MMkner TsgblÄ.
*»• Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: durch den Verlag So Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 6Ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
AGpOOO Avonnruten.
Anzeigen-Preisr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Ncclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfa.. für Auswärts 75 Pfg.
Anzeige»-Annahme
für die Slbend-Slusgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Nirsgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingercichter uächstcrscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Anzeigen zm
Ko. 72. Fernsprecher Ao. 52.
Samstag, den 11. Februar.
Fernsprecher Ao. 52.
1899.
Abend-Ausgabe.
Deutscher Reichstag.
Kerli», 10. Februar.
Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung der Novelle zum löankaefttz. Abg. v. Kardorff (Reichsp.) verbreitet sich zunächst ausführlich über die Währungsfrage. Des Weiteren bemerkt er: In die glänzenden Lobsprüche auf die Leistungen der Reichsbank könne er doch nicht so ganz cinstimmen, denn das Haupt-Kriterium sei der Bankdiskont, ein Drittel sei der Schutz des Goldvorrathes. Daß der industrielle Aufschwung wenigstens zu einem Theile an der Goldabnahme die Schuld trage, wolle er zugeben. Mehr ausschlaggebend seien aber gewesen die ausländischen Anleihen und die tzandels-Untcrbilanz. Die Noten-Kontingentirung halte er für verfehlt. 1875 habe er dieser zugcstiuunt, aber damals sei er in dieser Frage noch sehr unwissend gewesen. (Heiterkeit. Ruf: Setzt auch noch!) Wenn die Kommission cs fertig bringe, unseren vldvorrath zu schützen und den Diskont niedrig zu halten, werde er ihr sehr dankbar sein.—Abg. Fischbeck (freis. Volksp.) widerspricht den Schlußfolgerungen des Vorredners aus der Handels- Untrrbilanz, daß Deutschland nicht in Verarmung begriffen sei, werde durch den Augenschein wie durch die Eiükommenstcner- Statistik ausreichend widerlegt. Redner wendet sich hierauf den vorgestrigen Ausführungen des Abg. Gamp zu, und erwähnt des Weiteren einen Artikel des Abgeordneten Arend im Deutschen Wochenblatt. Da werde über die Gefahren gespottet, welche für eine verstaatlichte Bank im Kriegsfälle entstehen könnten und da sage Herr Arend: Gesetze zu machen für den Kriegsfall, sei nicht deutsche Art. Nun, meine Herren, ich wünsche wohl, daß Herr Arend wieder gesund ist, wenn wir über die Militärvorlage be- rathcn, dann mag er wiederholen: Wir machen hier keine Gesetze für den SrieggfaU. (Heiterkeit.) Redner erklärt schließlich noch das Einvcrständrnß seiner Partei mit der Vorlage. — Aba. Dr. Hahn (B. d. Landw.) bemerkt, die Angriffe gegen die Reichsbank seien nicht gerichtet gegen die Person des Präsidenten, sondern gegen das System. Dem Präsidenten müßte ein wirthschaftlicher Ausschuß aus allen Kreisen der Bevölkerung zur Seite gesetzt werden. . Dringe man in der Kommission mit der Verstaatlichung nicht durch, dann müsse wenigstens der Gewinn- antheil der Aktionäre herabgesetzt werden. Eine Garantie für vier- procentige Dividende genüge vollkommen. Das Wichtigste sei aber die Diskonto-Politik. Diejenige der Reichsbank habe sich nicht bewährt und die Schuld daran liege in der Hauptsache an der ganzen Organisation der Bank. Redner verbreitet sich weiter über die Wirthschaftsvolitik, die Bismarcksche und diejenige Caprivis einander gcgenübersteuend. Letztere habe der Üandwirthschaft keinen genügenden schütz geboten. Eine bessere Diskonto-Politik würde eine Wohlfahrt sein für alle produktiven Stände Deutschlands. (Beifall rechts.) — Reichsbankpräfldent Koch nimmt die Diskonto-Politik der Reichs- bank in Schutz. Wenn die wirthschaftliche Lage so in die Höhe gehe, wie seit 1895, wenn der Wechselverkehr so außerordentlich zunehme, dann seien die eingetretenen Diskonto-Veränderungcn nur natürlich. Die beste Politik gegen Goldausfuhr sei und bleibe immer die Diskonto-Politik. Den ihm, dem Redner, vom Abg. v. Kardorff gemachten Vorwurf, seine Leitung der Bank sei eine oerhängnißvolle, muffe er als den stärksten Vorwurf bezeichnen, der ihm hätte gemacht werden können. Ferner sei behauptet worden, die Grundlagen unserer Währung seien nur schwache. Was werde das im Auslande für einen Eindruck machen, wenn hier ein Abgeordneter die Säule unseres nationalen Kredites als schwach hinstelle. — Abg. Brömel (freis. Ver.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Hahn, wobei er bemerkt, wenn Herr Hahn die Ausschließung fremder Papiere als Hohenzollern-Politik bezeichne, dann hätten die Konservativen ein Recht, die gegenwärtige Politik der Handelsverträge ebenfalls als Hohenzollern-Politik zu bezeichnen. iRufc links: Sehr richtig!) Redner tritt dann einem Angriff des Abg. Heiligcnstadt auf den Reichsbankdircktor in Hamburg entgegen, ebenso den Ausführungen desselben Abgeordneten über die Central- Genoffcnfchastskasse, diese halte es nicht' einmal für nöthig, für
genügende Veröffentlichung ihrer Geschäftsberichte zu sorgen. — Abg. Heiligen st adt (üat.-lib.) bestreitet, unrichtig citirt zu haben. — Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Amis.) hält es für das Richtigste, das Bankprovisoriuni nur um 1 Jahr zu verlängern und durch eine aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengesetzte Kommission ein neues Bankgesetz ausarbeileü zu lassen. Redner beleuchtet sodann den Wechsel in der Stellungnahme der Sozialdemokratie, die vor 10 Jahren gegen die Bank- Vorlage gestimmt habe, jetzt leiste sie dem Kapitalismus direkt Vorspann. Redner plaidirt noch für Verstaatlichung der Reichsbank, desgleichen der Abgeordnete v. Wangenheim (Bund d. L.). — Abg. Dr. Schönlank (Soz.) erörtert den Unterschied zwischen der von der Sozialdemokratie und der von den Junkern angestrebten Art der Verstaatlichung. Für eine Auslieferung der Bank an die Junker seien die Sozialdemokraten nicht zu haben. Die Debatte wird hierauf geschlossen. Die Vorlage geht an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern. Morgen, 1 Uhr: Interpellation Kanitz, betreffend die deutsch-amerikanischen Vertrags-Verhandlungen. Außcrdcin Novelle zum Civil- und Strafprozeß und Wahlprüfungen.
Schluß 6 Uhr.________
Urerrßischer Landtag.
S#rli», 10. Februar.
Abgeordnetenhaus.
Im Abgeordnetenhaus wurde heute die gestern abgebrochene Berathung über die Interpellation Szmula (Centn), betreffend den Arbeitermangel auf dem Lande, fortgesetzt und damit zugleich die Berathung über den Antrag Gamp verbunden, welcher von der Regierung zur Beseitigung des Mangels an landwirthschaftlichen Arbeitern Forderungen in acht Positionen stellt. — Minister v. Miguel erklärte, die Regierung erkenne den Mangel an ländlichen Arbeitern voll an und sei bereit, alle Mittel zu ergreifen, welche nicht durch nothwcndig zu nehmende höhere politische Rücksichten ausgeschlossen werden müßten. Ausländer könnten nicht unbeschränkt zugelassen werden, denn Preußen könne seine Entwicklung nicht durch die slavische Kultur gefährden lassen. Diesen Vorschlag muffe die Regierung daher zu ihrem Bedauern ablehnen. Ganz entschieden bekämpfen müsse er die Ucbernahme der Armenpflege auf den Staat. Redner betont weiter, daß die Regierung auf Grund der Rentengütergcsctzgebunq im Osten neue Ansiedelungen errichten werde. Hauptsache aber bleibe die Besserung der Lage der Landwirthschaft überhaupt. —Minister Freiherr v. Hammerstein erklärte seine volle Uebereinstimmung mit den Ausfiihrungen des Ministers v. Miquel. — Abg. v. Korn (freikons.) plaidirte für Einführung der Prügelstrafe bei minderjährigen Arbeitern, wogegen der Abg. Hirsch (freis. Volksp.) lebhaft protestirte. Die nächste Sitzung findet nwrgen statt. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Berathung und kleine Vorlagen.
Dentfches Kelch.
* Krrlin, 11. Februar. Der BundeSrath hat gestern die Entwürfe einer Fernsprcch-Gebührenordnung und eines Telegraphcn- Wegegcsetzes den Ausschüssen überwiesen. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung standen ferner die Spezialausschußberichte über das Schlachtvieh- und Fleischbeschaugcsetz.
Die Interpellation Johannsen, betreffend die Ausweisungen aus Nordschleswig, wird dem Vernehmen nach int Reichstag von der Reichsregierung nicht beantwortet werden, weil es sich nicht um eine Neichsangelegenheit handle und die preußische Regierung ihren Standpunkt bereits tnt Abgeordnetenhause bekannt gegeben habe.
Nach Beendigung der ersten Lesung des Bankgesetzes und Bc- rathung der Interpellation Kaiiitz, betreffend die Handelsbeziehungen zu Amerika, werden der Gesetzentwurf, betreffend Aenderung des Strafgesetzbuches und die unvereidigten falschen Aussagen (lex Salisch), sowie die Novelle zum Alters- und Jnvaliditätsgesetz am Montag auf die Tagesordnung des Reichstags gesetzt werden.
Der Berliner Stadthanshaltsetat für 1899/1900 balancirt mit 100,591,769 Mk.; das ist ein Mehr gegen das Vorjahr von 2,557,227 Mk.
* Lex Heime. Die „Franks. Htg." schreibt u. 81.: Der berühmte § 184, der sich mit den unzüchtigen Schriften, Abbildungen und Darstellungen befaßt, ist etwas milder ausgefallen, als der Kommissionsbeschluß. Das hindert aber nicht, das Ding für höchst gefährlich zu halten. Schon der jetzige § 184 ist bedenklich. Was sind denn „unzüchtige" Schriften und Abbildungen? Sie Definition wird sehr verschieden ausfallen, je nachdem sie ein weiter oder enger Kopf verfaßt. Wir lasen kürzlich in der „Kölnischen Volkszeitung" eine Kritik über Bölschcs „Liebesleben in der Natur", die sehr abfällig war. Das Schamgefühl dieses Blattes, das etwa dem einer Maid von vierzehn Jahren entspricht, ist durch das Buch verletzt worden — durch ein Buch von höchst belehrendem Inhalt und meisterhafter Form. Wer aber, der nicht im Bannkreis der Frönim- linge steht, hat Lust, sich daran zu kehren? Der Reichstag möge sich wohl Hilten, in unserer reaktionären Zeit dem heutigen Regime solche Befugnisse in die Hand zu geben, wie sie der neue § 184 enthält. Es könnte schlimm werden für Alle, die noch einen Bölschö der Traktätchen-Litteratur vorziehen und ihr Sluge gern an schönen Formen erfreuen. Hat doch Herr Recke in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses erklärt, man könne zweifelhaft (!) fein, ob auch Kunstwerke eventuell als anstößig zu bezeichnen seien. Zweifelhaft! Ist man schon so weit, bann kommt der Unterrock für die Venus und die Hose für den Merkur bald nach. Nein, so bekäntpft man „Unzüchtigkeit" nicht. Man hebe den Sinn für die Kunst, man erziehe die Jugend so, daß sie in der Venus von Milo nicht das nackte Weib, sondern die Schönheit steht, dann wird man ganz von selbst wirklich unzüchtige Dinge mißachten. Aber mit einem verschärften § 184 den Weg zur Schönheit, wenn schon nicht versperren, so doch erschweren — der Reichstag würde sich wenig Dank verdienen, wenn er das thäte.
* Fürst Bismarck hat mit dem General-Feldmarschall v. Manteuffel während dessen Statthalterschaft in Elsaß-Lothringen einen lebhaften Briefwechsel über die wichtigsten politischen Fragen, jedoch durchweg privater Natur, geführt. Nach dem Tode des Herrn #. Manteuffel hat ein Berliner Bankier die Briese von den Erben für 40,000 Mk. erworben. Davon hörte Herr Horst-Kohl. Er wandte sich an den Bankier mit der Bitte, ihm 'die Durchsicht der Briefe zu gestatten; nicht nur diese Erlaubniß, sondern sogar die Anfertigung von Abschriften wurde in Aussicht gestellt. Ehe aber an die Ausführung geschritten wurde, wandte sich der Bankier, der außer mit einem Theile des hohen Adels auch mit dem preußischen Hofe zu thun hat, an das preußische Hausministerium mit der vertraulichen Anfrage, ob von dieser Seite nichts im Wege stehe. Da wurde ihm, wie die „Leipziger Neuesten Nachrichten" erzählen, der Bescheid, er würde durch die Ermöglichung einer Veröffentlichung jener Briefe allerdings seine geschäftlichen Beziehungen zum Hausministerium gefährden. Infolge dessen bat der Bankier Herrn Horst-Kohl um Entschuldigung, daß er seine Zusage nicht erfüllen könne; jene geschäftlichen Beziehungen seien für ihn aber doch zu werthvoll, und so wolle er den einzigartigen Schatz von Bismarckbriefen denn lieber unbenutzt in seiner ohnehin kostbaren Autographensammlung liegen lassen.
* 3ur Dresdener Arbeiter-Nernrtheiluua. Das „Neue Wiener Tageblatt" bemerkt zu dem Dresdener «chwurgenchtÄ- urtheil: Man habe offenbar durch ein ungefetzlichesTendenz- nrtheil ein abschreckendes Beispiel geben wollen, dabei aber nicht bedacht, daß ein solches Urtheil nicht nur die Justiz eines Landes schände, sondern daß es auch politisch unklug sei. Man befäntbfe eine Partei nicht, indem man ihr Märtyrer schaffe. — Der „Hamb. Korrespondent" schreibt: Das Urtheil im Löbtau» Prozeß wird in der sozialdemokratischen Presse mit Energie und Geschick zu einer Agitation benutzt, bte tue Gemiither vieler Hunderttausende tnt Tiefsten erregen muß. Daß sie dazu ohne eine wesentliche Entstellung des Sachverhalts im Stande ist, muß bedenfiich stimmen und läßt ein genaues Studium des Prozesses räthlich erscheinen. Dazu ist nun aber leider keine Gelegenheit gegeben, da während des ganzen Verlaufs der Verhandlung die Oeffentlichkcit ausgeschlossen war. Es bleibt also nur die Schilderung der Strafthat und das Urtheil selbst, und ba erscheint das letztere in der That außergewöhnlich hart. Einige sächsische Blätter wollen wissen, daß eine Erklärung des Justizministeriums in ber Angeleacuheü bevorstehe, unb, wie bie „Äroeiter-Ztg." hört, soll bte Kassirung beS
(Nachbruck verboten.)
Mstskirte Eifersucht.
Eine FaschingshumoreSke von A. Dor».
Mrs. Waue und Mrs. Jane waren zwei reizende junge Amerikanerinnen. Die erste hieß Bessie und die zweite hieß Tressie. Die erste war brünett und flammte leicht auf; während die letztere blond und nicht so leicht in Feuer zu setzen war. Tressie geht uns eigentlich garnichts weiter an und wir hätten sie auch ganz aus dem Spiel lasten können, wenn sie nicht die „beste" Nachbarin Bessies gewesen wäre, zu welcher diese in allen Leibes- und Seelennöthen — sie war^vic! allein — ihre Zuflucht nahm.
So kam Bessie Waue eines Tages in Thränen gebadet zu Tressie Jane, setzte sich ohne Weiteres in deren besten Schaukelstuhl und begann:
,,O, Tressie! Nun ist Alles aus! Archie (— es war ihr Gatte —) ist mir nicht treu!"
„Das ist ja aber gar nicht denkbar, Bessie!" tröstete Tressie. „tSermJge Dich! Du bildest Dir das nur wieder ein, weil Du allein bist!"
„Beruhigen? Ich soll mich beruhigen? Archie hintergeht mich und ich soll mich beruhigen? Weißr Du, was das heißt: Er hintergeht mich, er betrügt mich, er — er — 1"
„Nun ja! Ich kann mir's wohl denken!"
„Siehst Du, Tressie? Und nun frage ich Dich, ob es für eine junge Frau etwas Entsetzlicheres geben kann, als die Ueberzeugung von der Untreue ihres Galten! Du bist doch auch verheiralhet!"
„Ach Bessie! Alle Männer sind schlecht! Du mußt Dich darin fügen, wie andere Frauen das auch müssen!" „Fügen? Fügen? Ei sieh doch! Das fehlte mir!" „Was willst Du denn thun? Willst Du einen Skandal heraufbeschwören?"
„Skandal? Wenn'» sein muß, ich bin zu Allem bereit! Meinetwegen! Sei's ein Skandal!"
„Aber Bessie, man wird Dich verklatschen! Nein, nein! — Uebrigens sage mir doch, woher weißt Du denn, daß Archie Dich hintergeht? Du mußt doch das nicht geradezu behaupten, wenn Du keine Beweise bei der Hand hast!"
„Beweise?" rief die junge, reizende Mrs. Wane trium- phirend aus. „Beweise? All right! Hundert für Einen! Heute Nacht ist er wieder nicht zu Hause!"
„Nun, vielleicht hat er eine wichtige Versammlung —" „Versammlung?" Was weißt Du denn davon?"
-„Nun! Männer haben öfters wichtige Zusammenkünfte. Mein Charlcy muß sehr oft in Versammlungen —"
„Thal' so, Tressie. Die Versammlung ist auch eine wichtige. Man will eine neue Trust Company begründen. Aber in seiner Rocktasche fand ich —"
„Ah so! Du hast ihm schon die Taschen visitirt? Nun, was fandst Du denn? War's so ein duftendes Billetchen von zarter Frauenhand?"
„O nein! Etwas Schlimmeres! Es war eine Karte mit männlicher Handschrift!"
„Nun und was stand darauf?"
„Was darauf stand?" — „Ich erwarte Dich heute in der Oper! Wir wollen uns einmal recht jugendlich amüsiren!" „Das stand darauf. Ist ein Maskenball auch eine wichtige Versammlung?"
„Nun, ist's denn etwas Böses, wenn ein Mann einen Maskenball besucht? Auf Maskenbällen kann man sich herrlich und doch auch ganz harmlos amüsiren!"
„Aber als Ehegatte ohne Frau hinzugehen, ist zum mindesten ungalant und ohne Wissen der Frau sogar höchst verdächtig. Ich kann mir Archies „harmlose Amüsements" lebhaft vorstellen! O der Ungetreue!"
Aufs Neue stürzte ein Strom von Thränen in das
zarte Battisttaschentuch der reizenden, jungen, brünetten Mrs. Wane.
„Hör' mal, Bessie! Ich weiß einen Kniff —" begann MrS. Jane.
„Einen Kniff? Welchen?"
„Er ist zwar nicht mehr ganz neu —"
„Neu ober alt; sag' mir den Kniff, liebe Tressie!"
„Gehe Du selbst ohne Wissen Archies auch auf den Maskenball. Er ahnt nicht, daß Du da bist. Mache Dich an ihn. Kokettste mit ihm. Bringe ihn dahin, daß er Dich umschließt und küßt. Dann reiße Dir und ihm die Maske vom Gesicht — Bessie! Bessie!"
Mrs. Bessie Wane war aufgesprungen und zum Hause hinausgceilt. Der Kniff war vorzüglich. Sie wollte ihn ausführen.
* *
Rauschende Musik. Lichterglanz. Großartiger Maskenball im Grand Opera House. Entzückendes Vergnügen.
Archibald Wane und Charley Jane amüsiren sich schon mehrere Stunden ganz vortrefflich. Nur etwas fehlt ihnen und darauf sind sie eifrig aus: so ein ganz kleines, galantes Abentenerchen.
Da tritt aus der Schaar ein gelber Domino auf sie zu und wendet sich an Archie:
„So ganz allein, my dear? Du bist wohl nicht gewöhnt, allein zu fein? Erwartest Du Jemand?"
Archie fährt zusammen, faßt sich jedoch gleich und lächelt:
»Sure! Ich wartete auf Dich, schöne Maske!"
„Auf mich? So wußtest Du, daß ich kommen würde?"
Charley Jane sah schon, wo es hinaus wollte und verlor sich schweigend unter der Menge.
“Yes, my darling!” erwiderte Archie, indem er der Maske den Arm bot. „Ich würde sonst nicht so lange hier geblieben sein!"
