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MksbtAmr Tagblstt

Verlag: Langgasse 27.

16,000 Abonnenten

N«. 88

Dienstag, den 21. Februar.

1899.

Fernsprecher 91». 52.

Fernsprecher Wo. 52.

Abend-Ausgabe

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Preußischer Landtag.

Berlin, 20. Februar.

Abgeordnetenhaus.

Slttzetgett-Preiör

Die einspaltige Petitzcile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. Reclawen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

bei der Erhebung der Anklage verfahren werden, namentlich, wenn cs sich um Denunziation aus unlauteren Bewcg- gi'ünden handelt. Die Staatsanwälte sind angewiesen, in solchen Fällen vor Erhebung der Anklage mit besonderer Vorsicht zu ver­fahren. Der Abg. Richter hat auch bei der EtatSbrrathung von einer systematischen Begnadigung bei Vergehen wegen Ucberschrcitnng der Anitsgewalt gesprochen. Das ist auch eine der Fabeln, die gern verbreitet werden. 1898 sind tm Ganzen 15 pCt. derartiger Begnadigungen erfolgt lind 85 pCt. sind abgewiesen worden.

für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingcreichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Iüv Öen Wonai März auf das Wiesbadener Tagblatt"

ZU abouniren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgaffe 27, bei den Ausgabestellen, den Iweig-Lxxeditionen in den Nachbar­orten und fänuntlichen deutschen Reichsxostanstalten.

*1. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Jndustriebczirke vergrößert die sogenannte Reserve-Armee,macht Viele brodlos, drückt dadurch den Lohn. Und weil die Be­zahlung der ungelernten Arbeit auch die derqualifizirten" Arbeit bestimmt, so leiden unter dem Lohndrucke auch Diejenigen, die man nichtArbeiter" zu nennen pflegt, obwohl sie es sind: nämlich die Kunsthandwerker, Künstler, Aerzte, Schrift­steller 2C., ja auch die Beamten. Ueberall führt die Diagnose auf den Unterkonsum zurück, dieses Ungeheuer, das sich in den Schwanz beißt.

Die Ueberzeugung, daß die soziale Frage nicht von der industriellen, sondern von der landwirthschaftlichen Seite her gelöst werden müsse, ist in England schon alt und dringt in allen Volksschichten ein, z. B. Hasbach giebt ihr beredten Ausdruck. In neuester Zeit fängt man auch in Deutschland an, diesen so naturmäßigen, so sichtbaren Zusammenhang zu begreifen. Am klarsten und beweiskräftigsten hat ihn, nach dem Vorgänge älterer Nationalökonomen, Dr. Franz Oppenheimer in seinen MeisterwerkenSiedlungsgenossen- schafl" undGroßgrundeigenthum" dargelcgt. Unter Anderem sagt er:Es wäre für unser öffentliches Leben sehr er­sprießlich, wenn die Vorkämpfer unserer Arbeiter- und Hand­werkerbestrebungen diesem sonnenklaren Zusammenhänge ihre Aufmerksamkeit zuwendeten, statt mit dem Kampfe für kommunistische oder zünftlerische Schrullen Zeit und Kraft zu vergeuden. So gilt cs denn, eine Umkehrung des alten Satzes zu machen: Das Land entvölkert sich nicht, weil die Städte eine magische Anziehungskraft besitzen, sondern die Städte Übervölkern sich, weil das Land seine Bewohner auSstößtl"

Nun ja, die Städte üben allerdings eine magische An­ziehungskraft, dies sollte nicht geleugnet werden. Der junge Mann vom Lande, der seine Militärzeit in der Stadt ab­gedient und dort zärtliche Bande geknüpft hat, mag nicht zu der saueren Feldarbeit zurückkehren; daS strebsame Bauernmädchen sucht einen Dienst in der Stadt und findet häufig Gelegenheit, sich dort zu verheirathen, wird häufig dem anspruchsvolleren und weniger wirthschaftlichen Stadt­mädchen vorgezogen; so zieht auch der Handwerker den ländlichen Lehrjungen dem städtischen vor, weil dieser zer­fahrener und weniger zuverlässig zu sein pflegt. Wirklich liefert das Dorf in studirenden Pfarrerssöhnen, fleißigen Handwerksgesellen, strebsamen Hausknechten :c. der Stadt ein zahlreiches und höchst werthvolles Rekrutirungsmaterial, und nicht erst in neuerer Zeit. Fragen wir aber, warum denn der Bursche oder das Mädchen vom Lande nicht in sein Dorf zurückkehren mag, so finden mir in den meisten Fällen die Antwort: er hat dort kein Eigenthum und keine Hoffnung auf ein solches, denn er ist Tage­löhner, im besseren Falle jüngerer Sohn, bleibt also lebenslang auch nur ein besserer Tagelöhner. Zumeist ist cs die Hoffnungslosigkeit und ihr? Ursache, die Boden­bindung, welche das platte Land entvölkert und die Großstädte überfüllt.

Ist also Oppenheimers Ausspruch, wie kurze Programm­sätze häufig, nicht in allen Theilcn buchstäblich wahr, so müssen wir ihm doch eine gewaltige Bedeutung zuschreiben. Denn er ist 1. jedenfalls in der Hauptsache richtig, er ist 2. uns so neu und rcvolutionirend für die sozialpolitische Theorie und Praxis, daß es endlich Zeit sein dürfte, ihn aus der Studirstube an das Licht der Oeffentlichkeit zu ziehen. Das Neue und Auffallende muß geprüft werden, und diese Prüfung darf nicht den amtirenden Perrücken allein überlassen bleiben.

Nachdem seit Jahrzehnten gelehrt und geglaubt worden, die Heilung des wirthschaftlichen Gesammtorganismus müsse dadurch geschehen, daß man dem einen Theile, dem industriellen, die Gesundheit wiederschafftc, nachdem aber alle diese Studien und Versuche keinerlei Aussicht auf ein Resultat eröffneten, muß hinfort das Programm heißen: man mache zuerst die Landwirthschaft wieder gesund. Dieses Bestreben, richtig und nachdrücklich an­gefaßt, ist durchführbar und verheißt Segnungen von uner­meßlicher Tragweite. Denn die gewaltigsten Naturkräfte, bisher verwahrloset, werden mit mächtiger Wirkung uns zu Hülfe kommen. Sobald die in der Landwirlhschaft thätigen Menschenkräste an Quantität und Oualilät wieder genügen, sobald hierdurch im ganzen Vaterlande eine technisch tüchtige, hochergiebige landwirthschaftliche Produktion wieder möglich geworden ist, wird der deutsche Boden wieder seine Be­wohner reichlich ernähren, ja Produkte zum Export übrig behalten. Das alte Wort:Hat der Bauer Geld, so hat's alle Welt" wird dann wieder zu Ehren kommen, d. h. eine blühende, kaufkräftige Landwirlhschaft wird dann nicht bloß einigen hanseatischen Exporteuren, sondern dem Handwerker, dem Kaufmann, dem Fabrikanten, kurz dem bedrängten Mittelstände und allen Arbeitenden ohne Ausnahme reichen Verdienst schaffen, Absatzgebiete, größer und besser, als man sie in China und Afrika erträumt.

Der Weg zum allgemeinen sicheren Wohlstände ist dem­nach eine richtig und umfassend ausgeführte Innere Ko Ionisation, lieber die Bedingungen der richtigen Aus­führung soll die Fortsetzung handeln. Dr. K. Sch.

(Nachdruck verboten.)

Ium Uerstündniß der agrarischen Frage.

(Eigener Aufsatz für dasWiesbadener Tagblatt".)

V. Landwirlhschaft und Industrie.

Wenn deutsche Kleinbauern und Feldarbeiter über See getrieben werden, so bleiben sie manchmal noch eine Zeit- lang Abnehmer unserer Industrie, lange freilich pflegt es nicht zu dauern; aber unserer in vielen Gegenden menschen­armen Landwirlhschaft gehen sie gänzlich verloren, ja sie werden zu gefährlichen Konkurrenten. Bor 50 Jahren und so lange ist cs noch gar nicht herexporlirle Deutsch­land noch Korn und Fleisch, jetzt muß es einen Theil seiner Nahrung vom Ausland nehmen.

Wenn dies so schlimm wäre, meinen viele Gelehrte und sogar einige Ungelehrte, dann müßte ja England längst zu Grunde gegangen sein, denn es ist für seinen Nahrungs­bedarf seit lange auf die Einfuhr angewiesen; was England an Fleisch und Korn in der eigenen Landwirlhschaft produzirl, ist kaum der Rede werlh. Ja, auch in England selbst ist jene Sorte Menschen noch nicht gänzlich aus- BL gestorben, welche sagen:Laßt unsere Landwirlhschaft zu Grunde gehen, dafür haben wir die blühenden Gewerbe, welche uns überreichlich schadlos halten."

Großbritannien ist ein meerbeherrschender, darum un­angreifbarer Inselstaat, dies giebt ihm eine vorlheilhafle Ausnahmestellung.

Aber es zeigt sich schon jetzt, daß die Industrie- Herrschaft Englands sich abwärts neigt. Alle die land- wirlhschaftlichen Kolonieen arbeite» mit Eifer und Erfolg daran, ihren industriellen Bedarf selbst zu befriedigen, sie sind zum Theil schon exportjrende Konkurrenten Groß­britanniens geworden. England ist sich bewußt, daß es nur noch eine Galgenfrist hat, daher seine krampf­haften Anstrengungen, Asien und Afrika noch fester zu umklammern.

Es ist nicht England allein, welches diese Expori-Wulh zeigt, Deutschland und andere Länder haben die nämliche Krankheit. Jrrlhümlich sucht man die Ursachen unseres Kolonialfiebers nur in der Vorliebe des Kaisers, in dem Flaggen-Enlhusiasmus unserer Chauvinisten, die das Vater­land größer machen wollen; nein, die stärkste Ursache ist das wirkliche Geld-Interesse. Nur an den Golt des Handels glaubt man noch. So sucht man verzweifelnd nach neuen | fernen Märkten, bewirbt sich um die Gunst des bedürfniß- ' losen Wilden, bringt ihm Feuerwaffen und Feuerwasser, Bibeln und Nürnberger Tand; er verlangt ja keine drei Monate Ziel, ist kein fauler Kunde, sondern zahlt baar mit wcrlhvollen Elephanlenzähnen, ein viel besserer Abnehmer als der Heimische, bei welchem man oft den Advokaten und den Bl Gerichtsvollzieher gleich milbringen muß.

M. Hier, hier liegt des Pudels Kern. Unser Unlcrkonsum, unsere schwache, unsichere Kaufkraft treibt den Industriellen [ und Kaufmann in ferne Länder. Wo der Gutsbesitzer

| nur in Berlin oder Paris kauft, sein Taglöhner

B überhaupt Nichts kaufen kann, der Krämer und Hand-

M werker in Posemuckel und Ralibor darum keinen

- Verdienst hat, woher soll denn da die Kaufkraft

-i kommen? Oder wiffcnschafllich ausgedrückt: Wo die Ur­produktion (Landwirlhschaft 20.) zu wenig Werthe schafft,die Industrie deren zu viele auf den Markt bringt, da ist das unentbehrliche wirthschaftliche Gleichgewicht gestört. Dies ist F bei uns, und mehr oder weniger in allen Kulturländern, M jetzt in sehr hohem Grade der Fall. Das meerbeherrschende

: Jnselvolk balancirt auch bei gestörtem Gleichgewicht noch eine Zeit laug, freilich nur eine Zeit lang; können wir uns auch W aufs Balanciren verlegen?

Der Landwirlhschaft fehlen die Arbcilshände, welche in - den Städten brach liegen müssen. Hieraus folgt für die s Industrie ein doppeltes liebel: Das ungeheuere Angebot | feiernder Hände vermehrt die Zahl der industriellen Anlagen, I also die Konkurrenz. Die Entvölkerung des platten Landes schwächt den Industriellen die Kundschaft. Schlechte Er- £ uährung und hoher Pulsschlag, sagt der Arzt.

Sind aus diesen Gründen die Arbeitgeber nicht auf i Rose» gebettet, so übt jene Verschiebung des Gleichgewichts g zwischen Urproduktion und Industrie eine noch viel sichl- t barere und bekanntere Wirkung auf die Arbeitnehmer, und ? zwar auf alle, nicht bloß auf die Fabrikarbeiter. DasEin- g- strömest ungelernter Arbeiter vom Lande in die Städte und

Aus der franrofische» Kammer.

hd. pari», 20. Februar. In der heutigen Kanunersitznng brachte Ministerpräsident Dupuy einen Gesetzentwurf ein mit fol­genden zwei Artikeln: 1. Dem verstorbenen Präsidenten Faure ein National-Bcgräbntß zu bereiten. 2. Die hierzu nothwendigcn Fonds von 165,000 Francs zu bewilligen. Der Abgeordnete Mesureur, Präsident des Budactausschusscs, fordert die Verweisung des An­trags an den Ausschuß. Ministerpräsident Dupuy fordert Namens der Negierung sofortige Berathung und erklärt, die geforderte Summe werde vollständig genügen, um die Kosten oes Begräbnisses zu bestreiten. Die sofortige Berathung wird, nachdem noch mehrere Abgeordnete dieselbe befürwortet haben, angenommen. Der sozialistische Abgeordnete Dejeante bringt sodann, einen Antrag ein, wonach dem verstorbenen Präsidenten ein einfaches Bcgräbniß ohne kirchliche Cercmonic zu Theil werden

Drntscher Reichstag.

Berlin, 20. Februar,

Tagesordnung: Wahlprüfungen. Darauf folgt die erste Be­rathung des Gesetzentwurfs, betreffend Aenderung der Civll- und Strafprozeß-Ordnung (Einführung des Nacheides) und betreffend Bestrafung falscher uneidlicher Aussagen. Abg. Nintelen (Centr.) beantragt Verweisung der Vorlage an die Justiz-Kommission. -J- Abg. D. Salisch (kons.) halt das für überflüssig,, wist aber trotzdem einer Kommisstons - Berathilng zustimnieu. -j- Abg. SJaffermann (nat.-lib.) meint, es würde wohl genügen, wenn man einstweilen bloß tu der Slrasprozeßordnung, uni dieselbe mit dem Militär-Strafprozeß in Einklang zu bringen, denNacheld einführen und dann ruhig abwarten würde, ob sich aus dem Fort­bestehen des Vorcides tm Civilprozcß Unzuträgltchkeiten ergebest. Eine gute Vorbeuge gegen Meineide würde cs sein, wenn die Vereidigung möglichst feierlich gestaltet würde und Massen- Vercidigunacn möglichst vermieden werden. Nicht unbedenklich erscheine ferner der Vorschlag der Vorlage, betreffend die unbeeidigte Vernehmung tm Falle offenbarer Unglaubwürdigkeit. Staatssekretär Nieberding führt aus, die Regierung hätte ein? mal nicht außer Acht lassen können, daß die neue Militär-StrafprozcK Ordnung den Nacheid eiugeführt habe und da sei es wohl mit der Heiligkeit des Eides schwer zu vereiuen, wenn in dem einen Ver­fahren der Eid als Nacheid und in dem andern als Vor? eid abgenommen werde. Die verbündeten Regierungen hätten geglaubt, gerade mit dieser Vorlage dem Reichstag ein Entgegenkomlncn zu beweisen. Abg. Kirsch (Centr.) bittet, dieses Entgegenkommen der verbündeten Regierungen auch auf die Berufung und auf die Diätenfrage auszudeynen. Be­denken habe er außerdem gegen die Bestrafmig auch uneidlicher falscher Aussagen. Abg. Müller-Schaumburg (freis. Volksv.) sympathisirt im Ganzen mit der Vorlage, theilt aber das Bedenken des Abg. Basscrmann, betreffend der Nichtvereidigung von Zeugen wegen Unglaubwürdigkeit. Redner wendet sich weiter gegen den Zengnißzwang, welchem die Presse unterliege. Dieser müsse beseitigt werden, ebenso der zugeschobene Partei-Eid, der durch Vernehmung beider Parteien ersetzt werden müsse. Abg. Herzfeld (Soz.) plaidirt für Abschaffung der konfessionellen Eidesformel mit Rücksicht auf die Dissidenten. Der Eid muffe zu dem gemacht werden, was er in Wirklichkeit sei, nämlich eineift staatlichen Akt. Mit dem Nacheid sei er einverstanden. Unbedingt nothwendig sei es, den Staatsanwalt der Disziplin des Gerichts­hofes zu unterstellen, wenn man inöqlichste Wahrhaftigkeit vor Gericht erzieleir wolle. Wolle man die Wahrheitsermittelung in Sachen namentlich von politischem Hintergründe fördern, so würde es vor Allem nothwendig fein, geheime Polizei­beamte nur dann zum Zeugnis; zuzulassen, wenn sie auch verpflichtet werden, über die Quelle ihrer Wissenschaft zur Sache Zeugniß ab­zulegen, und sich nicht hinter das Amtsgcheimniß zu verstecken. Weiter sei es nothwendig, die Strafen wegen Meineid abzustufen nach der Erheblichkeit der falschen Aussagen. Gebe man dem Volke eine bessere Schule, hebe man die Gesiudeordnung auf und gehe man bessere Löhne, dann werde man zur Verminderung bet Mein­eide beitragen. Abg. Gras Bernstorfs (Welfe) sympathisirt mit der Vorlage. Abg. Riff (bei keiner Fraktion) ist mit dem Inhalt der Vorlage durchaus einverstanden. Die Vorlage geht an die Justizkomniisfiou. Morgen 1 Uhr: Etat. Schluß 5'/« Uhr.

Das Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Lesung des Justiz-Etats. Die Debatte verlief ruhiger als in früheren Jahren und erstreckte sich auf die verschiedensten Angelegenheiten: der Mangel an Richtcrstellcu, die Besoldungsfragen,' die llcbcrbiirdunä der Richter, die Zunahme der Majestats-Beleidigungsvrozesse re., Alles wurde in den Kreis der Erörterung gezogen. Die Redner des Ceutrums und der Freisinnigen protesttrteu gegen die Be­schränkung des Petitionsrechts der Gerichtsbeamten, insbesondere der Gerichtsvollzieher. Der Justizminister erklärte, er perhorresztre nur den agitatorischen Ton solcher Petitionen. Minister Schönstedt hält cs für nothwendig, daß keine Anklagen erhoben werden, die von vornherein aussichtslos find. Was die Majestätsbeleidigmigs-Prozesse anbclangt, so sei es eilte Art Dogma geworden, zu glauben, daß deren Zahl zugenommen hat. Das Gegentheil sei aber der Fall. Die Zahl der Majcstäts- beleidigungs-Prozesfe habe ständig abgenommen, in Preußen in den Jahren von 1891 bis 1897 von 429 auf 398, 375 und 305; letzteres ist die geringste Zahl seit 1886 und der Procentsatz der Verurtheilten hat sich tn demselben Zeitraum von 1.98 auf 1.35 pCt. vermindert. (Hört! Hört! rechts.) Es wäre wünschenswerth, wenn die Zahl sich noch weiter ver­ringere. Niemand könnte damit ein größerer Gefallen ge­schehen, als den Richtern und Staatsanwälten. Aber wir haben dies nicht in der Hand. Gleichwohl könnte gerade auf dem Gebiet der Majestätsbeleidigung vielfach mit größerer Vorsicht bet der Erhebung der Anklage verfahren werden.