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WM l 41

Morgen - Ausgabe

Heiterkeit er-

iernacht zu-

;che einen

verstanden.

Nereins-Dlachrlchten.

(Kurze sachliche Berichte werde» bereilwüligst unter dieser Ueberschrist aufituuuuucu.)

* Das Männer-Quartettßtlaria veranstaltete am letzten Sonntag, von Nachmittags 4 Uhr ab, im SaaleZur Waldlust" eine außerordentlich zahlreich besuchte karnevalistische Unterhaltung

mit Tanz, welche auss Schönste verliest Neben der überaus guten Wiedergabe verschiedener Chöre heiteren Genres ernteten die Vereins- mitqliedcr Herren W. Heuß und K. Knenper für die vortrefflich: Wiedergabe'der humoristischen Baßlieder:Der tiefste Baß" und Die rothe Rase rauschenden Beifall. Den Mitgliedern Herren Lehmann, Hahn, Möller und Allendörser wurde für verschiedene Couplets ec. ebenfalls reicher Beifall zu Theil. U. A. war es ge­lungen, den Militärmustk-Jmitator Herrn I. Kratz aus Rüdeshetm für die Veranstaltung zu gewinnen, welcher durch seine eigenartigen Darbietungen die Zuhörer geradezu begeisterte. Nicht in letzter Linie sei der als Karneval-Redner rühmlichst bekannte Herr Julius Cäsar erwähnt, welcher als Gast anwesend war und durch feine humoristischen Ansprachen und Vorträge stürmische Heiterkeit er­regte. Ein Tänzchen hielt die Theilnehmer bis Mitternacht zu­sammen.

die guten Sitten die Oeffentlichkeit ausziischließen. Das Gericht theilt die Befürchtung, daß die guten Sitten gefährdet werden könnten, nicht,, und beschließt, die Oeffentlichkeit zuzulafleii. Die ganze Verhandlung dreht sich um einen großen Klatsch, an dem sich, wie schon die Liste der Angeklagten beweist. Alles, All und Jung, betheiligte. Einer hat dem Andern imWirthshaus, beim Barbier, auf der Straße, in der Werkstatt, kurz überall, wo man sich traf, von dem Pfarrer Sieriug allerhand ebrenriitjrige Dinge erzählt, er soll ein Verhältniß mit einem 16-jährigen Mädchen haben, sich des Sittlichkeitsverbrechens schuldig gemacht haben, durchgegangen sein und dergleichen mehr. Ein Gerücht wächst bekanntlich unheimlich, ans einer Mücke wird zuletzt ein Elephaut. Aber hier handelte es sich nicht einmal um eine Mücke. Die Einzelnen wollten zwar nicht die Absicht gehabt haben, das Gerücht zu verbreiten. Eines will sogar das Ändere gewarnt haben. Eines hat auch mit dem Anderen nur unter vier Augen darüber gesprochen, das Zweite hat es ebenso und das Dritte gleichfalls so gemacht. Alle Angeklagten müssen heute zugebeu, daß Alles nur Klatsch ist. Keines macht auch nur den Versuch, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Bei der Schwätzerei bekam außer dem Pfarrer S. auch der Kaplan etwas ab. Der erste Angeklagte, Julius Petry, soll sich der öffentlichen Beleidigung der gejammten Geistlichkeit des Bisthums Limburg dadurch schuldig gemacht haben, daß er im WirthshauS behauptete, an der Lahn befinde sich ein Asyl für uneheliche Kinder katholischer Geistlichen. Auch hier handelt es sich nur um ein Gerücht; Petry und auch sonst Niemand vermag zu sagen, wo sich ein solches Asyl befindet. An der Schwätzerei hat sich katholisch wie evangelisch betheiligt und so halten sich denn auch beide Konfessionen auf der Anklagebank die Waage. Nach­dem die Angeklagten verhört und einige Zeugen vernommen waren, trat um 1 Uhr eine zweistündige Mittagspause ein. Die Zeugenvernehmung war gegen 5 Uhr beendigt. Der Gerichtshof trat dann in die Prüfung der Strafanträge ein. Bei dieser Gelegenheit erwähnte Herr Pfarrer Sie ring, daß er, obwohl ihm die Schwätzerei an seiner Gesundheit geschadet, doch nur Diejenigen gestraft wissen möchte, welche das Gerücht böswi llig verbreitet hätten, für Alle aber bitte, Milde walten zu lassen. Er könne überhaupt nicht annehmen, daß Jemand böswilliger Weise das Gerücht nach­geredet habe. Herr Staatsanwalt Langer hält auch dafür, daß die meisten Angeklagten nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Schwatz­haftigkeit gehandelt hätten. Bedauerlich sei nur, daß der Erfinder des Gerüchts nicht ermittelt worden wäre; der habe sich hier, wie überall, im Hintergründe gehalten und von Anderen die Kastanien ans dem Feuer holen lassen. Der Vertreter der Kgl. Staatsanwaltschast be­antragte meistens Geldstrafen von 10 bis 50 Mk. und nur gegen Einzelne Gefängnißstrafen bis zu 3 Monaten. Das Gericht ver­tagte die Urtheilsverkiindigung bis heute Über acht Tagen.

Dom treuen Armee-Corps. Die Infanterie-Regimenter 80, 81, 166, 168, 87 und 88, die vom XI. zum XVIII." Armee- Corps übertreten, erhalten vom 1. Oktober ab blaue Achselklappen mit rothen Regiments-Nummern. Die ebenfalls zum XVIII. Armee- Corps übertretenden vier alten großherzoglich-hessischen Jnfanterie- Regnnenter 115 bis 118 werden ihre traditionellen Reglments- Ailszeichnungen rotb, weiß, gelb, blau in der Farbe der Achsel­klappen behalten. Stn Kavallerie werden dem XVIII. Armee- Corps zugetheilt die beiden großherzoglich-hessischen Dragoner- Regimenter 23 und 24, die 6er Ulanen und 13er Husaren. Die Neubildung eines Jäger- und Pionier-Bataillons wird vor­läufig noch nicht erfolgen. An Tram wird dem Armee-Corps das eHerzoglich-hessische Trainbataillon Nr. 25 zugetheilt werden.

neue Armee-Corps wird als Standquartier das Großherzog- thnm Hessen, Nassau, Franffurt und einen kleinen Theil des ehe­maligen Kurhessens erhalten. Das XI. hessisch-thüringische Corps wird in Zukunft in Kurhessen und Thüringen stehen. Ihm werden die Infanterie-Regimenter 32, 83, 94, 95 und 167, das 11. Jäger­bataillon, das 11. Pionierbataillon, sowie die 5er Dragoner und 14er Husaren verbleiben und voraussichtlich das in SübljannoOer stehende 2. hessische Infanterie-Regiment Nr. 82, sowie Regimenter der Erfurter Division zugetheilt werden.

Aus Stadt und §and.

Wiesbaden, 2. Februar.

Geschichtskalender. 2. Februar. 1890: f Andrassy, österr. Staatsmann. 1864: Beschießung von Miffunöe durch die Preußen. 1849: Einrücken der Russen in Siebenbürgen. 1829: * Alfred Brehm zu Renthendorf, der Gründer des Berliner Aquariums (t 11. November 1884). 1827: * Oswald Achenbach zu Düsseldorf, hervorr. Landschaftsmaler. 1808: * Gust. Kirchen- pauer zu Hamburg, hervorr. Hamb. Staatsmann (t 3. Marz 1887). 1797: Erstürmung des Brückenkopfes von Hüningen durch die Oesterreicher. 1778: * Slug, de Candolle zu Genf, berühmter Botaniker. 1769: t Papst Clemens XIII., der besondere Freund der Jesuiten. 1758: * Zoh. Hahn zu Altdorf, schwäb. Theosoph, Begründer der Sekte der Michelianer (t 20. Januar 1819 zu Sind­lingen). 1711: * Fürst von Kaunitz, berühmter österr. Staats­mann (ck 27. Juni 1794 zu Mariahilf). 1700: * I. CH. Gottsched zu Juditten, Gelehrter und Schriftsteller (t 12. Dezember 1766 zu Leipzig). 1594: f Giovanni Palestrina, der berühmteste Ton­meister der röm. Schule. 1589: f Katharina Ricci, die Heilige. 962; Erneuerung der Kaiserwürde, heil. röm. Reich deutscher Nation. 962: Otto I. in Rom zum Kaiser gekrönt.

An» dem Magistrat. DerVerschönerungs- Verein" beabsichtigt, vielfachen Wünschen Rechnung tragend, von der Melibocns-Eiche bis zur Bahnholz-Restauration neben der :I* "wen Fußpfad anzulegen. Der Magistrat ist hiermit ein- Der bisherige Volontärarzt im städtischen Kranken-

hause, Herr Dr. Bartholdy, tritt zum 1. Februar in die er­ledigte Assistenzarzt stelle, und seine Stelle ist Herrn Dr. Gleim übertragen worden.

Der große Höchster Keleidignng»pro?, dessen Bevorstehen wir kürzlich meldeten, hat am gestrigen Tage flatt- gesunden. Derselbe spielte vor der Strafkammer des hiesigen Königl. Landgerichts und unser v-Benchterstatter referirt darüber wie folgt: Es handelt sich um öffentliche Beleidigungen der katholischen Geistlichkeit des Bisthums Llmburg im Allgemeinen und des katholischen Stadtpfarrers Sieriug und dessen Kaplans Herrmann zu Höchst a. Ä. insbesondere. Die Anklage richtet sich gegen folgende 33 Personen, die alle in Höchst arbeiten und, soweit nichts Anderes bemerkt ist, auch daselbst wohnen: Schlosser Julius Petry, geb. 1859, Arbeiter Leyendecker, goorifarbeiter Johann Müller, geb. 1873, Schlosser Franz Joses chneider zu Frankfurt a. M., geb. 1857, Gemüsehändler Heinrich Beyersdorf, geb. 1858, Kaufmann Billasch, früher zu Höchst, jetzt tu Heddernheim, geb. 1864, Barbier Andreas Nutzer, geb. 1870, Schlosser Karl Pflüger zu Kelsterbach, geb. 1846, Fabrikarbeiter Adolf Ott, geb. 1875, Taglöhner Johann Dremel zu Hattersheim, ;eb. 1855, Taglöhner Karl Gehringer zu Unterliederbach,

jeb. 1879, Schreiner Josef Mörsdorfer zu Hattersheim,

geb. 1848, Rangirer Gg. Hch. Schnabel zu Frankfurt a. M., geb. 1872, Schlosser Heinrich Hastentenfel, geb. 1847, Schlosser frgrl Georg, geb. 1852, Fabrikarbeiter Ludwig Jordan, Wittwe Wilhelmine Muller, geb. 1839, Gürtler Konrad Karel zu Sindlingen, geb. 1870, Metzgersehefrau Minna Klingenberg, geb. 1862, Fabrik­arbeiter Johann o. Hayn zu Nied, geb. 1863 Anna Debus, geb. 1881, Sfirifarbeiter Valentin Moos zu Schwanheim, geb. 1866, Arbeiter ristian Gollong, geb. 1870, Arbeiter Albert Meißemann zu Sindlingen, geb. 1865, Hausbursche Michael Kugler zu Darmstadt, geb. 1874, Bäcker Louis Weirauch, geb. 1881, Fabrikarbeiter Anselm Weber, geb. 1881, Müllersehefrau Elise Stapf, geb. 1874, Heizer Ludwig Späth, geb. 1863, Fabrikarbeiter Heinrich Eckel, geb. 1858, Fabrikarbeiter Ph. Jos. Hartleib zu Sindlingen, geb. 1842, Schlosserlehrling Johann Lauser, geb. 1882, Zimmermann F. Anton Meireis, geb. 1871. Die Angeklagten sind alle bis auf einen, den L. Jordan, der nicht geladen werden könnte, erschienen. Außerdem sind 30 Zeugen geladen, von denen zwei nicht erschienen sind, weshalb die Verhandlung gegen Leyen- decker abgetrennt und vertagt wird. Vor Eintritt in die Verhand­lung stellt der Herr Staatsanwalt den von dem Vertheidiaer Herrn Rechtsanwalt Guttmann bekämpften Antrag, mit Rücksicht auf

* Die am verflossenen Sonntag in derTurnhalle" Wellritz­straße 41 abgehaltene karnevalistische Sitzung der Gefellfchast Fidelio" erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuchs. Nach dem Einzug des närrischen Comites erfolgte die Vorstellung der einzelnen Comitömitglieder durch den närrischen Präsidenten, sodann hielt letzterer eine urgelungenc Eröffnungsrede, welche ebenso wie bas hierauf zur Verlesung koiumeude Protokoll und der Kassenbericht einen ungeheuren Heiierkeitserfolg erzielte und stürmischen Beifall fand. Die nun folgenden Vorträge, Duette, komische Scenen re. erzeugten oft wahre Lachstürme und erhöhten, verbunden mit Ab­singen närrischer Lieder, die bereits herrschende ursidele Stimmung. Bon den aufgeführten größeren Stücken feien nur erwähntDer Wunderdoktor",Das internationale Sänger-Quartett" und die tolle SceneDie Bumutsdorfer freiwillige Feuerwehr", welch letztere von geradezu explosiver Wirkung auf dieLachmuskeln der Zuschauer war. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein Dütenball, der die Slnwesendeu in animirtefter Stimmung bis gegen Morgen fesselte.

* Am letzten Sonntag Abend hielt imRömersaal" der beliebte, und auch auf karnevalistischem Gebiete geschätzteWiesbadener Männerklub" eine närrische Damensitzung. Punkt 8 Uhr 11 Min. hielt das Comitö mit großem Pomp fernen feierlichen Einzug Das Narrensccpter schwang diesmal das Mitglied Sldam Grünberg. Die Ansprache desselben fand ungethcilten Beifall und brachte die richtige Stimmung in die Gesellschaft. Der Protokoller Karl Grünberg waltete in guter Weise seines Amtes. Nunmehr folgten Schlag auf Schlag ausgezeichnete Vorträge und Lieder, fodaß das Auditorium nicht ans dem Jubel herauskam. Urnarr August Hartmann erzählte, was alles Keile verdiente und brillirte als Gesanglehrer bei der durch die Slktiven des Vereins abgehaltenen Probestilnde. Narr Enders sang das LiedAm Rhein beim Wein", Narr Kiefer hatte als Sliinoncensantmler Schwammler und mit seinem Ständchen an Auguste, ferner im Verein mit den Narren Zwerenz und Kremer alsnettes Kleeblatt" die Lacher auf seiner Seite. Die Brüder Grünberg brachten ein Zwiegespräch als Wasch­weiber, in welchem sie lokale, politische und Vereins-Angelegenheiten geißelten. Der große Rath der WiesbadenerNarrhalla" war mit Pomp erschienen. Die darauf bezügliclM Slnsprachen der beider­seitigen Präsidenten verkündeten das gute Einvernehmen der beiden Vereine. Sliich dem verdienstvollen Präsidenten des Männerkltibs, Herrn Baumgarten, brachten die birigirenden Präsidenten der Narrhalla" und desMännerklub" eine Ovation dar. Seitens der Mitglieder derNarrhalla" Herren I. Chr. Glücklich, Ross, Dickel und Brüning wurde der Abend durch Vorträge verherrlicht. Narr Plate, Ehremnilglied desMännerklub", saug das Lied:Ich denke Dein" in formvollendeter Weise und mußte sich zu Mei Zu­gaben verstehen. Von dem Leiter der närrischen Kapelle, Herrn Weber, wurde ein Trompetensolo vorgetragen. Nachdem die beiden Comitss kurz nach 12 Uhr ihren pomphaften Abzug gehalten hatten, kamen die Rechte der tanzlustigen Welt zur Geltung, die dann bis zur vorgerückten Morgenstunde ganz ausgiebigen Gebrauch davon machte.

* Die große Volkssitzung des KarnevalvereinsW i e s b a d e n s i a" saitd am Sonntag in den beforirten Sälen desWalthers Hof" statt. Ucber 300 Personen füllten den großen Saal. Die EröffnungS- rebe bcs Präsidenten Heibecker brachte gleich bie richtige Karneval­stimmung in bie Theilnehmer. Reichskanzler S. Franz jun. zündete mit bem Protokoll ber letzten Sitzung, Rathsntitglied Sellgmam. mit bem Couplet:Gerade wie gewisse Leute" rc., ebenso wieDienst- mann Nr. 111 (Egenols jun.) als Vereinsbiener bei bem Schiller- benkmal-Erbauung«comi:s. Die Stimmung steigerte sich noch, als

Io Mm., Bellatrix 8 llyr 4c> Mm., Beteige 10 Uhr 6 Min., Prokyon 10 Uhr 59 Mi . Regulus 1 Uhr 31 Min., Dnbhe 2 Ufa

Sirius

noch l/i Stunden sichtbar. Sein

schützen. Das röthliche Licht des Mars erinnert an glühendes Äsen. Dieser Planet ist die ganze Nacht hindurch sichtbar und tehl im Bilde des Krebses, seine beiden Möndchen Deimos und Phobos können nur in sehr mächtigen Refraktoren bemerkt werden

and erscheinen selbst in diesen nur als Lichtpünktchen. Jupiter befindet sich im Skorpion und erhebt sich gegenwärtig um 1, zu Ende des Monats bald nach 11 Uhr Nachts. Seine größeren Monde können mit Hülse des Feldstechers leicht gesehen werden. Saturn hält sich, wie Venus, im Schützen auf und zeigt sich, wie diese, als Morgenstern. Er erhebt sich zur Zeit um 5, nach vier Wochen um 3 Uhr Früh. Die große Achse seines Ringsysteuts ist augenblicklich 2M8-mal so groß als bie kleine. In demselben Bild

bewegt sich Uranus in der Lichtstärke eines Sternchens6.Größe. Nur sehr scharfe Augen können ohne Glas diesen Planeten er­kennen. Im Mai wirb er ber Erbe am nächsten stehen. Der teleskopische Neptun hält sich in ben Zwillingen auf. Hiernach finb im diesjährigen Februar sämmtliche Planeten mit Ausnahme des Merkur sichtbar. In Mondnahe stehen Jupiter am 3., Saturn am 6., Venus am 7. und Mars am 21.

Grade im Februar zeigt sich der Fixsternhimmel in ber Fülle seiner Pracht. Am 1. bietet er um 9, am 15. um 8 und am 23. um 7 Uhr Abends folgendes Bild. In SSO., nahe deiURittags- linie, funkelt im Bild des Großen Hundes der Sirius, ber hellste Fixstern. Nordöstlich von ihm, jenseits ber Milchstraße, strahlt im Kleinen Hund ber gelbliche Prokyon, ben bie Araber Algomaiza ober ben nördlichen Sirius nannten. Nördlich von ihm wandern bie Zwillinge, Kastor und Pollux, ruhig und schweig­sam ihre Straße weiter. Letzterer ist heller und sieht südlicher als ersterer. Oestlich von ihnen erkennen wir im Bilde des Löwen ben Regulus mit seinem bläulich-weißen Licht. Nördlich von den Zwillingen zieht der Himmelswagen heraus, ber eine süd- liche Richtung verfolgt. Der hellste Stern ber Deichsel ist Mtzar. Die Entfernung von diesem bis zum Stern Dnbhe, d. i. bis zu bem Hinterrad, das sich bem Polarstern am nächsten befinbet, ist 4 Millionen mal so weit als ber Abstand zwischen Sonne unb Erde, ber im Mitte! 20 Millionen Meilen be­trägt. Zwischen Zwillingen und Regulus befinbet sich das sonst unscheinbare Bild be« Krebses, bem jetzt Mars bie Ehre seines Besuchs erweist. In biefem Bilde erscheint bem bloßen Auge eine bünne Lichtwolke. Richtet man auf biese bas Opernglas ober, besser, den Feldstecher, so erkennt man zahllose Sonnen, Welten, die viele Billionen Meilen entfernt sein mögen. Man wolle ber Beobachtung dieses einzig schönen Sternhaufens doch einmal wenigstens ein paar Minuten Zeit widmen! Auf ber westlichen Hälfte bes Himmels erkennen wir hoch oben rechts vom Meridian ben Orion, unter schönstes Sternbild. Der helle röthliche Stern oben links ist Beteigeuze, ber rechts davon wird Bellatrix ge­nannt. Unten rechts funkelt der weißliche Rigel und links von diesem ber Stern Kappa. In ber Mitte dieses Vierecks strahlen bie drei Sterne des Gürtels ober bes Jakobstabs ober bie heiligen brei Könige. Unterhalb derselben tritt ber Nebel des Orion hervor. Die. sechs weniger hellen Sterne südlich von diesem Bilde umfassen

das des Hasen. Nordwestlich wandelt der Stier einsam unb schweigsam seinen Pfad bahin. Der hellste röthliche Stern wird Aldebaran genannt, ber bie Hyaben vor sich her treibt. West- nordwestlich blinken uns bie freu üblichen Plejaden einen Gruß zu, bas Siebengestirn, in bem wir schon mit Hülse des Feldstechers mehr als 30 Sterne finden. Gerade nördlich vom Orion flackert in gelblichem Feuer Kapella im Fuhrmann, während östlich hiervon ber veränberliche Algol zu fhtben ist. Von diesem aus westlich strahlen die Sterne ber Kasstopeja. West­lich von dieser erkennen wir in ber Andromeda den berühmten Nebel, ber, roie ber bes Orion, schon mit bloßen Augen wahr-

Jin biesiahngen Februar können an Planeten gesehen »erben zunächst Venus, bie in prächtigem Licht als Morgenstern uns begrüßt. Der Planet ist jetzt 2'-, zu Enbe Februar aber nur ' I Standort ist da« Bild des

zunehmen ist. Tief unten im N. befinbet sich bie faphirsarbtge Wega in ber Leier. In 12,000 Jahren wirb sie Polarstern sein, währenb heute ihre Stelle Stern Alpha im Kleinen Himmels­wagen, b. h. Stern Kynosura ober Alrnkaba, einnimmt. Dieser ist Boni Norbpol bes Himmels jetzt 1° 14' entfernt. Im Jahre 2100 wirb er von diesem nur noch 0° 28' entfernt sein. Der mild- leuchtende Bogen ber Mil chstraße steigt rechts von der Wega verzweigt empor. Die Zweige vereinigen sich bei Dened tm Schwan zu einem Banbe, bas bis zum Perseus eine südliche, nach­her eine südöstliche Richtung verfolgt. An Sternen 1. Große sind gleichzeitig sichtbar Aldebaran, Beteigeuze, Kapella, Pollux, Prokyon, Regulus, Rigel, Sirius unb Wega.

In ber Nacht bes 1. ziehen burch den Meribian ober kulminiren zwischen Nordpol bes Himmels unb Südpunkt bes Horizonts Algol 6 Uhr 29 Min. Abends, Algenib 6 Uhr 43 Min., Siebengestirn 7 Uhr 10 Min., Aldebaran 8 Uhr, Kapella und Rigel 8 Uhr 35 Min., Bellatrix 8 Uhr 45 Min., Beteigeuze 9 Uhr 15 Mm., Sirius 10 Uhr 6 Min., Prokyon 10 Uhr 59 Min., Pollux 11 Uhr 4 Min., Regulus 1 Uhr 31 Min., Dnbhe 2 Uhr 25 Min., Spika 4 Uhr 48 Min. unb Arktnrus 5 Uhr 39 Min. Früh. In berfelben Nacht ziehen durch bie Mittagslinie zwischen Nordpol des Himmels unb Nordpunkt des Horizonts Wega 9 Uhr 59 Min. Abends, Deneb 12 Uhr 7 Min., Kasstopeja 4 Uhr 19 Min. unb Polarstern 4 Uhr 48 Min. Früh. In jeher nächsten Nacht vollzieht sich bie Kulmination ber Fixsterne um 3,93, also runb um 4 Minuten früher.

Sternschnuppen pflegen im Februar ober Hornung aus­zugehen in ben Nächten vom 5. bis 10. vom Fuhrmann, am 15. zwischen Schlange, Krone unb Bootes unb am 20. vorn Himmels­wagen und HertttleS. Dr. B.

(Nachdruck verboten.)

Astronom. Erscheinungen im Februar189S.

(Eigener Aussatz für dasWiesbadener Tagblatt".)

Unsere Sonne, bie heute 19,678,000Meilen von uns entfernt 'st, gelangt am Abend des 18. ins Zeichen der Fische. Der Bogen, den sie am Himmel beschreibt, wird fort unb fort größer unb bie Länge ber Tage nimmt zu. Der Abstand vom Südpunkt des Sonzonts wird von Tag zu Tag ein weiterer unb beträgt am Mittags 12 Uhr für Wiesbaden 22 10' 48". Die bürgerliche Dämmerung, in der cs des Morgens schon und des Abends noch fo hell ist, daß man ohne künstliche Beleuchtung gröbere Arbeiten verrichten und größere Schrift lesen kann, dauert heute für die Orte unseres BrettegradeS 36 Minuten. Die Sonne steht in diesem Fall nicht tiefer als 6 unter bem Horizont. Die astro­nomische Dämmerung, bie ber bürgerlichen Morgens vorangeht und Abends folgt, hält jetzt 110 Minuten an. Sie zeichnet sich durch einen hellen schein am Morgen- bezw. Abendhimmel aus. Die sonne steht tu diesem Falle nicht tiefer als 18° unter dem Horizont. Die Zettgleichung beträgt am 1. 13 Min. 48 Set./ am 12. 14 Mm. 27 sek. Vom 13. an nimmt sie ab. Der Mond ist Neumond am 10., Vollmond am 25. Er steht in Erdnähe am 9., m Erdferne am 22.

Ättttrthitti» für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für bie Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereidjter Anzeigen zur

Anzeigen -Annahme nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewahr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 7 5 9 5

Donnerstag, den 2. Februar.

Uo. 55.

1899.

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

«7. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs Preis: durch den Verlag 60 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «o Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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