Wiesbadener Tagblstt
Verlag: Langgasse 27.
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Morgen-Ausgabe
n Fläche stehen eben int Hektar mit weißen und
— Der Orts-
iegung eines Tag- :n in den Daumen
Aus Kunst und Krben.
* Frankfurtertztndttheatcr. (Spielplan.) Opern- hanS. Dienstag, den 7. Februar: - - —
Fräulein Bosscnberger vom Hoftheater woch, den 8.: V. Abonnements-Konzer
<’• Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Psg. monatlich, durch di« Post 1 Mk. Gö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
.Margarethe". Margarethe:
_ , t .. „ ------------in Dresden als Gast. Mitt
woch, den 8.: V. Abonnements-Konzert, unter Leitung dcS Herrn Kapellmeisters Dy. Ludwig Rottenberg und unterMitwirkunadeS Herrn
MveumcistersDi-. Ludwig Rortenbcrg undunterMitwirkungdes.
Ossip Gabrilowitsch. Donnerstag, den 9.: „Das Unmöglichste von Allem". Freitag, den 10.: Geschlossen. Samstag, den 11: „Da- 92a(i)tlofitr von Granada". Sonntag, den 12.: Nachmittags 3 /i Uhr, zum letzten Mal: „Aschenbrödel". Abends 7 Uhr: .Die Königin von Sava". Montag,den 13.: „Der Opernball". Dienstag den 14,, zum Gedächtniß Richard Wagners: „Die Meisterfing«".
Schauspielhaus. Dienstag, den 7. 3-ebxuflj: „Herogrgr".
Rheingau und dem Landkreis Wiesbaden berichtet, dürste vielleicht manchem Leser ein Ueberblick über den gesammtcn Weinbau in unserem ganzen Regierungsbezirk nicht unerwünscht sein. Weinbau wird in 10 Kreisen des Bezirks betrieben, in welchen eine Fläche von zusammen 3777I2 Hektar der Kultur der Rebe gewidmet ist. Die größte Fläche umfaßt natürlich der Rheingaukreis mit 2238,46 Hektar, die kleinste der Stadtkreis Frankfurt a. M. mit 1,10 Hektar. Dazwischen sind vertreten: der Kreis St.Goarshausen mit 836,10 Hektar, Wiesbaden—Land mit 611,16Hektar, Unterlahn mit 48,86Hektar, Obertaunus mit 13,50Hektar, Höchst mit 12Hektar, Wicsbadeu—Stadt mit 10,88 Hektar, Oberlahn mit 3,25 und Limburg mit 2,50 Hektar. Von der obengenannten Fläche stehen eben im Ertrag 2900,99 Hektar, wovon 2778,88 Hektar mit weißen und 122,11 Hektar mit rothcn Trauben bepflanzt sind. In Bezug auf letztere steht an erster Stelle der Kreis St. Goarshausen mit einer Fläche von 73,65 Hektar. Die am meisten angebauten Reden sind ^Riesling" und „Oesterreicher". Die ganze Weinernte betrug im Jahre 1898 nur 11,714,33 Hektoliter, während sie im Jahre 1897 auf 51,554,02 Hektoliter geschätzt wurde. Die einzelnen Kreise weisen folgende Hcrbstcrgcbnisse auf: Rheingaukreis 6695,80 Hektoliter, Wiesbaden-Land 2431,40 Hektoliter, St. Goarshausen 2349,15 Sektoliler, Unterlahn 157,82 Hektoliter, Obertaunus 39 Hektoliter, berlahn 20 Hektoliter, Limburg 12 und Wiesbaden-Stadt 9,16 Hektoliter. In den Kreisen Höchst und Frankfurt a. M. (Stadt) war die Ernte kaum nenneuSwcrth.
— Dtr Stadtuerordnelen sind nuf Freitag, 10. Februar l. I., Nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Rathhauses zurSitzung ein-eladen. Auf der Tagesordnung steht die Beschlußfassung über den Entwurf zu einem neuen Vertrag mit der Süddeutschen Eisenbahngcsell schäft.
— T n rn au o schütz des Mittelrheinstreiles ver
sammelte stch gestern in Frankfurt zu einer Sitzung, die am Bor- und Nachmittag un.Lindenfels" unter Vorsitz des Kreistnrnwarts Sri$ Heidccker-Wieabadcn und in Anwesenheit des Vorsitzenden des Mittelrhclmschen Turnkreises, Rothermel-Darmstadt, stattfand. Neben der Erörterung turnerischer Fragen stand u. A. auch das diesiährige Kreisturnfest in Wiesbaden auf der Tagesordnung. Die Vorarbeiten für dasselbe nehmen rüstigen Fortgang. Der turnerische Thcil des Festes wird einige kleine Abändeningeil gegen früher erfahren, so soll die Vornahme der Preisvcrthcilüng nicht rn der Festhalle, sondern auf dem Festplatz im Freien vor- genoinmen werden. Gleich wie beim letzten Kreisfest vor zwei Jahren in Homburg sollen statt der allgemeinen Freiübungen wieder stabubunaen zur Vorführung gelangen, deren Programm bereits festgelegt ist. Als Termin zur Abhaltung des Turnfestes wurde, unter Berücksichtigung der Schulferien in Wiesbaden, Mitte August ins Auge gefaßt.
, , — Aber einen frechen Aaubanfall wird uns, wie folgt, berrchtet: Am Montag Morgen, gegen 7 Uhr, wurde eine Frau, durch die Paulinenstraße gehend, von einem aus dem Gebüsch der Kuranlagen kommenden Wann anarhalten, der ihr Geld abverlangte. Auf die Erwiderung, sie hätte solches nicht, zog der Kerl em großes, dolchartiges Messer aus dem Rock hervor und bedrohte die Frau mit Erstechen. Nur durch wiederholtes Bitten ließ er sie nut den Worten gehen: „Dann solle sie machen, daß sie fortkommc l" Alsdann verschwand der Unbekannte, der hohe Wasserstiefeln getragen habe und dem Arbeiterstand angehöre.
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 7. Februar.
Gefchichtskalcuder. 7. Februar. 1878: f Papst KvlS IX. 1812: * Charles Dickens zu Landport, berühmter englischer Schriftsteller (f 9. Juni 1870). 1807: Schlacht bei Pr. Eylau zwischen Preußen und Franzosen (7. und 8. Februar). 1801: J Daniel Chodowiecki zu Berlin, berühmter Maler und Kupfer- echer (* 16. Oktober 1726 zu Danzig). 1792: Berliner Bund nist zwischen Oesterreich und Preußen. 1673: f Jean Baptiste Moliöre zu Paris, der bedeutendste französische Lustspieldichter.
o. Der neue Gbrrpriistdenk, Se. Exeellenz Herr Staatsminister a. D. Graf v. Zedlitz, wird im Laufe des heutigen Vormittags hier eintreffen, um sich die Mitglieder des Regierungs- kollegtums oorstellen zu lassen und verschiedene offizielle Besuche zu machen.
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= Kechstlim a. M., 5. Februar. In einer gut besuchten Handwerker-Versammlung beleuchteten die Herren Schreiner- meister Schneider, Küfer Rieß un/ Schornsteinfeger Jntra aus Wiesbaden die Gcwerbefreiheit und die für den Handwerkerstand daraus Entstandenen Schäden, sowie den Nutzen, welchen der Zusammenschluß aller Handwerker zu Innungen oder Handwener- vereinen bringe. Der Herr Bürgermeister redete der Organisation manch warmes Wort. Herr Schreinermeister Westenberger hielt die Sache für verfrüht. Die Versammlung wählte aus ihrer Mitte zwölf Handwerker, welche das Weitere berathen und veranlassen werden. Mit einem Kaiserhoch schloß die Versammlung.
* Geisenheim, 4. Februar. Fachlehrer Zweifler von der Kgl. Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau dahier ist als Direktor der Obst- und Weinbanschule zu Marburg a. Drau berufen worden und wird seinen bisherigen Wirkungskreis zu Ostern verlassen. An seine Stelle tritt Herr Schulz, gegenwärtig Land- wirthschafts-Lehrer in Alzey. — Als Sachverständige in Sachen des neuen Weingesetzes wurden Landes-Oekonomierath Göthe, Professor Dr. Wortmann und Dr. Knlisch, sämmtlich von der Kgl. Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau dahier, nach Berlin berufen.
* Gberlnhustein, 5. Februar. Gestern Mittag verunglückte am hiesigen Gerbstoffwerk ein 17-jähriger Arbeiter aus Braubach. Die rechte Hand wurde ihm gänzlich abgequetscht.
D Guts, 5. Februar. Herrn Schlossermeister W. Werner als Präsident und Herrn Buchhändler August Pfeffer als dessen Stellvertreter^ wurden gestern Abend ans Anlaß ihres 25-jährigen Jubiläums durch den hiesigen, vom hochseligen Kaiser Wilhelm!, mehrfach ausgezeichneten Krieger-Verein „Germania" in einer eigens aus diesem Anlaß im „Schützenhos" stattgehabten, fehr statt besuchten Festversammlung eine goldene Uhr bczw. ein filberner Becher als Ehrengabe des Vereins überreicht. — Im verflossenen Monat wurden wieder 2566 Mk an Beiträgen für die eben unter Dach stehende neue Kaiser Wilhelm-Kirche dahier von hiesigen Mitbürgern gezeichnet, wie Herr Pfarrer Vömel bekannt Siebt. — Seit gestern Morgen ist die Lahn wieder von der Kaiserbrücke an aufwärts mit einer geschlossenen Eisdecke überzogen. — Herr Johann Wallrabenstein, Sohn des Herrn Philipp Wallrabenstein dahier, hat das „Centralhotel" in der unterer! Römerstraße für 58,000 Mk. gekauft. — Man hat am Donnerstag Abend hier ein Meteor beobachtet. — Herr Geheimer Regierungs- Rath Westfalen, Herr Regierlings-Baurath Angelroth aus Wiesbaden und Herr Banrath Beilstein aus Die'z unterzogen dieser Tage die fiskalischen Einrichtungen für Bade- und JnhalationS- zwecken einer Revision.
* Homburg, 5. Februar. Der vermißte Lehrer Roth ans Wehrheim hat sich von hier mit dem Eisenbahnzng nach seiner Heimath begeben, nachdem er am Abend vorher von Frankfurt hier eingetroffen war und im Eisenbahnhotel übernachtet hatte.
* Mainz, 4. Februar. Auf Veranlassung der Staatsanwalt- l chaft zu Köln fand gestern hier in dem Jnstizpalaste eine Konfrontation mit dem verhafteten Juwelenschwindler Reiss statt. Der zu diesem Zweck ans Köln hierher gekommene Herr vermochte aber in der hier verhafteten Persönlichkeit nicht denjenigen Schwindler zu erkennen, welcher in Köln ähnliche Betrügereien verübt hat. — Der gestern Abend 10 Uhr 53 Minuten von Frankfurt abgegangene Nachtschnellzug 117 Frankfurt-Basel erlitt zwischen Kelsterbach und Raunheim eiiien^Ach senbruch des Maschinentenders. Das heftig« schlagen,und Stoßen setzte Personal und Passagiere in Schrecken. Dem Maschinisten Heinrich Linder von hier setzte der Unfall dermaßen zu, daß er einen Herzschlag bekam und verschied. In diejer gefahrvollen Situation stellte der Heizer den Zug, der unversehrt blieb und, nachdem eine Reservemaschinc eingeiroffen war, mtt 1 Stunde Verspätung feine Fahrt fortsetzen konnte. Das Thal- geletse ist in einer Länge von etwa 3 Kilometer stark beschädigt und wird den ganzen Tag über gesperrt bleiben müssen. Inzwischen verkehren die Züge über das Berggeleise.
Wor ms, 3. Februar. In den Heylschen Fabriken brach beute Nachmittag Großfeuer aus. Bau Nr. 80 im Mannmunster steht in Flammen. Außer der eigenen Feuerwehr ist die städtische Feuerwehr, sowie Milttär zur Hiilfe ausgerückt. Bis heute Abend war der Brand noch nickt gelöscht. (Zufolge einer telegraphischeü Nachricht, die der „Franks. Zta." von der Firma Heyl züging, hat der Brand keinerlei Betriebsstörung zur Folge.)
* In der Rennfrage hat sich Herr v. E. in der letzten Stadtverordnetensitznng mit aller Entschiedenheit gegen die Rennen ausgesprochen. Mit der gleichen Entschiedenheit weisen die Unter- zeieb.eten die Ansichten des Herrn v. E. zurück. Unser Hanpl* konkurrenzortBaden-Baden verdankt seinen Weltruf bekanntlich zum größten Theil feinen Rennen, und wird namentlich bei dieser Gelegenheit von den besten Gesellschaftskreisen ganz Europas besucht. Herrn v. E. scheint dies Faktum unbekannt zu fein, sonst hätte er wohl nicht den Ausspruch gethan, daß das zn den Rennen kommende Publikum besser wegbliebe. Er meint ferner, daß man die Kurgäste und Pensionäre in ihrer Ruhe stören würde. Wir glauben 'vielmehr, daß diese für eine Vermehrung der Unterhaltungen am hiesigen Platze sehr dankbar fein werden. Wer, wie Herr v. E., sich aus dieser Unterhaltung nichts macht, bleibt einfach weg. Inwiefern die Ruhe dieser gewiß wenigen Leute durch die Remien außerhalb der Stadt gestört werden soll, ist uns unverständlich. Wenn Herr o. E. mit dieser Ansicht konsequent weiter strebt, muß er auch gegen die Gartenfeste im Kurhaus, die großen Festversammlungen re. vorgehen. Piel Glück wird er wohl nicht damit haben. Was Herrn v. E. von vielen Leuten (die er nicht kenne) Ungünstiges über die Rennfrage gesagt worden ist, kann uns ebenfalls nicht beirren. Selbst die betten' unb für die Stadt vortheilhaftesten Unternehmungen haben ihre Gegner, wie z. B. bei dem Theater-Neubau, auch jetzt wieder bei dem Kurhaus- Neubau. Sogar vom moralischen Standpunkt ans beunruhigt sich Herr v. E. über die Nennen. Dabei fällt uns ein, daß einmal Einer gesagt hat, das Tanzen sei unmoralisch, aber es wird doch weiter getanzt. Mehrere Bürger.
-G- Hkhirt-stciu, 5. Februar. Am Freitag Abend genehmigte unsere Gemeindevertretung den mit der Garnisonverwaltung Wiesbaden abgeschlossenen Vertrag, betreffend die Abtretung einer Waldfläche zur Anlage eines neuen Truppen-Uebungsplatzes Der von der Gemeinde gesordette Preis beträgt pro Ruthe 12 Mk Mit der weiteren Justandsetziing des Platzes hat die Gemeinde nichts zu thun. Das Holz verbleibt der Gemeinde. Diese ist an den Vertrag bis zum 1. Juli des Jahres 1900 gebunden. Für das mit mächtigen Kastanienbäumen bestandene Terrain, den sog. „Freudenberg", werden Seitens der Gemeinde 18 Mk. für die Ruthe beansprucht, denselben Preis, den auch die hiesigen anliegenden Privatleute verlangen. Wie verlautet, haben von diesen schon verschiedene den Vertrag unterzeichnet. Auch sie sind so lange wie die Gemeinde an ihre Forderungen gebunden. Die be- theiligten Besitzer wohnen thcils hier, theils in Frauenstein und Dotzheim. — Hier trägt man sich eben mit der Absicht, einen Bürgerverein zu gründen. Derselbe soll den Zweck haben, unsere Gemeindekörperschaften mit den Wünschen der Bevölkerung bekannt zu machen und ihnen Vorschläge zur Förderung der Gemeinde-Interessen zn unterbreiten,
O Ans dem Rheingau, 5. Februar. Nachdem das „Tagblatt" dieser Tage über dte vorjährigen Weisernten ass bap
— Fernsprechwesen. An das Fernsprechnetz neu angeschlossen und zu dem Verkehr mit Wiesbaden gegen eine Gebühr von 1 Mk. für das gewöhnliche Gespräch zilgeläffen sind folgende Orte: Neuwied, Linz ä. Rh., Weißenthurm, Andernach, Remagen, Neuenahr und Rolandseck.
— „Tagbtatt" Zamml«ngrn. Es gingen uns ferner zu: Für die Krankenpflege auf dem Westerwald von B. V. 2 Mk., Fran A. S. 10 Mk,, für den Maler K. W. Diefenbach von A. V. 10 Mk. Herzlichen Dank! Weitere Gaben werden gern entgegeugenommen.
— Aus den Laschinas -Darodieen, die der Spnidler Rosenthal für die Wohlthätigkeits-Veraustaltung im „Walhalla- Theater" gedichtet, geben wir noch folgende Schlager zum Besten: Taunusbahnhof. (Nach Scheffel.)
Das ist im Leben häßlich eingerichtet. Daß noch bis heut' der alte Bahnhof steht. Und, was der Passagier auch sehnt und dichtet, Noch hat kein Sturm den Kasten fortgeweht. Einst in dem ,,Tagblatt" hab' ich es gelesen, Ein neuer wird erstehen groß und fein, Behüt' uns Gott, so nöthig 's auch gewesen. Behüt' uns Gott, noch hat's nicht sollen sein.
Schnee, Eis und Regen wohl hab'ich empfunden. Bemächtigt oft hat Zorn sich des Gemüth's, Ich hofft' auf Thielen dann und bess're Stunden, Denn auf dem alten Tannusbahnhof zieht'?.
Doch Thielen will den Bann der Bahn nicht lösen. Wie sehr das Unglück auch zum Himmel schreit. Behüt' uns Gott, von Basel bis nach „Träfen" Hat keine Stadt solch ein Stationsgebäud'.
Mild war der Winter, ’S grünen schon die Blätter Und laue Lüfte weh'n durch Wald unb Feld, Zum Bahnhofbauen just das rechte Wetter, Weil da der Mörtel trefflich Hebt unb hält. Doch, wend' e8 sich zum Guten oder Bösen, Einmal muß enden unser Gram und Leid, Will Thielen uns vom alten nicht erlösen. Behüt' uns Gott, dann thut's der Zahn der Zeit.
* * *
Der Radler unb fein Sohn. (Nach Goethe.) Wer radelt so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Later mit seinem Kind.
Er hält die Lenkstang' fest in der Hand, Der Vater lernt erst, der Sohn fährt gewandt. ^,Papa, was birgst Du so bang Dein Gesicht?" „Siehst, lieber Wilhelm, das Hündchen Du nicht?" „Das scheußliche Hündchen — von ihm droht Verrath." „Mein Vater, ’nen kräftigen Tritt, wenn es naht!" Und näher tönt es wauwau, wauwau;
„Hörst Du es, mein Wilhelm?" „Ja Later, genau!" „Mein Sohn, mein Sohn, jetzt kommt's in der Thai, O, Himmel, es springt mir ins Vorderrad!"
Dem Sohne grauset's, er rast wie der Wind, Der Vater folgt ihm, doch wen'ger geschwind, Er strampelt voll Angst, er strampelt voll Qual, Verliert erst das linke, dann 'S rechte Pedal.
Er schwanket, er taumelt, er stürzt — schwerenoth. Das Rad war zerbrochen — der Hund war tobt.
_ . Klimmen aus dem Publikum.
(Für Veröffentlichungen unter dieser Ucberschrift übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
o. Bezirksausschuß. Sitzung vom 6. Februar unter bem Vorsitz des Herrn Kerwaltungsgerichtsbirektors Geh. RegierungS- raths o. Reichenau. Der Taglöhner Theobor Wittmann 'zu Montabaur, früher zu Sulzbach, führt gegen ben Gemeinderath zn Sulzbach Klage, weil er nicht in die Gemeindewählerliste aufgenommen worden ist. Der Kreisausschuß hat die Klage abgewiesen, da er während feines Aufenthalts in Sulzbach keinen eigenen Haushalt gehabt habe und daher nicht als felbstänbig im Sinne des § 11 der Landgemeinde-Ordnung anzusehen fei. Auf die Berufung des Klägers hat der Bezirksausschuß zunächst beschlossen, Beweis darüber zu erheben, ob derselbe für Kost und Wohnung, bi« er bei seinem Vater gehabt, einen festen Preis verabredet und bezahlt unb mehr als 660 Mark Einkommen habe. Nachbem biejer Beweis erhoben, ergeht heute Urtheil bäht: das Urtheil des Kreisausschusses wird aufgehoben UNS der Beklagte vernrtheilt, den Kläger in die Gemeilide- wählerliste aufzunehmen. Das Gericht bezog sich darauf, daß es wiederholt entschieden, daß nach richtiger Auslegung des Gesetzes das Stimmrecht gegeben sei, wenn der Betreffende selbst- ftättbtg ist und ein Einkommen von mehr als 660 Mk. habe, einerlei mit welchem Steuersatz er davon herangezogen werde. In dem vorliegenden Falle träfen beide Voraussetzungen zu. — Der Orts- Srmenverbaud Frankfurt a. M. hat für Verpflegung einesTag- shners aus Cronberg, der sich beim Holzzerkleinern in ben Daumen atte unb in das Krankenhaus zu Frankfurt gebracht worden Mk. aufgctocnbet Frankfurt klagt davon den gesetzlich Ersatzanspruch von 50 Mk. 50 Pf. gegen die Orts- zu Königstein ein, welche die Zahlung verweigert, lglöhner zu spät angemelbet worden sei. Der Kläger efen Einwand als gesetzlich unbegründet. Der Bezirksausschuß verurthcilt bieKasse zur Zahlung bes Angeklagten Betrags und nahm habet an, baß her Einwand, wonach erst von der Ver- tvaltungsbehörde festgestellt werden müj'fe, ob der Taglöhner Mft- älitb der Kasse gewesen fei, gesetzlich nicht begründet sei. Der wettere, Einwand, daß der Behandelte, obwohl der Erkrankungsfall kein dringender gewesen, einen anderen Arzt genommen und die Aufnahme in das Krankenhaus nur auf Antrag des Kassenarztes und nut Zustimmung der Kasse hätte erfolgen können, greife nach bes Gesetz dem Ortsarmenverband gegenüber nicht Platz. — Die Verhandlung über die Streitsache des Backsteinfabrikanten Herrn Heinrich Staab zu Sindlingen gegen ben Landrath zu Höchsta. M. und die beigelabcnen Entsprechenden, Landwirt!) G. Jos. Westenberger unb Kons, zu Sindlingen, wegen Verweigerung der Ansiedelungsgenehmigung für ein Arbetterwohnhaus am Zeils- Heimer Weg, wird vertagt, da sich herausstellt, daß den Einsprechenden die Klage nicht zugestellt worden ist. — Das Gesuch pes Herrn Georg Voell zu Nied um dte Erlaubmß zum Branntwein-Ausschank in seinem Laden ist von dem Kreis- ättSschuß abgelehnt worden, da in dem 3421 Seelen zählenden Nied durch neun vorhandene Schankstellen das Bedürfniß gedeckt wäre. Die von dem Gesuchsteller hiergegen erhobene Berufung wird zurückgewiesen, da der Bezirksausschuß ebenfalls ein Bedürfniß nicht anerkennen konnte. — Die Berufung des Herrn Konrad Bender zu Rodheim, Kreis Biedenkopf, wegen Verweigerung der Gastwirthschaftskonzession, wird als verspätet, und diejenige des Herrn Georg Heck III. zu Friedensdorf, Kreis Biedenkopf, dem ebenfalls die Gastwirthschastskonzession verweigert worden ist, wird als unbegründet verworfen. — Auf den Antrag des Herrn Polizeipräsidenten zu Frankfurt a. M., der Gast- wirthm Elisabeth Decker daselbst, Mainzer Gasse 28, die Gastwirthschaftskonzession zu entziehen, beschließt das Gericht, zunächst Beweis zu erheben.
jlttttnlttM» für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für bi« Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. ’IS1" ■j'lllItlljMlv nächsterscheinenben Ausgabe wirb keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
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1899.
