähig feien mehr Offiziere als Soldaten gefallen. Der Marineminister weist bie geaen die Marine ^richteten Angriffe zurück, und fügt hinzu, daß, wenn eine parlammtarische Untersuchung verlange werde, Alles klargestellt würde. General Montes ver- theidigt die Armee gegen die Anschuldigungen, welche gegen sie erhoben wurden, und fordert den Minister auf, bie Akten des Prozesses bezüglich des Kriegs aus Cuba und auf beit Philippinen der Kammer mitzntheilen, nm zu zeigen, daß die Schuldigen bestraft worden sind. Redner richtet an Lilvela, Gamazo, Salmeron, Moret und Romero Robledo die Frage, ob sie glauben, daß das Heer seine Sache Don der des Landes getrennt habe? Die Generale müßten wissen, welchen Weg sie entzuschlagen hätten. (Lebhafter Widerspruch.) — Romero Robledo bezeichnet die Auslassungen des Generals Montes als eine Herausforderung, die aufs Schärfste zurückzuweisen sei. (Lebhafter Beifall. Tumult.) General Montes erklärt, daß von einer Herausforderung nicht die Rede fein könne. (Neuer Tumult.) Romero Robledo ruft ihm zu, daß. er zu einem Aufstande aufreize. — Der Präsident ersucht General Montes, nicht in diesem Tone fortzufahren. — Minister Gamaho giebt Erklärungen darüber ab, weshalb er feiner Zeit in da? Ministerium em getreten fei. Er wird feine Rede in der nächsten Sitzung am Montag fortsetzen.
* Griechenland. Der verstorbene Bankier Andreas Sangros in Athen hat einen großen Theil seines Vermögens, welches aus 80 Millionen Drachmen geschätzt wird, für wohlthätige Zwecke bestimmt.
* Türkei. Nach in Konstantinopel eiugelaufenen Negierungsdepeschen sandte der Emir von Darfur dem Khalifen ein Hülfseorps Von 5000 Manu, welches bereits in Sorbofan eingetroffen ist. Unter den khalifenfreundlichen Stämmen findet eine große Geldsammlung für den Khalifen statt.
* Philippinen. General Otis telegraphirte von Manila: Die Lage ist vollkommen ruhig. Die Verhältnisse entwickeln sich günstia. Es liegt kein Grund zur Besorgniß vor. Ich sandte eme Heine Truppen-Äbtheilung nach Cebu, das die Flotte ohne Widerstand eingenommen hat.
Aus Stadl «ud Zand.
Wiesbaden, 27. Februar.
— Grschichtokalcnder, 27. Februar. 1881: Vermählungstag des deutschen Kaiserpaares. 1867: Einsetzung eines selbstständigen ungarischen Ministeriums. 1853: Regierungsantntt Peters, Großherzog von Oldenburg. 1847: Antrag Hemnch v. Gagerns in der Darmstädter Kammer auf Schaffung einer deutschen Centralgewalt. 1824: * Robert v. Keudell zu Königsberg, preuß. Staatsmann. 1821: t John Scats, bedeut, englischer Dichter (* 1795). 1807: * Henry Longfeüow, berühmter amertk. Dichter (f 21. März 1882). 1617: Frieden zu Stolbowa zwischm Schweden und Rußland. 1190: Frieden zu Adrianopel zwischen Friedrich Barbarossa und dem griechischen Kaiser.
— Höutgl. Zchauspirle. Wegen Erkrankung mehrerer Mitglieder des König!. Theaters muß die für Dienstag, den 28. Februar, nt Aussicht genommene Vorstellung „Die verkaufte Brant" bis auf Weiteres verschoben werden. Es kommt dafür „Der Zigeunerbaron" im Abonnement B zur Aufführung. Anfang 7 Uhr.
— Kurhaus. Wir sind heute in der Lage mitzutheilen, daß der Renier-Abend des Herrn August I u nk er man n, welcher infolge Erkrankung des berühmten Künstlers ausfallen mußte, nunmehr doch noch tm Laufe der gegenwärtigen Wintersaison, und zwar als letzter der diesjährigen Eyklus-Vortrage, am Montag, den 13. März, stattfinden wird.
es. Restdenr-Theater. Nach langer Pause betritt Herr Dr. Rauch wieder als Sartorius in Philippis Schauspiel „Das Erbe" am Dienstag die Bühne; dies packende Werk, das bet allen seinen Aufführungen den «ngetheilten Beifall errungen hat, fesselt bi« zur letzten Scene die Zuschauer. In Vorbereitung befindet sich der Schwank „Der Schlafwagen-Kontrolleur" von Wer Bisson, deutsch von Benno Jacobson, welcher in Berlin mit beispiellosem Erfolge täglich in Scene geht.
— Malhava-Theater. Wie uns von der Direttion bc8 Walhalla-Theaters mitgetheilt wird, soll das Programm für die erste Hälfte März ganz außerordentliche SUtraftionen aufweisen. Die Glanznummer des Programms wird eine aus 44 Personen bestehende Dahomey-Truppe fein, welche auf ihrer Rundreise durch Europa überall das größte Aufsehen erregte.
— Uolksvorlesuus. Am vergangenen Mittwoch eröffnete Herr Dr. med. Jungermann feine Vortragsreihe „lieber Infektionskrankheiten". Der Vortragende erklärte zuerst, was man ratter Infektionskrankheiten verstehe, und bewies, daß dieselben zu Stande kommen durch Eindringen von Krancheitskeimen in den Körper. Wenn man weiß, wo die Keime außerhalb des menschlichen Körpers leben und auf welchem Wege sie einbringen, so kann man ihre Brutstätten vernichten und ihnen den Weg zum menschlichen Körper verlegen. Dann erläuterte der Redner, wie man sich vor Infektionskrankheiten schützt, was der Einzelne zu thun habe, wa» die Gemeindeverwaltungen und die Staatsregierungen thun müffen, um die Entstehung und Weiterverbreitung von Bolks- krankheiten zu verhüten. Der Vortrag war gut besucht und die
15 pCt., für solche, die über 22 Mk. verdienen, 10 pCt. Zuschlag; für jugendliche Arbeiter, die mindestens 1 Jahr aus der Lehre sind, 3 Mk Mindestlohn, für Neberftunden und Nachtarbeit S3'/> pCt. bezw. 50 pCt. Zuschlag. Mit Abschaffung der Accordarbeik sind die Firmen ebenfalls einverstanden, wenn dieselbe von den Arbeitern nicht selbst gewünscht wird. (Es find aber eine große Anzahl Schreiner, dir die Accordarbest beibebalten wollen, weil sie sich auf bestimmte Artikel eingearbettet und dabei etwas mehr verdienen.) Die Arbeit nach Auswärts soll nach Vereinbarung bezahlt werden. — Diese Propositionen wurden in einer allgemeinen Versammlung der Gesellen mit Stimmenmehrheit angenommen und auf die 9'/--stündige Arbeitszeit verzichtet, tn der Meinung, daß in ein oder zwei Jahren die 9-stundme Arbeitszeit leichter zu erringen wäre. Unter den Gehulfen, die weiter arbeiten, befinden sich auch solche, die sich überhaupt an der Bewegung nicht berheiligt haben. Viele Meister haben Anstoß daran genommen, jungen Gehülsen, die erst ein Jahr auSgeternt haben, 3 Mk. oder 3 Mk. 20 Pf. zu bezahlen, lor ... sie sich denn überhaupt dagegen wehren, den Lohn nach einem bi stimmten Schema festzusetzen, sie wollen dies vielmehr Don de. Leistungsfähigkeit des Einzelnen abhängig gemacht wiffen, wie dies mich immer üblich gewesen wäre. Die Ausständigen find fest entschlossen, den Ausstand durchzuführen, d. h. die Meister zur Bewilligung ihrer Forderungen zu zwingen und hoffen d:es, da die finanziellen Opfer lange nicht so groß find, als anfangs angenommen wurde, zu erreichen. Sie bekommen eine wöchentliche Unterstützung von 15 Mk; die Mittel hierzu werden von der Verbandskaffe und den Beiträgen der arbesterchen Kollegen, die pro Woche I Mk. 50 Pf. betragen, aufgebracht.
H. llcitrvfeft in; Frankfurter Hippodtvui. Mitte Mär» wird in Frankfurt ein Wohlthätigkeitsfest veranstaltet werden, dessen Erträgniß zum Besten eines von Generalleutnant Excellenz d. Chappuis gegründeten „Kriegerheims" bestimmt ist. Invalide Veteranen aus den letzten Feldzügen finde!! bortfelbft Aufnahme refp. Krankenverpflegung und Badekuren. Die Veranstaltung wird in einem für Frankfurt ganz neuen Stile abgeljm.en; sie ist als ein „Reiterfest" in dem neuen Prachtbau „Hippodrom" gedacht. Die hiesigen Offiziere und die der beilachbarten Garnisonen, besonders solche aus Darmstadt, da der Großl-erzog von Hessen Protektor des Unternehmens ist, haben ihre Mitwirkung bei dem Feste zngesagt. ■ Außerdem sind eine Anzahl Damen und Herren aus hiesigen ersten Kreisen aktiv dabei beschäftigt. Das Reiterfest verspricht eine geradezu großarttge Veranstaltung zu werden. Es wird an drei Tagen ab- ? gehalten und die Thellnahme soll trotz ziemlich hoher Preise eine sehr große sein. Für die Pausen in dem reichhaitigeil Programm sind Büffets arrangirt, an welchen Damen der Gesellschaft bedienen.
— Das (f hemirdic Laboratorium Freseums war während des Wintersemesters 1808,99 von 45 Studirenden besucht. Davon waren 30 au§ dem Deutschen Reich, drei aus England, w zwei aus Holland, Rußland unb Brasilien und je einer aus Oesterreich, Frankreich, Norwegen, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, .. der Süd-Afrikanischen Republik unb aus Indien. Unter den Studirenden befanden sich mehrere, welche sich für die NahrungS- mittel-Ehemiker-Hauptprüfnng vorbereiteten. Mfistenteit waren tut. Unterrichts-Laboratorium 3 und in den VersttchSstationen (Ilnter- suchungS-Laboratorien) 24 thätig. In dem bewährten Lehrkörper der Anstalt sind Veränderungen nicht vorgekommen. Demselben gehören außer den Direktoren, den Herren Professor Dr. H. Fresenius, Professor Dr. W. Fresenius unb Professor Dr. E. Hmtz, noch an die Herren Dr. med. G. Frank, Dr. W. Lenz, Dr. L. Grünhut und Architekt I. Huber. Das itächste Sommer- * femeftcr beginnt am 24. April d. I. Außer wiffenschaftltchen Arbeiten wurden in diesem Wintersemester zahlreiche Untersuchungen im Interesse des Handels, der Industrie, des Bergbaus, der Land- wirthfchaft, der Gesundheitspflege, der Justiz und der Verwaltung in den Versuchsstationen (Untersuchungs-Laboratorien) attSgefuhtt.
o. Fntzgiiugcritllee iw drr UutgstraHe. Die. zum Zweck der Anlage einer Fußgängerallee in der Ringstraße zwischen Schiersteinerstraße und Adolphsallce mit den betbeiligten Grundbesitzern wegen der Abtretung des erforderlichen Geländes, eines 10 Meter breiten Streifens, gepflogenen Verhandlungen haben zum Ziele geführt. Herr Beigeordueter Körner hat heute Vormittag unter Assistenz des Herrn Oberfekretärs Kaus mit bett Griurd- eigenthümern die erforderlichen Verträge abgefchlossen.
— Zinn Krandnngliittt tm Haufe Adolfsallee 13 wird un8 geschrieben: „Es ist im Publikum die Meinung laut geworden, daß sofort nach Bemerken des Brandes die Leiche der unglückltchen Frau Bücher noch hätte gerettet werden können. Dem ist jedoch nicht so, es hat an Versuchen dazu nicht gefehlt. So ist der tm Hause wohnende Fabrikbesitzer Herr Viebtg — berichtigend 1« bemerkt, baß Herr Referenbar o. Kühlwetter nicht tm Hause wohnt—, nachdem er mit den Seinen eben die rancherfülltcnTreppen herunter gekommenwar, sofort in den Korridor der BücherschenWohnuna eingedrnngen, und nachdem er aufrecht nicht mehr vorwärts konnte, auf Händen und Füßen bis zur Thür des brennenden Zimmers vor- gekrvchen. Durch die mannsbreit geöffnete Thür erblickte Herr Siebtg mir ein einziges Glnthmeer. Wenige Minuten später drang derselbe Herr ttochmäls mit Herrn Schutzmann Dieffenbach, aber wiederum ohne Erfolg, vor. Auch Herr Ofensetzer Bös versuchte, was rühmend heroorzuheben ist, zweimal vergeblich dis zu dem brennenden Zimmer vorzubringen. Man sieht hieraus, daß es an aufopfernden Versuchen zur Rettung nicht gefehlt hat, und wenn diese nicht gelungen, so ist dies lediglich der späten Entdeckung des Brandes zuzuschreiben, welcher nach den Aussagen der Feuerwehr sehr leicht noch viel schlimmer hätte ausfallen können."
Königliche Schauspiele.
Samstag, den 25. Februar: .Die Zauderfiöte". Oper in 2 Akten von W. 81. Mozart.
Den Tammo fang als Gast Herr H. Pliicker (von Aachen), Der sich schon im vergangenen Frühling hier hören ließ und als ^Lionel" und „Posttllon" durch feine gut musikalische Begabung Interesse erregte; er tritt demnächst in den Verband unseres Hoftheaters, und der ewigen Sorge um den lyrischen Tenor hofft man damit endgültig enthoben zu fein. Erfreulich ist, daß Herr Plücker seit seinem letzten Auftreten erhebliche Fortschritte in seiner Kunst gemacht hat. Die von Statur etwas zähe Tongebung ist freier unb leichter geworden; eltcbem bemerkte Kehl- und Nasenlaute drängen sich seltener hervor; die Stimme hat an Kraft und Fülle gewonnen und ebenso der Vortrag an Sicherheit und Wärme. Noch immer wirb dem jungen Sänger gar Manches auszugleichen bleiben; so wäre, neben einer vermehrten Geschmeidigkeit und Biegsamkeit des Organs, im Einzelnen besonders eine hellere Behandlung des Vokal a anzustreben, der sich jetzt noch fast ganz dem o nähert. Im liebt i gen zeigte sich bie Aussprache meist verständig und verständlich. In bet ersten Arie „Dies Bildniß ist bezaubemb schön, wie noch kein Auge je geseh'n" — überraschte Herr Plücker angenehm durch die Fortlaffung der unleidlichen Vorschläge auf die Worte „schön" unb „sehn" —: feit dem feinfühligen Buff-Gießen — der erste Tamino, der es einsieht, daß die fogenannten Appoggiatnren an dieser Stelle ganz tnißverstäitblich angewandt wären. Nächst der Bildniß-Arie war rS hauptsächlich das groß« Recitcttiv mit dem Priester und das darauffolgende Flöten-Arioso, welches der neue Tenorist recht geschntackvoll unb mit einfach-ungesuchtem Ausdruck zur Wiedergabe brachte. Eine wichtige Frage wäre wohl, ob Herr Plücker dem hiesigen Opern-Snjcmble sich auch geschickt und paffend eiufiigen möchte; aber das bleibt eine schwebende Frage, denn von der jetzigen Zauberflöten-Besetzung dürfte in der nächsten Saison nur noch — die Erinnerung vorhanden sein. Reu besetzt war diesmal der „Erste Genius" mit räitlcin S o f e 11 i, bereu betttr, tlarer
Sopran hier zu geeigneter Geltung kam; gleich im ersten Genien-Auftritt | bei der Stelle „doch mußt Du Jüngling männlich siegen" — fällt aber auf diesen „Jüngling" ein ganzer Ton d-c und nicht ein Halbton ck—cis: es ist das eine kleine schiistische Verirrung, die sich übrigens von einem ersten Genius auf den anderen ersten fort- guerben scheint! Den Sarastro hatte für den erkrankten Herrn Schwegler bereittvillig Herr Heidkamp vom Kölner Stadttheater übernommen. Sein Organ hatte nicht ganz die markige Breite wie das unseres Bassisten, erfreut aber ebenfalls durch sonore Fülle und Ausgiebigkeit. Eine gewisse oberpriesterliche Würde war dem Vortrag nicht abzusprechen. An Beifall fehlte es den beiden Gästen ebenso wenig wie uuferen einheimischen Solisten, unter denen die graziöse Miß Howe (Königin der Nacht) durch glänzende Leichttgkeit im Bravourgesang, Fräulein Mackrott (Pamina) durch echt musikalische Empfindung und das Ensemble der drei Damen Korb, Aeuß und Brodmann durch Uebeoolle Dreieinigkeit besonders angenehm hervorragicn. O. D.
Residenz-Theater.
Samstag, den 25. Februar, einmaliges Gastspiel von Lncie Vierna: Lvsn-Frorr. Pariser Sittenbild in 5 Aufzügen von H. Meilhac unb Ludwig Halevy. Deutsch von Eduard Manthner. Regie: Albuin Unger.
„Es ist schwer, wider den Stachel zu locken', sagt die Schrift, und auch in der Kunst rächt es sich, wenn man gegen den Stachel der durch die Verhältniffe bedingten Nothwendigkeit locken will. Nothwendig ist es da unter allen Umständen, von der Pike aus zu dienen, und wollte etwa ein Gymnasiast, der zur Bewunderung seiner ganzen Sippe Vorlageblättcr sauber nachzeichnet, es sich einkallen Iaffen, auf Grund diese? „Talents" plötzlich Historien- bilder zu malen, ohne in vieljährigem Studium nach der Antike und dem Akt gezeichnet zu haben, so würde er mit seinen Werken bei kundigen Thebanern ein verwundertes Schütteln de» Kopfes erregen. Nicht anders tarnt e- fein, wenn ein noch so für die Bühne prädestinirter Künstler nach mehr oder weniger eingehenden
Privaworstudien plötzlich anfängt, auf Gastspielreisen zu gehen, ehe er sich im Gefüge eines Ensembles all die taufend kleinen Kniffe des „Handwerks" ungeeignet, deren er nicht entrathen tarnt, und ehe er eines nicht gründlich gelernt hat — sich unterzuordnen. Alle „Wandelsterne der Biihtte" sind so gewordeit, die meisten von ihnen haben auf „Schnfieren" erst Alles gespielt, ehe sie sich heranSarbeiteten, ttm, das Gebiet ihres Erfolges und die Grenzen ihrer Kraft fern:tu lernend, das vollendet zu geben, was ihnen am besten lag. Unser verehrter Gast vom Samstag Abend, finde Vierna, möchte mit bewiiuderns- werther Energie die Welt ans den Kopf stellen: sie hat sich einst- wellen mehr für das Gastspiel, als für die Bühne präparirt, und
es ist ihr durch befonbere beneidenswerthe Umstände vergönnt gewesen, daß ihr eine Reihe von Theatern in kleineren unb mittleren Städten bereitwillig ihre Pforten öffneten. Dort fand sie jegliche» ° Entgegenkommen, fand ein dankbares Publikum und eine dankbare Kritik. Begreiflicher Weife kühner geworben, wagt sie nunmehr einen höheren Flug in eine wirkliche Theater- und Kunststadt mit einem verwöhnten Publikum und einer schärferen Kritik. So ist sie denn im hiesigen Residenz-Theater gelandet, wo sie in der schwierigen, psychologisch angelegten Rolle der Fron-Frou auftrat, in der uns f. Zt. eine Künstlerin vom Range einer Frey so Interessantes unb eine Begabung wie die der Fräulein Pallaffcheck . so Anmuthiges bot. Das Alles schicken wir voraus, um die Schwierigkeitm sogleich festzustellen, die sich diesem Gastspiel entgegenstellten, entgegenstellell mußten. Daß ihrer die junge, in ih« Kunst aufgehende Kunstnovize noch nicht vollkommen Herrin werden konnte, liegt in der Natur der Sache. Was sie uns gab, war deshalo einstweilen noch mehr ein auf die Zukunft gezogener Wechsel a.» ein erfülltes Programm; natnrnothwendig fehlte die Reife deS Spiels, fehlte die künstlerische AuSalcichnng und bie psychologische Verttefnng in den Charakter „Fron-Frons". Dabei aber wurden doch in der großen EifersuchtSscene mit ihrer Schwester im dritten und im Zusammentreffen mit ihrem Gatten im vierten Akte so Diele, von leidenschaftlichem Temperament und echtem Empfinden gegebene j Momente geboten, daß man nur wünschen kann, die für ihre Kunst t»
