Wiesbadener Tagblatt.
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Ko. 69. Fernsprecher No. 52. Freitag) de» 10. Februar. Fernsprecher No. 52. 1899.
Morgen-Ausgabe.
Me Eröffnung des engNschen Karlamertts.
Unser Londoner u-Korrespoudent schreibt uns nnterm 8. Februar:
Der große talking shop oder Schwatzladcn, wie John Burns, der bekannte, im Unterhaus sitzende Sozialdemokrat das englische Parlament zu nennen liebt, trat gestern wiederum zusammen. Es geschah das natürlich unter sorgfältiger Beobachtung all der althergebrachten Formen, zu denen unter andern! auch die Thronrede gehört. Etwas Langweiligeres und Gehaltloseres als diese sogenannte Botschaft der Königin könnte es wohl kaum geben, aber nur der oberflächliche Beobachter vermöchte sie für überflüssig zu halten. Man hat nur nöthig, einmal Fußballspielern zuzuschaucn, um das einzusehen. Da stehen, wenn das Spiel beginnen soll, die gegnerischen Parteien gespannt und erwartnngsvoll Seite bei Seite. Sie alle blicken nach ein und derselben Richtung, nach dem Manne mit dem Balle, der denselben mit kräftigem Fußtritt in die Mitte der Spieler zn treiben hat, damit diese sich in der Kunst des Hausknechts im Schwarzen Walfisch zu Askalon üben können. Die Thronrede ist aber weiter nichts wie eine Art Fußball, und ehe sie nicht losgelassen, vermag man auch nicht die große Katzbalgerei, die Diskussion im Parlamente, zu beginnen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob sie viel oder wenig enthält, die Hauptsache ist nur, daß ein Anfang geschaffen wird. Je zahlreicher die Punkte, die die Botschaft unberührt läßt, umso interessanter ist sie übrigens, wenigstens in den Augen des echten parlamentarischen Kampfhahnes. Die gestrige ließ in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig. Warum schwieg sie sich z. B. über China, sowie über den seit geraumer Zeit so viel erörterten anglo-deutschcn Vertrag völlig tobt? Das wollten natürlich im Ober- wie im Unterhause gestern Abend verschiedene Herren gern wissen, vermochten indcß keine befriedigenden Antworten zu erlangen. Was Lord Salisbury bezüglich Chinas sagte, enttäuschte aber nicht nur die derzeitige Oppositionspartei, sondern sogar seine Getreuen. Der „Standard" lamentirtdaher in eincin heuligen Leitartikel gewaltig. Auf die Frage bezüglich Englands zukünftiger Politik im Reiche der Mitte erwiderte der Premier, China möge zwar ein dem Verfalle entgegengehendes Reich sein, doch wäre cs vorläufig noch nicht todt, und die Zeit für seine Vivisektion noch nicht gekommen. Es besäße noch eine selbständige Verwaltung und wäre de facto wie de jure Souverän innerhalb der eigenen Grenzen. England habe daher kein Recht, mit dem Hofe in Peking anders zu verfahren, als mit irgend einer sonstigen „in ordentlichem Gange" befindlichen Regierung. „Die Zukunft Chinas liegt nicht in unserer Hand", sagte Salisbury, und diese Aeutzerung ist es, über die sich Freund und Feind am meisten aufregen, und der „Standard" behauptet, Nicht nur die Opposition, sondern jeder Brite habe alle Ursache, von dem Premier Auskunft zu fordern, in wessen Hand sich denn dann die Zuknnft der Chinesen befände. Die Antwort darauf wäre eine sehr einfache, wenn die Fragesteller nicht auch noch alles Mögliche im Zusammenhang mit gewissen Eventualitäten zu wissen verlangten. — Den besonderen Verdruß der Opposition erregt übrigens die Geheimnißthuerei der Regierung bezüglich des englisch-
(Nachdruck verboten.)
Ferne Wetten.
(Eigener Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".)
In unseren Aussätzen über den Sternhimmel ist öfter zweier Sterngruppeu gedacht worden, deren Anblick uns immer und immer wieder mit Bewunderung erfüllt. Diese Gruppen sind die Plejaden oder das Siebengestirn und die Hpaden. Beide gehören zum großen Bilde des Stieres. Mit unbewaffneten Augen erkennt man in den Plejaden wohl 6 ober 7 Sterne, deren hellster Alkhone genannt wird. Im Opernglas zählt man schon 10 bis 12 Sterne, in einem guten Feldstecher etwa 30, in zwei- bis dreizölligen Refraktoren 145 und in mächtigeren astronomischen Fernrohren noch mehr. Die Zahl der in Erscheinung tretenden Sterne wächst mit der Stärke der Gläser. Aehnlich ist es bei den Hyadcn. Mit bloßen Augen erkennt man -hier auf einem kleinen Felde etwa 15 Sterne, in einem schwachen Fernrohr etwa 75, in einem mächtigeren Refraktor bei Weitem meljr. Wir haben vier Stcrngruppen, Fixsternsysteme oder Fixstern- welten vor uns, die zum Theil mit bloßen Augen gesehen werden und in denen man schon ohne Glas oder unter Anwendung von geringeren Unterstützungen, der Sehkraft die einzelnen Sterne getrennt voneinander zu erkennen vermag. Man unterscheide diese Gruppen ja von Sternhaufen und von Sternnebeln. Daß die gedrängte Stellung von eternen einer und derselben Gruppe nicht eine zufällige ist, daß diese Sterne vielmehr zusaminengehören und eine Welt für sich bilden, ist zweifellos.
Zu Sterngruppen gehört auch die sog. Krippe im Krebs. Das Bild des Krebses befindet sich zwischen den Bildern der Zwillinge und des Löwen und kann gegenwärtig in monbfreien
deutschen Vertrags. Lord Salisbury leugnete gewissermaßen das Vorhandensein eines solchen, vielleicht war es aber auch nur sesitrr gewohnten Ungenauigkeit und Zaghaftigkeit zuzuschrciben, die ihn, gestern Abend im Ober- Hause über den Gegenstand befragt, entgegnen liefe: „Der Vertrag oder die „Erörterungen" (Communications), die zwischen Deutschland und England stattfanden, waren bett freundschaft- lichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen, den Rechten der Betheiligten und dem Weltfrieden förderlich. Ich glaube jedoch nicht, daß es sich mit meiner Pflicht vereinigen ließe, fernere Einzelheiten der Stipulationen bekannt zu geben, die, vorläufig wenigstens, keinerlei Handlung Seitens Großbritanniens nöthig machen." — Im Unterhause ereiferte man sich bezüglich jenes Vertrages, ober was eS fein mag, noch weit mehr als bei ben Lorbs, und Sir Charles Dilke, ber von jeher Allem, was etwa einem englisch-deutschen Büudniß ähneln könnte, äußerst feindlich gesinnt ist, beleidigte in seinem Eifer sogar Mr. Balfour, dessen Schweigen Über den Gegenstand er als eine dem Hause der Gemeinen gegenüber verübte Unhöflichkeit bezeichnete. Dafür hatte er Abbitte zu leisten, und der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes stillte den Wissensdurst der „Gemeinen" schließlich ebenfalls nur mit einem Essigschwamm, indem er in Uebereinstimmung mit Lord Salisbury erklärte, die Bekanntgabe der genauen Einzelheiten des Vertrags wäre zur Zeit nicht thnnlich. Das Abkommen beziehe sich auf Möglichkeiten, auf bereit Eintreten vorläufig nicht bie geringste Aussicht fei, unb politische Rücksichten, die jedoch nicht mit England zusammen hingen, machten Diskretion Ehrensache. Sir Charles Dilke sprach übrigens die Ansicht aus, daß Deutschland England irgend etwas im Zusammenhänge mit der Delagoa-Bucht gegeben habe, und er verlangte über die englische Gegenleistung unterrichtet zu werden. — Interessant sind übrigens die Einwendungen der Opposition gegen die englische Sndänpolitik, die die Souveränität des Sultans verletzte. In Kreta dagegen war es gerade umgekehrt, und erhob sie in diesem Falle ungeheures Geschrei wegen des Verbleibens einer einzigen türkischen Fahne auf der Insel.
Aus Stadt und Fand.
Wiesbaden. 10. Februar.
— Geschichtskirlendrr. 10. Februar. 1897: Erbitterte Kämpfe auf Kreta bei Castello imb dem Kloster Chrysopyghi. 1854: f Joh. Kloß zu Frankfurt a. M., bek. als Geschichtsforscher der Freimaurerei (* 31. Juli 1787). 1847: * Thomas Edison, amerikanischer Physiker. 1843: * Geh. Kommerzicnrath Wilhelm Frhr. Hehl zu Herrnsheim zu Worms, Mitgl. d. R. (N.-L.) 1840: Vermählnngstag der Königin Viktoria von Großbritannicii und Irland. 1838: * Prälat Dr. Ludwig v. Jazdzcwski zu Posen, Mitgl. b. R. (Pole). 1829: f Papst Leo XII. 1810: Andreas Hofer zu Mantua erschossen. 1763: Frieden zu Paris, Beendigung des 7-jährigen Seekrieges zwischen Frankreich und England. 1471: f Friedrich II. der Eiserne, Kurfürst von Brandenburg. 235: Ermordung des röin. Kaisers Alexander Severus.
— A«o dem Magistrat. Der Magistrat genehmigte das von der Bandeputation vorgelegte Projekt eines Tnrnsest- platzeS Unter den Eichen, dessen Ausführung auf 22,500 Mk. veranschlagt ist, vorbehaltlich der Genehmigung der Stadtverordneten. — Weiter genehmigte er die von derselben Deputation vorgeschlagene Errichtung eines öffentlichen Volksbrausebadcs in den Kellerräumen der neuen Schule am Markt zu dem Kostenanschlag von 28,500 Mk. — Auf eine Anregung des „Nördlichen Bezirksvercins" hin beschloß der Magistrat, den Wea am westlichen Cansteinsberg, der wegen seiner steilen Anlage bei Glatteis schwer zu passiren ist, mit einer einfachen Handlchne zu
Nächten gut beobachtet werden. Um 8 Uhr Abends hat es seinen | Stand hoch am östlichen Himmel. Das an sich unscheinbare Bild besitzt keinen einzigen Stern, der nach seiner Lichtstärke zu den Sternen der drei ersten Größen gerechnet werden könnte; die hellsten sechs Sterne sind 4. bis 5., alle übrigen geringerer Größe; letztere sind also teleskopisch, b. h. nur im Fernrohr sichtbar. Dem bloßen, scharfen Auge zeigt sich im Krebs ein Helles Feld, das sich bei Anwendung des Glases in eine Gruppe von Fixsternen auflöst. Man unterscheidet im Feldstecher etwa 20, im zweizölligen Fernrohr 42 Lichtpunkte, die alle dicht nebeneinanderstehcn. In stärkeren Refraktoren finden wir an jener Stelle noch vielmehr Sterne. Wie wenn sich bei Anwendung mächtigerer Gläser der Himmel weiter öffnete: immer mehr und mehr Sterne treten in Erscheinung. Einer überbietet den anderen an Glanz, einer funkelt Heller als der andere und alle spielen in ben verschiedensten Farben. Diese Gruppe wird die Krippe genannt, wofür sich die Gelehrten des lateinischen Namens Präsepe bedienen. Ein wunderbares Bild diese Krippe, wo scheinbar Sonne an Sonne sich drängt und wo doch eine Sonne von der anderen mindestens 4 Billionen Meilen entfernt sein muß, um Spielraum zu haben. Wie weit mögen jene Welten von uns sein?
Schon Hipparch, der hervorragendste Astronom dcS Rlterthums, Erfinder der ebenen unb sphärischen Trigonometrie, der um baS Jnhr 150 v. Ehr. lebte, hat auf die Krippe hingewieseitz die uns aus der Fläche eines halben Quadratgrades zahllose Sonnen vorführt. Jenes weißlichschimmernde Band, das den Sternhimmel schmückt, unsere Milchstraße, zu ber unsere Sonne mit ihren Planeten, folglich auch unsere Erde gehört, ist so weit von uns, daß das Licht der äußersten Sterne jenes mattleuchtendcn Gürtels 6000 bis
versehen. Doch kann diese Arbeit, die mindestens 200 Mk. erfordert, erst in dem nächsten Rechnungsjahr ausgeführt werden, da die für derartige Arbeiten vorgesehenen Mittel erschöpft find. — Der Magistrat beschloß weiter, mit der Herstellung der statt des Reuls zwischen Elisabeth- und Kapellenstraße geplanten Treppenstraße baldigst zu beginnen, soweit das hierfür nöthige Gelände der Stadt zur Verfügung gestellt ist.
— Ans den Uortrag über Lessings „Minna von Barn- h e I m", welcher ans Veranlassung des hiesigen Volksbildungs-Vereins Samstag, Abends S'/z Uhr, im Saal der Oberrealschule, Oranien- straße 7, gehalten werden wird, sei hiermit nochmals hingewiesen. Herr Direktor Deutschinger, welcher denselben freundlichst übernommen hat, wird sich zunächst über den Bildungsnutzen des Theaterbesuchs überhaupt verbreiten und dann ein tieferes Ver- ständniß für das am Sonntag zur Aufführung gelangende Stück zu erwecken suchen.
o. Iivnngo-Innung der ßudjbntdirv. An ber Abstimmung über die aus ben Kreisen des Bnchdruckgewerbes beantragten Errichtung einer Zwangsimmng für Buchdrucker in Wiesbaden haben sich 37 Interessenten bctheiligt, wovon 25 für und 12 gegen die Zwangs-Organisation gestimmt haben.
— Die „Heeppelzeilung" des Herrn I. Ehr. Glücklich ist auch für diesen Karneval und zwar in großer Reichhaltigkeit des Stoffs erscheinen. Nicht weniger als 5 Bogen umfaßt die gestern herailsgekoinmene Nummer, welche den 27. Jahrgang barstellt. Der als Fafchingssreund unb Karnevalsdichter längst bekannte Herausgeber bietet auch Heuer wieder eine Menge von hnmoristisch- satyrifchcn Beiträgen, sodaß als ganz sicher angenommen werden darf, er werde auch mit dem jüngsten Kind seiner närrischen Muse wieder einen großen Heiterkeitsersolg haben.
gcreino-llitdjrtditru.
(Kurze sachliche Berichte wcrdeu bereilllllliigsl uiilcr dieser Ucüerschrisl ausgenommen.)
* Der „Bienenzüchter-Verein für Wiesbaden und Umgegend" hält seine Februarversammlung nächsten Sonntag, ben 12. Februar, präcis 3 Uhr, in der „Mainzer Bierhalle" dahier mit folgender Tagesordnung: Jahresbericht, Rechnungsablage, Abführen der Honiggelber, Beschlußfassung icegen einer Verloosung, sonstige Vereinsaugelegenheiten. Es ist nothwendig, daß die Verhandlungen recht pünktlich beginnen, da von 4Uhr an gemeinschaftliche Versammlung mit der Sektion Wiesbaden vom „Nassauischen Bienenzüchter-Verein" stattsindeu soll. Die Herren Ohienburger unb Wittacn haben Vorträge zugesagt. Ersterer wird über „Die Ruhrkrankheit bei den Bienen, deren Entstehung und Heilung" sprechen.
* Der Klub „Rheingold" veranstaltet ilächsten Sonntag, ben 12. d. M., in sämmtlichen Räumen des Restaurants „Zum Blücher" eine karnevalistische Damensitzung. Einzug des närrischen Comitös Abends 7 Uhr 33'/- Minuten.
* Der Männcrgesang - Verein „H i l d a" veranstaltet am Bastnacht-Dienstaa in der Turnhalle, Hellmundstraße 25, großm laskendall mit Vertheilung von acht werthvollen Preisen au die schönsten und originellsten Masken. Besondere Ueberraschnnaen, narneiitlich verschiedene Gruppen-Anfführungen ec., stehen in Aussicht.
Stimmen ans dein Publikum.
(Für Veröffentlichungen unter dieser Ueberschriit übernimmt die Redaktion taiterlei Verantwortung.)
* Der Vertragsentwurf zwischen der Stadt und der „Süddeutschen Eiseubah ngcsellscha ft", der in der heutigen Stadtverordueren-Sitznng berathen werden soll, enthält unter Ziffer 3 „Vorortbahnen" folgende Bestimnningen: „Sollte von einer Seite bie Genehmigung zum Ban und Betrieb von Vorortbahnen nachgesucht werben, so wird bie Stadt bie Genehmigung zur Benutzung ber städtischen Straßen von der Gemarkungsarenze bis zur Milte der Stabt nur unter der Bedingung ertheilen, baß auf diesen Strecken die Betriebsanlagen der „Süddeutschen Eisenbahuaesellschaft" benutzt werden, sofern diese bezüglich der Stadtbahnftrecken von dem ihr nach § 2 des Vertrags vom 23./28. Oktober 1888 eingeräumten Vorrecht Gebrauch macht. Bezüglich der Entschädigung für die Mitbenutzung, den zu wählenden Endpunkt und die zu treffenden Betriebseinrichtlmgen eutscheibet Mangels gütlicher Verständigung zwischen den Betheiligten ber Magistrat nach Anhörung beider Parteien." Wie steht es aber, wenn die „Süddeutsche Eisenbahngescllschast" die Erlanbniß zur Benutzung ihrer Strecken überhaupt nicht giebt? Dann kann eben ein Anderer nicht bauen. In erster Linie hätte bie Verpflichtung der „süddeutschenEisenbahngesellschaft" festgesetzt
7000 Jahre Zeit braucht, um zu uns zu gelangen. Nach ber Milchstraße soll, wie die Sternkundigen versichern, gerade die Krippe bie uns nächste Gruppe von Sonnen sein, deren Licht etwa 18,000 Jahre Zeit nöthig hat, um den Weg bis zur Erde zurückzulegen. Die Sonnen noch weiterer Gruppen werden hierzu natürlich auch längerer Zeit bedürfen. Wenn man nun bedenkt, daß das Licht mit einer Geschwindigkeit von rund 40,000 Meilen in der Sekunde seinen Wellenschlag in ben Raum hinausperlt, daß es demgemäß in einem Jahr etwa 1,261,440,000,000 Meilen des Raumes durcheilt, so beträgt der Abstand der Sonnen in der Krippe ungefähr 22,705,920,000,000,000 Meilen. Damit haben wir eine Ziffer, die mir nicht verstehen können, und finden für jene dichtgedrängte Sammlung von Weltkörpern, die uns fclbft im schärfsten Glase nur als Lichtpünktchen erscheinen, Entfernungen, die zu begreifen des Menschen Geist nicht im Stande ist. Auch hier erfüllt sich das Wort: „Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still."
Ein Bild schrankenloser Unendlichkeit! Der Raum erweitert sich mehr unb mehr unb wird grenzenlos. Nichts ist ergreifender, als in die Tieftn des mit unzähligen Weltkörpern erfüllten Raum des Himmels zu blicken, in jenes Aethermecr, wo sich so viel Welten befinden wie Tropfen im Ocean, so viel Sonnen wie Sand- körnchen auf Erden, liebe raß, wolsin wir auch blicken, funkelnde Sterne, schimmernde Nebelgebilde, strahlende Sonnen. — Die Abende dieser Zeit sind so recht dazu angethan, das Auge in die Tiefen des Himmels zu versenken. Man wolle dies zu thnn nicht versäumen! Die hier kurz besprochene Sterngruppe ber Krippe im Krebs eignet sich wahrlich nicht in letzter Stelle dazu, die Größe und die Erhabenheit des Weltgebäudes zu bewundern und daraus auf die Winzigkeit unb Unbedeutendheit des Menschen zu schließen. Dr. R.
